Sky-Navy 16 - Vorstoß nach Tensa - Michael Schenk - E-Book

Sky-Navy 16 - Vorstoß nach Tensa E-Book

Michael Schenk

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Beschreibung

Die Serie "Sky-Navy" bietet spannende Unterhaltung im Bereich der Science Fiction. In einer fernen Zukunft stellen sich die Sky-Navy und die Sky-Trooper fremden Völkern und spannungsgeladenen Abenteuern, bei denen das Militär vor allem eine Aufgabe erfüllt - dem Leben zu dienen und Konflikte zu beenden. Schenk bietet dabei faszinierende Einblicke in fremde Kulturen und versieht seine Action immer auch mit einer Prise Humor.

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Seitenzahl: 277

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Michael Schenk

Sky-Navy 16 - Vorstoß nach Tensa

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1 Was bisher geschah …

Kapitel 2 Den Tod vor Augen

Kapitel 3 Ein unerwarteter Gast

Kapitel 4 Die Verpflichtung

Kapitel 5 Medienrummel

Kapitel 6 Der hohe Rat

Kapitel 7 Der Plan

Kapitel 8 Beratung

Kapitel 9 Die große Flotte

Kapitel 10 Im System von Tensa

Kapitel 11 Ein unerwünschter Besucher

Kapitel 12 Hetzjagd

Kapitel 13 Auf Erkundung

Kapitel 14 Ein schwieriger Verbündeter

Kapitel 15 Feindberührung

Kapitel 16 Eine logische Konsequenz

Kapitel 17 Die Geheimoperation

Kapitel 18 Der zweite Angriff

Kapitel 19 Bewegungen

Kapitel 20 Hinterhalt

Kapitel 21 Ein ungewöhnliches Duell

Kapitel 22 Endlich in Sicht

Kapitel 23 Letzte Befehle

Kapitel 24 Höllenritt mit „Rodeo“

Kapitel 25 Die letzte Waffe

Kapitel 26 Der Ausbruch

Kapitel 27 Letztlich ein Erfolg

Kapitel 28 Ankündigung Sky-Navy 17

Kapitel 29 Homepage www.sky-navy.de

Kapitel 30 „Sky-Troopers“- Exklusiv für Sky-Navy-Leser

Impressum neobooks

Kapitel 1 Was bisher geschah …

Sky-Navy 16

Vorstoß nach Tensa

Military Science Fiction

von

Michael H. Schenk

© M. Schenk 2020

Auf der Suche nach der verborgenen Welt der Negaruyen konnte der Tarn-Kreuzer D.S. Blackwing entscheidend dazu beitragen, die Seuche auf der Welt Kell´Gerrun zu bekämpfen. Dies festigte das lockere Bündnis zwischen Menschen und insektoiden Norsun. Erstmals will das mächtige Alien-Reich mit den Menschen gemeinsam in den Kampf ziehen. Ihr Ziel ist das Schiffsbauzentrum der Negaruyen. Doch bei den Menschen gibt es Zweifel an dieser neuen Partnerschaft, denn in ihrer bisherigen Geschichte haben die Insektoiden kein anderes raumfahrendes Volk neben sich geduldet.

So kann der Vorstoß nach Tensa zum Prüfstein des neuen Bundes werden …

Kapitel 2 Den Tod vor Augen

Großstachel Kelia-Makawa, Schlachtschiff der kleinen Mutter Makawa

Vor einer knappen Zwölfteleinheit war das Großgeschwader in das ungewöhnliche Asteroidenfeld vorgedrungen. Alle Scanner und Sensoren arbeiteten mit höchster Leistung. Die Sicherheitsschotts zwischen den Abteilungen der Hantelschiffe waren ebenso geschlossen wie die Raumanzüge der Besatzungen. Das befehlshabende Höchst-Wort wusste, welche Bedeutung das Ziel seiner Mission für den alten Feind besaß und bereitete sich auf heftigen Widerstand vor.

Das Asteroidenfeld verhinderte eine geschlossene Gefechtsformation und das Geschwader aus sechshundert Hanteln verschiedener Klassen und Größen flog daher in kleinen Gruppen, die immer wieder größeren Asteroiden ausweichen mussten. Kleinere Felsen und Metallbrocken wurden durch den Beschuss der schweren Energiegeschütze vernichtet.

Sie konnten dennoch nur sehr langsam vordringen, denn die meisten der Asteroiden bestanden zu einem hohen Prozentsatz aus Metall und in dem gewaltigen Feld wurde eine ungewöhnliche Strahlung angemessen, die sich kontinuierlich erhöhte, je weiter sie kamen. Schließlich wurden die Strahlung und die abschirmende Wirkung der Asteroiden so intensiv, dass die Ortungs- und Kommunikationseinrichtungen der Schiffe zunehmend gestört wurden.

Hoch-Wort Sirun-Nap befehligte den Großstachel Kelia-Makawa. Das Schlachtschiff der 1200-Meter-Klasse bestand aus zwei Kugeln von zwölfhundert Metern Durchmesser und einem tonnenförmigen Mittelteil, das diese miteinander verband. Der Gigant besaß somit eine Gesamtlänge von dreitausendsechshundert Metern und repräsentierte die neuesten Leistungen der Schiffsbaukunst der Norsun.

Seit Jahrhunderten lagen die Insektoiden im Krieg mit den menschenähnlichen Negaruyen der verborgenen Welt und deren Walzenschiffen. In all diesen Jahren hatten sich beide Seiten zunehmend auf immer effektivere Energiewaffen und den Schutz gegen diese konzentriert. Nun hatte der Feind neue Waffen entwickelt. Den „Zersetzer“, der in der Lage war, die metallene Hülle eines Raumschiffs aufzulösen, und Geschütze, die Projektile verschossen und damit die Rümpfe der Hanteln zertrümmerten.

