Notärztin Andrea Bergen 1385 - Arztroman - Hannah Sommer - E-Book

Notärztin Andrea Bergen 1385 - Arztroman E-Book

Hannah Sommer

0,0
1,49 €

Beschreibung

Die Liebe ist kein Wettlauf, Marie! "Das ... das ist ja wunderbar", flüstert Marie und betrachtet den funkelnden Verlobungsring ihrer Schwester Ursula, der sicher ein Vermögen gekostet hat. Obwohl sie es nicht will, spürt sie, wie sich ihr Herz schmerzhaft zusammenzieht und nagende Eifersucht in ihr aufsteigt. Seit ihrer Jugend steht sie im Schatten ihrer schönen Schwester - und schon wieder ist Ursula den entscheidenden Schritt voraus: Noch in diesem Jahr wird sie ihre große Liebe heiraten. Der Mann, in den Marie sich unsterblich verliebt hat, will sich dagegen nicht binden! Das ist der Moment, in dem in Marie der Ehrgeiz erwacht. Diesmal wird sie Ursula mit der Hochzeit zuvorkommen! Und sie hat auch schon einen Plan, wie sie ihren neuen Schwarm Karsten endgültig für sich gewinnen kann ... Doch dieser Plan hat seine Tücken, wie sich allzu bald zeigen soll. Und die junge Liebe zwischen Karsten und ihr könnte dabei auf der Strecke bleiben ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 128

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Inhalt

Cover

Impressum

Die Liebe ist kein Wettlauf, Marie!

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: nd3000 / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8449-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Die Liebe ist kein Wettlauf, Marie!

Zum wiederholten Mal ist die hübsche Marie Seling bei ihrem Lauftraining zusammengebrochen, ohne dass meine Kollegen und ich die Ursache für ihre kurzen Ohnmachtsanfälle finden konnten. Dennoch ist die junge Frau fest entschlossen, ihr Trainingsprogramm fortzusetzen, denn sie will unbedingt an der Seite ihres neuen Schwarms Karsten Voss den Marathon laufen. Allmählich dämmert mir, dass Marie dem gut aussehenden Chirurgen mit ihrem Kampfgeist und ihrer Sportlichkeit imponieren will und dass es ihr Weg ist, Karstens Herz dauerhaft für sich zu gewinnen …

„Die Liebe ist kein Wettlauf“, habe ich Marie gesagt, um sie zur Vernunft zu bringen, aber davon wollte sie nichts hören. Doch ich kenne meinen Kollegen Karsten Voss und sein Geheimnis, und ich weiß, mit ihren ehrgeizigen Plänen kann Marie ihn nur verlieren …

Marie Seling öffnete ihren leichten Sommermantel. Die Sonne hatte sich heute doch noch hinter den Wolken hervorgetraut, und jetzt war es angenehm warm. Sie wartete auf den Bus, der jeden Moment kommen musste und sie nach Hause bringen würde.

Marie nippte an ihrem Kaffee, den sie sich nach Feierabend gern gönnte. Sie arbeitete als Beraterin in einer größeren Bank, und an manchen Tagen war es ziemlich anstrengend für sie, die ganze Zeit im Büro zu sein und mit einem freundlichen Lächeln die Kunden zu beraten. Da war ein Becher Kaffee genau das Richtige als Start in den Feierabend. Das war ihre Art der Entspannung.

Vielleicht würde sie nachher noch kurz einkaufen gehen und sich eine Gemüselasagne zubereiten. Viel hatte sie an diesem Abend jedenfalls nicht vor, auch wenn sie gern mal wieder ins Kino gegangen wäre. Aber allein hatte sie keine Lust, und ihre Schwester Ursula hatte ihr für heute abgesagt. Sie wollte mit ihrem Freund eine Wohnung besichtigen.

Marie seufzte auf. Mittlerweile waren die beiden knapp acht Jahre zusammen, und Marie gönnte ihrer Schwester das Glück. Aber es gab Tage, so wie heute, an denen sie sich dann doch einsam fühlte und sich auch jemanden an ihrer Seite wünschte.

Der Bus näherte sich und kam zum Stehen. Marie ließ sich von dem üblichen Gedränge zu den Türen treiben und wartete, bis die Fahrgäste ausgestiegen waren, als sie plötzlich jemand am Arm anrempelte.

