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Es kommt zwar äußerst selten vor, dass Tom Prox nicht weiter weiß. Diesmal aber gibt es zu viele Ungereimtheiten und keinen roten Faden. Da ist, zum Beispiel, der junge Bob Dorchester, den der Ghostchef nach einem missglückten Mordversuch gerade noch retten kann. Dorchester will den Attentäter erkannt haben. Der aber, der Cowboy Jeff Carrigan, hat seinen Arbeitsplatz auf der Benson-Ranch überhaupt nicht verlassen und damit ein Alibi. Auch der schwerreiche, nichtsdestotrotz sympathische Mr. Seller aus Reno, der in den Balmore Mountains ein feines Feriendomizil sein Eigen nennt, ist für den Ghostchef zunächst ein Rätsel: Kann es einem mehrfachen Minenbesitzer völlig egal sein, wenn seine Minen keinen Ertrag abwerfen, sondern sogar noch Geld verschlingen? Und warum findet sich das Zigarettenetui von Sergeant Snuffy Patterson in der Nähe dieser Mine, obwohl Patterson und sein Kollege Ben Closter eigentlich in Maxville auf ihren Chef warten müssten?
Fragen über Fragen, aber keine Antworten, so scheint es ...
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Der Fuchs von Portside
Aus dem Wilden Westen
Vorschau
Impressum
Der Fuchs von Portside
Von Frank Dalton
Wenn einer wirklich etwas versteht von seinem Gewerbe, dann kann er es weit bringen. So, wie Silberteufel-Bill. Keinem anderen Eisenbahnräuber ist es gelungen, in nur wenigen Wochen die ungeheure Summe von 225.000 Dollars zusammenzuraffen. Seine Raubzüge führt Bill meisterhaft durch, und die Aussagen der wenigen Zeugen unterscheiden sich so sehr, dass es unmöglich ist, sich ein buchstäbliches Bild von ihm zu machen.
Dann aber scheint ein bloßer Zufall den Gangster aus der Reserve zu locken, der nun plötzlich Fehler macht ...
Endlich hatte der Weg ein Ende. Die Sträucher wichen zurück und gaben den Ausblick auf die Landstraße frei. Tom Prox atmete erleichtert auf. Er war hundemüde. In spätestens zwei Stunden würde er in Maxville sein, wo er endlich einige Stunden Ruhe einlegen konnte.
Die gebirgige Gegend stieg merklich steil an. Die Straße wand sich in Serpentinen, bis sie den Kamm der Balmore Mountains erreichte. Wenn er erst einmal oben war, dann würde es rasch bergab und direkt nach Maxville gehen.
Er war noch keine fünfzig Meter von der Einmündung entfernt, als er einen Reiter in wildem Galopp die Landstraße entlangpreschen sah. Da sich das Gelände links der Straße recht steil abfiel und im Mondschatten lag, war das Benehmen des Mannes reichlich unvorsichtig.
Wenige Minuten später tobte ein zweiter hinter dem ersten her, noch tollkühner als dieser. Der Ghostchef machte ein bedenkliches Gesicht.
Als er die Hauptstraße erreichte, waren die beiden ihm schon ein ganzes Stück voraus, und der zweite schien mittlerweile aufgeholt zu haben.
Rechts der Straße wuchs jetzt eine beachtlich steile und ziemlich hohe Felswand auf. Die Straße verengte sich und führte im Bogen um einen riesigen Steinkoloss herum.
Der erste Reiter erreichte nun die Kurve und bemühte sich, möglichst dicht an der Felswand zu bleiben. Sein Verfolger aber schloss immer weiter auf. Mühelos kam er dem anderen näher und drängte sein Pferd zwischen den Flüchtenden und die Felswand. Der andere schien ihn erst jetzt zu bemerken, warf hastig einen Blick zu ihm hinüber und versuchte dem drohenden Unheil zu entgehen, indem er seinen Gaul zu noch größerer Eile antrieb. Aber das Pferd hatte sich bereits völlig verausgabt.
Beide Reiter preschten jetzt so dicht nebeneinanderher, dass sich ihre Schenkel berührten. Es war Tom Prox klar, dass der zweite den ersten mit aller Gewalt in den Abgrund zu drängen beabsichtigte.
»Stopp!«, schrie er und gab einen Warnschuss ab. Die Männer aber kümmerten sich nicht darum; wahrscheinlich hatten sie auch gar nichts gehört.
Beinahe gleichzeitig riss der zweite Mann eine kurze Peitsche hoch und schlug damit dem Gaul des ersten mit solcher Wucht gegen die Flanke, dass das Pferd entsetzt zur Seite sprang. Es wollte sich aufbäumen, hatte nun aber keinen Boden mehr unter den Füßen.