Dies hatte einen Großteil der Flotte der Norsun über Nacht veraltern lassen. Zwar waren ihre herkömmlichen Schiffe noch immer ein wesentlicher Bestandteil der Raumstreitkräfte und sie hatten auch ihre Erfolge, doch die veränderten Waffen der Negaruyen verlangten eine Reaktion.

Die Kelia-Makawa gehörte zu jenen neuen Schiffen, welche als Antwort auf die neue Bedrohung dienten. Der Großteil ihres Rumpfs bestand noch immer aus dem gewohnten, in seidigem Grün schimmernden Bio-Metall, doch dieses war nicht länger zu einer glatten, nahezu fugenlosen Hülle verarbeitet worden, sondern schien aus zahllosen sechseckigen Segmenten zu bestehen. Es waren Fertigteile, die man wesentlich schneller wachsen lassen konnte als einen vollständigen Rumpf. Über den Äquatorbereich der Kugeln und entlang des gesamten Mittelteils zog sich eine zusätzliche gitterartige Struktur. An ihren Verbindungspunkten befanden sich starke Energietransmitter, die innerhalb der Waben des Gitters extrem starke Felder aufbauten. In ihnen wurde jeder Energiestrahl und jedes Projektil neutralisiert. Zumindest waren sich die Wissenden der Stämme sicher, dass die Schutzgitter wirksam sein würden.

Für das große Geschwader hatten sie sich schon mehrfach bewährt, denn immer wieder trafen kleinere Asteroidentrümmer auf die Gitter und wurden, wie erhofft, vernichtet. Jene Schiffe, die noch die alte Konstruktion aufwiesen, mussten bereits leichtere Hüllenschäden hinnehmen. Dennoch verzichtete das Höchst-Wort nicht auf sie. Gewisse Verluste waren für die Norsun schon immer akzeptabel gewesen und die älteren Schiffe stellten noch immer das Gros der Flotte.

Inzwischen wurden Verbindungen und Ortungsergebnisse immer schlechter. Die Bilder der Schiff-zu-Schiff-Kommunikation waren undeutlich, verschwammen und lösten sich vorübergehend auf. Die überlichtschnell arbeitenden radarähnlichen Taster waren kaum noch in der Lage, die zahllos erscheinenden Objekte zu erfassen und korrekt anzuzeigen. Immer mehr Hände des Sehens und des Stechens mussten auf die altmodische und wenig effektive Methode der rein optischen Erfassung ausweichen. Es waren keine guten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einsatz. In Sirun-Nap wuchsen die Zweifel am Erfolg der Mission.

Dann, vor dem Zwölftel einer Zwölfteleinheit, war das Unheil über das große Geschwader hereingebrochen. Aus nahezu jeder Richtung rasten Geschosse auf die Hantelschiffe zu. Tödliche Projektile, deren Ursprung kaum anzumessen war. Nur in den optischen Vergrößerungen war gelegentlich das Aufblitzen eines Abschusses zu erkennen.

Sirun-Nap war vor die große Panoramascheibe getreten, die der Krümmung der Bordwand folgte und die gesamte Frontseite der Zentrale einnahm. Sie lag in Äquatorhöhe der Bugkugel. Gewöhnlich genoss der Kommandant hier den Anblick des Sternenmeers, doch nun sah er sich von Asteroiden unterschiedlichster Größe umgeben. Nur zwei Schiffe des großen Geschwaders befanden sich in seinem Blickfeld und eines von ihnen, ein Schlachtkreuzer der 800-Meter-Klasse, brach gerade auseinander und verging im Feuersturm sich entladender Energiespeicher.

Das Hoch-Wort registrierte es mit einer gewissen Resignation. Die Kommunikation war endgültig zusammengebrochen. Nur auf dem einfach lichtschnellen Notfunk kamen gelegentliche Übertragungen durch, die jedoch kaum einem Schiff zuzuordnen waren. Wie viele Einheiten des großen Geschwaders existierten noch? Kämpfte man sich weiterhin dem Ziel entgegen oder hatte das Höchst-Wort allen Schiffen längst den schmählichen Rückzug befohlen?

Der in den Kragen integrierte Funk des overallartigen Raumanzugs übertrug die Stimmen der in der Zentrale arbeitenden Norsun. Gelegentlich meldeten sich die ausführenden Worte und Hände anderer Sektionen über die gleiche Frequenz.

„Ich brauche ein deutliches Ziel“, wiederholte die ausführende Hand der Stecher wieder und wieder. „Ohne Ziel kann ich nicht stechen. Ich brauche ein Ziel!“

Die Verzweiflung des leitenden Waffenoffiziers war fast körperlich spürbar. Seine Kopffühler zitterten unter dem transparenten Falthelm des Raumanzugs. Immer wieder glitten die zwei Daumen und vier anderen Finger seiner Hände über Schalter und leuchtende Kristallfelder, mit denen die Waffen des Schiffs kontrolliert wurden. Jede Waffe konnte, in der Theorie, eigenständig kämpfen, da sie über ein eigenes Zielerfassungssystem verfügte, doch dieses funktionierte nicht und die ausführende Hand der Stecher tat sein Möglichstes, wenigstens einen Teil von ihnen manuell zu bedienen. Die Kelia-Makawa feuerte mit all ihren Waffen. Hochkonzentrierte Energiestrahlen, die schimmernden Finger der formbaren goldenen Energie und die neuartigen Raketen schossen aus ihren Waffenluken. Doch es gab kein erkennbares Ziel. Auch der Versuch, sich auf jene Stellen zu konzentrieren, an denen man das Aufblitzen feindlichen Waffenfeuers gesehen hatte, war wenig wirksam. Optiken funktionierten nur lichtschnell und wenige Augenblicke genügten einem Angreifer, seine Position entscheidend zu verändern.

