Das Berghotel 372 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 372 E-Book

Verena Kufsteiner

0,0
2,49 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Zwei Jahre ist Elisa nun Witwe. Nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes hat sie sich immer weiter zurückgezogen. Auf Empfehlung ihrer Mutter, einer guten Freundin von Hedi Kastler, reist sie ins Berghotel - mit der Hoffnung, dort Kraft zu tanken und wieder Boden unter den Füßen zu finden. Doch natürlich ist auch dort die Trauer allgegenwärtig. Elisa sucht Halt in der Natur. Bei einer Wanderung begegnet sie Nils, einem wortkargen Hüttenwirt. Als sie auf dem Rückweg stürzt, ist es Nils, der sie versorgt und in seine Hütte bringt. Zwischen wenigen Worten entsteht Nähe. Tage später werden die beiden Zeugen eines Autounfalls. Bei Nils brechen plötzlich alte Schuldgefühle auf. Er gesteht Elisa seine Vergangenheit als Rettungssanitäter - und Elisa erkennt, dass er der Mann ist, der ihren Ehemann nicht retten konnte ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Inhalt

Als das Schicksal uns fand

Vorschau

Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?

Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Als das Schicksal uns fand

Eine Liebe zwischen Schmerz und Neubeginn

Von Verena Kufsteiner

Zwei Jahre ist Elisa nun Witwe. Nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes hat sie sich immer weiter zurückgezogen. Auf Empfehlung ihrer Mutter, einer guten Freundin von Hedi Kastler, reist sie ins Berghotel – mit der Hoffnung, dort Kraft zu tanken und wieder Boden unter den Füßen zu finden. Doch natürlich ist auch dort die Trauer allgegenwärtig.

Elisa sucht Halt in der Natur. Bei einer Wanderung begegnet sie Nils, einem wortkargen Hüttenwirt. Als sie auf dem Rückweg stürzt, ist es Nils, der sie versorgt und in seine Hütte bringt. Zwischen wenigen Worten entsteht Nähe. Tage später werden die beiden Zeugen eines Autounfalls. Bei Nils brechen plötzlich alte Schuldgefühle auf. Er gesteht Elisa seine Vergangenheit als Rettungssanitäter – und Elisa erkennt, dass er derjenige ist, der ihren Ehemann nicht retten konnte ...

Die Straße wand sich in engen Kurven durch die hügelige Alpenlandschaft, vorbei an leuchtendgrünen Wiesen, die übersät waren mit gelben Löwenzahnköpfen, weißen Margeriten und saftigem Klee. Auf den Bergspitzen glänzten noch weiße Kappen aus Schnee, und neben der Fahrbahn rauschte ein Bach so heftig ins Tal, dass die Gischt am Straßenrand eine feuchte Spur hinterließ.

Elisa fuhr bewusst langsam, den Blick konzentriert auf die schmale Straße gerichtet. Hinter einem Ortsschild nahm sie den Fuß vom Gas und lenkte den Wagen besonders vorsichtig durch einen kleinen Weiler, der gerade mal aus sechs Höfen bestand.

Hühner pickten auf einer Wiese, und ein Traktor brummte langsam vor ihr her. Sie war nicht ungeduldig, im Gegenteil. Sie öffnete das Fenster noch weiter und schnupperte den Duft von Heu, Holz und Kuhstall. Ein wohliges Gefühl breitete sich in ihr aus, und sie begann, diese Fahrt ins Zillertal zu genießen. Die Gewissheit, dem quirligen Innsbruck und der Werbeagentur, bei der sie seit vielen Jahren arbeitete, entkommen zu sein, tat ihr gut. Ihre Mutter hatte nicht zu viel versprochen. »Die Berge bringen jeden Menschen auf andere Gedanken«, hatte sie gesagt, aber Elisa war anfangs skeptisch geblieben. Doch langsam hatte sie den Eindruck, dass ihre Mutter recht behalten sollte.

