Das Berghotel 371 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 371 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt Paulina mit Mann und Tochter ins Zillertal zurück. Jahrelang hatte sie keinen Kontakt zu ihrem Vater Franz, einem starren, wortkargen Mann, der ihr den Weggang nie verziehen hat. Bei der Beerdigung brechen die alten Vorwürfe wieder auf, die Fronten verhärten sich erneut. Der Konflikt scheint unüberwindbar. Während Paulina möglichst schnell abreisen will und auch ihre Ehe unter Druck gerät, bleibt die vierjährige Leni unbeirrt. Unbefangen sucht sie die Nähe ihres Großvaters - und lockt ihn aus seinem Groll heraus. Langsam beginnt sich etwas zu ändern ...

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Ostern mit Opa

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Ostern mit Opa

Ein Roman über Familie, Vergebung und das Glück im Frühling

Von Verena Kufsteiner

Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt Paulina mit Mann und Tochter ins Zillertal zurück. Jahrelang hatte sie keinen Kontakt zu ihrem Vater Franz, einem sturen, wortkargen Mann, der ihr den Weggang nie verziehen hat. Bei der Beerdigung brechen die alten Vorwürfe wieder auf, die Fronten verhärten sich erneut. Der Konflikt scheint unüberwindbar. Während Paulina möglichst schnell abreisen will und auch ihre Ehe unter Druck gerät, bleibt die vierjährige Leni unbeirrt. Unbefangen sucht sie die Nähe ihres Großvaters – und lockt ihn aus seinem Groll heraus. Langsam beginnt sich etwas zu ändern ...

Das Auto folgte den sanften Kurven, mit denen sich die Straße durch das Zillertal schlängelte. Paulina lehnte die Stirn an die kühle Scheibe und blickte gedankenverloren hinaus. Das war ihre Heimat gewesen. Hier war sie aufgewachsen. Nun war sie seit Jahren nicht mehr hier gewesen, und doch erkannte sie jede Biegung, jeden Hang, jede Lichtung wieder, als hätte sie die Region nie verlassen.

Der Frühling ließ die Landschaft in den schönsten Farben erstrahlen. Die Wiesen leuchteten in frischem Grün, übersät mit den ersten gelben Tupfern der Blumen, und aus den Dörfern stieg hin und wieder ein dünner Rauchfaden auf. Weiter oben ragten die Berge schroff und mächtig in den Himmel. Ihre Gipfel waren noch von Schnee bedeckt, als wollten sie den Winter nicht ganz loslassen. Hier unten im Tal war alles mild, während dort oben das Weiß in den Felsen glitzerte. Ostern stand vor der Tür, und die Natur schien sich darauf vorzubereiten, neu zu beginnen.

Wie anders das alles war als in Wien, dachte Paulina. Dort bestimmten Asphalt und Straßenbahnen den Rhythmus, dort roch der Frühling nach Abgasen und Kaffeehäusern. Hier dagegen lag der Duft von feuchter Erde und Holz in der Luft, selbst durch das geschlossene Autofenster hindurch konnte sie die frische Luft riechen. Je weiter sie fuhren, desto atemberaubender wurde die Landschaft, und Paulina spürte, wie sich etwas in ihr rührte, das sie lange verdrängt hatte.

Auf dem Fahrersitz saß Max. Mit einer ruhigen Selbstverständlichkeit lenkte er den Wagen durch die Kurven. Jetzt legte er eine Hand auf ihren Oberschenkel.

»Alles okay?«, fragte er leise, ohne den Blick von der Straße zu nehmen.

Paulina drehte den Kopf und sah ihn von der Seite an. Seine braunen Locken fielen ihm in die Stirn, fast bis in seine grünen Augen hinter seinen Brillengläsern, in denen immer ein sanfter, kluger Ausdruck lag. Ein zärtliches Gefühl breitete sich in ihr aus, auch wenn ihr Herz gerade schwer war. Sie hatte sich damals auf den ersten Blick in ihn verliebt, und sie liebte ihn noch immer innig.

