Vor dem Imperium - Martin Cordemann - E-Book

Vor dem Imperium E-Book

Martin Cordemann

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Beschreibung

In den "Legenden des Imperiums" scheint es so, als sei die Erde ein unerfreulicher Ort, an den eigentlich niemand zurück will und als sei er verbunden mit einer unangenehmen Geschichte, die man lieber vergessen möchte, um nicht zu sagen unter den Teppich kehren. Aber was genau ist damals geschehen? Was waren die wirklichen Gründe, warum man die Erde verlassen hat… oder verlassen musste? Wer einen Blick in die Vergangenheit der Zukunft werfen möchte, findet in "Vor dem Imperium" sicher die eine oder andere Antwort. Im ersten Buch geht die Petronia, das schnellste Raumschiff der Erde, auf Jungfernfahrt – und wird sofort zum Politikum. Aus den Raumfahrern werden Geächtete, doch das hält die nicht davon ab, sich ihrer eigenen Mission zu widmen: Das Weltall zu erforschen. Dabei machen sie eine Reise durch das gesamte Sonnensystem, decken Komplotte auf und entdecken möglicherweise außerirdisches Leben? Das zweite Buch setzt da an, wo "Die Petronia" endete. Doch die Geschichte entwickelt sich anders, als sich der Kapitän des Schiffes das vorgestellt hat. Der Captain wird gegen seinen Willen zum Vertreter seines Volkes und muss nun alles versuchen, um zu verhindern, dass der Erde ein schlimmes Schicksal widerfährt. Aber wird er das schaffen…? Den Abschluss vom Anfang und den Anfang vom Ende stellt das dritte Buch dar. In vielen kleinen Puzzlesteinen, die irgendwann ein Ganzes ergeben, wird ein besonderer Teil der Menschheitsgeschichte geschildert. Kleine Portionen, kurze Szenen, ein Kaleidoskop an Eindrücken. Am Ende ergibt alles einen Sinn, alle Puzzlesteine ein Bild und das ganze so eine Art kurzen Roman. Ein Buch für alle, die von ihrer Science Fiction mehr wollen, als eine dystopische Zukunft, in der irgendwelche Jugendlichen um ihr Leben kämpfen - kurz: altmodische Science Fiction!

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Seitenzahl: 553

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Martin Cordemann

Vor dem Imperium

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort des Imperiums

ERSTES BUCH

Der Aufbruch

Der Außenseiter

Der Fund

Der Bringer der Ausgelassenheit

Der Gott des Krieges

Der Bringer alter Zeit

Der tote Mond

Das Ticken der Bombe

Unheimliche Begegnung

Gestrandet

Der Mars macht mobil

Ungleichgewicht der Kräfte

Der Gott des Handels

Die Fabrik am Rande des Universums

Liberty Seven

Die Göttin der Schönheit

Der blaue Planet

Der Große Rote Fleck

Spekulationen und Erkenntnisse

Der Magier

Die Freiheiten

Der Mystische

Die Hoffnung stirbt

Die Rettungsmission

ZWEITES BUCH

Der Verdacht

Die Anklage

Die Verteidigung

Die Beweisaufnahme

Die Zeugenaussagen

Das Kreuzverhör

Der Einspruch

Die Vertagung

Die Plädoyers

Das Urteil

DRITTES BUCH

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Impressum neobooks

Vorwort des Imperiums

Klingt doch wie eine billige Methode, noch mehr Geld aus den Lesern herauszuquetschen. Und, seien wir ehrlich, in Hollywood wäre das auch so. Da hat man einen erfolgreichen Film, also was macht man? Schiebt ein paar billige Kopien nach, die man als „Fortsetzungen“ bezeichnet, um die Kuh so lange zu melken, bis selbst der Dümmste im Publikum merkt, dass er verarscht wird… Aber zu dem Zeitpunkt, da ich dies hier schreibe, ist „Legenden des Imperiums“ weder erfolgreich noch überhaupt veröffentlicht oder hat eine Chance, das Licht der Leserwelt zu erblicken, die über eine Selbstveröffentlichung als E-Book hinausgeht – und das ist doch sehr wahrscheinlich auch die Art und Weise, wie Sie das hier lesen!

„Legenden des Imperiums“ entwickelte sich von ein paar Kurzgeschichten… aber das hab ich da im Vorwort ja mehr als ausgiebig beschrieben. Warum also, fragt sich der eine geneigte Leser, den es vielleicht interessiert, gibt es nun diesen Band mit dem launischen Titel „Vor dem Imperium“? Nun, das ist eine gute Frage. Vielleicht, weil ich mit dem Universum, das für das „Imperium“ entstanden ist, noch nicht ganz fertig war? Ja… und nein. Tatsächlich – und ich weiß, ich sollte Ihnen das gar nicht erzählen, weil dann irgendjemand schreien wird: Das merkt man voll, Alter, dass die nicht zusammenpassen! – aber gab es zwei der drei hier zusammengeworfenen Bücher schon. Eigentlich stand jedes dieser Bücher für sich und es war bei ihrer Entstehung nicht im Entferntesten angedacht, dass sie irgendwie zusammengehören könnten. Doch die „Legenden des Imperiums“ haben das ein wenig geändert – sogar so weit, dass ich beim Schreiben dort ein paar kleinere Andeutungen eingebaut habe, die es mir später ermöglichen sollten, dass diese beiden Bücher vielleicht oder vielleicht nicht Teil des Ganzen werden konnten.

