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Maja liebt Florian - und hat gleichzeitig ständig Angst um ihn. Denn ihr Freund lebt für den Nervenkitzel. Ungesichert klettert er in schwindelerregende Höhen, stets auf der Suche nach dem ultimativen Adrenalinkick. Seit Maja von Florian ein Baby erwartet, hat sie kaum noch Verständnis für sein Verhalten - und es kommt immer öfter zu Streit. Ein gemeinsamer Urlaub in Österreich soll beiden guttun, doch auch dort zieht es Florian in die steilen Felswände. Maja überredet ihn, sich mit einem Ausflug in einen Hochseilgarten zu begnügen. Doch Florians Leichtsinn kennt auch dort keine Grenzen. Hoch oben in den Baumwipfeln löst er seine Sicherung und tritt auf die schwankende Seilbrücke hinaus - und dann passiert das Unvorstellbare ...
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Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Inhalt
Notruf aus dem Hochseilgarten
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Arztroman über das dramatische Ende eines Ausflugs
Von Mona Marquardt
Maja liebt Florian – und hat gleichzeitig ständig Angst um ihn. Denn ihr Freund lebt für den Nervenkitzel. Ungesichert klettert er in schwindelerregende Höhen, stets auf der Suche nach dem ultimativen Adrenalinkick. Seit Maja von Florian ein Baby erwartet, hat sie kaum noch Verständnis für sein Verhalten – und es kommt immer öfter zu Streit.
Ein gemeinsamer Urlaub in Österreich soll beiden guttun, doch auch dort zieht es Florian in die steilen Felswände. Maja überredet ihn, sich mit einem Ausflug in einen Hochseilgarten zu begnügen. Doch Florians Leichtsinn kennt auch dort keine Grenzen. Hoch oben in den Baumwipfeln löst er seine Sicherung und tritt auf die schwankende Seilbrücke hinaus – und dann passiert das Unvorstellbare ...
Die aufgehende Sonne tauchte den Felsen in ein dunkles Orange. Florian Gschwendtner schien in Flammen zu stehen, als er sich mit den Fingerspitzen die letzten Zentimeter über die Kante zog. Dann war es vollbracht! Mit einem kraftvollen Sprung hatte er wieder festen Boden unter den Füßen. Er dehnte und streckte sich, ehe er nah – viel zu nah – an die Kante des Felsens trat und in die Tiefe blickte, die er eben erst bezwungen hatte.
Durch den Sucher ihrer Filmkamera konnte Maja Cassian förmlich sehen, wie das Adrenalin durch den Körper ihres Freundes pumpte. Dies war der Moment, in dem ihr immer der Atem stockte.
Am liebsten hätte sie ihren Freund angeschrien und hatte es tatsächlich auch zwei, drei Mal gemacht. Inzwischen tat sie es nicht mehr. Zum Glück konnte sie dort oben so wenig zu Flo durchdringen wie die spitzen Dornen oder die scharfen Kanten der Felsen, die sich in seine Haut, seine Finger und Handflächen gebohrt hatten. Sonst wäre er vielleicht vor Schreck abgestürzt.
Doch in diesen Augenblicken war Florian ganz bei sich. Wenn er sein Ziel wieder einmal erreicht hatte, fühlte er sich wie der Beherrscher der ganzen Welt. Er war süchtig nach diesem Moment, nach dem Gefühl der Freiheit, das er nirgendwo sonst so spürte wie ganz oben in den Wänden. Nach ein paar Minuten war es vorbei. Lächelnd trat Flo einen Schritt zurück und winkte ihr.
Maja atmete auf. Sie schaltete den Kameramodus um und checkte die Fotos. Flos lachendes Gesicht in einer Wolke aus Magnesia, nur schemenhaft erkennbar. Seine verwuschelten, sonnengebleichten Haare, sein spitzbübisches Lächeln, der durchtrainierte Körper. Maja hielt die Luft an. Manchmal konnte sie immer noch nicht glauben, dass er sich ausgerechnet in sie verliebt hatte – damals, bei dem Dreh für die Fernsehreportage.
