Chefarzt Dr. Holl 2013 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 2013 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Ein rätselhafter Fall für die Ärzte der Berling-Klinik: Auf der Isolierstation liegt eine Frau, die nach einem Afrika-Aufenthalt an hohem Fieber leidet. Es besteht Verdacht auf eine gefährliche Tropenkrankheit. Noch tappen sie aber im Dunkeln. Als Chefarzt Dr. Stefan Holl sich ein Bild von der Patientin macht, passiert ihm ein Missgeschick, das er zunächst auf die leichte Schulter nimmt. Dann fährt er nach Hause zu seiner Frau Julia, die sich liebevoll um den kleinen Niklas kümmert, dessen Mutter ebenfalls in der Klinik behandelt wird. Kurz darauf erkrankt der Junge schwer. Er bekommt Fieber, das dramatisch steigt, und Dr. Holl beschleicht ein fürchterlicher Verdacht: Hat er einen folgenschweren Fehler begangen? Hat er das Leben des kleinen Niklas in Gefahr gebracht?


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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Der Junge mit dem Fieber

Vorschau

Impressum

Der Junge mit dem Fieber

Hat Dr. Holl einen jungen Patienten in Gefahr gebracht?

Von Mona Marquardt

Ein rätselhafter Fall beschäftigt die Ärzte der Berling-Klinik: Auf der Isolierstation liegt eine Frau, die nach einem Afrika-Aufenthalt an hohem Fieber leidet. Es besteht der Verdacht auf eine gefährliche Tropenkrankheit. Noch tappen sie aber im Dunkeln.

Als Chefarzt Dr. Stefan Holl sich ein Bild von der Patientin macht, passiert ihm ein Missgeschick, das er zunächst auf die leichte Schulter nimmt.

Dann fährt er nach Hause zu seiner Frau Julia, die sich liebevoll um den kleinen Niklas kümmert, dessen Mutter ebenfalls in der Klinik behandelt wird. Kurz darauf erkrankt der Junge schwer. Er bekommt Fieber, das dramatisch steigt, und Dr. Holl beschleicht ein fürchterlicher Verdacht: Hat er einen folgenschweren Fehler begangen? Hat er das Leben des kleinen Niklas in Gefahr gebracht?

»Ist das nicht wahnsinnig romantisch?« Es war ein Abend im März. Julia Holl saß auf der Couch neben ihrem Mann. Beim Zappen war sie bei einer Reportage über das Heiraten und die Bedeutung der Ehe in modernen Zeiten hängengeblieben.

Verzückt betrachtete sie die fantastischen Bilder. Ein Baldachin an einem Karibikstrand vor dem türkisblauen Meer. Die kleine Kapelle an einem Berghang mit grandioser Aussicht auf die umliegenden Gipfel. Die Orangerie in einem botanischen Garten.

»Das hätte mir auch gefallen«, seufzte sie. »Schade, dass es sowas früher noch nicht gab.«

»Wir könnten unser Ehegelübde erneuern«, machte Stefan Holl einen Vorschlag. »Eine Kollegin hat mir neulich davon erzählt. Sie hat ihrem Mann nach zwanzig Jahren Ehe noch einmal das Ja-Wort gegeben.« Eigentlich hatte es ein Spaß sein sollen.

Julia sah ihn an. »Das ist möglich?«

»Die standesamtliche Trauung kann nur einmal durchgeführt werden. Das gilt aber nicht für einen freien oder kirchlichen Segen.«

»Was für eine tolle Idee!« Julia legte den Kopf an seine Schulter. »Gerade nach deiner gesundheitlichen Krise wäre das ein ganz besonderes Zeichen«, schwärmte sie.

Lächelnd streichelte Stefan über ihre Wange. »Ehrlich gesagt brauche ich keinen Segen, um dir zu zeigen, wie sehr ich dich liebe. Wie dankbar ich dir bin für alles, was du für mich getan hast. Aber wenn du dir noch einmal eine Hochzeit wünschst ...«

»Was denn? Ihr wollt noch einmal heiraten?« Der fünfzehnjährige Chris war unbemerkt an der Wohnzimmertür aufgetaucht.

