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Beschaulich ist in St. Christoph gar nichts mehr, seit ein junger Influencer spektakuläre Aufnahmen vom benachbarten Smaragdfall gepostet hat. Zahllose junge Leute strömen in den Ort, um am Wasserfall und anderswo in der sonst so ruhigen Bergwelt das perfekte Bild für ihre eigenen "Follower" zu machen. Als Hotelchefin kann es Hedi Kastler ja nur recht sein, ein volles Haus zu haben, aber auch sie muss gelegentlich übermütige Burschen und Madeln in die Schranken weisen, wenn sie mit ihren Fotoaktionen andere Gäste stören. Umso wohltuender ist da ein Gast wie Lara, die zwar auch als Influencerin tätig ist, Hedi aber gesteht, immer weniger Gefallen an der Oberflächlichkeit dieser Tätigkeit zu finden. Für sie hat Hedi einen guten Rat: "Gehen Sie allein wandern, ohne Handy, ohne Apps, nur mit einer Karte. Sie werden net verloren gehen - und meistens findet man dabei mehr, als man sucht." Die Hotelchefin ahnt nicht, wie recht sie damit behalten soll ...
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Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
Selfie-Alarm im Alpenidyll
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
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St. Christoph wird von Influencer-Touristen überrannt
Von Verena Kufsteiner
Beschaulich ist in St. Christoph gar nichts mehr, seit ein junger Influencer spektakuläre Aufnahmen vom benachbarten Smaragdfall gepostet hat. Zahllose junge Leute strömen in den Ort, um am Wasserfall und anderswo in der sonst so ruhigen Bergwelt das perfekte Bild für ihre eigenen »Follower« zu machen. Als Hotelchefin kann es Hedi Kastler ja nur recht sein, ein volles Haus zu haben, aber auch sie muss gelegentlich übermütige Burschen und Madeln in die Schranken weisen, wenn sie mit ihren Fotoaktionen andere Gäste stören. Umso wohltuender ist da ein Gast wie Lara, die zwar auch als Influencerin tätig ist, Hedi aber gesteht, immer weniger Gefallen an der Oberflächlichkeit dieser Tätigkeit zu finden. Für sie hat Hedi einen guten Rat: »Gehen Sie allein wandern, ohne Handy, ohne Apps, nur mit einer Karte. Sie werden net verloren gehen – und meistens findet man dabei mehr, als man sucht.« Die Hotelchefin ahnt nicht, wie recht sie damit behalten soll ...
Die Morgensonne stand schon hoch über den Gipfeln, als Hedi Kastler gut gelaunt ihre Runde durch den Frühstücksraum des Berghotels machte. Goldenes Licht fiel durch die großen Sprossenfenster und ließ die hellen Holzmöbel im rustikalen Speisesaal warm glänzen. Der Duft von frischem Kaffee, Semmeln und gebratenem Speck hing in der Luft, und aus der Küche drang das leise Klappern von Geschirr.
Die Serviermadeln, allesamt in feschen Dirndln, huschten flink von Gast zu Gast. Die Röcke ihrer adretten blauen Kleider mit den weißen Schürzen schwangen um ihre Beine. Sie trugen Kaffeekannen in der Hand und balancierten Tabletts mit dampfenden Eierspeisen.
Am Büfett glänzten die Silberhauben der Warmhalteplatten. Es gab alles, was das Herz begehrte: knusprigen Speck, Rührei, Spiegelei, Würstl, hausgemachte Marmeladen, eine große Auswahl an Käse und Wurst, frisches Obst, Müsli, Joghurt. Und natürlich – darauf war Hedi besonders stolz – stammten viele Produkten von den Bauern rund um St. Christoph.
»Morgen, Frau Kastler«, begrüßte sie der Oberkellner Jakob Schmiedl, der wie immer tadellos gekleidet dastand.
Er behielt stets den Überblick und sorgte dafür, dass alles reibungslos ablief.
»Alles läuft rund, Jakob?«, fragte die Hotelchefin lächelnd.
Jakob Schmiedl nickte knapp, sah aber trotzdem noch einmal prüfend über den Raum.
