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Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Alex! Hallo, Alex, bist du taub?« Der junge Krankenpfleger Chris heftete sich an Alex' Fersen. »Aaalex!« Nach einer gefühlten Ewigkeit verlangsamte Alex seine Schritte und rief über die Schulter zurück. »Hi, Chris! Sorry, aber ich bin im Moment echt in Eile. Wenn du an ein gemeinsames Essen in der Cafeteria denkst, muss ich leider passen. Ein andermal gern, aber heute gehts wirklich nicht.« »Wer redet vom Mittagessen? Verdammt, Alex, so bleib doch endlich stehen!« »Chris, bitte! Ich muss bis zum Ende meiner Schicht noch in über zwanzig Krankenzimmern die Betten frisch beziehen und…« »Sämtliche Waschmaschinen mit der Schmutzwäsche befüllen, fünfundzwanzig Bettpfannen leeren und dreißig Inkontinenzwindeln wechseln. Alles klar. Aber zuerst hörst du mir jetzt einmal gut zu. Weil ich dich brauche. Und zwar dringend.« »Wo brennt's denn?« Alex blieb stehen, doch seine ungeduldig auf seine Oberschenkel trommelnden Finger sprachen Bände.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2022
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»Alex! Hallo, Alex, bist du taub?« Der junge Krankenpfleger Chris heftete sich an Alex‘ Fersen. »Aaalex!« Nach einer gefühlten Ewigkeit verlangsamte Alex seine Schritte und rief über die Schulter zurück. »Hi, Chris! Sorry, aber ich bin im Moment echt in Eile. Wenn du an ein gemeinsames Essen in der Cafeteria denkst, muss ich leider passen. Ein andermal gern, aber heute gehts wirklich nicht.«
»Wer redet vom Mittagessen? Verdammt, Alex, so bleib doch endlich stehen!«
»Chris, bitte! Ich muss bis zum Ende meiner Schicht noch in über zwanzig Krankenzimmern die Betten frisch beziehen und…«
»Sämtliche Waschmaschinen mit der Schmutzwäsche befüllen, fünfundzwanzig Bettpfannen leeren und dreißig Inkontinenzwindeln wechseln. Alles klar. Aber zuerst hörst du mir jetzt einmal gut zu. Weil ich dich brauche. Und zwar dringend.«
»Wo brennt’s denn?« Alex blieb stehen, doch seine ungeduldig auf seine Oberschenkel trommelnden Finger sprachen Bände.
»Komm mit.« Chris packte Alex am Arm und wollte ihn mit sich fortziehen, doch Alex befreite sich mit einem energischen Ruck aus dem Griff des jungen Krankenpflegers.
»Himmel, wohin willst du denn? Was in aller Welt hast du vor?«
Chris packte erneut zu. »Das wirst du dann schon sehen. Hör jetzt endlich auf, überflüssige Fragen zu stellen und so stur zu sein. Ich bin dein Freund, schon vergessen? Und Freunde lässt man nicht einfach im Regen stehen.«
»Regen? Hat die Behnisch-Klinik etwa ein undichtes Dach? Dann bist du bei mir leider an der falschen Adresse.«
Chris gab keine Antwort, sondern zerrte Alex so heftig über den Flur zu einer Krankenzimmertür schräg gegenüber, dass Alex beinahe gestolpert wäre.
Mit einem Ruck riss Chris die Tür auf und schob Alex hinein.
Im nächsten Moment sah Alex sich einem jungen Mann ungefähr in seinem und Chris‘ Alter gegenüber.
Er saß wie ein Häuflein Elend, blass und mit Schweißtropfen auf der Stirn, auf dem mit einer Plastikfolie überzogenen Bett des leer stehenden Krankenzimmers und hielt sich jammernd seine linke Schulter.
