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Lorena Orlowski ist Chefredakteurin eines renommierten Münchener Modemagazins - beruflich steht sie an der Spitze. Doch mit ihrem Äußeren hadert sie: Ihr fliehendes Kinn ist für sie ein Makel. In der Welt der perfekten Gesichter wirkt sie damit - so findet sie - geradezu lächerlich. Als der neue Modefotograf Adrian Foster in der Redaktion auftaucht, fühlt sich Lorena sofort zu ihm hingezogen. Doch mit jedem Gespräch wächst ihre Unsicherheit. Aus Angst vor Ablehnung fasst sie einen folgenschweren Entschluss: Sie unterzieht sich einer Kinnkorrektur. Doch als sie nach dem Eingriff aufwacht, ist nichts mehr, wie es war - denn bei der Operation ist etwas gründlich schiefgelaufen ...
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Inhalt
Sie wollte ein neues Kinn ...
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Arztroman über eine Schönheits-OP und ihre Folgen
Von Mona Marquardt
Lorena Orlowski ist Chefredakteurin eines renommierten Münchener Modemagazins – beruflich steht sie an der Spitze. Doch mit ihrem Äußeren hadert sie: Ihr fliehendes Kinn ist für sie ein Makel. In der Welt der perfekten Gesichter wirkt sie damit – so findet sie – geradezu lächerlich.
Als der neue Modefotograf Adrian Foster in der Redaktion auftaucht, fühlt sich Lorena sofort zu ihm hingezogen. Doch mit jedem Gespräch wächst ihre Unsicherheit. Aus Angst vor Ablehnung fasst sie einen folgenschweren Entschluss: Sie unterzieht sich einer Kinnkorrektur. Doch als sie nach dem Eingriff aufwacht ...
Schon nach dem Aufwärmtraining dampfte die ganze Halle. Frauen und Männer jeden Alters wanderten zwischen den Geräten umher, stützten die Hände in die Hüften oder beugten sich nach vorne, um Atem zu schöpfen.
Die Luft war voller Adrenalin. Auch Andrea Kellbergs Gesicht glühte vor Anstrengung.
»Ich hatte ganz vergessen, wie anstrengend Sport im Fitnessstudio sein kann«, sagte sie zu ihrer Kollegin, die sie zum Probetraining begleitete.
»Das ist nochmal etwas anderes, als locker im Englischen Garten seine Runden zu ziehen«, bestätigte die Gynäkologin Dr. Monika Linden und wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Und das war erst der Anfang.« Sie sah sich zwischen den Geräten um, deren Gebrauch ein Trainer vor dem Aufwärmen erklärt hatte. Mit welchem Folterinstrument sollte sie beginnen? »Eine Maschine sieht furchteinflößender aus als die andere.«
»Deshalb lässt sich der Chef vermutlich auch so selten hier blicken«, scherzte Dr. Kellberg. »Ich habe Doktor Holl vorhin noch in der Klinik getroffen und soll dich schön von ihm grüßen. Er ist sehr stolz auf uns.«
»Warum ist er nicht gleich mitgekommen?«, fragte Monika Linden und nahm auf der Beinpresse Platz. Sie stellte das Gewicht auf die leichteste Stufe. »Immerhin war er es, der uns dieses Studio ans Herz gelegt hat.«
»Seit seinem Herzinfarkt hat er sich auf Ausdauersport verlegt. Er versucht, jeden Tag eine Runde joggen zu gehen – manchmal in Begleitung seines Sohnes – oder trainiert auf seinem Ergometer zu Hause.«
»Dann werden wir ihn mal würdig vertreten.« Dr. Linden konzentrierte sich und hob die Beine.
Andrea Kellberg sah ihr kurz zu, ehe sie sich abwandte. Im Gegensatz zu ihrer Mitstreiterin hatte sie nicht vor, sich an den Geräten abzuarbeiten. Eine Patientin hatte ihr so begeistert von ihrem Hanteltraining erzählt, dass Andrea neugierig geworden war. Nach ein paar Stunden Recherche im Internet hatte ihr Entschluss festgestanden.
