Chefarzt Dr. Holl 2000 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 2000 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Dr. Stefan Holls Jugendfreund Edgar lebt seit vielen Jahren in Amerika. Bei einem Besuch in München stolpert er - und zieht sich einen Halswirbelbruch zu. Eine sehr schwere Verletzung nach einem vergleichsweise harmlosen Sturz. Steckt mehr dahinter? Gibt es einen Grund, warum Edgars Knochen so porös sind?
Dr. Holl brütet über dem kniffligen Fall und hat bald einen schlimmen Verdacht. Er zieht sich mit Edgars Frau Janet ins Sprechzimmer zurück, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Sekunden später schwingt die Tür wieder auf, und es wird laut um Hilfe geschrien. Im Sprechzimmer ist es zu einem Notfall gekommen. Es ist Dr. Holl, der plötzlich in akuter Lebensgefahr schwebt ...

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Notfall im Sprechzimmer

Vorschau

Impressum

Notfall im Sprechzimmer

Mitten im Patientengespräch bricht der Chefarzt zusammen

Von Mona Marquardt

Dr. Stefan Holls Jugendfreund Edgar lebt seit vielen Jahren in Amerika. Bei einem Besuch in München stolpert er – und zieht sich einen Halswirbelbruch zu. Eine sehr schwere Verletzung nach einem vergleichsweise harmlosen Sturz. Steckt mehr dahinter? Gibt es einen Grund, warum Edgars Knochen so porös sind?

Dr. Holl brütet über dem kniffligen Fall und hat bald einen schlimmen Verdacht. Er zieht sich mit Edgars Frau Janet ins Sprechzimmer zurück, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Sekunden später schwingt die Tür wieder auf, und es wird laut um Hilfe geschrien. Im Sprechzimmer ist es zu einem Notfall gekommen. Es ist Dr. Holl, der plötzlich in akuter Lebensgefahr schwebt ...

Früher als sonst verabschiedete sich Dr. Stefan Holl an diesem Freitagnachmittag von seiner Sekretärin. Im ersten Moment war Moni Wolfram überrascht. Dann lächelte sie.

»Gut, dass Sie sich mal ein bisschen Ruhe gönnen«, lobte sie ihren Chef.

»Wie kommen Sie darauf?«

»In letzter Zeit wirken Sie ziemlich angespannt.«

Der Klinikleiter runzelte die Stirn.

»War ich ungeduldig?«

»Nein, nein, keine Sorge«, versicherte Moni schnell. »Ein Außenstehender hat sicher nichts bemerkt. Aber ich kenne Sie inzwischen einfach sehr gut.«

Außerdem hatte sie Augen im Kopf. Dr. Holls Blässe, die dunklen Ringe unter seinen Augen waren nicht länger zu übersehen. Aber war das ein Wunder angesichts der vielen Aufgaben, die er tagtäglich zu bewältigen hatte?

Erst an diesem Morgen war wieder einmal ein Vertreter der lokalen Presse für ein Interview dagewesen und hatte um eine Einschätzung bezüglich der geplanten Veränderungen in der Notaufnahme gebeten. Danach hatte sich Dr. Holl um die Probleme zweier niedergelassener Allgemeinärzte gekümmert, für die er als übergeordnete Kontaktperson fungierte. Nach der Sprechstunde für seine Patienten war er am Nachmittag in den Operationssaal geeilt, um auch dort sein Bestes für die Menschen zu geben, die ihre Gesundheit in seine Hände legten.

Wenn Stefan Holl zu sich selbst und seiner Sekretärin ehrlich gewesen wäre, hätte er längst zugeben müssen, dass er sich schon seit einer ganzen Weile nicht mehr wohlfühlte. Aber in dieser Hinsicht unterschied sich Dr. Holl nicht von vielen anderen Kollegen: Wenn es um die eigene Gesundheit ging, sah sich so mancher »Halbgott in Weiß« mit der eigenen Hilflosigkeit und Angst konfrontiert. Also überging er die Atemnot, verdrängte die latente Übelkeit, den immer wiederkehrenden Druckschmerz in der Brust und nutzte im Übrigen die knappe Freizeit zu Hause, um wieder zu Kräften zu kommen.