»Da bin ich wieder, Heiko«, sagte Chris zu ihm und wies dann auf Alex: »Und ich habe dir Alex mitgebracht. Er wird sich um deine Schulter kümmern. Gleich wird es dir besser gehen. Mach dir keine Sorgen. Alles wird gut.«
Der junge Mann auf dem Bett löste seine rechte Hand von seiner Schulter und streckte sie Alex hin. »Ich bin Heiko. Danke, dass du mir helfen und dich um meine verletzte Schulter kümmern willst. Das werde ich dir nie vergessen, Mann.«
Alex‘ Blicke wanderten fragend von Heiko zu Chris. »Helfen? Ich? Ich bin kein Arzt, Chris! Wie kommst du auf die Idee, Heiko zu sagen, ich könnte ihm helfen?«
»Weil du Sanitäter bist«, antwortete Chris ruhig. »Wenn Heiko mit seiner verletzten Schulter auf der Straße läge und du mit deinem Rettungswagen gerufen würdest, müsstest du ihn ja auch behandeln. Zumindest provisorisch.«
»Im Rettungswagen ist immer auch ein Notarzt. Dein Vergleich hinkt, Chris. Und zwar ganz gewaltig.«
»Lass die Ausflüchte! Hilfst du Heiko jetzt, oder hast du allen Ernstes vor, dich zu drücken? Willst du nun Arzt werden oder nicht?«
»Natürlich will ich Arzt werden, aber noch bin ich keiner. Außerdem gibt es in der Behnisch-Klinik genug hervorragende Ärzte, die Heiko kompetent behandeln können«, beharrte Alex. »Deshalb bringst du Heiko jetzt am besten in die Notaufnahme, damit seine Schulter dort fachgerecht versorgt wird.«
Alex wandte sich zur Tür, doch Chris war flinker. Blitzschnell vertrat er Alex den Weg und stellte sich wie ein Wächter vor die Krankenzimmertür.
»Ich bringe Heiko gar nirgends hin«, zischte er und breitete seine beiden Arme bis über den Türrahmen hinaus aus. »In die Notaufnahme hätte Heiko auch selber gehen können. Dazu hätte er weder mich noch dich gebraucht.«
»Und warum willst du partout von keinem richtigen Arzt behandelt werden?«, wandte sich Alex irritiert an Heiko. »Ich verstehe allmählich überhaupt nichts mehr. Was … was in aller Welt geht hier vor?«
Heiko und Chris tauschten vielsagende Blicke.
»Sag ihm die Wahrheit, Chris«, verlangte Heiko schließlich. »Wenn er dein Freund ist, kannst du ihm vertrauen. Dann ist es nicht fair, ihm zu verheimlichen, warum ich keinen Arzt will.«
»Meinetwegen, wenn du meinst.« Chris hob die Schultern und ließ sie resigniert wieder sinken, dann richtete er seine Blicke auf Alex und musterte ihn prüfend. »Also gut. Die Wahrheit. Heiko verbüßt derzeit im Gefängnis eine Haftstrafe.«
Alex zuckte unwillkürlich zusammen.
Dann bedachte er Heiko mit einem halb neugierigen und halb misstrauischen Seitenblick.
Der junge Mann sah überhaupt nicht wie ein Gefängnisinsasse aus.
Jedenfalls trug er ganz normale Kleidung und wirkte auch von seinem Gesichtsausdruck und seinem Verhalten her keineswegs wie ein Verbrecher, sondern eher wie ein schüchterner Schuljunge.
»Bist du … bist du aus dem Knast ausgebrochen?«, erkundigte sich Alex.
Unwillkürlich schüttelte Heiko heftig den Kopf, was ihn jedoch sofort vor Schmerzen aufstöhnen und wieder nach seiner Schulter greifen ließ.
»Er hat heute Freigang«, antwortete Chris an Heikos Stelle.
»Ja, Freigang«, bestätigte Heiko, als er sich wieder gefasst hatte.
»Und auf dem Weg zu … und unterwegs ist er auf irgendeinem Müll ausgerutscht. Die Leute werfen ja alles Mögliche einfach auf den Boden, wo sie gerade gehen oder stehen«, berichtete Chris weiter.
»Ich glaube, es war eine Bananenschale. Jedenfalls bin ich volle Pulle auf den Asphalt des Bürgersteigs geknallt. Direkt auf meine linke Schulter«, übernahm Heiko wieder das Wort. »Einen Moment lang habe ich nur bunte Sternchen gesehen. Dann wollten sich hilfsbereite Passanten um mich kümmern und einen Arzt rufen. Aber ich habe ihnen versichert, dass ich voll okay bin. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich sie wirklich überzeugen konnte, doch zu guter Letzt habe ich es geschafft und sie sind abgezogen.«
»Und dann?«, hakte Alex mit gerunzelter Stirn nach.