»Wie immer, Frau Kastler. Nur ... die jungen Gäste. Die machen dauernd Fotos. Ich sag ja nix, aber sie halten den Betrieb ein bisserl auf.«
Hedi schmunzelte. »Ach, die jungen Leut' mit ihren Handys. So ist halt die Zeit.«
Sie klopfte dem Kellner freundschaftlich auf die Schulter und ging weiter.
An einem der Tische saßen die Eglhofers aus München, Stammgäste seit über zehn Jahren.
»Na, Herr Eglhofer, wie war die Wanderung gestern? Noch Spatzen in den Beinen?«, neckte Hedi.
Der grauhaarige Mann lachte, während seine Frau ein Haferl Kaffee hob.
»Ach, Frau Kastler, der Aufstieg zum Achenkegel hat's noch immer in sich. Aber schön war's, wie immer. Und der Enzian blüht ja heuer wie verrückt!«
»Das freut mich, zu hören. Wenn's heut' noch einmal so schön bleibt, würd' ich Ihnen die Rundtour zum Hexenstein empfehlen. Net zu steil, ein bisserl entspannter, aber wunderbarer Blick ins Tal.«
»Machen wir, machen wir«, versprach Frau Eglhofer, und Hedi lächelte zufrieden.
So sollte es sein: zufriedene Gäste, herzliche Gespräche, und alle schienen sich wohlzufühlen.
Doch heute lag eine andere Note in der Luft. Irgendetwas war anders.
Ein leichtes Murmeln erhob sich beim Büfett. Hedi sah hinüber. Eine kleine Schlange hatte sich gebildet, und ganz vorne stand ein junger Mann. Er war besonders modisch gekleidet, in enge Jeans, teure Sneakers und eine auffällige Designerjacke. In der Hand hielt er – natürlich – sein Handy.
Gemächlich ging er an den Platten entlang, das Smartphone hoch erhoben, und filmte jede Schüssel, jeden Teller.
Dabei sprach er mit übertrieben lässiger Stimme in die Handykamera: »Die Auswahl ist auch der Hammer. Zugegeben, das Hotel ist net so fancy, ein bisserl angestaubt, aber ansonsten kann man sich net beschweren. Da ist sogar für den Fitness-Lifestyle einiges dabei. Ich werd' mir die Eierspeis' nehmen – für die Proteine. Weiß ja jeder, das ist das A und O für die Muckis. Übrigens, heut' gibt's bei mir auf dem Account noch eine Fragerunde zum Thema Muskelaufbau. Das richtige Training, die richtige Ernährung, die besten Supplements, um eure Bodygoals zu erreichen. Und da hab' ich auch einen Rabattcode für euch, haltet euch fest. Für meine Follower gibt's nämlich fünfzehn Prozent Rabatt auf das allergeilste Proteinpulver.«
Hedi blieb stehen und zog ungläubig die Augenbrauen hoch, während der junge Mann in einer Tour weiter in sein Handy plapperte. Angestaubt? Nicht fancy? Sprach er da etwa von ihrem geliebten Hotel? Sie schaute sich um. Die Holztäfelung glänzte, die Fenster waren blitzblank, frische Alpenblumen standen auf jedem Tisch.
»Angestaubt«, murmelte sie fassungslos.
Hinter dem jungen Mann wurde das Murmeln lauter. Ein älterer Herr, einer der Stammgäste, konnte sich nicht länger zurückhalten.
»Was ist das denn für ein Topfen? Jetzt geh halt weiter, Bub! Pack das Gerät weg!«, brummte er und drängte sich an ihm vorbei.
Als der junge Kerl das Handy gerade über den Teller mit den Melonenscheiben hielt, drückte der ältere Herr es beiseite, um selbst an das Obst zu gelangen.
»Hey, Vorsicht, Opi! Das ist das neueste iPhone!«, protestierte der Junge entrüstet.
Eine ältere Dame, drahtig, sonnengebräunt und in Wanderkleidung, schüttelte nur den Kopf.
»Eier-Phone oder net«, sagte sie laut genug, dass es alle hören konnten. »Das ist doch eine Unart, das Telefon beim Essen net wegzupacken.«
Ein leises Kichern ging durch den Raum, doch Hedi schritt schon ein, bevor die Stimmung kippen konnte.