„Ausführende Hand des Fern-Sehens und des Sehens an das Hoch-Wort“, meldete sich der leitende Offizier der Raumüberwachung. „Eine klare Zielangabe ist mir nicht möglich. Meine eTronischen Augen und Sinne erfassen keinen der feindlichen Feinde.“

Sie alle spürten ein leichtes Beben. Für einen winzigen Moment versagte die künstliche Schwerkraft. Die Füße von Sirun-Nap lösten sich für Augenblicke vom Boden, während sich die anderen Norsun in der Zentrale an ihre Arbeitsstationen oder Sitzstangen krallten. Dann setzte die Schwerkraft wieder ein.

Jeder der Norsun hatte eine Vorstellung davon, welche Gewalt erforderlich war, um die enorme Masse eines Schlachtschiffs zu erschüttern.

Das stellvertretende Wort des Schiffs eilte an die Seite von Sirun-Nap. „Ich erhielt Meldung aus dem Mittelteil. Es wurde von einem steinigen Felsen durchschlagen. Die haltende Struktur ist geschwächt. Das Wort der helfenden Hände empfindet furchtsame Furcht, dass die Schale unseres Schiffes auseinanderbrechen kann.“

„Unsere Augen und Sinne versagen“, erwiderte Sirun-Nap mit tonloser Stimme. „Wir wissen, dass die verfluchten Flachschlitznasen über Schleichschiffe verfügen, die wir nicht erkennen können, es sei denn, wir sind ihnen in nächster Nähe oder sie flammen ihre Triebwerke.“

„Es können keine Schleichschiffe sein, Herr.“ Auch die Kopffühler seines Stellvertreters zitterten vor Erregung. „So viele Schiffe dieser unheimlichem Art haben sie einfach nicht. Es muss eine andere Art von gefährlicher Gefahr sein.“

„Sie benutzen die Asteroiden und Projektile oder Raketen, die sehr klein sind“, erwiderte das Hoch-Wort. „Ihre Wirkung ist eher unbedeutend, doch sie verwenden sie in einer so großen Zahl, dass sie zerstörerische Zerstörungen bewirken.“

„Beim Feuerfall von Istwagh, Herr!“, die Stimme des Stellvertreters klang flehentlich. „Wir können dem Feind nicht widerstehen. Uns bleibt keine Wahl, als der sich zurückziehende Rückzug.“

„Ein Rückzug in Schmach und schändlicher Schande!“

„Der das Schiff und unsere Existenz rettet, so dass wir zu einer späteren Zeiteinheit erneut kämpfen und tödlich zustechen können.“

Sirun-Nap knickte zögernd die Fühler nach vorne und gab so seine Zustimmung zu erkennen. „Ich halte dies für überlegt und angemessen. Ich werde das Wort zum bedächtigen Rückzug erteilen und …“

Plötzlich existierte die rechte Seite der Zentrale nicht mehr.

Für eine unbestimmbare Zeit verlor Sirun-Nap das Bewusstsein.

Als er zu sich kam, befand er sich im Weltraum und trieb von seinem Schiff fort. Er war verwirrt, bis er seine Gedanken langsam wieder ordnen konnte. Instinktiv überprüfte er seinen Raumanzug und war erleichtert, als er keine Schäden entdeckte. Auch davon unabhängige innere Verletzungen spürte er keine. Erst danach versuchte er, sich zu orientieren.

Alles schien um ihn zu kreisen und er begriff, dass er sehr langsam um seine eigene Achse rotierte. Dinge verschwanden aus seinem Blickfeld und tauchten wieder darin auf. Er konzentrierte sich und entdeckte endlich sein Schiff, oder zumindest das, was davon übrig geblieben war. Von schräg vorne konnte er die schreckliche Wunde sehen, die es erlitten hatte.

Ein massives Objekt hatte es frontal getroffen, ein gutes Stück rechts der Zentrale und in Äquatorhöhe. Das Objekt, wahrscheinlich ein solider Asteroid mit hohem Eisengehalt, schien eine tiefe Furche durch die Bugkugel gefräst zu haben, hatte dann die Seite des Mittelteils auf dessen kompletter Länge aufgeschlitzt und anschließend die Heckkugel getroffen. Der Rumpf war aufgerissen und deformiert, Gänge und Räume lagen offen.

Aus dem stolzen Schlachtschiff Kelia-Makawa war ein treibendes Wrack geworden.

Nirgends war ein Licht oder das Anzeichen von Leben zu sehen.

Das Schiff trieb in einigen Hundert Metern Entfernung und die Distanz vergrößerte sich zusehends. Bald würde die Reichweite des kleinen Funkgerätes überschritten sein. Hastig aktivierte Sirun-Nap die Notfrequenz. „Hier spricht Hoch-Wort Sirun-Nap. Hört mich jemand?“

Er rief mehrmals und einmal glaubte er, die Stimme eines anderen Norsun zu hören, die ihm antwortete, doch dann war da nur noch Rauschen. Die Entfernung war zu groß geworden.

Sirun-Nap trieb weiter, drehte sich noch immer um sich selbst. Es fiel ihm schwer, sich zu orientieren, und es fiel ihm schwer, etwas zu erkennen. Obwohl hier, dicht am Zentrum der Milchstraße, die Dichte an Sternen und Sternennebeln hoch war, wurde das Innere des gewaltigen Asteroidenfelds kaum von deren Licht erreicht. Zahllose Brocken verdeckten viele von ihnen und es blieb nur das trübe Licht, das von der Reflexion der Atmosphäre des Planeten stammte, den die Asteroiden umgaben.

Immer wieder sah Sirun-Nap das Aufflammen von Energiegeschützen und von Explosionen. So weit entfernt, dass sich der Norsun nicht inmitten des Geschehens wähnte, sondern als einsamer Beobachter fühlte. Ein Beobachter, dem ein schreckliches Schicksal bevorstand, denn nirgends gab es ein Anzeichen von nahender Rettung.

