Chefarzt Dr. Holl 2029 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 2029 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

In der Berling-Klinik herrscht - wie in vielen medizinischen Einrichtungen - akuter Personalmangel. Umso größer ist die Freude, als mit Antonia Ehrenpreis eine neue Schwester beginnt. Mit ihrer fröhlichen Art gewinnt sie schnell die Herzen von Patienten und Kollegen, und schon bald scheint sie unverzichtbar. Doch ihr strahlendes Lächeln ist nur Fassade. Stimmungsschwankungen überschatten den Alltag der jungen Frau, und eine schwerwiegende Diagnose zwingt sie, ihr Leben völlig neu zu ordnen. Gerade als sie glaubt, endlich wieder Fuß zu fassen, verschwinden in der Klinik plötzlich persönliche Dinge. Auf den Fluren wird getuschelt, misstrauische Blicke werden getauscht - und der erste Verdacht fällt ausgerechnet auf Antonia ...

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Sie klaute im Schwesternzimmer

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Sie klaute im Schwesternzimmer

Ein Fall von Kleptomanie in der Berling-Klinik

Von Mona Marquardt

In der Berling-Klinik herrscht – wie in vielen medizinischen Einrichtungen – akuter Personalmangel. Umso größer ist die Freude, als mit Antonia Ehrenpreis eine neue Schwester beginnt. Mit ihrer fröhlichen Art gewinnt sie schnell die Herzen von Patienten und Kollegen, und schon bald scheint sie unverzichtbar.

Doch ihr strahlendes Lächeln ist nur Fassade. Stimmungsschwankungen überschatten den Alltag der jungen Frau, und eine schwerwiegende Diagnose zwingt sie, ihr Leben völlig neu zu ordnen. Gerade als sie glaubt, endlich wieder Fuß zu fassen, verschwinden in der Klinik plötzlich persönliche Dinge. Auf den Fluren wird getuschelt, misstrauische Blicke werden getauscht – und der erste Verdacht fällt ausgerechnet auf Antonia ...

»Bei so einem Mistwetter jagt man ja noch nicht einmal einen Hund aus dem Haus.« Schwester Maria von der Ambulanz schüttelte sich, dass die Tropfen durch den Aufenthaltsraum des Pflegepersonals flogen.

»Iiiiihhhh!«, kreischte ihre Kollegin Anette und versteckte sich hinter der Tür ihres Spinds. »Nur zu deiner Information: Ich habe heute schon geduscht.«

»Bei dieser Gelegenheit hättest du gleich ein frisches Shirt anziehen können«, scherzte Pfleger Jakob und deutete auf den Marmeladenfleck, der auf Anettes Brust prangte.

»Oh nein!« Sie rollte mit den Augen. »So früh am Morgen bin ich einfach noch nicht ich selbst. Ein Glück, dass bald Wochenende ist. Dann bleibe ich den ganzen Tag im Bett und schlafe mich mal wieder richtig aus.«

»Daraus wird wohl leider nichts werden.« Lissy Kleinert steckte den Kopf durch die Tür. Der Verwaltungschef Kurt Huber hatte sie mit der Erstellung der Dienstpläne für das Pflegepersonal betraut. »Leider habe ich keine guten Nachrichten für euch.« Die Blätter in ihrer Hand raschelten. »Es gibt eine Dienstplanänderung.« Sie verteilte die Information an die anwesenden Schwestern und den Pfleger.

Einen Moment lang wurde es still im Zimmer. Schritte und munteres Plaudern näherten und entfernten sich schnell wieder. Irgendwo spielte ein Radio.

Schwester Maria fand als Erste ihre Sprache wieder.

»Wie bitte? Das ganze Wochenende Bereitschaft?«, fragte sie entgeistert. »Das ist doch hoffentlich ein Scherz?«

»Leider nein.« Lissy stand das Bedauern ins Gesicht geschrieben. »Der Chef lässt seine Entschuldigung ausrichten. Aber im Moment geht es leider nicht anders.« Mit guten Wünschen für einen möglichst reibungslosen Tag verabschiedete sie sich.