»So, so, jetzt beruhigen wir uns alle wieder ein bisserl«, sagte sie mit ihrer gewohnten Mischung aus Freundlichkeit und Autorität. »Jeder kommt gleich dran, und das Frühstück läuft net davon. Gell? Und die Filmchen kann man sicherlich auch drehen, ohne den ganzen Betrieb aufzuhalten.«
Der ältere Herr murmelte etwas von »modernen Zeiten«.
»Filmchen? Das waren Instagram-Stories für meine Follower.«
Der junge Bursch' verzog das Gesicht, steckte das Handy aber ein.
»Danke, Frau Kastler«, sagte die Wanderin, während sie sich ein paar Scheiben Brot nahm. »Manchmal braucht's eben eine klare Ansage.«
Hedi nickte freundlich und setzte ihre Runde fort.
Ein Stück weiter, bei den Obstschalen, fiel ihr eine junge Frau auf, die perfekt geschminkt und gestylt war, als käme sie gerade von einem Fotoshooting. Sie hielt einen Teller mit aufwendig drapiertem Obst vor sich und posierte strahlend in ihre Selfiekamera. Die Lippen leicht geschürzt, der Kopf in perfektem Winkel geneigt – Klick. Dann noch einmal, diesmal mit dem Smoothieglas in der Hand.
Hedi atmete tief durch. Nun sah sie es auf einmal überall im Frühstücksraum: junge Menschen mit Handys in der Hand, beim Essen, beim Reden, beim Lachen. An einem Tisch filmte eine Gruppe von vier Burschen und Madeln sich gegenseitig beim Hineinbeißen in die Semmeln.
»Ich tagge dich im Bild!«, hörte Hedi eine der jungen Frauen sagen, woraufhin die anderen begeistert lachten – und weiter auf ihre Displays starrten. Die einen tippten eifrig herum, andere scrollen nur.
Ein älteres Ehepaar am Nebentisch sah sich irritiert an. Der Mann schüttelte den Kopf.
»Da redet ja keiner mehr miteinander«, murmelte er. »Früher hat man sich beim Frühstück noch unterhalten.«
Erstaunt ließ die Hotelchefin den Blick schweifen. Was da bloß plötzlich los war?
***
Gegen Mittag saß Hedi hinter dem Empfangstresen. Neben ihr blinkte das Telefon fast pausenlos, und der Laptop surrte, während eine Anfrage nach der anderen eintrudelte.
»So, das wär' dann die Reservierung für den zehnten August ... und ja, Frühstück ist freilich inklusive ... ja, bitte bestätigen Sie per Mail ... genau, dankeschön!«
Mit routinierter Freundlichkeit verabschiedete Hedi den Anrufer, tippte ein paar letzte Worte und atmete dann tief durch. Kaum hatte sie sich zurückgelehnt, ging schon die Glastür auf, und Andi trat ein.
»Na, Spatzl?«, grüßte ihr Mann liebevoll, kam hinter den Tresen und drückte ihr ein Busserl auf die Wange. »Wie läuft's an der Rezeption?«
Hedi lachte und drehte den Kopf zu ihm.
»Wir ertrinken hier in Buchungen und Anfragen! Ich sag's dir: Momentan könnten wir einen Anbau mit doppelt so vielen Zimmern dranbauen, und würden trotzdem jedes einzelne Zimmer belegt kriegen.«
»So schlimm?«, fragte Andi und lehnte sich mit verschränkten Armen an den Tresen.