Sie passierte das Ausgangsschild des Weilers und gab wieder Gas. Vor ihr breitete sich ein weites Tal aus, und an dessen Ende erwartete sie das prächtige Sporthotel »Am Sonnenhang«. Dort würde sie eine dringend nötige Auszeit verbringen. Kurz überlegte sie, ob sie sich Musik anstellen sollte, um endgültig auf andere Gedanken zu kommen. Doch dann passierte sie ein steinernes Wegkreuz, erblickte durch die Gitter eine Christusfigur, und die Traurigkeit überrollte sie wie eine starke Welle. Plötzlich spürte sie nichts mehr von dieser Wohligkeit. Stattdessen Müdigkeit und eine ganz, ganz tiefe Sehnsucht.

»Ich will einfach nur, dass du wieder da bist«, murmelte sie leise vor sich hin, und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Denn im selben Moment waren sie da, die Bilder, die sie seit nunmehr zwei Jahren fest im Griff hatten und auch der Grund dafür waren, warum sie heute hier war.

Elisa drosselte das Tempo. Sie wollte tapfer sein, vergessen und atmete tief ein. Die würzige Alpenluft war wie Medizin. Der Aufenthalt im Hotel würde vielleicht wirklich zum Wendepunkt werden. Daran wollte sie glauben und sich durch nichts, auch nicht durch ein Wegkreuz, davon abbringen lassen.

***

Am Hotel angekommen parkte sie den Wagen vorschriftsmäßig auf dem großen Parkplatz, schaltete den Motor aus und blieb einen Moment lang regungslos sitzen. Sie nahm ihr Handy aus der Tasche und rief ihre Mutter an.

»Hey, Mama. Ich bin angekommen, mach dir keine Sorgen mehr.«

»Das ist eine gute Nachricht«, antwortete ihre Mutter erleichtert. »Du brauchst jetzt Ruhe, frische Eindrücke, einfach Zeit, die dich auf andere Gedanken bringt«, sagte sie und ergänzte: »Die Macht der Natur wird größer sein als die Erinnerung, die dich nun schon so lange massiv verfolgt. Glaub mir.«

»Ich weiß, das hast du mir schon so oft gesagt, und spätestens nach meiner heutigen Tour glaub ich dir das auch.« Sie lehnte sich im Sitz zurück. »Es ist wunderschön hier, und ich werde mich erholen, meine Seele aufräumen, versprochen. Du weißt doch immer, was mir guttut.«

»Vertrau Hedi, sie weiß auch, was dir guttut. Sie kennt dich schon seit vielen Jahren.« Inga, Elisas Mutter, hob ihre Stimme. »Die Hedi hat ein Gespür für Menschen und wird dir die richtigen Tipps geben, um deinen Aufenthalt so schön wie möglich zu machen.«

Elisa lächelte, als sie sich verabschiedet hatte. Ihre Mutter Inga war immer eine starke Frau gewesen, die sie nach dem Tod ihres Vaters sicher durchs Leben geführt hatte. Sie war gelernte Physiotherapeutin, hatte eine eigene kleine Praxis und war vertraut mit vielen Patienten, die in Krisen steckten und ihre Hilfe brauchten. Sie konnte sich gut einfühlen und wusste auch bei großen Belastungen Lösungen.

Bei ihrer Tochter hatte sie sich allerdings verausgabt. Elisa hatte ihren Mann verloren, bei einem Autounfall und davon hatte sie sich bis heute nicht erholen können. Äußerlich sah man ihr das nicht unbedingt an, aber Inga konnte sehen, wie sehr sie litt. Sie hatte sich zurückgezogen und eingeigelt und war immer seltener für das Leben noch erreichbar gewesen. Deshalb hatte sie bei Elisa auch auf eine Auszeit gedrängt, in den Bergen, bei Hedi, eine ihrer engsten Freundinnen. Die beiden Frauen hatten sich vor vielen Jahren in einem Seminar kennen- und mögen gelernt und waren seitdem in engem Kontakt geblieben.