»Es geht schon«, antwortete sie leise. »Na ja, du weißt schon. Den Umständen entsprechend.«

Die Umstände. Damit meinte sie, dass der Anlass ihrer Rückkehr nach St. Christoph alles andere als erfreulich war. Ihre Mutter Ute war verstorben. Deshalb kam Paulina nun mit ihrer kleinen Familie in den Heimatort; für die Beerdigung, um Dinge zu klären und zu regeln.

Und um ihren Vater zu sehen. Allein der Gedanke an dieses Wiedersehen ließ ihren Magen schmerzhaft zusammenkrampfen.

»Es wird bestimmt okay«, sagte Max sanft. »Vielleicht ist dein Vater im Laufe der Jahre milder geworden.«

Paulina schnaufte leise. »Ich bezweifle, dass ein paar Jahre ausreichen, um den alten sturen Esel milde zu machen.«

Max lachte kurz, dann wurde er wieder ernst.

»Mag sein. Aber seither ist viel passiert. Ute ist nicht mehr da. Er ist Witwer. Du bist nun nahezu die einzige Familie, die er noch hat. Das bedeutet doch etwas.«

Sie seufzte tief. Vielleicht hatte er recht. Ein Teil von ihr war dankbar für seine tröstenden Worte, auch wenn sie selbst längst nicht so optimistisch war. Das letzte Gespräch mit ihrem Vater war alles andere als warmherzig gewesen. Die Fronten waren verhärtet, und seit Jahren hatte Funkstille geherrscht.

»Mama, Papa! Da sind ganz viele Kühe!«, jubelte es plötzlich von der Rückbank.

Schmunzelnd sah Paulina in den Rückspiegel. Leni saß dort und schaute so eifrig hin und her, um nichts zu verpassen, dass die honigblonden Locken um ihr Gesicht tanzten. Ihre großen, dunklen Augen leuchteten aufgeregt. Wenigstens eine hatte Spaß, stellte Paulina amüsiert fest.

»Kühe wirst du hier zur Genüge sehen, Spatzl«, sagte sie. »Und ganz bestimmt auch Schafe und Ziegen.«

»Juhu, Schafe und Ziegen!«, freute sich Leni begeistert.

Auch Max schmunzelte. »Unserer Kleinen tut's mit Sicherheit gut, einmal aus der Stadt herauszukommen«, merkte er an. »Die frische Luft zu atmen und das Landleben kennenzulernen. Und Ostern im Dorf wird sicherlich was Besonderes.«

Zufällig hatte es sich ergeben, dass die Beerdigung beinahe mit den Feiertagen zusammenfiel, und so hatten sie beschlossen, ein paar Tage zu bleiben. Einerseits fühlte es sich für Paulina gut und richtig an, in die Heimat zurückzukehren, auch wenn es nur für ein paar Tage war. Andererseits rumorte ein ungutes Gefühl in ihrer Magengrube: Zu viel war vorgefallen und zu harte Worte waren gefallen, um jetzt unbeschwert an diesen Zillertal-Aufenthalt heranzugehen.

Der Wagen fuhr weiter, und mit jedem Kilometer rückte die Vergangenheit näher. Paulina spürte eine leise Angst, aber auch einen Hauch von Hoffnung. Sie hoffte inständig, dass sie und ihr Vater endlich Frieden schließen konnten.

»Da ist es«, sagte sie und deutete auf ein Straßenschild. »Da vorn, nach der nächsten Kurve, kommt St. Christoph.«

***

Hedi Kastler stand hinter der Rezeption des Sporthotels »Am Sonnenhang«, das hier in St. Christoph von Einheimischen und Stammgästen gleichermaßen nur liebevoll das Berghotel genannt wurde, und arbeitete heiter die neuesten Onlinebuchungen ab. Der Bildschirm vor ihr zeigte eine erfreulich volle Liste. Wie so oft um diese Jahreszeit war das Hotel bestens ausgelastet. Über die Osterfeiertage war kein einziges Zimmer mehr frei, und auch danach dauerte es nicht mehr lange bis zur Hauptsaison begann. Eine Zeit, in der sie und ihr Mann Andi sich ganz bestimmt nicht über leere Betten beklagen konnten.

