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Ein neuer Kinderorthopäde - Dr. Magnus Lindholm - tritt in der Berling-Klinik seinen Dienst an. Mit seiner charmanten Art gewinnt er nicht nur das Vertrauen seiner kleinen Patienten, sondern auch die Sympathien seiner Kolleginnen und Kollegen. Doch die Fassade beginnt zu bröckeln, als es zu einem dramatischen Zwischenfall kommt: Während eines Eingriffs bricht der Arzt am OP-Tisch zusammen. Danach spielt er den Vorfall herunter, auf Nachfragen zu seinem Gesundheitszustand gibt er ausweichende Antworten und lehnt jede Hilfe kategorisch ab. Noch ahnt niemand, dass Dr. Lindholm ein Geheimnis mit sich trägt - eines, das nicht nur seine Karriere, sondern auch sein Leben in Gefahr bringt ...
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Dr. Lindholms Geheimnis
Vorschau
Impressum
Dr. Lindholms Geheimnis
Wie lange kann er die Wahrheit verbergen?
Von Mona Marquardt
Ein neuer Kinderorthopäde – Dr. Magnus Lindholm – tritt in der Berling-Klinik seinen Dienst an. Mit seiner charmanten Art gewinnt er nicht nur das Vertrauen seiner kleinen Patienten, sondern auch die Sympathien seiner Kolleginnen und Kollegen.
Doch die Fassade beginnt zu bröckeln, als es zu einem dramatischen Zwischenfall kommt: Während eines Eingriffs bricht der Arzt am OP-Tisch zusammen.
Danach spielt er den Vorfall herunter, auf Nachfragen zu seinem Gesundheitszustand gibt er ausweichende Antworten und lehnt jede Hilfe kategorisch ab. Noch ahnt niemand, dass Dr. Lindholm ein Geheimnis mit sich trägt – eines, das nicht nur seine Karriere, sondern auch sein Leben in Gefahr bringt ...
Langsam, aber sicher wurde Julia Holl nervös. Sie stand am Fenster in der Küche und sah auf die Straße hinaus. Die Winterdämmerung senkte sich schon über die Häuser und Gärten der Siedlung. Wie kunstvolle Scherenschnitte ragten die kahlen Äste der Bäume in den Himmel, den die blaue Stunde in magische Farben tauchte. Doch in diesem Augenblick hatte Julia keinen Sinn für die Schönheiten der Natur. Ihr Blick ruhte auf dem Gehweg. Wo Juju nur blieb?
Endlich erkannte Julia die Silhouetten zweier Mädchen in ihren dicken Winterjacken. Ihr entkam ein Seufzen – halb besorgt, halb erleichtert – als sie die Tür öffnete.
»Juju Holl, wir hatten ausgemacht, dass du nach Hause kommst, solange es noch hell ist.« Julia stemmte die Hände in die Hüften, aber ein feines Lächeln spielte um ihre Lippen.
Die Mädchen huschten kichernd ins Haus. Der Winter schickte ihnen noch einen Schwall kalte Luft hinterher, ehe die Tür ins Schloss fiel.
»Tut mir leid, Mamilein.« Wie ein Kätzchen rieb Juju die Wange an der ihrer Mutter. »Wir haben die Zeit total vergessen.«
»Wart ihr etwa die ganze Zeit draußen?« Julia betrachtete die Mädchen eingehend, ihr zerzaustes Haar, die leuchtenden Augen und roten Wangen. Sie sahen aus, als könnten sie einen heißen Tee gebrauchen. Julia füllte den Wasserkocher. Sie nahm eine Kanne aus dem Schrank und löffelte Jujus Lieblingstee – Rooibos mit Vanille – in einen Filter und hängte ihn in die Kanne. »Bei dieser Kälte?«
Juju schwieg einen Moment und schielte zu ihrer Freundin hinüber. »Na ja ... eigentlich nicht.«
»Wir haben ein neues Computerspiel ausprobiert, das ich von meinen Eltern geschenkt bekommen habe«, antwortete Elisa.
»Wie schön! Was habt ihr denn gespielt?« Das Wasser kochte. Julia goss den Tee auf. Die Vanille verströmte ihren heimeligen Duft.