Kurz darauf machten sich auch die beiden Schwestern und ihr männlicher Kollege auf den Weg durch die Flure der Berling-Klinik. Dort, wo tagsüber reger Publikumsverkehr herrschte, war es um diese Uhrzeit noch angenehm ruhig. Hinter dem Tresen tauschten Kollegen den neuesten Klatsch und Tratsch aus. Zwei Ärzte standen vor dem Kaffeeautomaten.

Im Treppenhaus kam ihnen Dr. Holl, der Chefarzt der Klinik, entgegen. Seit seinem Herzinfarkt nutzte er jede Gelegenheit, um sich zu bewegen.

»Guten Morgen zusammen«, grüßte er seine Mitarbeiter gut gelaunt und wollte an ihnen vorbei Richtung Chefetage eilen, als er sich doch noch einmal umdrehte. »Nanu? Hat Ihnen das Wetter die Stimmung verhagelt, oder gibt es einen anderen Grund für Ihre offenkundig schlechte Laune?«

»Frau Kleinert hat uns vorhin den geänderten Dienstplan gebracht.« Schwester Anette reichte ihm das Blatt Papier.

Stefan Holl überflog das Schreiben.

»Sie haben recht. Dieser Plan ist eine Zumutung«, musste er zu seinem Leidwesen zugeben. »Ich bin sicher, Herr Huber hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht.«

»Aber gleich das ganze Wochenende ...«, jammerte Schwester Maria. »Irgendwann müssen wir uns doch mal erholen.«

Stefan Holl wusste um die Problematik und hätte seinen Mitarbeitern lieber zwei Wochen als eine freigegeben. »Leider haben wir im Augenblick keine andere Wahl. Wir sind hoffnungslos unterbesetzt und das nicht nur in der Pflege.« Er versuchte gar nicht erst, das Problem schönzureden. »Die Personalabteilung arbeitet hart daran, diese Situation so schnell wie möglich zu entschärfen. Leider können die Herrschaften dort auch nicht zaubern.« Dr. Holl blieb nichts anderes übrig, als an die Kollegialität seiner Mitarbeiter zu appellieren. »An diesem Wochenende müssen Sie leider in den sauren Apfel beißen und zusammenhalten.«

Mit einem Blick auf die Uhr seufzte Pfleger Jakob. »Sie können auf mich zählen«, versprach er und verabschiedete sich. Höchste Zeit, die übermüdeten Kolleginnen und Kollegen in seiner Abteilung abzulösen.

Kurz darauf folgten Anette und Maria seinem Beispiel. Stefan Holl dagegen stieg die restlichen Stufen zur Chefetage hinauf.

Schon von Weitem wehte ihm der Duft von frisch gekochtem Kaffee entgegen. Wie immer hatte sich seine Assistentin bemüht, vor ihrem Chef im Haus zu sein und ihm einen angenehmen Empfang zu bereiten.

»Guten Morgen!«, grüßte er Moni Wolfram.

»Guten Morgen, Chef.« Sie hob den Kopf. »Oh je, Sie haben schlecht geschlafen. Oder liegt es am Wetter, dass Sie so grimmig dreinschauen?«

Ein Lächeln huschte über Dr. Holls Gesicht.

»Weder noch«, gestand er. »Im Augenblick bereitet mir unsere angespannte Personalsituation Kopfzerbrechen.« Dankend nahm er die Tasse Kaffee, die Moni ihm servierte. »Sie oder Ihr Mann kennen nicht zufällig eine oder mehrere Krankenpflegerinnen, die auf der Suche nach einer Stelle sind?«

Bedauernd schüttelte Moni den Kopf. »Michael hat sogar schon in den sozialen Netzwerken nach ehemaligen Bekannten gesucht, die damals das Medizinstudium abgebrochen und sich für eine Krankenpflegeausbildung entschlossen hatten. Mit zwei Frauen hat er auch telefoniert. Aber die haben nur abgewunken.«

