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Eleni wagt einen Neuanfang. Die Krankenschwester ist von Heidelberg nach München gezogen und hat ihre Stelle in der Berling-Klinik angetreten.
Doch etwas belastet sie. Seit einem Jahr wird sie von ihrem Ex-Freund Valentin verfolgt. Er ruft sie ständig an, schickt Nachrichten und hinterlässt Botschaften unter dem Scheibenwischer ihres Autos. Um ihm zu entkommen, hat sie schon mehrmals die Handynummer gewechselt und nun sogar ihre Heimatstadt verlassen. Doch Valentin lässt sich nicht abschütteln. Auch in München hat Eleni das beunruhigende Gefühl, dass er hier ist. Sie hat ihn nicht gesehen, aber sie spürt seine Anwesenheit.
Und tatsächlich. Valentin spielt weiterhin sein perfides Spiel, und er schreckt vor nichts zurück. Nicht einmal dann, als er eine Patientin in große Gefahr bringt ...
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Nachts um zwei in der Berling-Klinik
Vorschau
Impressum
Nachts um zwei in der Berling-Klinik
Schwester Eleni wird von einem Stalker verfolgt
Von Mona Marquardt
Eleni wagt einen Neuanfang. Die Krankenschwester ist von Heidelberg nach München gezogen und hat ihre Stelle in der Berling-Klinik angetreten.
Doch etwas belastet sie. Seit einem Jahr wird sie von ihrem Ex-Freund Valentin verfolgt. Er ruft sie ständig an, schickt Nachrichten und hinterlässt Botschaften unter dem Scheibenwischer ihres Autos. Um ihm zu entkommen, hat sie schon mehrmals die Handynummer gewechselt und nun sogar ihre Heimatstadt verlassen. Doch Valentin lässt sich nicht abschütteln. Auch in München hat Eleni das beunruhigende Gefühl, dass er hier ist. Sie hat ihn nicht gesehen, aber sie spürt es.
Und tatsächlich. Valentin spielt weiterhin sein perfides Spiel, und er schreckt vor nichts zurück. Nicht einmal dann, als er eine Patientin in große Gefahr bringt ...
Ein Blick auf den Wecker genügte, um Ruben Schmidts süße Träume in einen Albtraum zu verwandeln.
»Verdammt! Schon so spät!« Barfuß und halb blind vor Müdigkeit stolperte er ins Badezimmer. Die kalten Fliesen brannten unter seinen Fußsohlen. Er drehte den Wasserhahn der Dusche auf. Im nächsten Moment traf ihn ein eisiger Schwall. Wie tausend Nadeln bohrte sich die Kälte in seine Haut und vertrieb auch noch den letzten warmen Gedanken an Eleni. Ruben blinzelte in Richtung Boiler und sah die rote Warnleuchte – kein warmes Wasser. Das ging ja schon gut los.
Wassertropfen perlten von seinem Haar und rannen über seinen Rücken, als er aus der Dusche sprang. Mit dem Handtuch um die Hüften hastete er zurück ins Schlafzimmer. Die Vorstellung von einer frisch gebrühten Tasse Kaffee – so viel Zeit musste sein – und der Gedanke daran, Eleni schon bald wiederzusehen, versöhnte ihn mit seinem Schicksal. Überhaupt, Eleni! Ein Name wie ein Gedicht, der so gut zu ihrer weichen Haut, ihren zärtlichen Lippen, dem geheimnisvollen Ausdruck ihrer Augen passte.
Versonnen lächelnd löffelte Ruben Kaffee in den Filter. Er klappte ihn zu, füllte Wasser in den Behälter und schaltete die Maschine ein. Den Kopf randvoll mit Bildern seiner neuen Freundin stand er am Fenster und sah sinnend hinaus. Selbst der düstere Oktobermorgen wirkte romantisch.
Der Duft des frisch gebrühten Kaffees erfüllte die Luft. Plötzlich spürte Ruben etwas Warmes an den Zehen. Er sah nach unten. Es dauerte einen Moment, bis er begriff, dass er in einer braunen Pfütze stand. Die Kanne stand unschuldig neben der Kaffeemaschine statt auf der Warmhalteplatte.
