Chefarzt Dr. Holl 2035 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 2035 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Stella Nowak durchlebt turbulente Tage: Zunächst wird sie quasi über Nacht zur Chefredakteurin des Lifestyle-Magazins, für das sie arbeitet, befördert, dann erfährt sie, dass ihr Freund Leander sie betrogen hat. Zum Glück sind Freunde da, die sie auf andere Gedanken bringen wollen. Sie nehmen Stella mit in eine Bar. Die Gruppe nimmt in einem Hinterzimmer Platz. Eine Shisha wird herumgereicht. Der süße Rauch aus der Wasserpfeife erfüllt die Luft. Erst lacht Stella noch, ihr fällt nicht auf, wie schlecht das Zimmer belüftet ist. Dann wird ihr plötzlich schwindlig, die Luft scheint dicker zu werden, ihr Blick verschwimmt. Da begreift sie, dass sie einen Fehler gemacht hat - einen, der ihr Leben von Grund auf verändern wird ...

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Süßer Rauch

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

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Süßer Rauch

Ein Shisha-Abend mit Freunden endet in der Notaufnahme

Von Mona Marquardt

Stella Nowak durchlebt turbulente Tage: Zunächst wird sie quasi über Nacht zur Chefredakteurin des Lifestyle-Magazins, für das sie arbeitet, befördert, dann erfährt sie, dass ihr Freund Leander sie betrogen hat. Zum Glück sind Freunde da, die sie auf andere Gedanken bringen wollen.

Sie nehmen Stella mit in eine Bar. Die Gruppe nimmt in einem Hinterzimmer Platz. Eine Shisha wird herumgereicht. Der süße Rauch aus der Wasserpfeife erfüllt die Luft. Erst lacht Stella noch, ihr fällt nicht auf, wie schlecht das Zimmer belüftet ist.

Dann wird ihr plötzlich schwindlig, die Luft scheint dicker zu werden, ihr Blick verschwimmt. Da begreift sie, dass sie einen Fehler gemacht hat – einen, der ihr Leben von Grund auf verändern wird ...

Beim Anblick der Menschenmenge, die sich vor dem schicken Hotel in der Münchner Innenstadt versammelt hatte, bekam Stella Nowak es mit der Angst zu tun. Mit diesem Ansturm auf die Preisverleihung ihres Verlags hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Und schon gar nicht damit, dass vor dem Hotel nicht nur Besucher und Fans, sondern auch eine ganze Armada Fotografen warteten.

Ängstlich lauschte Stella auf ihr Herz. Schlug es brav weiter, ohne ins Stolpern zu geraten?

Seit einer viralen Herzmuskelentzündung in der Kindheit war Stellas Herz ihr Sorgenkind. Sie hatte zwar keine Einschränkungen mehr, eingebrannt hatte sich dieses traumatische Erlebnis aber trotzdem.

Doch im Augenblick hatte sie mit anderen Problemen zu kämpfen.

Unerfahren, wie sie war, hatte sie geplant, die schwindelerregend hohen Stiefel erst in einer dunklen Ecke der Lobby anzuziehen, um auf dem Weg vom Taxi zum Hotel nicht im Schneematsch auszurutschen und sich zum Gespött aller Gäste zu machen.

Doch als sich in diesem Augenblick die Linsen der Kameras auf ihren Wagen richteten, wurde ihr klar, dass ihr Plan nicht aufgehen würde.

»Einen Augenblick noch«, bat sie den Fahrer, der schon mit den Augen rollte. Im Rückspiegel beobachtete er die lange Schlange, die sich hinter ihm am Straßenrand gebildet hatte.

Stella wühlte in dem großen Shopper, den ihr Aimée aus der Moderedaktion zusammen mit den hohen Stiefeln geliehen hatte. Sie schlüpfte hinein und zog den Reißverschluss hoch. Die gemütlichen Boots steckte sie mit einem wehmütigen Seufzen in den Shopper.

Ein paar Sekunden später stieß Stella die elfenbeinfarbene Tür auf, holte tief Luft und setzte ein Lächeln auf. Im Handumdrehen war sie von einer lärmenden Menge umringt. Zumindest dachte sie das. Erst auf den zweiten Blick bemerkte sie die bekannte Sängerin, die aus dem Taxi hinter ihr ausgestiegen war. Im Blitzlichtgewitter schritt sie durch die Menge, die sich vor ihr öffnete wie das Meer vor Moses.

