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Hotelier Christian Bernstein reist mit seiner an Multipler Sklerose erkrankten Frau Viktoria ins Berghotel. Seit Jahren pflegt er sie liebevoll, doch die Belastung hat Spuren hinterlassen. Die Ehe ist von Verantwortung geprägt, nicht mehr von Intimität oder Leidenschaft. Um Viktoria bestmöglich zu unterstützen, wird die junge Physiotherapeutin Saskia Kirsch engagiert und im Hotel untergebracht. Saskia kümmert sich aufmerksam um Viktoria und gewinnt schnell ihr Vertrauen. Als Christian der Physiotherapeutin das erste Mal begegnet, trifft es ihn wie ein Schlag. Ihre Energie, ihre Wärme - all das erinnert ihn daran, wie leicht das Leben einmal war. Auch Saskia spürt sofort, dass dieser Mann etwas in ihr berührt, das sie seit Langem verschlossen hat. Beide versuchen, Abstand zu halten, doch das Schicksal führt sie immer wieder zusammen. Es wächst eine Spannung zwischen ihnen - eine Mischung aus Sehnsucht, Schuld und Verlangen. An einem Abend auf der Hotelterrasse geben sie schließlich ihren Gefühlen nach. Beide wissen, dass es falsch ist, und doch fühlt es sich richtiger an als alles andere seit Jahren ...
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Inhalt
Zwei Herzen, ein Geheimnis
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Impressum
Cover
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Heimatroman um eine heimliche Affäre
Von Verena Kufsteiner
Hotelier Christian Bernstein reist mit seiner an Multipler Sklerose erkrankten Frau Viktoria ins Berghotel. Seit Jahren pflegt er sie liebevoll, doch die Belastung hat Spuren hinterlassen. Die Ehe ist von Verantwortung geprägt, nicht mehr von Intimität oder Leidenschaft. Um Viktoria bestmöglich zu unterstützen, wird die junge Physiotherapeutin Saskia Kirsch engagiert und im Hotel untergebracht. Saskia kümmert sich aufmerksam um Viktoria und gewinnt schnell ihr Vertrauen. Als Christian der Physiotherapeutin das erste Mal begegnet, trifft es ihn wie ein Schlag. Ihre Energie, ihre Wärme – all das erinnert ihn daran, wie leicht das Leben einmal war. Auch Saskia spürt sofort, dass dieser Mann etwas in ihr berührt, das sie seit Langem verschlossen hat. Beide versuchen, Abstand zu halten, doch das Schicksal führt sie immer wieder zusammen. Es wächst eine Spannung zwischen ihnen – eine Mischung aus Sehnsucht, Schuld und Verlangen. An einem Abend auf der Hotelterrasse geben sie schließlich ihren Gefühlen nach. Beide wissen, dass es falsch ist, und doch fühlt es sich richtiger an als alles andere seit Jahren ...
Christian schloss die Glastür des Konferenzraums hinter sich und hatte für einen Moment das Gefühl, in eine andere Welt zu treten. Drinnen waren Zahlenkolonnen über die Leinwand geflimmert, es war um Auslastungsquoten gegangen, um eine mögliche Erweiterung seines Münchner Stadthotels, um eine Beteiligung an einem Boutique-Projekt am Tegernsee. Investoren hatten ihm interessierte Fragen gestellt, er hatte wie immer souverän geantwortet: ganz der erfolgreiche Hotelier, der genau wusste, was er tat.
Im Fahrstuhl, auf dem Weg nach unten, sah er sein Spiegelbild. Der Anzug saß perfekt, die Krawatte war nicht verrutscht. Nur die feinen Schatten unter seinen blauen Augen verrieten, dass die Tage lang und die Nächte selten erholsam waren. Seit Viktorias letztem Schub ließen ihn die Sorgen auch im Schlaf nicht los. Er strich sich über das dunkelblonde Haar, als könne er damit die Müdigkeit wegstreichen, die sich in den letzten Jahren in ihm festgesetzt hatte.
Draußen tauchte er in Münchens Abendlärm ein. Menschen strömten aus den Büros, eine Straßenbahn quietschte um die Kurve. Christian ging die paar Schritte zu seinem Wagen, einem dunkelgrauen Audi. Er setzte den Blinker und bog nicht auf direktem Weg zur Stadtautobahn ab, sondern in eine Seitenstraße.