»Nicht schon wieder!« Mit einem Geschirrtuch wischte er auf. »Dann gibt's eben erst in der Klinik Kaffee«, murmelte er auf dem Weg ins Schlafzimmer.
Er öffnete den Kleiderschrank, doch jedes Hemd, das er herauszog, fand keine Gnade vor seinem kritischen Auge. Schließlich wurde Ruben doch noch fündig. Er schlüpfte in das helle Hemd und schloss die Knöpfe. Ein leises Plopp ließ ihn innehalten. Ruben sah dem Knopf dabei zu, wie er langsam über den Boden rollte und unter dem Schrank verschwand. Gleichzeitig vibrierte sein Handy. Eine Nachricht von Eleni.
Guten Morgen, Herr Liebermann, besuchst du mich im Schwesternzimmer? Als Belohnung winken ein Kuss und frischer Kaffee.
Nicht genug damit, dass sie seine Gefühle erwiderte, konnte sie offenbar auch noch Gedanken lesen.
Ruben konnte sich kaum sattsehen an der liebevollen Botschaft. Seit er Eleni kannte, war die Welt ein Abenteuer, ein Karussell, ein Freudenfest. Unvorstellbar, dass es eine Zeit ohne sie gegeben hatte.
Mit fliegenden Fingern tippte er eine Antwort und schwang sich ein paar Minuten später trotz des unfreundlichen Wetters auf sein Fahrrad. Der Asphalt glänzte von der feuchten Kälte, aber Ruben spürte kaum die kalte Luft im Gesicht. Als wollte er dem ungemütlichen Wetter entkommen, trat er in die Pedale. Rasch kam die Klinik näher. Schon von Weitem erkannte er seine Kollegin Dr. Ella Neuhaus. Sie war ihm um ein paar Minuten voraus und kettete ihr Fahrrad an den Ständer.
Vor ein paar Wochen noch hatte Rubens Herz bei ihrem Anblick gestockt. Nun verspürte er nicht einmal mehr ein leichtes Zucken in der Brust, dort, wo früher nervöse Spannung geherrscht hatte. Inzwischen war Ruben richtiggehend dankbar, dass sich zwischen Ella und ihrem gemeinsamen Kollegen Dr. Mischa Oswald offenbar etwas anbahnte. Erst dadurch hatte er endlich die Freiheit gewonnen, sein Herz für einen anderen Menschen zu öffnen – und dabei Schwester Eleni entdeckt, die sein Leben von heute auf morgen auf den Kopf gestellt hatte.
»Na, weilst du noch im Schlummerland, oder warum antwortest du nicht?«
Ellas Stimme riss Ruben aus seinen Gedanken. »Tut mir leid. Ich habe heute früh fast verschlafen und bin offenbar immer noch nicht ganz wach«, redete er sich auf dem Weg in die Klinik heraus.
Die Schiebetüren öffneten sich, der vertraute Geruch nach Desinfektionsmitteln, Medikamenten und Kaffee strömte ihnen entgegen. Die beiden grüßten nach links und rechts. Ella blieb am Empfangstresen stehen, Ruben dagegen hatte es eilig, auf die Innere Station zu kommen. Sein Chef Dr. Cohn wartete bestimmt schon auf ihn.
»Wir sehen uns später.« Er hob die Hand zum Gruß und eilte weiter, die Treppen hinauf, um die Ecke, durch eine Schiebetür, um eine weitere Kurve. Gleich hatte er es geschafft. Die Eingangstür zu seiner Abteilung war schon in Sicht gekommen, als Ruben spürte, dass etwas geschah.
Mit einem Ruck zog es ihm die Füße weg. Unsanft landete er auf dem Hosenboden, ein scharfer Schmerz durchzuckte sein Steißbein. Was war denn jetzt schon wieder passiert?
Hektische Schritte näherten sich.
