Das Berghotel 368 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 368 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Nach einem beruflichen Skandal in Wien nimmt Klara Tiller widerwillig eine Reportage über den Fasnachtsball in ihrem Heimatdorf St. Christoph an - Hauptsache, raus aus der Schusslinie. Mit gemischten Gefühlen kehrt sie an den Ort zurück, den sie einst fluchtartig verließ. Doch schon vor dem Ortsschild steckt sie in einer Schneewehe fest, aus der sie der charmante Bäcker Marko Fillgrater befreit. Zwischen Schneeballschlachten, Ballvorbereitungen im Berghotel und einem Besuch in der warmherzigen Familienbäckerei der Fillgraters spürt Klara, wie sehr ihr das Dorf doch fehlt. Als beim Ball um Mitternacht die Masken fallen, muss sie entscheiden, wohin ihr Herz wirklich gehört ...

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Fastnachtsball im Berghotel

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Fastnachtsball im Berghotel

Wenn die Masken tanzen

Von Verena Kufsteiner

Nach einem beruflichen Skandal in Wien nimmt Klara Tiller widerwillig eine Reportage über den Fastnachtsball in ihrem Heimatdorf St. Christoph an – Hauptsache, raus aus der Schusslinie. Mit gemischten Gefühlen kehrt sie an den Ort zurück, den sie einst fluchtartig verließ.

Doch schon vor dem Ortsschild steckt sie in einer Schneewehe fest, aus der sie der charmante Bäcker Marko Fillgrater befreit. Zwischen Schneeballschlachten, Ballvorbereitungen im Berghotel und einem Besuch in der warmherzigen Familienbäckerei der Fillgraters spürt Klara, wie sehr ihr das Dorf doch fehlt. Als beim Ball um Mitternacht die Masken fallen, muss sie entscheiden, wohin ihr Herz wirklich gehört ...

An den meisten Tagen liebte Klara Tiller ihren Job über alles. Heute allerdings nicht. Sie saß seit dem Spätnachmittag in der Redaktion vor ihrem Computer und starrte auf den Bildschirm. Inzwischen hatte sich eine Kollegin nach der anderen verabschiedet, und ein Kollege nach dem anderen war mit einem fröhlichen Winken in den Feierabend verschwunden.

Nur Klara kämpfte noch mit der Reinfassung des Interviews, das sie am Nachmittag geführt hatte. Die Uhr tickte. Bis zur Online-Schaltung des Artikels war bloß noch eine halbe Stunde Zeit. Dennoch konnte sich Klara nicht auf ihre Arbeit konzentrieren.

Gestern hatte ihr langjähriger Freund Jens mit ihr Schluss gemacht – per SMS! Vor drei Stunden hatte sie dann erfahren müssen, dass es sich bei dem aufstrebenden Schlagersternchen, das sie interviewte, um den Trennungsgrund handelte.

Arglos hatte Klara mit der Sängerin Nina Kratochwil – besser bekannt unter dem Namen Nini – in einem Innenstadt-Café zusammengesessen, als diese ihr genüsslich unter die Nase gerieben hatte, dass sie die neue Frau in Jens Tichys Leben war. All die in den vergangenen Tagen vorbereiteten Fragen an die junge Künstlerin waren mit einem Schlag wie ausgelöscht gewesen, aber sie hatten sich sowieso erübrigt, denn Nini hatte ohne Punkt und Komma drauflos geschwafelt.

Und so wie jeder von Ninis Sätzen stets mit »Ich« begann, begleitet von affektiertem Augenklappern und gelangweiltem Gähnen, hatte sie es vorhin auch nicht lassen können, vom neuen Mann in ihrem Leben zu schwärmen.

