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Als Frida für die Hochzeit ihrer engsten Freunde in ihr Heimatdorf zurückkehrt und im Berghotel eincheckt, ahnt sie nicht, wie sehr dieser Besuch ihr Leben auf den Kopf stellen wird. Zwischen den Vorbereitungen der Feier und spontanen Abenden am Kamin begegnet sie Theo wieder - ihrem Jugendfreund, der inzwischen in St. Christoph lebt und die kleine, etwas in die Jahre gekommene Buchhandlung seiner Familie in Mayrhofen führt. Beim gemeinsamen Renovieren, bei Tee, Wein und vertrauten Gesprächen spüren beide, dass alte Gefühle noch immer glühen. Doch Frida steht vor einer Wahl: brillante Karriere in den USA oder ein neues Kapitel mit Theo?
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Ein Familienfest, eine Buchhandlung und eine zweite Chance für die Liebe
Von Verena Kufsteiner
Als Frida für die Hochzeit ihrer engsten Freunde in ihr Heimatdorf zurückkehrt und im Berghotel eincheckt, ahnt sie nicht, wie sehr dieser Besuch ihr Leben auf den Kopf stellen wird. Zwischen den Vorbereitungen der Feier und spontanen Abenden am Kamin begegnet sie Theo wieder – ihrem Jugendfreund, der inzwischen in St. Christoph lebt und die kleine, etwas in die Jahre gekommene Buchhandlung seiner Familie in Mayrhofen führt. Beim gemeinsamen Renovieren, bei Tee, Wein und vertrauten Gesprächen spüren beide, dass noch alte Gefühle da sind. Frida steht vor einer Wahl: brillante Karriere in den USA oder ein neues Kapitel mit Theo?
Frida Andres stand im Schlafzimmer zwischen gepackten Umzugskartons und überquellenden Koffern. Sie trug eine karierte Pyjamahose unter einem pinkfarbenen Kapuzensweater, was einer modischen Katastrophe gleichkam. Mit gespielter Verzweiflung wandte sich die Zweiunddreißigjährige mit dem wild hochgesteckten brünetten Haar ihrem Freund zu.
»Das ist jetzt eindeutig der schlimmste Moment. Ich habe nichts mehr anzuziehen, weil schon alles in den Koffern und Reisetaschen verstaut ist, aber bis zu unserer Abreise dauert es noch mehr als eine Woche. Wie soll ich diese Zeit bloß herumbringen?«
Armin Röder lachte und schob ihr eine lose Haarsträhne hinters Ohr.
»Tja, so ist das, Liebling. Diese Erfahrung gehört wohl dazu, wenn man alles hinter sich lässt. Ich habe meine Wohnung auch schon geräumt und den meisten Krempel heute Nachmittag mit dem Umzugswagen losgeschickt.«
»Wie kannst du da so entspannt bleiben?«
»Ganz einfach. Für mich bedeutet die Übersiedelung zwar auch einen Neustart, aber im Unterschied zu dir habe ich in Berlin meine Familie und viele Freunde. Ich freu' mich drauf, wieder heimzukommen. Obwohl ich dich auch ein wenig beneide, weil du so richtig neu durchstarten kannst. In einer fremden Stadt ohne familiären Ballast.«
»Werden sie mich mögen?«, fragte Frida besorgt.
Dabei legte sie ihre Stirn in dicke Dackelfalten.
»Aber sicher. Und wenn nicht, ist es auch kein Weltuntergang. Ich habe selbst nur sporadischen Kontakt zu meinen Eltern und Geschwistern. Wir stehen uns nicht nah. Ich war immer selbstständig und wollte schon als Teenager nichts wie weg. Es wäre ein großer Fehler gewesen, wenn ich nicht zum Studieren nach Wien gegangen wäre, denn ...«, er machte zwei Schritte auf Frida zu und nahm sie in seine Arme, »... weil ich dir dann nie begegnet wäre. Allerdings solltest du dir dieses Dackelgesicht abgewöhnen, sonst bleiben die Falten womöglich noch drauf!«
Frida erwiderte den Kuss, dann löste sie sich.
