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Nina leidet an einem schweren kombinierten Immundefekt (SCID). Jeder Kontakt zur Außenwelt ist für sie gefährlich, deshalb verlässt sie ihre Wohnung nur in Ausnahmefällen. Tag für Tag beobachtet sie durchs Fenster, wie das Leben draußen weitergeht. Sie sieht dabei zu, wie gegenüber ein neuer Nachbar einzieht. Ein Mann, der sie vom ersten Moment an auf unerklärliche Weise fasziniert. Plötzlich sehnt sich Nina nach mehr. Sie will den Mann - er heißt Cornelius - näher kennenlernen. Für ihn will sie aus ihrem Gefängnis ausbrechen, obwohl sie weiß, dass sie sich in Lebensgefahr begibt ...
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Hinter verschlossenen Türen
Vorschau
Impressum
Hinter verschlossenen Türen
Ihre Krankheit zwingt Nina zu einem Leben in Einsamkeit
Von Mona Marquardt
Nina leidet an einem schweren kombinierten Immundefekt (SCID). Jeder Kontakt zur Außenwelt ist für sie gefährlich, deshalb verlässt sie ihre Wohnung nur in Ausnahmefällen.
Tag für Tag beobachtet sie durchs Fenster, wie das Leben draußen weitergeht. Sie sieht dabei zu, wie gegenüber ein neuer Nachbar einzieht. Ein Mann, der sie vom ersten Moment an fasziniert.
Plötzlich sehnt sich Nina nach mehr. Sie will den Mann – er heißt Cornelius – näher kennenlernen. Für ihn will sie aus ihrem Gefängnis ausbrechen, dabei nimmt sie in Kauf, dass sie sich in höchste Lebensgefahr begibt.
Das Mietshaus wackelte, und in den Regalen vibrierten die Bücher. Nina Yilmaz hob den Kopf und lauschte. Als sich zu dem Rumpeln noch ein getaktetes Piepen gesellte, wusste sie, um was es sich handelte. Ein Lastwagen musste auf der Straße vor dem Haus geparkt haben. Wahrscheinlich handelte es sich wieder einmal um eine Lieferung für den nahe gelegenen Supermarkt. Es kam öfter vor, dass sich ein Fahrer verfuhr und in die falsche Straße abbog.
Doch dann verstummte der Motorenlärm. Türen wurden geöffnet und wieder zugeschlagen. Ein Moment verging, dann rief eine Frauenstimme: »Ich komme gleich zu Ihnen.«
Die Stimme gehörte der älteren Dame von gegenüber. Was wohl der LKW zu bedeuten hatte? Bekam Renate ein neues Möbelstück?
Nina warf einen kurzen Blick auf ihren Bildschirm. Es war noch früh am Morgen. Ihre Kunden schliefen offenbar noch, und auch das Telefon schwieg still. Eine gute Gelegenheit, sich noch eine Tasse Kaffee zu holen und nebenbei einen Blick aus dem Fenster zu werfen, um die Neugier zu stillen.
Mit einem Ruck zog Nina die Jalousien hoch. Sie war nicht vorbereitet auf die Wintermorgensonne und das gleißende Licht am hellblauen Himmel. Im ersten Moment war sie blind. Zum Glück verschwand die weiße Wand, die vor ihr aufgetaucht war, schnell wieder. Obwohl die Umgebung noch von Lichtreflexen umgeben war, konnte sie wieder etwas sehen.
Jetzt erkannte Nina, dass es sich tatsächlich um einen Möbelwagen handelte. Die Aufschrift auf der Seitenwand verriet, dass er aber nicht zu einem Möbelhaus, sondern zu einer Spedition gehörte. Renate tauchte in der Haustür auf und wechselte ein paar Worte mit den beiden Arbeitern. Ein paar Minuten später folgten sie ihr ins Haus.