Während er durch die Asteroiden trieb, erkannte er endlich ein anderes Schiff des großen Geschwaders. Doch auch dieses war nur ein treibendes Wrack. Er konnte nur eine der Kugeln sehen, aus welcher ein Stück des Verbindungsteils ragte. Sirun-Nap konnte in dem aufgerissenen Stumpf sogar die Anzahl der Decks zählen und wusste, dass es sich um einen kleinen Kreuzer der 200-Meter-Klasse handelte.

Trotz des desolaten Zustandes des Wracks hoffte er, es zu erreichen, aber das grausame Schicksal ließ ihn in einigen Hundert Metern Entfernung daran vorbeischweben. Für einen Moment glaubte er, in einem der aufgerissenen Gänge das Licht von Scheinwerfern zu sehen und rief in aufkeimender Hoffnung um Hilfe, doch abermals kam keine Antwort.

Allmählich verlor das Hoch-Wort sein Zeitgefühl.

Ein leises Summen machte ihn darauf aufmerksam, dass der Atemluftvorrat zu Neige ging.

Sirun-Nap hatte den qualvollen Erstickungstod vor Augen. Für einen Moment kam Verzweiflung in ihm auf und er verfluchte sein Schicksal. Dann erfüllte ihn tiefe Resignation. Bedauernd dachte er daran, nun niemals Zeuge einer Eiablage und des Schlüpfens seiner Nachkommen werden zu können. Nie wieder würde er die warmen Winde der heimatlichen Wüsten spüren oder die Düfte der dortigen Wälder wahrnehmen.

Er warf einen letzten langen Blick um sich. Selbst der prachtvolle Anblick der Sterne wurde ihm in seinen letzten Momenten verwehrt.

Schließlich langte er an den Verschluss seines Helms und öffnete ihn.

Der Tod kam rasch und barmherzig. Als gefrorener Leichnam wurde Sirun-Nap zu einem winzigen Bestandteil des Asteroidenfelds. So, wie die Wracks zahlreicher Hantelschiffe und die sterblichen Überreste Zehntausender von anderen Norsun.

Kapitel 3 Ein unerwarteter Gast

Sky-Base Arcturus, Sky-Navy High-Command, Offiziers-Messe

Im Grunde ähnelte die Sky-Base Arcturus einem flach gedrückten altmodischen Brummkreisel. Sie bestand aus einem Diskus von fast zehn Kilometern Durchmesser, an dessen Polen zwei hohe und schlanke Naben aufragten, die von Kugeln gekrönt wurden, in denen sich die Raumüberwachungen befanden. In der Scheibe des Diskus lagen alle Räume, Hallen und Hangars, die dem Betrieb der Station und dem Leben der Besatzung und deren Angehörigen dienten. Hinzu kamen Hunderte von Zivilisten, da die Basis auch als Umschlagplatz für den interstellaren Handel und Passagierverkehr diente. Um den Äquator der Station waren die zehn Dockpylone angebracht, an denen Schiffe festmachen konnten. Sie erhielten dadurch eine direkte Verbindung mit der Basis und konnten von deren Anlagen versorgt werden. Arcturus war der Hauptliegeplatz der Sky-Navy und hier lagen stets etliche der modernen APS-Kreuzer und einige der riesigen Trägerschlachtschiffe.

Die Basis diente nicht nur als Militärstützpunkt und Handelsplatz, sondern war mit dem dort befindlichen High-Command auch Sitz des Hauptquartiers der Streitkräfte und des interstellaren Katastrophenschutzes.

Das Kasino für Offiziere auf Kommandoebene befand sich in der oberen Nabe. Sie bot einen großartigen Ausblick auf einen guten Teil der Basis und die an den Pylonen festgemachten Schiffe. Der elegant eingerichtete Raum wurde gerne zu Repräsentationszwecken und zur Bewirtung wichtiger Gäste genutzt. Sein Ambiente war entsprechend ausgelegt. Die Möblierung bestand aus echtem Holz, es gab Teppichboden, jede Menge bepflanzter Raumteiler, gedämpftes Licht, echte Kerzen auf den Tischen und aufmerksames Personal.

Die Besucher des Kasinos beschränkten sich für gewöhnlich auf Admiräle und Captains der Navy, die Generäle und Colonels der Raumkavallerie und, wie im Falle von John Redfeather und dessen Begleitung, auf deren Gäste. Wenn man sich in diese exklusive Messe begab, dann verzichtete man tunlichst auf die schlichte Dienstuniform, die aus einem mittelblauen Einteiler bestand. Daher trugen die drei ihre Ausgehuniformen mit den mittelblauen Hosen und den langen grünen Jacken, die sich durch die Farben der Schulterklappen oder Schulterstücke und den jeweiligen Besatz unterschieden: Ein helles Blau für die Navy bei John und ein kräftiges Gelb für die Raumkavallerie bei Joana und Mario.

„Ich bevorzuge doch ein echtes Steak, Sir, bei allem Respekt.“ Sergeant-Major Mario Basari lächelte entschuldigend. „Ich kann diesem synthetischen Fleisch und diesem Sojamist einfach nichts abgewinnen.“

Hoch-Admiral John Redfeather erwiderte das Lächeln. „Nun, Sarge, was du da auf deinem Teller liegen hast, das ist weder synthetisch noch pflanzlich. Das ist echter Büffel.“

„Büffel?“

Das Lächeln des Befehlshabers der Streitkräfte des menschlichen Direktorats vertiefte sich. Neben ihm war das leise Lachen seiner Tochter Joana zu hören, die als Major bei der fünften Raumkavallerie diente. Sie übernahm es, den irritierten Basari aufzuklären: „Der Büffel ist ein vierbeiniges Horntier auf der alten Erde. Er steht, wie der ganze Planet, unter strengstem Schutz, aber wie du ja weißt, Mario, gehören Dad und ich zum Volk der Sioux-Indianer. Wir haben, wie einige andere Ethnien und Gruppen auch, eine Sondergenehmigung und dürfen eine kleine Siedlung in unseren alten Jagdgründen, den Black Hills, unterhalten. Sie liegen in Montana auf dem nordamerikanischen Kontinent.“

