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Carina Ackermann lebt in geordneten Verhältnissen, führt eine harmonische Ehe und geht in ihrer Arbeit als Kostümbildnerin am Theater auf. Nur eines fehlt ihr zum vollkommenen Glück: ein Kind. Doch trotz medizinischer Hilfe bleibt ihr Kinderwunsch unerfüllt. Melanie Rieck hingegen stammt aus prekären Verhältnissen, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser - und ist ungewollt schwanger. Ihre Zukunft ist ungewiss, ihr Umfeld instabil. An einem Sommernachmittag im Englischen Garten prallen ihre Leben buchstäblich aufeinander: Ein Fahrradunfall bringt die beiden Frauen zusammen - und verstrickt ihre Schicksale auf eine Weise, die beide tief verändern wird ...
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Inhalt
Ein Sommernachmittag im Park ...
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
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Ein Fahrradunfall stellt Carinas Leben auf den Kopf
Von Mona Marquardt
Carina Ackermann lebt in geordneten Verhältnissen, führt eine harmonische Ehe und geht in ihrer Arbeit als Kostümbildnerin am Theater auf. Nur eines fehlt ihr zum Glück: ein Kind. Doch trotz medizinischer Hilfe bleibt ihr Kinderwunsch unerfüllt.
Melanie Rieck hingegen stammt aus prekären Verhältnissen, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser – und ist ungewollt schwanger. Ihre Zukunft ist ungewiss, ihr Umfeld instabil.
An einem Sommernachmittag im Englischen Garten prallen ihre Leben buchstäblich aufeinander: Ein Fahrradunfall bringt die beiden Frauen zusammen – und verstrickt ihre Schicksale auf eine Weise, die beide tief verändern wird ...
Ein ganz besonderer Geruch lag in der Schneiderwerkstatt des Prinzregentheaters. Samt, Leinen, Tüll, Baumwolle – jede Faser brachte ihren eigenen Charakter mit. Ein Hauch Maschinenöl mischte sich mit der Bügelhitze, die nach Stärke und Baumwolle roch.
Wie jeden Morgen blieb Carina Ackermann an der Tür stehen, schloss die Augen und atmete den Duft dieser ganz besonderen Welt.
Nirgendwo sonst fühlte sich die Kostümbildnerin so wohl wie zwischen Bergen von farbenfrohen Stoffen in Spitze, Samt und Seide. Die glitzernden Ballkleider der Vorstellung vom vergangenen Abend versetzten sie in eine andere Zeit, in eine andere Welt. Wäre sie allein gewesen, wäre sie in eines der Gewänder geschlüpft, hätte sich eine weißblonde Perücke über das kurze Haar gestülpt und sich an den Hof des Sonnenkönigs geträumt.
Schon früh am Morgen saß sie in ihrem Schneideratelier im Prinzregententheater und steckte Hosen- und Kleidersäume ab, nähte abgeplatzte Knöpfe wieder an und Kleidungsstücke enger oder weiter. Nicht selten gingen ihre Gedanken dabei auf Wanderschaft.
Wie viele andere junge Mädchen hatte Carina davon geträumt, Schauspielerin zu werden, in andere Rollen, in andere Leben zu schlüpfen.
Doch schon im Laufe ihrer Schulzeit hatte sich herausgestellt, dass ihre Talente woanders lagen. Um ihrer Leidenschaft wenigstens so nah wie möglich zu sein, hatte sich Carina für ihre zweite Leidenschaft, das Entwerfen und Nähen fantasievoller Kleidung entschieden.
Im Nebenraum ratterten die Nähmaschinen ihrer Kolleginnen und Kollegen, Carina heftete gerade Abnäher am Kleid auf der Schneiderpuppe ab, als sich von draußen Stimmen und Schritte näherten. Sie sah auf ihre goldene Armbanduhr – ein Geschenk ihres Mannes Tobias zum fünften Hochzeitstag. Es war kurz nach halb neun. Wahrscheinlich kam endlich der Schauspieler, den sie schon vor einer halben Stunde zur Anprobe erwartet hatte. Es klopfte an die halb offene Tür.