Ninas Herz wurde schwer. Ihre Nachbarin zog also aus und würde auch die Katze mitnehmen. Am liebsten wäre Nina hinübergelaufen, um sich nach den Einzelheiten zu erkundigen und ihrem Bedauern Luft zu machen. Sie haderte noch mit sich, ob sie es wagen konnte, eine Ausnahme zu machen, als das Telefon klingelte.
»Einen wunderschönen guten Morgen, hier spricht Hofmann von der Firma Sonnenschein«, sagte eine Stimme, die Nina nur zu gut kannte. »Bin ich hier richtig bei Virtual Assistance Yilmaz, der Assistentin, die auch das Unmögliche möglich macht? Ich bräuchte einen rosa Elefanten, um einen Patienten zum Lachen zu bringen. Lieferung innerhalb der nächsten drei Stunden an die Berling-Klinik.«
Normalerweise war Nina für jeden Spaß zu haben. Doch an diesem Tag war ihr der Sinn für Humor abhandengekommen.
»Guten Morgen, Carina. Du bist ja schon gut drauf.« Nina warf einen Blick auf die Uhr. »Dabei ist es erst kurz nach acht.«
»Erst ist gut«, meinte Carina und lachte. »Ich bin seit halb sechs auf den Beinen und schon wieder müde.«
»Hättest du etwas Anständiges gelernt, müsstest du nicht so früh aufstehen.«
»Krankenschwester ist der schönste Beruf und die Berling-Klinik der beste Arbeitsplatz der Welt«, hielt Carina dagegen.
Mit dem Telefon am Ohr stand Nina immer noch am Fenster. Die Möbelpacker bugsierten eine petrolgrüne Couch durch die Haustür und brachten sie zum Umzugswagen.
»Nichts für ungut, aber ich bin heilfroh, wenn ich die Klinik so wenig wie möglich zu Gesicht bekomme.«
Langsam, aber sicher verging Carina das Lachen. »Du liebe Zeit, welche Laus ist dir denn heute früh schon über die Leber gelaufen?« Sie seufzte.
»Wenn du an meiner Krankheit leiden würdest, ginge es dir höchstwahrscheinlich nicht anders«, konterte Nina. Ein weiterer Möbelpacker mit einer Umzugskiste trat aus dem Haus, gefolgt von Renate, die eine Stehlampe trug. »Außerdem zieht meine Nachbarin gerade aus. Das macht mich traurig. Ich habe ihr und ihrer Katze so gerne beim Leben zugeschaut.«
Daher also wehte der Wind! Carina konnte ihrer Freundin die Trauer nicht verdenken. Sie ahnte nur, wie es sich anfühlen musste, an einem angeborenen, schweren kombinierten Immundefekt zu leiden, wie es bei Nina der Fall war.
»Sei nicht so streng mit deiner SCID«, bat sie. »Immerhin haben wir ihr unsere Freundschaft zu verdanken.«
»Das stimmt auch wieder.« Nina seufzte aus tiefstem Herzen und konnte schon wieder ein bisschen lächeln. »Ein Leben ohne dich kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Und will es auch nicht.«
»Mir geht es genauso, und ich freue mich, dass du mich heute Nachmittag besuchen kommst. Deshalb rufe ich auch an. Frau Doktor Kramer hat mich gebeten, dich an deinen Termin zu erinnern.«
»Ich werde pünktlich um drei Uhr da sein.«
»Und danach gönnen wir uns Bienenstich und Käsekuchen in der Cafeteria. Zucker ist gut für die Nerven und die Laune.«
»Wenn du das sagst, muss es ja stimmen.«
Die beiden Freundinnen lachten zusammen, bevor es auch für Nina Zeit wurde, den Arbeitstag zu beginnen.
***
»Die Sonne steht noch so tief, ich kann die Straße kaum erkennen.« Dr. Stefan Holl zwickte die Augen zusammen und klappte die Sonnenblende herunter. Vergeblich. Erst als er um die Ecke bog, konnte er wieder etwas sehen. Mit der Rechten wischte er sich die Tränen aus dem Augenwinkel.