Sie nickte Monika zu und machte sich auf den Weg in den Freihantelbereich. Große Spiegel säumten die Wände. Neben anderen Trainierenden stemmte ein junger Mann mit muskulösem Oberkörper und tätowierten Armen seine Gewichte. Mit Schweißperlen auf der Stirn und verzerrtem Gesicht beobachtete er seinen Bizeps, der sich beeindruckend wölbte und wieder entspannte.
Viel mehr beeindruckte Andrea aber eine Frau, die in einer Ecke ganz für sich alleine trainierte. Auf ihren Schultern ruhte eine Langhantel mit Gewichten an jedem Ende. Mit einer Anmut, die ihresgleichen suchte, ging sie in die Knie und erhob sich wieder. Immer wieder warf sie einen kurzen Blick in den Spiegel, um ihre Haltung zu überprüfen.
Andrea bewunderte das Spiel ihrer Muskeln unter der glatten Haut. So wollte sie eines Tages auch aussehen! In der Mitte des Raumes entdeckte sie einen Hantelständer, bestückt mit einer Vielzahl an Gewichten. Kurzentschlossen streckte sie die Hand aus und griff nach einer Hantel. Sie war schwerer als erwartet. Trotzdem nahm Andrea auch die zweite.
Ganz so, wie sie es im Internet gesehen und zu Hause mit zwei gefüllten Wasserflaschen geübt hatte, stellte sie sich vor dem Spiegel auf. Langsam hob sie die Arme über den Kopf und zog sie wieder an. Nach wenigen Wiederholungen brannten ihre Muskeln, schwitzten ihre Hände. Trotzdem setzte Andrea zu einem letzten Schulterdrücken an, als es passierte. Eine der Hanteln rutschte aus ihrer Hand, landete mit einem dumpfen Knall auf dem Boden und rollte davon.
Andrea fuhr herum. Zu spät! Ein Schmerzensruf erfüllte die Luft.
»Oh, mein Gott! Es tut mir leid!« Mit wenigen Schritten war sie bei dem Mann, der auf dem Boden kniete und sich den Knöchel rieb, dort, wo ihn Andreas Hantel getroffen hatte. »Haben Sie sich verletzt? Ich bin Ärztin ...«
Ein amüsierter Blick traf sie.
»Und sorgen gleich selbst für Ihre Patienten, indem Sie sie mit Gewichten bewerfen?« Die Stimme des Mannes war dunkel und warm. Um seine Augen tanzten kleine Fältchen.
»Das war wirklich nicht meine Absicht.« Schlagartig wurde Andrea nervös. Das war ihr seit Jahren nicht passiert. Verlegen schob sie eine Strähne hinter das Ohr.
»Keine Angst, ich glaube Ihnen.« Der Mann richtete sich auf und streckte ihr die Hand hin. »Eduard Klinge, angenehm.« Sein Händedruck war fest. »Sind Sie neu hier?«
»Das hier ist mein erstes Mal.«
»Soso«, sagte Eduard und schmunzelte. »Dafür haben Sie einen beachtlichen Bizeps vorzuweisen.« Sein anerkennender Blick ruhte auf Andreas Oberarmen.
Sie lächelte geschmeichelt. In ihrem anstrengenden Alltag als Anästhesistin blieb nicht viel Zeit für Leichtigkeit. Der kleine Flirt fühlte sich an wie ein frischer Lufthauch nach einer langen Operation. Wie ein wärmender Sonnenstrahl nach einer Schlechtwetterperiode.
Andreas Herz schlug ein wenig schneller. Ein angenehmes Kribbeln füllte ihren Magen.
»Ich finde, da ist durchaus noch Luft nach oben.« Ihre Augen wanderten an seiner sportlichen Figur hinab. »Vielleicht hast du ein paar Tipps für mich.« Ohne es zu bemerken, wechselte sie zur vertrauten Anrede.
