Chefarzt Dr. Holl 2027 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 2027 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Nicola Fröhlich ist die Tochter einer Schaustellerfamilie - doch sie selbst hat sich für ein sesshaftes Leben entschieden. Gemeinsam mit ihrem Freund Kevin und Töchterchen Lara lebt sie in Magdeburg. Als ein heftiger Streit ihre Beziehung erschüttert, sieht Nicola nur noch einen Ausweg: Sie flieht mit Lara zu ihren Eltern, die gerade mit ihrer Achterbahn auf dem Münchner Oktoberfest gastieren. Als wäre das alles nicht schon nervenaufreibend genug, kommt es auf dem Fest auch noch zu einem dramatischen Unglück: Ein Teil der Verkleidung einer Geisterbahn löst sich und stürzt in die Menge. Panik bricht aus. Und die kleine Lara, die eben noch eine Runde auf dem Kinderkarussell drehte, ist auf einmal spurlos verschwunden ...

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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Eben fuhr sie noch Karussell ...

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

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Eben fuhr sie noch Karussell ...

Ein kleines Mädchen verschwindet auf dem Oktoberfest

Von Mona Marquardt

Nicola Fröhlich ist die Tochter einer Schaustellerfamilie – doch sie selbst hat sich für ein sesshaftes Leben entschieden. Gemeinsam mit ihrem Freund Kevin und Töchterchen Lara lebt sie in Magdeburg. Als ein heftiger Streit ihre Beziehung erschüttert, sieht Nicola nur noch einen Ausweg: Sie flieht mit Lara zu ihren Eltern, die gerade mit ihrer Achterbahn auf dem Münchner Oktoberfest gastieren.

Als wäre das alles nicht schon nervenaufreibend genug, kommt es auf dem Fest auch noch zu einem dramatischen Unglück: Ein Teil der Verkleidung einer Geisterbahn löst sich und stürzt in die Menge. Panik bricht aus. Und die kleine Lara, die eben noch eine Runde auf dem Kinderkarussell drehte, ist auf einmal spurlos verschwunden ...

»Kevin fährt mit der Kleinen am Wochenende zu seinen Eltern. Wie ihr wisst, bin ich dort ja nicht erwünscht. Aber inzwischen bin ich sogar ganz froh darüber.«

Scheinbar unbekümmert lachte Nicola Fröhlich in die Kamera. Sie kam ein Stück näher und machte eine geheimnisvolle Miene.

»Diesmal habe ich mir für euch etwas besonders Schönes ausgedacht. Ich habe nämlich eine Einladung ins Gutshaus Birkenberg erhalten und werde euch natürlich mitnehmen. Stellt euch vor: Das Gebäude stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert. Die lieben neuen Besitzer haben es in jahrelanger Arbeit eigenhändig und originalgetreu renoviert.«

Sie klatschte in die Hände wie ein kleines Mädchen.

»Oh, zwischen Kronleuchtern und Antiquitäten werde ich mich wie eine Prinzessin fühlen. Und wie eine Prinzessin habe ich natürlich wieder ein paar Lilalomena-Produkte aus der nagelneuen Kollektion für euch eingepackt. Die werden in der schönen Umgebung fantastisch zur Geltung kommen. Falls ihr also am Wochenende noch nichts vorhabt, schaltet wieder ein. Ich freue mich auf euch, eure Nicky.«

Sie warf ein paar Handküsse in die Kamera und beendete das Video.

Als Tochter einer Schaustellerfamilie war Nicola Zeit ihres Lebens viel unterwegs gewesen. Doch dann hatte sie den Brauereisohn Kevin Friese auf einem Volksfest kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen. Der Drang, endlich sesshaft zu werden, eine Heimat und einen Hafen zu finden, war übermächtig geworden, und Nicky war – sehr zum Verdruss ihrer Eltern – aus der Tradition ausgebrochen.