Um auch etwas sehen zu können, drängelte sich seine vier Jahre jüngere Schwester Juju an ihm vorbei und hopste auf Mamas Schoß. »Warum das denn?«

»Warum nicht?« Julia zog ihre Jüngste an sich.

»Gründe gibt es genug«, bestätigte Stefan. »Für viele Paare ist es die romantischste Liebeserklärung der Welt. Andere wollen eine überstandene Krise mit der Erneuerung des Eheversprechens abschließen«, erklärte er mit einem lächelnden Blick auf seine Frau.

»Ich finde, das ist ein sehr emotionaler, symbolischer Akt, der die Zusammengehörigkeit zweier Liebender noch einmal unterstreicht«, sinnierte Julia.

»Aber du brauchst nicht wirklich einen Beweis meiner Liebe, oder?«, fragte Stefan schmunzelnd. Obwohl die Idee von ihm stammte, war unschwer zu erkennen, dass er nicht halb so begeistert davon war wie seine Frau.

»Du bist ein Spielverderber, Papa«, schnaubte Juju. »Ich fände es total schön, wenn du Mama nochmal heiraten würdest. Dann könnten wir auch dabei sein, und ich würde mein neues Kleid anziehen.«

»Das kannst du doch auch ohne Hochzeit«, hielt Chris dagegen. »So schick ist es nun auch wieder nicht.«

Juju drehte ihm eine lange Nase, als das Telefon klingelte. Julia schob ihre Tochter von ihrem Schoß und stand auf.

»Über die Kleiderordnung können wir sprechen, wenn es so weit ist.« Mit diesen Worten verließ sie das Wohnzimmer.

»Sieht so aus, als hättest du keine Chance. Armer Papa.« Grinsend klopfte Chris seinem Vater auf die Schulter.

»Mama und ich werden dich schon noch davon überzeugen, dass das eine ganz tolle Idee ist.« Juju blitzte ihren Bruder an. »Und du musst ja nicht kommen, wenn du keine Lust hast.«

Chris suchte noch nach einer passenden Antwort, als Julia mit dem Telefon in der Hand ins Wohnzimmer zurückkehrte. »Für dich.« Sie hielt ihrem Mann den Hörer hin.

»Wer ist es?«

»Daniel.«

Mit dem Apparat am Ohr verließ Stefan das Wohnzimmer. Sofort war die fröhliche Kabbelei mit seiner Familie vergessen. Sein bester Freund störte ihn nur aus gutem Grund zu Hause.

Stefan Holl täuschte sich nicht. Daniel Falk berichtete von einer neuen Patientin, die mit verdächtigen Symptomen in die Klinik eingeliefert worden war. Dr. Marlene Gaça war gerade erst aus Nigeria zurückgekehrt und lag mit hohem Fieber auf der Quarantänestation. »Es besteht der Verdacht auf eine hochansteckende tropische Krankheit.«

Dr. Holl wusste, was das bedeutete. »Die anderen Patienten müssen unbedingt vor einer möglichen Ansteckung geschützt werden.«

»Es werden gerade sämtliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen«, erwiderte Dr. Falk. »Ich wollte nur, dass du Bescheid weißt.«

»Soll ich in die Klinik kommen?«

Daniel Falk lehnte ab. »Es genügt, wenn du dir morgen früh ein Bild von der Situation machst. Vielleicht wissen wir dann schon mehr.«

Stefan Holl bedankte sich und beendete das Telefonat. Als er ins Wohnzimmer zurückkehrte, war seine Frau allein.

»Wo stecken die beiden Kids?«

»Chris ist auf dem Weg zu Lara, und Juju hat sich mein Handy ausgeliehen, um im Internet nach einem passenden Kleid für unsere zweite Hochzeit zu suchen«, erwiderte sie sichtlich belustigt.

Stefan setzte sich wieder zu ihr. Ein feierlicher Ernst stand in seinem Gesicht. »Ich habe auch schon eine Idee, was ich dir versprechen könnte.«

»Wirklich?« Julia freute sich, dass er seine Meinung offenbar geändert hatte.