Alles ging rasend schnell. Das Pferd stürzte in den Abgrund und riss seinen Reiter mit in die Tiefe. Ein gellender Schrei war zu vernehmen, das Knacken und Brechen von Ästen, das Prasseln von Steinen – dann war alles totenstill.
Der zweite Reiter preschte weiter, als sei nichts geschehen und verschwand hinter einer Wegbiegung.
Tom Prox überlegte nicht lange. Wichtiger schien ihm im Augenblick, sich um den Abgestürzten zu kümmern. So gering die Chance auch war, er musste versuchen, ihm zu helfen.
Er schwang sich aus dem Sattel, eilte an den Straßenrand, spähte in die Tiefe, konnte aber nichts erkennen.
Da ließ er sich flach zu Boden gleiten und schob den Oberkörper weit über die Felskante hinweg. Der Abhang war mit größeren und kleineren Felsbrocken besät. Hier und da stand ein dürrer, dorniger Strauch. Der Abgestürzte aber war nicht zu sehen.
»Hallo!«, rief er in die Tiefe hinunter. »Ich werde Ihnen helfen! Antworten Sie!«
Er wartete eine Zeit lang, ohne dass er Antwort bekam. Dann vernahm er endlich doch einen schwachen Hilfeschrei.
»Wo stecken Sie? Sind Sie schwer verletzt?«
»Hier!«, kam es matt zurück.
Der Ghostchef glaubte nun zu wissen, wo sich der Abgestürzte befand. Ungefähr fünfzehn Meter unterhalb der Straße wuchs auf einem Felsvorsprung ein wirr verästelter, reichlich trockener Strauch, in dessen Krone ein dunkles Bündel lag, das sich jetzt zu regen begann.
»Vorsicht!«, mahnte Tom. »Unter Ihnen gibt es noch mindestens fünfzig Meter Abgrund. Wie steht es mit Verletzungen?«
»Ich weiß nicht ... komme mir wie gerädert vor. Vielleicht hatte ich Glück und bin heil geblieben.«
»Warten Sie – ich komme zu Ihnen hinunter!«
»Nicht nötig. Sicher haben Sie ein Lasso bei der Hand. Werfen Sie mir ein Ende zu und geben Sie mir von oben her Hilfestellung, das genügt!«
Tom richtete sich auf. »Warten Sie einen Augenblick. Ich bin gleich wieder da.« Er eilte zu seinem Pferd zurück, knüpfte das Lasso vom Sattelknopf und band das eine Ende an einem der alten, knorrigen Bäume fest, die die Straße in unregelmäßigen Abständen säumten.
»Geben Sie gut Acht – vielleicht können Sie die Schlinge gleich beim ersten Wurf fassen!« Er warf das eine Lassoende zum Strauch hinunter.
Zweimal verfehlte er sein Ziel. Zweimal machte der Mann im Strauch die wildesten Anstrengungen, die Schlinge zu erhaschen, und jedes Mal sah es aus, als würde er den Halt verlieren und nun doch noch in die Tiefe stürzen, vor der ihn bisher ein gnädiges Geschick bewahrt hatte.
Endlich aber gelang es ihm, die Schlinge zu erfassen.
»Okay!«, rief er nach oben. »Vielen Dank, Stranger! Nun ist alles andere ein Kinderspiel.«
»Überhasten Sie nichts!«, mahnte Tom besorgt. »Ich komme Ihnen ein Stück entgegen.«
Während der Abgestürzte am Lasso nach oben zu klettern begann, schwang sich Tom über den Rand des Abgrundes. Vorsichtig stieg er nach unten. Das war ein halsbrecherisches Unternehmen; unter seinen Füßen löste sich das lockere Gestein und rollte mit Donnergepolter in die Tiefe.
Schließlich stand er auf einem halbwegs sicheren Vorsprung. Hier wartete er. Der Mann zeigte sich recht gewandt. Er schien tatsächlich unverletzt zu sein. Das war beinahe ein Wunder, wenn man die Heftigkeit seines Sturzes bedachte.
Nun war der Fremde heran.
»Wäre nicht nötig gewesen, sich in Gefahr zu begeben, Sir!«, keuchte er. »Aber da Sie schon hier sind, helfen Sie mir bitte noch über den Rand hinweg. Der Felsen über uns hängt reichlich stark über.«
»Deshalb kam ich Ihnen ja entgegen.« Tom griff wortlos zu.