Stella wartete, bis die Luft rein war, und stöckelte hinterher. Drinnen hielt sie Ausschau nach der Garderobe. Es herrschte ein Summen und Brummen wie in einem Bienenstock. Stella rümpfte die Nase. Der Geruch erinnerte sie an die Parfumabteilung eines Kaufhauses.

Die Garderobenfrau nahm ihr den Shopper und den Wintermantel ab. Nach einem Abstecher auf die Toilette machte sich Stella auf den Weg in den Festsaal. Auf der Suche nach einem vertrauten Gesicht hielt sie Ausschau nach Aimée, Tamara oder Robin. Wie schade, dass sie keine Zeit gehabt hatte, sich für die Preisverleihung ihres Magazins eine Begleitung zu organisieren. Ihr Freund Leander wäre sicherlich begeistert gewesen.

Vor einer Fotowand posierten kichernde Jungstars, die erfolgreich ihre ersten Schritte auf den großen Bühnen Deutschlands gemacht hatten.

»Liebes, da bist du ja endlich.«

Als Stella sich umdrehte, stand die Moderedakteurin Shirin vor ihr. Entsprechend des Anlasses trug sie einen glitzernden Minirock zu einer Kunstlederjacke. Die langen, schwarzen Haare hatte sie von einer Kollegin zu Zöpfen flechten und auf dem Kopf zu einem kunstvollen Gebilde auftürmen lassen.

»Wenn ich nicht wüsste, dass du es bist, könnte man dich glatt mit einer unserer Preisträgerinnen verwechseln«, lobte Stella. Auf einmal kam sie sich regelrecht altbacken vor in ihrem kleinen Schwarzen, das für Notfälle wie diesen immer im Büro hing.

»Danke, du Süße. Dein Kleid ist auch ...«, Shirin taxierte ihre Kollegin von oben bis unten, »nett.« Sie garnierte ihr zweifelhaftes Kompliment mit einem strahlenden Lächeln. »Und? Bist du bereit für deinen ersten großen Auftritt auf unserer Preisverleihung?«

»Ehrlich gesagt bin ich ziemlich nervös.« Stella ließ den Blick durch den Saal schweifen. »Schließlich hatte ich nicht damit gerechnet.«

Ausgerechnet an diesem Morgen hatten die Wehen bei Stellas Chefin Camilla eingesetzt. Von einer Sekunde auf die andere war Stella zur Chefredakteurin avanciert. Ziemlich wenig Zeit, um sich auf eine Laudatio vorzubereiten.

Überall tummelten sich Stars und Sternchen und solche, die es noch werden wollten. Umarmungen wurden ausgetauscht, Freudenschreie wehten an die Decke, als wären alle die allerbesten Freunde.

»Das wird schon«, tröstete Shirin ihre Kollegin. Sie hatte ein bekanntes Gesicht entdeckt und winkte. »Tut mir leid, ich muss los. Und keine Sorge, du schaffst das schon.« Sie hauchte Stella einen Kuss auf die Wange und stürzte davon.

Mit einem gequietschten »Mäuschen!« fiel sie einer grell geschminkten Frau um den Hals.

Stella nahm ein Glas Prosecco vom Tablett und trank einen großen Schluck in der Hoffnung, dass Shirins Wunsch in Erfüllung ging. In einer Stunde würde sie mehr wissen.

***

»Bitte, Cäcilie. Nur ein einziges Mal! Ich verspreche dir auch, dass ich den Rest des Winters jeden Tag mindestens zwei Stunden draußen spiele«, bettelte Juju, die elfjährige Tochter der Familie Holl. Wenn Julia nicht zu Hause war, hatte die Haushälterin das Kommando.

»Schneeschaufeln wäre eine bessere Idee.« Cäcilies Miene war ernst, doch ihre Augen lachten.

»Gar kein Problem. Und wenn die Show vorbei ist, helfen wir Ihnen auch bei der Hausarbeit. Wir könnten die Wäsche zusammenlegen oder staubsaugen«, versprach Lara, die Freundin von Jujus Bruder.