Eigentlich, dachte Hedi mit einem zufriedenen Lächeln, war hier das ganze Jahr über genug los. Das Berghotel hatte sich über die Jahre einen guten Ruf erarbeitet. Viele Gäste kamen immer wieder, manche schon seit Jahrzehnten, andere empfahlen das Haus ihren Freunden, Kollegen oder Verwandten weiter. Genau das war es, was Hedi und Andi am meisten freute. Es war der schönste Beweis dafür, dass sich die Menschen hier wohlfühlten, dass sie nicht nur ein Zimmer buchten, sondern ein Stück Zuhause auf Zeit fanden.

Hedi klickte gerade eine Buchung für den kommenden Sommer an, als sich die Eingangstür öffnete. Sie hob den Blick und sah Kilian Garnreiter, einen ihrer langjährigsten Mitarbeiter. Kilian war im Hotel so etwas wie der sprichwörtliche »Mann für alle Fälle«. Er kannte jede Ecke des Hauses, packte überall an und hatte immer ein freundliches Wort auf den Lippen.

Jetzt trug er einen großen Koffer und bat eine Familie herein. Einen weiteren Koffer schleppte der Mann der Familie selbst, während die Frau einen kleinen Rucksack trug und sich neugierig umsah.

Hedi lächelte sofort strahlend. Seit die Buchung eingegangen war, hatte sie sich auf die Ankunft dieser kleinen Familie gefreut – auch wenn sie wusste, dass der Anlass für die Zillertal-Reise einen traurigen Grund hatte.

»Na, wenn das net die Paulina ist!«, entfuhr es ihr.

Ohne zu zögern kam sie hinter der Rezeptionstheke hervor und ging der jungen Frau entgegen.

»Paulina!«, sagte sie herzlich und schloss sie kurzerhand in die Arme. Dann beugte sie sich zu dem kleinen Mädchen hinunter. »Und die kleine Leni! Als du das letzte Mal hier im Zillertal warst, warst du noch so klitzeklein. Wie ... eine Kartoffel.«

Tatsächlich erinnerte sich Hedi noch gut daran. Leni war damals ein Baby gewesen, eingehüllt in Decken und im Kinderwagen liegend. Seitdem war Paulina, soweit Hedi wusste, nicht mehr hier gewesen. Und Hedi kannte auch den Grund. Das Verhältnis zwischen Paulina und ihrem Vater Franz war seit Jahren schwierig, um nicht zu sagen zerrüttet. Platz hätte es im großen Familienhaus genug gegeben, aber dass Paulina nun ein Familienzimmer im Hotel gebucht hatte, sprach Bände. Eine Versöhnung hatte es offenbar noch immer nicht gegeben. Hedi hatte sich das bereits gedacht.

Das kleine Mädchen vor ihr kicherte nun empört.

»Eine Kartoffel? So klein war ich bestimmt nie!«

Hedi lachte herzlich. »Na gut, vielleicht nicht ganz so klein«, gab sie schmunzelnd zurück.

Paulina lächelte müde, aber ehrlich, und begrüßte Hedi ebenfalls. Dann legte sie die Hand auf den Arm des Mannes neben sich.

»Das ist mein Mann Max. Vielleicht erinnerst du dich noch an ihn?«

Hedi musterte ihn einen Moment und nickte dann.

