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Bianca Gold ist in München aufgewachsen, lebt jedoch seit über zehn Jahren in Madrid. Eines Tages stößt sie zufällig auf Instagram auf ihre Jugendliebe Valentin - und alte Gefühle flammen sofort wieder auf. Wochenlang tauschen die beiden Nachrichten, bis Bianca die Sehnsucht nicht mehr erträgt und zu ihm nach München fliegt. Doch ausgerechnet an diesem Abend fegt ein Orkantief über die Stadt. Während draußen der Sturm tobt, erleben Bianca und Valentin ein Wiedersehen voller Magie - als hätten die Jahre der Trennung nie existiert. Nähe, Vertrautheit, Liebe - alles ist plötzlich wieder da. Doch Bianca ahnt nicht, dass sie in dieser Orkannacht noch einen verzweifelten Notruf absetzen wird ...
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Seitenzahl: 120
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Inhalt
Notruf in der Orkannacht
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
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In München tobt ein Sturm – und für Bianca steht alles auf dem Spiel
Von Mona Marquardt
Bianca Gold ist in München aufgewachsen, lebt jedoch seit über zehn Jahren in Madrid. Eines Tages stößt sie zufällig auf Instagram auf ihre Jugendliebe Valentin – und alte Gefühle flammen sofort wieder auf. Wochenlang tauschen die beiden Nachrichten, bis Bianca die Sehnsucht nicht mehr erträgt und zu ihm nach München fliegt.
Doch ausgerechnet an diesem Abend fegt ein Orkantief über die Stadt. Während draußen der Sturm tobt, erleben Bianca und Valentin ein Wiedersehen voller Magie – als hätten die Jahre der Trennung nie existiert. Nähe, Vertrautheit, Liebe – alles ist plötzlich wieder da. Doch Bianca ahnt nicht, dass sie in dieser Orkannacht noch einen verzweifelten Notruf absetzen wird ...
»In den Nachrichten wurde gemeldet, dass über dem Atlantik ein Sturmtief entsteht, das sich über die Iberische Halbinsel in Richtung Mitteleuropa ausbreiten soll.« Mit dem Telefon am Ohr stand Julia Holl am Küchenfenster und blickte hinaus in den Novembernachmittag.
Schwer vorstellbar, dass der Wetterbericht recht haben sollte. Den ganzen Tag über war der Himmel strahlend blau gewesen. Inzwischen dämmerte es, am Horizont waren ein paar Wolken aufgezogen. Im Laufe des Nachmittags hatte der Wind aufgefrischt. Mehr aber auch nicht. Trotzdem machte sich Julia Sorgen.
»Bist du sicher, dass dein Flug geht?«
Dr. Stefan Holl hatte an einem Kongress in Madrid teilgenommen und war schon am Flughafen, um zurück nach Hause zu fliegen.
»Es ist ein bisschen windig hier. Aber von einem Sturm kann wirklich keine Rede sein«, versuchte er, Julia zu beruhigen. »Du weißt doch, wie das so ist mit der Zuverlässigkeit der Wettervorhersagen. In vier von fünf Fällen kommt es anders.« Er saß in der Flughafen-Lounge, ein Glas Cola vor sich. Gedankenverloren ließ er seinen Blick über die übrigen Gäste schweifen – einen Geschäftsmann im dunkelblauen Anzug und Messenger-Bag, eine Familie mit zwei kleinen Kindern, die Fangen zwischen Tischen und Stühlen spielten. Schließlich blieb sein Blick an einer blonden Frau an der Bar hängen. Sie saß auf einem Barhocker und nippte an einem Glas mit farblosem Inhalt.
»Wahrscheinlich hast du recht«, sagte Julia in seine Gedanken hinein und räusperte sich.
Seit ein paar Tagen fühlte sie sich nicht wohl in ihrer Haut. Hoffentlich hatte sie sich nicht im Frauenhaus angesteckt, in dem die erste Grippewelle des Jahres die Runde machte. Erst gestern war sie wieder dort gewesen, um Mütter in Gesundheitsfragen ihrer Kinder zu beraten.
