Maddrax 682 - Kolja van Horn - E-Book

Maddrax 682 E-Book

Kolja van Horn

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Beschreibung

Lustig ist die Maufwurfjagd! Das zumindest meint Jugo Innochin, der Drogenkoch von MAGMA, als er von seinem Boss Miidas Patroulaakis nach Sonoora geschickt wird. Dabei will der ihn nur beiseiteschaffen, weil der Weltrat Innochin auf die Schliche gekommen ist - und schickt ihm gleich einen Killer hinterher. Dumm nur, dass Matt und Aruula der Spur ebenfalls folgen. Doch die größte Gefahr ist die mutierte Jagdbeute selbst: Die Gräbber von Sonoora

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Seitenzahl: 154

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Die Gräbber von Sonoora

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse, und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert.

In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Fliegerstaffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 versetzt wird. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn »Maddrax« nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler, der sich als lebende, schlafende Entität entpuppt – zur Erde gelangten und schuld sind an der veränderten Flora und Fauna und der Verdummung der Menschen. Nach langen Kämpfen mit den Daa'muren erwacht der Wandler, weist sein Dienervolk in die Schranken und zieht weiter. Mit zwei Daa'muren, die auf der Erde zurückblieben – Grao und Ira – haben sich Matt und Aruula sogar angefreundet.

Bei einem Abstecher zum Mars, auf dem sich eine Expedition aus dem Jahr 2010 zu einer blühenden Zivilisation entwickelt hat, erfährt Matt von der Spezies der Hydree, die vor 3,5 Milliarden Jahren hier lebten und mittels eines Zeitstrahls zur jungfräulichen Erde umzogen, als ihr Planet seine Atmosphäre und Ozeane verlor. Mit ihren Nachkommen, den telepathisch begabten Hydriten, die von den Menschen unentdeckt am Meeresgrund leben, hatte Matt schon Kontakt und nennt einen von ihnen, Quart'ol, einen guten Freund.

Diese »Tunnelfeldanlage«, die wie ein Transporter funktioniert, in dem die Zeit unendlich gedehnt werden kann, ist bis heute in Betrieb und verursachte auch den Zeitsprung von Matts Flugstaffel um 504 Jahre, als die den Strahl querte. Dabei legt der Strahl einen Tachyonenmantel um lebende Zellen, der den Altersprozess fünfzig Jahre lang drastisch verlangsamt.

Seither ist viel Zeit vergangen – wir schreiben inzwischen das Jahr 2555 –, und all die Erlebnisse unserer Helden an dieser Stelle zu schildern, wäre unmöglich. Es gibt sogar eine Erdkolonie in einem fernen Ringplanetensystem, zu dem allerdings der Kontakt abgebrochen ist. Ihre Freunde Tom, Xi und deren Tochter Xaana (die eigentlich Matts Kind ist) leben dort auf dem Mond Novis.

Nicht nur einmal haben Matthew Drax und Aruula die Erde vor dem Verderben gerettet und mächtige Feinde bekämpft – zuletzt die vampirhaften Nosfera, die die WCA (World Council Agency, kurz: Weltrat) übernehmen wollten. Auf diese Organisation traf Matt schon früh. Momentan steht ihr General Aran Kormak vor, ein in der Vergangenheit eher zwielichtiger Charakter, der sich aber gewandelt und großes Interesse zu haben scheint, Meeraka (ehem. USA) und danach andere Länder friedlich zu einen.

Auch um Kormak weiterhin im Auge zu halten, geht Matt auf seinen Vorschlag ein, zusammen mit Aruula im Auftrag des Weltrats eine schnelle Eingreiftruppe zu bilden und für ein Bündnis unter dem Dach der WCA zu werben.

Dies sind ihre Abenteuer...

Weitere Informationen und Hintergründe zur Serie findet ihr unter https://de.maddraxikon.com im Internet!