Aber was war das? Schon auf dem Weg zur Haustür wehten ihm aufgeregte Stimmen durch das gekippte Küchenfenster entgegen.

»Chris! Juju! Kommt bitte her und helft mir«, rief Cäcilie, die Haushälterin der Familie Holl, während sie eine große Schüssel Mehl aus der Vorratskammer holte.

Der fünfzehnjährige Sohn der Familie steckte den Kopf in die Küche.

»Was müssen wir denn noch machen?«

»Alles, was noch nicht erledigt ist«, lautete die Antwort. »Das Haus muss von oben bis unten glänzen. Außerdem brauchen wir genügend Leckereien für unsere Gäste.«

Stefan Holl ließ den Schlüssel auf die Kommode im Flur fallen. Ja, richtig! Der Besuch aus Amerika. Den hatte er völlig vergessen.

Obwohl er sich auf seinen Jugendfreund Edgar Sonnsteyn und seine junge Frau Janet freute, wurde ihm die Kehle eng. Er sehnte sich so sehr nach Ruhe. Doch daraus würde zumindest an diesem Samstag nichts werden.

Eine Kinderstimme riss ihn aus seinen Gedanken.

»Papa, Papa, du bist ja schon daheim.«

Stefan fühlte, wie sich zwei Arme um seine Mitte schlangen. Eine weiche Kinderwange schmiegte sich an seine Brust.

Er holte Luft. Endlich ließ die Enge nach.

»Hallo, mein Schatz.« Stefan drückte seiner elfjährigen Tochter einen Kuss aufs Haar. »Edgar ist mein Jugendfreund. Da ist es doch nur recht und billig, dass ich bei den Vorbereitungen helfe.«

»Backen musst du schon mal nicht«, versicherte Juju. »Cäcilie und ich machen Apfelstrudel und einen Gugelhupf mit Rosinen.«

»Schließlich sollen unsere Gäste sehen, dass wir hier in Bayern wissen, wie man Gäste bewirtet«, tönte Cäcilie aus dem Hintergrund.

»Ich bin sicher, dass sie begeistert sein werden«, versicherte Stefan.

Angelockt von den Stimmen war Julia Holl aus dem oberen Stockwerk gekommen und gesellte sich zu ihren Lieben. Sie strich sich eine blonde Strähne aus der heißen Stirn. Ihre Wangen leuchteten mit ihren Augen um die Wette.

»Das ist so aufregend«, schwärmte sie. »Ich bin schon gespannt, was die beiden von ihrem Leben in Amerika erzählen werden.«

Stefan wollte antworten, als Chris mit einem Stapel Zeitschriften in der einen und einem Korb Wolle in der anderen Hand im Flur erschien.

»Mama, wo sollen die Sachen hin?«

Julia überlegte kurz. »Bring sie bitte ins Arbeitszimmer. Und vergiss nicht, die Kissen auf dem Sofa aufzuschütteln.«

»Wird gemacht!«, rief Chris über die Schulter und war schon wieder unterwegs.

Stefan warf einen Blick ins Wohnzimmer. »Hier sieht es aus wie in einem Musterhaus aus einer Wohnzeitschrift.«

»Findest du?« Julias kritischer Blick wanderte durch den Raum und blieb an einer Vase hängen. »Leider ist es schon zu kühl, um draußen zu sitzen. Deshalb habe ich ein paar von den Dahlien aus dem Garten geholt.«

»Wunderschön.« Versonnen betrachtete Stefan die bunte Pracht. Seine Gedanken gingen auf Wanderschaft. »Es ist eine halbe Ewigkeit her, dass ich Edgar zuletzt getroffen habe. Ob er sich sehr verändert hat?«

»Seine junge Frau Janet kennen wir noch gar nicht«, fügte Julia hinzu. »Ich hoffe sehr, sie fühlt sich wohl bei uns. Du weißt ja, der erste Eindruck ist entscheidend.«

Stefan zog seine Frau an sich und schloss sie in die Arme.

