Chefarzt Dr. Holl 2015 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 2015 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Einst war ihre Liebe stark - Emanuel, der träumerische Maler, und Laura, die zielstrebige Marketing-Managerin, waren ein ungleiches, aber perfektes Paar. Doch dann haben die Unterschiede die Ehe zermürbt. Die Liebe ist erloschen, und beide sehnen sich nach einem Neuanfang. Um endlich einmal auszubrechen, entschließt sich Emanuel eines Abends, einer Einladung von anderen Künstlern nach Chemnitz zu folgen. Er verlässt sein Atelier und eilt zum Münchener Hauptbahnhof. Kopflos rennt er über eine Straße, als ein schrilles Hupen die Nacht zerschneidet. Es folgt ein heftiger Aufprall, und plötzlich ist für Emanuel - und Laura - nichts mehr, wie es vorher war ...


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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Das Leben kennt tausend Farben

Vorschau

Impressum

Das Leben kennt tausend Farben

Berührender Roman über einen Maler, der das Glück wiederfand

Von Mona Marquardt

Einst war ihre Liebe stark – Emanuel, der träumerische Maler, und Laura, die zielstrebige Marketing-Managerin, waren ein ungleiches, aber perfektes Paar. Doch dann haben die Unterschiede die Ehe zermürbt. Die Liebe ist erloschen, und beide sehnen sich nach einem Neuanfang.

Um endlich einmal auszubrechen, entschließt sich Emanuel eines Abends, einer Einladung von anderen Künstlern nach Chemnitz zu folgen. Er verlässt sein Atelier und eilt zum Münchener Hauptbahnhof. Kopflos rennt er über eine Straße, als ein schrilles Hupen die Nacht zerschneidet. Es folgt ein heftiger Aufprall, und plötzlich ist für Emanuel – und Laura – nichts mehr, wie es vorher war ...

Ein eiskalter Luftzug traf Laura, als sie die Tür zu Emanuels Atelier aufstieß. Draußen hatte der Winter die Stadt fest im Griff. Vor den Sprossenfenstern bogen sich die kahlen Äste der Bäume unter der Schicht aus gefrorenem Schnee, der sie überzogen hatte.

Laura holte Luft und atmete den vertrauten Geruch nach Terpentin, Öl und Leinwand, vermischt mit einem Hauch kaltem Kaffee, ein. Das Atelier in der alten Villa sah genauso aus wie immer – chaotisch und unordentlich wie sein Besitzer.

Eine alte Stehlampe in der Ecke warf einen warmen Lichtschein. Schatten tanzten auf den Wänden. Wohin Lauras Blick auch fiel, sah sie Pinsel, Lumpen und Farbtuben zwischen zerknitterten Skizzen. Sie lagen kreuz und quer auf den Tischen und dem Boden, als hätte eine Windböe sie verstreut. Von ihrem Mann dagegen war keine Spur zu sehen.

»Manu?« Laura zog die Tür hinter sich zu und den Wintermantel enger um sich. Sie war nicht sicher, ob die Kälte ihre Stimme zittern ließ oder ob es an der Wut lag, die ihren Magen in einen Klumpen Blei verwandelte. Mit schnellen Schritten eilte sie durch den Raum. Obwohl die Tür jetzt geschlossen war, strich ein weiterer eisiger Luftzug über ihre Wangen und ließ sie frösteln. Schneeflocken sammelten sich auf dem Fenstersims. Mit klammen Fingern schloss sie das Fenster und legte den Riegel um.

»Hmm?«, kam es gedämpft aus einer Ecke des Raums. Dort, halb verborgen von ein paar Staffeleien, stand Emanuel vor einer riesigen, halb bemalten Leinwand. Der Heizlüfter neben ihm summte leise.

»Du hast wieder mal das Fenster offen gelassen. Es hat minus drei Grad draußen, Manu!«, zeterte Laura. »Wie oft muss ich dir noch sagen, dass uns die Heizkosten demnächst ruinieren?«

Emanuel hob kurz den Kopf. Sein Blick war abwesend. »Ich male ein Winterbild. Wenn es authentisch sein soll, muss ich es fühlen«, murmelte er mehr zu sich selbst.