Eduard bemerkte es, sein Lächeln wurde tiefer. Flüchtig berührte er ihre Schulter, um ihr die anderen Hanteln zu zeigen, die für ihre Zwecke besser geeignet waren. »Am Anfang ist es wichtig, sich mit den Bewegungsabläufen vertraut zu machen, um Verletzungen zu vermeiden.« Er nahm ein leichtes Paar Hanteln vom Ständer.
Versunken betrachtete Andrea das Spiel seiner Muskeln unter dem dünnen T-Shirt. Sie erwachte erst, als er ihr die Hanteln reichte. »Jetzt du.«
Sie wiederholte die Übung, bedacht darauf, keinen Fehler zu machen. Eduard nickte anerkennend.
»Ich sehe schon, du bist eine begabte Schülerin.«
»Dann zeigst du mir noch andere Übungen?«, fragte sie blinzelnd.
»Wenn ich dich bei Gelegenheit auf einen Kaffee einladen darf ...«
***
Der neue Fotograf der Modelagentur Glamour Models hieß Adrian Foster. Er war ein junger Mann mit eigenwilligen braunen Haaren, die etwas wirr wirkten. Sein gut geschnittenes, freundliches Gesicht mit unschuldig blickenden Augen hatte etwas Weltabgewandtes, und die Chefredakteurin Lorena Orlowski konnte kaum glauben, dass er es bei dem erbarmungslosen Konkurrenzkampf in seiner Branche so weit gebracht hatte.
Gemeinsam standen sie vor dem Tisch am Fenster ihres Büros, wo er Proben seiner früheren Arbeiten ausgebreitet hatte, damit sie sie begutachten konnte. Ungefähr zwei Dutzend großformatige Hochglanzabzüge sollten sie überzeugen.
Lorena hatte sie aufmerksam studiert, und sie gefielen ihr mindestens genauso gut wie der Mann, der sie geschossen hatte.
Modelfotografie war ein besonderes Feld. Ein guter Modelfotograf erzählte eine Geschichte – die der Marke, des Models oder des Outfits. Aber diese Bilder hatten noch mehr zu bieten. Aus ihnen atmete Leben, Freude und sogar die Ahnung einer gewissen Zärtlichkeit des Fotografen für seine Motive.
Lorenas Hand zitterte leise, als sie eines davon hochnahm. Es zeigte eine Frau, gebaut wie eine Athletin, die durch die Meeresbrandung lief. Ihr Bikini leuchtete wie die Sonne zwischen der kobaltblauen Gischt. Lorena glaubte, die salzige Seeluft zu riechen, die Kühle des Wassers auf der eigenen Haut zu spüren.
Aber nein! Das war nur ein schöner Traum und würde es immer bleiben! Nie im Leben käme ein begabter Mann wie Adrian auf die Idee, sie zu fotografieren.
Fast heftig legte Lorena das Foto zurück auf den Tisch. Sie spürte seinen prüfenden Blick und wandte sich schnell ab. Auf keinen Fall sollte er Gelegenheit haben, ihr fliehendes Kinn länger als unbedingt nötig zu studieren. Dieses Kinn, das ihr für immer im Weg stehen würde, wenn sie nicht endlich etwas dagegen unternahm. Die Visitenkarte von Professor Eduard Klinge brannte wie Feuer in der Tasche ihrer Kostümjacke. War die Begegnung mit Adrian Foster nicht Anstoß genug, den Eingriff endlich zu wagen?
Adrian musterte Lorena mit gerunzelter Stirn. »Gefallen dir meine Bilder nicht?«
»Sie sind fantastisch.« Sie drehte sich wieder zu ihm um. Er war sommerlich gekleidet. Weiße Sneaker, eine weite, cremefarbene Bundfaltenhose zu einem weißen T-Shirt. Lorena fand ihn enorm attraktiv und noch mehr, als sie von einer Kollegin erfahren hatte, dass er Single war. »Ich würde die Kampagne gerne mit dir machen.« Und nicht nur die Kampagne, ging es ihr durch den Kopf. Sie wurde knallrot und fuhr schnell fort. »Wenn sie ein Erfolg wird, kann daraus auch mehr werden.«
Adrians Augen strahlten mit seinem Mund um die Wette.