„Aha“, brummte Basari und spießte, eher aus Höflichkeit, ein weiteres Stück Büffelfleisch auf seine Gabel. „Und ich nehme an, dass ihr Indianer euch eine kleine Jagd auf diese armen Tiere gönnt, sonst hätte ich wohl kaum dieses Fleisch auf dem Teller.“

„Einmal im Jahr dürfen sich die jungen Männer der indianischen Gruppen bewähren und auf die Büffeljagd gehen, um zum Krieger zu werden.“ John Redfeather strich sanft über die Hand seiner Tochter. „Indianer aller Stämme und aus dem gesamten Direktorat schicken dann ihre Delegationen auf die Erde und veranstalten ein großes Pow Wow. Die Jagd erfolgt natürlich ausschließlich mit Pfeil und Bogen.“

„Hm, natürlich.“ Basari tunkte sein Fleischstück in eine scharf gewürzte Sauce und ignorierte, dass Vater und Tochter die Gesichter verzogen. „Tut mir Leid, Chief“, sagte er in Anspielung auf die Häuptlingswürde seines Gastgebers, „aber mir hat dieses Fleisch einen zu … eigenwilligen … Geschmack.“

Als Sergeant-Major besaß Mario Basari, der stolz auf seine italienischen Vorfahren war, den höchsten Rang eines Unteroffiziers. Dennoch war es eine Ausnahme, dass er diesen Bereich der Sky-Base Arcturus betrat. Basari besaß unzweifelhaft ein besonderes Verhältnis zu den Redfeathers. Der alte Unteroffizier mit dem schlohweißen Haupthaar und ebensolchen Augenbrauen hatte einst, als junger Sergeant, den jungen Lieutenant John Redfeather durch die ersten Jahre begleitet. Der heutige Hoch-Admiral war klug genug gewesen, auf den Rat seines erfahrenen Untergebenen zu hören. Seitdem verband sie eine feste Freundschaft, obwohl sie, während des Dienstes, natürlich die Formen wahrten. Ähnliches galt für Joana Redfeather. Auch sie hatte sich als junger Lieutenant auf Basari verlassen können, der inzwischen in ihrem Bataillons-Stab diente.

An diesem Abend hatten sich die drei Freunde, auf Einladung von John Redfeather, in der exklusiven Kommandooffiziersmesse zusammengefunden. John war sichtlich stolz darauf, seinem alten Freund das seltene Büffelfleisch präsentieren zu können und musste akzeptieren, dass dieser die seltene indianische Delikatesse nicht zu schätzen wusste.

Das Kasino für Offiziere auf Kommandoebene war relativ klein, wohingegen es fast ein Dutzend ähnlicher Räume für die anderen Offiziersgrade der Streitkräfte gab. Weit mehr Räume dienten als Speiseräume für Unteroffiziere und Mannschaften. Sie wirkten weitaus weniger heimelig, obgleich man sich Mühe gab, dass die Besucher auch dort speisen konnten und nicht lediglich abgespeist wurden. Während in den Offiziersmessen meist Hologramme von planetaren Landschaften und Raumschiffen als Schmuck dienten, waren es in den Räumen der untergebenen Ränge oft schlichte 3-D-Poster mit Motiven, die sicher die Aufmerksamkeit von strengen Tugendwächtern auf sich gezogen hätten, hätte man ihnen Zutritt gewährt. So streng die Disziplin während des Dienstes auch sein mochte, man gewährte den Angehörigen des Militärs vielerlei Freiheiten.

Mario Basari spülte den letzten Bissen seines Steaks mit einigen Schlucken Wein hinunter, tupfte sich geziert den Mund ab und lehnte sich dann mit einem erleichterten Seufzer in die Polster des Stuhls zurück. Ob seine Erleichterung seiner erfolgten Sättigung galt oder dem Umstand, das Büffelfleisch endlich vom Teller zu haben, blieb allerdings sein Geheimnis.

„Wie geht es eigentlich June und Bear?“, erkundigte sich Joana.

Gunnery-Sergeant June Galley und Corporal Holger Bremer, den man aufgrund seiner hünenhaften Statur und Kräfte fast ausschließlich mit seinem Spitznamen „Bear“ ansprach, hatten den Sergeant-Major auf dessen unfreiwilliger Tour begleitet. Während der Durchsuchung des Wracks eines alten Hantelschiffs der Norsun waren die feindlichen Negaruyen an Bord gekommen und hatten das Schiff, und damit dessen menschliche Passagiere, durch einen Nullzeit-Sturz regelrecht entführt. Der Plan der menschenähnlichen Gegner war es gewesen, mit dem alten Wrack eine genetisch manipulierte Seuche auf einer Norsun-Welt auszubringen. Der Plan war gelungen, dennoch hatten es Basari, Galley und Bear geschafft, zu entkommen, gemeinsam mit einigen Norsun die Angriffe von erkrankten Wahnsinnigen zu überleben und durchzuhalten, bis Joana und der Kreuzer D.S. Blackwing sie hatten retten können. Dieses Abenteuer lag nun über zwei Wochen zurück und die kurze Ruhepause, die man den Troopern gegönnt hatte, war vorbei.

