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Lilly Jonathan hat einen großen Traum: Seit frühester Kindheit trainiert sie Eiskunstlauf - und nun stehen die Olympischen Spiele in Mailand bevor, wo sie ihre Karriere mit einer Goldmedaille krönen will. Sie lebt und trainiert im Eissportzentrum Oberstdorf, verbringt die Wochenenden jedoch in München. Auf einer Fahrt kommt es zu einem dramatischen Vorfall: Als Lilly in einer Tankstelle Proviant holen will, bricht sie plötzlich zusammen. Ihr Körper krampft, sie zuckt unkontrolliert, Schaum steht ihr vor dem Mund - ein epileptischer Anfall. Wenige Wochen vor der Eröffnung der Spiele drängt sich nun eine bange Frage auf: War es ein einmaliges Ereignis - oder der Beginn eines Leidenswegs, der auch das Ende ihrer Karriere bedeuten könnte?
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
Wenn der Jubel verstummt
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
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Lilly träumt von Olympia, doch dann schlägt das Schicksal zu
Von Mona Marquardt
Lilly Jonathan hat einen großen Traum: Seit frühester Kindheit trainiert sie Eiskunstlauf – und nun stehen die Olympischen Spiele in Mailand bevor, wo sie ihre Karriere mit einer Goldmedaille krönen will. Sie lebt und trainiert im Eissportzentrum Oberstdorf, verbringt die Wochenenden jedoch in München.
Auf einer Fahrt kommt es zu einem dramatischen Vorfall: Als Lilly in einer Tankstelle Proviant holen will, bricht sie plötzlich zusammen. Ihr Körper krampft, sie zuckt unkontrolliert, Schaum steht ihr vor dem Mund – ein epileptischer Anfall.
Wenige Wochen vor der Eröffnung der Spiele drängt sich nun eine bange Frage auf: War es ein einmaliges Ereignis – oder der Beginn eines Leidenswegs, der auch das Ende ihrer Karriere bedeuten könnte?
Schnee und Eis glitzerten wie Zuckerkristalle in der Wintersonne. Trotzdem stand Juju Holl mit leerem Blick in der Küche und drückte sich die Nase an der Scheibe platt. Als kleiner Nebelkreis setzte sich ihr Atem ab.
Draußen zogen Kinder in dicken Jacken und mit Schlittschuhtaschen in den Händen Richtung Eishalle. Obwohl Cäcilie hinter ihr mit den Töpfen klapperte, hörte Juju das Schaben von Kufen und die fröhlichen Stimmen wie einen fernen Lockruf. Sie seufzte tief.
»Alles in Ordnung, Mausi?«, fragte Cäcilie besorgt.
Juju seufzte noch einmal. »Niemand hat heute Zeit, mit mir Schlittschuhlaufen zu gehen.«
»Was ist mit deinen Freundinnen?«
»Emmas Mama hat einen Arzttermin und kann uns nicht begleiten, und Larissa muss zum Gitarrenunterricht. Ein paar andere aus meiner Klasse gehen, aber da ist kein Erwachsener dabei. Das wollen Mama und Papa nicht.«
»Du könntest Chris fragen. Vielleicht hat dein Bruder ja Lust«, machte Cäcilie einen weiteren Vorschlag. »Ihr könntet Lara mitnehmen.«
»Das habe ich schon gemacht. Lara hat Grippe, und ohne sie hat Chris keine Lust.« Eine andere Idee kam Juju in den Sinn. Mit einem Glitzern in den Augen drehte sie sich um. »Was ist mit dir? Wenn ich dir beim Kuchenbacken und Abspülen helfe, bist du schneller fertig.«
Cäcilie rührte weiter in einer Schüssel Teig. Ein verführerischer Duft nach Vanille und Zucker lag in der Luft. »Erstens muss der Kuchen fast eine ganze Stunde lang backen. Wenn er fertig ist, wird es schon bald dunkel.« Sie lachte auf. »Und zweitens willst du doch nicht, dass dein Papa meine alten Knochen in der Klinik wieder zusammensetzen muss.«
Das war nicht die Antwort, die Juju hören wollte. »Ach, menno! Nie hat jemand Zeit für mich.«
»Das stimmt nicht«, hielt Cäcilie sanft, aber bestimmt dagegen. Seit vielen Jahren unterstützte sie das Arztehepaar Julia und Stefan Holl nicht nur im Haushalt, sondern auch in der Betreuung der Kinder, die sie mit deutlicher, aber liebevoller Strenge erzog. »Wenn ich mich recht erinnere, warst du in der vergangenen Woche vier Mal beim Eislaufen.«
»Wenn es halt so viel Spaß macht«, murrte Juju, wohlwissend, dass jedes weitere Wort vergeblich war. Mit hängenden Schultern wandte sie sich vom Fenster ab und verließ die Küche. Im Wohnzimmer ließ sie sich mit einem Plumps aufs Sofa fallen.
