Chefarzt Dr. Holl 2001 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 2001 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Eigentlich ist Dr. Stefan Holl nach seinem Herzinfarkt auf dem Weg der Besserung, als es zu einem neuerlichen Notfall kommt. Er muss ins Koma versetzt werden. Es besteht Verdacht auf eine Hirnblutung infolge seines Sturzes.
Es folgen Tage der Ungewissheit. Das Leben des Chefarztes hängt an einem seidenen Faden. Noch weiß niemand, ob er bleibende Schäden davontragen wird. Ehefrau Julia und die Familie wachen rund um die Uhr am Krankenbett, und schließlich kommt der Tag, an dem die Ärzte der Berling-Klinik es wagen. Sie wollen Stefan Holl aus dem künstlichen Tiefschlaf holen.
Die Narkosemittel werden langsam reduziert. Gespannt warten alle auf erste Reaktionen des Patienten. Doch die bleiben aus. Eine fürchterliche Ahnung macht sich breit ...

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Dramatische Tage in der Berling-Klinik

Vorschau

Impressum

Dramatische Tage in der Berling-Klinik

Die besten Ärzte kämpfen um Dr. Holls Leben

Von Mona Marquardt

Eigentlich ist Dr. Stefan Holl nach seinem Herzinfarkt auf dem Weg der Besserung, als es zu einem neuerlichen Notfall kommt. Er muss ins Koma versetzt werden. Es besteht Verdacht auf eine Hirnblutung infolge seines Sturzes.

Es folgen Tage der Ungewissheit. Das Leben des Chefarztes hängt an einem seidenen Faden. Noch weiß niemand, ob er bleibende Schäden davontragen wird. Ehefrau Julia und die Familie wachen rund um die Uhr am Krankenbett, und schließlich kommt der Tag, an dem die Ärzte der Berling-Klinik es wagen. Sie wollen Stefan Holl aus dem künstlichen Tiefschlaf holen.

Die Narkosemittel werden langsam reduziert. Gespannt warten alle auf erste Reaktionen des Patienten. Doch die bleiben aus. Eine fürchterliche Ahnung macht sich breit ...

Ein Alarm zerriss die Luft. Der markerschütternde Ton wehte hinaus auf den Flur der Intensivstation. Mitten in der Bewegung hielt die junge Lernschwester Rania inne und lauschte. Kam der Lärm etwa aus Dr. Holls Zimmer? Einen Augenblick lang war sie wie gelähmt.

Rania arbeitete erst seit ein paar Monaten in der Berling-Klinik. Doch schon jetzt wusste sie, welchen Glückstreffer sie mit ihrer Wahl getroffen hatte. Die Bewertungen im Internet waren nicht gelogen. Die Arbeitsatmosphäre war kollegial und angenehm. Mit seiner Fürsorge und seinem stets offenen Ohr wurde der Klinikleiter seinem Ruf mehr als gerecht. Nicht auszudenken, was aus der Klinik werden sollte, wenn Dr. Holl etwas zustieß.

Ein Rempler an der Schulter brachte die Lernschwester zur Besinnung.

»Das ist der Chef. Irgendetwas muss passiert sein. Komm schon!«, rief Schwester Ivana und zog die junge Kollegin mit sich.

Gemeinsam eilten sie an Stefan Holls Bett.

Der Anblick des Klinikleiters versetzte Schwester Rania den zweiten Schock des Tages. Sein Kopf war auf die Seite gefallen, der Mund stand ein Stück offen. Aber noch schlimmer war die Blässe in seinem Gesicht. Er war doch nicht etwa tot?

»Erhöhter Blutdruck, weiter steigend.« Ohne die Überwachungsgeräte aus den Augen zu lassen, drückte Schwester Ivana das Telefon ans Ohr. »Langsamer Herzschlag. Atmung unregelmäßig.« Sie lauschte auf die Anweisungen, die der stellvertretende Leiter der Berling-Klinik am anderen Ende der Leitung gab. »Verstanden.« Sie beendete das Telefonat und gab Rania die Anweisungen von Dr. Falk weiter.