Seit sie bei Kevin in Magdeburg lebte, verdiente sie ihr Geld als Influencerin. Mit viel Erfolg erzählte sie aus ihrem Leben in einer Schaustellerfamilie und von ihrem Alltag als Lebensgefährtin und Mutter einer vierjährigen Tochter. Kevin und besonders seine Eltern waren nicht gerade begeistert von ihrem neuen Job. Doch seit inzwischen mehr als zweihunderttausend Menschen ihre täglichen Videos in den sozialen Netzwerken verfolgten, war zumindest Kevins kritische Stimme verstummt. Schließlich verdiente seine Freundin durch Werbeeinnahmen und Kooperationen mit verschiedenen Firmen genug Geld, um einen Beitrag zum Familieneinkommen beizusteuern. Ein Glück in diesen Zeiten, die auch für die Brauerei nicht einfach waren.

Nicola sah auf die Uhr. Bevor sie ihre Tochter vom Kindergarten abholte, blieb noch Zeit für ein Telefonat mit ihrem Freund. Sie wählte seine Nummer.

»Ach, du bist es.« Wie so oft klang Kevin gehetzt. »Wie war dein Vormittag?«

»Sehr gut. Ich habe das neue Video aufgenommen. Das muss ich am Abend noch schneiden, damit es heute noch online gehen kann. Und morgen früh geht es auch schon los ins Gutshaus Birkenberg.«

»Morgen hat Mama Geburtstag«, dachte Kevin laut nach. Nebenbei ging er ein paar Unterlagen durch, die auf seinem Schreibtisch lagen. »Willst du es dir nicht doch noch einmal überlegen und ausnahmsweise mitkommen? Als Überraschungsgast?«

»Erinnerst du dich an meinen letzten Überraschungsbesuch bei deinen Eltern?«, schnaubte Nicky. Ihre gute Laune hatte einen Dämpfer erhalten. »Mir klingeln heute noch die Ohren. Das will ich Lara auf keinen Fall noch einmal antun.«

»Das ist schon so lange her. Die Kleine war erst ein Jahr alt. Daran erinnert sie sich ganz bestimmt nicht.«

»Umso besser.«

Kevin seufzte und klappte die Mappe zu, in der er geblättert hatte. »Damals war Papa gesundheitlich angeschlagen. Ich finde, wir sollten ihnen noch eine Chance geben. Schließlich werden die beiden auch nicht jünger.«

»Sie hatten Chancen genug.« Nicolas Herz wurde schwer.

Wie aufgeregt und glücklich war sie gewesen, als Kevin sie vor sechs Jahren seinen Eltern vorgestellt hatte. Und wie demütigend hatte der Abend damals geendet. Genau wie die drei anderen Versuche, zu denen sie sich von ihrem Freund hatte breitschlagen lassen. »Ehrlich gesagt will ich mir nicht noch einmal anhören müssen, dass ich nicht gut genug für dich – den Alleinerben der Brauerei Burger – bin. Dass sie dich lieber mit der Brauereitochter Verena Kugler verkuppelt hätten.«

»Aber ich liebe nun einmal dich«, versicherte Kevin.

»Das solltest du lieber mal deinen Eltern sagen. Vielleicht akzeptieren sie mich dann endlich.«

Es klopfte, seine Sekretärin steckte den Kopf durch die Tür und tippte mit dem Zeigefinger auf das Zifferblatt ihrer Armbanduhr. Kevin bedeutete ihr, gleich zu kommen. Frau Thiede verschwand wieder.

»Ich muss jetzt leider los«, sagte er zu Nicky. »Überleg dir nochmal, ob du am Wochenende nicht doch mitkommen willst. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen.« Er hauchte einen Kuss in den Apparat und legte auf.

Nicola ließ das Handy sinken. Die Enttäuschung schmeckte bitter wie Galle. Schlimm genug, dass Kevin seine Eltern nicht längst zur Vernunft gebracht hatte. Dass er sich darüber hinaus auch nicht für ihre Pläne interessierte, kein einziges Mal nachfragte, war fast noch schlimmer. War das noch der Mann, in den sie sich vor sechs Jahren unsterblich verliebt hatte?

Die Antwort auf diese Frage musste noch warten. Höchste Zeit, Lara vom Kindergarten abzuholen. Seufzend machte sich Nicola auf den Weg.