Die Gräbber von Sonoora

von Kolja van Horn

Der altersschwache Motor des Patroolwagens erstarb mit einem asthmatischen Keuchen, worauf Ray Maaloo das Fahrzeug langsam am Straßenrand ausrollen ließ, in die Schattenflecken einer zerschlissenen Ladenmarkise. Imelda, seine Partnerin, beugte sich so weit wie möglich über die Konsole vor und verrenkte sich fast den Hals, um zu den Fenstern des gegenüberliegenden Gebäudes hinaufspähen zu können. »Im dritten Stock brennt Licht«, verkündete sie leise, und ihrem Gesicht war die Anspannung deutlich anzusehen.

»Dann wollen wir mal«, brummte Maaloo, nahm seinen Revolver aus dem Fach unter dem Lenkrad, schob ihn ins Schulterholster unter dem Regenmantel und öffnete die Tür. »Höchste Zeit, Waashtons größten Dealer endlich hinter Gitter zu bringen.«

Mit ausgreifenden Schritten überquerte Maaloo die von Müll übersäte Straße. Im Rinnstein lag eine tote Ratze auf dem Rücken. Der aufgedunsene Bauch war in der Mitte aufgerissen, darin wimmelten grünlich schimmernde Maden.

Er erreichte die Deckung eines hüfthohen Verteilerkastens, dessen Klappe aufgestemmt worden war. Dutzende Kabel schlängelten sich vielfarbig isoliert heraus, wanden sich um den benachbarten Laternenmast und führten dann einige Meter weiter oben kreuz und quer über Straße und Bürgersteig.

In dieser Gegend sorgte jeder selbst für seine Stromversorgung, und die Stadtverwaltung ließ die Leute gewähren, um keine weiteren Unruhen zu provozieren. Metro Police und die City-Unit der Dark Force hatten ohnehin alle Hände voll zu tun, der wachsenden Tumulte Herr zu werden, die durch Debaser an immer neuen Ecken der Metropole aufflammten. Die Droge, mit der Waashton seit einiger Zeit geflutet wurde, ließ selbst friedliche Zeitgenossen nach ein paar Stunden der Euphorie zu rasenden Unholden mutieren.

Ein wahres Teufelszeug, designt von so kompetenten wie skrupellosen Drogenköchen. Ihre eigenen Chemiker hatten immer noch nicht alle Bestandteile von Debaser entschlüsselt; die Wirkung jedenfalls war fatal und sicher genau so gewollt.

Unter Waashtons Ordnungskräften hatte sich die Vermutung verbreitet, dass jemand die Droge ganz gezielt einsetzte, um damit das noch filigrane Gerüst der zivilen Ordnung in der Stadt zu torpedieren. Einiges sprach dafür, dass der Plan aufgehen konnte, aber heute war womöglich eine Gelegenheit, der Gegenseite einen empfindlichen Schlag zu versetzen.

Maaloo ließ den Blick über die Straße wandern, sondierte die dunklen Hauseingänge und die Zufahrten der Tiefgaragen. Doch er bemerkte niemanden. Allein das war im Grunde beunruhigend. Vor allem das Fehlen von ein oder zwei Türstehern vor dem Eingang des Gebäudes, das sie gleich zu stürmen beabsichtigten, gab ihm Rätsel auf.

Dennoch hob er die Hand in Richtung Imelda, die hinter ihrem Wagen wartete, und seine Partnerin setzte sich in Bewegung. Lautlos und leichtfüßig spurtete sie über die Straße, hielt sich dicht hinter ihm und fragte mit gesenkter Stimme: »Warum bewacht niemand den Eingang?«

»Das frage ich mich auch«, gab Maaloo zurück, legte den Kopf in den Nacken und starrte an der graubraunen Fassade empor, an deren dunkle Ziegel sich nur noch wenige Inseln aus löchrigem Putz klammerten. Fahles Licht sickerte durch die Fenster der dritten Etage hinaus in den schweren Dunst der schwülen Sommernacht, doch darunter und im vierten Stock lag alles im Dunkeln.