»Bei diesem Spiel bekommt man ein leeres Stück Land, auf dem man sich sein eigenes kleines Paradies aufbauen kann«, erklärte Elisa.
»Genau«, stimmte Juju mit ein. »Du kannst aussuchen, wo dein Häuschen stehen soll und all die anderen Gebäude wie ein Dorfladen oder eine Apotheke.«
»Man kann einen Garten anlegen oder wie Juju gleich eine ganze Obstplantage.«
»Außerdem habe ich ganz viele Blumen gepflanzt. Ich habe mir einen Bauernhof gebaut und halte Tiere, die vor dem Schlachthof gerettet wurden ...«
Julia schenkte Tee ein und zog die Augenbrauen hoch. »Aber dieses Spiel habt ihr mit Sicherheit nicht draußen gespielt, oder?« Sie stellte zwei Teller mit Kuchen dazu, den die Haushälterin Cäcilie am Nachmittag gebacken hatte.
Jujus Wangen wurden knallrot. Schnell versteckte sie sich hinter ihrer Teetasse. »Eigentlich ... haben wir die ganze Zeit vor dem Computerspiel gesessen.«
Elisa war weniger schüchtern. »Meine Eltern haben mir zu Weihnachten eine Spielekonsole geschenkt, damit mir nicht immer so langweilig ist, wenn sie in der Arbeit sind«, berichtete sie unbedarft.
Julia bedachte die Elfjährige mit einem warmen Lächeln. Armes Kind, dachte sie. So viel Zeit vor einem Bildschirm, weil die Eltern arbeiten müssen.
Sie nahm ein Stück vom Kuchen und biss hinein. »Was haltet ihr davon, wenn Elisa in Zukunft öfter bei uns vorbeikommt?« Sie lächelte dem Mädchen zu. »Bei uns ist eigentlich immer jemand da.«
Juju war sofort Feuer und Flamme.
»Au ja! Wir könnten mal mit Cäcilie Kuchen backen oder kochen. Ich bringe dir Häkeln bei, und wir spielen MicroMacro.« Ihre Augen leuchteten mit ihren Wangen um die Wette. »Und im Frühling packt Papa das große Trampolin im Garten wieder aus. Das macht so viel Spaß!«
Elisas Gesicht hellte sich auf. »Oh, das wäre so schön, Frau Holl. Die ganze Zeit alleine daheim macht echt nicht so viel Spaß.« Sie steckte sich ein Stück Kuchen in den Mund und trank einen Schluck Tee. »Sogar das Essen macht zusammen viel mehr Spaß.«
Julias Herz zog sich zusammen vor Mitgefühl. Als vierfache Mutter wusste sie, dass nicht nur Kleinkinder Betreuung brauchten. Gerade in der verwirrenden Zeit der Pubertät war Ansprache besonders wichtig.
»Das kannst du hier natürlich auch«, versprach sie. »Apropos Essen. Wollt ihr mir bei den Vorbereitungen helfen? Cäcilie hatte heute keine Zeit, und ich wollte Eintopf zum Abendessen kochen. Da gibt es jede Menge Gemüse zu schnippeln.«
Was für eine Frage! Begeistert stimmten die Mädchen zu.
Als Stefan Holl nach Hause kam, schlug ihm ein köstlicher Duft und fröhliches Kichern und Lachen entgegen. Gab es einen schöneren Willkommengruß?
***
Während der Klinikleiter Dr. Stefan Holl seinen wohlverdienten Feierabend im Kreise seiner Lieben verbrachte, gab es in der Berling-Klinik noch immer genug zu tun. Gemeinsam mit ihrem neuen Kollegen Dr. Magnus Lindholm stand Dr. Renate Sanders, Oberärztin der Pädiatrie, am Operationstisch. Der Blinddarm ihres kleinen Patienten war erfolgreich entfernt und die Bauchhöhle gespült worden. Nun musste nur noch der Schnitt vernäht werden.
»Mit etwas Glück ist von der Narbe in ein paar Jahren nichts mehr zu sehen«, verkündete sie gut gelaunt.