Erschrocken hob Marie den Blick und sah einem attraktiven Mann in die Augen, und als dieser sie im selben Moment anlächelte, wurde es ihr eigenartig warm ums Herz.

„Entschuldigung“, hörte sie seine dunkle Stimme, und die Wärme in ihrer Brust breitete sich noch ein bisschen mehr aus. „Ich komme selbstverständlich dafür auf.“

„Äh …“ Marie sah ihn irritiert an, dann folgte sie seinem diskreten kurzen Blick auf ihr Dekolleté. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie einen unschönen braunen Fleck auf ihrer Bluse hatte. Ihr attraktives Gegenüber hatte wohl doch nicht die Wärme ausgelöst, sondern „Dark Arrabica“, ihre neue Lieblingskaffeesorte.

Marie errötete, und während der anfänglich warme Kaffeefleck sich nun abkühlte, kam auch sie sich vor, als hätte man ihr einen Eimer kaltes Wasser übergegossen – wobei der vermutlich nicht so einen hässlichen Fleck auf ihrer Bluse hinterlassen hätte.

„Nein, schon gut. Das war meine Schuld“, beeilte sie sich zu sagen. „Ich hätte ja besser aufpassen können, anstatt so vor mich hin zu träumen.“

„Das Gleiche gilt auch für mich“, erwiderte der Mann mit einem charmanten Lächeln. „Ich hoffe, es war wenigstens ein schöner Traum?“

„Na ja.“ Marie zuckte mit den Schultern. „Könnte besser sein“, gab sie zu.

„Oh, das tut mir leid. Wenigstens habe ich Sie wieder in die Wirklichkeit zurückgeholt, auch wenn es mir leidtut, dass Sie dafür diese unschöne Dusche nehmen mussten.“

Marie lachte. „Es ist wirklich in Ordnung“, versicherte sie nochmals, doch der Mann hob nur die Brauen.

„Wahrscheinlich stehen Sie unter Schock“, mutmaßte er. „Das würde mir vermutlich ganz genauso gehen. Aber ich wette, sobald Sie zu Hause sind und die Situation noch einmal Revue passieren lassen, denken Sie sicherlich anders darüber. Deshalb gebe ich Ihnen jetzt trotzdem meine Nummer, auch wenn Sie das vermutlich im Nachhinein schrecklich aufdringlich finden werden.“

Marie kicherte amüsiert. Dieser Mann war wirklich ein Spaßvogel, und irgendwie gefiel er ihr, wie sie sich insgeheim eingestehen musste.

„Wahrscheinlich würden Sie sich sehr ärgern, wenn Sie mir die Rechnung dann doch nicht schicken könnten.“ Er zog einen Stift aus seiner Jacketttasche und nahm ihr den Kaffeebecher aus der Hand, und noch ehe Marie widersprechen konnte, hatte er seine Nummer daraufgeschrieben. „Rufen Sie mich an und sagen Sie mir, was Sie für die Reinigung bekommen.“ Er gab ihr den Becher zurück.

Marie sah auf die runden, geschwungen Zahlen. Karsten, stand in leicht schräger Schrift darüber. Marie blickte den Mann verwundert an. „Danke“, sagte sie verblüfft. Sie hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass er die Kosten übernehmen würde – immerhin würde sie den Fleck vermutlich auch selbst in der Waschmaschine herausbekommen.

„Und wie heißen Sie?“, fragte er schmunzelnd. „Ich muss doch schließlich wissen, von wem die Nachricht dann kommt. Nicht, dass sich herumspricht, dass ich hier in der Stadt liebend gern die Reinigung für schmutzige Blusen übernehme.“

Jetzt breitete sich auf Maries Gesicht ein echtes Lächeln aus. „Marie“, stellte sie sich vor und gab ihm die Hand.

Im selben Moment schloss der Bus die Türen und fuhr wieder an.

„Oh nein!“, rief Marie entsetzt. „Mein Bus!“

„Ach, das tut mir wirklich leid“, versicherte Karsten rasch. „Jetzt haben Sie meinetwegen auch noch Ihren Bus verpasst. Ich bin wohl wirklich nicht Ihr Glücksbringer.“

Marie hob unglücklich die Schultern. „Da kann man nichts machen.“

„Wann kommt der nächste?“, fragte Karsten sofort.