***

Endlich hatte es aufgehört zu regnen. Die Wolkendecke riss auf, ein vorwitziger Sonnenstrahl fiel in den Hof der Brauerei. Doch davon bekam Ulrike Friese in ihrem mit dunklem Holz vertäfelten Büro kaum etwas mit. Selbst bei strahlendem Sonnenschein drang durch die kleinen Sprossenfenster des Klinkerbaus nur wenig Licht. Deshalb brannte immer die alte Schreibtischlampe mit dem grünen, länglichen Schirm auf dem schweren Holzschreibtisch ihres Vaters.

Ulrike zupfte am Kragen ihrer Bluse und beugte sich wieder über die Quartalszahlen. An diesem Vormittag hatte sie noch keine Menschenseele gesehen. Trotzdem dachte sie nicht daran, die Kostümjacke auszuziehen. Tadellose Kleidung in jeder Lebenslage gehörte zu ihr wie ihre aufrechte Haltung und ihre einwandfreien Manieren. Diese Disziplin hatte sie damals gerettet.

Obwohl Sohn Kevin die Geschäftsführung der Brauerei schon vor fünf Jahren übernommen hatte, betrat Ulrike ihr Büro noch immer jeden Morgen um acht Uhr und verließ es erst am Abend wieder. Vertrauen war gut, Kontrolle war besser. Das galt auch für die übrigen Mitarbeiter.

Von ihrem Bürofenster aus konnte Ulrike das Gebäude gegenüber beobachten, in dem nach den Rezepten ihres Mannes – dem Braumeister Ernst Friese – das stadtbekannte Bier gebraut wurde. Doch die Geschäfte liefen noch schlechter als in den vergangenen Jahren. Trotz aller Gegenmaßnahmen war der Abwärtstrend nicht aufzuhalten.

»Wenn Kevin sich mit Verena Kugler zusammengetan hätte statt mit dieser Vagabundin, wäre das Problem nicht so groß«, sagte sie zu ihrem Mann, der mit einer Probe des neuen Festbiers hereinkam. »Zusammen hätten die beiden Brauereien mehr Marktmacht, wir könnten andere verdrängen ...«, fuhr sie fort.

»Hat er aber nicht. Damit solltest du dich endlich abfinden. Mal abgesehen davon ist Nicky doch sehr nett. Und wir verdanken ihr unsere süße Enkeltochter.«

Ernst stellte eine Flasche und zwei Gläser auf den Schreibtisch. Er zog einen Flaschenöffner aus der Tasche. Beim Öffnen zischte das Bier verheißungsvoll. Gab es einen schöneren Klang? Er hielt das Glas gegen das Licht.

»Schau nur, dieses helle Gold!« Er trank einen Schluck. »Der Geschmack ist perfekt. Mild und leicht süßlich mit einer angenehmen Spritzigkeit. Das perfekte Bier für die verschiedensten Anlässe.« Er hielt seiner Frau das Glas hin. »Der neue Braumeister macht seine Sache wirklich gut.«

Statt das Angebot anzunehmen, funkelte Ulrike ihn an. »Hörst du mir überhaupt zu?«

»Keine Sorge. Ich habe jedes Wort verstanden.« Seufzend stellte Ernst das Glas zurück auf den Tisch. »Trotzdem finde ich, du könntest endlich Frieden schließen mit der Frau, die unser Sohn gewählt hat.«

Das Telefon auf Ulrikes Schreibtisch klingelte. Das Gespräch dauerte nicht lange.

»Die Pflicht ruft«, teilte sie ihrem Mann mit und griff nach dem Tablet auf ihrem Tisch. »Wir reden später weiter.« Ohne ein weiteres Wort eilte sie an Ernst vorbei aus dem Büro. Sie sagte ihm nicht, dass sie ihren Sohn zu einer außerordentlichen Besprechung in den kleinen Konferenzraum beordert hatte. Sie sagte ihm auch nicht, was sie mit diesem Treffen bezweckte. Das würde Ernst noch früh genug erfahren.