»Das wird dem Jungen aber nicht gefallen«, hielt Dr. Lindholm augenzwinkernd dagegen. »Solche Kampfspuren sind äußerst beliebt in der Frauenwelt.«
»Ich hoffe doch sehr, dass der junge Mann die Damen der Schöpfung mit anderen Qualitäten überzeugen wird.« Renate Sanders schickte ihrem Kollegen einen forschenden Blick. Klang seine Stimme nicht etwas schleppend?
Ihre Aufmerksamkeit hatte einen Grund. Nach einem Zusammenbruch vor ein paar Tagen hatte sich Magnus Lindholm geweigert, sich untersuchen zu lassen. Schon ein paar Stunden später war er wieder an seine Arbeit zurückgekehrt – sehr zum Leidwesen von Dr. Sanders.
Schon vor dem Zusammenbruch hatte sie geahnt, dass mit Magnus Lindholm etwas nicht in Ordnung war. Seit drei Monaten verstärkte er nun das Team der Oberärztin und hatte von Anfang an mit seiner humorvollen Art und dem tollen Umgang mit seinen kleinen Patienten überzeugt. Auch bei einer kleinen privaten Feier mit den Kollegen in Renates Haus hatte er durch Schlagfertigkeit und Witz geglänzt. Doch in letzter Zeit hatte sich sein Verhalten irgendwie verändert.
Nach dem Vorfall hatte Renate Sanders mehr als einmal versucht, mit ihm zu sprechen. Doch es war wie verhext gewesen. Jedes Mal war ein Notfall dazwischengekommen, brauchte eine Schwester oder ein Kollege eine dringende Antwort, herrschte zu viel Durcheinander.
Sie musterte ihn über den Operationstisch hinweg. Der Ausdruck in seinen Augen sprach Bände.
»Schon möglich«, erwiderte Magnus Lindholm. Irgendwie klang seine Stimme schwammig. »Aber so ein paar Narben können durchaus hilf...« Das Ende des Satzes blieb in der Luft hängen. Magnus konnte nicht weitersprechen. Seine Augen weiteten sich. Ehe Dr. Sanders begriff, was passierte, ließ er Nadel und Faden fallen. Er verdrehte die Augen und fiel einfach um. Mit einem dumpfen Knall landete er auf dem Boden.
Eine Schrecksekunde lang schien die Zeit stillzustehen.
»Schwester Dana, schnell, kümmern Sie sich um ihn.« Dr. Sanders fischte Nadel und Faden vom Körper ihres kleinen Patienten und verlangte frisches Werkzeug, um die Bauchwunde zu verschließen.
Die Operationsschwester brachte den Kollegen in die stabile Seitenlage.
»Du liebe Zeit, was ist denn mit unserem Sonnenschein los?« Die Frage des Anästhesisten Dr. Deyle war ernst gemeint, seine Stimme voller Sorge. Er stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte, einen Blick auf den Kollegen zu erhaschen.
»Er ist immer noch ohnmächtig«, stellte Schwester Dana fest. »Kommt ihr ohne mich klar?«
»Ich bin gleich fertig hier.« Routiniert wie immer setzte Renate Sanders den letzten Stich und verknotete den schwarzen Faden.
Als hätte er ihre Worte gehört, stöhnte Dr. Lindholm. Er blinzelte ins grelle Licht der kleinen Taschenlampe, mit der Schwester Dana in seine Augen leuchtete. »Wo bin ich?«, ächzte er mit Tränen in den Augen. »Was ... was ist das für ein Licht?«
Dana schaltete die Lampe aus.
»Sie sind ohnmächtig geworden«, sagte Renate Sanders, die ihre Arbeit beendet hatte. Dr. Deyle brachte den kleinen Patienten auf sein Zimmer. Die Oberärztin dagegen zog den Mundschutz vom Gesicht und kniete neben ihrem Kollegen nieder. »Ich rufe gleich zwei Kollegen, die Sie in ein Krankenzimmer bringen.«
»Nicht nötig.« Unter Aufbietung all seiner Kräfte rappelte sich Magnus hoch. Er schwankte und musste sich am Operationstisch festhalten. Renate Sanders stützte ihn.