Stefan hob die Hand zum Schwur. »Ich verspreche, dir nie wieder deinen Kuchen wegzuessen. Auch nicht, wenn er mit extra vielen Streuseln garniert ist.«

Julia konnte nicht anders. Sie prustete los und lachte mit ihrem Mann, bis ihr die Tränen über die Wangen liefen. Was für ein Geschenk, nach all den gemeinsamen Jahren noch so viel Spaß zusammen haben zu können!

***

Den Frauen im Frauenhaus, die Julia Holl in Gesundheitsfragen ihrer Kinder beriet, erging es ähnlich. Nach schweren Zeiten waren sie endlich in Sicherheit und konnten zumindest manchmal wieder lachen.

Fast schüchtern schob sich die Sonne über die Dächer von München. Ein kühler Hauch lag in der Luft, als Julia am nächsten Morgen das Frauenhaus betrat. Aus der Gemeinschaftsküche wehte ihr der Duft von frischem Kaffee entgegen. Fröhliche Stimmen mischten sich mit den Geräuschen spielender Kinder. Julia spürte, wie ihr Herz höherschlug.

Dieser Zufluchtsort war einer der Orte, an denen sie ihre Leidenschaft für die Kinderheilkunde wieder ausleben konnte – eine Berufung, die sie vor Jahren für ihre eigenen Kinder auf Eis gelegt hatte.

Doch inzwischen waren die Zwillinge erwachsen und gingen ihre eigenen Wege. Und auch Chris und Juju wurden immer selbstständiger. Diese Veränderungen hatten den Wunsch in Julia geweckt, endlich wieder in ihren Beruf zurückzukehren. Noch zwei Jahre, dann wollte sie sich wieder ganz der Kindermedizin widmen. Bis dahin hielt sie sich mit Fortbildungen und Besuchen auf der Pädiatrie der Berling-Klinik auf dem Laufenden. Ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Frauenhaus war eine weitere Möglichkeit, in Übung zu bleiben.

»Einen wunderschönen guten Morgen«, grüßte sie in die kleine Runde. Fast sofort fiel ihr Blick auf den kleinen Niklas, der ein Feuerwehrauto über den Spielteppich schob. Beim Anblick der Ärztin strahlte er wie die Sonne persönlich. Sofort war das Spiel vergessen.

»Doktor Julia!« Mit ausgestreckten Armen lief der Vierjährige auf die Ärztin zu.

Julia fing ihn auf und wirbelte ihn durch die Luft. Als sich die Ärmchen um ihren Hals schlangen, schloss sie kurz die Augen. Gab es ein schöneres Gefühl auf Erden als das Vertrauen eines Kindes? »Na, mein Großer, du bist ja schon ganz schön munter heute.«

»Ich musste ja auch schon ein Feuer löschen.« Aufgeregt plappernd deutete Niklas auf den Teppich. »Ein Bauernhof ist abgebrannt. Meine Feuerwehrleute und ich haben alle Menschen und Tiere gerettet.«

»Ich bin so stolz auf dich«, lobte Julia. »Aber jetzt musst du dich bestimmt um die Verletzten kümmern.«

»Der Notarzt ist doch schon da!« Grinsend rutschte der Junge aus Julias Umarmung zurück auf den Boden. »Aber ich muss meinen Leuten sagen, dass sie die Kühe und Schweine und Hühner versorgen müssen.« Mit diesen Worten flitzte er davon.

Julia richtete sich auf und bemerkte Niklas' Mutter Lisa, die als Einzige still und in sich gekehrt am äußersten Rand des Frühstückstischs saß. Ihr Gesicht war blass, ihre Bewegungen fahrig.

Kurzentschlossen setzte sich Julia auf den freien Stuhl neben ihr. »Lisa? Alles in Ordnung?«

»Ach, es geht schon«, seufzte die junge Mutter. »Ich habe heute Nacht schlecht geschlafen.« Sie bemerkte den prüfenden Blick der Ärztin. »Es ist wirklich nichts, Frau Doktor Holl.«

Julia sah das anders. »Darf ich mal Ihre Stirn fühlen?«

Lisa zögerte kurz, dann nickte sie. Als Julias Fingerspitzen ihre Haut berührten – sie war warm, viel zu warm – schloss sie kurz die Augen.