Elisa hatte dem Drängen schließlich nachgegeben und ihren Chef gebeten, die Auszeit abzusegnen. Als er zugestimmt hatte, war sie bereit gewesen, für ein paar Wochen ins Zillertal zu reisen, um aufzutanken, neue Kraft zu finden und vielleicht auch, um loslassen zu können und auf andere, endlich mal wieder schöne Gedanken zu kommen. Sie sah auf den imposanten Hoteleingang und stieg sie aus dem Auto. Der Koffer stand auf der Rückbank. Sie war bereit.

***

Das Sporthotel »Am Sonnenhang« lag friedlich in der Alpenkulisse, und von den Balkonen leuchteten die Geranien. Elisa blickte umher. Auf einem Nachbarhof las sie an dem geschnitzten Giebel den Spruch: Wo das Herz zur Ruhe kommt, ist Heimat.

Elisa schluckte. Heimat. Zuhause. Sie hatte seit zwei Jahren keins mehr.

Die Eingangstür öffnete sich, und Hedi Kastler, die Chefin des Hotels, kam heraus und winkte Elisa fröhlich zu. Sie hatte ihr blondes Haar modisch hochgesteckt, trug ein elegantes beigefarbenes Dirndl und ging ihr mit ausgebreiteten Armen entgegen.

»Elisa, schön wie immer!«, rief sie und blickte ihren Gast warm an. »Deine blonden Locken und der leuchtende Blick deiner dunkelblauen Augen waren schon immer dein Markenzeichen.« Sie begrüßte Elisa mit Küsschen, fasste sie dann an den Schultern und schob sie leicht zurück. »Lass mich dich ansehen. Ach, ein bisschen blass bist du schon.« Sie seufzte. »Aber das ist ja auch ganz verständlich. So einen Schicksalsschlag steckt niemand einfach weg.« Sie streichelte ihr mit der Hand über die Wange. »Aber das wird alles. Du wirst sehen.«

Kilian Garnreiter, der Mann für alle Fälle, kam angelaufen und nahm Elisa den Koffer ab. Hedi hakte sich bei ihr unter und führte sie ins Hotel. Im Foyer legte sie ihr den Arm um die Schulter.

»Willkommen bei uns im Berghotel! Fühl dich wie zu Hause«, sagte sie und griff nach ihrer Hand. Der Händedruck war warm und fest, ihre Umarmung mütterlich.

Elisa versuchte zu lächeln.

»Danke ... Es ist wunderschön hier.«

»Ja«, sagte Hedi und musterte sie prüfend. »Schöner als auf den Bildern, gell?« Sie wies mit der Hand aus den weiten Fenstern, die den Blick auf die Alpenkette freigaben.

Elisa nickte, obwohl sie die Berge kaum ansah.

Im Foyer duftete es nach Zirbenholz und frisch gebackenem Apfelstrudel. Ein Kachelofen surrte leise gegen die letzte Kälte an. Alles wirkte nicht nur elegant, sondern auch behaglich und liebevoll gepflegt. Das warme Holz signalisierte Gemütlichkeit, und die stilvolle Einrichtung strahlte Eleganz aus. Für Elisa erschien das Hotel wie ein Ort, der Trost spenden wollte.

»Deine Mutter hat mir erzählt, warum du ein paar Wochen bleiben möchtest«, begann Hedi, während sie den Schlüssel und weitere Unterlagen zusammensuchte. »Das ist eine richtig gute Entscheidung. Ein Ortswechsel kann helfen, wenn das Herz zu schwer ist.«

Elisa zuckte leicht zusammen. Offenbar hatte ihre Mutter mehr geredet, als ihr lieb war. Aber Elisa wollte nichts weniger als Mitleid und richtete sich deshalb sofort innerlich auf.

»Ja ... ich brauch einfach ein bisschen Abstand.«

»Ich weiß«, sagte Hedi leise.