Dort lag ein kleiner Feinkostladen. Er dachte seufzend daran, dass er hier früher manchmal mit Viktoria gewesen hatte, Hand in Hand und lachend, weil sie sich nicht entscheiden konnten, welche Oliven sie nehmen sollten. Die Glocke über der Tür klingelte hell, als er eintrat. Es roch nach frischem Brot, Öl und Kräutern.
Er nahm ein knuspriges Baguette, ein Glas eingelegte Paprika, schwarze Oliven, einen cremigen Auberginenaufstrich, Hummus, ein kleines Stück Ziegenkäse mit Kräutern. Dinge, die sie immer gemocht hatte. Vielleicht, dachte er, würde sie beim Anblick der vertrauten Kleinigkeiten Appetit bekommen und sich darüber freuen.
Mit der Papiertüte auf dem Beifahrersitz fuhr er schließlich aus der Stadt hinaus. Der Verkehr lichtete sich, die Häuser wurden niedriger, dann begannen Gärten und Felder. Die Villa lag ein Stück außerhalb, auf einem sanft ansteigenden Grundstück. Als er in die Einfahrt bog, gingen automatisch die Lichter an und tauchten die helle Fassade in weiches Scheinwerferlicht.
Das Haus war ihr gemeinsamer Traum gewesen: große Fensterfronten, viel Weiß und Sandtöne, geöltes Eichenparkett, ein offener Grundriss. Luftig, lichtdurchflutet, ein Ort, an dem man aufatmen konnte. Eigentlich viel zu groß für zwei Personen. Er hatte sich immer vorgestellt, wie hier Kinderfüße über den Flur tapsten, wie irgendwo ein Kind lachte, während er am Herd stand und Viktoria über die Kücheninsel hinweg anlächelte.
Kindersegen hatte sich aber nie eingestellt. Erst war immer »noch Zeit« gewesen, dann hatte der Arzt nach Viktorias Diagnose die Stirn gerunzelt und von Risiken gesprochen. Und irgendwann war die Frage im Alltag untergegangen, wie so vieles, was einmal wichtig erschienen war.
Christian stellte die Einkaufstüte in der Küche auf die helle Steinplatte, legte die Autoschlüssel daneben und rief: »Viktoria?«
Keine Antwort.
Er ging ins Wohnzimmer. Auch hier fiel noch das letzte Licht des Tages durch die breite Fensterfront. Auf dem beigefarbenen Sofa lag eine Decke, daneben ein aufgeklappter Roman, das Lesezeichen quer darüber. Der große Esstisch stand leer. Alles war ordentlich, aufgeräumt – und still.
»Viki?«
Wieder nichts.
Einen Moment lang lauschte er in das Haus hinein. Die Treppe zum Obergeschoss mit den Schlafzimmern lag vor ihm. Mittlerweile gab es hier einen Treppenlift für Viktoria. Er wollte gerade hochgehen, um zu sehen, ob sie sich ins Bett gelegt hatte, doch da fiel sein Blick durch die Glasfront nach draußen.
Auf der überdachten Terrasse zeichnete sich eine schmale Gestalt ab. Viktoria saß in einem Sessel, in eine dicke Wolldecke gehüllt. Ihre Silhouette wirkte im Gegenlicht fast zerbrechlich. Neben ihr stand der Rollstuhl. Der Abend war bereits hereingebrochen, und der Himmel schimmerte in einem matten Blau.
Christian betrat die Terrasse. »Viktoria, Schatz«, sagte er leise, »du solltest nicht draußen sitzen, abends wird es frisch.«
»Ich brauchte frische Luft«, murmelte sie. »Drinnen hatte ich das Gefühl, zu ersticken.«
Er beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie auf die Wange. Ihre Haut fühlte sich kühl an, die Sommersprossen auf ihrer hellen Haut wirkten im schwächer werdenden Licht wie zarte Schatten. Sie nahm den Kuss hin, ließ ihn im Grunde genommen über sich ergehen, ohne ihm entgegenzukommen.