»Ich bin seit drei Wochen mit Jens Tichy zusammen, der kürzlich den Publikumspreis als beliebtester Moderator bekommen hat, wie aber wahrscheinlich ohnehin alle wissen« (kicher), »und er hat mir erst vorhin wieder versichert, dass er noch nie so glücklich war. Ich kann mich jedenfalls nicht beklagen« (kicher, Augenklappern), »der Mann ist eine wahre Sexmaschine und hat offensichtlich gerade eine schlimme Durststrecke hinter sich.«

Natürlich hatte Nini genau gewusst, mit wem sie dieses Gespräch führte – beziehungsweise, wer die Frau war, die diesen eitlen Monolog aufzeichnete. Dass sie Jens ins Spiel gebracht hatte, war außerdem ein guter Werbe-Schachzug gewesen, denn als Moderator der täglichen Quizsendung im Vorabendprogramm galt Jens in der Schicki-Micki-Gesellschaft Wiens als einer der begehrtesten Junggesellen.

Kein Wunder: Jens Tichy sah fantastisch aus, war wortgewandt und hatte immer ein Strahlelächeln im Gesicht. Zuletzt hatte ihm diese Kombination den besagten Fernsehpreis beschert. Um da mitzuhalten, musste sich ein ehrgeiziges Schlagersternchen schon ordentlich anstrengen, keine Frage.

Wie Jens dieses neue Leben mit seiner sonst so strikten Trennung von Privatem und Beruf vereinbaren konnte, war Klara ein Rätsel. Aber das war seit gestern – genauer gesagt, wenn man Nini Glauben schenkte, seit drei Wochen – nicht mehr ihr Problem.

Klara stellte fest, dass sie inzwischen an zwei Dokumenten arbeitete. Das eine war der Text, den sie in nunmehr nur noch einer Viertelstunde abschicken würde. Jener Text also, der ab Mitternacht in der Online-Ausgabe des Wiener-Wochen-Echos erscheinen würde: ein nüchterner, gut recherchierter Artikel ohne persönliche Schmähungen, wie es Klaras Ruf als sorgfältiger Journalistin entsprach. In diesem Text hatte sie Ninis dümmliche Aussagen halbwegs lesbar zusammengefasst.

Der andere Text bestand aus dem eigentlichen Original – war also die wörtliche Niederschrift von Ninis Geschwafel, zu Klaras persönlicher Genugtuung mit kleinen boshaften Kommentaren versehen. Das musste einfach sein!

Eben hatte Gerd Aubauer, der Chefredakteur des Wiener-Wochen-Echos, zur Bürotür hereingeschaut.

»Mach's gut, Klara. Ich bin dann weg. Viel Spaß beim Schreiben, vergiss nicht auf eine nette Schlusspointe und gute Nacht!«

Mit diesen Worten hatte er als einer der Letzten die Redaktion verlassen.

Seitdem hatte Klara nichts weitergebracht. Noch nie hatte sie sich beim Schreiben eines Artikels so abgequält. Statt Ninis Worte mit einer guten »Übersetzung« aufzuwerten, konnte sie es einfach nicht lassen, all ihre Gefühle, ihren Ärger und ihren Sarkasmus in den zweiten Text fließen zu lassen. Das brauchte sie einfach für ihr Seelenheil, und die schlecht aufgetragene Mascara und die fettigen Haare, die schlappe Körperhaltung und der ungewaschene Geruch des Schlagersternchens würden hier auch noch ihren Niederschlag finden.

Zuvor rief sich Klara aber zur Ordnung. Sie hatte in den letzten Jahren hart gearbeitet und war erst kürzlich mit der Position der Ressortleiterin für die Kulturberichterstattung belohnt worden. Deshalb durften private Empfindlichkeiten keine Rolle spielen!

Sie stand auf und öffnete das Fenster. Sofort strömte kalte Februarluft in den Raum. Klara atmete tief durch. Die Wiener Stadtluft war zwar nicht mit der gesunden Bergluft zu vergleichen, die sie als Kind geatmet hatte, aber sie brachte Klara wieder in die Spur zurück. Oh ja. Die junge Frau mit dem schulterlangen dunkelbraunen Haar, das sie nun locker zurückgebunden hatte, war genau, wo sie immer sein hatte wollen: in der Kulturredaktion einer angesagten Zeitung.