»Da sind Sie ja endlich!«, rief sie über die Schulter, ohne sich umzudrehen. »Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.«
»Das hatte ich auch gar nicht erwartet.«
Carina fuhr herum. Es dauerte einen Moment, bis sie den Besucher erkannte. »Herr Doktor Holl, was machen Sie denn hier?«
»Frau Ackermann, das ist ja eine Überraschung!« Stefan Holl lachte auf. »Ehrlich gesagt bin ich auf der Suche nach Regisseur Myers. Er war neulich zur Behandlung in der Klinik. Bei dieser Gelegenheit bat er mich, ihn bei der möglichst realistischen Umsetzung einer medizinischen Theaterszene zu beraten.«
»Und da kommen Sie höchstpersönlich vorbei?«, wunderte sich Carina.
»Ich wollte mir die Chance nicht entgehen lassen, mal hinter die Kulissen einer Theaterproduktion zu sehen«, sagte Dr. Holl mit einem Lächeln.
»Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich Ihnen nach meiner Eileiter-Operation eine persönliche Führung verschafft.«
Stefan Holl dachte an seine jüngste Tochter Juju, die am Morgen grün vor Neid gewesen war.
»Das ist ungerecht«, hatte sich sein elfjähriger Sonnenschein ungewöhnlich schlecht gelaunt beschwert. »Du darfst immer so spannende Sachen machen, wenn ich im langweiligen Unterricht sitzen muss.«
Sie ahnte nicht, dass ihr heißgeliebter Papa den Grund für ihre schlechte Laune kannte.
»Meine Tochter schreibt heute eine Mathearbeit und war schwer enttäuscht, dass sie all die spannenden Dinge des Lebens verpasst. Wenn ich also demnächst auf Ihr Angebot zurückkommen darf?«
Eine Wolke huschte über Carinas Gesicht. Manchmal war das Leben wirklich ungerecht. Dr. Holl hatte vier Kinder, während sie ... Schnell schob sie den Gedanken wieder weg. »Sehr gerne. Jederzeit.« Sie wandte sich wieder der Kleiderpuppe zu und steckte eine Nadel aus dem Nadelkissen an ihrem Handgelenk in den weichen Stoff.
Stefan Holl überlegte kurz, doch er war ein Mann offener Worte.
»Der Eingriff hatte also nicht den gewünschten Erfolg?«
Carina betrachtete ihre Arbeit und schüttelte den Kopf. »Wir haben wirklich alles versucht. Aber ich will einfach nicht schwanger werden.«
»Das tut mir leid zu hören.« Dr. Holl nickte verständnisvoll. »Haben Sie schon darüber nachgedacht, sich an ein Kinderwunschzentrum zu wenden?«
»Tobias und ich haben ein paar Mal darüber gesprochen. Ehrlich gesagt fehlt uns im Augenblick noch der Mut dazu.«
»Das ist verständlich.« Er hätte noch viel dazu sagen können. Doch leider drängte die Zeit. Carina wies ihm den Weg, und mit dem Versprechen, sich bald bei ihr zu melden, machte sich Dr. Holl auf den Weg zum Regisseur.
Unterwegs dachte er nach. Eine Kinderwunschbehandlung war kein Spaziergang. Hoffnung und Enttäuschung lagen nah beieinander. Jede Phase des Prozesses war mit einer enormen Anspannung verbunden. Körperliche Belastungen wie Hormongaben, Samenspenden und Eientnahmen gaben den Paaren häufig das Gefühl, wie Maschinen funktionieren zu müssen. Nicht selten blieb dabei die Liebe auf der Strecke. Dabei waren Carina und Tobias Ackermann ein ausgesprochen harmonisches Paar. Sie hatten eine stabile Basis und lebten in finanziell gesicherten Verhältnissen, um einem Kind alles bieten zu können, was es für ein schönes Leben brauchte. Manchmal war das Schicksal wirklich ungerecht.