»Sie haben Fieber.« Julias Blick entging nichts. »Haben Sie Bauchschmerzen?«

Lisas Hand zuckte zurück. Sie biss sich auf die Unterlippe. »Seit gestern Abend. Aber es ist wirklich nicht so schlimm. Wahrscheinlich habe ich nur was Falsches gegessen.«

»Ich würde Sie trotzdem gerne untersuchen.« Julia Holls Tonfall erstickte jeden Widerspruch im Keim. Sie sah sich um. »Können wir kurz in Ihr Zimmer gehen?«

»Natürlich.«

Julia bat eine der Frauen, einen Blick auf Niklas zu haben. Dem Jungen erklärte sie, gleich zurückzukommen. Gemeinsam mit Lisa verließ sie die Küche. Doch so einfach war das nicht. Gekrümmt und mit Julias Unterstützung schleppte sich Lisa über den Flur. Stöhnend streckte sie sich auf dem Bett aus.

Julia stellte ihre Tasche ab und beugte sich über ihre Patientin. Sie rieb die kalten Finger aneinander, um sie ein wenig zu wärmen, und tastete den Bauch ihrer Patientin ab. Lisa stöhnte auf.

»Loslass-Schmerz, Fieber, Übelkeit«, zählte Julia auf. »Ich tippe auf den Blinddarm. Sie müssen in die Klinik. Und zwar schnell.«

»In die Klinik?« Lisas Stimme überschlug sich. »Aber was soll dann aus Niklas werden? Er kann hier nicht alleine bleiben.«

Ein leises Klopfen an der Tür lenkte Julia ab, sie hob den Kopf. Beim Anblick der Leiterin des Frauenhauses lächelte sie.

»Bitte entschuldigen Sie die Störung«, bat Rosi Seidel. »Ich habe vorhin gesehen, wie Sie die Küche verlassen haben.« Ihr Blick wanderte zu Lisa. »Alles in Ordnung?«

»Leider nicht.« Mit dem Einverständnis der jungen Mutter schilderte Julia Holl das Problem.

»Niklas kann vorübergehend in einer Pflegefamilie untergebracht werden«, schlug Frau Seidel vor.

Julia bemerkte das Entsetzen in Lisas Augen. Sie dachte nur kurz nach. »Das wird nicht nötig sein.« Sie legte die Hand auf Lisas Arm »Ich kann mir vorstellen, wie schwer es Ihnen fällt, Niklas in fremde Hände zu geben. Vor allen Dingen nach all dem, was Sie erlebt haben.«

»Er kann endlich wieder lachen«, schluchzte die verzweifelte Mutter auf.

»Was halten Sie davon, wenn ich mich um Niklas kümmere, solange Sie in der Klinik sind?«, machte Julia einen Vorschlag. »So eine Blinddarmoperation ist heutzutage kein Hexenwerk mehr. Nach der Operation ist inzwischen meist nur noch ein Klinikaufenthalt von zwei Tagen nötig.«

Lisas Augen weiteten sich. »Das würden Sie für uns tun?«

»Natürlich«, erwiderte Julia, diesmal ohne Zögern. »Niklas und ich sind ein Herz und eine Seele. Außerdem bin ich selbst Mutter von vier Kindern. Zwei davon leben noch zu Hause. Juju wird begeistert sein, Niklas zu bemuttern.« Julias Lächeln war warm und herzlich. »Ihr Sohn wird bei uns in den allerbesten Händen sein.«

»Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll.« Lisa nahm das Taschentuch, das Rosi Seidel ihr reichte.

»Danken können Sie mir später. Jetzt kümmern wir uns erstmal darum, dass Sie wieder gesund werden.« Julia zog das Handy aus der Tasche und wählte die Nummer der Berling-Klinik. Das Gespräch dauerte nicht lange. »Der Wagen ist in einer Viertelstunde hier. Können Sie Ihre Sachen packen?«

»Ich helfe Lisa dabei«, bot Rosi Seidel an.