»Was ist mit der Wohnung?«, fragte sie. »Ist schon alles fertig?«
»Aber ja, seit heute. Abends werden schon meine Möbel aufgestellt.«
»Ist das nicht komisch, das alles von Fremden machen zu lassen?«
Armin zuckte mit den Schultern.
»Klar wäre ich lieber vor Ort dabei und würde den Möbelpackern auf die Finger schauen. Aber ich werde nun einmal bis zum letzten Tag in der Wiener Zweigstelle gebraucht.«
Frida lächelte zaghaft. »Wird denn auch Platz für meine Sachen sein?«, fragte sie.
»Aber ja, deinen Krempel kriegen wir schon unter. Solange du den schrecklichen Bauernschrank hierlässt!«
Die junge Frau sah ein bisschen wehmütig zu ihrem Schrank, dem einzigen Möbelstück, das sie aus der alten Heimat Tirol mit nach Wien genommen hatte.
»Du hast recht«, sagte sie dann mit einem erzwungenen Lächeln. »Das Ding ist wirklich schrecklich. Allerdings bis oben voll mit Erinnerungen. Ich habe beschlossen, den Schrank nicht zu verschenken, sondern ihn bei einer Freundin im Keller unterzustellen. Vielleicht haben wir in Berlin ja doch mal Verwendung dafür.«
Armin lachte schallend. »Ich plädiere ja für den Sperrmüll! – Aber ich will dir deine Erinnerungen nicht nehmen. Du wirst aber sehen, dass du bald neue schaffen wirst. Berlin ist toll. Unsere Wohnung ist toll. Und der Job bei meiner Bank ist ebenfalls toll. Übrigens auch dein neuer Chef!« Er zwinkerte schelmisch. »Ich habe mir sagen lassen, dass dieser Armin Röder ein sehr gut aussehender Mann sein soll.«
»Zum Glück werde ich dir als Programmiererin nicht direkt unterstellt sein«, gab Frida knapp zurück. »Ich kann es nicht erwarten, unsere neue Wohnung zu sehen. Nur ...«
»Ja?«
»Manchmal denke ich, ich hätte dabei sein sollen, als du die Wohnung ausgesucht hast. Immerhin habe ich ein wenig Geld angespart und will meinen Beitrag leisten.«
»Selbstverständlich wirst du mir Miete zahlen. Du weißt, dass ich für klare Verhältnisse bin!«
»Aber was, wenn mir die Wohnung, die du ausgesucht hast, nicht gefällt?«
»Das wird sie, ganz sicher. Und wenn nicht, musst du dir halt was Eigenes suchen. – Weißt du, was ich denke?«
»Hm?«
»Du hättest es machen sollen wie ich und bis zum letzten Tag arbeiten. Jetzt hast du eine ganze Woche ...« – »Ohne etwas anzuziehen!« – »... und fängst vor Langeweile zu grübeln an. Das ist nicht gut«, monierte Armin.
»Lässt sich aber leider nicht ändern. Ich verspreche dir aber, dass ich meine Zweifel im Zaum halten werde!« Frida streckte lachend die Schwurfinger hoch. »Ich bin nur ein bisschen nervös, das ist alles. Der Job in Berlin, noch dazu mit dir als Oberchef, ist eine Herausforderung.«
Armin strich ihr zärtlich über die Wange.
»Was hältst du davon, wenn wir essen gehen? Ich lade dich ein!«
Er fuhr sich durch sein dunkelblondes kurz geschnittenes Haar und zupfte einen Staubfussel von seinem eleganten Jackett.
»So, wie ich gerade aussehe, bin ich nicht gesellschaftsfähig«, entgegnete Frida. »Lass uns lieber eine Pizza bestellen.«
Armin rollte mit den Augen. Pizza war in seinen Augen kein hochwertiges Essen. Er liebte es, in feinen Restaurants zu sitzen, eine umfangreiche Weinkarte zu studieren, die edlen Tropfen zu gustieren und mehrgängige Menüs zusammenzustellen. Aber als sein Blick über die Kleidung seiner Freundin wanderte, stimmte er ihr lieber zu.