Elisa sah sie dankbar an. In diesen Augen lag Mitgefühl, kein Mitleid. Damit konnte sie leben, gut sogar.

»Du bist hier richtig«, betonte Hedi. »Die Berge nehmen einem nichts ab, aber sie zeigen einem die Richtung.« Sie strich Elisa kurz über den Arm. »Viele glauben mir das net. Bis sie von ihrer ersten längeren Wanderung kommen. Dann verstehen sie, was ich gemeint habe.«

Hedi griff nach dem Schlüssel, hakte sich erneut vertraut bei Elisa unter und ging mit ihr durch einen lichtdurchfluteten Gang in den hinteren Bereich der Hotelanlage. Ihr Zimmer lag im Erdgeschoss, mit einer Terrasse zur Südseite.

Als Hedi die Tür öffnete, füllten Sonnenstrahlen den Raum. Weiße Vorhänge bewegten sich in der leichten Brise, die vom Tal heraufzog. Auf dem Bett lag Gebäck aus der Region, und auf dem Tisch erstrahlte ein Strauß Almrosen in zarten Frühlingsfarben.

»Wenn du magst, lasse ich dir gleich einen Tee bringen. Melisse und ein wenig Zitronenverbene, die beruhigt. Dann kannst du später gut schlafen.«

Elisa hätte es zwar nicht für möglich gehalten, aber sie genoss die Fürsorge. Ihre Mutter hatte nicht zu viel versprochen. Hedi konnte wunderbar auf Menschen eingehen, offenbar besonders auf die angeschlagenen. Sie lächelte dankbar und nahm das Angebot zu gern an.

***

Als Hedi gegangen war, trat Elisa auf die Terrasse. Vor ihr lag das Tal, weit und still. Die Gipfel überstrahlten alles, aber dazwischen glänzten Almwiesen, auf denen die braunen Kühe wie Spielzeugfiguren standen. Der Himmel war wolkenlos, und die Frühlingssonne tauchte die Welt in mildes Licht.

Elisa blinzelte zufrieden. Es war schön hier, richtig schön, das musste sie zugeben. Aber in ihr blieb trotzdem viel zu viel grau. Sie lehnte sich an die holzverkleidete Terrassenwand, schob das Gesicht in Richtung der Sonnenstrahlen und ließ die Gedanken treiben.

Zwei Jahre taumelte sie nun schon durch diese neue Welt, die Welt ohne Martin, den Mann, mit dem sie mehr als zehn Jahre verheiratet gewesen war. Ihre Jugendliebe, ihr Seelenverwandter, ihr Traummann. Er war Ingenieur gewesen, der beste, und von einem geschäftlichen Termin nicht zurück nach Hause gekommen. Später hatte dann die Polizei vor der Tür gestanden und erklärt, was passiert war. Er war auf einer Landstraße in die Leitplanken gerast und an der Unfallstelle verstorben. Es war spät gewesen, es hatte geregnet. Hatte ihn etwas geblendet? Ein Sekundenschlaf? Bis heute kannte niemand die Antwort.

Sie hatte danach noch viel herumgefragt, wissen wollen, ob er gelitten hatte und auch, ob er in seinen letzten Atemzügen an etwas gedacht hatte. An sie? Hatte er ihr etwas hinterlassen wollen? Eine Botschaft? Sie hatte nie etwas erfahren.

Nach dem Unfall hatte sie schnell wieder weitergearbeitet, um sich abzulenken. Sie wollte beschäftigt sein und funktionierte. Aber der plötzliche Verlust, der Lärm der Stadt, die mitleidigen Gesichter und das Getuschel der Kollegen, all das war ihr letztlich zu viel geworden. Sie war immer stiller geworden, immer abwesender, hatte sich irgendwie am Leben erhalten, mit dem nötigsten Essen, der angemessenen Körperpflege.