»Und wie!« Hedi deutete auf den Bildschirm. »Ich versuch' grad, die Flut an Anfragen irgendwie zu ordnen. Das ist ja echt der Wahnsinn – so was hab' ich noch nie erlebt. Wir sind ja eh das ganze Jahr gut gebucht, aber momentan? Das ist fast nimmer zu bewältigen.«
Andi grinste. »Ist doch schön, Spatzl. Besser, als wenn das Hotel leer stehen würd'.«
»Na freilich«, gab Hedi zurück. »Aber komisch ist's trotzdem. Es sind lauter neue Gäste und vor allem junge Leute! Eigentlich ist's ja immer gut durchmischt. Aber jetzt sind hier weniger Familien, kaum ältere Paare. Weil so viele junge Leut' die Zimmer reserviert haben. Ich weiß gar net, was da los ist.«
Andi nickte nachdenklich. »Mir ist's auch schon aufgefallen. Die anderen Hotels in der Gegend scheinen auch alle überlaufen zu sein. Ich war heut' Vormittag drüben in Mayrhofen beim Lieferanten, und auf der Rückfahrt bin ich in einen richtigen Stau geraten! Die Straße runter nach St. Christoph war komplett verstopft. Autos, Kleinbusse, Radlfahrer dazwischen ... so was hab' ich in dreißig Jahren net erlebt.«
Hedi lachte ungläubig. »Na, das kann ja heiter werden. Vielleicht machen sie heuer irgendwo in der Gegend ein Musikfestival?«
»Keine Ahnung. Aber es ist wirklich was im Busch.«
In diesem Moment öffnete sich die Tür erneut. Ein älteres Ehepaar trat herein: Herr und Frau Lang aus Rosenheim, langjährige Stammgäste. Sie waren immer freundlich, hilfsbereit und nie laut. Umso mehr fielen Hedi die leicht pikiert gespitzten Lippen der Frau auf.
»Grüß Gott, Frau Lang, Herr Lang«, sagte Hedi freundlich. »Alles in Ordnung? Hat Ihnen das Frühstück heut' geschmeckt?«
»Also, Frau Kastler ...«, begann Frau Lang zögerlich. »Ich beschwer' mich ja ungern. Wirklich. Aber heuer ist irgendwie der Wurm drin. Ich sag's Ihnen ganz ehrlich.«
Hedi hob beruhigend die Hände.
»Na, dann erzählen Sie mal. Wo drückt denn der Schuh?«
Frau Lang holte tief Luft.
»Es ist der Pool, Frau Kastler. Da lungern den ganzen Tag so viele junge Leute herum, die das Handy net aus der Hand legen! Und das wär' ja noch kein Drama – aber die machen dauernd Fotos! Setzen sich auf den Beckenrand, posieren, filmen über die Poollandschaft ... prosten mit irgendwelchen Drinks in die Kamera. Da kann man sich ja gar nimmer entspannen.«
Ihr Mann nickte zustimmend.
»Ich mag ja auch net auf hundert Bildern im Internet herumschwirren, nur weil ich im Hintergrund grad ein paar Längen schwimme.«
»Oder wie ich im Badeanzug rumsteh'«, ergänzte seine Frau und seufzte. »Das möcht' ich net, ganz ehrlich. Ich fühl' mich einfach unwohl, wenn ich dauernd das Gefühl hab', ich werd' gefilmt.«
Hedi nickte verständnisvoll.
»Da geb' ich Ihnen recht, das geht wirklich net. Ich werd' mich drum kümmern, versprochen. Vielleicht brauchen wir neue Poolregeln – Handys bitte weg vom Wasser.«
»Das wär' fein«, erwiderte Frau Lang erleichtert. »Sonst kommen wir uns vor wie Statisten in einem Film.«
Als das Paar gegangen war, trommelte Hedi nachdenklich mit den Fingernägeln auf den Holztresen. Dann drehte sie sich zu Andi.
»Hörst du, Anderl? Jetzt beschweren sich sogar die Stammgäste. Ich sag's dir, irgendwas ist im Dorf los. Also, irgendwie ist's ja sogar fast witzig, aber so kenn' ich unsere Gegend einfach net. Es ist, als wär' auf einmal ... na ja ... alles verrückt geworden.«
Andi zuckte die Schultern. »Vielleicht ja doch ein Zufall. Oder vielleicht hat irgendwo wer Werbung gemacht.«
Während das Hoteliers-Ehepaar sich unterhielt, öffnete sich die Tür ein weiteres Mal. Eine junge Frau vom Personal trat herein: Lena Kieslinger, eines ihrer Zimmermadeln, flink und immer fröhlich.
