Tom Prox 139 - Frank Dalton - E-Book

Tom Prox 139 E-Book

Frank Dalton

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Beschreibung

Eigentlich sind Tom Prox und seine beiden Sergeanten, Snuffy Patterson und Ben Closter, nach einem gelösten Fall auf dem Rückweg ins Hauptquartier der Ghost Squad. Dann aber werden sie Zeugen einer Hetzjagd, bei der die Häscher den Gejagten eiskalt ermorden. Noch im Sterben stammelt der Unglückliche drei Worte, die für die Ghosts allerdings keinen Sinn ergeben: "Salzen ... alles gesalzen."
Was vor allem Snuffy zunächst bloß für die im Wahn gesprochenen Worte eines Sterbenden hält, soll die drei Freunde schon bald auf die Spur eines minutiös ausgeklügelten Verbrechens bringen, das noch weitere Opfer fordern wird ...


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Seitenzahl: 161

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Es ging um Gold

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

Vorschau

Impressum

Es ging um Gold

Von Frank Dalton

Eigentlich sind Tom Prox und seine beiden Sergeanten, Snuffy Patterson und Ben Closter, nach einem gelösten Fall auf dem Rückweg ins Hauptquartier der Ghost Squad. Dann aber werden sie Zeugen einer Hetzjagd, bei der die Häscher den Gejagten eiskalt ermorden. Noch im Sterben stammelt der Unglückliche drei Worte, die für die Ghosts allerdings keinen Sinn ergeben: »Salzen ... alles gesalzen.«

Was vor allem Snuffy zunächst bloß für die im Wahn gesprochenen Worte eines Sterbenden hält, soll die drei Freunde schon bald auf die Spur eines minutiös ausgeklügelten Verbrechens bringen, das noch weitere Opfer fordern wird ...

1. Kapitel

Der Mann war am Ende seiner Kraft. Sein Atem kam nur noch pfeifend, fast röchelnd. Das Gesicht war verzerrt. Die rot geäderten Augen blickten unter tief hängenden Lidern hervor. Wirr hing ihm das Haar in die Stirn.

Er strauchelte oft, denn der Boden war uneben und felsig. Aber er wäre auch auf vollkommen ebenem Boden gestolpert, weil er ganz einfach keine Reserven mehr besaß. Er holte das Letzte aus sich heraus. Es ging um sein Leben.

Jetzt fiel er. Im Sturz versuchte er, sich an einem breiten, tief hängenden Ast festzuhalten.

Er schaffte es gerade noch. Stolpernd und taumelnd erreichte er die alte Seilbahn, die quer über das Ambley-Tal führte. Eigentlich war es schon lange keine funktionstüchtige Seilbahn mehr. Nur die hölzerne Plattform war von ihr übrig geblieben sowie das Seil, das armdick, verrostet, gefährlich zerfasert, über das Tal hinwegführte.

Verzweifelt blickte der Mann hinter sich. Er wusste nicht, wie weit seine Verfolger noch entfernt waren. Hören konnte er sie nicht, aber das hatte kaum etwas zu besagen, weil das Keuchen seiner Lungen und das dumpfe Schlagen seines überanstrengten Herzens jedes andere Geräusch übertönten.

Er hatte sich verrannt. Ins Tal hinunterzuklettern, war von hier aus unmöglich. Seine Hand tastete nach zum Holster. Er wollte, ehe es endgültig mit ihm aus war, sein Leben möglichst teuer verkaufen.

Da bemerkte er, dass er gar keinen Colt mehr hatte. Irgendwann während seiner wilden Flucht musste er ihn verloren haben. Er musste allein ins Jenseits. Das tat ihm leid.

Seine Blicke fielen auf das rostige Seil. Dann warf er einen abschätzenden Blick ins Tal hinunter. Und wenn er das Seil benutzte, um weiter zu fliehen? Das bot kaum Aussicht auf Erfolg. Aber hier war er auf jeden Fall verloren. Da schien es gleich, ob er hundert Yards tief in den Nacio-River stürzte oder von den Kugeln seiner Verfolger zur Hölle geschickt wurde.

Gleich darauf hing er an dem rostroten Drahtstrang. Hand über Hand hangelte er sich voran. Sein Körper begann zu pendeln, weil er zu hastig war.