Ein leises Knacken und Rauschen kam aus Maaloos Manteltasche, und er zog das Funkgerät hervor. Der Lautstärkeknopf war auf das Minimum eingestellt, dennoch kam beiden Cops die Stimme aus dem Äther viel zu laut vor: »Wo seid ihr?«

»Wir stehen bereit«, antwortete Maaloo ins Mikrofon.

»Okee«, knarzte es, »wartet noch eine Minute. Normaan, Picka und Lesli sind auf Position. Wir auch gleich.«

»Roger«, sagte Maaloo stirnrunzelnd und tauschte einen Blick mit Imelda. Sein Daumen glitt von der Sprechtaste, ehe er knurrte: »War das etwa die Stimme von Putney, dieser Hyeena? Warum hast du mir nichts davon gesagt, dass er dabei ist?«

Maaloo hatte an der Besprechung für den kurzfristig anberaumten Einsatz nicht teilgenommen, weil er seinen freien Tag mit Angeln verbracht hatte, drüben in Union City. Imelda hatte ihn erst eine Stunde zuvor per Funk zuhause erreicht und mit dem Wagen abgeholt.

Sie hob die Schultern. »Dazu war keine Zeit«, erwiderte sie.

»Blödsinn!« Er starrte sie finster an und lieferte sich damit die wirkliche Erklärung selbst. Imelda hatte seine Reaktion kommen sehen und keine Lust auf den Disput gehabt, der folgen musste.

Ihr Partner und der stellvertretende Leiter der Dark Force City Unit waren schon länger Intimfeinde, doch seit einiger Zeit hielt Maaloo Huub Putney außerdem für einen Verräter, der für die Gegenseite arbeitete und immer wieder Polizeiaktionen sabotierte.

Erst kürzlich, so glaubte wenigstens Maaloo, waren sie dadurch in eine lebensgefährliche Bredouille geraten. Als Imeldas Partner Putney daraufhin in einer Bar vor allen Leuten als korrupt hinstellte, war es beinahe zu einer handfesten Prügelei gekommen.1

»Reiß dich zusammen, Boss«, beschwor sie Maaloo nun. »Es ist nicht mehr zu ändern, also müssen wir zusammenarbeiten.«

Maaloo presste die Lippen zu einem Strich zusammen, aber er nickte. »Okee, aber wir gehen jetzt da rein. Ich habe keine Lust, weiter Däumchen zu ...«

Sie hörten es beide gleichzeitig, und Maaloo verstummte. Ein Rauschen und Zischen über ihnen ließ sie die Köpfe weit in den Nacken legen und hinauf schauen. Kaum ein Stern war zu sehen hinter dem fahlen Dunstschleier, der über der Stadt hing. Dann schob sich plötzlich ein dunkler Schatten über den Streifen Himmel zwischen den Monolithen der aufragenden Gebäude.

»Ein ... Gleiter?« Imeldas tonlose Stimme klang ungläubig.

Ja, es war ein Luftschiff, das in geringer Höhe über die Hausdächer hinweg schwebte. Aber keiner der kleinen, wendigen Flieger, die der Dark Force seit Neuestem für Polizei-Einsätze in Waashton zur Verfügung standen. Dieser Gleiter war größer, für militärische Operationen und Langstrecken gebaut.

Maaloo zückte sein Schießeisen. »Komm!«, rief er Imelda zu und stürmte los.

Wenige Schritte, bevor er den Eingang zu dem schäbigen Bau erreichte, in dem sich Jugo Innochin, mutmaßlicher Boss des Debaser-Dealerrings, aufhielt, kam ein klobiges Fahrzeug mit quietschenden Reifen um die Ecke: Der Mannschaftswagen der Dark Force schien direkt auf ihn zuzuhalten, knallte rumpelnd über die Bordsteinkante und kam nur wenige Meter vor Maaloo zum Stehen.