»Trotzdem vielen Dank für Ihre Mühe. Dann bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als eine Personalagentur einzuschalten und darüber hinaus auf ein Wunder zu hoffen.« Dr. Holl seufzte und nippte an seinem Kaffee. Genüsslich schloss er die Augen. Als er sie wieder öffnete, hatte sich der Ausdruck darin verändert. »Was steht heute an?«

Moni Wolfram tippte auf ihrem Tablet herum. »In einer halben Stunde haben Sie einen Termin mit einem Journalisten wegen Ihrer neuesten Publikation im Deutschen Ärzteblatt. Danach steht eine Besprechung mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt auf dem Plan. Die Agenda habe ich Ihnen per E-Mail geschickt. Um elf Uhr haben Sie eine Videoschalte zur Tumorkonferenz.« Moni holte Luft, um fortzufahren, doch Stefan Holl winkte ab.

»Danke, das reicht erst mal. Mir brummt jetzt schon der Kopf«, wehrte er lachend ab. »Falls Sie heute irgendwo noch eine freie Minute finden, vereinbaren Sie bitte einen Termin mit Kurt Huber«, bat er seine Sekretärin und nahm den Tag in Angriff.

***

Mit dem Rücken an der Heizung saß Antonia Ehrenpreis auf dem Boden und starrte in das kleine Zimmer. Die Einrichtung bestand aus einem schmalen Doppelbett mit einem Kissen und einer Decke darauf, gegenüber ein weißer Schrank, in der Ecke ein Regal.

In diesem Zimmer war alles fremd. Kein einziges Stück erinnerte sie an Niko. Trotzdem fand sie keine Ruhe. Die Gedanken an ihn verfolgten sie auch hier Tag und Nacht.

Aus der Küche wehte das Klappern von Geschirr herüber, vermischt mit einer Stimme. Offenbar telefonierte Mascha. Ihr Lachen tanzte durch die Wohnung.

Leider waren diese Geräusche nicht laut genug, um Nikos Stimme in Antonias Kopf zu übertönen.

»Aus unserem Abenteuer wird leider nichts«, hatte er ein paar Tage vor dem geplanten Aufbruch zu ihrer großen Fahrt verkündet.

Ein paar Monate lang mit dem Rucksack quer durch die ganze Welt zu reisen, das war ihr gemeinsamer Traum gewesen. Ihr Traum, für den sie alles aufgegeben, die gemeinsame Wohnung und die Jobs gekündigt hatten. »Ich kann hier doch nicht weg.«

Nie würde Antonia das Gefühl vergessen, als es ihr den Boden unter den Füßen weggerissen hatte.

Ein Klopfen an der Tür weckte Antonia aus ihren Gedanken. Die Geräusche waren inzwischen verstummt. Statt einer Antwort schlang sie die Arme noch fester um den Oberkörper und schloss die Augen. Sie wollte nichts mehr sehen und nichts mehr hören. Am liebsten hätte sie sich in Luft aufgelöst. Vielleicht würde dann all der Schmerz, die grenzenlose Enttäuschung mit ihr verschwinden.

»Mensch, Toni, was machst du denn am Boden?« Maschas Stimme klirrte in Antonias Ohren. Sie öffnete die Augen und blinzelte ihre Freundin an. Mascha kniete neben ihr. »Ich habe ja echt viel Geduld«, fuhr sie fort. »Aber langsam reicht es wirklich. Seit sechs Wochen sitzt du hier herum und trauerst. Das hat dieser Vollidiot wirklich nicht verdient.«

Mascha hatte recht. Die Planung der Reise war für Niko nur ein Vorwand gewesen, um möglichst stressfrei den gemeinsamen Haushalt, das gemeinsame Leben aufzulösen. Eine Tatsache, die Antonia immer noch fassungslos machte.

Als ihre Freundin schwieg, fuhr Mascha schweren Herzens fort: »Übrigens schuldest du mir noch die Miete für den vergangenen Monat.«

»Sobald ich einen neuen Job habe, bekommst du das Geld«, versprach Antonia matt.