»Ich habe mir gedacht, das wird schon wieder«, redete Heiko weiter. »Unkraut vergeht nicht, hat meine Oma immer gesagt. Also ich… ich bin nicht zimperlich. Ich bin echt hart im Nehmen. Ich bin richtig zäh. Nur als ich gemerkt habe, dass ich meinen Arm kaum noch bewegen kann und dass die Schmerzen immer schlimmer werden und wie tobsüchtig bis in die Fingerspitzen ausstrahlen…«
»Da hat Heiko Bammel bekommen, ist bei mir aufgetaucht und hat mich gefragt, ob ich ihm ein paar Aspirin geben und seine Schulter wieder einrenken kann«, vollendete Chris Heikos Satz. »Was die Aspirintabletten betrifft, hätte ich durchaus einen Blister oder auch zwei abzweigen können, aber das Einrenken einer Schulter ist kein Job für einen Krankenpfleger. Ich habe mir gedacht, ein Sanitäter ist dafür schon eher der richtige Mann. Und da ich wusste, dass du heute Praktikumsschicht hast, Alex, und in der Behnisch-Klinik bist, war die Sache für mich klar.«
»Also gut. Ich sehe mir die verletzte Schulter an«, lenkte Alex ein. »Nur verstehe ich leider immer noch nicht, warum du zu Chris und nicht einfach in die Notaufnahme gegangen bist, Heiko. Wenn du ganz normalen Freigang hast – wo ist dann das Problem?«
Chris stieß geräuschvoll die Luft aus. »Du willst es wohl wieder einmal ganz genau wissen, Alex«, stellte er fest. »Heiko hat ein Rendezvous mit seiner Freundin. Und da der Freigang nicht ewig dauert … Du weißt doch selbst, wie lange man in der Notaufnahme warten muss, wenn man mit einer ganz normalen Verletzung kommt und nicht gerade bewusstlos und blutüberströmt mit dem Rettungswagen herbeigekarrt wird. Und wenn man es glücklich geschafft hat und an der Reihe ist, werden alle nur denkbaren Untersuchungen gemacht, um auf Nummer sicher zu gehen.«
»Das mag ja sein, aber diese Untersuchungen sind notwendig und …«
»Kein aber mehr«, schnitt Chris Alex das Wort ab. »Und keinen weiteren Einwand. Kümmere dich jetzt endlich um Heikos Schulter. Siehst du denn nicht, dass er Schmerzen hat? Sonst bist du immer so mitfühlend, und jetzt auf einmal eierst du herum, dass es kaum auszuhalten ist.«
Alex gab keine Antwort.
Stattdessen begann er, sachte Heikos Schulter zu betasten. Dann versuchte er, den Arm so gut es ging, zu bewegen.
Heiko biss tapfer die Zähne zusammen, aber es war ihm deutlich anzusehen, dass ihm, obwohl Alex mit äußerster Vorsicht vorging, jede auch noch so kleine Bewegung schreckliche Schmerzen bereitete.
»Und?«, fragte er, als Alex seine Hände sinken ließ und einen Schritt zurücktrat. »Ich bin bereit, wenn du die Schulter einrenken willst. Ich steh das durch. Wirklich. Und wenn du Angst hast, dass ich losbrülle, bis das ganze Personal der Behnisch-Klinik hierher gerannt kommt, kannst du mir gerne auch einen Knebel in den Mund stecken. Kein Problem, echt.«
Obwohl Heiko ihm leidtat, konnte Alex ein Schmunzeln kaum unterdrücken, wurde aber sofort wieder ernst. »Knebel hin oder her – ich kann die Schulter nicht einrenken, Heiko«, sagte er. »Weil sie nämlich gar nicht ausgerenkt ist.«
»Sondern?«
»Sie ist mit ziemlicher Sicherheit gebrochen. Und so wie es aussieht, ist es noch nicht einmal ein glatter, unkomplizierter Bruch.«
»Und das bedeutet?«
»Dass du mit großer Wahrscheinlichkeit eine Operation brauchst. Tut mir echt leid, dass ich dir keine andere Auskunft geben kann.«
»Bist du dir sicher, Alex?«, mischte sich nun Chris in das Gespräch. »Oder… ist das nur eine Finte, die dir einen Grund verschafft, Heikos Behandlung an einen Arzt zu delegieren?«
»Quatsch, Chris. Du solltest mich inzwischen wirklich besser kennen. Es handelt sich mit fünfundneunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit um eine Skapulafraktur. Ich kann Heiko nicht helfen. Wirklich nicht.«
Heiko sank völlig verzweifelt in sich zusammen.