Freilich hatte die Trennung von Jens ihrer Erfolgsgeschichte jetzt ein trauriges Kapitel hinzugefügt, aber Klara war nicht gewillt, sich unterkriegen zu lassen. Sie hatte in ihrem Leben schon ganz andere Schwierigkeiten gemeistert als ein Gespräch mit einem dummen Girlie, nach dem in wenigen Jahren sicherlich kein Hahn mehr krähen würde – auch wenn sie sich benahm wie ein gackerndes Huhn.

Ha, wäre das nicht der perfekte Schlusssatz, die von Gerd geforderte Pointe? Klara grinste und tippte den Satz in ihre private »Streitschrift«. Den eigentlichen Text beendete sie mit: »Wir wünschen dieser jungen und überaus sympathischen Sängerin alles Gute für die sicherlich erfolgreiche Zukunft!«. Das war schon so schleimig, dass es durchaus als Scherz gelesen werden konnte. Ein Insiderwitz für alle, die Nina Kratochwil näher kannten.

Klara gähnte herzhaft und drückte auf »Senden«. Endlich war ihre Arbeit getan. Ein wirklich harter Tag lag hinter ihr. Doch sie ahnte, dass vor ihr kein geruhsamer Schlaf wartete, sondern eine Nacht voller Liebeskummer. Bis jetzt hatte sie noch nicht die Zeit gefunden, sich mit dem Aus ihrer Beziehung auseinanderzusetzen. Die kalte Nachtluft und der Fußmarsch von der Redaktion zum zweiten Bezirk, wo sie eine kleine Wohnung hatte, würde ihr erst verdeutlichen, was da gerade in ihrem Leben schiefgelaufen war.

Aber da musste sie jetzt durch. Sie würde auch dies hinter sich bringen, denn Klara Tiller war keine Frau, die den Kopf in den Sand steckte. Immer noch, in den siebenundzwanzig Jahren ihres jungen Lebens, hatte sie sich allen Problemen direkt gestellt, und das würde sie auch jetzt tun.

Sie würde ein bisschen weinen, sich beim Anblick der letzten Urlaubsfotos schrecklich selbst bemitleiden, sie würde vielleicht noch eine Flasche Wein aufmachen und sich ein Gläschen genehmigen, und sie würde schließlich darüber hinwegkommen.

»Ja«, sagte sie sich, als sie das Licht im Büro ausschaltete. »Ich werde mich dem Schmerz stellen und mich danach ordentlich ausschlafen.«

Das wenigstens hatte sie mit Gerd noch am Nachmittag vereinbart: Nach dieser Nachtschicht brauchte sie morgen erst nachmittags in der Redaktion aufschlagen.

Klara zog ihren dunkelblauen Anorak an und stellte die Kapuze mit dem Pelzkragen hoch. Dann warf sie die Tür der Redaktion hinter sich zu. Trotz ihres Kummers wusste sie schon jetzt, dass Jens ihre Tränen nicht wert war. Ein Mann, der zu feige war, um direkte Worte auszusprechen, ein Mann, der nur eine SMS schickte: Verzeih, aber es ist aus!, so einer hatte wohl nichts Besseres verdient als eine Nina Kratochwil.

Der Gedanke, Nini als »Höchststrafe« für Jens zu sehen, gefiel Klara und zauberte ihr ein unerwartetes Lächeln ins Gesicht. Gleich danach kamen aber schon die Tränen.

***

Am nächsten Tag erwachte Klara kurz vor Mittag. Sie hatte in der Nacht zuvor wirklich noch lange geweint und sich immer wieder an alle schönen Momente erinnert, die sie in den vergangenen drei Jahren mit Jens erlebt hatte. Sie waren als Paar zusammengekommen, bevor Jens als Moderator für das Vorabendquiz entdeckt worden war, und bevor Klara Ressortleiterin im Wiener-Wochen-Echo geworden war. Sie hatten einander unterstützt und sich füreinander gefreut. So etwas konnte sie nicht mit einem Fingerschnippen aus ihrem Leben werfen.