„In zwanzig Minuten.“ Marie verzog bedauernd das Gesicht.

„Also, ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster, Marie: Was halten Sie davon, wenn ich Sie auf ein Getränk einlade? Zur Zeitüberbrückung und als Entschädigung für den verschütteten Kaffee?“

Marie spürte sofort wieder, wie eine angenehme Welle durch ihren Körper floss. Dieser Mann war nicht nur attraktiv, sondern auch kein bisschen schüchtern. Das gefiel ihr. Und ja, warum sollte sie sich nicht einladen lassen? Gegen ein Getränk war schließlich nichts einzuwenden, und ob sie nun allein zu Hause saß oder noch ein bisschen Zeit mit diesem Karsten verbrachte, war im Grunde doch egal.

Vielleicht wurde es ja sogar ein schöner Abend.

„Ja, gern“, antwortete Marie. „Aber so, wie ich aussehe?“ Unglücklich blickte sie an sich herunter.

„Ich würde Ihnen ja mein Jackett anbieten, doch das ist bei der Wärme vermutlich nichts.“

„Nein“, lehnte Marie lachend ab. „Aber vielen Dank für das Angebot. Das weiß ich sehr zu schätzen.“

„Na gut, dann werde ich einfach allen Leuten erzählen, dass ich für dieses Malheur verantwortlich bin“, schlug Karsten vor, und das tat er dann tatsächlich.

Sie hatten kaum ein kleines Eiscafé in der Nähe betreten, als er den verwundert dreinblickenden Gästen auch schon in wenigen Sätzen schilderte, dass der Fleck auf Maries Bluse allein seine Schuld sei und die Cafébesucher mit einer leckeren Portion Erdbeereis oder einem Eiskaffee besser ausreichend Abstand zu ihm einhalten sollten. Einige Gäste blickten ihn verwundert an, aber die meisten lachten amüsiert. Zu ihnen gehörte auch Marie.

„Und jetzt mache ich das Ganze wieder gut und lade diese bezaubernde Dame auf ein Getränk ein“, erklärte er der Bedienung gerade, die ebenfalls einen kurzen diskreten Blick auf den übergroßen Kaffeefleck geworfen hatte. „Aber bringen Sie für mich bitte bloß ein Wasser. Nicht, dass ich mich gleich noch einmal unbeliebt mache.“

Die Kellnerin kicherte. „Und für Sie?“

„Ich nehme eine Eisschokolade“, entschied Marie. „Ich glaube, das fügt sich farblich ganz gut ins Gesamtbild.“

Jetzt war es an Karsten, herzhaft zu lachen. „Na, wenigstens haben Sie Humor“, sagte er zwinkernd.

„Hätte ich keinen, hätte ich jetzt nur noch eine Bluse mit einem unschönen Kaffeefleck und wahrscheinlich eine schreckliche Verabredung. So habe ich wenigstens einen unterhaltsamen Abend mit Ihnen.“

„Das ist natürlich ein Argument.“

Sie warteten, bis die Getränke gebracht wurden.

„Und was machen Sie, wenn Sie nicht gerade jemandem einen Kaffee überkippen?“, fragte Marie, als sie einen Löffel Sahne von ihrer Eisschokolade genascht hatte.

„Oh, wie charmant!“ Karsten grinste. „Ich bin Chirurg. Normalerweise operiere ich aus Versehen meine Hausschlüssel in meine Patienten.“

Marie lachte aus tiefstem Herzen. „Nun, das halte ich jetzt tatsächlich für ein Gerücht, doch ich glaube, langweilig wird es bei Ihnen im OP sicherlich nicht.“

„Nein, das wäre ja schrecklich.“ Karsten trank einen Schluck Wasser. „Und was machen Sie beruflich?“

„Oh, bei mir ist es schrecklich langweilig. Ich bin Bankberaterin und stehe die meiste Zeit hinter einem Tresen, um gemeinsam mit Kunden ihren Fehlbuchungen nachzugehen oder ihnen das richtige Bausparpaket zusammenzustellen.“

„Das klingt wirklich sehr trocken“, gab Karsten zu. „Und was machen Sie, wenn Sie nicht mit Zahlen jonglieren?“