***
Schon vor Stunden war die Sonne hinter den Türmen der Münchner Frauenkirche untergegangen, und auch die Scheinwerfer, die sie kunstvoll in Szene setzten, waren inzwischen erloschen. Die Luft war warm, ein leiser Wind strich durch die Straßen und ließ die Blätter der Kastanien in den verwaisten Biergärten rascheln.
Melanie trat aus der Kneipe, die Tür fiel hinter ihr ins Schloss. Ihre Arme waren schwer vom Schleppen der Tabletts, die Beine müde. Einen Moment stand sie einfach da und lauschte auf die Geräusche der nächtlichen Stadt. Um ihren Kopf schwirrte eine Mücke. Das entfernte Rattern einer Straßenbahn und eine Gruppe Betrunkener, die über den Gehweg stolperten, erinnerten sie daran, dass die Weltstadt mit Herz niemals schlief.
Mit einem Seufzen wandte sich Melanie ab und machte sich auf den Nachhauseweg. Ein Schatten löste sich von der Wand und folgte ihr. Melanies Herz schlug schneller. Sie beschleunigte ihre Schritte. Der Schatten folgte ihr. Um sich ihre Chancen auszurechnen, warf sie einen raschen Blick über die Schulter, umklammerte den Schlüssel in ihrer Tasche, bereit, ihn ihrem Verfolger in den Bauch zu rammen.
»Gib dir keine Mühe«, wehte eine männliche Stimme an ihr Ohr. »Du entkommst mir nicht.«
Mit einem Schlag blieb Melli stehen und fuhr herum. Das konnte doch nicht wahr sein! »Bist du verrückt geworden? Mir so einen Schrecken einzujagen!«
Ihr Freund Gregor bog sich vor Lachen. »Ich war gut, nicht wahr?«, japste er. »Du hattest Angst. Sag, dass ich gut war!«
Melanie starrte ihn entgeistert an. Wieder einmal fragte sie sich, warum sie immer noch bei ihm war. Dabei war die Antwort ganz einfach.
Sie holte tief Luft.
»Ich hätte dir um ein Haar meinen Schlüssel in die Brust gerammt.« Im Licht der Straßenlaterne blitzte dieser auf.
»Also hattest du Angst.« Gregor grinste zufrieden. Ehe Melanie es sich versah, zog er sie an sich und küsste sie hart auf den Mund. Dann nahm er sie an der Hand, sie stolperte hinter ihm her. »Hast du was zu essen mitgebracht?«
Langsam, aber sicher beruhigte sich ihr Herzschlag. »Nur ein paar Reste. Morgen müssen wir einkaufen gehen.«
Gregor ließ die Schlösser seines alten Golfs aufschnappen, den er am Straßenrand unweit der Kneipe geparkt hatte, in der Melanie seit ein paar Monaten bediente. Sie stieg ein. Der Innenraum war stickig, es roch nach Zigaretten. Gregor startete den Motor, das Radio spielte einen Rocksong.
»Wie viel Trinkgeld gab's heute?«
»Ganz gut. Aber das teilen wir erst am Monatsende auf. Das weißt du doch.«
Er brummte und startete den Motor. Die Straßen waren leer, die Ampeln auf Nachtbetrieb geschaltet. Melanie war froh, dass er keine weiteren Fragen stellte. Sie lehnte den heißen Kopf ans Fenster und beobachtete die vorbeiziehenden Lichter.
Sie dachte an ihre Mutter, die noch immer in der kleinen Wohnung am Stadtrand von Dortmund hauste und von ihren wechselnden Liebhabern lebte. Ihren Vater hatte Melli nie kennengelernt.
Als sie mit gerade einmal achtzehn Jahren Hals über Kopf ausgezogen war, hatte sie große Pläne gehabt. Das Abi nachholen, studieren, einen guten Job an Land ziehen und den Traummann treffen, all das war auf ihrer Liste gestanden. Und nun jobbte sie in einer drittklassigen Kneipe und lebte in der Wohnung ihres Freundes, der sich mit zwielichtigen Geschäften über Wasser hielt. Gregors Unzuverlässigkeit und seine Abneigung gegenüber jeder Art von Verantwortung waren nicht die besten Voraussetzungen für eine gute Beziehung. Melanie wusste, dass sie sich von ihm trennen sollte, wenn sie nicht wie ihre Mutter enden wollte. Aber ohne Wohnung, ohne Ausbildung und einen anständigen Job?