Er machte ein Gesicht, als könnte er die Tränen kaum mehr zurückhalten. »Und … und was wird jetzt aus meinem Rendezvous mit Rita?«, fragte er. »Ich habe sie seit einer Ewigkeit nicht gesehen. Und wenn es heute nicht klappt, wird es eine weitere Ewigkeit dauern, bis wir uns treffen können. Das darf doch einfach nicht wahr sein. Rita ist, von Chris einmal abgesehen, der einzige Mensch, der mich mag. Sie ist alles, was ich habe.« Heikos Stimme wurde erstickt von den hinuntergeschluckten Tränen. »So … so etwas … kann wirklich nur einem Pechvogel wie mir … passieren.«
»Wie auch immer. Ich hole jetzt einen Arzt«, entschied Alex, legte aber gleichzeitig begütigend seine Hand auf Heikos Arm. »Deine Schulter wird geröntgt. Und du bekommst ein MRT. Vielleicht … vielleicht stimmt meine Diagnose ja doch nicht. Dann macht dir der Arzt einen festen Verband um deine Schulter, und mit ein bisschen Glück schaffst du es noch zu deinem Rendezvous. Ruf deine Rita einfach auf dem Handy an und sag ihr, dass es später wird.«
Heiko blickte beschämt und verlegen zu Boden.
»Im Knast gibt es keine Handys, lieber Alex«, erklärte Chris. »Heiko hat kein Handy.«
Nun war es an Alex, peinlich berührt zu sein. »Tut mir leid, das wusste ich nicht«, sagte er. »Du kannst selbstverständlich mein Handy benutzen, Heiko.«
Heiko bedankte sich mit hochrotem Kopf, griff nach dem Handy, das Alex ihm hinhielt, und wählte Ritas Nummer.
Alex trat indessen auf den Flur hinaus, um einen Arzt zu holen.
Wenig später kam er mit einem der Assistenzärzte und einer Krankenschwester zurück. Heiko wurde in einen Rollstuhl gesetzt und zur Untersuchung weggebracht.
Eine Weile standen Alex und Chris sich, als sie wieder allein waren, in dem leeren Krankenzimmer stumm gegenüber.
»Danke, dass du wenigstens versucht hast, Heiko zu helfen«, sagte Chris schließlich.
Alex machte eine wegwerfende Handbewegung. »Es tut mir leid, dass ich nichts für ihn tun konnte«, gab er zurück und fügte nach einer kleinen Pause hinzu: »Wie ist Heiko eigentlich im Gefängnis gelandet? Ich meine, er ist nicht gerade das, was man sich unter einem Knacki so eigentlich vorstellt. Und wie habt ihr euch kennengelernt? Du siehst auch nicht gerade aus wie ein Typ, der einen Knacki zum Freund hat.«
»Neugierig bist du wirklich gar nicht. Das muss man dir lassen«, bemerkte Chris und ließ sich auf das von Plastik überzogene Bett fallen, auf dem zuvor Heiko gesessen war. »Im Übrigen frage ich mich natürlich, was aus deiner ach so wichtigen Arbeit wird, wenn ich dir jetzt des Langen und Breiten alles erzähle, was du wissen willst. Haben sich deine hundert Betten inzwischen von selbst bezogen?«
»Zwanzig, keine hundert.« Alex warf einen Blick auf seine Armbanduhr. »Aber selbst zwanzig schaffe ich nicht mehr bis zum Ende meiner Schicht. Überstunden sind also vorprogrammiert. Da kommt es auf ein paar Minuten mehr oder weniger auch nicht mehr an.«
»Wie du meinst«, gab Chris zurück, während Alex neben ihm auf dem Bett Platz nahm.