Ein Stein löste sich und tanzte klackernd über die Wand nach unten. Maja blickte auf, Flo schickte ihr eine Kusshand.
Sie schaltete die Kamera aus und packte sie in ihren Rucksack. Dies war ihr persönlicher Lieblingsteil bei den Ausflügen mit ihrem Freund. Die Gefahr war gebannt, denn hinab führte ein einfacher Wanderweg. Trotzdem musste sie sich noch eine Weile gedulden, bis Flo endlich wieder bei ihr war. Minutenlang saß er noch auf der Kante und ließ die Beine baumeln. Er spürte, wie die Euphorie abebbte und einer erfüllenden Zufriedenheit wich.
Wie lange würde es diesmal dauern, bis die Sucht erneut zuschlug? Darüber dachte Maja nach, als sie Schritte hörte. Kleine Äste brachen auf dem Waldboden. Sie drehte sich um und lächelte Florian an.
»Hallo, Prinzessin.« Sein Kuss schmeckte salzig.
»Das hier ist deine Prinzessin.« Maja deutete auf ihren noch flachen Bauch, in dem sich – verborgen vor den Augen der Welt – ein Wunder abspielte. »Ich möchte deine Königin sein.«
»Diese Rolle ist schon von den Bergen besetzt«, scherzte Flo. »Du bist meine Prinzessin. Und das hier«, er stupste auf den Babybauch, »wird mein Kletterbuddy. Wir bekommen nämlich einen Sohn.« Ehe Maja widersprechen konnte, fuhr er fort. »Hast du gute Fotos geschossen?«
Maja unterdrückte ein Seufzen. »Ein paar gute Bilder sollten auf jeden Fall dabei sein.«
»Dann komm!« Florian schulterte den Fotorucksack. »Lass uns absteigen, bevor es zu warm wird.«
Die Sonne begleitete sie auf ihrem Rückweg. Fast zwei Stunden lang folgten sie dem Wanderweg auf der Rückseite des Berges. Hier und da murmelte eine Quelle, raschelte es im Gebüsch. Schimpfend flog ein Vogel auf.
Schließlich traten Maja und Flo aus dem Wald hinaus auf eine Wiese. Unterhalb des Hanges stand der Camper und wartete auf sie.
Dort angekommen ließ sich Maja auf den Beifahrersitz fallen. Sie trank einen großen Schluck aus ihrer Wasserflasche und ließ den Blick durch die Landschaft schweifen. Die Wiesen trugen noch die Spuren des vergangenen Sommers. Vereinzelt leuchteten letzte Blüten wilder Disteln oder Heidekraut zwischen welken Gräsern. In der Nähe grasten gemächlich ein paar Kühe. Ihre Glocken läuteten leise.
Maja hielt die Hand über die Augen und betrachtete die Bauernhöfe, die sich in die Landschaft schmiegten. Die Balkonblumen waren längst verblüht. Bald würde der erste Schnee auf den Schindeldächern liegen.
»Wenn unser Häuschen auch nur schon so hübsch wäre«, seufzte sie.
Florian band die Sneaker zu. Kletterschuhe, durchgeschwitzte Kleider und ein Handtuch landeten in der Heckgarage. Mit einem Rumms fiel die Klappe zu.
»Höre ich da einen Vorwurf?«
Maja biss sich auf die Lippe. Warum war sie manchmal nur so unbesonnen? »Nein, nein, ich weiß ja, dass du die letzten trockenen Tage zum Klettern nutzen willst. Trotzdem wäre es schön, wenn unser Zuhause bis zur Geburt der Prinzessin fertig wäre.«
»Jetzt ist Anfang November. Bis Anfang Juni haben wir noch jede Menge Zeit.«
Und einen Winter, der viele Ausbaupläne zunichtemachen konnte. Doch das sagte Maja diesmal nicht laut. Immerhin hatte Flo die Zeit gefunden, mit seinen Kollegen das Dach neu zu decken. Der Rest würde sich auch noch fügen. Sie musste einfach nur fest genug daran glauben.