Zunächst fürchtete er sich davor und glaubte, zu stürzen. Dann aber merkte er, dass ihm die Pendelei das Vorwärtskommen erleichterte.

»Sieh dir den Selbstmordkandidaten dort oben einmal an, Chef!«, sagte Snuffy Patterson, der Sergeant der Ghost-Squad. Er wies zum Drahtseil hinauf. »Ich will mein ganzes Leben lang kein Girl mehr ansehen, wenn er es bis zur anderen Talseite schafft.«

»Sollte es keinen bequemeren Weg geben, über das Tal zu kommen?« Ben Closter, ebenfalls Ghost-Sergeant, schüttelte den Kopf. »Seltsam, dass es so viele Menschen gibt, die sich einbilden, verrücktspielen zu müssen!«

»Und seltsam, dass es bei den meisten im Kopf anfängt!«, feixte Snuffy.

Tom Prox, Ghost-Captain und mit den beiden Sergeanten nach einem erledigten Fall auf dem Rückweg zur Dienststelle, sprang auf, um besser sehen zu können.

Sie lagerten auf der Sohle des Ambley-Tales, am Rand eines Gebüsches, das Schutz vor der vom Himmel sengenden Sonne bot, hatten eben ihr Mittagsmahl gehalten und wollten nun nach ihren Eiern mit Speck ein Stündchen ruhen, ehe sie weiterritten.

»Hell and damnation!«, rief Snuffy aufgeregt. »Der Kerl ist auf der Flucht!«

»Da drüben tauchen seine Verfolger auf«, stimmte ihm Ben bei.

Auf der hölzernen Plattform erschienen drei Männer. Einige Sekunden standen sie überlegend. Dann rissen sie die Colts aus den Holstern.

Gleich darauf eröffneten sie das Feuer auf den Mann am Seil. Dumpf hallten die Schüsse im Talgrund wider.

»Das ist Mord!«, rief Snuffy empört. »Der Mensch ist doch völlig hilflos!«

»Wollen ihnen klarmachen, dass sie nicht machen dürfen, wozu sie lustig sind!«, entgegnete Tom ruhig und griff nach dem Colt.

In das Dröhnen der Schüsse auf der Plattform mischte sich ein anderer Ton. Der Stetson eines der drei Verfolger machte sich selbstständig und segelte in die Tiefe. Verblüfft starrte ihm der Mann nach.

In der gleichen Sekunde gellte ein Schrei auf.

Die Ghosts starrten zu dem Mann am Seil hinauf. Er hing jetzt über der tiefsten Stelle des Talgrundes, und eine Hand ließ plötzlich los. Verzweifelt wollte er wieder nach oben greifen, schaffte es aber nicht.

Einige Augenblicke hielt er sich noch mit einem Arm, dann glitt auch die zweite Hand ab. Er sauste in die Tiefe, überschlug sich in der Luft und klatschte in das Wasser des Nacio-River.

Die Männer auf der Plattform stießen ein wildes Triumphgeschrei aus. Gleich darauf verschwanden sie.

»Zu dem Abgestürzten!«, befahl Tom.

Die Ghosts liefen auf den Nacio zu. Schäumend wälzte sich sein Wasser in dem nicht übermäßig tiefen, von Felstrümmern durchsetzten Flussbett.

»Glaube nicht, dass er das überstanden hat!«, keuchte Snuffy im Laufen. »Wäre ein Wunder!«

»Wunder passieren heutzutage nicht mehr!«, japste Ben.

Der Mann lag mitten im Flussbett, den Kopf auf einem Felsbrocken, den Körper in seltsamer Verkrümmung in den Fluten.

»Scheint tot zu sein«, stellte Ben nach einem flüchtigen Blick auf den Reglosen fest.

Gleich darauf watete er an Snuffys Seite in den Fluss. Das Wasser reichte ihnen bis an die Hüften, als sie bei dem Abgestürzten ankamen.

Vorsichtig holten sie ihn aus dem Flussbett und legten ihn ins kniehohe Gras.

Tom ließ sich neben ihm nieder und fühlte nach dem Puls. Er schlug noch, aber nur matt und beängstigend unregelmäßig.