»Wirklich? Das ist ja großartig.« Er sammelte seine Abzüge ein und schob sie zu einem Stapel zusammen.
Lorenas Telefon klingelte. Der Name ihrer Assistentin leuchtet auf dem Display auf.
»Ja?«
»Ein Anruf von draußen«, sagte Gina. »Eine Frau Bohde von irgendeiner Klinik ist am Apparat. Du sollst einen Termin bestätigen. Bist du etwa krank?«
»Nein, nein, es geht nur um eine Routineuntersuchung.« Lorena sah Adrian Foster nach, wie er mit seiner Fotomappe unter dem Arm geräuschlos durch den Raum Richtung Tür ging. Dort angekommen, drehte er sich noch einmal um und zwinkerte ihr zu.
»Auf Wiedersehen«, formten seine Lippen einen stummen Gruß, und ihr Herz überschlug sich in ihrer Brust.
Sie holte tief Luft und hoffte, dass ihre Stimme nicht zitterte.
»Sag Frau Bohde bitte, dass ich den Termin wahrnehmen werde«, bat sie ihre Assistentin, als die Tür hinter Adrian leise ins Schloss fiel.
***
Die Umrisslinie der Terrassentür rahmte einen Teil des Gartens ein, der im Licht der Morgensonne leuchtete. Nathalie Falk stand im Esszimmer ihres Hauses am Englischen Garten und sah hinaus auf die sommerliche Pracht. Dahlien, Sonnenblumen und Hortensien blühten in den Beeten. Ein früher Schmetterling gaukelte durch die duftende Sommerluft. Eine Bande Spatzen jagte zwitschernd durch die Sträucher.
Tuschelnde Stimmen aus der Küche lenkten Nathalie ab. Sie warf einen letzten Blick auf den Geburtstagstisch, darauf die Torte mit einer Achtzehn aus Zuckerguss. Achtzehn Jahre schon! Wo war die Zeit nur hin verschwunden? Mit einem wehmütigen Lächeln auf den Lippen gesellte sich Nathalie zu Mann und Sohn, die ungeduldig warteten.
»Hast du Marie geweckt?«
»Sie ist schon auf dem Weg nach unten«, gab Dr. Daniel Falk die gewünschte Auskunft.
Nathalie nickte.
»Elias, zündest du bitte schnell die Kerzen an?«
Das ließ sich der Sohn der Familie nicht zweimal sagen, und nur ein paar Minuten später spiegelten sich die Flammen in den Augen des Geburtstagskindes.
»... happy Birthday, liebe Marie, happy Birthday to you!«, schmetterten Maries Lieben aus voller Kehle.
Die Stimmen waren kaum verklungen, als sich das Geburtstagskind in den Armen seines Vaters wiederfand.
»Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz!« Daniel drückte seine Tochter an sich.
»Auf dass all deine Wünsche in Erfüllung gehen«, sagte Nathalie innig.
»Marie hat nur einen Wunsch«, sagte Elias und grinste. »Sie will, dass Niklas sie endlich erhört.«
»Schwachsinn!«, fauchte Marie und streckte ihrem Bruder die Zunge heraus. »Erstens ist Niklas mit Karla zusammen. Und zweitens gibt es viel wichtigere Dinge als einen Freund.«
Elias' Augen leuchteten auf. »Verrätst du mir deine geheimen Wünsche? Oder muss ich dein Tagebuch fragen?«
»Untersteh dich!« Drohend schüttelte Marie die Faust in Richtung ihres Bruders. »Sonst ...«
»Hör auf damit, Elias!«, sprach Daniel Falk ein Machtwort. »Deine Schwester hat heute Geburtstag. Das soll ein Freudentag für sie sein. Streiten könnt ihr morgen wieder.«
Um ein Haar hätte Marie bitter aufgelacht. Noch gab es keinen Grund zur Freude. Nicht, solange sie mit dieser Nase durch die Gegend laufen musste.