Es dauerte nicht lange, bis beide auf der Straße standen. Der Ghostchef betrachtete den Geretteten jetzt genauer. Es handelte sich um einen reichlich jungen Mann mit offenem, sympathischem Gesicht und Vertrauen einflößenden Augen.
»Ich glaube, es ist am besten, wir setzen uns hier hin und rauchen in Ruhe eine Zigarette«, sagte Tom. »Dabei erzählen Sie mir, warum der andere Sie durchaus zu Ihren Vorvätern schicken wollte. Denn dass es sich um einen Mordanschlag handelte, ist doch klar.«
»Dieser dreimal gehenkte Carrigan!«, schimpfte der junge Mann erbost los. Dankbar nahm er die ihm angebotene Zigarette und tat einige hastige Züge. »Ich glaube, Ihr Vorschlag ist nicht übel, Sir! Wir sollten uns tatsächlich setzen.« Er ließ sich an der Felswand zu Boden gleiten und lehnte erschöpft den Rücken dagegen.
»Wer sind Sie?«, fragte Tom Prox. »Und wie wäre es, wenn Sie mir jetzt Ihre Geschichte im Zusammenhang erzählten?«
»Ich heiße Bob Dorchester«, entgegnete der junge Mann, sobald er sich durch einen prüfenden Blick davon überzeugt hatte, dass sein Retter vertrauenswürdig aussah. »Ich bin auf der Benson-Ranch beschäftigt. Die liegt drei gute Meilen von hier entfernt, immer die Straße entlang.«
»Und wer war der Mann, für den Sie einer zu viel auf dieser Welt waren?« Tom lächelte säuerlich.
Jetzt legte sich sonderbarerweise ein schwer deutbarer Zug um den Mund des jungen Mannes. »Jeff Carrigan – natürlich sagt Ihnen der Name nichts. Auch einer von der Benson-Ranch. Ein ganz verrücktes Huhn. Haben Sie vielleicht einen Schluck Whisky bei sich? Ich habe so ein komisches Gefühl ...«
Tom bot ihm seine Taschenflasche an. »Sind Sie auch wirklich völlig in Ordnung?«, fragte er noch einmal besorgt. »Kommt oft genug vor, dass man gleich nach dem Schock nichts spürt und sich einbildet, okay zu sein. Hinterher merkt man dann, dass dies gar nicht stimmt.«
»Wirklich nichts passiert!«, behauptete der junge Mann erneut. »Der Whisky hat mir gut getan. Eigentlich hat diese verrückte Sache auch gar nichts zu besagen. So ist Jeff Carrigan nun mal. Wir pokerten in Grimbys Saloon in Eatonville, diesem kleinen, gottvergessenen Kaff. Dabei hatte ich Glück und Jeff eben Pech! Als ich ihm dann auch noch den letzten Dollar abgenommen hatte, behauptete er plötzlich, ich würde mit gezinkten Karten spielen. Es wäre schon da zu einer Prügelei gekommen, aber der Keeper und die anderen Gäste standen auf meiner Seite und gaben mir Recht. Als ich dann fortritt, um rechtzeitig wieder daheim zu sein, hielt Mr. Grimby Jeff noch einige Zeit auf. Wir sollten nicht zusammen denselben Weg reiten. Das ist alles, Sir, und ich bin froh, dass die Sache so harmlos ausging.«
»Sie hätten jetzt auch in der Schlucht liegen können ...«
»Ich dachte bei meinen letzten Worten mehr an Jeff als an mich«, erwiderte der junge Mann verlegen. »Wenn ich tot gewesen wäre, hätte man ihn verhaften wollen, er aber wäre wohl geflohen, und eine wilde Jagd hätte eingesetzt. Schließlich wäre er irgendwann doch aufgegriffen worden – um bald darauf einen starken Ast zu zieren. Das aber war die Sache ja gar nicht wert!«
»So einfach liegen die Dinge dann doch nicht«, erwiderte Tom Prox, vollendete aber den Satz nicht, denn das Gesicht des jungen Mannes veränderte sich plötzlich wieder sonderbar. Seine Augen wurden starr, seine Züge nahmen einen geistesabwesenden Ausdruck an; er schien gegen etwas in seinem Innern anzukämpfen, wogegen er aber nicht ankam. Dann lief aus seinem linken Mundwinkel plötzlich ein dünner Blutfaden und rieselte ihm über das Kinn.
»Boy!«, rief Tom beschwörend, aber es war schon zu spät. Der junge Mann schloss die Augen, sank zur Seite und blieb reglos liegen.
Der Ghostchef beugte sich über ihn. Also doch innere Verletzungen! Bei näherer Untersuchung stellte er fest, dass auch aus dem linken Ohr Blut tropfte. Eine schwere Gehirnerschütterung!