»Er lebt«, stellte der Captain fest, schüttelte aber den Kopf, als er das erleichterte Aufblitzen in Snuffys Augen sah. »Wird nicht mehr lange dauern – einen solchen Sturz überlebt kein Mensch.«

Snuffy holte eine Flasche hervor. Behutsam hielt er sie dem Bewusstlosen an die Lippen.

Der Mann schluckte nicht, aber das scharfe Getränk schien ihm trotzdem gutzutun.

Ein Zucken lief über sein Gesicht. Dann öffnete er blinzelnd die Augen.

»Trinken Sie, Gent!«, redete ihm Tom zu, ohne zu wissen, ob er überhaupt verstanden wurde. »Wird Ihnen helfen!«

Der Mann starrte ihn an, einen nachdenklichen Zug um den Mund. Dann merkte man, dass er wieder wusste, was geschehen war. Seine Lippen bewegten sich und versuchten, Worte zu formen.

»Jetzt nicht!«, mahnte Tom. »Warten Sie, bis Ihnen besser ist.« Dabei wusste er, dass der Mann nur noch Minuten zu leben hatte.

»Rauchen!«, stieß der Verletzte plötzlich mühsam hervor, als verrate er ein großes Geheimnis.

»Sollen Sie haben«, versprach Snuffy, drehte mit flinken Fingern eine Zigarette, zündete sie an und schob sie ihm in den Mund.

Der Mann stieß sie mit der Zunge wieder heraus. Snuffy griff zu, damit sie ihm nicht auf die Brust fiel.

Noch einmal versuchte der Sterbende, ein paar Worte zu formen.

Tom neigte sich über ihn, um zu verstehen, was er sagte. Aber der Mann brachte nicht mehr viel heraus.

»Salzen!«, verstand Tom. »Alles gesalzen!«

Plötzlich bäumte sich der Verwundete hoch auf, sank augenblicklich wieder zusammen, streckte seinen Körper – und war tot.

Tom Prox unterzog die Taschen des Toten einer raschen Durchsuchung, förderte jedoch nichts von Interesse zutage.

»Warum waren sie hinter ihm her?«, fragte Snuffy nachdenklich. »Man schießt nicht auf einen völlig Wehrlosen! Müssen ihn übrigens vorher ganz schön gehetzt haben!«

»Still!«, mahnte Tom. »Glaube, wir sind nicht mehr allein!«

Ohne sich weiter um seine Sergeanten zu kümmern, glitt er davon, auf einen niedrigen Busch zu, ungefähr zehn Yards von ihnen entfernt, und verschwand dahinter.

Der Mann, der im Schutz des Strauches auf der Lauer lag, schrak zusammen, als Tom neben ihm auftauchte. Einen Augenblick lang sah es aus, als wollte er flüchten.

Dann setzte er sich auf und hob resignierend die Schultern. Fragend blickte er Tom an.

»Nun?«, drängte der Captain.

»Ist er tot?«, fragte der andere aufgeregt.

»So tot, wie man nach einem solchen Sturz nur sein kann. Hatten Sie es anders erwartet?«

»Arme Rosie«, flüsterte der Mann traurig.

»Wer ist Rosie?«, wollte Tom wissen.

»Seine Frau, Gent. Jetzt seine Witwe.«

»Wer war er überhaupt?«

Der Mann antwortete nicht, sondern lauschte aufmerksam in die Ferne.

»Sie kommen«, stellte er fest. »Wird noch eine Viertelstunde dauern, bis sie unten sind. Besser, sie finden uns hier nicht mehr vor.«

»Wer sind diese ,sie'?«, fragte Tom wissbegierig.

»Dauert zu lange, es Ihnen zu erzählen. Schätze, wir haben zu wenig Zeit dazu. Vielleicht später mal, Gent. Fürchte, ich muss mich nun um Rosie kümmern, sonst geht ihr's schlecht.«

»Wo befindet sich Rosie?«

»Wohnt außerhalb des Ambley-Tales. Kleines Häuschen an der Landstraße. Betreibt dort eine Schenke, die zu wenig einbringt, um davon leben zu können, und zu viel, um auf anständige Art zu verhungern. Deshalb war es ein großes Glück für Tim, als McMan zu bohren anfing.«

»Verstehe Sie zwar nicht, aber ich hoffe, Sie werden es mir noch deutlich beibringen, Gent.«

Wieder lauschte der Mann. »Keine Zeit für Erklärungen – sie sind bald da. Sie werden warten müssen. Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen, Gent? Kommen Sie mit. Genügt vollständig, wenn Ihre beiden Kumpels hierbleiben.«

Tom überlegte. Was hier vor sich ging, war ihm unverständlich. Aber eines stand fest: die Sache stank sieben Meilen gegen den Wind. Und das ganz gewaltig.