Gleichzeitig beugte sie sich über Stefan Holl.

»Können Sie mich hören, Chef? Bleiben Sie bei uns! Ihr Freund Daniel kommt sofort.«

Schneller als erwartet näherten sich eilige Schritte. Daniel Falk stürmte ins Zimmer. Als erfahrener Arzt war er trainiert darin, seine eigenen Gefühle unter Kontrolle zu haben. Doch Stefan so zu sehen – nein, darauf war er nicht vorbereitet.

Nie zuvor hatte er seinen Freund so hilflos gesehen. Schlagartig wurde Daniel bewusst, dass die gesamte Verantwortung nun auf seinen Schultern lastete. Zentnerschwer wollte sie ihn in die Knie zwingen. Doch Daniel Falk wusste, dass er stark bleiben musste – für seinen Freund Stefan, für die Klinik.

Die kleine Taschenlampe in seiner Hand zitterte.

»Die Pupillen sind weitgestellt und reagieren nicht auf Lichteinfall.«

»Sie denken an eine Hirnblutung?«, vermutete Schwester Ivana sofort.

»Wahrscheinlich. Aber Sicherheit kann uns nur ein CT geben. Bringen Sie den Chef in die Radiologie. Ich informiere inzwischen den Kollegen Pfeffermann. Wahrscheinlich müssen wir operieren.«

Seine Worte hingen noch in der Luft, als er das Zimmer schon wieder verlassen hatte. Schwester Ivana löste die Bremsen des Bettes. Jetzt, wo sie wusste, was zu tun war, fühlte sie sich besser.

»Sag du Doktor Schlüter Bescheid, dass ich unterwegs zu ihm bin. Wir haben keine Zeit zu verlieren«, wies sie ihre junge Kollegin an. »Und dann rufst du bitte Frau Doktor Holl an. Sie muss wissen, was mit ihrem Mann los ist.«

Sichtlich verzweifelt sah Schwester Rania ihrer erfahrenen Kollegin nach. Zum Glück musste sie Frau Dr. Holl nicht das Schlimmste verkünden. Noch hatte der Chef eine Chance, wenn auch nur eine geringe.

Das erkannte auch der Radiologe Dr. Paul Schlüter. Er arbeitete schnell und routiniert. Während der Untersuchung verschlechterte sich der Zustand seines Patienten zusehends.

»Bringen Sie Doktor Holl in den OP. Ich liefere die Aufnahmen so schnell wie möglich nach«, wies er Schwester Ivana an, ehe er zum Hörer griff.

Der Anruf erreichte Dr. Falk im Vorraum des Operationssaals. Dass ihm das Unmögliche gelungen war, gab ihm neuen Mut. Die besten Kolleginnen und Kollegen wuschen sich die Hände, schlüpften in blaue Hemden und Hosen, ließen sich in die Handschuhe helfen. Anders als sonst herrschte angespannte Stille.

Die Türen gingen auf, die Liege mit Dr. Holl darauf wurde hereingeschoben. Die Oberärztin der Anästhesie Dr. Andrea Kellberg begleitete den Chef in den OP, um sofort die Narkose einzuleiten.

Daniel Falk dagegen stand am Computer und studierte die Aufnahmen aus der Radiologie. Der Kollege Schlüter hatte Wort gehalten.

»Wie ich bereits vermutet habe«, teilte Dr. Falk seinen Kollegen mit. »Ein subdurales Hämatom zwischen den Hirnhäuten, vermutlich eine Folge des Sturzes.« Er schüttelte den Kopf. »Wie kann das sein? Direkt nach dem Unfall wurde eine Aufnahme vom Kopf gemacht. Ohne Ergebnis.«

»Nach einem Sturz besteht auch nach Tagen noch die Gefahr einer Hirnblutung«, erwiderte der Neurologe Dr. Pfeffermann.

Daniel Falk warf einen Blick in die Runde.

»Wir werden eine einseitige Hemikraniektomie durchführen.«

Ein Raunen und Murmeln begleitete ihn an den Operationstisch. Marlon Pfeffermann nahm seinen Platz am Kopfende ein. Die beiden Ärzte sahen einander in die Augen und nickten sich zu.