***
Wider Erwarten war in der Ambulanz der Berling-Klinik eine kurze Pause eingetreten. Bis vor wenigen Minuten war ein Notfall nach dem anderen eingeliefert worden. Dazwischen hatte das Team der Notärztin Dr. Andrea Kellberg die kleineren Blessuren der Patienten, die sich im Warteraum versammelt hatten, versorgt und nebenbei den lästigen Schreibkram erledigt.
Dr. Kellberg nutzte die Verschnaufpause, um einen Teil ihrer Mitarbeiter in die Pause zu schicken. Sie selbst saß im Bereitschaftsraum und aß ein Sandwich, als Dr. Falk den Kopf durch die Tür steckte.
»Ach, hier stecken Sie«, begrüßte er seine Mitarbeiterin und zwinkerte ihr zu. »Ich dachte schon, die Notaufnahme wäre heute geschlossen.«
»Schön wär's.« Dr. Kellberg legte das Sandwich weg und putzte sich die Finger an der Serviette ab. »Was kann ich für Sie tun?«
»Für mich nichts. Aber auf dem Weg zu einer Besprechung ist mir ein Herr in die Arme gelaufen. Er klagt über kolikartige Schmerzen im rechten Unterbauch. Der Blinddarm wurde noch nicht entfernt.«
»Das klingt nach einer akuten Appendizitis.«
»Das war auch mein Verdacht. Der Herr wartet hier im Flur. Bitte übernehmen Sie die Untersuchung und leiten alles Nötige in die Wege.« Dr. Falk bedankte sich und wollte sich schon zurückziehen, als Andrea Kellberg ihn zurückrief.
»Das mache ich natürlich gerne. Falls der Herr aber wirklich operiert werden muss, gibt es ein Problem.«
Der stellvertretende Klinikleiter runzelte die Stirn. »Und welches?«
»Die Kollegen schieben Doppelschichten und brauchen dringend eine Pause. Erschöpft, wie sie sind, kann ich keinen von ihnen guten Gewissens in den OP schicken. Wir müssen den Schichtwechsel abwarten.«
»Wie bitte?« Daniel Falk traute seinen Ohren nicht. »Wie kann das sein? Was ist mit unserer eisernen Reserve?«
»Vier Kollegen haben sich krankgemeldet.
»Ich kümmere mich darum.« Daniel Falk zog das Mobiltelefon aus der Kitteltasche.
Ein paar Minuten später war das Problem gelöst, die Operation konnte durchgeführt und erfolgreich beendet werden. Trotzdem saß Dr. Falk zwei Stunden später vor dem Schreibtisch des Klinikchefs.
Mit schmalen Augen starrte Stefan Holl auf den Monitor seines Computers.
»Das ist natürlich Pech, dass gleich so viele Kollegen auf einmal ausfallen«, murmelte er, während er die Liste durchging. »Das können wir schwerlich ausgleichen.«
»Das Problem ist, dass dieser Zustand noch nicht einmal die Ausnahme ist. Das ist unser ganz normaler Krankenstand«, erwiderte Daniel Falk. Er sprang vom Stuhl auf und begann, im Zimmer auf und ab zu gehen. »Ich mag gar nicht daran denken, was passiert, wenn zu den kranken Kollegen eine Massenkarambolage oder ein anderer Unfall mit vielen Verletzten kommt. Dann hätten wir ein echtes Problem.«
Es klopfte. Dr. Holls Sekretärin Moni Wolfram kam herein.
»Ihr Kaffee, Chef. Und bitte denken Sie an das Interview mit der Süddeutschen Zeitung.« Sie sah auf die Uhr. »Sie haben noch zehn Minuten.«
»Vielen Dank, Moni.«
Daniel Falk wartete, bis sich die Tür wieder geschlossen hatte. »Wo war ich stehengeblieben? Ach so, das Personal.« Er seufzte. »Ich fürchte, auf Dauer brauchen wir mehr Leute.«
Stefan Holl nippte an seiner Tasse. »Das scheint mir auch so«, erwiderte er. »Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?«
Dass sich selbst der Leiter der Berling-Klinik so eine Frage stellen musste, ließ tief blicken.