»Das ist jetzt schon das zweite Mal innerhalb einer Woche.«
»Ich weiß, wie das auf Sie wirken muss.« Um jeden Preis wollte Magnus Lindholm stark sein. Die Anstrengung trieb ihm Schweißperlen auf die Stirn. »Aber es ist wirklich alles in Ordnung.«
»Was war das dann gerade eben?«, fragte die Oberärztin streng.
»Ich hatte heute keine Zeit zum Essen«, redete er sich heraus.
»Und neulich?«
»Bitte machen Sie kein Drama draus.« Dr. Lindholm rang sich ein Lächeln ab. »Es ist eben alles ein bisschen viel zurzeit. Der Umzug nach München. Der neue Job. Der Druck, einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen ...«
»Ich verstehe Sie. Trotzdem waren das keine Lappalien. Weder vor ein paar Tagen noch heute. Sie waren mindestens eine Minute ohne Bewusstsein.« Renate Sanders führte ihren Kollegen aus dem Operationssaal in den Vorraum. Dort reichte sie ihm eine Flasche Wasser, aus der er ein paar Schlucke trank. Mit gerunzelter Stirn sah Dr. Sanders ihm dabei zu. »Wann lassen Sie sich endlich gründlich untersuchen?«
»Bitte, Kollegin Sanders.« Magnus schickte ihr einen flehenden Blick. »Es ist wirklich alles in Ordnung.«
Ein Telefon klingelte. »Entschuldigen Sie mich kurz.« Dr. Sanders ging in eine Ecke und sprach mit dem Anrufer. Kaum eine Minute später kehrte sie zu ihrem Kollegen Lindholm zurück. Sie seufzte. »Ein Elternpaar erwartet mich. Wir unterhalten uns später weiter.«
»Einverstanden.« Dr. Lindholm stand die Erleichterung ins blasse Gesicht geschrieben, als er seiner Chefin nachsah, wie sie mit wehendem Kittel den Operationsbereich verließ.
***
Ein unerwartet schöner Wintertag brachte einen Hauch von Frühling. Sonnenstrahlen ließen die Pflastersteine glitzern und lockten Juju und ihre Freundin Elisa nach den Schularbeiten nach draußen.
»Lass uns eine Runde Scooter fahren«, schlug Juju vor und deutete auf die Roller mit den kleinen Rädern, die neben allen möglichen anderen Sachen im hinteren Teil der Garage standen. »Du kannst den von meinem Bruder nehmen.«
»Musst du ihn nicht vorher fragen?«
Juju lachte. »Chris hat seinen Scooter seit bestimmt zwei Jahren nicht mehr benutzt.« Sie setzte eine ernste Miene auf. »Ich bin zu erwachsen für diesen Kinderkram«, imitierte sie seine Stimme.
Mädchengelächter erfüllte die Luft. Lächelnd lehnte Julia am Türrahmen und winkte den beiden nach, bis sie um die Ecke verschwunden waren. Einen Moment lang genoss sie noch die Sonnenstrahlen im Gesicht, ehe sie fröstelnd die Tür schloss.
Im Haus herrschte Stille. Nach einem anstrengenden Vormittag im Frauenhaus, wo sie alleinerziehende Mütter in Gesundheitsfragen ihrer Kinder beriet, hatte sie sich eigentlich eine Pause verdient. Doch die Gunst der Stunde wollte genutzt werden. Julia widerstand der Versuchung, es sich mit einem Buch auf der Couch bequem zu machen, und ging ins Arbeitszimmer. Dort setzte sie sich an den Schreibtisch und schlug ein medizinisches Fachbuch auf.
Selbst studierte Kinderärztin hatte Julia Holl ihre Karriere nach Geburt der Kinder auf Eis gelegt und es nie bereut. Doch langsam wurde der Nachwuchs flügge. Die Zwillinge Marc und Dani hatten das elterliche Heim bereits verlassen. Auch der fünfzehnjährige Chris verbrachte inzwischen viel Zeit in der Schule, bei seiner Freundin Lara und beim Sport. Und sogar Nesthäkchen Juju brauchte ihre Mama immer weniger, sodass Julia beschlossen hatte, ihre Kenntnisse wieder aufzufrischen, um in zwei Jahren in ihren Beruf zurückzukehren. In regelmäßigen Abständen stattete sie der Pädiatrie der Berling-Klinik einen Besuch ab, nahm an Fortbildungen außer Haus teil und las sämtliche Fachliteratur, die ihr für ihre Pläne von Nutzen sein konnte.