Er wartete nicht ab, bis die Uniformierten in ihren schusssicheren Panzerwesten herauskamen, sondern sprang die Stufen hinauf ins Treppenhaus. Im Augenwinkel sah er, dass Imelda nur einige Schritte hinter ihm war, aber offenbar zögerte im Angesicht des Dark-Force-Einsatzteams.

Er hielt den Revolver schussbereit mit beiden Händen gepackt, und der Lauf zuckte hastig hin und her, ohne ein potenzielles Ziel zu finden. Im schwachen Licht zweier nackter Glühbirnen an der hohen Decke erkannte Maaloo, dass sich wenigstens hier unten niemand aufhielt. Also hastete er weiter, die Treppe hinauf.

Es stank erbärmlich nach Urin, Schimmel und verwesenden Tierkadavern, von denen er ein paar in den dunklen Ecken und Winkeln auszumachen glaubte. Mit vorgehaltener Waffe drang er weiter vor, nahm immer zwei Stufen auf einmal. Er erreichte den Treppenabsatz der ersten Etage. Links und rechts befanden sich Wandlampen mit kugelrunden, rosafarbenen Verkleidungen aus Glas. Eine davon flackerte wie ein nervös blinzelndes, bloßliegendes Auge.

Der vor ihm liegende Flur war gut fünfzehn Meter lang, doch niemand stürzte daraus auf ihn zu. Allerdings glaubte er, weiter hinten im Halbdunkel jemanden auf einer mitten im Gang liegenden Matratze liegen zu sehen.

»Maaloo!«, rief jemand von unten. »Ray, verdammt! Warte!«

Das war eindeutig Putney, aber er hatte nicht die Absicht, der Aufforderung Folge zu leisten. Stattdessen beschleunigte Maaloo seine Schritte noch, sprang keuchend die Treppenstufen empor, während er weiter oben ein dumpfes Dröhnen zu vernehmen glaubte. Der Gleiter war nicht zufällig über sie hinweg geflogen.

Dieses Gebäude war sein Ziel gewesen!

Die zweite Etage lag völlig im Dunkeln, und er hielt sich nicht damit auf, die Schatten des Korridors genauer auszuspähen, denn direkt über ihm, im dritten Stock, waren deutlich Stimmen zu vernehmen. Eine schwere Tür wurde zugeschlagen, und Maaloo nahm das Geländer zu Hilfe, zog sich mit der Linken schneller hinauf, als es die erschöpften Beine allein schafften. Sein Herz pumpte heftig und seine Kehle brannte, aber er hielt den Revolver hoch genug, um sofort feuern zu können, sobald ihm ein Gegner vor die Mündung kam.

Unter sich hörte er die Geräusche schwerer Stiefel. Die Soldaten der Dark Force. »Ray, zum Teufel! Warte!«, rief Putney, und Maaloo grinste, weil er hörte, dass auch ihm das Atmen schwerfiel. Sie waren beide nicht mehr die Jüngsten.

Er erreichte den Absatz des dritten Stocks, ging leicht in die Knie und richtete den Revolver aus, ehe er brüllte: »Metro Police! Stehenbleiben, oder ...«

Die fliehende Gestalt war bereits hinter der Tür am Ende des Korridors verschwunden, die nun hinter ihr ins Schloss fiel. An der Rückfront musste sich eine Außentreppe befinden, die vermutlich hinauf zum Dach führte. Dort hätten eigentlich die Kollegen Normaan, Picka und Lesli ...

Mehrere Schüsse ließen Maaloo zusammenzucken, dann setzte er sich wieder in Bewegung. Er spurtete den Flur hinunter, erreichte die Tür am Ende, packte die Klinke und riss sie auf.

Ein scharfer Knall ließ ihn zurückweichen, und im selben Moment traf ein Projektil das Metallgeländer draußen, ehe es als wütender Querschläger davon heulte.

»Fack!« Maaloo zögerte kurz, dann hörte er Stöhnen auf der Treppe weiter unten, während die ganze Metallkonstruktion unter eiligen Schritten erbebte, die sich nach oben entfernten. Das Dröhnen war jetzt lauter zu hören, und es kam eindeutig vom Dach. Der Gleiter, dessen Landedüsen nur gedrosselt waren, weil er sofort wieder abheben würde.