»Und wann wird das sein? Hast du dich überhaupt schon beworben?«

»Noch nicht.« Plötzlich brannten Tränen in Antonias Augen. »Das ist alles so furchtbar anstrengend.« Sie wollte ihre Verzweiflung nicht an ihrer Freundin auslassen. Mascha tat sowieso schon viel zu viel für sie. Aber sie hatte auch keine Energie, um sich zusammenzureißen.

Die Tränen liefen über ihre Wangen, tropften vom Kinn auf ihren Pullover.

Mascha seufzte tief. Inzwischen ahnte sie, dass Antonia ein hoffnungsloser Fall war. Langsam, aber sicher bereute sie es, ihr das WG-Zimmer überlassen zu haben. Denn dies war beileibe nicht das erste Gespräch dieser Art, das die beiden Freundinnen führten. Egal, was Mascha versucht hatte, bislang war es ihr nicht gelungen, ihre beste Freundin aus ihrer Erstarrung, geschweige denn aus der Wohnung zu locken.

»Ich verstehe ja, dass du enttäuscht bist. Aber irgendwann muss das Leben doch weitergehen«, versuchte sie es noch ein allerletztes Mal. »Am Wochenende ist eine Party bei Vanja. Warum kommst du nicht mit? Da kommt ein Haufen neuer Leute. Wir werden Spaß haben, lachen, tanzen und uns betrinken. Und wer weiß, vielleicht wirst du dich ja neu verlieben.«

Maschas Enthusiasmus entlockte Antonia noch nicht einmal ein müdes Lächeln. Sie fühlte nur das Loch, das Niko so unvermittelt in ihr Herz gerissen hatte. Waren seither wirklich schon sechs Wochen vergangen? Und noch immer hatte sie keinen Weg aus der Schockstarre gefunden.

Niko war ihre große Liebe gewesen. Mit ihm hatte sich das Leben angefühlt wie ein einziger großer Abenteuerspielplatz. Probleme waren ein Fremdwort für ihn gewesen. Gemeinsam waren sie so hoch geflogen. Umso tiefer war der Fall.

»Los jetzt, Toni.« Mascha war aufgestanden und blickte auf ihre Freundin hinab. Ratlosigkeit und ein Anflug von Ungeduld standen ihr ins Gesicht geschrieben. »Steh auf und tu was. Egal was, aber beweg dich endlich.«

»Was soll ich denn machen?«

»Das Bad müsste dringend mal wieder geputzt werden«, schlug Mascha vor. »Und wie wäre es mit ein paar Bewerbungen, damit du deine Schulden zahlen kannst?« Ihr Lachen erreichte ihre Augen nicht.

Antonia holte tief Luft und rappelte sich schließlich hoch. Sie wusste, dass Maschas Geduld nicht grenzenlos war. Trotzdem fühlte sie sich wie eine Stange Dynamit vor einem brennenden Streichholz. Denn was Mascha nicht ahnte: Die Erwartung, endlich wieder normal zu funktionieren, steigerte den Druck in Antonia ins Unermessliche und lähmte sie noch mehr.

Mit schweren Schritten schlurfte sie zum Kleiderschrank und schlüpfte in Jeans und Pullover. Besser fühlte sie sich trotzdem nicht. Viel eher so, als bewegte sie sich mit jedem Schritt auf einen Abgrund zu, der sie mit Haut und Haaren verschlingen würde.

***

Nach vier Tagen Dauerregen strahlte am Samstag endlich wieder die Sonne vom frisch gewaschenen Himmel. Die Luft roch würzig nach Erde und feuchtem Laub, Wassertropfen glitzerten wie Diamanten im Licht. Nebel stieg vom Boden auf, es war kühl geworden.

Auf dem Weg zur S-Bahn atmete Julia Holl tief ein. »Ach, Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit.«

Gemeinsam mit ihrem Mann war sie auf dem Weg zum Viktualienmarkt, wo sie sich mit ihrem Vater Walter Berling und dessen Frau Nessy zu einem Bummel treffen wollten.