»Na guuut«, äußerte er gedehnt. »Aber nächste Woche werde ich dich als Erstes in ein feines Restaurant am Prenzlauer Berg ausführen!«
»Ich habe am Schwarzen Brett in unserem Hausflur eine Werbung für eine neue Pizzeria gesehen«, erinnerte sich Frida und schlüpfte in ihre Turnschuhe – eine weitere schräge Ergänzung zu ihrem gewagten Outfit. »Ich wollte sowieso noch nachsehen, ob Post gekommen ist. Ich laufe schnell nach unten und bin gleich wieder da!«
Die letzten Worte rief sie schon von der Treppe her, dann waren nur noch ihre schnell trappelnden Schritte zu hören. Als sie wenig später, atemlos und mit erstaunten Dackelfalten auf der Stirn wieder im Zimmer stand, hielt sie ein mehrfach mit Marken beklebtes Kuvert in der Hand.
Ihr Freund sah sie fragend an und bekam umgehend eine Antwort.
»Sieh nur, Armin. Da ist ein Brief wohl lange herumgeirrt, bevor er zu mir gefunden hat! Das liegt wohl daran, dass ich im letzten Jahr dreimal die Adresse gewechselt habe!«
»Auch damit ist es ab nächster Woche vorbei«, stellte Armin fest. »Jetzt wirst du ein sesshaftes Mädchen!«
Frida warf ihm einen verstörten Blick zu. Sie mochte es nicht sonderlich, wenn er so herablassend mit ihr sprach. Aber sie kannte Armin inzwischen lange genug, um zu wissen, dass dies halt seine Marotte war und dass sich hinter dem Hochmut eine große Portion Unsicherheit verbarg – was er freilich niemals zugeben würde.
Sie kramte in einem der Kartons mit der Aufschrift »Küche« und holte ein Messer heraus, mit dessen Hilfe sie das Kuvert öffnete. Beim Lesen lösten sich die Stirnfalten, ihr Gesicht wurde weich und strahlend.
»Eine Hochzeitseinladung!«, rief sie begeistert. »Stell dir vor, Armin! Meine Freunde Mari und Laurenz werden endlich heiraten. Weißt du noch, das sind die beiden, die in St. Christoph eine Tischlerei betreiben. Meine Jugendfreunde. Du hast sie vor fünf Jahren kennengelernt, als wir zur Beerdigung von Theos Großmutter in St. Christoph waren. Erinnerst du dich?«
Armin seufzte. »Alles, woran ich mich erinnere, ist ein kalter Wind, der die Blüten von den Obstbäumen geblasen hat. Und an eine Menge seltsamer Leute kann ich mich auch erinnern.«
»Wieso seltsam? Nur, weil sie nicht so hochdeutsch reden wie du? In Tirol spricht man eben so!« Sie kniff ihn in den Arm und sagte in astreinem Tirolerisch: »Da kannscht du nicht mitreden!«
Armin antwortete auf Berlinerisch: »Und det is mir och lieber!«
Sie küssten sich wieder.
»Die Einladung hat mich gerade noch rechtzeitig erreicht«, erklärte Frida dann. »Nicht nur, weil ich nächste Woche schon in Berlin sein werde, sondern auch weil die Hochzeit schon nächsten Samstag stattfinden wird.«
»Du denkst doch nicht ernsthaft darüber nach, hinzufahren?«
»Klar fahre ich! Und du musst mitkommen! – Wir können dann direkt von Tirol aus nach Berlin weiterfahren. Ja, das ist ein guter Plan! Immerhin habe ich die ersten achtzehn Jahre meines Lebens in St. Christoph verbracht, da passt es perfekt, wenn ich meinen Abschied von Österreich in diesem Bergdorf feiere. Noch dazu mit der Hochzeit meiner Freunde!«
Armin schüttelte unwirsch den Kopf.
»Eine Hochzeit im Februar? Wer macht denn so was? Dort oben in den Bergen liegt dann sicherlich meterhoch der Schnee!«
Frida ignorierte seine säuerliche Miene.
»Ja, und das ist wunderbar. Du wirst schon sehen! Oh, ich freue mich so für Mari!«, rief sie und tanzte vergnügt zwischen den Umzugskisten umher.