»Grüß Gott, Frau Kastler! Grüß Gott, Herr Kastler!«, rief sie und wischte sich eine Strähne aus dem Gesicht. »Bin grad gekommen, fang gleich an. Ich hab' gehört, Sie reden grad über die Influencer-Invasion, gell?«
»Influencer-Invasion?«, wiederholte Hedi lachend. »Das klingt ja dramatisch. Hast du denn mitgekriegt, was bei uns los ist?«
Lena nickte grinsend. »Na, das liegt doch am Smaragdfall!«
Andi blinzelte. »Am Smaragdfall?«
»Am Smaragdfall!«, wiederholte die junge Frau begeistert. »Das ist der Wasserfall oben beim Almweg, wo der kleine Bach in den grünen See fällt. Kennt ihr den net? Da kann man sogar hinterm Wasserfall durchgehen. Spektakulär schaut das aus!«
»Doch, freilich kennen wir den«, antwortete Hedi. »Aber der ist da ja schon immer. Ein hübscher Ort, wirklich. Aber bisher hat der net für solche Anstürme gesorgt.«
»Ein Influencer hat den Spot neulich im Internet gepostet, mit so einer Drohnenaufnahme. Jetzt wollen alle hin, weil man da angeblich die schönsten Fotos Tirols machen kann. Seitdem ist der Ort völlig überlaufen. Überall kommen sie her, mit Selfiesticks, Kameras und allem drum und dran!«
Hedi und Andi sahen sich überrascht an.
»Influencer ...?«, wiederholte Andi. »Also, das sind die Leut', die im Internet Bilder von sich posten, oder?«
»Sicherlich, Anderl.« Hedi schmunzelte. »Das weiß ja sogar ich, ich bin ja net von gestern.«
Lena nickte eifrig. »Genau. Und wenn einer was Cooles zeigt, rennen alle hin. Dann wollen sie auf den Trend aufspringen, um ihren eigenen Instagram- oder TikTok-Account zu pushen. Momentan ist der Smaragdfall total angesagt. Manche sagen sogar, er wär' der neue ›Hotspot der Alpen‹.«
Andi kratzte sich nachdenklich am Kopf.
»Na, schau an. Und wir wundern uns, warum uns die jungen Gäste die Bude einrennen.«
»Ganz genau«, sagte Lena lachend. »Ich hab' gestern zufällig in Mayrhofen ein paar davon getroffen – die haben sich extra von weit her auf den Weg gemacht, nur um hier das perfekte Foto zu schießen. Verrückt, gell?«
Hedi schüttelte den Kopf, halb belustigt, halb besorgt.
»Das erklärt natürlich einiges. Ich weiß ja net, was ich davon halten soll, dass unser schönes Zillertal jetzt so zum Internet-Schauplatz wird. Ich will doch, dass die Leut' kommen, um die Berge zu genießen – und net bloß, um sich selber zu fotografieren.«
Lena zuckte die Schultern.
»Das Internet halt. Wenn's da einmal Trend ist, dann kannst nix machen. Aber wenigstens bringt's euch volle Zimmer, Frau Kastler.«
Andi nickte gut gelaunt und bestätigte: »Seh ich auch so. Solang sie brav zahlen und sich halbwegs benehmen, soll's mir recht sein. Das geht sicher bald vorbei.«
***
Die Straße nach St. Christoph schlängelte sich in Kurven durch die Bergwelt, vorbei an grünen Hängen, auf denen sich Blumen in der Brise wiegten. Lara hatte beide Hände fest am Lenkrad, während sie konzentriert fuhr. Wie schön es hier war! Begeistert sah sie sich um und ließ das Fenster herunter, sodass der Duft der Wiesen und Wälder hereinströmen konnte. In der Ferne war das Läuten der Kuhglocken zu hören.
Neben ihr aber war von stiller Bergromantik keine Spur. Kathi saß im Beifahrersitz, das Handy fest in der Hand, die Sonnenbrille im Haar. Ihre Finger flitzten über den Bildschirm, während sie unentwegt durch Instagram scrollte.
»Also ... wenn wir das richtig planen, kriegen wir hier locker Content für zwei Wochen raus!«, äußerte sie begeistert. »Der Smaragdfall ist freilich Pflicht. Aber schau mal – der Gletschersee da oben bei der Alm ist auch total im Trend. Hashtag #mountainlove, #naturegoals, #wanderlust!«
Lara grinste. »Das klingt ja, als würdest du schon eine komplette Kampagne planen.«
