Chefarzt Dr. Holl 2017 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 2017 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Charlotte will einfach nur dazugehören. Ihr Vater, ein berühmter Schlagersänger, beachtet sie kaum. Bisher war ihre beste Freundin Milena ein wichtiger Halt - doch die ist nun wochenlang fort. Plötzlich fühlt sich Charlottes Leben leerer an als je zuvor. Da trifft sie Joshua. Mit ihm ändert sich alles. Zum ersten Mal fühlt sie sich anerkannt und unbeschwert, feiert wilde Partys, lernt neue Freunde kennen und genießt eine Freiheit, die sie nie zuvor gekannt hat. Die angebotenen Drogen nimmt sie anfangs nur zögerlich - doch entwickelt sie Gefallen an ihrer Wirkung. Schon bald verliert sie die Kontrolle, und es kommt eine Nacht, die in einer Katastrophe endet ...


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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Wilde Nächte

Vorschau

Impressum

Wilde Nächte

Arztroman über die Partydroge Lachgas und ihre Folgen

Von Mona Marquardt

Charlotte will einfach nur dazugehören. Ihr Vater, ein berühmter Schlagersänger, beachtet sie kaum. Bisher war ihre beste Freundin Milena ein wichtiger Halt – doch die ist nun wochenlang fort. Plötzlich fühlt sich Charlottes Leben leerer an als je zuvor.

Da trifft sie Joshua. Mit ihm ändert sich alles. Zum ersten Mal fühlt sie sich anerkannt und unbeschwert, feiert wilde Partys, lernt neue Freunde kennen und genießt eine Freiheit, die sie nie zuvor gekannt hat. Die angebotenen Drogen nimmt sie anfangs nur zögerlich – doch entwickelt sie Gefallen an ihrer Wirkung. Schon bald verliert sie die Kontrolle, und es kommt eine Nacht, die in einer Katastrophe endet ...

»Kinder, wie die Zeit vergeht!«, sagte Julia Holl seufzend mit einem Blick auf den Kalender, der in der Küche an der Wand hing. Das Kalenderblatt zeigte eine Wiese, übersät mit gelben Löwenzahnblüten, die sich unter einem klaren blauen Himmel bis zu einer Allee erstreckte. Hellgrüne Blätter leuchteten an den altehrwürdigen Eichen. »Noch ein Monat, dann ist der Frühling auch schon wieder vorbei.«

»Dabei habe ich das Gefühl, als hätte das Jahr gerade erst angefangen«, bestätigte ihr Mann, der Butter und Marmelade fürs Frühstück aus dem Kühlschrank holte.

»Das liegt daran, dass ihr nicht mehr in die Schule gehen müsst«, tönte eine Stimme aus dem Hintergrund.

Der fünfzehnjährige Chris gesellte sich zu seinen Eltern, im Schlepptau seine vier Jahre jüngere Schwester.

»Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie laaaaaaaang so ein Schultag ist«, bekräftigte Juju. »Und bis zu den nächsten Ferien dauert es noch fast sechs Wochen.«

Selten waren sich die Geschwister so einig wie bei diesem Thema.

Stefan lachte. »Darf ich euch daran erinnern, dass die Osterferien gerade erst vorbei sind.« Versonnen drückte er Chris die Teller und Juju den Brotkorb in die Hand. »Ach, Schüler müsste man nochmal sein. So viel Freizeit wie damals hätte ich auch nochmal gerne.«

Solche Worte aus dem Mund ihres arbeitswütigen Mannes? Julia traute ihren Ohren kaum. »Und was würdest du mit der vielen Zeit anstellen?« Sie musste lauter sprechen, denn Chris hatte das Radio aufgedreht. Juju schmetterte lauthals mit: »In deinen Armen vergeht die Zeit, aber mein Herz schlägt für dich bis in alle Ewigkeit...«

»Na, zum Beispiel würde ich mit dir ein Konzert von Valentino besuchen«, sagte Stefan grinsend und nahm eine Scheibe Brot aus dem Korb. »Habe ich dir übrigens erzählt, dass er heute in meine Sprechstunde in die Klinik kommt? Moni Wolfram war ganz aus dem Häuschen, als er anrief, um einen Termin in meiner Sprechstunde zu vereinbaren.«