„Galley schnurrt wie ein Kätzchen“, antwortete Basari grinsend. „Sie hat wieder ihre heiß geliebte Gatling und lässt sich kaum noch von der Kanone trennen. Na ja, es sei denn, Rio ist in der Nähe.“

Daniel Riordan war Sergeant. Er war ein fähiger Sanitäter, Spezialist für Tetroniken und Junes bester Freund. Niemand, nicht einmal Basari, wusste, ob ihre Beziehung Intimitäten einschloss. Zumindest tat der alte Sergeant-Major stets so, als wisse er von nichts. Auch John und Joana gegenüber vertrat er den Standpunkt der meisten Soldaten, dass die Vorgänge in der Truppe die Offiziere absolut nichts angingen, solange Disziplin und Dienst nicht gefährdet waren. Basari hatte schon manche Unstimmigkeit mit seiner vermittelnden Art, einer ernsten Mahnung oder, in einer abgeschiedenen Ecke, mit seinen Fäusten geregelt. Es gab sicher keinen anderen Unteroffizier in der fünften Raumkavallerie, der ähnlich angesehen und respektiert war. Dies war möglicherweise auch der Grund, warum er schon mehrfach das Angebot abgelehnt hatte, das Offizierspatent zu erhalten.

„Und Bear?“

„Regt sich ziemlich oft im Trainingsraum ab.“ Basari zuckte mit den Schultern. „Diese vielen toten Norsun, große und kleine, auf Kell´Gerrun, die haben ihm ziemlich zugesetzt. Ich kann nur jedem Negaruyen empfehlen, seine Nähe künftig zu meiden.“

Joana hob eine Augenbraue. „Kann das zu einem Problem werden?“

„Negativ. Er wird nicht ausflippen, Jo, dafür werde ich schon sorgen.“

„Kein Psychogramm erforderlich?“

Basari wurde ein wenig förmlicher. „Negativ, Ma´am. Das ist nicht erforderlich. Zudem muss jeder Trooper nach so einem Einsatz ja ohnehin zum Psycho und die Nachsorge beim Seelenklempner haben wir alle drei ohne Probleme überstanden.“

„Dieses Seuchenschiff hat jedenfalls erneut bewiesen, dass die Negaruyen vor keiner Hinterhältigkeit zurückschrecken“, schaltete sich John Redfeather ein. Er schob das halb aufgegessene Dessert von sich, murmelte etwas von „Linie halten“ und zückte eine kleine Tonpfeife, die er inzwischen, an Stelle des indianischen Kalumets, gelegentlich rauchte. „Es wird höchste Zeit, dass wir die verborgene Welt der Bande finden und ihr das Handwerk legen.“

Joana sah zu, wie er die Pfeife stopfte und entzündete. Angeblich sollte davon keinerlei gesundheitliches Risiko ausgehen, doch die junge Indianerin hatte gelernt, den Beteuerungen von Herstellern und Anbietern zu misstrauen. „Es wird sich sicherlich bald etwas tun, Dad. Direkt nach unserer Rückkehr aus dem System Kell kam doch Sker-Lotar und hat behauptet, sein Volk habe endlich die versteckte Werftwelt der Negaruyen entdeckt.“

„Ja, dieses Tensa, wie man die Anlage wohl nennt.“ Redfeather ließ zwei kleine Wölkchen aufsteigen und folgte ihnen mit dem Blick. „Aber nach Sker-Lotars großer Verkündung hat sich nichts weiter ereignet. Schon merkwürdig. Ich hatte vermutet, dass die Norsun dieses Tensa möglichst rasch ausschalten wollen.“

„Haben unsere Schiffe etwas Besonderes gemeldet?“ Joana spielte nachdenklich mit einem ihrer Zöpfe. „Immerhin sind ein Drittel unserer Schiffe da draußen und suchen weiterhin nach der verborgenen Welt. Sie hätten doch sicherlich gemeldet, wenn es bei den Norsun oder Negaruyen größere Schiffsbewegungen gegeben hätte, oder?“

„Scheinbar gibt es keinen ungewöhnlichen Raumverkehr. Jedenfalls ist im High-Command keine darauf hinweisende Meldung eingegangen.“ John Redfeather seufzte vernehmlich. „Was leider nicht viel zu bedeuten hat. Fast sechzig Kreuzer sind auf der Suche, aber ihre Nullzeit-Scanner haben lediglich eine Reichweite von knapp fünfzig Lichtjahren. Gemessen an der Größe des abzusuchenden Gebietes ist das praktisch nichts.“

„Diese beiden Prototypen des Langstrecken-Scanners …“, sagte Basari zögernd. „Diese Hiromata-Fern-Scanner, welche die Blackwing für ihre Suche benutzen durfte … Die haben eine Reichweite von dreihundert Lichtjahren.“

„Schon richtig, Mario, aber diese netten Dinger benötigen eine Menge an Hiromata-Kristall, die der von zwei Kreuzerantrieben entspricht. Pro Langstrecken-Scanner, wohlgemerkt.“ Der Blick des Hoch-Admirals verdüsterte sich merklich. „Ihr wisst doch selbst, wie gering unsere Bestände sind. Wir suchen verzweifelt nach neuen Vorkommen dieses Kristalls, den wir leider nicht synthetisch herstellen können, aber die Funde sind selten und umfassen meist nur geringe Mengen von wenigen Kilogramm. Dabei haben wir einen enormen Bedarf. Nullzeit-Funk, Nullzeit-Antrieb und die Nullzeit-Bolzen für unsere Railguns … Das alles funktioniert nun einmal nur mit den verdammten Kristallen.“

„Was ist mit den Reserven des Direktorats, Dad?“

„Ich habe schon mehrfach beim hohen Rat auf dem Mars angefragt“, gestand Redfeather widerwillig. „Habe auf die Situation hingewiesen und um die Freigabe der Reserve gebeten oder zumindest um eine Sonderzuteilung der Bestände.“

„Und?“

Joanas Vater zeigte schweigend seine leeren Handflächen.