»O nein, das tut mir so leid! Ich habe das Warnschild vergessen.« Ein junger Mann in der Arbeitskleidung der Reinigungsfirma blieb schwer atmend vor ihm stehen. »Ist alles in Ordnung mit Ihnen?« Er streckte Ruben eine Hand entgegen.
»Ich glaube schon.« Wieder festen Boden unter den Füßen bewegte Ruben das Becken hin und her. Der Schmerz im Rücken war zwar unangenehm. Ernsthaft verletzt schien er aber nicht zu sein.
»Ich bin untröstlich. Sowas ist mir noch nie passiert«, versicherte Jonas, wie auf dem Schild am Kragen zu lesen war.
»Heute scheint einfach nicht mein Tag zu sein.« Ruben erzählte kurz von seinen morgendlichen Missgeschicken.
»Aller guten Dinge sind drei«, meinte Jonas und lächelte. »Dann haben Sie Ihr Soll für heute erfüllt.«
Die beiden Männer lachten miteinander, ehe sie sich voneinander verabschiedeten. Als Ruben seine Abteilung betrat, fiel ihm ein, dass er den abgesprungenen Knopf in seiner Aufzählung vergessen hatte.
»Dann war der Sturz schon mein viertes Missgeschick heute«, brummte er. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend trat er seinen Dienst an.
***
Die Folien der Verpackungen knisterten in Schwester Elenis Fingern, als sie die Verbände aus den Schachteln in die Schränke einsortierte. Normalerweise waren solche Aufgaben ein lästiges Übel. Seit Eleni aber in den Assistenzarzt Ruben Schmidt verliebt war, genoss sie diese Momente, wenn ihre Aufmerksamkeit nicht gefragt war. Dann eilten ihre Gedanken zu ihm, kreisten um ihr letztes Gespräch, um seine Antwort auf ihre Guten-Morgen-Nachricht.
Eleni war kein kleines Mädchen mehr. Sie wusste um die Unsicherheiten, die eine neue Liebe normalerweise mit sich brachte. Sie kannte die Zweifel und Sorgen. Empfand er genauso wie sie? Wie hatte er diese Bemerkung neulich gemeint? War es ein Fehler gewesen, ihm zuerst zu schreiben?
All diese Fragen stellte sie sich bei Ruben nicht. Von Anfang an hatte er ihr das Gefühl gegeben, genauso verliebt zu sein wie sie. Genauso begeistert über dieses Wunder. Denn nüchtern betrachtet war es doch genau das, wenn sich zwei Menschen ineinander verliebten: ein Wunder.
Als würden Puzzleteile, die verstreut herumlagen, in einem magischen Moment zueinanderfinden. Mit Ruben konnte sie die Frau sein, die sie schon immer sein wollte. Alles fühlte sich gut und richtig an. Wenn sie miteinander lachten, sich liebten, zusammen schwiegen oder traurig waren über einen aussichtslosen Fall in der Klinik. Von Anfang an hatte Eleni gewusst, dass das zwischen ihnen etwas Besonderes war. Dass er es ernst meinte mit ihr und sie mit ihm.
Ihr Magen verknotete sich. So schön diese Gewissheit war, so schwer machte sie ihr Herz. Wie würde Ruben auf ihr Geständnis reagieren? Bedeutete es das schnelle Ende ihrer so hoffnungsvollen Liebe? Wie auch immer, sie musste Gewissheit haben, ehe der Schmerz unerträglich wurde.
»Können wir uns heute Abend sehen?«, raunte sie ihm am Nachmittag nach einem atemlosen Kuss in einer Abstellkammer zu.
»Ich bestehe sogar darauf.« Sein Blick machte sie schwindlig. »Wie wäre es mit einem Picknick im Bett?« Verführerisch lächelnd ließ er eine ihrer dunklen Strähnen durch die Finger gleiten. »Ich wüsste zu gerne, was du von Champagner-Prickeln in deinem hübschen Bauchnabel hältst.«
Was für ein verlockender Gedanke! Am liebsten hätte Eleni ihre Sorgen verdrängt und spontan zugesagt.