»Was ist mit deinen Hausaufgaben?«, rief Cäcilie.
»Schon fertig.«
»Warum häkelst du nicht an dem schönen Schal weiter? Gerade jetzt können die armen Menschen jedes warme Kleidungsstück gebrauchen«, erinnerte sie ihren Schützling an das Projekt, das sie seit einer Weile gemeinsam mit ihrer Mutter Julia unterstützte.
»Keine Lust«, maulte Juju. »Außerdem hat Mama mit Frau Behringer von der Tafel telefoniert. Im Augenblick haben sie genügend Sachen.«
Eine Weile hantierte die Haushälterin schweigend in der Küche. Ein Löffel kratzte in einer Schüssel, die Backofentür öffnete und schloss sich wieder. Der Wasserhahn rauschte.
Mit einem Geschirrtuch in den Händen tauchte Cäcilie schließlich in der Wohnzimmertür auf. Ihre Augen leuchteten. »Wenn du mir hilfst, die Schüsseln zu spülen, habe ich einen Vorschlag!«
Juju sah vom Sofa herüber. »Was für einen Vorschlag?«, fragte sie lahm.
»Erst die Schüsseln.« Cäcilie kehrte in die Küche zurück, Juju schlurfte hinterher.
Ein paar Minuten später war die Arbeit erledigt.
»Das war lieb von dir, vielen Dank. Und jetzt komm mit.« Mit geheimnisvoller Miene griff Cäcilie im Wohnzimmer nach der Fernbedienung. Sie schaltete den Fernseher ein und scrollte durch die Mediathek. »Gestern Abend bin ich zufällig in die Übertragung der Deutschen Meisterschaften im Eiskunstlaufen geraten. Ich bin sicher, dass dir das gefällt.«
Die Enttäuschung stand Juju deutlich ins Gesicht geschrieben. »Zuschauen ist nicht wie selbst laufen.«
»Stimmt«, gab Cäcilie unumwunden zu. »Aber vielleicht kannst du dir ja fürs nächste Mal etwas abschauen.«
Sie hatte gefunden, wonach sie suchte. Zu den mitreißenden Klängen eines Popsongs glitt eine Eiskunstläuferin über das Eis. Bei jeder Bewegung glitzerten die Strasssteinchen auf ihrem Kostüm.
Wie gebannt starrte Juju auf den Bildschirm. Ihre Miene hatte sich verändert. Mit staunenden Augen lehnte sie sich vor. Bei einem Vierfach-Sprung hielt sie den Atem an. Nach der sicheren Landung kannte ihre Begeisterung keine Grenzen.
Sicher, sie hatte schon öfter Eiskunstlauf im Fernsehen gesehen und war sogar einmal mit ihrer Oma Nessy in einer Eisrevue in der Olympia-Eishalle gewesen. Doch damals war sie selbst noch nicht auf den Kufen gestanden und hatte nicht geahnt, wie anspruchsvoll diese Sportart war.