»Alles gut bei dir, mein Schatz?« Stefan war hellhörig geworden.
»Ach, ich habe immer noch ein bisschen Halskratzen. Nicht der Rede wert.« Bestimmt würde das pflanzliche Mittel, das ihr eine Schwester bei einem Besuch auf der Kinderstation der Berling-Klinik gegeben hatte, ihr Immunsystem schnell auf Trab bringen. »Zum Glück habe ich heute Abend nichts weiter vor«, fuhr sie schnell fort, um ihn abzulenken. »Wegen der Unwetterwarnung will Cäcilie heute Nacht im Gästezimmer schlafen. Ich werde sie fragen, ob ich ihr beim Herrichten helfen kann. Wenn nicht, mache ich es mir auf der Couch bequem und arbeite endlich mal meinen Stapel Pädiatrie-Zeitschriften ab.«
Seit der Herbst eingezogen war, fand das Leben der Familie wieder drinnen statt. Der Duft nach den ersten selbstgebackenen Plätzchen erfüllte das Haus. Kerzen erhellten die grauen Wochenendnachmittage.
»Mir wäre es lieber, du würdest es dir mit mir dort gemütlich machen.«
Julia lachte rau. »Mir auch, mein Schatz. Darauf kannst du Gift nehmen.«
»Nur, wenn du anschließend die Behandlung übernimmst«, erwiderte Stefan belustigt.
Die Frau am Tresen war inzwischen aufgestanden und sammelte fahrig ihre Sachen zusammen. Ihre Geschäftigkeit erinnerte ihn daran, dass es auch für ihn langsam Zeit wurde, sich auf den Weg zu seinem Gate zu machen.
Ein freudiges Kribbeln erfüllte ihn. Selbst nach all den gemeinsamen Jahren freute er sich immer noch auf das Wiedersehen mit seiner Frau und besonders auf den Begrüßungskuss, auf die erste Umarmung nach ein paar Tagen auf Reisen.
Julia lachte. »Ich werde mein Bestes geben«, versprach sie, ehe sie zu husten begann und kaum mehr aufhören konnte. Tränen liefen über ihre Wangen. Sie putzte sich die Nase. »Entschuldige. Ich weiß auch nicht, was plötzlich los ist. Den ganzen Tag ging es mir eigentlich ganz gut.«
»Das klingt danach, als ob du eine Behandlung brauchst und nicht ich.«
»Ach, so schlimm ist es nun auch wieder nicht«, beeilte sie sich zu versichern. »Aber es kann auf keinen Fall schaden, wenn du deine heilenden Hände auflegst. Die haben schon öfter kleine Wunder bewirkt.«
»Nur kleine?«, sagte Stefan mit einem Schmunzeln, während er aufstand und nach Jacke und Umhängetasche griff.
»Wir wollen ja nicht gleich übertreiben. Sonst habe ich keine Steigerungsmöglichkeiten mehr.«
»Du bist einfach eine kluge Frau.«
»Das stimmt. Deshalb habe ich mir auch den allerbesten Ehemann von allen ausgesucht.« Julia lachte leise. »Hab einen guten Flug. Wann genau landet dein Flieger? Dann hole ich dich ab.«
»Kommt überhaupt nicht infrage.« Mit dem Handy am Ohr eilte Stefan Holl durch die belebten Gänge. »Ich nehme einen Mietwagen am Flughafen und schlüpfe gleich zu dir unter die warme Sofadecke, wenn ich zu Hause bin.«
Das klang nach einem perfekten Plan. Julia hatte nichts dagegen einzuwenden.
***
Als Biancas Flug aufgerufen wurde, hatte sie zwei Wodka-Soda getrunken und war wenigstens etwas ruhiger. Auf dem Weg zu ihrem Gate klammerte sie sich an ihrer Umhängetasche fest. Ein paar Leute lächelten sie an, als sie an ihr vorübergingen. Voller Herzlichkeit und Freundlichkeit lächelte sie zurück. Na also! Die Welt war gar nicht so schlecht, wie alle immer sagten. Man musste nur positiv denken. Schließlich konnte im Leben ja alles Mögliche passieren. Man wusste nie, was einen hinter der nächsten Ecke erwartete.