Die Trennung tat verdammt weh und hatte sie auch ziemlich kalt erwischt. Nun, vielleicht würde sich Jens ja doch noch einmal melden, um ihr alles genauer zu erklären. Allerdings gab es nicht viel zu sagen: Er hatte sich in eine andere Frau verliebt. So was kam vor.

Klara wälzte sich noch ein paar Mal im Bett hin und her, dann stand sie auf und kochte sich einen starken Kaffee. Heute war ein neuer Tag, und im Journalismus hieß das: ein neues Thema, eine neue Aufgabe. Was auch immer auf sie zukommen würde – so schlimm wie das Gespräch mit Nini konnte es nicht werden!

Klara putzte sich die Zähne, legte ein schnelles Make-up auf und band die Haare zurück. Dann machte sie sich auf den Weg in die Redaktion. Draußen war es eiskalt.

Die Kollegin von der Innenpolitik nickte anerkennend, als Klara und sie im Aufzug nebeneinanderstanden. Der Kollege von der Außenpolitik schüttelte missbilligend den Kopf. Die neue Rezeptionistin starrte sie an wie ein seltenes Zootier. Der Kollege vom Sport grinste boshaft, ebenso Wendy, die erst seit zwei Monaten hier arbeitete und bereits nach Klaras Job luchste. Die Sekretärin vom Herausgeber sah so drein, als wolle sie Klara umarmen, in ihren Augen standen Tränen. Als sich Klara brüsk abwandte, hörte sie die Frau mitleidsvoll »Es wird schon wieder, Kindchen« sagen.

Hatte sie etwas verpasst? Klara griff in die Gesäßtasche ihrer Jeans und nestelte ihr Mobiltelefon heraus. Normalerweise schaute sie gleich nach dem Aufwachen, was es in der Welt Neues gab. Aber sie war erst so spät eingeschlafen – eigentlich erst im Morgengrauen – dass sich alles verschoben hatte. Und jetzt erinnerte sie sich auch, dass sie nach dem letzten Scrollen durch die Bilder des vergangenen Jahres wütend das Telefon ganz ausgeschaltet hatte.

Sie stellte sich in eine Nische vor dem Büro und aktivierte das Gerät. Im nächsten Moment fing das Piepsen an und hörte so bald nicht mehr auf. Eine Nachricht nach der anderen machte geräuschvoll auf sich aufmerksam.

Da sah auch schon Simone um die Ecke, die neue Assistentin des Chefredakteurs. Sie verdrehte die Augen, deutete auf ihre nicht vorhandene Armbanduhr und sagte nur fünf Worte: »Jetzt sofort. In sein Büro!«

Komisch, dachte Klara, es war doch ausgemacht, dass ich erst nachmittags kommen werde! Ob Gerds Befehl mit den vielen Eingängen auf ihrem Telefon zu tun hatte? Schnell, schon im Weitergehen, öffnete Klara eine der Mitteilungen.

»Glückwunsch! Das nenne ich die Rache einer verlassenen Frau. Es war höchste Zeit, dieser dämlichen Schlagertussi mal eine Abreibung zu verpassen«, stand da.

Im nächsten Moment überkam Klara eine böse Vorahnung, und ihre Knie wurden weich.

***

Gerd Aubauer stand langsam auf und schloss die Tür, sobald Klara eingetreten war. Mit einem lauten Seufzer ließ er sich danach wieder in den Schreibtischsessel fallen. Klara stand mit weit aufgerissenen Augen vor ihm. Der schreckliche Verdacht, der sie vor einer Minute befallen hatte, verdichtete sich mit jeder Sekunde mehr zur grauenhaften Gewissheit: Sie hatte gestern das falsche Dokument freigegeben.

