Althea und Arcas - Simone Lilly - E-Book

Althea und Arcas E-Book

Simone Lilly

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Beschreibung

Seit ihrer Geburt lebt die Königstochter Althea im Schatten einer Prophezeiung: Folgt sie je dem Ruf des Meeres, so heißt es, wird das Königshaus untergehen. Aus Angst sperrt man sie ein – in goldene Hallen, in Pflichten, in ein Leben ohne Wahl. Als ihr Vater sie schließlich an einen fernen Prinzen verheiraten will, scheint ihr Schicksal besiegelt. Doch am verbotenen Strand begegnet sie einem geheimnisvollen Fischer, der mehr über sie zu wissen scheint als jeder andere. Zwischen salziger Luft und heimlichen Gesprächen erwacht eine Liebe, die unmöglich ist – denn der Fremde ist niemand Geringerer als Arcas, der Gott des Meeres selbst. Er ist gekommen, um die Prophezeiung zu erfüllen. Stattdessen verliebt er sich. Als die Prinzessin über das Meer in eine grausame Zukunft reist, folgt er ihr in sterblicher Gestalt. Doch Verrat, Angst und Gewalt treiben sie auseinander – und führen die Prophezeiung auf einen grausamen Höhepunkt zu. Eine Geschichte über Freiheit und Angst, über Liebe und Schicksal – und darüber, welchen Preis Unsterblichkeit wirklich hat.

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Seitenzahl: 88

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Simone Lilly

Althea und Arcas

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1 – Das Flüstern der Tiefe

Kapitel 2 – Schatten über dem Thron

Kapitel 3 – Der Sturm der Ankunft

Kapitel 4 – Die Flut der Befürchtungen

Impressum neobooks

Kapitel 1 – Das Flüstern der Tiefe

„Wenn die Tochter des Hauses Thalerys dem Ruf der Tiefe folgt,wird die Krone im Sturm versinkenund der Thron in Schaum zerbersten.“– Aus den Aufzeichnungen der Seher von Athis

Der Vers wurde in allen Tempeln an den Küsten von Generation zu Generation weitergetragen, ein leiser Hall, der durch die Jahrhunderte wehte wie das Rauschen der Brandung. In den Gassen der Hafenstadt Thalerys flüsterten ihn die Alten den Kindern zu, und in den prunkvollen Hallen des Palastes hallte er wie ein unwillkommener Gast, den niemand vertreiben konnte.Der Herbst hatte das Reich in warmes, bronzenes Licht getaucht. Kastanienblätter segelten von den Mauern des Königshofs herab, und das Meer – sonst so klar und saphirblau – trug einen matten, graugrünen Schimmer, als sei es selbst voller Ahnung. Möwen kreisten tiefer als gewöhnlich, ihr Geschrei klang unruhig. Fischer erzählten von unerklärlichen Strömungen, die Netze zerrissen und Boote trieben wie Spielzeug.König Theron, der dritte dieses Namens, sah darin keinen Grund zur Besorgnis. Er thronte in der großen Halle, ein Mann mit Augen wie gehärteter Stahl und einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. Reich und gefürchtet war er geworden, indem er das Meer plünderte: heilige Perlenbänke ausgerissen, Opfergaben von den Schreininseln geraubt, verbotene Jagd auf die legendären Silberwale betrieben. „Die See ist unser Schatzhaus“, pflegte er zu sagen, „und kein Gott wird mir verbieten, was meine Flotten erringen können.“Seine Frau war früh gestorben, ihm blieb nur Althea, ihre Tochter, geboren in einer stürmischen Nacht. Statt der ersehnten männlichen Erben war es dieses Kind gewesen, dem die Seher einst jene verhängnisvolle Weissagung nachsagten. Theron hatte es nie verwunden. Für ihn war Althea eine Mahnung an göttliche Launen – zu klug, zu eigensinnig, zu sehr das Bild ihrer Mutter.Doch Althea, nun zweiundzwanzig, war längst kein stilles Mädchen mehr. Ihr Geist suchte Bücher und Sternenkarten, nicht Stickrahmen und höfische Spiele. Oft entwich sie bei Morgendämmerung auf die hohen Klippen, um die Gezeiten zu beobachten. Sie liebte das Rascheln der Blätter im Herbstwind und das tiefe Atmen der See. Manchmal glaubte sie, eine Stimme aus den Wellen zu hören, einen Laut, kaum lauter als das Knistern von Muschelschalen, der in ihr Herz drang wie ein fernes Versprechen.An diesem Abend, als die ersten Nebelschwaden vom Meer aufstiegen, stand Althea am östlichen Balkon des Palastes. Unter ihr glomm die Hafenstadt, goldene Lichter spiegelten sich in der unruhigen Flut. Der Wind roch nach Regen und Salz. Etwas Uraltes regte sich in der Tiefe – und sie spürte es, ohne zu wissen, dass der Gott, dessen Name bald wie ein Sturm über ihr Leben fegen würde, bereits erwachte.