»Ich setze den Bügelschnitt einen Zentimeter über der Stirnhaargrenze.« Marlon Pfeffermann streckte die Hand aus. »Skalpell.« Durch die Handschuhe spürte er die Kühle des Metalls. Anders als sonst konnte ihn dieses Gefühl diesmal nicht beruhigen. Trotzdem zitterte seine Hand nicht, als er die Klinge durch die Haut zog. Ruhig und konzentriert gab er seine Anweisungen, arbeitete sich zügig vorwärts.

»Herzfrequenz steigt«, warnte Dr. Kellermann plötzlich mit Blick auf die Monitore. »Er wird instabil.«

Dr. Pfeffermann sah hoch und dann hinüber zu Daniel Falk. Beide wussten, dass das Ziel noch lange nicht erreicht war. Aber wenn der Chef eine Chance haben sollte, hatten sie keine Wahl.

Der Neurochirurg verstand die stumme Antwort des Kollegen.

»Wir machen weiter«, verkündete er und Dr. Falk atmete tief durch.

***

Das Restaurant Sonnenschein war, wie sein Name erahnen ließ, hell und in heiteren Farben eingerichtet. Der Duft nach frisch gebackenem Brot vermischte sich mit dem süßen Aroma von frisch geschnittenem Gemüse. Lotte Kühnel stand in der Küche am Herd und rührte in der Pfanne, in der Champignons in Knoblauchöl brutzelten.

Kochen war die Leidenschaft der alleinerziehenden Mutter und das einzige Mittel, um sich von ihren quälenden Sorgen abzulenken, die sie überfielen, wann immer sie die Schürze abband.

»Hallo, Mama.«

Lotte drehte sich um und entdeckte ihre Tochter Emilia im Durchgang zwischen Restaurant und Küche.

»Hallo, mein Schatz, wie war's in der Schule?«, fragte sie und wischte sich die Hände an einem Geschirrtuch ab.

»Ganz gut.«

Emmi hielt sich mit ihren Krücken im Gleichgewicht, und Lotte freute sich, dass diese neuen Gehhilfen ihre Balance offenbar deutlich verbesserten.

»Ich bin gleich zurück«, versprach Lotte ihrem Kollegen Vincent und nahm die Champignons vom Herd, umarmte ihre Tochter.

Für ihre sieben Jahre war Emilia zu klein und zart. Kein Wunder angesichts der schweren Krankheit, mit der sie seit über einem Jahr zu kämpfen hatte. Dafür war sie schlau und hatte diese merkwürdige Reife, wie sie bei kranken Kindern häufiger anzutreffen war.

»Die Mathearbeit.« Lotte streichelte Emmi über das weiche Kinderhaar. »Sag mir, dass du es den Textaufgaben gezeigt hast.«

»Die habe ich alle fertig gemacht.« Emilia schenkte ihrer Mutter ein engelsgleiches Lächeln. »Bis auf eine. Da haben deine Zauberkräfte versagt.«

»Ich habe dir schon tausend Mal gesagt, dass meine Magie nicht so weit wirkt.« Lotte trat zu ihrer Tochter. Sie streckte beide Hände aus zum Beweis, dass sie leer waren, zupfte an Emilias rechtem Ohr und hielt plötzlich ein rohes Ei in der Hand.

Auch wenn dieser Trick alt war – langsam, aber sicher gingen Lotte die Ideen aus – lachte und applaudierte Emmi pflichtschuldig.

»Bekomme ich heute Nudeln mit Tomatensauce?«, fragte sie.

»Wie bitte?« In gespielter Entrüstung stemmte Lotte die Hände in die Hüften. »Junge Damen, die sich einer Textaufgabe geschlagen geben, können ja wohl keine Köstlichkeiten aus meiner Küche erwarten.«

Emmi kicherte. »Und als Nachtisch wünsche ich mir Eis mit heißen Himbeeren und ganz viel Sahne obendrauf.«

»Das wird ja immer schöner. Na warte, du Lausemädchen.« Lotte streckte die Hände nach ihrer Tochter aus und kitzelte sie, bedacht darauf, sie nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Emilia lachte, bis ihr die Tränen über die Wangen liefen. Schließlich begleitete Lotte sie an den Tisch in der Ecke, Emmis Stammplatz, wenn ihre Mama arbeiten musste.