»Moment, Gent!«, bat er und glitt davon, zurück zu seinen Kameraden.

»Die Schufte, die ihn auf dem Gewissen haben, sind auf dem Weg hierher«, erklärte er hastig. »Ich spürte da hinter dem Busch einen sonderbaren Zeitgenossen auf – begleite ihn ein wenig. Genügt, wenn ihr hier die Stellung haltet. Stoße irgendwann wieder zu euch – okay?«

»In Ordnung, Chef«, erwiderte Snuffy grinsend. »Mach dir unseretwegen keine Sorgen – uns bricht niemand eine Verzierung ab. Well. So long!«

Tom glitt davon. »Gehen wir«, sagte er, als er den Fremden erreichte, der ihm wartend entgegenblickte.

Der andere wies die Richtung. »Dort hinüber, Gent. Dürfte gut sein, den ersten Teil des Weges kriechend zu erledigen. Die Mörder werden gleich hier sein. Ist besser, sie sehen uns nicht.«

Tom stimmte zu. »Okay – Sie müssen es besser wissen. Übernehmen Sie die Führung.«

Der andere kroch los. Man sah nur an der raschelnden Bewegung, die mit ihm durchs Gras ging, wo er sich gerade befand.

Tom glitt hinter ihm her wie eine Schlange.

Sie strebten einem Wäldchen am Ufer des Nacio entgegen. Als sie sich unter den Bäumen befanden, erhob sich der andere.

»Hier sehen sie uns nicht mehr. Müssen jetzt an das andere Flussufer. Übrigens: Ich heiße Eddie. Eddie Bruster!«

»Okay. Eddie – mein Name ist Tom. Genügt, mich so zu nennen. Und nun weiter.«

Das Wäldchen reichte bis dicht an das Flussufer. Als sie am Wasser standen, bemerkte Tom die Felsbrocken, die in gewissen Abständen darin lagen.

»Da hinüber?«, fragte er interessiert.

Eddie nickte nur. Im nächsten Augenblick begann er über die Steine hinweg zu balancieren.

Tom folgte. Der Übergang war nicht einfach, denn die blank gescheuerten Felsstücke wurden teilweise vom Wasser überspült und waren glatt und schlüpfrig.

Aber sie schafften es, ohne ein unfreiwilliges Bad zu nehmen.

Drüben angekommen, liefen sie hastig weiter. Eddie strebte auf eine Felsgruppe zu, die sich ihnen wie ein unpassierbarer Riegel in den Weg legte.

Als sie nahe genug heran waren, erkannte Tom, dass sich ein Riss darin befand, der sehr wohl als Durchgang zu gebrauchen war.

»Auf diese Weise sparen wir zwei Stunden Weg«, klärte ihn Eddie auf. »Sobald wir erst mal hindurch sind, haben wir es nicht mehr weit bis zu Rosies Inn.«

»Dann los, Kumpel.«

Noch einmal verhielten sie lauschend. Von jenseits des Flusses waren jetzt Stimmen zu hören. Die Mörder hatten die Stelle erreicht, an der ihr Opfer abgestürzt war

»Was ist denn mit diesem komischen Tal los?«, fragte Tom, als er an Eddies Seite dahin strebte.

Sein Begleiter hatte es sehr eilig. Er schien um Rosie besorgt zu sein.

»Gold!«, entgegnete Eddie kurz. Er kümmerte sich nicht um den Weg, sondern strebte mit bewundernswerter Sicherheit immerzu querfeldein.

Sie zwängten sich durch Gestrüpp und Gebüsch, sprangen über Gräben, wateten durch Gras, das ihnen bis an die Brust reichte, kürzten auf diese Weise aber ihren Weg beträchtlich ab.