Von Mario Basari war ein leises Knurren zu hören. „Ohne Kristall gibt es keine neuen Schiffe, keine weiteren Langstrecken-Scanner und nicht einmal mehr Nullzeit-Funkanlagen … Wirklich Klasse, Sir. Vielleicht sollten wir nächstes Mal ein paar der hohen Räte eine Holzkeule in die Hand drücken und sie damit ins Gefecht gegen die Negaruyen schicken.“

„Ein verlockender Gedanke.“ John Redfeather lachte leise. „Nun, Politiker sind nun einmal keine Soldaten. Vermutlich ist es aber gut, dass es so ist und wir von den Weisungen einer zivilen Regierung abhängig sind. Wir alle wissen aus der Geschichte des kolonialen Krieges, wie verhängnisvoll sich eine Militärdiktatur auswirken kann.“

„Da stimme ich dir zu, John“, erwiderte der alte Sergeant-Major. „Dennoch besteht scheinbar das Problem, dass den hohen Räten auf dem Mars nicht bewusst ist, dass die Navy bis zur Oberkante der Unterlippe im Dung steckt.“ Er warf einen entschuldigenden Blick zu Joana. „Verzeihung, aber das sehe ich so, Jo.“

„Ich sehe es ja genauso, Mario“, gab sie freimütig zu. „Dad, was ist mit Sangales? Der steht doch als ausführender Rat auf unserer Seite, nicht wahr?“

Der hohe Rat Mbuto Sangales gehörte zu der kleinen Schar der Ratsmitglieder, die man als ausführenden Rat bezeichnete. Sie konnten in besonderen Situationen alleine Beschlüsse fassen, ohne auf die Mehrheit durch eine Abstimmung warten zu müssen.

„Kleines“, verfiel Redfeather unwillkürlich in die einstige Koseform seiner Tochter, „Sangales ist ganz sicher auf unserer Seite. Aber seine Beschlüsse müssen letztlich doch von der Mehrheit der anderen Ratsmitglieder abgesegnet werden. Es wäre also sinnlos, wenn nur er uns die Reserven freigibt. Denn die anderen Ratsmitglieder würden sie sofort wieder zurückrufen.“

„Und leider können wir die Reserven nicht schnell einstecken und verschwinden lassen“, brummte Basari. „Dr Kristall wird ja in den Werften und Fabrikationsanlagen benötigt. Verdammter Dung.“

„Dreimal verdammter Dung“, stimmte Joana aus vollen Herzen zu. Sie erinnerte sich an einen ihrer Einsätze. „Dad, was ist mit Shanyar? Dort gibt es massenweise Hiromata.“

„Und eine eingeborene Bevölkerung, deren Rechte wir garantiert haben“, hielt ihr Vater prompt dagegen. „Wir halten die Existenz dieser Welt streng geheim und nur eine Handvoll Menschen wissen von ihr. Die Shanyar haben genug unter der Ausbeutung und dem Krieg gelitten, den United Mining Industries ihnen damals aufgezwungen hat. Nein, Jo, wir haben diesen Leuten Frieden und unsere Nichteinmischung garantiert und daran werden wir uns auch halten.“

„Auch wenn es uns den Sieg über die Negaruyen kostet?“, fragte Joana.

Nun war es Basari, der sie mit düsterem Blick ansah. „Noch ist es nicht so weit. Im Übrigen würde ich sofort den Dienst quittieren, würden Navy oder Cav ihr Wort brechen. Ein Soldat ohne Ehre ist kein Soldat, sondern ein verdammter Söldner und Marodeur.“

Joana lächelte. „Dem schließe ich mich an, Sarge.“

Für einen kurzen Moment herrschte Schweigen, bis Joana ein einziges Wort sagte: „Dennoch …“

Ihr Vater nickte. „Ich werde eine Verhandlungsdelegation zu den Shanyar schicken und sie über unsere Lage informieren, vielleicht stimmen sie dann einem begrenzten Handel zu. Ich werde aber unter keinen Umständen zulassen, dass Navy oder Cav zu Dieben werden.“

„Schön, wir sind uns einig“, stellte Mario Basari fest und grinste breit. „Aber ich hoffe, dass die Shanyar zu Zugeständnissen bereit sein werden. Immerhin haben wir den verdammten Jahrhundertkrieg zwischen ihnen und den Bergbaukolonisten beendet.“

„Wir werden sehen. Immerhin ähnelt die Vorstellung von Ehre bei den Shanyar durchaus der unseren, weswegen ich recht gute Chancen sehe, wenn ich einen geschickten Unterhändler entsende.“ Er hörte das vernehmliche Räuspern seiner Tochter und lachte leise. „Oder eine geschickte Unterhändlerin“, ergänzte er. „Ja, vielleicht wäre es eine gute Idee, dich zu schicken, denn sie kennen dich und vertrauen dir. Auf jeden Fall …“

John Redfeather verstummte und griff sich an die rechte Schläfe. Dort befand sich das daumennagelgroße Implant, ein Identifikations- und Kommunikationsgerät, welches alle Angehörigen der Streitkräfte und viele Bewohner des solaren Systems trugen. Auch Joana und Mario besaßen dieses Gerät, doch bei ihnen war keine Schwingung des Rufsignals zu hören und so warteten sie ab, welche Meldung John empfing.

Der Blick von Redfeather verriet eher Genugtuung als Überraschung. „Danke, Faso“, sagte er mit leiser Stimme zu seinem unsichtbaren Gesprächspartner. „Geben Sie mir den Ankerplatz durch und bereiten Sie dort einen entsprechenden Empfang vor.“

Ein weiteres Tippen beendete die Kommunikation. Der Hoch-Admiral lächelte erneut. „Die Raumüberwachung von Upper Area Control hat sich gemeldet. Soeben ist ein Norsun-Schlachtschiff aus der Nullzeit gekommen und hat Kurs auf uns genommen. E.T.A. ist voraussichtlich in acht Stunden. So lange benötigt das Schiff, bis es ausreichend abgebremst und sich unserer Geschwindigkeit angepasst hat. Ein gewisses Höchst-Wort Gordon-Gor erwartet, von uns empfangen zu werden.“

„Ausgerechnet“, kam es von Joana. „Ein sehr unangenehmer Bursche. Die große Mutter der Norsun hatte ihn ins Kell-System geschickt, um den Planeten Kell´Gerrun zu sterilisieren. Mit uns hatte er eigentlich das Gleiche vor.“