Chris staunte mit seiner Schwester um die Wette. »Bist du sicher?«, hakte er vorsichtshalber nach. »DER Valentino?«

»Warum nicht? Auch ein Schlagerstar ist nur ein Mensch. Und Menschen werden nun mal krank.«

»Der Arme!« Sofort hatte Juju Mitleid. »Was fehlt ihm denn?«

Stefan stupste seine Jüngsten mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze. »Selbst, wenn ich es wüsste, dürfte ich es dir nicht verraten.«

Chris dagegen grinste breit. »Danke, dass du Arzt bist und kein Schlagerstar.« Er hielt sein Handy in der Hand. Auf dem kleinen Bildschirm lief ein Konzertausschnitt. »Ich würde mich sowas von schämen, wenn du in solchen Valentino-Glitzerkostümen herumlaufen würdest.«

Entgeistert starrte Juju den Sänger an, der wie eine menschgewordene Diskokugel über die Bühne tanzte.

»Hoffentlich hat er keine Kinder. Wenn doch, dann haben die bestimmt keinen Spaß in der Schule.«

Julia wurde hellhörig. Besorgt strich sie ihrer Jüngsten eine blonde Strähne aus dem Gesicht. Der Ton in der Gesellschaft war rauer geworden. Beleidigungen und Ausgrenzung fanden inzwischen auch unter Kindern und Jugendlichen und nicht nur im realen Leben, sondern auch im Internet statt. Wie viele andere Eltern sorgten sich Julia und Stefan um ihre Kinder und waren stets wachsam. »Wie kommst du denn auf sowas? Wirst du etwa in der Schule gemobbt?«

»Nein. Das würde ich euch sofort sagen...«

»Außerdem trägt Papa ja keine Glitzerkittel«, warf Chris ein und sorgte für einen kurzen Heiterkeitsausbruch.

Schließlich fuhr Juju fort. »Aber neulich war ein Sozialarbeiter da und hat einen Vortrag über Mobbing in der Schule gehalten. Das war ganz schön schlimm, was er erzählt hat.«

»Aber gut, dass in eurer Schule über dieses Thema aufgeklärt und gesprochen wird«, lobte Stefan Holl mit einem Blick auf die Uhr. »Darüber musst du mir heute Abend unbedingt mehr erzählen.« Er wischte sich die Hände an der Serviette ab und stand auf. »Jetzt muss ich leider los.« Für Julia und Juju gab es einen Kuss, für Chris ein männliches Schulterklopfen.

Auch Juju sprang auf und begleitete ihren Papa zur Tür. »Ich bin schon soooo gespannt, was du über Valentino erzählst«, plapperte sie aufgeregt. »Am liebsten würde ich mitkommen und Mäuschen spielen.«

Stefan lachte. »Auch auf die Gefahr hin, dich zu enttäuschen: Ich denke, Valentin Fürstenberg – so heißt er mit richtigem Namen – ist ein ganz normaler Mensch wie du und ich.«

»Bist du denn gar nicht aufgeregt, so jemand Berühmtes zu treffen?«, fragte Juju ungläubig.

»Nein, eigentlich nicht.«

»Bringst du mir trotzdem ein Autogramm mit?«

***

Freitagmittag! Wie verabredet stand Milena Radowitz am Treffpunkt vor der Uni und wartete auf ihre beste Freundin. Charlotte ließ sich mal wieder Zeit. Als eine der letzten schlenderte sie um die Ecke.

»Da bist du ja endlich«, gab Milena stöhnend von sich. »Ich sterbe gleich vor Hunger. Komm! Mama hat schon gefragt, wann wir nach Hause kommen.«

Charlotte lachte. »Deine Mama hat sich nicht verändert. Dabei sind wir inzwischen erwachsen und keine Schulkinder mehr.«

Seite an Seite machten sich die beiden auf den Weg zur U-Bahn. Die Sonne stand hoch am Himmel, die Straßencafés waren gut besucht. Die fröhlichen Stimmen der Gäste und Passanten mischten sich mit den Geräuschen der Stadt. Unter den Tischen hüpften Spatzen umher auf der Suche nach Leckereien. In den Grünanlagen der Stadt sprießten die Krokusse, eine leichte Brise trug den Duft der blühenden Kastanienbäume durch die Straßen. Die Stimmung weckte Erinnerungen in Milena.