»Ich war noch im Feinkostladen«, sagte er und bemühte sich um einen heiteren Unterton. »Ich habe Baguette besorgt, Oliven, deine Lieblingsaufstriche. Und diesen Ziegenkäse, den du immer so ...«
»Das ist lieb«, unterbrach sie ihn leise. »Aber ehrlich gesagt habe ich keinen Hunger.«
Er biss sich auf die Lippe. »Du solltest mehr essen, Schatz. Du hast wieder abgenommen.« Er seufzte, zog einen Stuhl heran und setzte sich ihr gegenüber.
Sie sah an ihm vorbei in den dunkler werdenden Garten. Die rotblonden Locken lagen wie ein Schleier auf ihren Schultern, ein paar Strähnen hatten sich aus dem lockeren Zopf gelöst. Sie war noch immer schön, atemberaubend schön, mit dieser feinen, hellen Haut und den blaugrünen Augen, in denen früher Feuer gelegen hatte. Sie war immer eine starke Frau gewesen, selbstbewusst und voll im Leben stehend. Jetzt erinnerte sie ihn eher an eine Fee aus einem fremden Märchen – durchsichtig, zart. Nur dass dies kein Märchen war und sie keine Zauberkräfte hatte, um sich aus dieser Krankheit zu befreien.
Die Multiple Sklerose hatte sich mit der Zeit in ihr Leben gefressen. Erst waren es seltsame Empfindungen gewesen, Taubheit in den Fingern, unsichere Schritte. Dann Untersuchungen, die Diagnose. Heute bestimmte die Krankheit ihren Rhythmus. An manchen Tagen kam sie mit dem Gehstock durch das Haus, an anderen war sie auf den Rollstuhl angewiesen.
Und er? Er war ihr Begleiter geworden, Pfleger, Organisator, Antreiber, Tröster. Er fuhr sie zu Ärzten, achtete auf Medikamente, schob den Rollstuhl über zu hohe Bordsteine. Er tat es aus Liebe, aus Dankbarkeit für all die gemeinsamen Jahre. Und doch lag über allem eine Müdigkeit, die er vor ihr zu verbergen versuchte. Zwischen Fürsorge, Routine und Schuldgefühlen war aus Leidenschaft eine stille, pflichtbewusste Zuwendung geworden.
»Ich habe nachgedacht«, sagte er. »Dein Arzt meinte doch neulich, ein Aufenthalt in der Natur, in den Bergen, würde dir guttun.«
Ein dünnes Lächeln huschte über ihr Gesicht.
»Und nun willst du mich in irgendeine Kuranstalt abschieben?«, fragte sie. Es war kein Vorwurf, eher eine müde Feststellung.
»Freilich will ich dich nicht abschieben, was denkst du denn?« Er schüttelte den Kopf. »Ich dachte an etwas anderes. An ein schönes Hotel im Zillertal. Kein Krankenhaus, keine Klinik. Ein Ort, wo wir einfach mal raus kommen. Die gesunde Bergluft, ein bisschen frische Eindrücke ... Ich würde mitkommen, von dort aus arbeiten. Wir wären zusammen weg von hier.«
Sie schwieg einen Moment, dann wandte sie sich ihm zu, und er sah den leisen Glanz ihrer blaugrünen Augen.
»Das ist eine schöne Idee, Schatz«, sagte sie schließlich. »Wenn du glaubst, dass du dir die Zeit nehmen kannst.«
»Für dich nehme ich mir die Zeit«, antwortete er entschlossen. Dann stand er auf. »Komm. Es wird wirklich kalt. Lass uns reingehen.«
Er schob den Rollstuhl näher an ihren Sessel und hielt ihr die Hand hin. Ihre Finger waren schmal und kühl, aber sie klammerte sich mit überraschender Kraft an ihm fest, als sie sich aufrichtete. Die paar Schritte bis zum Rollstuhl wirkten heute schwerer als sonst. Vorsichtig half er ihr, sich zu setzen, legte die Decke über ihre Beine und schob sie ins Wohnzimmer. Die Lampen warfen warmes Licht auf die hellen Wände, auf das Sofa, auf den leeren Esstisch.