An diesem Nachmittag griff Julia nach Stift und Papier, um sich Notizen zu machen, und vertiefte sich in die neuesten Erkenntnisse zur Immuntherapie. Doch die Ruhe sollte nicht von Dauer sein.
»Mama! MAMAAAAA! Komm schnell!« Jujus gellender Ruf hallte durch das Haus.
Julia sprang auf. Der Luftzug wischte die Notizen vom Tisch, raschelnd landeten sie auf dem Boden. Julia achtete nicht darauf und eilte ihrer Tochter entgegen. »Um Himmels willen, Juju, was ist passiert?«
»Elisa ... sie ist mit dem Scooter über eine Bordsteinkante geflogen und hingefallen. Irgendwas ist mit ihrer Hand.«
»Wo ist sie?«
»Beim Einkaufszentrum.«
»Lauf schon mal vor, ich komme gleich nach.« Julia schlüpfte in Jacke und Schuhe. Im letzten Moment dachte sie an den Erste-Hilfe-Rucksack, der immer einsatzbereit im Garderobenschrank stand.
Keine zehn Minuten später erreichte sie die kleine Passage mit den Läden, die zum Bummeln einlud. Doch diesmal hatte Julia keinen Sinn für die Verführungen der Schaufenster. Sie hatte nur Augen für Elisa, die trotz der Kälte auf einer Treppenstufe saß. Mit zitternden Fingern umklammerte sie das rechte Handgelenk. Tränenspuren verrieten ihre Schmerzen. Juju saß daneben und tröstete ihre Freundin, so gut es ging.
»Manchmal ist es ungefährlicher, zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen«, murrte sie.
»Aber das echte Leben draußen ist viel lustiger«, widersprach Elisa matt. »Ich bin selbst schuld. Du hattest mich gewarnt, dass diese kleinen Räder gerne hängenbleiben.« Sie rang sich ein Lächeln ab. »Wenn du mit dem Scooter rumkurvst, sieht es so einfach aus. Ich dachte, das kann ich auch.«
Julia Holl kniete neben den beiden Mädchen nieder. Die Kälte drang durch ihre Jeans, doch sie achtete nicht darauf. Viel wichtiger waren die Mädchen. Sie holte eine Kälteschutzfolie aus dem Rucksack und hieß die beiden, sich daraufzusetzen.
»Du bist nicht die Erste, die auf den Anblick hereinfällt«, sagte sie zu Elisa. Julia dachte an die Fahrversuche ihres Mannes und lächelte. »Juju, erinnerst du dich, wie Papa mit Chris um die Wette gefahren ist?«, fragte sie, während sie Elisas Handgelenk begutachtete.
»Er ist mitten in der Wiese gelandet, weil er nicht wusste, wie man bremst.« Juju kicherte, und auch ihre Freundin konnte schon wieder ein bisschen lächeln.
Aber nur kurz. Als Julia den Arm abtastete, verzog Elisa das Gesicht. »Aua, das tut weh.«
»Kein Wunder«, bedauerte Julia. Sie betrachtete das geschwollene Gelenk. In Windeseile hatte sich ein Bluterguss gebildet. »So, wie das aussieht, bist du ein Fall für die Klinik.«
»Ich muss ins Krankenhaus?« Elisa riss die Augen auf. Was wohl ihre Eltern dazu sagen würden?
»Aller Wahrscheinlichkeit nach hast du dir einen Knochen im Handgelenk gebrochen. Aber um ganz sicher zu sein, brauchen wir eine Röntgenaufnahme.« Julia Holl beendete die Untersuchung und legte die Hand behutsam zurück in den Schoß des Mädchens.
Wenn möglich, wurde Elisa noch blasser. »Können Sie mir etwas gegen die Schmerzen geben?« Schon wieder schwammen ihre Augen in Tränen.