Kapitel 2 – Schatten über dem Thron

Der Morgen brach in gedämpftem Gold über Thalerys an. Nebel lag wie feine Seide über den Zinnen, und das Rauschen der Brandung mischte sich mit dem Läuten der Palastglocken. Althea schloss die Augen, sog den Geruch von Salz und Herbstlaub ein und verspürte jenen winzigen Funken Freiheit, der sie immer packte, bevor der Tag sie wieder in höfische Pflichten zwängte.Im Palast war das Erwachen weniger sanft. Diener huschten durch die Korridore, die großen Türen der Audienzhalle wurden weit aufgestoßen, und König Therons Stimme dröhnte bereits, lange bevor Althea den Speisesaal betrat.„… ein Bündnis mit Erithos ist politisch klug, und der Prinz von Lorynth verlangt keine übertrieben hohe Mitgift. Wir werden nicht ewig warten!“Althea blieb im Türrahmen stehen. Ihr Vater bemerkte sie sofort und verzog die Lippen zu jenem dünnen Lächeln, das nichts von Zuneigung verriet.„Da ist sie ja, die Zierde unseres Hauses“, sagte er mit einer Mischung aus Stolz und Gereiztheit. „Setz dich, Tochter. Wir sprechen von deiner Zukunft.“Sie kannte diesen Ton: scheinbar warm, doch voller Berechnung. Der König fuhr fort, als sei sie selbst ein Handelsgut: „Der Prinz von Lorynth hat erneut um deine Hand geworben. Ein gutes Bündnis. Seine Flotte könnte unsere Handelsrouten nach Osten sichern.“Althea setzte sich schweigend. Ihre langen Finger umklammerten den Kelch aus poliertem Silber, als könnte sie sich daran festhalten.„Vater,“ sagte sie ruhig, „ich bitte dich, diese Entscheidung noch zu bedenken. Lorynth mag Flotten haben, aber ihr Hof ist von Intrigen zerfressen. Und du weißt, dass ich nicht—“„Du ‚bittest‘ mich?“ Seine Stimme wurde schneidend. „Die Prophezeiung hängt über uns wie ein Schwert. Solange du hier bist, wird jeder Sturm, jedes Missgeschick mir als Omen ausgelegt. Du wirst heiraten – und fort sein. Das ist der einzige Weg, den Thron zu schützen.“Althea schluckte. Es war nicht nur die Prophezeiung, das wusste sie. Sie war das ständige Spiegelbild seiner Angst – und seiner Enttäuschung, keinen Sohn zu haben. Er sah in ihr nicht die Frau, die sie war, sondern die Bedrohung, die sie verkörperte.Nach dem Mahl entwich sie, wie so oft, in die Bibliothek. Dort roch es nach Staub und altem Pergament, nach Geschichten, in denen Frauen und Männer ihr Schicksal selbst bestimmten. Sie strich über die Kartenseiten, auf denen ferne Inseln in Ozeanen schwammen, und spürte wieder diesen leisen Ruf des Meeres, als sei dort draußen eine Antwort verborgen.Am Nachmittag ritt sie mit ihrem einzigen Vertrauten, dem alten Leibwächter Myron, an die Steilküste. Der Wind zerrte an ihrem Mantel, Wellen schlugen wie dunkle Trommeln gegen die Felsen. Myron sprach nicht viel; er wusste, dass sie hier vor allem Schweigen suchte.„Eines Tages,“ murmelte sie, den Blick auf die unruhige See gerichtet, „wird mich das Meer rufen. Und ich weiß nicht, ob ich widerstehen werde.“Myron antwortete nicht sofort. Schließlich sagte er leise: „Vielleicht ist der Ruf nicht dein Untergang, Prinzessin, sondern deine Rettung.“Althea sah ihn erstaunt an, doch er hatte den Blick schon wieder auf den Horizont gerichtet.In der Ferne zogen Wolken auf – schwarz und unruhig wie Tinte, die sich im Wasser verliert. Ein kühler Schauer lief ihr über den Rücken. Das Meer schien zu flüstern, und in dem Flüstern lag etwas, das nach Erwartung klang.