»Du bist so still heute«, sagte Gregor in ihre Gedanken hinein. »Alles okay?«
Melanie schluckte. »Ja, ja, ich bin nur müde.«
Diese Antwort schien ihm zu genügen. Er brummte irgendetwas und schwieg wieder. Auf den Straßen war es dunkler geworden. Ein Teil der Straßenlaternen war ausgefallen. Schließlich bog er in eine kleine Seitenstraße ab.
Graue Wohnblöcke ragten wie Schatten in den Nachthimmel, die Wände mit Graffitis beschmiert. Aus den Fenstern fiel hier und da ein Lichtschein. Einige waren mit Gardinen verhangen, bei ihrem Nachbarn baumelte eine nackte Birne von der Decke.
Auf Gregors Balkon türmten sich Mülltüten, zwei kaputte Plastik-Gartenstühle und ein paar leere Bierkästen.
Nein, das war wirklich nicht die Gegend, die sie sich in ihren Träumen ausgemalt hatte. Melanie wusste, dass sie eine Entscheidung treffen musste, bald. Aber nicht heute Nacht. Gregor schloss die Haustür auf. Wortlos folgte sie ihm hinein.
***
Aus unsichtbaren Lautsprechern tanzte sanfte Musik hinauf bis unter die mit Stuck verzierte Decke. Die Wände schimmerten in Salbeigrün. Carina Ackermann saß auf einem Stuhl im Wartezimmer und betrachtete ein riesiges Foto an der gegenüberliegenden Wand. Es zeigte ein Elternpaar mit einem Neugeborenen. Die Erwachsenen strahlten glücklich in die Kamera.
Carina musterte die anderen Patienten, die ihr Schicksal teilten. Ein Paar Ende dreißig, beide mit Brille, die gemeinsam in einer Zeitschrift für modernes Wohnen blätterten. Daneben saß eine Frau mittleren Alters in weiten Hosen, die in ihr Smartphone starrte. Ihr Fuß wippte unaufhörlich auf und ab. Heimlich musterte Carina den unglaublich dicken Mann daneben, dessen Hände auf seinen Schenkeln lagen. Und dann war da noch das Paar, das gleichzeitig mit ihr die Kinderwunschpraxis betreten hatte. Der Mann mit schwarz gefärbten Haaren und dicker Goldkette auf der behaarten Brust hatte den Arm um seine alterslose Frau im Prada-Hosenanzug gelegt. In der indirekten Beleuchtung schimmerten die Brillanten an ihren Ohren und Fingern mit ihren perlweißen Zähnen um die Wette.
»Frau Ackermann?« Eine Arzthelferin war in der Tür aufgetaucht und sah sich suchend um.
Endlich! Carina blinzelte und nickte. Sie stand auf und folgte ihr durch lange Flure.
Die Schritte wurden gedämpft von dicken Orientteppichen. Die wertvollen Ölgemälde links und rechts wurden von indirekten Strahlern gekonnt in Szene gesetzt. Neben einem riesigen Aquarium befand sich ein zweites Wartezimmer.
Dort hatten sie und Tobias schon vor ein paar Tagen gesessen, bis sie von Dr. Clement abgeholt worden waren.
Bertram Clement war ein schlanker Herr Ende vierzig, mit grauen Schläfen und einer goldenen Rolex am Handgelenk. Statt eines Arztkittels trug er Chino-Hosen und ein gewollt zerknittertes Leinenhemd. Sein Auftreten erinnerte eher an einen Immobilienmakler denn an einen Fruchtbarkeitspezialisten.
Am Anfang des Gesprächs hatte eine ausführliche Anamnese stattgefunden. Dr. Clement wollte wissen, wie lange Tobias und Carina schon versuchten, ein Kind zu bekommen, wie häufig sie intim und ob irgendwelche Krankheiten bekannt waren. Stockend hatte Carina von ihren verklebten Eierstöcken und der erfolgreichen Operation in der Berling-Klinik vor einigen Monaten berichtet.