»Mit dem Gold hier herum ist es doch schon lange vorbei«, erwiderte Tom nach einiger Zeit verwundert. »Man braucht sich ja bloß die Geisterstädte anzusehen, die ein paar Meilen entfernt liegen. Wären sie leer, wenn es da noch was zu holen gäbe?«

Eddie hob die Schultern. »Im Ambley-Tal soll es aber noch Gold haben. McMan hat sich in den Kopf gesetzt, es zu fördern, und so, wie die Dinge liegen, wird er das auch schaffen.«

»Wer ist McMan?«

»Ein Rancher. Seine Besitzung liegt drei Meilen von hier entfernt. Ganz fruchtbares Land, das ihm gehört. Geht ihm nicht schlecht.«

»Gehört ihm auch das Ambley-Tal?«

»Hat es vor drei Jahren gekauft. Für ein Butterbrot gewissermaßen. Well, ist auch zu nichts zu gebrauchen. Obwohl der Nacio durchfließt, wird es immer unfruchtbar bleiben. Zu viel Steine und Geröll bringt der Nacio vom Gebirge herunter. Hat übrigens auch das Gold ins Tal gebracht. Nun, wenn es McMan schafft, wird er schwerreich.«

»Und vorher wusste niemand, dass es Gold im Ambley-Tal gibt?«

»Doch! Ist schon lange her, da holte man welches aus dem Nacio. Keine überwältigenden Funde. Niemand ist so reich damit geworden, dass er für sein Leben ausgesorgt gehabt hätte. Mit der Zeit wurde es immer weniger, und zum Schluss gab man es als unrentabel auf.«

»Wie kommt McMan nun auf den Gedanken, wieder anzufangen?«

»Hatte einen Sachverständigen da. Der sah sich die Formationen, oder wie man das so nennt, an und behauptete, das Gold stecke zum größten Teil rechts und links des Flusses im Boden. Es handelt sich hier um diese winzigen, hauchdünnen Goldstaubplättchen, die man ,Farben' nennt. Aber wenn es irgendwo genug Farben gibt, reicht es auch aus, wissen Sie.«

»Hm!«, erwiderte Tom nachdenklich. Mehr sagte er nicht, denn sie hasteten rasch voran. Er brauchte seinen Atem für den Weg.

»Yeah – und wenn der Fluss Hochwasser führt, und das hat er jedes Frühjahr und jeden Herbst, verbreitert er sich bis an die Bergzüge hin. Wenn sich das Wasser dann wieder verläuft, bleiben die Farben zurück«, erklärte er.

»Geht das lange genug, sammelt sich eine Menge von dem feinen Goldstaub unterhalb der Erdschicht auf dem Felsgrund an. Behauptet der Fachmann, und es wird wohl wahrscheinlich auch so sein, obwohl die Leute von Pleasantown, fünf Meilen von hier, McMan für einen Narren halten.«

»Und jetzt will Rancher McMan die Farben aus dem Ambley-Tal herausholen?«

Eddie grinste. »Auf jeden Fall hat er die Absicht. Ob er dabei auf seine Kosten kommt, weiß ich nicht. Vorläufig bohrt er, um festzustellen, wo das Gold am dicksten sitzt.«

»Dann hat er es aber immer noch nicht oben.«

»No. Er wird jedoch tun, was die früheren Prospektoren nicht tun konnten, weil es damals noch nicht die nötigen Hilfsmittel gab. Er will einen Bagger kommen und die Erde über dem Felsgrund abtragen lassen. Und dann das Gold scheffeln. Prost Mahlzeit!«

»Doch gar kein so übler Gedanke, Eddie. Obwohl Sie am Erfolg zweifeln, wie ich Ihnen vom Gesicht ablese.«

»Warum soll er sein Gold nicht finden?«, entgegnete Eddie ruhig. »Natürlich wird er Farben herausholen – zweifle nur daran, ob es so viele sind, dass es die Unkosten decken. Bedenken Sie; eine Menge Arbeiter, den Bagger und was sonst noch dazu gehört.«

»Hm, ja – McMan scheint doch ein vorsichtiger Herr zu sein. Auf jeden Fall geht er die Sache systematisch an. Erst nur Probebohrungen – wenn sie nicht genügend versprechen, bläst er die Sache ab, ohne sich in allzu große Unkosten gestürzt zu haben. Aber wer sind Sie eigentlich, Eddie? Einer von seinen Leuten?«