»Ich verstehe es nicht«, bemerkte Armin nach einer kleinen Weile. »Wer macht so was heute noch? Warum heiraten die beiden überhaupt? Sie leben doch schon seit Jahren zusammen und haben eine gemeinsame Firma und auch ein Kind.«
»Weil sie sich lieben?«
Frida formulierte ihre Aussage ganz absichtlich wie eine Frage. Sie wusste ja, dass Armin nicht viel vom Heiraten hielt, auch Kinder standen in seiner Lebensplanung nicht an vorderster Stelle. Sie hatte sich damit abgefunden, hoffte aber insgeheim, dass ihr Freund seine Meinung ändern würde, sobald sie sich miteinander in Berlin eingelebt haben würden. In einer gemeinsamen Wohnung, umgeben von Armins kinderreicher Familie.
Freilich hatte er recht, jetzt musste sie erst einmal daran denken, ihren Job gut zu machen, denn das Angebot, das sie dank Armins Vermittlung bekommen hatte, bot ihr als Programmiererin eine hervorragende Karrierechance.
»So freu dich doch mit mir!«, bat sie. »Ich habe eben beschlossen, dass ich nicht nur an der Hochzeitsfeier teilnehmen möchte, sondern gleich nach Tirol fahren werde. In der Einladung steht, dass am Dienstag im Sporthotel »Am Sonnenhang« ein erster Umtrunk unter Freunden stattfinden wird. Das ist schon morgen und ich will unbedingt dabei sein. Zwei Tage später sind die jeweiligen Junggesellenabschiede geplant, das wird garantiert lustig. Ich werde in Tirol das Wiedersehen mit den Freunden genießen, das wird mich von der Übersiedlung ablenken. Nachdem ich meinen Job hier in Wien gekündigt habe, würde ich sonst doch nur herumsitzen und zu viel nachdenken. Du hast selbst gesagt, dass ich mir eine Ablenkung suchen soll. Voilà – hier ist sie. Ich fahre morgen nach Tirol, und du kommst samstags nach – keine Widerrede. Wir feiern mit Mari und Laurenz und starten danach in unser neues Leben.«
Armin wand sich. Fridas Argumentation war zu gut, er hatte nicht viel einzuwenden. Aber es war ihm anzusehen, dass ihm der Plan nicht behagte.
»Wird dein Ex-Freund auch da sein?«, wollte er wissen.
»Theo? Davon gehe ich aus. Er ist Laurenz' bester Freund!«
Armin zog eine gequälte Grimasse.
»Tu nicht so, als könntest du ihn nicht leiden«, zog Frida ihn auf. »Ich habe damals genau gesehen, dass ihr euch länger unterhalten habt! Du hast mit übrigens nie erzählt, was ihr damals besprochen habt. Das würde ich immer noch gern wissen.«
»Ach, nichts Besonderes. Was man halt so bei Beerdigungen redet. Es wäre mir trotzdem lieber, wenn ich ihn nicht wiedersehen müsste ...«
»Du bist doch nicht etwa eifersüchtig?« Frida lachte hell auf. »Du weißt doch, dass das damals nur eine Jugendliebe war. Theo und ich waren lange Jahre nur beste Freunde, irgendwann wurde mehr daraus. Ja, wir waren eine Zeit lang sehr verliebt und haben uns nach der Schule ein Zimmer in Innsbruck geteilt. Ich habe Informatik studiert, Theo hat die Lehre zum Buchhändler gemacht. Aber wie das so ist, wenn man jung ist: Unsere Wege führten auseinander. Er musste jeden Tag früh raus, ich kam erst spät nach Hause ... wir haben uns nicht oft gesehen. Als ich den Praktikumsplatz in Wien bekam, war unsere Beziehung auch schon wieder vorbei. Da gibt es für dich wirklich keinen Grund zur Eifersucht. Du hast schließlich auch eine Vergangenheit«, stellte sie klar.
»Es ist nicht Eifersucht«, gab Armin, der kein gewöhnlicher Mann mit gewöhnlichen Gefühlen sein wollte, schnell zurück. »Ich fand diesen Theo bloß nicht besonders sympathisch, das ist alles.«
»So? Dafür habt ihr aber lange miteinander geredet«, entgegnete Frida schnippisch.