Kapitel 3 – Der Sturm der Ankunft

Die Nacht roch nach Regen, lange bevor die ersten Wolken den Mond verhüllten. Über dem Meer ballten sich schwarze Massen, unruhig wie ein Tier, das den Käfig sprengt. Die Winde kamen aus dem Nichts: ein plötzlicher, kalter Atem, der Fackeln verlöschen ließ und Türen gegen ihre Angeln drückte.Im Palast erwachte die Stadtwache zum Chaos. Glocken schlugen Alarm, Diener rannten über die Korridore, riefen sich Befehle zu, während draußen die See brüllte. Wellen türmten sich wie lebendige Mauern, peitschten gegen die Hafenmauern, rissen Kähne aus den Anlegeplätzen und warfen sie wie Spielzeug an die Küste.Althea stand am offenen Fenster ihrer Kammer. Der Sturm schien für sie kein Feind zu sein, sondern ein uralter Gesang. Ihre langen Haare wirbelten im aufpeitschenden Wind, doch ihr Blick blieb fest auf den tobenden Ozean gerichtet. Während unten Diener kreischten und ihre Amme an die Tür hämmerte, empfand sie keine Furcht – nur ein tiefes, fast schmerzliches Staunen.Ein gleißender Blitz riss den Himmel auf, erhellte das Meer in fahlem Silber. In diesem flüchtigen Licht sah sie ihn.Weit draußen, wo die Wogen sich überschlagen, stand eine Gestalt auf einem Felsen, so unverrückbar wie die Klippen selbst. Wasser umspielte seine Füße, doch er schien über der Gischt zu schweben. Ein Mann – hoch gewachsen, der Umriss scharf vor dem blitzenden Horizont, als gehöre er nicht dieser Welt. Seine Augen – oder war es nur ein trügerisches Aufleuchten? – funkelten wie zwei Splitter aus dem innersten Blau der Tiefe.Althea atmete ein, doch kein Laut verließ ihre Lippen. Für einen Herzschlag lang schien der Sturm zu schweigen. Dann – ein weiterer Blitz, und die Gestalt war verschwunden.Doch sie hatte ihn gesehen. Und irgendwo in der unendlichen Dunkelheit hatte auch er ihren Blick gespürt.Am Rand der sturmgepeitschten See stand Arcas, Gott der Meere, unberührt von Wind und Wellen. Er war gekommen, um zu richten: um den König, der heilige Opfergaben geraubt hatte, zur Rechenschaft zu ziehen. Doch während er die Küstenstadt prüfend betrachtete, wurde er von einem Blick getroffen – klar, kühn, aus einem hochgelegenen Fenster des Palastes. Eine Sterbliche, deren Augen dem Meer selbst zu entstammen schienen.Für den Bruchteil eines Atemzugs vergaß Arcas den Zorn, der ihn hergeführt hatte. Etwas in ihrem Blick, eine Stille inmitten des Orkans, war wie das tiefe, ruhige Herz des Ozeans selbst.Dann verschluckte der nächste Donner die Welt.Als die ersten Morgenstrahlen über die zertrümmerten Hafenmauern krochen, lag Thalerys verwüstet da. Fischerhütten waren fortgerissen, der große Leuchtturm war gespalten. König Theron schrie nach Berichten und Vergeltung, während das Volk murmelte: Der Gott des Meeres habe endlich seine Rache genommen.Althea aber schwieg. Noch immer fühlte sie den Blick dieses Fremden auf ihrer Haut – und wusste nicht, ob sie sich fürchten oder hoffen sollte.

Kapitel 4 – Die Flut der Befürchtungen

Die Sonne brach träge über Thalerys, doch sie vermochte nur wenig Wärme zu spenden. Der Sturm hatte tiefe Spuren hinterlassen: zertrümmerte Boote, zerrissene Segel, überflutete Straßen. Überall murmelten die Bewohner, ihre Stimmen durchzogen von Angst und Erstaunen. „Ein Zeichen des Meeresgottes“, raunten sie einander zu. „Das Unheil beginnt.“Im Palast herrschte hektisches Treiben. König Theron stampfte durch die Hallen, sein Gesicht gerötet vor Zorn und Sorge zugleich. Der Hofstaat bewegte sich wie in einem Schwarm aufgescheuchter Fische, jeder schien die bevorstehende Katastrophe zu spüren.Althea betrat die Audienzhalle, ihre Kleidung noch vom Regen getränkt. Sie spürte die Blicke auf sich: neugierig, ehrfürchtig, ängstlich. Ihre Schönheit schien in diesen Tagen eine Bürde zu sein – ein Zeichen, das die Prophezeiung noch greifbarer machte.„Meine Tochter,“ begann Theron, seine Stimme hart und befehlend, „dieses Reich kann keinen weiteren Sturm tragen. Kein weiteres Zeichen des Zorns. Ich habe beschlossen, dass der Prinz von Lorynth sofort aufbricht. Seine Flotte wird in zwei Tagen hier eintreffen. Du wirst mit ihm das Land verlassen.“Althea erstarrte. Zwei Tage? Zwei Tage, um ihr Zuhause, ihr Volk, ihre Bücher, ihre Freiheit zu verlassen? „Vater…“, begann sie, doch ihr Einwand wurde von einem knappen Wink des Königs erstickt.„Es gibt keinen Raum für Diskussionen. Jeder im Hof – ja, selbst die Seher – fürchten, dass weiteres Unheil über uns kommt, solange du hier verweilst. Deine Schönheit und dein Geist ziehen die Götter wie Magneten an. Du bist keine Zierde mehr – du bist ein Omen. Und ich werde das Reich nicht verlieren.“