»Nennen Sie es so, Gent. Ließ mich von ihm für die Bohrungen anwerben. Und Tim Chandler, der ja nun leider tot ist, hielt in McMans Camp eine Kantine. Konnte den Nebenverdienst verdammt gut gebrauchen. Nun tut mir Rosie leid. Steht jetzt allein in der Welt.«

»Warum haben sie den armen Kerl denn gehetzt?«

»Soll angeblich Gold gestohlen haben. Drei Säckchen Farben, Ausbeute der vergangenen drei Tage. Aber ich glaube es nicht. Steckt etwas anderes dahinter, Gent! Tim Chandler war immer eine ehrliche Haut. Hätte lieber draufgezahlt, als sich an fremdem Gut bereichert.«

Tom achtete während des Gesprächs nicht sonderlich auf den Weg und war deshalb überrascht, als Eddie plötzlich erklärte: »Da, Gent! Dort drüben liegt Rosies Inn!«

In einer Entfernung von ungefähr zweihundert Yards wurde ein altes, baufälliges Haus sichtbar, von einem an vielen Stellen bereits eingestürzten Lattenzaun umgeben. Hinter dem Haus lag ein viel zu großer Hof mit einem windschiefen Schuppen mitten darin.

Davor waren zwei Gäule angebunden.

Eddie sah die Pferde erst jetzt. »Hell and damnation!«, fluchte er besorgt. »Dachte ich es mir doch. Glaube, wir kommen genau zur rechten Zeit, Tom.«

»Gehören die Pferde Tim Chandler?«, fragte der Captain.

»No. Timmy besitzt nur einen einzigen Gaul, und wenn Sie den sehen, denken Sie, er werde im nächsten Augenblick umfallen. Das eine ist McMans Pferd, das andere gehört wohl einem seiner Leute.«

»Was tut der Rancher hier?«

»Machte heute früh einen großen Wirbel wegen der gestohlenen Farben. Weiß nicht, warum er sofort Tim in Verdacht hatte. Vielleicht, weil der blöde Kerl flüchtete, als McMan ihn des Diebstahls bezichtigte. Trotzdem lege ich meine Hand für ihn ins Feuer. Beide Hände! Während er drei Mann auf Tim hetzte, ritt er hierher, um das Haus zu durchsuchen. Wahrscheinlich hätte der Barkeeper nicht zum ersten Mal gestohlen, behauptete er. Rosie tut mir leid.«

»Warum sollte sie Ihnen leidtun?«, fragte Tom. »Wenn sie von der Ehrlichkeit ihres Mannes überzeugt ist, lässt sie McMan suchen, bis er schwarz wird.«

»Mit McMan ist nicht gut umzugehen, Tom. Ich fürchte, er spielt ihr übel mit, um herauszubekommen, wo sich Timmys vermeintliches Versteck befindet.«

»Yeah – kennt sie es denn?«

»Mann, habe ich Ihnen nicht gesagt, dass Timmy ehrlich ist? Bei ihm gibt es weder ein geheimes Versteck noch gestohlenes Gold!«

»Dann ist ja alles in Ordnung, Eddie!«

»No, Tom, ganz und gar nicht.«

Sie erreichten das Häuschen. Da sie querfeldein gewandert waren, näherten sie sich von der Rückseite her.

Das Hoftor brauchten sie nicht erst zu öffnen, es war längst aus den Angeln gebrochen. An den wartenden Pferden vorüber, eilten sie auf die Hintertür zu.

»Nicht!«, hörten sie eine angstvolle Frauenstimme, gerade als sie sie erreichten.

Tom gab Eddie einen Wink.

Sie huschten von der Tür weg auf das Fenster zu, von dem her sie den Schrei vernommen hatten. Mit einem einzigen Blick übersah Tom die Situation.

Mitten in der kleinen, niedrigen Stube, in die er schaute, saß eine Frau auf einem unbequemen Stuhl. Damit sie darauf sitzen blieb, war sie daran festgebunden worden. Sie mochte ungefähr vierzig sein. Ihr Gesicht verriet, dass sie früher einmal schön gewesen war. Jetzt sah sie abgearbeitet und verbraucht aus.

Vor der Frau stand ein Mann ungefähr gleichen Alters, gut gekleidet, kräftig, mit brutalem Gesicht. In der Hand hielt er eine Reitpeitsche.