***

»Aaaaach!« Mit verschränkten Armen stand Julia Holl am Wohnzimmerfenster und sah hinaus in den herbstlichen Garten. Die ersten Blätter färbten sich an den Rändern rot. Der Wind jagte dunkle Wolken über den Himmel, die lauen Sommerabende waren längst Geschichte. Bald schon würde es um diese Uhrzeit stockfinster sein.

Dr. Stefan Holl ließ die Zeitung sinken, mit der er es sich an diesem Freitagnachmittag auf dem Sofa bequem gemacht hatte. Seit seinem Herzinfarkt bemühte er sich, die Mahnungen seiner Kollegen und seiner Frau zu befolgen und weniger zu arbeiten. Manchmal gelang es ihm nicht. Aber wenn, dann genoss er die ungewohnte Freizeit in vollen Zügen.

Aus dem ersten Stockwerk wehten muntere Mädchenstimmen herunter. Juju hatte Besuch von ihrer besten Freundin Emma. Die beiden hatten zusammen Kuchen gebacken, den sie sich jetzt schmecken ließen. Auch Stefan und Julia hatten ein Stück abbekommen.

»Alles in Ordnung, mein Schatz?«, fragte er seine Frau besorgt.

»Nein, ganz und gar nicht.« Julias Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. »Wie denn auch, wenn der Sommer schon wieder vorbei ist.«

Stefan atmete auf. Die Sorgen seiner Frau waren immer auch die seinen. »Wenn ich mich recht erinnere, fanden unsere Kinder den Herbst immer schön.« Ein Lächeln spielte um seine Lippen, als er einladend neben sich auf die Couch klopfte. »Im Ferienhaus in Rottach waren wir immer Eicheln und Kastanien sammeln, aus denen sie diese lustigen Tiere gebastelt haben. Und wie oft haben wir Drachen steigen lassen oder Kürbisse geschnitzt.« Seine Augen bekamen einen sentimentalen Glanz. »Besonders schön waren die Abende, wenn wir es uns am Kaminfeuer gemütlich gemacht und Geschichten vorgelesen oder Spiele gespielt haben. Wenn ich mich recht erinnere, fandest du das auch immer sehr romantisch.«

Julia folgte der Einladung ihres Mannes und ließ sich in die weichen Polster fallen. »Ausgeschlossen.« Sie schüttelte den Kopf, dass sich eine silberblonde Strähne aus dem unordentlichen Dutt an ihrem Hinterkopf löste. »Daran kann ich mich nicht erinnern«, schwindelte sie trotzig.

»Oder du willst es nicht.« Lächelnd legte Stefan den Arm um ihre Schulter und zog sie an sich. Ein Kuss glättete die Falten auf ihrer Stirn.

»Na schön. Natürlich erinnere ich mich«, räumte sie schließlich ein. »Aber ich denke lieber an die Sommernachmittage am See, die Ausflüge in die Eisdiele, an Lagerfeuer und Stockbrot. Oder an die Sommerurlaube am Meer. Wenn wir abends so lange am Strand geblieben sind, dass wir ihn ganz für uns alleine hatten.« Julia seufzte tief. »Ich glaube, im Sommer ist einfach alles schön und das Leben sehr viel leichter.«

Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet. Inzwischen regnete es in Strömen. Tropfen prasselten an die Scheibe.

»Nicht immer«, korrigierte Stefan seine Frau. »Erinnerst du dich nicht an die komplett verregneten Sommerferien vor ein paar Jahren?«

»Manchmal hat man einfach Pech.«

»Aber man kann auch im Herbst Glück haben.« Stefan zückte das Handy und öffnete die Wetter-App. »Nächste Woche soll das Wetter herrlich sein. Kühl, aber sonnig und damit perfekt für einen Ausflug aufs Oktoberfest. Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen. Wie wäre es gleich mit nächstem Mittwoch?«

Julias Augen leuchteten auf. Sie liebte die Wies'n, wie das Oktoberfest von den Münchnern liebevoll genannt wurde. »Wirklich? Ich habe den Aufbau auf der Theresienwiese gesehen. Aber ich dachte nicht, dass es schon wieder so weit ist.« Sofort war die Wehmut über den vergangenen Sommer vergessen.