Die ganze Welt – oder jener Bruchteil, den die Leserschaft des Wiener-Wochen-Echos ausmachte – konnte die spitzen Bemerkungen und die allzu freizügigen Aussagen Ninis lesen. Und vor allem die boshaften Kommentare, die Klara zur eigenen Freude dazugeschrieben hatte.

Der Chefredakteur deutete Klaras Gesichtsausdruck richtig.

»Autsch!«, sagte er und nickte bekräftigend. »Da hast du echt Mist gebaut!«

Dabei sah er gar nicht so unglücklich drein. Den Grund dafür fand Klara bald heraus.

»Du wirst natürlich die Konsequenzen tragen müssen, Klara«, erklärte er lässig. »Eine knappe Entschuldigung, die aber nicht zu viele Zeilen beanspruchen darf, schließlich haben wir noch über andere Themen zu berichten. Du musst außerdem damit rechnen, dass dich der sogenannte Shitstorm im Internet noch eine Weile auch privat verfolgen wird. Aaaaber ...« Nun grinste er wie eine diebische Katze. »Aber du weißt ja, was man in unserer Branche sagt: Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Unsere Verkaufszahlen sind seit der Früh rapide in die Höhe geschnellt. Sofern uns dieses Schlagersternchen keinen Anwalt auf den Hals hetzt, sind wir als Zeitung fein raus. Ich hoffe, du hast keine ihrer Aussagen gefälscht?«

Klara fasste sich allmählich wieder, sie besann sich auf die Ereignisse vom Vorabend und atmete erleichtert auf, als ihr bewusst wurde, dass sie die »schlecht aufgetragene Mascara und die fettigen Haare, die schlechte Körperhaltung und den ungewaschenen Geruch des Schlagersternchens« vergessen hatte, aufzuschreiben.

»Nein«, versicherte sie. »Es ist alles auf Tonband. Ich hatte Ninis Aussagen allerdings für den richtigen Artikel entschärft und die Sätze in Form gebracht, sie hat sich teilweise ja beim Reden selbst überholt und ...«

»Du kannst diese Person wirklich nicht leiden, was? Nun, das ist verständlich. Sie hat dir den Mann ausgespannt, womit wir – ich spreche vom Wiener-Wochen-Echo – in den Genuss eines großartigen Zickenkriegs kommen. Unser Glück ist aber dein Pech. Journalistisch gesehen, hast du dir keinen Gefallen getan. Warum gab es überhaupt zwei Dokumente?«

»Das eine war für die Öffentlichkeit, das andere für mich. Zu meiner persönlichen Genugtuung«, gestand Klara.

»An der jetzt ganz Wien teilhaben darf.« Der Chefredakteur seufzte erneut und lehnte sich gemütlich zurück, um seinem stattlichen Bauch Raum zu geben. Er kraulte sich den angegrauten Vollbart. »Bist du dir bewusst, dass du Ninis Karriere womöglich angetrieben hast, während deine den Bach runtergehen wird? Nur weil du einen persönlichen Rachekrieg führen willst. War's das wert?«

Klara spürte, wie ihr neuerlich die Tränen aufstiegen.

»Ja!«, hätte sie am liebsten gerufen.

Aber sie wusste, dass Aubauer recht hatte. Sie hatte es versemmelt.

»Hast du gelesen, was die Leute schreiben?«, erkundigte sich ihr Chef.

Klara schüttelte den Kopf. »Ich bin noch nicht dazu gekommen.«

»Nun, manche freuen sich diebisch, weil Nini eins auf die Fresse bekommen hat. Die sind aber in der Minderheit. Die meisten Kommentare kommen von Ninis Fans – und das sind wilde, entschlossene Teenager, die sich mit dem Girlie identifizieren. Die sind dir gar nicht wohlgesonnen.«

»Ich werde eine Entschuldigung schreiben«, stammelte Klara.

»Mach das. Kurz und ehrlich. Und wenn du mich eben nicht angelogen hast, kannst du gern auf das Tonband verweisen. Für deine bissigen Kommentare musst du aber selbst gradestehen.«