Aufgebaut von Stefans Schwiegervater Dr. Walter Berling und durch Dr. Stefan Holl erweitert und modernisiert, genoss die Klinik weit über die Grenzen des Landes hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Neben den modernsten Behandlungsmethoden für die Patienten legte Stefan Holl dabei großen Wert auf das Wohlbefinden seines Teams. Es gab Erleichterungen für Familien mit Kindern. Die Mitarbeiter erhielten vergünstigten Zutritt zu allen möglichen Fitness- und Wellness-Einrichtungen Münchens. Einmal wöchentlich fand eine kostenlose Rückensprechstunde statt. Außerdem konnten die Kollegen individuelle Wünsche beim betrieblichen Gesundheitsmanagement äußern.
»Ich fürchte, du stellst dein Licht wieder einmal zu sehr unter den Scheffel«, erwiderte Daniel Falk nachdenklich. »Du müsstest die Benefits nur bekannter machen, dann würden dir die Leute mit Sicherheit die Bude einrennen.« Seine Miene wurde verklärt. »Ein besseres Arbeitsklima als in der Berling-Klinik habe ich noch nirgendwo erlebt.«
»Deine Meinung zählt nicht.« Trotzdem lächelte Stefan Holl geschmeichelt. »Als mein Freund bist du parteiisch.«
Das Telefon klingelte. Moni Wolfram verkündete, dass der Reporter schon gekommen war. Die beiden Männer gingen zur Tür.
»Irgendetwas wird uns schon einfallen«, tat Dr. Holl seine Hoffnung kund. »Wir sehen uns heute Abend bei uns?« Vor der Tür trennten sich ihre Wege.
»Auf jeden Fall«, sagte Dr. Falk zum Abschied. »Nathalie und ich freuen uns schon.«
***
Im Gegensatz zu den Mitarbeitern der Berling-Klinik genoss Maja Cassian die Privilegien, die sie ihrer Selbständigkeit zu verdanken hatte. Sicher, es gab auch Nachteile. Zum Beispiel, wenn sie zu nachtschlafender Zeit oder an Wochenenden für Dreharbeiten oder Fotoshootings gebucht wurde. Dafür gab es aber auch oft Tage, an denen sie – wie an diesem herrlichen Montagmittag – bloß etwas Papierkram zu erledigen und ansonsten frei hatte.
Die S-Bahn war ausnahmsweise einmal pünktlich gefahren, deshalb war sie viel zu früh zu ihrem Untersuchungs-Termin erschienen.
Mit den Händen in den Manteltaschen schlenderte Maja durch den Garten der Berling-Klinik. Die letzten Blätter der Ahornbäume und Buchen leuchteten in Gold und Rot und Braun, reglos in der stillen Luft. Nur ab und zu löste sich eines vom Ast und taumelte zu Boden.
Eigentlich war Maja ein Sommerkind. Aber seit der Zimmermann Florian Gschwendtner vor vier Jahren in ihr Leben getreten war und ihr Herz im Sturm erobert hatte, freute sie sich immer auf die kalte Jahreszeit. Wenn Flo nur in der Halle klettern konnte, musste sie weniger Angst um ihn haben. Vorausgesetzt natürlich, er flog nicht nach Amerika oder Südafrika, um seinem Hobby zu frönen. Wegen der Schwangerschaft hatte er allerdings versprochen, in diesem Winter darauf zu verzichten.
Schon träumte Maja von kuscheligen Wochenenden im Bett, von Kinobesuchen und Spieleabenden mit den Freunden, die sie sonst nur an irgendeinem Kletterspot trafen.
»Diese Ruhe tut bestimmt auch dem Baby gut«, meinte Maja, als sie schließlich auf Dr. Lindens Behandlungsliege lag.
»Mit Sicherheit. So eine Schwangerschaft hält zwar schon einige, auch seelische, Turbulenzen aus. Aber gerade nach dem holprigen Start begrüße ich es, wenn Sie sich ein bisschen entspannen können.« Die Ärztin träufelte etwas angewärmtes Gleitgel auf Majas Bauch und setzte den Schallkopf des Ultraschallgeräts auf.
Wegen der Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft war Maja auf Anraten ihrer besten Freundin – Luzie arbeitete in der Personalabteilung – in die Berling-Klinik gegangen. Gemeinsam mit der Ärztin hatte sie entschieden, die Vorsorgeuntersuchungen auch weiter dort durchzuführen.