»Aber freilich erinner ich mich«, versicherte sie herzlich. Sie hatte ein gutes Gedächtnis für Namen und Gesichter und vergaß selten jemanden. Schon gar nicht, wenn er so sympathisch wirkte wie dieser junge Mann aus der Stadt, mit den braunen Locken und den offenen grünen Augen. »Schön, euch wieder hier zu haben.«

Auf der Rezeption stand immer ein großes Glas, randvoll gefüllt mit bunten Zuckerln. Leni hatte es schon erspäht und schaute mit großen Augen hoch.

Hedi warf einen fragenden Blick zu Paulina und Max, und als die Eltern nickten, wandte sie sich wieder an das kleine Madel.

»Magst dir eins aussuchen, Leni?«, fragte sie verschwörerisch.

Lenis Augen wurden noch größer. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und blickte ehrfürchtig in das Glas.

»Hmm ... Alle?«, fragte sie hoffnungsvoll.

Hedi lachte. »Na, so viele Zuckerl gibt's dann auch wieder net, sonst bekommst du noch Bauchweh. Aber schau, wir machen einen Deal: Du darfst dir zwei aussuchen.«

Das ließ sich Leni nicht zweimal sagen. Hochkonzentriert wählte sie zwei bunte Zuckerl aus, als hinge eine wichtige Entscheidung davon ab.

Dann wurde Hedi wieder ernster. Sie wandte sich Paulina zu, senkte leicht die Stimme und sagte einfühlsam: »Es tut mir sehr leid wegen deiner Mama. Mein herzliches Beileid. Ich hab die Ute auch sehr garngehabt.«

Paulina seufzte leise und nickte. »Danke, Hedi.«

»Wenn du magst«, schlug Hedi sanft vor, »setzen wir uns später ein bisserl auf die Terrasse. Auf ein Haferl Kaffee vielleicht. Dann können wir in Ruhe plaudern.«

Paulinas Miene hellte sich ein wenig auf. »Das klingt wunderbar.«

Hedi nickte. Sie spürte, dass diese Tage für Paulina nicht leicht werden würden. Aber sie wusste auch: Manchmal brauchte es nur einen ruhigen Platz, ein offenes Ohr und ein wenig Herzlichkeit, um einen kleinen Unterschied zu machen. Und genau dafür war das Berghotel da.

***

Der Abend senkte sich langsam über St. Christoph. Auf der Panoramaterrasse des Berghotels lag ein warmer, goldener Schimmer, den die untergehende Sonne über Wiesen, Wälder und die fernen Berggipfel legte. Die Luft war mild, fast weich und trug den Duft von frischem Gras und Holz mit sich. Unten im Tal begannen bereits vereinzelt Lichter aufzuleuchten, während der Himmel sich allmählich von Blau zu Rosa und schließlich zu einem tiefen Orange färbte.

Paulina saß Hedi gegenüber an einem kleinen Tisch nahe dem Geländer. Statt Kaffee hatte Hedi eine schmale Flasche Likör aus der Hotelküche mitgebracht und zwei kleine Gläser. Paulina hatte dankbar genickt. Jetzt hielt sie das Glas zwischen den Händen und nahm einen vorsichtigen Schluck. Die Wärme breitete sich angenehm in ihr aus und löste ein wenig die Spannung, die sie seit der Anreise begleitete.

Drinnen im Hotelzimmer brachte Max gerade die kleine Leni ins Bett. Paulina hatte ihm einen dankbaren Blick zugeworfen, bevor sie hinausgegangen war. Es tat gut, einen Moment nur für sich zu haben.

»Und?«, fragte Hedi schließlich behutsam und sah Paulina aufmerksam an. »Hast du dich schon bei ihm gemeldet, seitdem du angekommen bist?«

Paulina seufzte tief. Sie wusste natürlich sofort, von wem die Hotelchefin sprach: von ihrem Vater.