»Wenn das so weitergeht, können wir kein Gas mehr kaufen. Dann hast du Gelegenheit genug, authentische Winterbilder zu malen«, ätzte Laura weiter. »Hast du dir schon ein einziges Mal Gedanken darüber gemacht, wer das alles hier bezahlt?«

Einen Moment lang stand Emanuel still. Dann legte er den Pinsel weg, drehte sich um und ging auf Laura zu.

Er war einer dieser Männer, von denen man nicht zu träumen wagte, dass sie am Abend neben einem einschliefen und am nächsten Morgen und auch am übernächsten noch da waren.

Laura erinnerte sich gut an ihre anfängliche Faszination. Lange Zeit hatte sie nicht an Emanuel denken können, ohne dabei kitschig zu werden. Mit ihm war die Welt ein Abenteuer gewesen, eine nie endende Karussellfahrt, ein Fest für alle Sinne. Herrje, wie naiv war sie doch gewesen!

Sie musterte sein mit Farbe bespritztes Gesicht. Als er sie küssen wollte, wandte sie den Kopf ab. Seine bunten Lippen trafen ihre Wange.

»Weißt du, Laura«, sagte er ruhig, »es gibt auch wichtigere Dinge im Leben als Geld.«

»Interessant!« Mit spitzen Fingern hob sie eine der Kaffeetassen hoch, in denen der Schimmel prächtig gedieh. Und was war das daneben? Der Stofffetzen hatte erstaunliche Ähnlichkeit mit ihrem Lieblings-Shirt. »Wichtiger als die Stromrechnung? Wichtiger als die Tatsache, dass ich ständig hinter dir herräumen muss, während du ...«, sie drehte sich um und musterte voller Abscheu die raumhohe Leinwand, »... das hier machst?«

Als hätte sie ihn geschlagen, zuckte Emanuel zusammen. Es dauerte einen Moment, bis er sich wieder gefangen hatte. »So siehst du meine Arbeit also. Gut zu wissen«, seufzte er mit waidwundem Blick, der Laura früher fast um den Verstand gebracht hätte.

Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann ihr Mann seine Wirkung auf sie verloren hatte. Lautlos hatte sie sich davongeschlichen und die Liebe gleich mitgenommen.

»Ehrlich gesagt dachte ich, du bewunderst meine Kunst«, fuhr er fort. »Zumindest hast du das früher immer gesagt. Aber diese Zeiten scheinen längst vorbei zu sein. Langsam frage ich mich, warum wir überhaupt noch zusammen sind.«

Laura hielt die Luft an. Sicher, inzwischen ärgerte sie sich fast täglich über ihren Mann. Aber Trennung? Nein, so weit hatte sie – zumindest ernsthaft – noch nie gedacht. Einen Moment lang fühlte es sich an, als hätte sich der Klumpen in ihrem Magen in Eis verwandelt. Emanuels Worte hingen noch immer in der kalten Luft, als sich Laura umdrehte und aus dem Atelier stürzte.

***

Wie immer nach dem Weihnachtsurlaub ging es lebhaft zu in den Büros der Stadt. Viele Kollegen verband ein freundschaftliches Verhältnis, und es gab viel zu erzählen. Auch in der Marketingagentur, in der Laura als Beraterin arbeitete, erfüllten die Stimmen das Großraumbüro. Hin und wieder riss ein Lachen aus und tanzte hinauf an die Decke.

Normalerweise war Laura Beck kein Kind von Traurigkeit. Doch an diesem Morgen stand sie alleine in der kleinen Kaffeeküche und starrte aus dem Fenster. Ihre Lieblingskollegin Sina gesellte sich zu ihr.

»Lass mich raten. Schon wieder Ärger im Paradies?«

»Kannst du Gedanken lesen, oder hast du heute früh schon die Karten gelegt?«, versuchte Laura zu scherzen.