Dr. Linden maß Länge und Kopfumfang des Embryos. »Die Entwicklung ist altersgerecht.«
»Können Sie schon sehen, was es wird?«
»Dazu ist es leider noch zu früh.« Monika Linden lachte. »Was wünschen Sie sich denn?«
»Flo hätte gerne einen Kletterkumpel.« Majas Lächeln wurde blasser.
»Und Sie?«, hakte Monika Linden nach, ohne die Augen vom Monitor zu wenden.
»Ich hätte gerne ... Gewissheit.« Maja zögerte. Ihre Finger spielten mit einem losen Faden am Saum ihres Pullovers. »Nicht nur über das Geschlecht unseres Kindes.«
Ein kurzes Schweigen machte sich breit. Irgendwo auf dem Flur läutete ein Telefon. Ein Lachen wehte über den Flur.
Die Ärztin bewegte den Schallkopf präzise über Majas Leib. Plötzlich hielt sie inne und lächelte. Sie beugte sich vor und drehte an einem Knopf. »Hören Sie sich das an!«, murmelte sie. Obwohl sie dieses Geräusch fast jeden Tag – manchmal auch mehrfach – hörte, bekam sie nie genug davon. »Schnell und kräftig, wie der Hufschlag eines Pferdes.«
Majas Augen wurden feucht. »Schade, dass Florian das nicht hören kann.«
»Warum ist er nicht mitgekommen?« Die Untersuchung war beendet. Dr. Linden wischte das Gel vom Schallkopf und reichte Maja ein kleines Handtuch.
»Ein wichtiger Auftrag. Außerdem meinte er, dass ich das schon allein schaffe.«
Doch darum ging es gar nicht. Das wusste Dr. Linden auch. Maja hatte das Gefühl, als blickte ihre Ärztin bis auf den Grund ihrer Seele.
»Wollen Sie darüber reden?«, fragte Monika Linden sanft.
»Ich weiß ja selbst nicht, warum mir das so wichtig ist. Aber ehrlich gesagt würde ich gerne heiraten.« Maja lachte verlegen und wischte sich eine Träne von der Wange. »Ein Glück, dass meine Mama mich nicht hört. Ihr war und ist Selbständigkeit wahnsinnig wichtig. Trotzdem ...«
»Eine Ehe bedeutet heutzutage nicht mehr, sich dem Partner auf Gedeih und Verderb auszuliefern«, erinnerte Monika Linden ihre Patientin. »Es liegt an Ihnen, was Sie daraus machen.«
»Vielleicht sollte ich froh sein, dass ich mir darüber keine Gedanken machen muss.« Schniefend winkte Maja ab. »Flo will nämlich gar nicht heiraten. Er behauptet immer, ein Stück Papier ändere nichts an seinen Gefühlen für mich.« Dankbar nahm sie das Taschentuch aus Dr. Lindens Hand.
»Und wie sehen Sie das?«
»Ich finde, es ist ein Zeichen, Verantwortung für den anderen zu übernehmen. In guten wie in schlechten Zeiten. Auch wenn das kitschig klingt.«
»Überhaupt nicht«, versicherte Dr. Linden schnell. »Wenn Ihnen das so wichtig ist, sollten Sie noch einmal in Ruhe mit Ihrem Freund darüber sprechen.«
Die Untersuchung war beendet. Dr. Linden setzte sich an den Schreibtisch. Die Tastatur klapperte unter ihren Fingern, als sie die Untersuchungsergebnisse in die elektronische Patientenakte eingab.
Maja rutschte von der Liege. Sie schloss den Knopf der Hose und zog den Pullover herunter.
»Mal sehen«, sagte sie auf dem Weg zur Tür. »Wahrscheinlich ist es, wie Flo sagt, und die Schwangerschaftshormone spielen mir einen Streich.«
Dr. Linden zog eine Augenbraue hoch. »Wir sehen uns in drei Monaten wieder. Falls Sie vorher irgendwelche Fragen oder Probleme haben, melden Sie sich bitte.«