Dabei waren es eigentlich nur zwei Sätze gewesen, die alles für sie verändert hatten. Der erste war vor vier Jahren im Biologieunterricht gefallen – im Juli, kurz vor ihrem vierzehnten Geburtstag. Nie würde Marie diesen Tag vergessen. Und das lag nicht am Regen, der in Strömen vom Himmel gefallen und an den Fensterscheiben heruntergelaufen war.
Ihre beste Freundin Karla und Marie hatten Streit gehabt. An den Grund dafür erinnerte sie sich nicht mehr. Sie wusste aber noch, dass Karla in dieser Stunde nicht wie sonst neben ihr gesessen hatte, sondern neben Niklas und sie selbst neben Till. Es ging um Vererbungslehre. Irgendwann beugte sich Till zu Marie hinüber.
»Ach, du hast diesen komischen Nasenhöcker geerbt«, tuschelte er. »Dabei dachte ich die ganze Zeit, du hättest dir mal die Nase gebrochen.«
Marie schluckte. »Ich ... ich komme gleich wieder«, stammelte sie benommen und kämpfte sich vom Stuhl hoch. Sie schwitzte und fror zur gleichen Zeit, fühlte sich wie erschlagen, wie in Trance. Sie entschuldigte sich bei der Lehrerin und floh aus dem Klassenzimmer. Till sah ihr nicht nach. Er hatte nichts bemerkt.
Der zweite Satz war ein halbes Jahr später gefallen. An einem kalten Winternachmittag hatten Marie und Karla ein Computerspiel gespielt, bei dem man Menschen kreierte, sich Frisur, Augenfarbe und Gesichtsform aussuchen konnte. Die neuen Menschen bekamen Wohnungen oder Häuser, Familienmitglieder, einen Beruf und Hobbys, hatten verschiedene Charaktere, Vorlieben und Abneigungen.
Lachend klickte sich Karla durch die verschiedenen Frisuren, Nasenformen und Münder. »Da gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt. Nur deine griechische Nase haben sie nicht im Angebot.«
»Ich bin eben einmalig«, hatte Marie mit einem Lachen gesagt, innerlich war sie aber wie erstarrt. Der Rest des Tages versank in ihrer Erinnerung in einem Strudel aus Scham und Entsetzen.
»Alles in Ordnung, mein Schatz?«
Nathalies Stimme riss ihre Tochter aus den Gedanken.
»Ja, ja, alles bestens«, versicherte Marie und sah demonstrativ auf ihr Handy. »Aber wenn ich nicht zu spät zur Schule kommen will, sollte ich mich langsam fertig machen.«
»Nicht, bevor ich ein Foto fürs Familienalbum geschossen habe«, rief Daniel und zückte den Fotoapparat, der schon bereitlag. »Am besten stellst du dich hinter den Geburtstagstisch, zwischen Geschenke und Torte.«
Marie hatte es geahnt. Sie stöhnte auf. Instinktiv wanderte ihre Hand zu ihrer Nase.
»Muss das sein?«
»Natürlich muss das sein. Schließlich wirst du nicht jeden Tag volljährig«, beharrte ihr Vater.
Es war Nathalie, die das Problem erkannte. »Sag bloß, du haderst immer noch mit deiner Nase?« Seit Monaten hatte Marie nicht mehr darüber gesprochen.
»Wirklich?« Spontan schloss Daniel seine Tochter in die Arme. »Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du für mich das schönste Mädchen auf der Welt bist?« Er zwinkerte Nathalie zu. »Neben deiner Mutter natürlich.«
»Das ist lieb von dir, aber du bist leider parteiisch.« Heimlich wischte sich Marie mit dem Handrücken eine Träne aus dem Augenwinkel.
»Sei doch froh, dass du anders aussiehst als all die anderen Mädchen«, schlug sich auch Elias auf die Seite seiner Schwester. »Dein Gesicht ist wenigstens unverwechselbar.«
»Das sagst du nur, weil du Opas Nase nicht geerbt hast.«