Sina erwiderte ihr Lächeln nicht. »Das ist gar nicht nötig. Nur zur Erinnerung: Inzwischen kenne ich dich ganz gut«, erwiderte sie. »Was war es diesmal? Hat dein Göttergatte versehentlich das Sofa mit Farbe beschmiert? Den Besuch bei deinen Eltern vergessen? Von deinem Weihnachtsgeld heimlich Leinwände und Pinsel gekauft?«

»Viel schlimmer«, winkte Laura ab und sah sich um. Sie waren noch immer alleine.

Seit sie Sina an ihrem ersten Arbeitstag für die Empfangsdame gehalten und ihr einen Packen Briefe zum Versenden in die Hand gedrückt hatte, verband die beiden Frauen eine besondere Freundschaft. Wenn Emanuel wieder einmal bei einer Vernissage oder einem Künstlertreff in einer anderen Stadt unterwegs war, verbrachten sie Mädels-Wochenenden beim Skifahren, fuhren zum Wandern in die Berge oder tranken zusammen einen Cocktail in ihrer Lieblingsbar.

Laura tröstete Sina, wenn eine hoffnungsvolle Männerbekanntschaft wieder einmal ein vorschnelles Ende fand. Sina dagegen hatte stets ein offenes Ohr für Lauras Eheprobleme, die sich in letzter Zeit häuften.

»Neuerdings malt er an einem riesigen Bild mit dem Titel Antarktika. Um die Kälte zu fühlen und authentisch zu sein, lässt er die Fenster seines Ateliers immer sperrangelweit offen, schaltet aber den Heizlüfter ein«, erzählte Laura.

»Lass mich raten! Du hast ihn gefragt, ob er noch bei Sinnen ist«, vermutete Sina.

»So ähnlich. Daraufhin hat er eine Trennung ins Spiel gebracht. Ich würde seine Kunst nicht mehr bewundern, was er offenbar mit einem Liebes-Aus gleichstellt.«

»Und? Hat er recht?«, fragte Sina schonungslos.

Laura betrachtete ihre Freundin mit schief gelegtem Kopf. Nicht zum ersten Mal ging eines ihrer Gespräche in diese Richtung. Bislang hatte sie sich aber hartnäckig geweigert, ernsthaft darüber nachzudenken. Doch im Weihnachtsurlaub schien sich etwas geändert zu haben.

»Irgendwie schon«, gestand sie und schenkte zwei Tassen Kaffee ein. Langsam, aber sicher wurde es Zeit, an die Arbeit zu gehen. »Bislang schob ich meine Gereiztheit auf die Tatsache, dass ich zu viel arbeite. Aber das ist es nicht alleine.« Sinnend starrte sie in ihre Kaffeetasse. »Mal abgesehen von der Geldgeschichte und seiner Schaffenskrise haben wir uns offenbar nichts mehr zu sagen. Wenn wir uns in meinem Urlaub nicht angeschwiegen haben, gab es Streit.« Sie seufzte. »Es ist einfach furchtbar. Inzwischen wird aus jeder Kleinigkeit ein riesiger Krach.«

Die Wanduhr zeigte halb neun. Seite an Seite verließen die beiden Frauen die Kaffeeküche.

»Vielleicht verbinden euch wirklich nur noch die gemeinsamen Erinnerungen und Erlebnisse«, gab Sina zu bedenken. »Immerhin seid ihr schon seit fast zehn Jahren ein Paar.«

»Schon möglich«, räumte Laura ein. »Und wir haben ja wirklich tolle Sachen erlebt.« Sie erinnerte sich an die Reise mit dem VW-Bus durch Südamerika. An ihre Studienzeit, die sie abwechselnd in seinem oder ihrem Zimmer im Wohnheim verbracht hatten. An ihre Hoffnungen und Träume. Was war daraus geworden? »Leider vermiest der ganze Streit jede noch so schöne Erinnerung. Und was die Zukunft angeht, scheinen sich unsere Ziele immer weiter auseinander zu entwickeln.« Laura zog ihren Schreibtischstuhl zurück und setzte sich. Ihre Freundin blieb neben ihr stehen. Ihr Büro lag in der Buchhaltung am anderen Ende des Flurs. »Es fühlt sich an, als wären wir in einer Sackgasse gelandet.«

Sina wusste gar nicht mehr, wie oft sie sich schon über Emanuel, seine Schaffenskrise und Sturheit unterhalten hatten. Aber diesmal klang Laura anders.