»Wenn sie zuerst dich sieht, haben wir schon gewonnen.«

***

Mitten in der Nacht schreckte Stefan Holl hoch. Mit weit aufgerissenen Augen saß er kerzengerade im Bett und starrte in die Dunkelheit, undurchdringlich wie die Stille im Haus.

Was hatte ihn geweckt? Er spürte in sich hinein. An der leichten Übelkeit konnte es nicht liegen. Die trug er seit ein paar Tagen mit sich herum und hatte sich inzwischen fast daran gewöhnt. Im Augenblick war sie sogar erträglich, genauso wie das Druckgefühl im Oberbauch. Wahrscheinlich war es ein Fehler gewesen, nach dem Abendessen noch von Cäcilies Plätzchen zu kosten, die sie auch noch gebacken hatte.

Stefan sank zurück ins Kissen und lauschte auf die tiefen Atemzüge seiner Frau. Im Schlaf suchte sie nach ihm, ihre Hand legte sich auf seine. Danach bewegte sich Julia nicht mehr.

Eine gefühlte Ewigkeit lag Stefan da und versuchte wieder einzuschlafen. Vergeblich! In der Dunkelheit machten sich seine Gedanken selbstständig. Ohne dass er es verhindern konnte, kam ihm das Programm der kommenden Tage in den Sinn. Nach Edgars und Janets Besuch wollte er am Samstagabend auf einen Sprung in der Klinik vorbeischauen, um nach einem Sorgenpatienten zu sehen. Am Sonntag musste er dringend die Quittungen aus dem letzten Jahr zusammensuchen, damit Julia endlich die Unterlagen beim Steuerberater abgeben konnte. Einmal war die Abgabefrist für die Steuererklärung schon verlängert worden, und er wollte diese lästige Angelegenheit endlich vom Tisch haben.

Ein Glück, dass er sich nicht auch noch um Einkaufslisten, unbezahlte Rechnungen, die Planung der Mahlzeiten und im Haus erforderliche Reparaturen kümmern musste. All diese Aufgaben nahmen ihm seine Frau Julia, die Haushälterin Cäcilie und ihre junge Helferin Theres ab. Trotzdem saß ein Alb auf seiner Brust und machte ihm das Atmen schwer.

Es musste an dem Stress in der Klinik liegen. Am immerwährenden Kampf um das Überleben, die Genesung seiner Patienten. An der Auseinandersetzung mit widerspenstigen Mitarbeitern, an Lieferengpässen bei dringend benötigten Medikamenten. Aber war das auch wirklich die ganze Wahrheit?

Stefan Holl musste an einen fünfundzwanzigjährigen Patienten denken, dem er vor ein paar Tagen eine Krebsdiagnose hatte überbringen müssen. Er dachte an die junge Mutter, die bei der Geburt ihres ersten Kindes einen Schlaganfall erlitten hatte. An den Familienvater, der nach einem unverschuldeten Unfall auf der Intensivstation mit dem Tod rang.

»Es kann jeden von uns treffen«, hatte Stefans bester Freund und Stellvertreter Dr. Daniel Falk festgestellt. »Von einer Minute auf die andere kann unser Glück vorbei sein.«

Diese Wahrheit war nicht neu. Und doch traf sie Stefan in dieser Nacht wieder einmal mit voller Wucht. Der Schleier zerriss. Mit plötzlicher Klarheit erkannte er, wie zerbrechlich auch sein eigenes Glück war. Seine Familie und auch er selbst waren nicht vor Krankheit und Unglück gefeit. Natürlich nicht!

Wieder einmal wurde ihm seine Verantwortung für Julia und die Kinder bewusst. Schon wegen seiner Familie musste er alles dafür tun, um gesund zu bleiben.

In diesem Augenblick traf Stefan eine Entscheidung.

»Wochenende hin oder her. Gleich morgen hole ich mir noch einmal einen Termin bei Daniel. Diesmal lasse ich mich wirklich gründlich durchchecken«, flüsterte er in die Dunkelheit.

Die Bettdecke neben ihm raschelte.