»Tut mir leid.« Ihre Stimme war belegt. »Heute muss ich zuerst dich auf die Probe stellen. Ich lade dich auf einen Drink ein.« Eleni hatte entschieden, dass dieses Gespräch besser auf neutralem Boden stattfand. Dort hatte sie sich besser unter Kontrolle.
Sie vermied es, Ruben ins Gesicht zu sehen, als sie ihm die Bar und die Uhrzeit nannte.
»Ich werde pünktlich da sein«, erwiderte er und hielt sein Versprechen.
Als er die Bar sogar ein paar Minuten zu früh betrat, saß Eleni schon am Tisch am Fenster. Anders als in der Klinik trug sie ihr Haar offen. Die weichen, dunklen Wellen umschmeichelten ihr Gesicht. Bis auf Lippenstift hatte sie auf Make-up verzichtet. Sie wollte gewappnet sein, falls sie weinen musste.
Eleni musste den Kopf nicht drehen, um zu wissen, dass Ruben durch die Tür getreten war. Sie konnte ihn im Spiegel an der Wand beobachten. Warum sah er nur so herzzerreißend gut aus? Das machte die Sache nur noch schwerer. Erst als er an den Tisch trat, hob Eleni den Kopf. Flüchtig berührten sich ihre Lippen. Unschwer zu erkennen, dass auch Ruben nervös war. Kein Wunder! Dabei hatte Eleni nicht vorgehabt, ihn zappeln zu lassen. Er hatte es nicht verdient zu leiden. Trotzdem brachte sie kein Wort heraus.
»Entschuldigst du mich kurz?« Ehe Ruben antworten konnte, war sie schon auf dem Weg zur Toilette.
Verdutzt blieb er zurück und sah ihr nach, wie sie im hinteren Teil der Bar verschwand. Elenis Verhalten verhieß nichts Gutes. Das hatte er schon bei ihrem heimlichen Treffen in der Abstellkammer geahnt.
Ruben trank einen Schluck aus ihrem Wasserglas. Wenn sie an diesem Abend mit ihm Schluss machte, würde es verdammt wehtun. Nüchtern betrachtet war Eleni keine außergewöhnlich tolle Frau. Sie hatte ein hübsches, schmales Gesicht, eine für Rubens Geschmack etwas zu schlanke Figur. Sie übte einen gewöhnlichen, wenn auch anspruchsvollen Beruf aus und führte ein ganz normales Leben. Deshalb war sie ihm auch lange nicht aufgefallen.
Das Außergewöhnliche an ihr war, dass er sich von Anfang an in ihrer Gesellschaft so wohl gefühlt hatte. Schon bei ihrem zufälligen Treffen vor ein paar Wochen in der Cafeteria, als nur noch an ihrem Tisch ein Platz frei gewesen war. Ruben hatte eine schwierige Operation hinter sich gehabt. Sie war zwar gelungen, doch es stand in den Sternen, ob der Patient noch einmal auf die Beine kommen würde.
Mit dieser Last hatte sich Ruben zu der neuen Schwester an den Tisch gesetzt. Sie hatten einander angelächelt, und von einem Moment auf den anderen war die ganze Anspannung von ihm abgefallen, ganz so, als hätte er ein starkes Schmerzmittel eingenommen. Obwohl er bis zu diesem Tag nur ein paar Worte mit Schwester Eleni gewechselt hatte, erschien sie ihm plötzlich seltsam vertraut. Ganz so, als kannten sie einander schon ein halbes Leben lang. Würde er an Reinkarnation glauben, würde er behaupten, sie schon einmal in einem früheren Leben getroffen zu haben.
Daher und aus vielen weiteren Gründen würde es wehtun, wenn Eleni gleich mit ihm Schluss machte.
Ruben blickte auf und sah seiner Freundin dabei zu, wie sie an ihren Tisch zurückkehrte. Sie wirkte aufgewühlt. Gleichzeitig schien sie peinlich berührt zu sein.