An diesem Nachmittag war Chris beim Handball-Training, und das war auch gut so.

»Was sagen denn deine Eltern dazu, wenn du am helllichten Tag vor der Flimmerkiste sitzt?«, wollte Cäcilie wissen.

»Mama und Papa sind beide arbeiten und würden das gar nicht mitbekommen.«

Juju grinste spitzbübisch. »Du musst stolz sein auf mich, dass wir nicht heimlich bei Lara schauen.«

Wohl oder übel musste die Haushälterin lachen. »Das muss in der Tat belohnt werden. Wie lange dauert diese Show denn?«

»Bestimmt zwei oder drei Stunden. Aber wir wollen eh nur wissen, wer den Preis als beste Nachwuchssängerin bekommt«, versicherte Juju diplomatisch.

»Und vielleicht die Rede und das Siegerlied hören«, ergänzte Lara.

Nachdenklich betrachtete Cäcilie den frisch gebackenen Biskuitteig. »Ihr bekommt eine halbe Stunde. Aber keine Minute länger.«

Ihre letzten Worte gingen im Jubel der beiden Mädchen unter. Kopfschüttelnd, aber mit einem Lächeln auf den Lippen sah Cäcilie ihnen nach, wie sie aus dem Zimmer stürmten. Nur ein paar Augenblicke später erklangen Musik und Stimmen.

Gespannt wie die Flitzebogen saßen Juju und Lara nebeneinander auf dem Sofa und starrten auf den Bildschirm.

Eine junge Frau mit langen, blonden Haaren tauchte hinter einem glitzernden Vorhang auf. Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen.

»Hast du schon mal Schuhe mit Absatz anprobiert?«, wollte Lara wissen.

Juju schüttelte den Kopf. »Die von meiner Mama sind mir noch zu groß.«

»Keine Sorge, da hast du auch nichts verpasst. In solchen Stiefeln«, Lara deutete auf Stella Nowaks Schuhwerk, »könnte ich keinen Meter gehen.«

»Die Frau im Fernseher auch nicht.«

Auf der obersten Stufe der Bühnentreppe war die frisch gebackene Chefredakteurin der Mädchenzeitschrift ins Stolpern geraten. In letzter Sekunde fand sie das Gleichgewicht wieder. Das kleine Missgeschick überspielte sie mit einem Kichern.

»Die Arme. Und das vor so vielen Leuten«, seufzte Juju. »Ich würde im Boden versinken.«

Ohne weitere Unfälle erreichte Stella das Rednerpult. Sie blinzelte ins Licht der Scheinwerfer. Die Moderationskarte in ihren Händen zitterte.

»Einen wunderschönen Tag wünsche ich Ihnen und Euch.« Stella beugte sich vor und wiederholte ihre Begrüßung noch einmal. Diesmal funktionierte das Mikrofon. »Mein Name ist Stella Nowak. Ich bin die derzeitige Chefredakteurin der Girlie World.« Sie räusperte sich. »An meiner Stimme haben Sie mit Sicherheit erkannt, warum ich niemals den Preis in der Kategorie ›beste Nachwuchs-Sängerin‹ erhalten werde.«

Hier und da wurde im Publikum gelacht, Lara und Juju hatten Mitgefühl. Stella schloss kurz die Augen und holte tief Luft.

»Es ist mir eine Ehre, heute die wichtigste Auszeichnung des Tages verleihen zu dürfen.« Mit jedem Wort klang ihre Stimme sicherer. »Der Preis geht an eine junge Frau, die mit ihren achtzehn Jahren schon über eine Million Fans in den sozialen Netzwerken begeistert. Das hat einen guten Grund, denn sie hat es im vergangenen Jahr mehrfach bis an die Spitze der deutschen Charts geschafft. Meine Damen und Herren, bitte begrüßen Sie mit mir ... Nikoline.«

Tosender Beifall setzte ein. Jujus und Laras Jubelrufe wehten so laut durch das Erdgeschoss, dass sich Cäcilie in der Küche die Ohren zuhielt.

»Da gerinnt einem ja die Sahne im Becher«, schimpfte sie gutmütig und stellte den Mixer aus.