In ihrer Freizeit hatte sie nichts mehr sehen, nichts erleben wollen, nicht einmal die Wohnung verlassen. Ihre Mutter hatte viel versucht, sie wieder zurück ins Leben zu holen. Ausflüge geplant, Urlaube vorgeschlagen, für sie gekocht, sie ins Theater mitgenommen. Auch ihre Freundinnen hatten sich bemüht, sie eingeladen, ihr Gespräche angeboten. Aber Elisa hatte entweder alles abgelehnt oder zwar mitgemacht, war aber insgesamt teilnahmslos geblieben.

Ein Klopfen an der Tür riss sie aus den Gedanken und auf ihr »Herein« trat Hedi mit einem Tablett ein.

»Ich habe den Tee für dich«, sagte sie liebevoll. »Und ein Stückerl Strudel, frisch aus dem Ofen. Ich weiß, du hast sicher keinen Hunger, aber manchmal hilft Süßes der Seele.«

Elisa nahm ihr das Tablett ab und stellte es nach draußen auf den Terrassentisch. Die Temperaturen waren wunderbar mild. Der Dampf stieg auf und es roch nach Zucker und Zimt.

»Danke, Hedi. Du bist so lieb zu mir.« Sie lächelte die Hotelchefin an. »Bleib bitte kurz bei mir«, wünschte sich Elisa und fuhr fort, als Hedi an ihrer Seite saß. »Weißt du«, begann sie das Gespräch, »ich denke die ganze Zeit an die ersten Ferien, die ich hier verbracht habe. Ich bin jetzt fünfundzwanzig.« Sie sah in die Luft und schien zu rechnen. »Als ich zum ersten Mal hier war, hatte ich gerade meine Matura in der Tasche und der Urlaub war die Belohnung.« Sie schüttelte den Kopf. »Erinnerst du dich daran?«

Hedi musste nicht überlegen. »Ich entsinne mich genau, und wir hatten eine wunderbare Zeit.«

»Oh ja«, bestätigte sie Elisa. »Weißt du noch, dass Andi eine Traumtour mit uns unternommen hatte? Ich habe diese Ausblicke in die Natur nie vergessen. Dazu bekamen wir Ziegenmilch von einem Bauern.«

Elisa lächelte, und in dem Moment schienen ihre Augen zu glänzen. Hedi registrierte das sofort und freute sich, dass sie auch diese positiven Erinnerungen prägten.

»Aber du bist danach eigentlich jedes Jahr ein paar Tage hier gewesen. Einmal sogar mit Martin.«

Elisa lächelte erneut, aber dieses Mal gequält. Denn bei dem Namen verkrampfte sofort ihr Magen. Doch sie bekämpfte das unangenehme Gefühl schnell, indem sie sich zwang, an etwas Positives zu denken, in diesem Fall an die besagte Wanderung mit Andi und war sogar prompt erfolgreich damit. Ob das schon an den Bergen lag, dachte sie und wunderte sich selbst über den Erfolg. Sie wollte jetzt weiter nach vorn sehen, alles ausprobieren, was ihr guttun könnte und ganz schnell damit anfangen. Aber sie dachte auch an Hedi, die sie nicht gleich am ersten Tag in Beschlag nehmen wollte.

»Du hast viel zu tun«, sagte sie und sah Hedi verständnisvoll an. »Bitte, ich möchte nicht, dass du dich so viel um mich kümmerst.« Sie strich ihr über den Arm. »Glaub mir, ich komme zurecht.«

»Ach was«, erwiderte die Wirtin und winkte ab. »Ich tu, was ich kann. Und manchmal braucht's net viel, ein gutes Bett, frische Luft und jemanden, der zuhört.« Sie blinzelte ihr zu. »In Letzterem bin ich gut.« Dann strich sie sich mit beiden Fingern über den Mund. »Und ich kann auch schweigen. Also, lass mich wissen, wenn du mich brauchst.« Sie stand auf und ging zur Tür, blieb aber stehen und drehte sich noch mal zu Elisa herum. »Ach so, sag mal, malst du eigentlich noch?«