»Weißt du noch, wie wir nach dem letzten Schultag vor den Sommerferien immer nach Hause gelaufen sind? Wir trugen unsere Zeugnisse wie Pokale vor uns her und passten auf, dass sie ja nicht verknickten.« Sie schickte Charly einen Seitenblick. Ernst sah ihre beste Freundin aus. Nicht nach Frühlingsgefühlen und Wochenende. »Im Flur bin ich fast immer geplatzt vor Vorfreude, nach Hause zu kommen, auf die Ferien, auf den Sommer ...«

Sie stiegen die Treppen zur U-Bahn hinunter und ließen die Sonne oben. Ein Schatten fiel auf Charlottes Gesicht.

»Nach Mamas Tod hatte ich immer Angst vor dem, was mich zu Hause erwartet.« Sie griff nach Milenas Hand und drückte so fest zu, dass es wehtat.

Aber nicht nur deshalb war Milena erschrocken. »Davon hast du nie etwas gesagt.«

»Wozu?« Charly zuckte mit den Schultern. »Es hätte ja doch nichts geändert.«

Mit Getöse fuhr die U-Bahn ein. Der Fahrtwind ließ die Haare flattern, Menschen strömten auf den Bahnsteig. Geduldig warteten die beiden Freundinnen, bis sie einsteigen konnten.

Schlagartig wurde Milena wieder einmal bewusst, wie gut es das Schicksal mit ihr meinte. Das wusste sie, wenn sie ihr gemütliches, sicheres Zimmer in der großen Altbauwohnung ihrer Eltern betrat. Sie wusste es, wenn sie reisen konnte, wohin sie wollte, essen, worauf sie Lust hatte, feiern, mit wem sie wollte, mit ihrer Mutter über alles reden, was sie bewegte. All das wurde Milena immer dann klar, wenn sie die Nachrichten auf ihrem Handy oder im Fernsehen sah. Und wenn sie mit Charlotte zusammen war.

»Warum kommst du nicht mit zu mir? Mama ist noch in der Arbeit. Wir könnten zusammen kochen und sie überraschen, so wie früher.«

Charly überlegte nicht lange. »Gute Idee. Papa ist sowieso nicht zu Hause.«

»Ist er wieder auf Tournee?«

»Nein. Er hat ein Furunkel am Oberarm und wird heute Nachmittag ambulant in irgendeiner Klinik operiert.«

»Oh, nein. Das tut mir leid. Ist es schlimm?«

»Keine Ahnung.« Charlotte zuckte mit den Schultern. »Ihn juckt es ja auch nicht, wie es mir geht.«

Früher hatten die beiden Freundinnen öfter über dieses Thema gesprochen. Nach dem Tod ihrer Mutter hatte Charlotte sogar ein paar Monate bei Familie Radowitz gewohnt. Aber irgendwann waren Valentins Depressionen besser geworden, und er und seine Tochter zu so etwas wie Normalität zurückgekehrt. Zumindest nach außen hin.

Milenas Herz zog sich vor Mitgefühl zusammen. Nur selten sprach ihre Freundin über die Zustände zu Hause. »Ist es immer noch nicht besser? Inzwischen ist er doch total berühmt, seine Konzerte sind ständig ausverkauft. Dein Vater muss doch platzen vor Selbstbewusstsein.«

Ruckelnd fuhr die U-Bahn um eine Kurve. Charlotte wurde gegen Milena gedrückt. Beide lachten kurz, doch viel zu schnell wurde Charly wieder ernst. »Ehrlich, ich weiß es nicht. Und eigentlich interessiert es mich auch nicht mehr. Papa lebt in seiner eigenen Welt und ich bin froh, wenn er mich in Ruhe lässt.« Sie starrte durch die Scheiben hinaus in den dunklen U-Bahnschacht. Sehnsucht füllte ihre Augen. »Noch zweieinhalb Semester, dann bin ich eh weg.«

»Aber du bleibst schon in der Nähe, oder?«, fragte Milena erschrocken.