Am Gate stand eine Flughafenmitarbeiterin und kontrollierte die Bordingpässe. Bei Biancas Anblick wurde ihr Lächeln starr. »Hallo, ähm ...«
»Stimmt was nicht?«, wunderte sich Bianca.
»Ihre Bluse ...«
Bianca blickte an sich hinab und entdeckte den feuchten Fleck mitten auf der Brust. Darunter schien gut sichtbar die Spitze ihres BHs durch. Ohne es zu bemerken, musste sie etwas vom Wodka-Soda verschüttet haben. Deshalb also hatten die Menschen gelächelt!
»Oh je.« Mit zitternden Fingern knöpfte sie die Strickjacke zu. Ihre Wangen brannten vor Scham, aber wenigstens vergaß sie kurz ihre Flugangst. »Danke. Ohne Sie hätten mich noch mehr Menschen ausgelacht.«
Die Frau nickte lächelnd und wandte sich dem nächsten Passagier zu. Bianca dagegen ging zum Flugzeug und schob sich an den Sitzreihen vorbei zu ihrem Platz. Einer der Sitze war schon belegt. Sie lächelte den Mann an.
»Hallo, ich bin Bianca Gold.« Sie verstaute die Umhängetasche zwischen ihren Beinen und machte sich auf die Suche nach ihrem Gurt. Wo steckte das verfluchte Gegenstück nur?
»Mein Name ist Stefan Holl. Kann ich Ihnen behilflich sein?« Er rückte ein Stück beiseite und deutete auf das Gurtschloss.
Bianca lachte nervös. Sie versuchte, das besorgte Flattern in ihrem Magen zu ignorieren.
»Danke, Sie sind meine Rettung. Obwohl ich bezweifle, dass uns ein Gurt im Falle eines Absturzes retten könnte.«
Seine Nachbarin litt also unter Flugangst! Dr. Holl hatte es geahnt.
»Das Flugzeug ist das sicherste Transportmittel unserer Zeit. Überlegen Sie doch nur, wie viele Maschinen weltweit jeden Tag unterwegs sind und wie wenige davon verunglücken.«
»Ja, ja, das weiß ich ja alles«, winkte Bianca ab. »Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Was, wenn ausgerechnete dieser Flug sein Ziel nicht erreicht?« Inzwischen war ihr Magen ein einziger Klumpen Angst.
Beim Abheben zählte sie mit geschlossenen Augen ganz langsam rückwärts und klammerte sich an den Lehnen fest. Ihre Knöchel traten weiß hervor, wie Stefan Holl bemerkte.
Bianca entspannte sich erst wieder, als der Gong ertönte zum Zeichen, dass der Startvorgang beendet war.
»Sie fliegen wohl nicht oft?«, erkundigte er sich voller Mitgefühl.
»Nicht, wenn ich es irgendwie vermeiden kann. Aber diesmal ging es nicht anders.«
Eine Flugbegleiterin schob einen Wagen durch den Gang und bot Getränke an. Bianca kaufte eine kleine Flasche Rotwein, während Stefan Holl mit einem Becher Wasser vorliebnahm.
»Ich weiß, was Sie denken«, sagte sie ihm auf den Kopf zu. »Aber normalerweise trinke ich nur selten Alkohol und wenn, dann nur in gemütlicher Runde«, erklärte sie schnell. »Aber Alkohol beruhigt ja bekanntlich die Nerven.« Sie musterte die dunkelrote Flüssigkeit im Becher. »Allerdings sollte ich halbwegs nüchtern sein, wenn Valentin mich abholt.«
Bianca trank einen Schluck Wein und Stefan wollte etwas erwidern, als sie auch schon fortfuhr.