»Alles in Ordnung, mein Schatz?«, murmelte eine verschlafene Stimme. »Hast du schlecht geträumt?«

»Es ist alles gut. Schlaf weiter, Liebes.« Stefan beugte sich über seine Frau und küsste ihre weichen Lippen.

Julia rutschte dicht zu ihm, ganz so, als wüsste sie von seinen Ängsten. Kurz darauf verriet ihr gleichmäßiger Atem, dass sie wieder eingeschlafen war.

Stefan spürte die Wärme ihres Körpers und schloss die Augen. Gab es einen besseren Schutz gegen die Gespenster der Nacht? Und tatsächlich: Selbst nach so vielen gemeinsamen Jahren hatte Julias Magie nichts von ihrer Kraft verloren. Schmerzen und Sorgen verblassten, und kurz darauf schlief auch Stefan wieder tief und fest.

***

Im Hause Holl herrschte gespannte Aufregung. Die Kaffeetafel war festlich geschmückt. Nach alter Sitte hatte Cäcilie das gute Porzellan aufgedeckt. Der Duft von frisch gekochtem Kaffee erfüllte die Luft.

Seit einer geschlagenen Stunde hüpfte Juju am Küchenfenster auf und ab.

»Wann kommen sie denn endlich?«

Julia lachte und sah auf die Uhr. Sie erinnerte sich noch gut daran, wie es ihr selbst als Kind ergangen war, wenn Besuch erwartet wurde.

»Die beiden müssten jeden Augenblick hier sein«, versprach sie.

»Hoffentlich nicht!« Cäcilie wirbelte an Julia vorbei in die Küche. »Hast du an die Sahne gedacht?«, fragte sie Theres. »Und die Servietten?«

»Natürlich. Alles ist bereit. Aber ich werde noch einmal nachsehen, ob auch wirklich nichts fehlt.«

Stefan folgte Theres ins Esszimmer.

»Das habt ihr wunderbar gemacht«, lobte er. »Unsere Gäste werden begeistert sein.«

Er hatte kaum ausgesprochen, als Jujus Stimme durchs Haus hallte.

»Sie kommen, sie kommen! Und sie sehen ganz anders aus, als ich gedacht habe.«

Chris lachte auf. »Dachtest du, sie kommen mit Cowboyhut und weißen Chaps auf einem Rappen angeritten?«, neckte er seine kleine Schwester.

Doch Juju war längst an ihm vorbei zur Tür gesaust. Auf den letzten Metern verließ sie jedoch der Mut, und sie ließ ihrem Vater den Vortritt.

Die beiden Männer fielen sich in die Arme.

»Wie gut, dich nach all den Jahren wiederzusehen, my friend.« Edgar schob Stefan ein Stück von sich. »Immer noch ganz der Alte.«

»Immer noch derselbe Schmeichler.«

Edgar grinste breit.

»Falls es dich tröstet: Auch an mir sind die Jahre nicht spurlos vorbeigegangen«, gestand Edgar. »Ich wundere mich noch immer, wie es mir gelungen ist, Janet von mir zu überzeugen.« Er legte den Arm um die Schultern seiner jungen Frau, die neben ihn getreten war.

»Es lag an deinem Geld, das weißt du doch«, scherzte sie und beide lachten.

Ein kühler Windhauch fuhr durch den Baum im Vorgarten und ließ die Blätter rascheln.

»Schnell herein mit euch.« Julia winkte ihre Gäste mit sich. »Die warmen Tage scheinen leider vorbei zu sein. Deshalb haben wir im Wohnzimmer gedeckt.«

Beim Anblick der hübschen Tafel schlug Janet die Hände zusammen.

»How lovely! Wie wunderschön! Ihr hättet euch nicht so viel Mühe machen sollen.«

»Wir wollen, dass ihr euch wie zu Hause fühlt«, versicherte Stefan und setzte sich mit an den Tisch.