„Ich weiß.“ John Redfeather winkte eine Bedienung heran, dankte ihr für den Service und ließ der Küche ein Lob ausrichten. Dann wandte er sich wieder Basari und seiner Tochter zu. „Ihr habt mir ja berichtet, dass er sich erst dann davon abhalten ließ, als sich die kleine Mutter Gerrun mit der großen Mutter aller Stämme in Verbindung setzte.“

„Ja, der Kerl wurde zurückgepfiffen“, kommentierte Basari, „und das hat ihm überhaupt nicht geschmeckt. John, dieser Gordon-Gor zählt sicher nicht zu unseren Freunden.“

„Ich werde das beachten und entsprechend vorsichtig mit ihm umgehen“, versicherte der Hoch-Admiral und erhob sich. „Immerhin deutet seine Ankunft darauf hin, dass die Norsun nun gegen Tensa losschlagen wollen, und ich vermute, dass wir uns daran beteiligen sollen.“

„Unsere Nullzeit-Scanner sind denen der Norsun weit überlegen“, meinte der Sergeant-Major. „Das haben die Burschen natürlich mitbekommen. Was übrigens auch für die tetronischen Störmöglichkeiten unserer Schiffe und ganz besonders für die Tarnfähigkeit unseres Spezialkreuzers Blackwing gilt.“

John strich seine Uniformjacke glatt und blickte zu der großen Panoramascheibe, welche die Außenseite des Offizierskasinos bildete. „Ein Glück, dass unser einziges echtes Tarnschiff ab morgen wieder einsatzbereit ist.“

Basari nickte. „Die Blackwing hat einiges einstecken müssen, aber sie hat auch prachtvoll ausgeteilt. Jen-Li und Yagoda werden erleichtert sein, endlich aus der Werft zu kommen.“

John Redfeather klatschte leise in die Hände. „Ich werde mich mit Faso in Verbindung setzen und einen großen Bahnhof für Gordon-Gor vorbereiten. Ihr kehrt wieder zu eurem normalen Dienstgeschäft zurück. Aber haltet euch bereit. Da ihr am letzten Einsatz beteiligt wart, kann es sein, dass eure Anwesenheit beim Treffen mit diesem Gordon-Gor gewünscht wird. Lasst eure Implants also auf Empfang.“

Sie trennten sich auf jener Ebene, in der die Räume des Hoch-Admirals und das Befehlszentrum des High-Command lagen. Joana und Basari glitten noch hundert Ebenen tiefer, bis sie jenen Bereich erreichten, in dem die Unterkünfte und Trainingsräume der fünften Raumkavallerie untergebracht waren.

Das private Zusammentreffen war beendet und so verfielen sie wieder in die Umgangsformen, die während des Dienstes galten. „Ma´am, mit Ihrer Erlaubnis sehe ich nach unseren Jungs und Mädels. Da Gordon-Gors Ankunft wohl auf einen baldigen Einsatz hindeutet, lasse ich lieber Ausrüstung und Waffen überprüfen.“

„Bestätigt, Sarge. Ich bin im Kommandostab des Bataillons zu finden.“

Ein knapper militärischer Salut, dann trennten sich ihre Wege.

Kapitel 4 Die Verpflichtung

Sky-Base Arcturus, Sky-Navy High-Command, Büro von Hoch-Admiral Redfeather

John Redfeather hatte seinen Adjutanten angewiesen, für den hochrangigen Norsun-Admiral einen großen Bahnhof zu veranstalten. Lieutenant Faso nutzte seine Position und Vollmachten und befahl einigen Schiffen, den Liegeplatz zu wechseln. Als das riesige Hantelschiff an einem der Dockpylone festmachte, musste es zwischen zwei Trägerschlachtschiffen ankern. Mit einem Kugeldurchmesser von zwölfhundert Metern und einer Länge von dreitausendsechshundert Metern war die Nesta-Makawa sicher beeindruckend, doch ein Trägerschlachtschiff wies eine Breite von fünfzehnhundert Metern, eine Höhe von eintausend und eine Länge von fünftausend Metern auf. Für den gewieften Faso war dies eine gute Gelegenheit, den Norsun auf dezente Weise deutlich zu machen, dass die Sky-Navy ihnen in einigen Bereichen durchaus gleichwertig, wenn nicht sogar überlegen war.

Die Ankerklauen des Dockpylons passten nicht zu den Verankerungen der Norsun, doch die in die Klauen integrierten Saugvorrichtungen sorgten für einen sicheren Halt. Nach dem gleichen Prinzip wurden die luftdichten Verbindungen der flexiblen Schleusen hergestellt.

In dem hallenartigen Dockpylon waren alle Wartungs- und Ladearbeiten eingestellt worden. Ein Bataillon der Sky-Cavalry trat in Paradeuniform an und präsentierte die Waffen, als die Delegation der Besucher den Boden der Station erreichte.

Höchst-Wort Gordon-Gor, Befehlshaber der Flotte der großen Mutter, kam nicht alleine. In seiner Begleitung befand sich Höchst-Wort Surus-Galmon. Dieser hatte, vor fünfhundert Jahren, die vereinte Flotte mehrerer kleiner Mütter der Norsun im Rylon-System kommandiert und eine vernichtende Niederlage gegen die Negaruyen erlitten. Wie durch ein Wunder hatte er den langen Kälteschlaf überlebt, in dem er und einige andere auf Rettung gehofft und aus dem ihn schließlich die Menschen und der Wissende Sker-Lotar geweckt hatten.

Surus-Galmon war anfänglich den Menschen gegenüber sehr misstrauisch gewesen, doch die gemeinsamen Erlebnisse im Kell-System hatten ihn zu einem Befürworter des Bündnisses zwischen dem Direktorat und den Norsun gemacht. Er würde jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen, denn er war dem Höchst-Wort Gordon-Gor unterstellt.