Der junge Mann musste schnell an einen Platz gebracht werden, an dem er Ruhe und die nötige Pflege bekommen würde.
Tom hob ihn vorsichtig auf und legte ihn über den Sattel seines Pferdes, obwohl er wusste, dass der Transport dem jungen Mann nicht gerade guttun würde. Aber die Sache eilte. Drei Meilen lag die Benson-Ranch noch entfernt. Es war also am besten, er brachte ihn gleich dorthin.
Er hatte erst wenige Schritte zurückgelegt, als sich aus dem Gesträuch hinter ihm zwei Köpfe schoben; junge Leute, nicht älter als der Bewusstlose. Sie sahen dem Davonreitenden mit verblüfften Gesichtern nach. Als der Reiter schließlich aus ihrem Blickfeld verschwunden war, schauten sie sich einander bestürzt an.
»Was war das nur, Ronald?«, fragte der eine ratlos. »Hast du eine Ahnung, wer der Mann ist? Ich habe ihn hier noch nie gesehen.«
»Er gehört nicht in unseren Distrikt«, erwiderte der andere. »Wahrscheinlich ein harmloser Durchreisender, Ernest! Kam gerade zurecht, um Bob zu helfen.«
»Sah eigentlich gar nicht so harmlos aus, Ron! In den Augen dieses Mannes lag etwas ... na, ich möchte mit dem nicht zusammengeraten! Was mag dem armen Jungen passiert sein? Sah zuerst völlig mobil aus, sprach klar und überlegt ... und dann kippte er plötzlich um! Schätze, wir haben uns da auf etwas eingelassen, wovon wir besser die Finger gelassen hätten. Dieser verdammte Bill scheint ein verflucht heißes Eisen zu sein!«
»Du siehst Gespenster, Erney! Ist doch selbstverständlich, dass sich jeder Vorüberreitende um einen Menschen kümmert, der Hilfe braucht! Todsicher bringt er Bob auf die Ranch, liefert ihn bei Mr. Benson ab, und alles ist in Ordnung.«
»Hoffentlich behältst du recht! Du bist also nach wie vor der Meinung, dass der Mann, hinter dem Bob her war, Bill gewesen ist?«
»Wer hätte es denn sonst sein sollen? Die Art, in der der Mann reagierte, als er sich beobachtet fühlte, lässt eigentlich auf nichts anderes schließen. Hätte es sich um einen harmlosen Menschen gehandelt, hätte er Bobs Verfolgung nicht wie ein Wilder aufgenommen.«
Eine Weile herrschte Schweigen zwischen den beiden. Dann fragte Erney nachdenklich: »Und was tun wir nun? Ich habe das Gefühl, wir sollten unsere Finger aus der Sache lassen. Wir verbrennen sie uns nur ... zu gefährlich, viel zu gefährlich für uns! Ich habe keine Lust, eines Morgens mit einer Kugel im Leib aufzuwachen. Das lohnt sich nicht.«
»Warum Bob dem Fremden nur diese sonderbare Geschichte von Jeff Carrigan auftischte? Die hat er sich doch nur aus den Fingern gesogen, ging den Mann ja auch gar nichts an das Ganze.«
»Na ja, irgend 'ne Erklärung musste er ihm doch geben. Reiten wir nach Hause und fragen morgen mal ganz vorsichtig auf der Benson-Ranch nach, wie es Bob geht! Am Leben ist er noch, sonst würde sich der Fremde nicht die Mühe gemacht haben, ihn auf eine derart unbequeme Art abzutransportieren.«
»Aufgeben? Jetzt? Das kommt gar nicht infrage! Bedenke, dass dieser Silberteufel-Bill ...«
»Wenn er es ist ...!«
»Natürlich ist er's! Der Schurke ritt geradeaus weiter, als ob nichts geschehen wäre. Schätze, er wollte nach Maxville. Wenn wir auch heute Nacht nichts mehr unternehmen können, morgen werden wir feststellen, wo er sich aufhält, was er tut und ... Erney, ich glaube, der Mann führt eine neue Gemeinheit im Schilde. Wenn wir das herausbekommen und uns geschickt einschalten könnten ...«
»Weißt du, dass dein Vorschlag eine verdammt kitzlige Sache ist? Silberteufel-Bill hat den Zeigefinger verdammt rasch am Drücker. Wenn's schiefgeht, bringt uns das um Kopf und Kragen.«
»Wenn's aber klappt, sind wir um zehntausend Dollar reicher. Das ist ein nettes Sümmchen! Wenn wir nichts riskieren, werden wir auch nie im Leben zu etwas kommen.«
Ronny überlegte eine Weile. Dann erklärte er: »Okay, reiten wir also nach Maxville! Die alte Pinte von Ma Strumple ist der einzige Ort, an dem ein Mensch wie dieser Bill unterkriechen kann. Wenn er tatsächlich nach Maxville geritten ist, versteckt er sich dort. Habe einen Freund im Nachbarhaus; den suchen wir auf und können dann alles unauffällig beobachten, was dort geschieht. Wie wäre das?«
Erney schien noch nicht überzeugt. Nach kurzem Nachdenken hielt er Ronny dann aber doch die Hand hin. »Einverstanden, Ron! Wer A gesagt hat, muss auch B sagen ...«
Sie holten ihre Pferde aus dem Gebüsch und ritten davon.