»Wenn ein schön gedeckter Tisch und gutes Essen dazugehören, muss ich wohl oder übel hierbleiben.« Beim Anblick von Apfelstrudel mit Vanillesauce und Gugelhupf glänzten Edgars Augen. »Janet ist eine lausige Hausfrau und eine noch schlechtere Köchin.«

Vor Schreck hielten Chris und Juju die Luft an. Was für eine Beleidigung! Aber Janet winkte nur lächelnd ab.

»Und backen kann ich auch nicht. Mit meinem letzten Kuchen hätte ich meinen Edgar um ein Haar vergiftet. Nicht wahr, Darling?« Sie schickte ihm einen Luftkuss.

»Zum Glück bin ich robust.« Edgar stach ein Stück von der Torte ab und schob die Gabel in den Mund. »Oh my god, das schmeckt himmlisch. Wie der Kuchen, den Susi mir zum fünfzehnten Geburtstag gebacken und in die Schule mitgebracht hat. Die halbe Klasse hat während des Unterrichts heimlich davon genascht, bis der Lehrer uns erwischt hat.«

»Stimmt.« Auch Stefan erinnerte sich. »Überhaupt deine Geburtstage. Die waren immer etwas Besonderes.«

Edgar verschluckte sich vor Lachen an ein paar Kuchenbröseln und trank einen Schluck Kaffee.

»Nicht nur meine Geburtstage. Wir zwei waren einfach ein tolles Team.« Seine Augen glitzerten. »Weißt du noch, wie wir eines Morgens vor Schulbeginn heimlich die Tafel mit Öl eingerieben haben? Damals gab es noch diese Kreidetafeln und nicht diese modernen, computergesteuerten Dinger.«

Juju und Chris sahen sich mit großen Augen an. Diese Geschichte kannten sie noch gar nicht.

Ihr Vater zwinkerte belustigt.

»Wie könnte ich das je vergessen? Damals waren wir acht oder neun Jahre alt und wollten unbedingt wissen, ob das funktioniert, was wir in einem Comic-Heftchen gelesen hatten.«

Juju hielt den Atem an.

»Was ist dann passiert?«

»Tatsächlich konnte Frau Pecher keinen einzigen Buchstaben an die Tafel schreiben«, erzählte Edgar weiter. »Sie hat jede einzelne Kreide ausprobiert, vergeblich.«

Stefan nickte. »Am Ende hat sie sogar gedacht, dass die Tafel verhext ist.« Im Nachhinein tat ihm die alte Lehrerin natürlich leid. Aber damals war es ein Heidenspaß gewesen.

»Und dann?« Chris war gespannt wie ein Flitzebogen.

»Als wir fast geplatzt sind vor unterdrücktem Lachen, waren wir entlarvt«, gestand Edgar grinsend. »Als Strafe mussten wir in stundenlanger Arbeit das Öl von der Tafel schrubben.«

»Obendrein hatten wir für den Rest des Monats Tafeldienst«, ergänzte Stefan. »Das bedeutete, jeden Tag nach Schulschluss länger dazubleiben.«

»Habt ihr oft anderen Streiche gespielt?«, wollte Juju wissen.

Sehr zum Vergnügen der Kinder berichteten Edgar und Stefan von Klingelputzen und Zahnpasta unter Türklinken, ehe das Gespräch zu anderen Themen wanderte.

Wie im Flug verging die Zeit. Die Sonnenstrahlen fielen schräg ins Zimmer und verschwanden schließlich ganz. Cäcilie brachte Kartoffelsalat und Brezen. Irgendwann stand Julia auf, um die Stehlampe in der Ecke einzuschalten und Kerzen anzuzünden. Auf dem Hausdach gegenüber stimmte eine Amsel ihr Abendlied an. Nach und nach verstummten die Stimmen im Wohnzimmer, wohlige Mattheit machte sich breit.

»Es ist wunderbar, hier zu sein und die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen«, seufzte Edgar.

Janet nahm seine Hand. »Und es ist faszinierend zu erfahren, wie viel Unsinn ihr als Kinder angestellt habt. Das beweist wieder einmal, dass selbst die klügsten Männer Kindsköpfe waren.«

Julia lachte. »Eine beruhigende Erkenntnis«, stimmte sie ihrer neuen Freundin von ganzem Herzen zu.

***