Während er die Terrassentür schloss, nahm er sich fest vor, schon am nächsten Tag nach einem Hotel im Zillertal zu suchen. Er konnte die Krankheit nicht aufhalten. Aber vielleicht, dachte er, ließ sich der bleiernen Schwere ihres Alltags ein kleines Stück Leichtigkeit abtrotzen. Und wenn es nur für ein paar Wochen war.
***
Hedi und Andi Kastler schlenderten durch die helle Lobby des Sporthotels »Am Sonnenhang«, das im ganzen Ort nur »das Berghotel« genannt wurde. Sonnenlicht fiel durch die großen Fensterfronten, ließ die Steinfliesen glänzen und tauchte die Räume in warmes Morgenlicht. Das Hotel war ihr gemeinsames Lebenswerk, ein Herzensprojekt, das sie über die Jahre mit viel Liebe aufgebaut hatten. Manchmal, wenn sie wie jetzt nebeneinander durchs Foyer gingen, hatten sie das Gefühl, als atme das Haus selbst mit ihnen.
Eigentlich wollten sie gleich in die Küche, um mit ihrem Chefkoch Leo Hofbacher das Menü für die nächste Woche durchzusprechen. Noch blieb ihnen ein kurzer Moment, um durchs Haus zu sehen und sich gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen. Hinter der Rezeption stand Hausdame Gerda Stahmer, die gerade eine vierköpfige Familie eincheckte. Gerda lächelte knapp und professionell, während sie Pässe entgegennahm und Zimmerkarten reichte. Hedi und Andi nickten ihr freundlich zu, ohne sie weiter zu stören.
Durch die breite Fensterfront nach draußen konnte man Franz Kroneder, den Gärtner, sehen. Er stutzte konzentriert die niedrigen Hecken entlang des Wegs. Die Außenanlagen waren in tadellosem Zustand, und Hedi musste jedes Mal schmunzeln, wenn sie sah, mit welcher Hingabe Franz sich den Sträuchern widmete.
»Alles muss picobello sein«, pflegte er zu sagen, »sonst fühlen sich die Gäste nicht wohl.«
Und genau so wollten die Kastlers es auch. Das Wichtigste war ihnen, dass alle Gäste hier einen traumhaften Urlaub verbrachten, an den sie noch lange gern zurückdachten, und dass jedes Detail stimmte.
»Ach, Anderl«, begann Hedi, während sie weiter durch die Lobby gingen, »ich habe heute Morgen eine ganz besondere Anfrage bekommen. Die große Suite ist für einen längeren Zeitraum reserviert worden. Mehrere Wochen, vielleicht sogar Monate.«
»Oh, schön!« Andi schmunzelte. »Wer gönnt sich denn so einen langen Urlaub?«
Hedi schob eine blonde Haarsträhne hinters Ohr, die sich aus dem kunstvollen Flechtzopf gelöst hatte.
»Ein Hotelier aus München. Herr Christian Bernstein und seine Gemahlin, Frau Viktoria Bernstein.«
Andi nickte anerkennend. »Aha, Branchenkollegen. Da ist es ja fast ein Kompliment, wenn sie ausgerechnet zu uns kommen.«
Doch Hedi seufzte leise. »Leider hat der Aufenthalt einen ernsten Hintergrund. Frau Bernstein ist chronisch krank. Multiple Sklerose.« Ihr Blick wurde weich. »Sie hoffen, dass die frische Bergluft und ein Tapetenwechsel ihr guttun.«
Andi schwieg einen Moment und sah hinaus zu den Bergen, die wie schützende Riesen über St. Christoph wachten.
»Das tut mir leid. Aber wenn es irgendwo Linderung gibt, dann hier bei uns.«
»Das glaube ich auch«, stimmte Hedi zu. »Herr Bernstein hat zusätzlich ein Zimmer für eine Physiotherapeutin angemietet. Eine junge Frau, die extra für Viktorias Therapie anreisen wird. Soll eine Koryphäe auf ihrem Gebiet sein.«
»Na, wenn die Zillertaler Bergluft eines kann«, sagte Andi mit Überzeugung, »dann heilen oder wenigstens lindern. Und unser schönes Berghotel tut sein Übriges.«
Hedi lächelte und hakte sich bei ihm ein.