Stefan lachte. »Wenn ich mich recht erinnere, bist du süchtig nach den ersten warmen Tagen im Frühling, nach Vogelgezwitscher und frischem Grün. Du liebst den Sommer mit seiner Blütenpracht und wenn die Schmetterlinge durch den Garten gaukeln. Und der Winter, wenn es nach Lebkuchen und Plätzchen duftet und es drinnen so schön gemütlich ist, ist sowieso deine Lieblingsjahreszeit«, zählte er belustigt auf.

»Du hast recht«, gestand Julia mit blitzenden Augen. »Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz. Und heute freue ich mich ganz besonders auf heiße Maroni und Gewürzsträußchen vom Viktualienmarkt.«

Dem konnte Stefan nur zustimmen. Über munterem Geplauder verging die S-Bahnfahrt wie im Flug und schon eine knappe halbe Stunde später trafen sie seine Schwiegereltern am vereinbarten Treffpunkt.

»Oh je, was ist denn mit deinem Arm passiert?« Besorgt musterte Stefan den Verband am Handgelenk seiner Tante, die gleichzeitig seine Zieh- und Schwiegermutter war.

Die Familienverhältnisse der Berlings suchten ihresgleichen. Durch einen Unfall früh zu Waisen geworden, zog Erneste – von allen nur Nessy genannt – die Geschwister Stefan und Beatrice groß, verzichtete dafür aber auf ihre Jugendliebe Walter Berling.

Zum Glück hatte das Schicksal ein spätes Einsehen gehabt. Als Stefan und Julia sich zufällig kennenlernten und verliebten, war Walter für seine große Liebe wieder frei. Seither führten die beiden eine Bilderbuchehe.

Nessy bedachte ihren linken Arm mit einem kurzen Blick und winkte ab. »Eine Sehnenscheidenentzündung.«

»Sie hat mich einfach zu viel herumkommandiert«, scherzte Walter Berling und wich dem liebevollen Knuff aus, dem seine Frau ihm versetzen wollte.

»Du hast ja keine Ahnung«, gab sie zurück. »Wenn ich erst wieder gesund bin, hole ich die Peitsche aus der Ecke ...«

Lachend machten sich die vier auf den Weg. Im Handumdrehen waren sie gefangen von den Düften der großen, weiten Welt.

»So ein Herbstnachmittag auf dem Viktualienmarkt ist doch immer ein Fest für die Sinne«, schwärmte Nessy, als sie Arm in Arm mit Julia an den Marktständen vorbeischlenderte.

Die Gerüche der herzhaften und süßen Speisen, der Früchte aus aller Herren Länder, der Käse- und Wurstspezialitäten ließen ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Um diese Uhrzeit herrschte dichtes Gedränge auf dem Markt. Die Händler buhlten um die Aufmerksamkeit der Einheimischen und Touristen. Lautstark präsentierten sie ihre Köstlichkeiten und luden zu Kostproben ein. An Getränkeständen gingen Bier und Aperol Spritz, Limonaden und Wasser über die Theken.

Von der Bühne wehte Blasmusik zu den Biertischen herüber, die an diesem Nachmittag für die passende musikalische Untermalung sorgte.

»Es gibt doch kaum etwas Schöneres, als den Nachmittag in netter Gesellschaft, mit einem kühlen Getränk und einer leckeren Brotzeit zu verbringen«, schwärmte Walter Berling und hob seinen Bierkrug.

Die Gläser klackten aneinander. Die Kapelle spielte ein Prosit der Gemütlichkeit, die Familie stimmte fröhlich mit ein. An einem der anderen Tische entdeckte Stefan ein bekanntes Gesicht und grüßte hinüber.

»Wer ist denn das?«, wollte Walter wissen.

»Eine Schwester aus der Klinik.« Stefans gute Laune hatte einen deutlichen Dämpfer erhalten. »Sie ist eine der Glücklichen, die an diesem Wochenende keine Bereitschaft hat. Dafür trifft es viele andere.« Nach einem Schluck Bier stellte er seinen Krug auf den Tisch zurück. Das schlechte Gewissen stand ihm ins Gesicht geschrieben.