»Klar.« Charly verzog den Mund. »Wen habe ich denn außer dir und deinen Eltern?«

***

Als medizinischer Leiter der Berling-Klinik trug Dr. Stefan Holl neben vielen anderen Aufgaben die Verantwortung für die strategische und operative Führung des medizinischen Bereichs. Er kümmerte sich um die Sicherstellung der medizinischen Qualität und um die Koordination zwischen den verschiedenen Abteilungen. Auch die Einhaltung von Standards und Vorschriften sowie die Führung des medizinischen Personals fiel in seinen Aufgabenbereich.

Angesichts all dieser Aufgaben blieb meist nur wenig Zeit für seine eigentliche Leidenschaft: Die Behandlung seiner Patienten. Umso mehr freute er sich auf seine Privatsprechstunde, die zwei Mal in der Woche stattfand. Eine weitere willkommene Abwechslung waren die Operationen, bei denen seine Expertise und Erfahrung gefragt waren.

»Sie waren heute Morgen schon Gesprächsstoff in unserer Familie«, berichtete er seinem Patienten Valentin Fürstenberg, während er darauf wartete, dass die örtliche Betäubung wirkte. »Ihr neuester Hit lief im Radio und meine Tochter hat lautstark mitgesunden«, fuhr er fort, als Valentin schwieg. »Unser Sohn zeigte uns dann einen Mitschnitt von einem Ihrer Konzerte. Sehr mitreißend, diese Leichtigkeit und Freude.«

»Vielen Dank.« Das Lächeln erreichte Valentins Augen nicht. »Leider trügt der schöne Schein.« Er seufzte tief. »Seit meine Frau vor acht Jahren an einer schweren Krankheit starb, ist mein Lampenfieber wieder zurückgekehrt und wird mit jedem Auftritt schlimmer«, gestand er offenherzig. »Wenn das so weitergeht, kann ich bald nicht mehr auftreten.«

Dr. Holl war überrascht. Der Mann, den er im Internet gesehen hatte, hatte nichts zu tun mit dem, der vor ihm auf der Liege lag.

»Das tut mir wirklich leid.« Er beugte sich über das Operationsfeld, das eine Schwester bereits desinfiziert hatte. »Ich dachte, dass man sich mit der Zeit an so etwas gewöhnt.« Stefan Holl ließ sich ein Skalpell reichen und setzte einen Schnitt. »Zumindest ging es mir so. Als junger Student war jeder Vortrag vor meinen Kommilitonen eine Strafe. Inzwischen denke ich noch nicht einmal mehr darüber nach, wenn ich vor anderen Menschen sprechen muss.«

»Dann sind Sie glücklicher als ich.« Valentin schickte dem Arzt einen forschenden Blick. Konnte er es wagen? »Deshalb habe ich eine Bitte an Sie.«

»Was kann ich für Sie tun?« Das Furunkel war entleert. Um eine erneute Infektion zu verhindern, entfernte Dr. Holl das entzündete Gewebe.

»Ich dachte, Sie könnten mir ein Beruhigungsmittel verschreiben.« Valentin nannte den Namen des Präparats.

Stefan Holl antwortete nicht sofort. Er versorgte die Wunde mit einer antiseptischen Salbe und verband sie mit einer sterilen Kompresse. »Wie kommen Sie auf dieses Medikament?«, fragte er dann.