»Dann lass uns zum Leo gehen. Wenn wir schon Gäste haben, die Hoffnung im Gepäck tragen, sollte das Essen weiterhin perfekt sein.«
***
Saskia hatte sich den Wecker viel zu früh gestellt, aber vor lauter Aufregung war sie ohnehin eine halbe Stunde früher wach geworden. Als sie jetzt ihr kleines, in die Jahre gekommenes Auto durch die Serpentinen lenkte, klopfte ihr Herz schneller als gewohnt – vor Vorfreude, nicht vor Nervosität. Die Sonne schob sich über die Gipfel, tauchte die Hänge in goldenes Licht, und jedes Mal, wenn sie um eine Kurve bog, eröffnete sich ein neues Postkartenmotiv.
»Wahnsinn, wie schön«, murmelte sie, während der Blick ihrer bernsteinfarbenen Augen von Alm zu Gipfel sprang.
Tirol war ihre Heimat, und sie liebte die österreichischen Berge leidenschaftlich, aber hier, im Zillertal, war sie tatsächlich noch nie gewesen. Da hatte sie bisher wirklich etwas verpasst, dachte sie jetzt begeistert. Das Tal wirkte sanft und gleichzeitig majestätisch, wie ein versteckter Schatz.
Die Navigations-App auf ihrem Handy führte sie weiter über eine schmale Straße Richtung St. Christoph. Doch Saskias Handy war fast so alt wie ihr Auto, der Akku schwächelte seit Monaten, und eigentlich hätte sie längst ein neues kaufen müssen, wenn sie das Geld gehabt hätte. Aber so eine Ausgabe war momentan leider nicht drin. Die letzten Jahre hatten sie finanziell durchgeschüttelt, und seit der Pflege ihrer Mutter war kaum etwas übrig geblieben.
»Aber das wird jetzt anders«, sagte sie entschlossen. Der neue Job war eine großartige Chance, gut bezahlt und verantwortungsvoll.
Sie bog in das Zentrum von St. Christoph ein, rollte über den kleinen Marktplatz, und in exakt diesem Moment wurde der Bildschirm schwarz.
»Bitte nicht«, seufzte Saskia. Sie tippte auf das Display. Nichts. »Komm schon, wenigstens bis zum Hotel!« Doch der Akku gab endgültig auf.
Sie seufzte, lenkte den Wagen an den Rand des Kirchplatzes und stieg aus. Die kleine Dorfkirche mit ihrem Zwiebelturm bildete das Zentrum des Platzes. Weiter hinten ragten hohe Gipfel auf. Mehr Idylle ging kaum.
Sie sah sich suchend um und entdeckte eine sportlich aussehende junge Frau, die gerade mit einem Fahrrad über den Platz fuhr.
»Entschuldigung!«, rief Saskia und hob die Hand. »Können Sie mir helfen? Ich suche das Sporthotel ›Am Sonnenhang‹.«
Die junge Frau bremste und lachte überrascht. »Das Berghotel? Da will ich gerade selbst hin!«
»Ach wirklich?« Saskia grinste. »Das trifft sich ja super.«
»Also ...« Die Frau stützte sich entspannt auf den Lenker. »Du fährst einfach da die Straße hoch, am Kirchplatz vorbei und ein Stückerl bergauf, dann siehst du's schon. Kannst es gar net verfehlen. Machst du hier Urlaub? Dann wünsch ich dir einen tollen Aufenthalt! Wirst schon sehen, es ist das reinste Paradies hier.«
»Vielen Dank! Ich bin net als Urlauberin hier, ich arbeite hier und wurde im Hotel untergebracht.« Saskia strich sich eine glatte, schokoladenbraune Haarsträhne hinters Ohr. »Aber ich bin mir sicher, ich habe trotzdem Zeit, die Gegend zu erkunden. Ist ja traumhaft.«
Die andere musterte sie mit lebhaftem Interesse.
»Dann bist du die Physiotherapeutin, gell?« Sie duzte Saskia ganz selbstverständlich.
Saskia blinzelte überrascht. »Ähm ... ja? Woher weißt du das denn so schnell?«
Das Lachen der jungen Frau war herzlich.
»St. Christoph ist ein kleines Dorf. Hier weiß jeder alles. Und da ich selbst im Berghotel arbeite, sitz ich quasi an der Quelle.«
»Ach, du arbeitest dort?«