»Cäcilie, hast du das gesehen?«, rief Juju begeistert. »Ich kann noch nicht mal richtig rückwärtsfahren. Und diese Läuferin springt einfach einen vierfachen Lutz«, das hatte der Moderator gesagt, »und fällt noch nicht einmal hin.« Vor Begeisterung klatschte sie in die Hände. »Sowas will ich auch lernen.«
Cäcilie lachte, froh darüber, dass ihr Plan aufgegangen war und ihr Liebling wieder lachen konnte. »Dann sollten wir schon einmal Knie- und Handschützer und einen Helm besorgen.«
***
Erschöpft legte Lilly Jonathan die Langhantel auf den Boden zurück. Nach dem harten Training waren ihre Muskeln müde und sehnten sich nach Erholung. Genau wie der Rest ihres Körpers.
Lillys Blick fiel aus dem Fenster. Draußen war es dunkel, doch der Schnee leuchtete hell im Winterabend. Dieses Wetter schrie förmlich danach, mit einer Tasse heißer Schokolade, eingewickelt in eine warme Decke, auf der Couch zu lümmeln und eine Serie im Fernsehen anzuschauen. Doch heiße Schokolade war tabu und für Serien hatte sie ohnehin keine Zeit.
Eine erfolgreiche Eiskunstläuferin zu sein, bedeutete nicht nur im Winter zu trainieren. Auch im Sommer übten Lilly und ihre Mitstreiterinnen täglich zwei bis vier Stunden auf dem Eis. Dazu kamen Kraft- und Choreografie-Training, Physiotherapie, Videoanalysen und vieles andere mehr. Und das an sechs Tagen pro Woche.
In den Wettkampfphasen absolvierte Lilly über vierzig Stunden Training pro Woche. Sie lebte und trainierte im Eissportzentrum Oberstdorf und fuhr nur für die verkürzten Wochenenden nach Hause.
Seufzend trank sie einen großen Schluck aus ihrer Wasserflasche, hängte sich das Handtuch um den Hals und wechselte hinüber zum Laufband, bevor am Ende des Trainings ein ausgedehntes Stretching auf sie wartete.
Lilly beugte sich gerade über ihre lang auf dem Boden ausgestreckten Beine, als ihre beste Freundin Alina in der Tür auftauchte und sich suchend umsah. Bei Lillys Anblick leuchteten ihre Augen auf. Tänzelnd lief sie zu ihr.
»Gute Nachrichten, Süße!«, frohlockte sie im Flüsterton.
»Was ist los? Bekommen wir eine Goldmedaille, ohne unsere Kür zu laufen?«, scherzte Lilly.
»Leider nicht. Aber zumindest müssen wir morgen nicht aufs Eis.«
Lilly konnte es nicht glauben. »Hast du die Kalusa in der Umkleide eingesperrt?«
»Das war gar nicht nötig.« Alina kicherte. »Sie ist krank geworden und hat das Training abgesagt. Wir haben ein ganzes freies Wochenende.«
Das war seit Monaten nicht vorgekommen. Lilly konnte ihr Glück kaum fassen. Ein fröhliches Lied auf den Lippen nestelte sie in der Umkleide ihr Handy aus der Tasche und wählte die Nummer ihres Freundes.
»Hast du schon gehört, Sascha? Die Kalusa ist krank geworden. Wir können heute Abend schon nach München zurückfahren und haben ein freies Wochenende. Kannst du dir das vorstellen?«
Der Jubel am anderen Ende der Leitung war groß.
»Echt jetzt?«, freute sich Sascha, der als Physiotherapeut im Sportzentrum arbeitete. »Wir könnten etwas unternehmen. Was hältst du davon, wenn wir zur Abwechslung mal meine Eltern besuchen? Für zwei Tage lohnt sich die Fahrt nach Ingolstadt.«
»Das klingt nach dem perfekten Plan«, freute sich Lilly. »Später im Auto können wir alles ganz genau besprechen. Holst du mich ab? Wie wär's mit sieben Uhr?«
***
In ihrem noch so jungen Leben hatte Juju Holl schon einige Berufspläne gehabt. Mal wollte sie Medizin studieren wie ihre Eltern. Dann wollte sie lieber als Tierpflegerin, Profi-Volleyballspielerin oder Flötistin in einem Orchester arbeiten.
»Diesmal willst du also eine Eisprinzessin werden?«, hakte Dr. Stefan Holl nach.