»Das hat mir ein Arzt während meiner letzten Tournee verschrieben. Ich bin sehr zufrieden damit.«

»Dieses Präparat kann Ihnen vor einem Auftritt tatsächlich die nötige Ruhe geben. Allerdings führt es auch rasch zu einer Abhängigkeit.« Der Eingriff war beendet. Dr. Holl rollte auf seinem Hocker zurück und zog die Handschuhe aus. Mit leisem Rascheln landeten sie im Abfalleimer. »Deshalb halte ich das für keine gute Option.«

Valentin Fürstenberg musterte den Klinikleiter mit großen Augen. »Wie stellen Sie sich das vor? Wie soll ich dann jemals wieder auftreten?«, platzte er heraus. Seine Augen füllten sich mit Erinnerungen. »Ich erinnere mich noch so gut an den Tag, als meine Frau starb, als wäre es gestern. Anita war lange krank gewesen und ich musste ja weiterarbeiten. Ein wichtiger Auftritt in Budapest stand kurz bevor, als ich die Nachricht von ihrem Tod bekam. Mein Auftritt wurde ein Desaster. Ich war so schockiert, dass ich mich monatelang aus der Öffentlichkeit zurückzog. Eine Zeitlang wollte ich sogar meine Karriere an den Nagel hängen. Aber wovon sollten ich und meine Tochter dann leben? Deshalb beschloss ich, weiterzumachen. Aber das Trauma hat sich tief in meine Seele eingegraben«, seufzte Valentin. »Vor jedem Auftritt fürchte ich ein neues Unglück.« Er schickte Stefan Holl einen flehenden Blick. »Bitte! Ich brauche diese Tabletten. Für mich. Für meine Tochter.«

Unwillkürlich musste Stefan an Jujus Kommentar vom Frühstück denken.

»Wie alt ist Ihre Tochter?«

»Zwanzig. Charlotte studiert und lebt noch bei mir. Wir sind auf mein Einkommen angewiesen.« Das war nicht ganz die Wahrheit. Inzwischen war Valentin längst ein vermögender Mann.

Eine Schwester half ihm, sich auf der Liege aufzusetzen und reichte ihm sein Hemd. Dr. Holl setzte sich an den Computer in der Ecke. »Trotzdem kann ich Ihnen dieses Präparat leider nicht verschreiben.« Er scrollte auf und ab. Eine Weile herrschte Schweigen. »Ah, hier habe ich etwas für Sie. Dieses Präparat ist rein pflanzlich. Zugegeben, es kann ein paar Wochen dauern, bis die Wirkung einsetzt und sie wird nicht so stark sein. Dafür macht dieses Präparat nicht abhängig wie die sogenannten Benzodiazepine.« Der Drucker ratterte. Dr. Holl reichte seinem Patienten ein Privatrezept. »Im Übrigen kann ich Ihnen Meditation ans Herz legen, um Ihre Ängste zu überwinden. Wenn Sie Interesse haben, gebe ich Ihnen die Adresse einer Kollegin mit. Sie hat sich auf kognitive Verhaltenstherapie spezialisiert und ist sehr erfolgreich auf Ihrem Gebiet.«

»Sehr gerne.« Valentin betrachtete die Visitenkarte der Psychologin. »Ehrlich gesagt, hatte ich damit gerechnet, dass Sie meine Probleme nicht ernst nehmen würden«, gestand er und rutschte von der Liege. »Aber ich kann die vielen positiven Bemerkungen nur bestätigten. Das Internet hat ausnahmsweise einmal nicht gelogen.«

»Natürlich muss man die Informationen mit Vorsicht genießen«, räumte Dr. Holl ein. »Andererseits ist das Internet kaum mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Es ist wie mit allem: Es hat gute und schlechte Seiten.«

»Das sollten Sie mal meiner Tochter sagen. Sie meidet die modernen Kommunikationsmittel wie der Teufel das Weihwasser.«

Auf dem Weg zur Tür runzelte Stefan Holl die Stirn. »Das ist allerdings wirklich ungewöhnlich. Junge Menschen in diesem Alter sind normalerweise kaum von ihren Handys wegzubringen.«

»Wenn Sie mich fragen, ist Charlys Abneigung nur eine Ausrede«, gab Valentin zurück. »Sie hat einfach keine Freunde, mit denen sie schreiben könnte. Deshalb lässt sie es lieber ganz bleiben.«

»Wie kommt das?«

»Ich weiß nicht.« Valentin zuckte mit den Schultern. »Ehrlich gesagt haben wir nicht das beste Verhältnis. Seit dem Tod ihrer Mutter ...« Er senkte die Augen und verstummte.