»Ist das nicht herrlich?« Begeistert deutete seine Frau Julia auf die Bäume und Sträucher, die den Straßenrand säumten. Der Raureif glitzerte und blinkte im frühen Sonnenlicht. »Als ob die Natur mit Diamanten behängt wäre.« Sofort musste Julia an das Nesthäkchen der Familie denken. »Juju wäre begeistert.«
Auch Stefan musste lächeln, allerdings aus einem anderen Grund.
»Hast du gesehen, was sie heute beim Frühstück gemacht hat? Wie ist sie nur auf die Idee gekommen, Chris' Brot ein Gesicht aus Gemüse zu verpassen? Er wollte es gar nicht essen, weil er es so nett fand.«
»Das habe ich doch auch ab und zu gemacht, als die Kinder noch klein waren. Aber ich glaube, das ist inzwischen mal wieder ein Trend im Internet.«
»Juju hat doch gar kein Handy, und an den Computer darf sie nur manchmal für die Hausaufgaben.«
»Das schon. Aber bei vielen ihrer Klassenkameraden sind die Eltern nicht so konsequent. Von ihnen bekommt sie einiges mit, ob uns das gefällt oder nicht.«
Mit einem Blick in den Rückspiegel setzte Stefan den Blinker und bog nach rechts auf die Hauptstraße ab. Schlagartig wurde der Verkehr dichter. »Na ja, solange Juju sich nur abschaut, wie man Gemüsegesichter macht, ist noch keine Gefahr in Verzug.«
Die Eheleute lachten, ehe sich Stefan wieder auf den Verkehr konzentrierte. Eine Weile hingen die beiden ihren Gedanken nach.
Auch wenn Julia ihren Beruf als Kinderärztin für den eigenen Nachwuchs vor über zwanzig Jahren zurückgestellt hatte, war ihre Begeisterung für die Medizin ungebrochen. Doch inzwischen hatten sich die Zeiten geändert. Die erwachsenen Zwillinge Marc und Dani lebten ihr eigenes Leben, und auch der fünfzehnjährige Chris verbrachte immer mehr Zeit außer Haus. Nur das Nesthäkchen Juju hing noch mit zärtlicher Kinderliebe an ihren Eltern, machte aber auch schon erste Flugversuche.
Nicht mehr lange und Julia konnte ihren Plan wahrmachen und wieder in ihren Beruf als Kinderärztin zurückkehren. Um sich auf dem Laufenden zu halten, stattete sie der Pädiatrie der Berling-Klinik regelmäßige Besuche ab. Auch an diesem Morgen wollte sie die günstige Gelegenheit nutzen. Dass sie dadurch noch ein bisschen mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen konnte, um ungestört mit ihm zu plaudern, war ein angenehmer Nebeneffekt.
»Was erwartet dich heute?«, fragte Julia schließlich.
Stefan dachte kurz nach. »Ehrlich gesagt habe ich nicht alle Termine im Kopf. Aber wenn ich mich recht erinnere, stehen Budgetbesprechungen, ein Pressetermin und ein Meeting mit dem Verwaltungschef Huber wegen der neuen Ausstattung für die Intensivstation auf dem Plan.« Er hielt an einer roten Ampel. »Außerdem hat mich Doktor Kramer gebeten, sie bei einem besonderen Fall zu unterstützen.«
Interessiert sah Julia auf. »Um was geht es?«
»Nina Yilmaz ist Ende zwanzig. Seit ihrer Geburt leidet sie an SCID.«
Auch ohne große Erklärung wusste Julia, was das bedeutete.