Die Familie hatte sich zum Abendbrot zusammengefunden. Wie so oft am Freitagabend waren auch die Zwillinge Marc und Dani mit von der Partie. Auch wenn sie ihre gemeinsame Wohnung liebten, zog es sie immer wieder zurück in ihr Elternhaus.
Für diese Gelegenheiten warf sich Cäcilie immer besonders ins Zeug, besorgte die leckersten Feinkostsalate, Käse und Aufschnitt vom Markt und verwöhnte ihre Lieben mit frisch gebackenem Brot und Früchtequark.
Die hübsch dekorierten Platten machten die Runde. Nur Juju bemerkte nicht, dass ihre Schwester Dani ihr den Käseteller hinhielt.
»Im Fernsehen hat eine Eiskunstläuferin so tolle Sprünge gemacht und wunderschön getanzt. Das will ich auch lernen«, erzählte sie mit glühenden Wangen. »Stellt euch mal meine Freundinnen vor. Die würden Augen machen, wenn ich eine Pirouette drehen könnte.«
»Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt«, witzelte Marc.
»Außerdem brauchst du viel Kraft, wenn du so etwas machen willst. Also nimm die Platte und schneide dir ein ordentliches Stück Käse ab«, meinte Dani lachend.
Erst jetzt bemerkte Juju die Köstlichkeiten vor ihrer Nase und nahm ihrer großen Schwester den Teller aus der Hand.
»Und du bist dir wirklich sicher, dass das ein erstrebenswertes Ziel ist?«, fragte Mama Julia vorsichtig nach. Auf keinen Fall wollte sie den Ehrgeiz ihrer jüngsten Tochter bremsen. Aber Juju sollte wissen, worauf sie sich einlassen wollte. »Eiskunstlauf ist ein richtig harter Sport. Hinter den federleichten Sprüngen und Pirouetten steht ein jahrelanges, erbarmungsloses Training.«
»Und viele Schmerzen«, ergänzte Stefan Holl. In seiner langen Karriere als Leiter der Berling-Klinik hatte er auch Eiskunstläufer, Eishockeyspieler und Eisschnellläufer behandelt. Er konnte ein Lied singen von Knochenbrüchen besonders an den Händen, Handgelenken und Unterarmen. Auch Kopfverletzungen, Prellungen und Schnittwunden waren bei diesen Sportarten an der Tagesordnung. »Nicht, dass wir dir den Spaß vermiesen wollen. Aber du solltest wissen, was du da vorhast.«
Nachdenklich kaute Juju auf ihrem Käsestück. Sie dachte an ihre Bänderdehnung, die sie sich beim Volleyballtraining zugezogen hatte. Zwei ganze Wochen hatte sie keinen Sport machen und – noch viel schlimmer – nicht mit ihren Freundinnen toben dürfen.
»Hmmm, dann überlege ich mir das nochmal.« Die Enttäuschung hielt nicht lange an. Schon blitzten ihre Augen wieder. »Aber vielleicht kann mich trotzdem jemand morgen in die Eishalle zum Schlittschuhfahren begleiten.« Wer konnte diesem Augenaufschlag schon widerstehen?
Marc griff zum Handy und tippte etwas in die Suchmaschine ein. »Tolle Idee. Morgen ist Eisdisco in der Eishalle im Olympiapark. Da gehen wir alle zusammen hin. Widerstand ist zwecklos.«
»Aber nur, wenn ich mir ein Kissen unter den Allerwertesten binden darf«, scherzte Stefan, und alle lachten.
***
Obwohl es noch früh am Morgen und Winter draußen war, stand Lilly am geöffneten Fenster und ließ die kalte, klare Luft herein. Um diese Uhrzeit herrschte noch Stille in der Siedlung nahe des Englischen Gartens, in der sie sich eine Wohnung mit Sascha teilte.
Lilly war absichtlich früh aufgestanden. Sie wollte nicht mehr Zeit als unbedingt nötig von ihrem freien Wochenende verschwenden.
Die Sonne blitzte zwischen den Häusern auf. Sie ließ die vereisten Äste der Bäume und Sträucher funkeln und tauchte die stillen Straßen in ein magisches Licht.