Julia kümmerte sich inzwischen um den kleinen Niklas. »Deine Mama muss für ein paar Tage ins Krankenhaus. Hast du Lust, so lange zu uns zu kommen? Mein Mann und meine Kinder würden sich sehr freuen. Ich glaube, wir werden viel Spaß zusammen haben.«

Niklas' Augen füllten sich mit Angst. »Wird meine Mama wieder gesund?« Sein kleines Kinn begann zu zittern.

»Natürlich.«

»Kann ich mein Feuerwehrauto mitnehmen? Und meinen Teddy?«

»Alles, was du willst«, versprach Julia lächelnd. »Wir packen alles ein, was du brauchst. Aber jetzt helfen wir deiner Mama, ja?«

***

Auch Stefan Holl hatte inzwischen seinen Arbeitsplatz erreicht. Nach einem kurzen Abstecher zu seinem besten Freund und Stellvertreter Daniel Falk machte er sich auf den Weg zur Isolierstation. Allzu schnell kam er nicht voran, grüßte von rechts nach links und nahm sich Zeit für den einen oder anderen kurzen Austausch mit seinen Mitarbeitern. Doch endlich hatte er sein Ziel erreicht und betrat den Vorraum zur Quarantänestation.

Intensiver als woanders in der Klinik hing der Geruch nach Desinfektionsmitteln in der Luft. Geblendet vom klinischen Weiß blinzelte Stefan Holl ein paar Mal. Erst auf den zweiten Blick bemerkte er die Schwester, die Verbandmaterial in einen Schrank im Vorraum räumte.

»Guten Morgen, Schwester Viola«, las er ihren Namen vom Schild an ihrer Brusttasche ab. Es verriet auch, dass sie noch in Ausbildung war. »Kennen wir uns?«

Violas Augen weiteten sich. Das Blut schoss ihr in die Wangen. »Sie sind der Chef«, hauchte sie und wusste nicht, wohin mit ihren Händen. »Ich habe Sie bei dem Empfang der Neuen im Herbst gesehen.«

Stefan Holl lachte. »Keine Angst, ich beiße nicht«, versprach er und sah sich um. »Können Sie mir sagen, wo ich sterile Kleidung finde?«

»Ich ... ich bringe Ihnen alles.« Schwester Viola stolperte davon. Der Klinikleiter hörte sie im Nebenraum rumoren und leise fluchen. Dann kam sie zurück. »Schutzanzug, Haube, Handschuhe, Maske, Gesichtsschutz«, zählte sie auf.

Stefan Holl bedankte sich und schlüpfte in die Kleidung. »Helfen Sie mir bitte mit dem Shield?« Die Maske blähte sich vor seinem Mund. »Irgendwie klemmt der Verschluss.«

Ihre Finger zitterten, als sie die Schnallen ineinandersteckte.

»Fertig.«

»Vielen Dank. Wir sehen uns später.« Dr. Holl trat durch die Schleuse und fühlte sich sofort, als wäre er in einem Science-Fiction-Film gelandet. Personal in Schutzanzügen eilte fast lautlos an ihm vorbei. In der Stille summten die Überwachungsgeräte umso lauter. Die Angst vor einer Ansteckung hing fast greifbar in der Luft.

Ebenfalls eingehüllt in einen Overall stand Schwester Nele am Krankenbett und versorgte die Patientin. Die Virologin Dr. Elena Rott kontrollierte die Überwachungsgeräte. Als sie die Schritte hörte, hob sie den Kopf.

Dr. Holl grüßte sie mit einem Nicken. »Und, wie geht es unserer Patientin?« Er blickte hinab auf Marlene Gaça. Mit geschlossenen Augen lag sie im Bett.

»Wie heißt es so schön? Den Umständen entsprechend. Das Fieber ist unverändert hoch. Außerdem klagte Dr. Gaça über Kopf- und Muskelschmerzen.«

»Haben Sie schon einen Verdacht?«

»Sie hat alle nötigen Impfungen. Trotzdem testen wir derzeit auf Cholera, Dengue- und Gelbfieber. Und natürlich auf Malaria. Dagegen gibt es ja bekanntlich keinen wirksamen Schutz.«

»Und wie sehen ihre Werte aus?«

»Puls und Blutdruck sind stabil. Die Sauerstoffsättigung hat sich leicht verbessert und liegt jetzt bei sechsundneunzig Prozent.«