»Tut mir leid, dass du so lange warten musstest.« Sie schlüpfte zurück auf ihren Stuhl.
»Ich habe mein halbes Leben lang auf dich gewartet. Da machen ein paar Minuten mehr auch nichts mehr aus.« Ruben meinte es ehrlich. Eleni sah es ihm an. Er kannte sie schon gut genug, dass er wusste, dass sie im Normalfall gelacht hätte. An diesem Abend aber zuckten noch nicht einmal ihre Mundwinkel.
»Ich ... ich hatte gehofft, ich könnte es dir erst später sagen«, begann sie und wagte kaum, ihm in die Augen zu sehen. »Aber dann ist mir bewusst geworden, dass ich gleich mit dir reden muss.«
»Du machst es ja ganz schön spannend.« Vor Aufregung war Rubens Kehle schon wieder trocken. Ein Glück, dass der Kellner inzwischen eine Flasche Wasser und ein zweites Glas gebracht hatte. Er schenkte beide Gläser voll und leerte seines in einem tiefen Zug.
»Keine Angst, es ist nichts Schlimmes«, versicherte Eleni schnell. »Aber ich könnte mir vorstellen, dass es ganz schön blöd klingt.« Sie zerpflückte einen Bierdeckel in Tausend kleine Fetzen. »Ach, vielleicht sollte ich einfach sagen, wie es ist. Ich werde von meinem Ex-Freund gestalkt.«
***
Schon im Flur wehten Dr. Stefan Holl am nächsten Morgen die Stimmen seiner Lieben entgegen. Sie waren es auch gewesen, die ihn aus dem Bett gelockt hatten. Wie schnell sich die Dinge doch ändern konnten! Vor wenigen Monaten war er noch derjenige gewesen, der mit seiner Frau Julia den Tisch gedeckt und gemeinsam mit der Haushälterin Cäcilie das Frühstück vorbereitet hatte. Nun war er der Letzte, der sich zu der fröhlichen Runde gesellte. Und es fühlte sich auch noch gut und richtig an.
Juju, mit ihren elf Jahren das Nesthäkchen der Familie Holl, raschelte mit der Tageszeitung.
»Das ist ungerecht«, beschwerte sie sich lautstark. »Hier steht, dass Frauen doppelt so viel reden wie Männer.«
Ihr fünfzehnjähriger Bruder Chris grinste stumm. Dafür hatte Julia Holl etwas zu sagen.
»Kein Wunder. Das liegt daran, dass wir alles immer zwei Mal sagen müssen.«
Stefan steckte den Kopf durch die Tür. Seine Augen blitzten frech.
»Wie bitte? Was hast du gesagt?«
»Mama meinte ...«, begann Juju, als der Groschen fiel. Sie lachte und mit ihr der Rest der Familie.
Nach einem Guten-Morgen-Kuss für Frau und Tochter und einem Vater-Sohn-Handschlag setzte sich Stefan an den Tisch.
Seit seinem Herzinfarkt und der Hirnblutung hatte sich wirklich viel verändert. Statt einen Kaffee im Stehen hinunterzuschütten, genoss Stefan das Frühstück mit seiner Familie. Schon jetzt war es ihm ein Rätsel, wie er es je geschafft hatte, ohne die allmorgendliche Plauderei, ohne die liebevolle Zuwendung, ohne den Duft von frischem Kaffee und geröstetem Brot in den Tag zu starten.
Seit das Schicksal ihn mit Nachdruck daran erinnert hatte, dass auch er nicht unverwundbar war, hatte sich sein Leben deutlich entschleunigt. Das war auch gut so. Sobald Stefan in den alten Stress verfallen wollte, begannen seine Hände zu zittern, schnürte sich seine Kehle zu. Obwohl er sich nicht an seinen Herzinfarkt erinnern konnte und sein Körper sich vollständig erholt hatte, spürte er bei jeder unerwarteten Anspannung eine dumpfe Angst in der Brust, ganz so, als wäre das Erlebte tief in seine Seele eingebrannt.
»Alles gut, mein Schatz?«