Unter den Begeisterungsrufen ihrer Fans tanzte Nikoline strahlend und winkend auf die Bühne. Sie umarmte Stella stürmisch, nahm den Preis aus ihrer Hand und griff nach dem Mikrofon. Gewöhnt daran, im Mittelpunkt zu stehen, dankte sie ihren Fans, ihrer Familie und Freunden und ihrem ganzen Team, das ihren Erfolg erst ermöglicht hatte.

Das Licht im Saal erlosch. Nur die Bühne war in bunte Farben getaucht. Ein Schlagzeug schlug den Takt an, Gitarren stimmten ein. Nikoline sang ihren neuesten Hit.

Im Handumdrehen tobte der ganze Saal. Auch die Mädchen vor dem Fernseher hielt es nicht mehr auf dem Sofa. Sie sprangen auf und tanzten singend durch das Zimmer.

»Ich nehm mir von der Welt, was mir gut gefällt ...«

Cäcilie strich die Sahne auf die Teigplatte, garnierte sie mit den aufgetauten Kirschen vom vergangenen Sommer und rollte sie zu einer Roulade auf. Nebenbei summte sie den eingängigen Refrain mit. Sie selbst hatte alles von der Welt bekommen, was sie sich je gewünscht hatte. Wirklich alles? Lächelnd streckte sie die Hand aus und stibitzte eine Kirsche, die als Dekoration gedacht war. Ja, wirklich alles!

***

Stunden später stolperte Stella aus dem Hotel und fragte sich, ob es eine gute Idee gewesen war, ein paar Gläser Aperol Spritz zu trinken. Sie würde den ersten Tag als Chefredakteurin mit einem Kater beginnen. Auf der anderen Seite hatte ihr der ungewohnte Alkohol dabei geholfen, ihre Scheu zu überwinden. Sie war witzig, schlagfertig und gesprächig gewesen. Ihr Täschchen war voll mit Visitenkarten prominenter Menschen, die sie wiedersehen wollten. Wenn das kein Erfolg war!

Doch ihr schönstes Lob hatte sie von Leander bekommen.

»Ich wusste, dass du das draufhast, Babe«, schrieb er unter ein Foto, das sie im Lauf der Feier auf Instagram veröffentlicht hatte.

Stella saß im Taxi. Das winterliche München glitt an ihr vorbei. Vor ein paar Tagen war Schnee gefallen, und kurz hatte sich die Weltstadt mit Herz in ein Wintermärchen verwandelt.

Leider war die Pracht allzu vergänglich gewesen. Schon zwei Tage später waren die Temperaturen wieder gestiegen. Regen hatte den Schnee in Matsch verwandelt. Doch an diesem magischen Abend wirkte selbst diese graue Tristesse malerisch.

Der Taxifahrer bekam ein fürstliches Trinkgeld. Trotz der Blasen an ihren Füßen schwebte Stella die Treppe hinauf in den zweiten Stock. Ihre bequemen Boots waren ihre Rettung gewesen.

In der Küche brannte Licht. Auf dem Herd stand ein Topf Reis, daneben ein zweiter mit goldgelbem Curry.

Stella nahm einen Löffel aus der Besteckschublade und tauchte ihn ins Curry. Die würzige Sauce erinnerte sie daran, dass sie vor Aufregung den ganzen Nachmittag und Abend nichts gegessen hatte.

Sie schob noch einen zweiten Löffel in den Mund, ehe sie sich in den Rücken fasste. Höchste Zeit, das Kleid loszuwerden und gegen Jogginghose und Pullover zu tauschen.

»Warte, ich helfe dir.«

Leander lehnte in der Tür. Die Pyjamahose saß tief auf seinen Hüften. Vorsichtig zog er den Reißverschluss herunter und küsste ihren Nacken.

»Du könntest dich öfter so sexy anziehen.«

Sie wollte sich zu ihm umdrehen und sich in seine Arme schmiegen, als er einen Schritt zurücktrat.

»Wie ist der Abend heute gelaufen? Soll ich das Essen für dich aufwärmen?« Ohne eine Antwort abzuwarten, nahm er einen Teller aus dem Schrank.

Stella unterdrückte ein Seufzen und verließ die Küche. »Du kochst doch sonst nie so aufwendig unter der Woche«, rief sie aus dem Schlafzimmer.