Marie seufzte. „Eigentlich nicht sehr viel. Ich habe früher mal Schlagzeug gespielt. Doch als ich mich von meinem damaligen Freund getrennt habe, ist leider auch die Band in die Brüche gegangen.“

„Wie schade!“, beteuerte Karsten, und seinem Gesichtsausdruck war anzusehen, dass er es ehrlich meinte. „Ich habe noch nie eine Schlagzeugerin kennengelernt.“

„Ach, es ist nichts Besonderes. Ich habe schon lange nicht mehr gespielt. Ich glaube, ich kann es gar nicht mehr. Mittlerweile gehe ich als Ausgleich zum Arbeitsalltag gern mal ins Fitnessstudio. Aber auch dafür fehlt mir augenblicklich die Zeit. Und wie verbringen Sie Ihre Freizeit?“

„Ich bin leidenschaftlicher Marathonläufer.“ In Karstens Augen blitzte etwas auf. „Gerade trainiere ich für den Krankenhaus-Marathon, der demnächst in der Stadt stattfindet. Es ist ein Wohltätigkeitslauf für eine Partnerstadt in Kenia, die ein neues Krankenhaus bauen möchte.“

„Was für eine tolle Idee!“, fand Marie. „So eine Veranstaltung sorgt immer für Aufmerksamkeit, und sicherlich haben Sie schon viele Sponsoren dafür gefunden.“

„Ja, das Elisabeth-Krankenhaus ist der Pate der Veranstaltung, und für jeden Kilometer, den die Teilnehmer laufen, zahlen unsere Sponsoren einen Euro. Je mehr Leute mitmachen, desto besser. Laufen Sie doch auch mit!“

„Oh, ich …“ Marie zögerte. Sollte sie Karsten sagen, dass sie nicht sonderlich sportlich war und ihre Besuche im Fitnessstudio bestimmt schon ein gutes halbes Jahr zurücklagen? Andererseits wollte sie sich vor ihm keine Blöße geben, und dieser Wohltätigkeitslauf war wirklich eine gute Sache. Außerdem hatte sie früher ja Sport getrieben, warum sollte sie also jetzt nicht wieder damit anfangen? Dieser Marathon wäre doch die beste Gelegenheit dazu.

Doch das allein war nicht der Grund. Tief in ihrem Inneren verspürte sie noch etwas anderes: Sie wollte Karsten und sich eine Chance geben. Jemand, der so offen auf sie zuging und mit ihr flirtete, hatte womöglich Interesse an ihr, und Marie musste zugeben, dass sie Karsten ebenfalls sehr interessant fand.

„Ja, warum nicht?“, sagte sie schließlich und lächelte unsicher.

So einen Marathon würde sie schon schaffen …

***

„So gut drauf?“ Andrea Bergen, die Notärztin des Elisabeth-Krankenhauses, schmunzelte, als sie ihren Kollegen und guten Freund Dr. Karsten Voss beschwingt über den Klinikflur kommen sah.

„Oh ja, und wie!“

„Hast du im Lotto gewonnen?“, fragte Andrea neugierig.

„So ähnlich“, gab Karsten zu. „Es ist fast wie ein Sechser im Lotto.“

„Jetzt bin ich gespannt!“

„Ich habe jemanden kennenglernt“, lüftete Karsten das Geheimnis.

Andrea Bergen lächelte. „Das sind ja tolle Nachrichten! Kenne ich sie?“

„Noch nicht“, sagte Karsten. „Aber sie ist wirklich nett.“

„Wo habt ihr euch denn kennengelernt?“, wollte Andrea Bergen wissen. Wenn es um eine neue Liebe ging, war sie sofort Feuer und Flamme.