Maaloo zögerte nur noch so lange, bis er wieder Putney hörte, hinten von der Treppe her. »Ich befehle dir, sofort ...«

Maaloo biss die Zähne zusammen, hob den Revolver mit dem Lauf nach oben dicht neben den Kopf, dann sprang er hinaus auf das Treppenpodest.

Durch den Gitterrost erkannte er drei Meter tiefer Picka, auf dem Rücken liegend. Augen so groß wie Billardkugeln starrten zu ihm herauf, und oberhalb ihres Gürtels klaffte ein faustgroßes Loch in der Uniform der vierzigjährigen Polizistin, in dem es tödlich glänzte. Picka streckte den Arm zu ihm hoch. Ihre Finger, von denen ihr eigenes Blut tropfte, spreizten sich flehend, doch er wusste, dass für sie jede Hilfe zu spät kommen würde.

Also riss Maaloo sich von dem Anblick los, fuhr herum und schaute nach oben. Um gerade noch einen Fuß über dem Dachsims verschwinden zu sehen. Zähneknirschend kletterte er die Metallstufen empor, obwohl er ahnte, dass er zu spät kommen würde. Das Gerüst der Außentreppe schwankte unter seinen Schritten – wie unter denen, die nach ihm kamen.

Mit der linken Hand umklammerte er Sekunden später das Blech der Dachbrüstung, schob die rechte mit dem Revolver hinterher, ehe er vorsichtig den Kopf hob und über die Kante spähte.

Die Vertikaldüsen im Bauch des Gleiters leuchteten derart hell, dass er geblendet die Augen schließen musste. Maaloo spürte die Hitze und die Verdichtung der Luft, die davon ausgingen. Sobald seine Füße festen Tritt gefasst hatten, legte er sich schützend den Arm vors Gesicht. Im nächsten Moment wurde ihm der Hut vom Kopf geblasen, und der Gleiter stieg auf, hob sich so leicht und mühelos in die Lüfte, als bestünde er aus Papier.

Dann flammten unvermittelt die Triebwerke am Heck auf. Maaloo duckte sich hastig, und einen Sekundenbruchteil später schossen Lanzen aus Feuer dicht über ihn hinweg, ehe der Gleiter davonschoss und nur einen vagen Geruch von Stickstoff und Ozon in der Luft zurückließ.

Für einige Augenblicke war Maaloo wie gebannt, während er dem Flieger nachschaute, bis er hinter den Hügeln im Osten verschwunden war. Dann nahm er die Geräusche unter sich wahr und verzog das Gesicht beim Klang von Putneys schnarrendem Tremolo: »Das wird ein Nachspiel haben, Arschloch! Diesmal kommst du nicht mit 'nem Klaps auf die Finger davon, ich schwör's dir.«

»Ist das Ratzenhirn aus der Schusslinie?« Miidas Patroulaakis stützte sich mit den Händen auf der polierten Mahagoniplatte seines Schreibtischs ab, während er leicht vorgebeugt ins Mikrofon sprach. Sein tief gebräuntes, von einem Netzwerk aus Falten und Runzeln durchzogenes Gesicht drückten Ungeduld und Widerwillen aus.

Es rauschte einen Moment im Lautsprecher der Funkanlage, bis die erlösende Antwort kam. »Yessir. Es war knapp, und er hat es uns nicht leicht gemacht. Aber als ihm klar wurde, dass die Uniformierten schon vor seinem Haus stehen, hat er sich gefügt.« Ein sekundenlanges Knirschen und Knarzen folgte, bevor Pidbull, der Befehlshaber seiner Wulfanen, anfügte: »Sollen wir zurückkommen nach Morrowhill Manor, oder ...«