»Andere Paare bekommen in dieser Situation ein Kind«, versuchte sie, ihrer Freundin ein Lächeln zu entlocken.

Doch Laura lächelte nicht. »Schon möglich. Aber wie soll das gehen? Manu verdient kaum Geld mit seiner Kunst und weigert sich, etwas anderes zu versuchen. Er glaubt hartnäckig an seinen Erfolg. Und ich will ihm eigentlich nicht die Erziehung unseres Kindes überlassen und die ganze Zeit arbeiten gehen.«

Sina wiegte den Kopf. »Vielleicht hat Manu recht, und eine Trennung ist der beste Weg für euch beide.«

Laura starrte auf ihren schwarzen Bildschirm. Irgendwann nickte sie. »Darüber denke ich nach, seit er das gesagt hat.« Sie holte tief Luft und hob den Kopf. »Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass er recht hat.« Sie seufzte tief. »Ich denke, ich sollte heute Abend mit ihm reden.«

Sina legte all ihr Mitgefühl in ihr Lächeln. »Ich weiß, wie sich das anfühlt. Zuerst denkt man, die Welt geht unter. Aber nach einer Weile stellt man fest, dass das Leben so viele Möglichkeiten bietet, an die man in einer Beziehung noch nicht denkt«, versuchte sie, ihrer Freundin Mut zu machen. »Denk doch nur an deinen Traum, eine Weile im Ausland zu arbeiten. Das wäre die Gelegenheit, um ihn endlich wahrwerden zu lassen.«

Laura dachte an die Stellenanzeige in Spanien, die sie vor dem Weihnachtsurlaub auf ihrem Computer gespeichert hatte. Das Telefon auf ihrem Schreibtisch klingelte. »Vielleicht hast du recht«, sagte sie zu Sina, ehe sie den Hörer abnahm und den Gedanken an ihre Probleme fürs Erste aus ihrem Kopf verbannte.

***

Im Atelier war es düster. Diesmal hatte Emanuel das Fenster geschlossen, aber die Heizung schaffte es trotzdem kaum, den großen Raum zu wärmen. Wie zäher Nebel kroch die Kälte durch jede Ritze.

Doch es nützte alles nichts. Wenn er seine Krise durchbrechen wollte, musste er weitermachen. Emanuel griff nach Pinsel und Farbpalette und setzte die nächsten Striche. Aber es war wie immer in letzter Zeit. Als hätten die Farben ihre Leuchtkraft verloren, blieben sie stumpf und matt. Dabei sah er doch in seinem Kopf das Bild vor sich – lebendig, voller Dramatik und Emotionen. Trotzdem blieb die Leinwand vor ihm ohne Leben, wirkte wie ein Abbild seiner eigenen Leere.

Mit einem frustrierten Knurren warf er den Pinsel auf den Boden. Emanuel trat einen Schritt zurück, verschränkte die Arme und starrte auf das unfertige Werk, versuchte, es durch die Augen eines anderen zu sehen. Nichts geschah, und es blieb, was es war: ein sinnloses Geschmier.

Manu schlug die Hände vors Gesicht. Nein, es war nicht allein seine Schuld. Das war auch ihr Werk – Lauras. Noch immer klingelte ihre Stimme in seinen Ohren, wenn sie ihm von unbezahlten Rechnungen, ihrem Kampf gegen sein Chaos und all dem anderen Übel ihrer Beziehung predigte.

Laura hatte die Gabe, mit wenigen Handgriffen Ordnung in Dinge zu bringen, die für ihn unbeherrschbar waren. Früher hatte er das geliebt. Doch seither waren Jahre vergangen ...