„Oh, ich habe ihr ihren Kaffee übergekippt“, entgegnete Karsten leichthin. „Aus Versehen!“, setzte er gleich darauf hinzu, als er Andreas entsetztes Gesicht sah. „Aber sie hat es mir nicht übel genommen. Und sie hat Humor!“

„Na, den braucht man in so einer Situation sicherlich auch. Ich wüsste nicht, wie ich reagieren würde, wenn mir jemand einen Kaffee überkippen würde.“

„Da hast du recht“, stimmte Karsten zu. „Doch eben hat sie mir geschrieben, dass die Bluse jetzt wieder sauber ist und Platz für einen Neuen Fleck hat.“

Die Notärztin lachte. „Das klingt wirklich sympathisch. Seht ihr euch denn wieder?“

„Ich weiß es noch nicht. Ich habe sie daraufhin gefragt, ob sie nicht mal Lust hat, mich bei einem Trainingslauf zu begleiten. Als ich ihr von dem Krankenhaus-Marathon erzählt habe, war sie sehr begeistert.“ Karstens Smartphone brummte in seiner Kitteltasche. Er zog es hervor und schaute auf das Display. „Und hier ist ihre Antwort: Sie freut sich auf das Training mit mir.“

„Das ist doch wunderbar“, sagte Andrea Bergen fröhlich. „Du musst mir unbedingt erzählen, wie es gelaufen ist.“

„Mache ich“, versprach Karsten. „Wirst du denn auch bei dem Marathon mitlaufen?“

„Oh nein!“ Andrea winkte ab. „Für mich ist das nichts. Ich habe mich da lieber freiwillig für den ärztlichen Dienst vor Ort eintragen lassen. Aber Franzi und eine Freundin wollten auf jeden Fall mitlaufen – allerdings den Halbmarathon. Die beiden haben auch überlegt, das Ganze als Schulprojekt vorzuschlagen, damit auch andere Klassen daran teilnehmen.“

Franzi war Andrea Bergens Adoptivtochter. Die Notärztin und ihr Mann Werner Bergen hatten das Mädchen adoptiert, weil Andrea nach einer Operation keine Kinder mehr bekommen konnte. Und Franzi war wie ihr eigenes Kind, die beiden hatten sie vom ersten Tag an geliebt, seit sie bei ihnen war. Ebenso Großmutter Hilde Bergen.

„Was für eine tolle Idee!“, freute sich Karsten. „Je mehr Leute mitmachen, desto besser!“ Für ihn war der Marathon eine Herzensangelegenheit, und er war vom Elisabeth-Krankenhaus als Pate für diese Veranstaltung engagiert worden. Laufen war nicht nur sein Hobby, es war seine Leidenschaft, und die Wohltätigkeitsveranstaltung für den Krankenhausbau in Kenia gab ihm die Möglichkeit, seinen Beruf mit einem Herzensprojekt zu verbinden.

„Sag Franzi, dass ich ihr gern Infobroschüren und Werbematerial für die Schule zur Verfügung stelle. Vielleicht wollen sich ja auch die Eltern daran beteiligen? Schließlich sind ja nicht alle solche Sportmuffel wie du“, neckte er die Notärztin zwinkernd.

„Das richte ich ihr aus.“ Andrea Bergens Pager piepte, und die Notärztin warf einen raschen Blick darauf. „Oh nein, ich muss los! Es hat einen Unfall auf dem Autobahnring gegeben.“

„Viel Glück!“, rief Karsten seiner Kollegin nach, die schon mit wehendem Kittel über den Klinikflur eilte.

„Danke. Dir auch! Und vergiss nicht, mir von dem Treffen zu erzählen!“, hörte er Andrea noch sagen, dann war sie um die nächste Ecke verschwunden.

Karsten sah ihr einen Augenblick nach. Er bewunderte die Notärztin, die neben ihrem stressigen Job dennoch immer ein offenes Ohr für ihre Mitmenschen hatte. Er unterhielt sich gern mit ihr, auch wenn sie öfter wegen eines Noteinsatzes unterbrochen wurden. Aber sie waren schließlich nicht zum Plaudern, sondern zum Arbeiten hier im Krankenhaus. Oft traf er sich mit Andrea und ihrem Mann Werner abends auf ein Glas Wein. Dann konnten sie in Ruhe sprechen.

Doch jetzt wollte auch Karsten sich wieder seiner Arbeit widmen. Er sah auf seinen Dienstplan. Vor seiner Mittagspause hatte er ein Patientengespräch mit einer älteren Dame, der ein Routineeingriff bevorstand, und danach war er in der Mittagspause mit Professor Dr. Hebestreit, dem Klinikleiter des Elisabeth-Krankenhauses, verabredet, um für den Marathon noch einige organisatorische Dinge zu klären.

***