Lotte Kühnel hätte ein Königreich dafür gegeben, ihre Tochter immer so fröhlich zu sehen. Doch sie hatte sich geschworen, Emmi trotz ihrer tödlichen Krankheit so lange wie möglich ein ganz normales Leben zu bieten. Alltag, Schule und Mathearbeiten gehörten nun einmal dazu.

»Bis die Nudeln fertig sind, kannst du schon einmal mit den Hausaufgaben anfangen. Danach essen wir zusammen.«

Emilia raschelte mit ihren Heften. Sie nahm ihren Füller aus dem Mäppchen und brütete eine Weile über ihren Aufgaben.

»Darf ich heute bei Lilli übernachten?«, fragte sie irgendwann.

Lotte überlegte nur kurz.

»Wenn ihre Mama einverstanden ist, habe ich nichts dagegen. Aber du musst mir versprechen, dass ihr rechtzeitig schlaft und nicht wieder die halbe Nacht herumalbert.«

Emmis Augen leuchteten auf. »Natürlich nicht«, schwindelte sie. »Frau Keinath kommt später mit dem Auto vorbei, um mich abzuholen.«

»Du Schelm hast ja schon alles organisiert. Und das, ohne mich zu fragen.«

»Ich weiß doch, dass du die beste Mama der Welt bist«, ließ Emilia ihren Charme spielen.

Nicht nur deswegen zog sich Lottes Herz zusammen, sondern auch vor Dankbarkeit über diese freundlichen Menschen wie Lillis Mutter einer war. Das war keine Selbstverständlichkeit, wie sie aus leidvoller Erfahrung wusste. Allzu oft wurde Emmi wegen ihrer Behinderung gemobbt. Doch das war nicht der einzige Grund, warum Lotte mit den Übernachtungsplänen einverstanden war. Am Morgen des nächsten Tages würde Emilia endlich Dr. Holl kennenlernen. Sie wusste nichts davon. Um ihrer Tochter keine falschen Hoffnungen zu machen, hatte Lotte ihr nichts erzählt. Aber sie selbst fieberte seit Wochen auf diesen Termin hin.

»Natürlich darf Lillis Mama dich abholen. Ich rufe sie gleich an«, versprach Lotte und zog das Handy aus der Schürzentasche.

***

Im Zimmer war es still. Nur das rhythmische Piepen der Überwachungsgeräte, das leise Schnaufen des Beatmungsgeräts durchbrachen die Stille.

»Ist Stefan bewusstlos?«, fragte Walter Berling mit bangem Herzen.

Als seine Tochter ihm vom Zusammenbruch seines Schwiegersohnes erzählt hatte, war er sofort in die Klinik geeilt. Dort stand er nun alleine an Stefans Bett. Julia war bei Daniel Falk, um sich nach dem Verlauf der Operation und der Prognose zu erkundigen.

»Der Chef wurde in ein künstliches Koma versetzt, damit sein Körper alle Kraft für die Genesung aufwenden kann«, erklärte Schwester Rania schüchtern. Der Senior-Chef der Klinik war eine beeindruckende Erscheinung. Sie wollte den allerbesten Eindruck machen. »Niemand weiß so genau, was Menschen im Koma von der Außenwelt mitbekommen. Aber bestimmt tut es ihm gut, wenn Sie mit ihm sprechen. Es ist durchaus möglich, dass Doktor Holl Ihre Stimme erkennt und sich getröstet fühlt.«

»Wohl kaum, wenn er hört, was ich ihm zu sagen habe«, knurrte Walter Berling, um seine Sorgen zu verbergen. Er zwinkerte Schwester Rania zu und zog sich einen Stuhl ans Bett.

Leise fiel die Tür ins Schloss.