»Also, schieß los. Woher kennst du Heiko?«
»Wir waren zusammen in der gleichen Klasse«, begann Chris. »Das letzte Schuljahr vor der Mittleren Reife. Heiko ist in diesem Jahr neu in meine Klasse gekommen. Leider war es … irgendwie von Anfang an eine unglückliche Konstellation. Alle waren auf ihren Abschluss fixiert, sodass für neue Freundschaften nicht viel Raum blieb. Zudem war Heiko ein ausgesprochener Einzelgänger. Wahrscheinlich wäre auch zwischen ihm und mir kein Kontakt zustande gekommen, wenn wir nicht zufällig Banknachbarn gewesen wären. Also haben wir uns eben hin und wieder ausgetauscht. Und hin und wieder habe ich Heiko geholfen.«
Alex grinste. »Schulische Nachbarschaftshilfe sozusagen: Austausch von Spickzetteln, einsagen, abschreiben …«
»Du hast es erfasst.« Chris grinste zurück. »Heiko war kein besonders guter Schüler, was wohl in erster Linie dem Schulwechsel so kurz vor dem Abschluss geschuldet war. Dumm ist er nämlich nicht.«
»Die Schule zu wechseln, ist für einen jungen Menschen nie ganz einfach. Da sind Schwierigkeiten in der Regel vorprogrammiert.«
»Eben. Ich wurde für Heiko damals schnell eine wichtige Bezugsperson, zumal er keine besonders gute Beziehung zu seinen Eltern hatte. Deshalb blieb unser Kontakt trotz der kurzen gemeinsamen Schulzeit auch nach unserem Abschluss erhalten.«
»Und wie ist Heiko … auf die schiefe Bahn geraten?«
»So ganz genau weiß ich das, ehrlich gesagt, auch nicht. Er hat nach der Schule eine Lehre als Elektriker angefangen, aber sonderlich begeistert war er von seinem neuen Tätigkeitsfeld nicht. Irgendwann hat er dann anscheinend angefangen zu trinken. Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass er bei unseren sporadischen Treffen dem Alkohol mehr zugesprochen hat, als gut für ihn war. Außerdem vermute ich, dass er gleichzeitig auch mit Drogen in Berührung kam, was dann wohl den Anfang der Abwärtsspirale bedeutete. Heiko hat sich mehr und mehr mit Typen umgeben, die dem gleichen Laster ergeben waren. Für dieses Laster brauchten sie natürlich Geld, und wenn sie keines oder zu wenig davon hatten, schreckten sie bald auch nicht mehr davor zurück, es sich auf illegalem Weg zu verschaffen. Es kam zu ersten Kaufhausdiebstählen und dann zum Knacken von Automaten. Und in der Folge zu den ersten Vorstrafen. Eines Nachts kamen Heiko und einer anderer aus der Clique auf die Idee, ein Auto zu klauen und damit herumzufahren. Heiko saß am Steuer, natürlich zugedröhnt. Es kam zu einem heftigen Unfall. Heiko und sein Beifahrer landeten im Krankenhaus. Beide waren schwer verletzt. Heiko hat es geschafft, der andere nicht. Heiko kam wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Und weil er mehrfach vorbestraft war, gab es keine Bewährung. So landete er im Knast.«
»Nette Karriere«, bemerkte Alex.
»Da hast du vollkommen recht«, antwortete Chris. »Aber gleichzeitig bedeuteten der Tod seines Kumpels und die Verurteilung einen Wendepunkt in Heikos Leben. Inzwischen rührt er keinen Tropfen Alkohol mehr an, von anderen Drogen ganz zu schweigen. Im Gefängnis bekam er wegen ausgesprochen guter Führung schon bald Vergünstigungen.«
»Freigang zum Beispiel.«
»So ist es. Und auf einem seiner Freigänge hat er Rita kennen und lieben gelernt. Heiko sagt, dass es die berühmte Liebe auf den ersten Blick war.«
»Wie romantisch. Und diese Rita hat sich ihrerseits Hals über Kopf in Heiko verliebt. So sehr, dass es sie nicht einmal gestört hat, dass er im Gefängnis sitzt.«
Chris antwortete nicht gleich.
Er kaute auf seiner Unterlippe herum, dann schüttelte er den Kopf. »Von Heikos Haftstrafe weiß Rita nichts.«
Alex hob skeptisch die Augenbrauen. »Wie kann das sein?«, wollte er wissen. »Wie hat Heiko ihr erklärt, dass sie ihn nur so selten sehen kann? Dass sie nicht mit ihm ausgehen kann? Dass sie sich nicht gegenseitig besuchen können?«
Chris seufzte. »Heiko hat ihr erzählt, dass er auf einer Bohrinsel in der Nordsee arbeitet. Und dass er dort leider nicht einmal Handyempfang hat.«
Alex musste lachen, ob er wollte oder nicht. »Und das hat sie ihm eins zu eins abgenommen?«
»Offenbar ja«, antwortete Chris.