Sein Blick wanderte hinüber zu den Fotos an der Wand, halb verdeckt von angepinnten Skizzen. Eines der Bilder zeigte ihn mit Laura vor ungefähr zehn Jahren. Irgendjemand hatte es mit einer Sofortbildkamera geschossen, die Farben waren längst verblasst. Manu konnte nur noch ahnen, dass er eine Mütze trug und einen alten Pullover, den er heute noch besaß. Neben ihm stand Laura mit einem Glas Wein in der Hand und strahlte ihn an, als gäbe es nur ihn auf der ganzen, weiten Welt.

Dabei war sie schon damals die Vernünftige gewesen, die Marketingstudentin mit klarem Ziel vor Augen. Sie hatte immer gewusst, welcher Schritt der nächste war. Emanuel dagegen dachte nie ans Morgen. Sie hätten unterschiedlicher nicht sein können. Und doch hatte es zwischen ihnen gefunkt.

»Entführe mich in deine fantastische Welt«, hatte sie ihm zugeraunt.

Und er hatte Wort gehalten. Er hatte Laura auf das Dach eines alten Hauses entführt und sie unter dem Sternenhimmel geliebt. Hand in Hand waren sie über Nachtflohmärkte und durch Ausstellungen gebummelt. Er hatte sie unentwegt skizziert, einmal war sie sogar Akt für ihn gestanden. Wenn er nur daran dachte, wurde ihm auch ohne Heizung heiß. Damals war es Laura ähnlich ergangen, hatte die Magie noch gewirkt.

Für seine verrückten Ideen schwänzte sie zum ersten Mal in ihrem Leben Vorlesungen. Stundenlang saß sie bei heißer Schokolade oder Kaffee mit Emanuel in ihrem Lieblingscafé und ließ sich von Van Gogh, Münter und Macke erzählen.

Umgekehrt war es Laura, die Emanuel half, seine ersten Ausstellungen zu organisieren. Mit ihrem geschäftlichen Geschick hatte sie Galeristen um den kleinen Finger gewickelt, E-Mails geschrieben und Flyer entworfen. Als der Abend seiner ersten Vernissage gekommen war, hatte sie die Hände auf seine Wangen gelegt und ihm in die Augen gesehen.

»Das ist der Anfang von etwas Großartigem«, hatte sie geflüstert und unerschütterlich an ihn geglaubt.

Sie waren das perfekte, unperfekte Paar gewesen. Wo Laura die Planerin war, Listen schrieb und Termine im Kopf hatte, war Emanuel der Träumer, der spontan mit einem Pinselstrich alle Pläne umwarf. Es fühlte sich an, als würden sie die Lücken im Wesen des anderen ergänzen und füllen.

Wann hatte dieser Traum Risse bekommen? Emanuel löste das Foto von der Wand und betrachtete es bitter lächelnd. Die Liebe war ein Gaukler, hatte sie beide zum Narren gehalten. Laura war schon immer zu vernünftig für ihn gewesen, er zu impulsiv für sie.

Lautlos flatterte das Bild zu Boden, und Emanuel wandte sich wieder seiner Leinwand zu. Seine Gedanken wanderten weiter. Vielleicht konnte er die Inspiration, die ihm fehlte, woanders finden. Das Künstlerkollektiv in Chemnitz hatte ihn schon mehrfach eingeladen. Er sollte die Einladung endlich annehmen.

Auf dem Tisch summte sein Handy. Die Nachricht stammte von Laura.

Bist du heute Abend zu Hause?

Vielleicht nicht mehr, schoss es Emanuel durch den Kopf.

***

Widerwillig blinzelnd öffnete Laura Beck die Augen. Ihr Nacken schmerzte. Stöhnend richtete sie sich auf dem Sofa auf. Draußen war es stockdunkel. Sie spitzte die Ohren. Was war es, das sie geweckt hatte? Wieder hörte sie das Klingeln. Sie rappelte sich hoch und tappte in den Flur. Auf dem Weg zur Haustür kehrte die Erinnerung zurück.