»Wie furchtbar«, sagte sie und seufzte. »Mit dieser Diagnose ist sie bestimmt schon ihr Leben lang in Therapie.«
»Ohne ein funktionierendes Immunsystem musste Nina in den ersten Lebensmonaten zahlreiche Infekte durchmachen, die leider ihre Spuren hinterlassen haben. Erst im Alter von sechs Monaten stellten die Ärzte die SCID fest.«
»Wie wurde Nina damals behandelt?«
»Sie erhielt eine Stammzelltransplantation. Dadurch konnte ein Teil des Immunsystems aufgebaut werden.« Das war die gute Nachricht. »Leider funktioniert die Bildung der B-Zellen auch nach der Transplantation nicht, weshalb Ninas Körper keine eigenen Immunglobuline produzieren kann. Seither muss sie sich wöchentlich Immunglobuline selbst spritzen, damit ihr Immunsystem überhaupt funktioniert.«
»Sie spritzt sich selbst?« Julia schickte ihrem Mann einen erschrockenen Blick. »Das klingt nach einer schweren Belastung für so einen jungen Menschen.«
»Tatsächlich nimmt sie ihr Schicksal mit bewundernswerter Gelassenheit«, wusste Stefan zu berichten. »Seit Nina vor ein paar Jahren nach München gezogen ist, kommt sie regelmäßig zu uns in die Klinik, um ihren Gesundheitszustand überprüfen zu lassen.«
Die Berling-Klinik kam in Sicht. Wieder blinkte Stefan. Diesmal reihte er sich in die Linksabbiegerspur ein. »Unglücklicherweise hat sich ihr Zustand in den vergangenen Wochen verschlechtert. Warum, das weiß im Augenblick noch keiner so genau.«
»Das ist so tragisch.« Julias ganzes Mitgefühl gehörte der tapferen jungen Frau. »Was sagt Christine dazu?«
»Wir versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden. Vielleicht müssen wir die Therapie anpassen. Aber dazu brauchen wir noch mehr Informationen. Ich fürchte, wir stehen noch ganz am Anfang.« Stefan stellte den Wagen auf dem Parkplatz ab.
Die moderne Fassade der Berling-Klinik glänzte im kalten Morgenlicht.
»Ihr werdet bestimmt einen Weg finden, um ihr zu helfen.«
Seite an Seite trat das Ehepaar durch die breiten Schiebetüren. Selbst um diese Uhrzeit herrschte schon ein reges Kommen und Gehen, ein Rhythmus, der die Klinik auf geheimnisvolle Art und Weise lebendig machte. Fast fühlte es sich an, als hätte das Haus ein Herz, als hoffte und bangte es mit seinen Besuchern.
Im Foyer trennten sich ihre Wege. Stefan beugte sich zu seiner Frau und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen. »Wenn du uns die Daumen drückst, kann ja nichts schiefgehen.«
Julia lächelte und legte kurz die Hand auf seine Wange. »Ich liebe dich«, sagte sie zum Abschied.
***
Keiner der Gegenstände auf dem Schreibtisch ließ Rückschlüsse auf das Privatleben von Dr. Christine Kramer zu. Pünktlich zu ihrem Termin saß Nina Yilmaz auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch. Sie musterte die Schreibtischunterlage, den silbernen Becher mit den Stiften darin und den weiß umrandeten Computermonitor, davor die weiße Tastatur, als ihre Ärztin endlich eintrat.
»Es tut mir leid, dass Sie warten mussten.« Beim Anblick ihrer Patientin stülpte Dr. Kramer rasch eine Maske über Mund und Nase. Sie begrüßte Nina mit einem Nicken und setzte sich an ihren Platz. Neben der Onkologie war Dr. Christine Kramer auch für Hämatologie und Immunologie verantwortlich – eine Kombination, die Nina in gewisser Weise beruhigte. Sie gab ihr die Sicherheit, dass die Ärztin ihre Situation von allen Seiten betrachtete.
Dr. Kramer faltete die Hände und lächelte ihre Patientin freundlich an. Noch wollte sie nicht verraten, warum sie zu spät gekommen war. »Wie geht es Ihnen heute?«, fragte sie zunächst.
Nina legte den Kopf schief. Eine dunkle Strähne fiel ihr ins Gesicht und verdeckte eines ihrer traurigen Augen. Achtlos strich sie sie weg. »Ganz ehrlich? Es war schon mal besser.« Die FFP2-Maske blähte sich vor ihrem Mund.
»Handelt es sich immer noch um die gleichen Symptome wie in der vergangenen Woche?«, erkundigte sich die Ärztin und studierte Ninas Patientenakte auf dem Tablet.
»Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Husten, Zahnfleischentzündungen, Hautprobleme«, zählte Nina auf, als hätte sie einen medizinischen Ratgeber auswendig gelernt. »Momentan kann ich noch nicht einmal mehr einen ganzen Tag durcharbeiten. Nach drei oder vier Stunden muss ich mich hinlegen und ein Nickerchen machen. Trotzdem schlafe ich abends oft auf dem Sofa ein.«
Christine Kramer nickte sichtlich bekümmert. »Die Laborergebnisse der letzten Untersuchung bestätigen Ihre Schilderung.« Die Augen auf das Tablet geheftet, scrollte sie weiter. »Trotz der Infusionen ist die Produktion der B-Zellen so schlecht, dass Doktor Holl und ich eine weitere Stammzelltransplantation in Erwägung ziehen.« Sie betrachtete einen kritischen Wert im Blutbild. »Dafür müssten Sie allerdings zuerst eine hochaggressive Chemotherapie überstehen.«
Nina spürte, wie ihr die Kälte an den Beinen hinaufkroch. »Das ist im Moment ausgeschlossen?« Es war mehr eine Feststellung als eine Frage.
»Es tut mir wirklich leid.« Dr. Kramer legte das Tablet beiseite. Sie hob den Kopf und sah zu Nina hinüber. Tapfer hielt sie dem Blick ihrer Patientin stand. »Im Augenblick wäre das Risiko für so eine strapaziöse Behandlung zu groß. Uns bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis sich Ihr Zustand stabilisiert.«
Nina seufzte und blickte aus dem Fenster. Inzwischen waren Wolken aufgezogen. Langsam schwammen sie über den Winterhimmel. »Und bis dahin?«, fragte sie matt. »Was passiert bis dahin?«
»Bis es Ihnen besser geht, wäre es am besten, Sie zu isolieren. Zu Hause, unter strengen Vorsichtsmaßnahmen.«
»Noch strenger?« Nina runzelte die Stirn. »Ich verlasse das Haus ohnehin schon kaum. Nur zum Einkaufen und zur Klinik. Weniger geht fast nicht.«
»Haben Sie jemanden, der für Sie einkaufen gehen und einfache Untersuchungen und Medikamentengaben selbst erledigen könnte?«
Über diese Frage musste Nina nicht lange nachdenken. »Meine beste Freundin ist Krankenschwester auf der Onkologie«, erwiderte sie. »Aber Carina ist auch ohne mich schon genug beschäftigt.«
»Ach, Sie meinen Schwester Carina.« Christine Kramers Augen leuchteten auf. »Es handelt sich ja nur um eine vorübergehende Maßnahme«, fuhr sie fort. »Vielleicht besteht die Möglichkeit, dass Carina vorübergehend bei Ihnen wohnt? Gesellschaft ist ohnehin gesund, besonders in Ihrem Zustand ...« Die Ärztin beugte sich vor und sah Nina in die braunen Augen. »Soll ich sie mal fragen?«
»Nein, nein, das mache ich schon selbst«, versicherte Nina schnell. Auf keinen Fall wollte sie Carina ins kalte Wasser werfen. Und überhaupt, was war das für eine Idee? Doch je länger sie darüber nachdachte, umso besser gefiel ihr der Gedanke. »Vielleicht fände sie es gar nicht so schlimm, für eine Weile bei mir zu sein.« Immerhin waren sie beide Singles und manchmal ziemlich einsam. »Außerdem liegt meine Wohnung näher an der Klinik. Das wäre auch ein Argument ...«
Mit einem Blick auf die Uhr erhob sich Dr. Kramer. Höchste Zeit, sich um all die anderen Patienten zu kümmern, die ihrer Hilfe bedurften. »Doktor Holl, ich und das ganze Team werden alles in unserer Macht Stehende tun, um Sie durch diese schwere Zeit zu bringen«, versicherte sie mit Nachdruck. »Sie sind nicht alleine.«
***