»Wissen Sie, mit vierzehn waren wir schrecklich verknallt ineinander.« Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. »Aber dann wurde mein Vater nach Spanien versetzt, und wir haben uns aus den Augen verloren. Bis Val mich vor ein paar Monaten zufällig auf Instagram gefunden und angeschrieben hat. Seither schreiben und telefonieren wir fast pausenlos.« Hektische rote Flecken tanzten auf Biancas Wangen. Unschwer zu erkennen, dass sie bis über beide Ohren verliebt war.
»Und jetzt ...«, wollte Stefan Holl bemerken, als sie ihn auch schon wieder unterbrach.
»Ich arbeite im Marketing einer spanischen Modekette und muss geschäftlich nach München«, plapperte Bianca weiter. »Diese Gelegenheit wollten wir uns nicht ...« Mitten im Satz hielt sie inne und starrte ihren Sitznachbarn entgeistert an. »Was war das?«
»Nur ein Ruckeln«, wollte Stefan beschwichtigen, als das Flugzeug plötzlich absackte.
Sofort brach Chaos aus. Gegenstände flogen durch die Luft. Ein paar Reihen vor ihnen wurde eine Frau hochgeschleudert und stieß sich den Kopf an der Decke. Blut strömte über ihr Gesicht.
Bianca schnappte nach Luft und krallte sich am Sitz fest. Taschen flogen umher, Getränke spritzten durch die Gegend. Eine Flugbegleiterin war gestürzt und klammerte sich nun ebenfalls fest.
»Oh Gott, oh Gott«, stammelte Bianca, als plötzlich alles wieder ruhig wurde. Sie sah hinüber zu Dr. Holl. Auch er klammerte sich an den Lehnen fest.
»Sehr geehrte Fluggäste«, tönte es aus den Lautsprechern. »Hier spricht Ihr Kapitän. Wir erleben gerade Turbulenzen. Möglicherweise bleibt es weiter unruhig. Bitte bewahren Sie Ruhe und befolgen Sie die Anweisungen unseres Personals.«
Schon wieder rüttelte und schüttelte eine gewaltige Macht an der Maschine.
»Wir stürzen ab«, heulte Bianca auf. »Ich werde Valentin nie mehr wiedersehen.«
Ehe Stefan Holl etwas erwidern konnte, gab es einen weiteren Ruck. Der Horrorflug war noch lange nicht zu Ende.
***
Eilige Schritte im Flur rissen Julia Holl aus ihrer Konzentration. Sie sah hoch und entdeckte ihren fünfzehnjährigen Sohn Chris, der – schon in Jacke und mit Rucksack auf dem Rücken – im Flur hin und her sprang.
»Wo willst du denn um diese Uhrzeit noch hin?«
»Ich habe mich doch für den Arbeitskreis Technik in der Schule angemeldet und total vergessen, dass der heute zum ersten Mal stattfindet.«
Julia sah aus dem Fenster. Inzwischen war es stockdunkel geworden. Sie ahnte mehr, als dass sie es sah, wie der Wind an den Zweigen von Bäumen und Sträuchern zerrte. Regentropfen liefen an den Scheiben hinab.
»Bei diesem Wetter?«
Chris stürmte ins Wohnzimmer und umarmte Julia kurz. »Das bisschen Regen ist doch nicht so schlimm«, winkte er ab. »Ich bin ja nicht aus Zucker.«
»Und der Wind?« Julia erinnerte sich wieder an die Wettervorhersage. »Ein Sturmtief ist im Anmarsch.«
»Das soll aber erst nachts auf München treffen. Mach dir keine Sorgen, Mama. Theos Eltern bringen mich später heim.« Er schickte seiner Mutter einen Luftkuss, rief Cäcilie einen Gruß in die Küche und war schon zur Tür hinaus.
Draußen war es deutlich ungemütlicher als gedacht. Chris zog die Kapuze über den Kopf und den Reißverschluss seiner Regenjacke hoch. Mit hochgezogenen Schultern machte er sich auf den Weg. Der Wind in seinem Rücken trieb ihn vorwärts. In der Schule warteten ein paar Freunde.