»Das war natürlich nur ein Scherz«, sagte er mit rauer Stimme. »Obwohl ich gute Lust hätte, dir die Leviten zu lesen, wie du es damals bei mir getan hast.« Er räusperte sich. »Ohne dich und deine Mahnungen hätte ich die beiden Herzinfarkte vermutlich nicht überlebt. Trotzdem hast du dieselben Fehler gemacht wie ich.« Walter Berling seufzte aus tiefstem Herzen. »Bei anderen ist man wohl immer schlauer.«

Stefan reagierte nicht, und Walter fiel es schwer, weiterzusprechen. Seine Worte fühlten sich an wie ein Selbstgespräch. Solche Anwandlungen waren ihm bislang fremd gewesen. Dabei kannte er die Studien, die besagten, dass solche Gespräche durchaus motivieren und Mut machen konnten. Versucht hatte er es trotzdem nie.

»Aber darüber reden wir lieber, wenn du wieder bei uns bist«, fuhr er schließlich fort. »Im Moment sollte ich dir lieber etwas Positives erzählen, schätze ich.« Professor Berling runzelte die Stirn und dachte kurz nach. »Auf dem Weg zu dir bin ich Schwester Margot über den Weg gelaufen. Stell dir vor, unsere Giftspritze scheint tatsächlich einen weichen Kern zu haben. Sie schien sehr besorgt und lässt dir ihre herzlichsten Genesungswünsche überbringen. Wie alle anderen natürlich auch.«

Nun musste Walter Berling doch lächeln.

»Ganz besonders grüßen soll ich dich von der neuen Pharmareferentin, dieser Lea ... Lea ... ach, jetzt habe ich ihren Nachnamen vergessen. Ich war zufällig in deinem Büro, als Moni Wolfram ihr sagte, dass du den Termin heute leider nicht wahrnehmen kannst. Du hättest ihr Gesicht sehen sollen.« Walter beugte sich ein Stück nach vorne und senkte seine Stimme. »Du hast mir noch gar nicht erzählt, dass sie dir Avancen macht. Aber keine Angst, ich werde Julia nichts verraten. Nicht, dass sie sich Sorgen macht.«

»Du meinst wohl Lea Kranz«, sagte eine weibliche Stimme hinter ihm.

Walter Berling fuhr herum. Entgeistert starrte er Julia an, die unbemerkt ins Zimmer gekommen war.

»Julia, ich wusste nicht ...«

»Aber ich.« Trotz ihrer Sorgen musste sie lächeln. »Stefan hat mir erst vor ein paar Tagen von dieser Dame erzählt. Sie ruft ihn ständig an und bittet ihn um Treffen.«

»Und du bist nicht eifersüchtig?«

Julia schüttelte den Kopf und zog sich einen Stuhl auf die andere Seite des Krankenbettes.

»Stefan und ich wissen sehr genau, was wir aneinander haben.« Ihre Stimme zitterte. »Dass unsere Liebe ein großes Geschenk ist, das man kein zweites Mal im Leben bekommt.« Julias Blick wanderte hinüber zu ihrem Mann, der noch immer mit geschlossenen Augen im Bett lag. Auch ohne den Kopfverband hätte Stefan schon erschreckend genug ausgesehen. Mit diesem Kopfschmuck war sein Anblick kaum zu ertragen. Aber was noch schlimmer war: Nicht die kleinste Reaktion ließ erkennen, ob und wie viel er von seiner Umgebung mitbekam.

Und da war es wieder! Dieses schreckliche Gefühl der Machtlosigkeit, das Julia in den vergangenen Stunden immer wieder aufs Neue überwältigen wollte.

»Nein, ich fürchte die Konkurrenz einer anderen Frau nicht«, fuhr sie mit tränenerstickter Stimme fort. »Ich fürchte einen anderen Feind. Doch so sehr ich auch kämpfe, so wenig liegt es in meiner Macht, Stefan zu beschützen. Ich kann ihm einfach nicht helfen.«

Sie konnte nicht weitersprechen. Ihre Stimme ertrank in einer Flut von Tränen, und Walter Berling konnte nichts anderes tun, als seine verzweifelte Tochter in den Armen zu wiegen, wie er es früher immer getan hatte.

***