»Morgen ist Eröffnung. Was hältst du davon, wenn wir meine Schwester, Axel und die Kinder fragen, ob sie uns nächsten Mittwoch begleiten wollen?«

»Du hast einfach immer die besten Ideen«, schwärmte Julia und schlang die Arme um seinen Hals.

»Die allerbeste war, dich zu heiraten«, erwiderte er und küsste sie, bis Schritte auf der Treppe trappelten und zwei elfjährige Mädchen im Wohnzimmer auftauchten, um zusammen Mensch ärgere dich nicht zu spielen.

***

»Mama?«

»Ja, Mäuschen?« Nicola sah von ihrem Computer auf dem Esstisch auf.

Nach dem Trubel im Kindergarten brauchte die vierjährige Lara immer eine kurze Pause, um sich auszuruhen. Diese Zeit nutzte Nicky, um ihre Videos zu schneiden und zur Veröffentlichung vorzubereiten. Statt in dem gemeinsamen Arbeitszimmer saß sie dabei am liebsten in der gemütlichen Wohnküche.

Obwohl sie noch nicht ganz fertig war, klappte sie den Computer zu und lächelte ihre Tochter an, die sich in der großen Wohnküche umsah, stets auf der Suche nach einem Abenteuer.

Wie so oft war sie hin und her gerissen, der Kleinen jeden Wunsch von den Augen abzulesen und dennoch dafür zu sorgen, dass sie nicht über die Stränge schlug. Das war ein immerwährender Kampf, den Nicky mit sich focht, aber immerhin einer, der es wert war.

»Darf ich dir beim Kochen helfen?«, fragte Lara mit diesem Augenaufschlag, den sie von ihrem Papa abgeschaut hatte und gegen den Nicola machtlos war.

Ohne eine Antwort abzuwarten, machte die Vierjährige auf halbem Weg halt, packte einen Stuhl vom Esstisch und schob ihn hinüber zur Arbeitsplatte. Sie kletterte hinauf und strahlte ihre Mama an.

Mit einem Blick auf die Uhr gesellte sich Nicky zu ihrer Tochter.

»Aber nur, wenn du mir wirklich hilfst, statt die ganze Zeit zu naschen«, mahnte sie. »Sonst hast du keinen Hunger mehr, wenn das Essen auf dem Tisch steht.«

Die Kleine betrachtete ihre rechte Hand. Es dauerte einen Moment, bis sie drei Finger abgezählt hatte und sie in die Höhe hielt.

»Großes Lara-Ehrenwort.«

»Also schön.« Nicky legte ein Schneidebrett aus Holz und ein Messer mit abgerundeter Spitze und kindergerechtem Griff auf die Arbeitsplatte, dazu eine Gurke, deren Enden sie bereits entfernt hatte. »Du schneidest die Gurke für den Salat. Ich bereite den Kartoffelbrei vor.«

Dieser Vorschlag fand Laras Zustimmung, eifrig machte sie sich an die Arbeit. Eine halbe Stunde später herrschte in der Küche ein einziges Durcheinander. Eifrige Kinderhände hatten die Arbeitsplatte mit Gurkenscheiben und Kartoffel- und Zwiebelschalen übersät. In der Pfanne brutzelten Gemüsestäbchen und verbreiteten ihren unwiderstehlichen Duft. Lara streute Schnittlauchröllchen über den Kartoffelbrei.

Mit einem Geschirrtuch trocknete sich Nicola die Hände ab. Dabei beobachtete sie ihre kleine Tochter.

Noch vor fünf Jahren hätte sie nicht von so einem Leben zu träumen gewagt. Für die Erfüllung ihres größten Wunsches hatte sie ihre Eltern zutiefst enttäuscht. Dafür hatte sie jetzt alles, was sie sich je gewünscht hatte. Glücklich war sie trotzdem nicht. War dieses Leben die großen Opfer wirklich wert gewesen? Darüber dachte sie noch nach, als sich zwei Arme von hinten um ihre Mitte schlangen.