»Hab ich«, antwortete sie leise. »Ich hab gehofft, er würde vorschlagen, dass wir uns heute noch treffen. Wenigstens kurz. Immerhin haben wir uns seit Jahren nimmer gesehen und so gut wie gar net telefoniert.« Sie schüttelte ungläubig den Kopf. »Aber er war mal wieder ganz wortkarg. Hat nur mürrisch gemeint, er sei müde und gehe früh ins Bett.«

Hedi seufzte bekümmert. Sie wusste, dass Paulina früher ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern gehabt hatte. Aber Franz war ein schwieriger, manchmal verbohrter Mann. Je erwachsener und eigensinniger Paulina geworden war, desto öfter war sie mit ihm aneinandergeraten. Paulina war ein lebhaftes, freiheitsliebendes Madel gewesen und hatte gar keine Lust gehabt, in seine Fußstapfen zu treten. Zum Bruch war es dann gekommen, als sie gegen seinen Willen einen Burschen aus der Stadt geheiratet und zu ihm nach Wien gezogen war.

Paulina ließ den Blick über die Landschaft schweifen, als müsste sie sich selbst vergewissern, dass sie wirklich hier war.

»Es ist kaum zu fassen, Hedi«, fuhr sie fort. »So weit ist es gekommen mit uns. Er ist doch mein Vater. Und ich bin seine einzige Tochter. Seit Jahren haben wir uns net gesehen. Und jetzt bin ich wieder hier, im selben Ort wie er – und trotzdem schlägt er net einmal vor, dass wir uns sehen.«

Hedi antwortete ruhig: »Das tut mir leid. Das muss sehr wehtun.«

Paulina nickte. »Tut es auch. Mehr, als ich mir eingestehen will.« Sie nahm noch einen Schluck vom Likör. »Früher war er immer so präsent. Streng, ja. Unnachgiebig. Aber er war da. Und jetzt ... jetzt fühlt es sich an, als wäre ich ihm fremd.«

Langsam begann sie zu erzählen. Von ihrem Vater, dem angesehenen Holzhändler mit dem eigenen Sägewerk, der sich alles hart erarbeitet hatte. Von einem Mann, der klare Vorstellungen vom Leben hatte und keine Abweichungen duldete.

»Als ich nach der Matura gesagt habe, dass ich net ins Familienunternehmen einsteigen will, sondern mit dem Max in die Stadt gehe, um Design zu studieren ...«, Paulina schnaubte leise, »da ist er explodiert.«

Hedi hörte aufmerksam zu, die Hände um ihr eigenes Glas gelegt.

»Für ihn war das ein Verrat«, sagte Paulina bitter. »Ich glaube, er konnte einfach net verstehen, dass ich andere Träume gehabt hab. Und danach wurde es still. Erst kühl, dann eisig. Gespräche wurden kürzer, seltener. Irgendwann gab es gar keine mehr.« Ein trauriges Lächeln huschte über ihr Gesicht. »Deshalb wohnen wir jetzt auch hier im Hotel. Bei ihm unterzukommen war nie eine Option. Net nach allem, was war.«

Hedi nickte langsam. »Das hab ich mir gedacht«, gestand sie leise. »Aber weißt du, Paulina, manchmal sind grad die Menschen, die am härtesten wirken, innerlich am verletzlichsten.«

Paulina sah sie skeptisch an. »Das fällt mir schwer zu glauben, wenn ich an ihn denk.«

»Das versteh ich«, entgegnete Hedi sanft. »Aber dein Vater hat sein ganzes Leben auf Verantwortung aufgebaut. Auf Pflicht. Vielleicht hat er einfach nie gelernt, mit Enttäuschung anders umzugehen.«

Paulina schwieg. Die Worte arbeiteten in ihr. Sie wusste, dass Hedi es gut meinte. Und doch war da so viel Wut, so viel Enttäuschung.

»Ich hätte mir nur gewünscht, dass er mich wenigstens fragt, wie es mir geht«, sagte sie schließlich leise. »Oder der Leni. Er hat sie noch nie richtig kennengelernt.«