Der Ghostchef hatte ungefähr ein Viertel des Weges hinter sich, als er rechts zwischen einigen Bäumen Licht schimmern sah. Die Benson-Ranch konnte das noch nicht sein, das stimmte mit der Zeit nicht überein. Und ein Ranchhaus mitten zwischen Gestein, Fels und Geröll wäre Unsinn gewesen. Trotzdem – je eher er den Bewusstlosen in ein Bett brachte, umso besser für diesen.
Er bog also vom Weg ab und ritt auf das Licht zu. Ein schmaler, sandiger Pfad wand sich um größere Felsblöcke, um schließlich auf einem halbwegs ebenen Platz zu enden, in dessen Mitte ein nicht übermäßig großes, aber sauberes Haus in mexikanischem Stil stand. Sein Besitzer musste über genügend Geld verfügen, denn in dieser Einöde gab es keine Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Als er das Haus erreicht hatte, begannen plötzlich einige Hunde wütend zu kläffen. Drei gewaltige Tiere von gefährlichem Aussehen schossen hinter dem Gebäude hervor, bellten Tom an und zwangen ihn, stehen zu bleiben.
Es dauerte nicht lange, da öffnete sich die Haustür, und ein großer, breiter Mann, ausgezeichnet gekleidet, betrat die hölzerne Veranda, die sich an der ganzen Vorderseite des Gebäudes entlang zog. Er hielt eine brennende Petroleumlampe in der Hand. Sofort rief er die Hunde zurück und blickte dem Fremden fragend entgegen.
»Hallo!«, rief er überrascht. »Was gibt's?«
»Ich bringe Ihnen einen Menschen, der Hilfe braucht«, entgegnete Tom ernst.
Der Mann trat an das Pferd heran und betrachtete verwundert den Bewusstlosen.
»Kommt mir bekannt vor, das Gesicht«, meinte er. »Aber ich kann mich auch irren. Sieht aus, als stamme das Bürschlein von einer Besitzung hier herum.«
»Er sagte, er gehöre auf die Benson-Ranch. Da Ihr Haus aber näher am Weg liegt, hielt ich es doch für geraten, ihn lieber hier abzuliefern, als ihn noch stundenlang durch die Gegend zu schleppen. Scheint sich eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen zu haben.«
»Wir schaffen ihn am besten gleich ins Haus«, schlug der Mann mit der Lampe bereitwillig vor. »Habe zufällig 'ne kleine Party drinnen. Der junge Mann hat Glück, denn Doc Havercorn aus Maxville ist auch dabei und kann gleich mal nach ihm schauen.«
Der Besitzer des Hauses wollte den Bewusstlosen vom Pferd heben, aber Tom kam ihm zuvor und nahm den jungen Mann in die Arme, als hätte er kein Gewicht.
»Wenn Sie so freundlich sein wollten, mir zu leuchten, Sir? Ich kenne mich hier nicht aus.«
Der Ghostchef wurde in einen breiten Flur geführt, der quer durchs ganze Haus zu gehen schien. Am Ende rechts befand sich eine Tür.
»Das Schlafzimmer meines Sohnes«, sagte der Mann. »Da der Boy nicht zu Hause ist, können wir den Verletzten ja da unterbringen.«
Sie traten in einen kleinen, wohnlich eingerichteten Raum, und kurze Zeit später lag der Bewusstlose im Bett.
»Nun wollen wir nach vorne gehen. Da Sie mich noch nicht kennen – ich bin Clark Seller und befinde mich für einige Wochen zur Erholung auf meinem Landsitz Portside. Für gewöhnlich lebe ich in Reno.«
Tom zögerte noch einen Augenblick, dann hielt er es für richtig, mit der Wahrheit nicht hinter dem Berg zu halten.
»Captain Prox von der Ghost Squad«, stellte er sich vor.