»Leider hat der Eingriff auch nicht den gewünschten Erfolg gebracht«, hatte sie erzählt und die Hand ihres Mannes gedrückt.
Danach war das weitere Vorgehen besprochen worden. Das Paar musste sich mehreren Untersuchungen unterziehen. Neben Ultraschall und Hormonanalyse stand eine Spermienuntersuchung auf dem Programm.
Zuerst war Carina erleichtert gewesen. Es lag nicht an ihr, sondern an Tobias. Doch dann hatte sie an das gedacht, was sie nun erwartete, und die Freude war verflogen.
»Bei der sogenannten introzytoplasmatischen Spermieninjektion wird ein einzelnes, sorgsam ausgewähltes Spermium Ihres Mannes unter mikroskopischer Kontrolle direkt in eine Eizelle injiziert, die wir Ihnen zuvor entnommen haben«, erklärte Dr. Clement freundlich. »Aufgrund der schlechten Spermienqualität Ihres Mannes haben wir uns für diese Methode entschieden.«
Eine halbe Stunde später verließ Carina die Arztpraxis und kehrte in die Schneiderei zurück. Die weiße Plastiktüte verstaute sie in ihrem Spind im Theater. Die Hormone darin kosteten knapp tausend Euro, ein Drittel ihres monatlichen Einkommens.
»Ab sofort muss ich mir einmal täglich die Hormone spritzen«, erklärte sie ihrem Mann, als sie am Abend nach Hause kam.
Ein Duft nach Gewürzen und Schärfe erfüllte die Luft. Auf dem Rückweg von seiner Firma hatte Tobias indisches Essen besorgt.
»Das tut mir wirklich leid«, bedauerte er ehrlich. »Wenn ich dir dabei irgendwie helfen kann ...«
»Nein, danke.« Tränen schossen Carina in die Augen. Sie hatte auf eine Chilischote gebissen und japste nach Luft. »Das schaffe ich schon allein«, ächzte sie und aß ein Stück Weißbrot. Endlich war der Brand halbwegs gelöscht, sie konnte weitersprechen. »Nach ungefähr vierzehn Tagen sollte die optimale Reife der Eizellen erreicht sein. Anschließend wird mit einer weiteren Spritze der Eisprung ausgelöst.«
Tobias erinnerte sich an das Gespräch mit Dr. Clement. »Darf ich dich wenigstens zur Entnahme begleiten? Nach der Vollnarkose wirst du ja nicht mehr in die Arbeit gehen.«
»Das stimmt.« Sie schob den Teller weg und lehnte sich zurück. Ihre Gedanken waren längst weitergeeilt. »Ein paar Tage später werden mir die Embryonen eingesetzt.« Ein Lächeln verzog ihre Lippen. »Zwei Wochen später wissen wir, ob es geklappt hat. Ob wir endlich schwanger sind.«
Tobias stand vom Stuhl auf und ging vor seiner Frau auf die Knie. »Du wirst eine großartige Mutter sein.« Er zog ihre Hände an die Lippen und küsste sie. »Die Mutter meiner Kinder.«
***
Das Licht der Morgensonne rieselte durch die Ritzen in der Jalousie ins Zimmer.
Melanie blinzelte. Sie hatte Kopfschmerzen, und ihr war schlecht. Es war noch früh am Morgen. Sie sah hinüber zur anderen Bettseite. In dieser Nacht war Gregor wieder einmal nicht nach Hause gekommen. Ein Glück! Das war die Gelegenheit, auf die sie schon seit über einer Woche wartete.
Sie nestelte eine Schachtel aus der Handtasche auf dem Boden. Auf dem Weg ins Bad musste sie aufpassen, nicht über Kleiderhaufen, Pizzaschachteln oder Bierflaschen zu stolpern.
Melanie schüttelte sich vor Ekel. Gregor hatte schon wieder nicht aufgeräumt.
»Wenn's dich stört, kannst du es machen«, hatte er grinsend gemeint. »Ich werde dich nicht davon abhalten.«