»Nein, nur das nicht.« Patroulaakis verzog angewidert die fleischigen Lippen beim bloßen Gedanken daran, dass Jugo Innochin auch nur einen seiner in orangefarbenen Stiefeln steckenden Füße in sein Refugium setzte. »Ihr lasst euch zum Stützpunkt fliegen und reist dann gleich weiter nach Süden. Der Zug wird bereitgestellt, die Fahrzeuge stehen parat. Weiß der Kretin schon von seinem Glück?«

»Noch nicht.« Patroulaakis glaubte, trotz der mäßig guten Funkverbindung ein wölfisches Grinsen in Pidbulls Stimme mitschwingen zu hören. »Ich war mir nicht sicher, ob Sie es ihm selbst verkünden wollen, Sir.«

»Das überlasse ich gern dir«, gab der Tycoon zurück. »Es kann dabei helfen, ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm aufzubauen.«

»Natürlich. Er wird begeistert sein. Eigentlich war die Safari ja erst zu seinem dreißigsten Geburtstag geplant.«

»Jugo hat alles getan, um früher auf die Jagd geschickt zu werden«, sagte Patroulaakis mit einem resignierten Unterton in der Stimme – und im vollen Bewusstsein über die Zweideutigkeit seiner Worte. »Wären wir nicht in letzter Sekunde gewarnt worden, säße der Holzkopf jetzt hinter Gittern.«

»Es ist noch einmal gutgegangen.« Pidbull zögerte einen Moment, ehe er anfügte: »Und es bleibt bei dem, was befohlen ist? Bis zum letzten?«

»Mein Wort gilt, bis ich etwas anderes sage, Bull«, brummte Patroulaakis. »Also weißt du, was du zu tun hast.«

»Klar, Sir. Soll ich seinen Vater verständigen, oder lasse ich es Jugo selbst machen?«

»Weder noch.« Patroulaakis strich sich über das schüttere, streng nach hinten gekämmte graue Haar. »Das übernehme ich.«

»In Ordnung ...«

»Over and out.« Der Tycoon schaltete ab und richtete sich auf. Sein Blick fiel auf das halbleere Whiskyglas. Er nahm es, führte es an seine Lippen und trank einen Schluck.

Zu lange durfte er nicht warten damit, Hagbard Kubin über die Entführung seines Neffen zu unterrichten, selbst wenn sie bestens zu rechtfertigen und in ihrer aller Interesse gewesen war. Kubin war fast so reich wie er und herrschte im Norden über Fischzucht und Fabriken an den großen Seen wie ein König des Altertums.

Der Weltrat in Waashton war diese Willkürherrschaft ein Dorn im Auge, was Kubin wie viele andere in die Arme von MAGMA getrieben hatte. Er saß mit am Tisch, wenn sich die Mächtigen von Meeraka bei Patroulaakis trafen, um Strategien gegen die WCA und ihre lästigen Bestrebungen zu entwickeln, die das Land wieder unter die Knute von Recht und Ordnung zwingen sollten. Eine grauenvolle Vorstellung, wenn man Patroulaakis und seinesgleichen fragte, weshalb sie sich seit einem Jahr gemeinsam organisierten.

Patroulaakis war nicht wählerisch dabei, mit wem er tanzte, solange es ihm zum Vorteil gereichte. Und anfangs hatte Kubins Neffe Jugo durchaus gute Arbeit geleistet dabei, die Droge Debaser in Waashton zu verteilen, die seine Hexenköche in geheimen Laboren entwickelten und dabei immer weiter verbesserten.

Bis sich der leicht beschränkte rothaarige Riese mit Hang zu geschmackloser Kleidung plötzlich – womöglich, weil er das Zeug selbst nahm, das er nur verkaufen sollte – dem Größenwahn verfiel. Statt diskret und zuverlässig seine Geschäfte zu betreiben, trieb sich Jugo immer öfter in den Clubs und Kneipen des Amüsierviertels Andy's Morgan herum, prahlte und protzte, was das Zeug hielt, und warf dabei auch noch mit Debaser um sich. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis selbst die überforderten Gesetzeshüter auf ihn aufmerksam wurden.