»Ich war nur höflich«, widersprach Armin.
Frida seufzte, dann meinte sie versöhnlich: »Hör mal, Armin, ich zwinge dich nicht, mitzukommen. Ich wünsche es mir nur. St. Christoph ist mein Heimatort, auch wenn ich schon ewig nicht mehr dort war. Seit meine Eltern nach Sylt gezogen sind, habe ich keine Wurzeln mehr.«
Armin nahm sie in die Arme und verschloss ihren Mund mit einem Kuss.
»Ist ja gut, Darling. Ich werde dich am Samstag von dort abholen und auch noch ein Glas Sekt mit dem Brautpaar trinken, okay? Jetzt lass uns aber eine Pizza bestellen, ich sterbe vor Hunger. Und dann stoßen wir auf unser persönliches Glück an. Findest du es nicht großartig, dass ich auch für dich einen Job an Land gezogen habe? Wie schade wäre es, wenn ich allein nach Berlin ziehen müsste.«
»Würdest du denn ohne mich gehen?«, fragte sie leise.
»Klaro!« Sein schallendes Gelächter machte deutlich, dass dies als Witz gemeint war. Dann zuckte er auf seine charmante Art mit den Schultern. »Aber ich wäre sehr unglücklich dabei! Jetzt kann ich meinen Job ruhigen Gewissens antreten, weil ich dich auch versorgt weiß. Du bist mir zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet!«
Frida beschloss, diese Antwort zu »überhören«. Stattdessen schmiegte sie sich an ihn.
»Ja, es wird schön. Wir werden in Berlin erst richtig zu leben anfangen, zuerst in der Wohnung, die du gefunden hast, später suchen wir uns vielleicht ein Haus am Stadtrand ...
Armin rümpfte die Nase. »Wozu brauchen wir ein Haus?«
Rasch wechselte Frida das verfängliche Thema und fragte nach dem Vertrag, den er für seinen neuen Job ausgehandelt hatte. Er hatte die Geschichte der Verhandlungen in den letzten Tagen immer wieder erzählt, aber es lenkte ihn von ihrer vorwitzigen Andeutung ab und gab ihr die Gelegenheit, sich ihren eigenen Träumen hinzugeben, während er redete.
Tatsächlich dachte sie in letzter Zeit immer öfter an eine eigene Familie. Inzwischen konnte sie kaum an Läden mit Babykleidung vorübergehen, ohne dass es sehnsuchtsvoll im Herzen zog. Aber Armin war eben noch nicht bereit für diesen großen Schritt, das musste sie akzeptieren. Eines nach dem anderen, sagte sich Frida. Zuerst die Karriere, dann die Familie. So machte man das heute. Aber zuallererst würde sie nach St. Christoph fahren.
***
Theo Bruckmüller stand in seiner Küche und starrte auf den tropfenden Wasserhahn. Das Chaos nahm einfach kein Ende. Den ganzen vergangenen Abend hatte er mit dem Kopf im Spülbecken verbracht und sich mit der Rohrzange abgemüht. Aber er war kein Klempner und auch sonst in handwerklichen Belangen mehr als unbegabt. Er würde einen Fachmann rufen müssen. Wie er diesen bezahlen sollte, wusste er allerdings nicht. Solange die Buchhandlung keinen großen Gewinn erzielte, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich mit dem Chaos zu arrangieren.
Er seufzte schwer und griff nach dem Telefon. Nachdem er mit dem Installateur einen Termin vereinbart hatte, stieg er in den Wagen und fuhr nach Mayrhofen, um in der Buchhandlung weiterzuschuften. Der Laden, den er nach dem Tod seiner Großmutter weiterführte, war völlig veraltet. Das sah zwar romantisch aus, bedeutete aber in der Realität, dass der Putz von den Wänden abblätterte, die verwinkelten Holzregale in ihren geschnitzten Schnörkeln Staub fingen, dass der unebene Boden knarrte und der gemütliche Bollerofen einen Raum auf Tropentemperatur erhitzte, während Theo in seiner kleinen Bürokammer erbärmlich fror.