»Immerhin tritt meine Freundin nicht jeden Tag vor großem Publikum auf.«

Während Stella ihm von ihren Erlebnissen berichtete, schlang sie die langen, blonden Haare zu einem unordentlichen Dutt und zog das Sweatshirt glatt. In ihren Lieblingsjogginghosen und handgestrickten Wollsocken kehrte sie in die Küche zurück.

»Stell dir vor, um ein Haar wäre ich die Bühnentreppe heruntergefallen. Das wäre ein gefundenes Fressen für die Presse gewesen.«

»Du bist aber nicht gestürzt. Mal abgesehen davon bin ich sicher, dass du brillant warst.«

Sein Kompliment war wie Musik in Stellas Ohren. Als Leander und sie sich auf einer Party kennenlernten, hatten sie sich auf Anhieb gut verstanden. Sie lästerten über hochnäsige Gäste, die kein gutes Haar an den Kochkünsten der Gastgeberin ließen. Auf dem Heimweg spielten sie Klingelstreiche und stellten fest, dass sie beide auf dem Land großgeworden waren und die Einfachheit und Stille manchmal vermissten. Leander war der erste Mann, bei dem Stella das Gefühl hatte, angekommen zu sein.

Die Mikrowelle klingelte.

»Danke, dass du auf mich gewartet hast.« Mit Bärenhunger fiel sie über den Teller her, den er vor sie hinstellte.

Mit einer Tasse Tee setzte sich Leander zu ihr. »Ich bin so stolz auf dich, Rapunzel.«

Stella leckte sich einen Klecks Sauce aus dem Mundwinkel und lächelte. Für Leanders Verhältnisse war das eine großartige Liebeserklärung.

Als sie vor fünf Jahren mit Anfang zwanzig aus ihrem Dorf nach München gekommen war, hatten sie die Männer mit Komplimenten überhäuft. Bei Leander war das anders gewesen. Bis zum ersten »Ich liebe dich« hatte er fast ein halbes Jahr gebraucht. Doch auch danach war ihre Beziehung eine Achterbahnfahrt.

Wie schön, dass es nach einer Flaute endlich wieder besser lief zwischen ihnen. Als Stella – erst fünfundzwanzig Jahre alt – die Stelle als stellvertretende Chefredakteurin bei der Girlie World bekommen hatte, war klar gewesen, wie viel Arbeit damit verbunden war. Seither opferte sie regelmäßig ihre Abende und Wochenenden, um die Neider im Verlag zum Schweigen zu bringen.

Ihre knapp bemessene Freizeit hatte für viel Streit zwischen Leander und ihr gesorgt. Er beschwerte sich, dass sie nie Zeit für ihn hatte und zu Hause ständig in den sozialen Netzwerken unterwegs war, dort berufliche Kontakte knüpfte und pflegte, nach neuen Themen suchte und Beiträge ihrer Zeitschrift veröffentlichte.

Gleichzeitig fand er nichts dabei, wenn er selbst ein ganzes Wochenende über einem komplizierten Problem brütete. Als wäre seine Karriere wichtiger als Stellas.

Während sie weiter aß, massierte Leander ihren schmerzenden Nacken. Sie genoss seine Berührungen und seufzte wohlig.

Die Nackenmassage entspannte sie und war gleichzeitig anregend. Sie stellte den Teller in den Geschirrspüler und kehrte zu Leander zurück. Während sie ihn küsste, schmiegte sie sich auf eine Art und Weise an ihn, die ihm zu verstehen geben sollte, dass heute sein Glückstag war.

»Komm«, gurrte sie an seinen Lippen. »Lass uns ins Bett gehen.«

***

»Hast du schon ins Internet geschaut?«, rief Aimée ihrer Kollegin Stella zu, als sie am nächsten Morgen in ihr neues Büro kam.

Stella nahm Kurs auf ihren Schreibtisch. Sie zog den weit geschnittenen, pinkfarbenen Mantel aus, den sie sich gegönnt hatte, als sie die Stelle bei der Girlie World erobert hatte.

Sie war noch etwas benommen vom Alkohol und der kurzen Nacht. Ihre Haut kribbelte von Leanders Zärtlichkeiten.