Lillys Herz weitete sich. Ohne es selbst zu bemerken, begann sie zu singen.
Irgendwann spürte sie, dass sie nicht mehr alleine war. »Ist es nicht wunderschön draußen?«, fragte sie versonnen.
»Wunderschön kalt auf jeden Fall, du Nachtigall.«
Lilly lachte. Neben dem Eiskunstlauf war Singen ihre zweite große Leidenschaft. Ohne je eine einzige Stunde Unterricht gehabt zu haben, traf sie jeden Ton. Musik war ihr Allheilmittel für jede Lebenslage. Sie tröstete sie, wenn das Training mal schlecht gelaufen war. Sie wirkte entspannend, wenn sie vor Aufregung nicht zur Ruhe fand. Und wenn Lilly glücklich war, sang sie sowieso. Wie an diesem Morgen.
Demonstrativ blies Sascha in die kalten Hände. »Bist du fertig? Meine Sachen sind schon im Auto. Fehlt nur noch deine Tasche.«
»Wollen wir nicht noch frühstücken? Eine Kleinigkeit wenigstens. Sonst sterbe ich unterwegs vor Hunger.«
»Wir müssen eh noch an der Tankstelle vorbei. Da können wir Kaffee und Butterbrezen kaufen.«
Lilly drückte ihrem Freund einen Kuss auf die Wange. »Du hast einfach immer die besten Ideen.«
»Dann komm!« Sascha nahm ihr die Reisetasche ab, und ein paar Minuten später waren sie unterwegs.
Um diese Uhrzeit waren die Straßen angenehm leer. Nur hier und da bog ein Lieferwagen aus einer Einfahrt hinaus auf die ruhige Hauptstraße. Eine Gruppe junger Leute wartete mit ihren Skiern an der Bushaltestelle, um vom Münchner Hauptbahnhof in eines der bayerischen Skigebiete zu fahren.
»Auf Skifahren hätte ich auch mal wieder Lust«, sinnierte Sascha. Der Blinker klickte, als er in die Tankstelle einbog.
»Dann musst du ohne mich fahren. Für mich ist die Verletzungsgefahr viel zu groß. Ich darf meine Teilnahme an Olympia nicht gefährden.«
»Schade, aber du musst nicht traurig sein. Skifahren läuft uns ja nicht weg. Aber für den Olympiasieg hast du nur noch diese eine Chance.« Sascha zog den Schlüssel ab und drehte sich zu seiner Freundin. »Diesmal gewinnst du Gold. Das weiß ich ganz genau.«
Lilly schmiegte ihre Wange in seine Hand. Sie hatte Sascha viel zu verdanken. Seit vier Jahren waren sie ein Paar. In dieser Zeit hatte er alles getan, um sie zu unterstützen. Ohne ihn wäre sie niemals so weit gekommen. Davon war sie felsenfest überzeugt. Sascha motivierte sie zum Training, wenn sie einen Durchhänger hatte. Er massierte sie, wenn sie unter Verspannungen und Schmerzen litt, und gab ihr wertvolle Trainingstipps. Nach Misserfolgen baute er sie immer wieder auf. Und nun war der Erfolg zum Greifen nahe. Gab es einen schöneren Dank für seine Unterstützung als eine olympische Goldmedaille?
»Das wäre zu schön, um wahr zu sein.« Lilly gönnte sich einen kurzen Traum, hörte den Jubel, fühlte den Stolz.
Ein Hupen ließ das Bild zerplatzen wie eine Seifenblase.
»Jaja, schon gut. Ich bin ja schon unterwegs.« Sascha stieg aus und schloss den Tankdeckel auf.
Lilly erinnerte sich an ihr Vorhaben und machte sich auf den Weg zum Shop, um Frühstück einzukaufen. Sascha sah ihre schlanke Silhouette durch das große Schaufenster. Als er das nächste Mal hinsah, war Lilly verschwunden. Ein Tankstellenmitarbeiter riss die Tür auf.
»Hilfe! Kommen Sie schnell. Ihre Frau ...«
Sascha stürmte los.