»Mann, ich glaube, ich war noch nie so froh, hier zu sein, wie jetzt.« Er schüttelte sich, dass die Tropfen zu allen Seiten flogen.
»Hey, hör auf damit! Ich habe heute schon geduscht«, rief einer seiner Freunde und versetzte ihm einen freundschaftlichen Knuff.
Lachend und plaudernd machten sich die Schüler auf den Weg zum Klassenzimmer, wo der Arbeitskreis an diesem Abend zum ersten Mal stattfinden sollte. Die Physik-Lehrerin Susanne Liszt erwartete sie schon.
»Ich freue mich, dass ihr euch so zahlreich angemeldet habt«, eröffnete sie den Abend, der ganz im Zeichen der Technik stand. »Im Laufe der kommenden Monate werden wir uns intensiv mit den Grundlagen der Elektrik, Elektronik und Programmierung beschäftigen«, erklärte sie mit einem Blick in die Runde. »Ich plane spannende Experimente zur Mess- und Regelungstechnik. In Arbeitsgruppen werden wir kleine Schaltungen bauen und Robotik- und Sensorexperimente durchführen. Am Ende des Kurses entwickelt ihr ein eigenes technisches Projekt, das in einer Arbeit beschrieben und präsentiert wird.«
»Das ist toll«, schwärmte Chris. Technikbegeistert, wie er war, hatte er seine Familie schon mit einigen Erfindungen und technischen Spielereien beglückt. »Ich werde einen Roboter erfinden, der für mich die Schulaufgaben schreibt.«
Susanne Liszt lachte. »Die Technik ist nur so klug wie der Mensch, der sie programmiert.«
Sie hatte kaum ausgesprochen, als das Unheil unvermittelt losbrach. Der Regen draußen wurde mit einer solchen Wucht an die Scheiben gepeitscht, als würde jemand mit kleinen Steinchen um sich werfen. Der Wind heulte um das Gebäude.
Erschrocken sahen die Schüler zum Fenster hinüber. Der Sturm rüttelte an den Straßenlaternen, die Lichtkegel zitterten im Innenhof.
»Schaut mal, da drüben!« Nina deutete auf eine Mülltonne, die wie ein Spielzeug über den freien Platz geschleudert wurde. Sie krachte gegen die Wand und fiel um. Plastikflaschen, Tüten und Dosen verteilten sich im Hof.
Doch Chris' Aufmerksamkeit galt einem anderen Ereignis.
»Was ist denn das da drüben?« Mit schreckgeweiteten Augen deutete er auf dunkle Teile, die auf den Schulhof stürzten und in tausend Teile zerbarsten.
»Sieht aus wie Dachziegel!«, vermutete Theo, hin- und her gerissen zwischen Faszination und Angst.
»Rollläden schließen!« Susanne Liszts Stimme übertönte den Lärm im Zimmer. Sie bahnte sich einen Weg durch die Schülerinnen und Schüler, die an den Scheiben klebten und das Naturspektakel beobachteten. »Schnell!«
Beherzt griff Chris nach einer der Kurbeln. In Windeseile drehte er die Jalousie herunter. Keinen Augenblick zu früh, wie der Knall verriet, der den Klassenraum erschütterte.
Susanne Liszt fasste sich ans Herz. Sie war blass geworden. »Das ist ja gerade nochmal gut gegangen«, stöhnte sie.
Die meisten ihrer Schüler waren ihrer Meinung und taten lautstark ihre Zustimmung kund. Nur Chris stand daneben und schwieg. Ein furchtbarer Gedanke war ihm in den Sinn gekommen.
Theo bemerkte die Miene seines Freundes.
»Alles in Ordnung mit dir?«
Chris schüttelte den Kopf. »Papa ist in Madrid. Er wollte heute Abend heimkommen. Hoffentlich ist sein Flieger nicht gestartet.«
»Um wie viel Uhr sollte er landen?«
»Um halb acht.«