Und so ist es nun gekommen. Die Vorgeschichte, die Zeit, als es noch kein Imperium gab und die Menschheit noch auf der Erde lebte. In den „Legenden“ werden immer wieder verschiedene Legenden angedeutet, was möglicherweise der Grund dafür war, warum man die Erde verlassen hat – oder verlassen musste – aber niemand schien es so genau zu wissen. Oder wissen zu wollen. Das kann sich nun ändern. Für alle, die noch Fragen haben, hier sollten sie ein paar Antworten finden.

Was uns zu einer der üblichen Fragen bringt: Sollte man diesen Band, der „Vor dem Imperium“ spielt, als ersten lesen? Prinzipiell wäre es eigentlich egal, weil ich hoffe, dass mir keine allzu großen Fehler unterlaufen sind und man beide Bücher auch chronologisch lesen könnte. Aber wie auch bei den „Legenden des Imperiums“ ist es hin und wieder schön, wenn es Anspielungen gibt, die man versteht, wenn man ein gewisses Vorwissen über Ereignisse hat, eine bestimmte Erwartungshaltung. Liest man also zuerst die „Legenden“, könnte man, wenn man ein Freund von so etwas ist, an diesem Buch hier mehr Vergnügen finden. Oder auch weniger. Ganz ehrlich, machen Sie doch, was Sie wollen!

Zwischenzeitlich war angedacht, das erste Buch dieses Bandes umzubenennen, damit die Namen der Bücher ein bisschen wie eine Klammer wirken, die alles umschließt. In dem Fall hätten die Titel gelautet:

Erstes Buch: Und so endete der Anfang

Zweites Buch: Der Prozess der Vertreibung

Drittes Buch: Und so begann das Ende

Das sieht zwar eigentlich ganz gut aus… aber nähme man den Titel für sich, würde er wohl ziemlich furchtbar klingen. Also bleibt es bei den alten Titeln der Bücher.

Erstes Buch: Die Petronia

Der Aufbruch der Menschheit ins All war nie als Teil eines größeren Werkes gedacht. Eigentlich sollte die Geschichte da enden, wo sie jetzt endet – und der Leser sollte sich selbst vorstellen, wie es weitergeht. Das hat sich nun geändert. Der Aufbruch der Petronia ist nun das erste von drei Büchern, die zeigen, was damals passierte… damals in der Zukunft. Die erste Fassung, die nur etwa bis in die Mitte des Buches reichte, entstand 1991, 2009 wurde sie dann a) von getippten Seiten handtipplich in den Computer übertragen, b) überarbeitet und c) erweitert bzw. komplettiert. Außerdem gibt es ein paar Informationen über die Planeten unseres Sonnensystems – und wenn die nicht inzwischen überholt wurden, weil sie veraltet sind, dann kann man da vielleicht sogar etwas lernen. Dass überdies ein Name aus den „Legenden“ auftaucht, war mir bis zur Überarbeitung für diesen Band nicht einmal bewusst…

Zweites Buch: Der Prozess der Vertreibung

Man hätte die Differenz zwischen „Petronia“ und „so begann“, zwischen „Anfang“ und „Ende“ auch durch die paar Abschnitte erklären können, die nachträglich in das dritte Buch eingefügt wurden. Aber da wäre der Bruch vielleicht zu groß gewesen. Außerdem gab es da ja noch das umfangreiche Universum aus den „Legenden des Imperiums“, in dem es Völker gibt, die zwar genannt wurden, von denen man aber nie viel gesehen hat. Hier nun also die Zusammenfügung von beidem, das fehlende Puzzlestück, das alles und nichts erklärt, aber das eine Brücke zwischen den Büchern schlägt, zwischen den beiden Büchern dieses Bandes, aber auch zwischen diesem Buch und den „Legenden“. Genau wie die entstand es 2014.

Drittes Buch: Und so begann das Ende

Wir enden mit einem großen Puzzle – im nahezu wahrsten Sinne des Wortes. Die Geschichte ist zerschnitten, in kleine Häppchen, Bruchstücke, Fragmente, aus denen sich langsam ein Bild formt. Das ist zu Beginn anstrengend, aber irgendwann gewöhnt man sich daran und die Handlung kommt in die Gänge. Zudem ändert sich die Richtung, was ein wenig dem Ursprung des Buches geschuldet ist. Die erste Fassung entstand etwa 1989 in der Schulzeit des Autors – was erklärt, warum das Thema Schule so sehr im Mittelpunkt steht. Auch war es damals noch, ebenfalls der Entstehungszeit geschuldet, keine Geschichte mit Außerirdischen, nein, der Ostblock mit der atomaren Bedrohung war der Feind. 2012 durchlief das Werk dann bei der Übertragung in den Computer eine eingehende Überarbeitung – ein wesentlicher Teil der Struktur blieb aber bestehen, denn er war schon 1989 Teil des Buches, und damit lange, bevor es „Memento“ gab!

Damit genug des Vorworts, viel Spaß bei „Eine kleine Geschichte der Zukunft“… Wir wünschen eine gute Reise!

Martin Cordemann

Köln/Erde, Dezember 2014

Bildnachweis: Das auf dem Cover abgebildete Raumschiff ist ein Modell. Es handelt sich um den „Dinky Toys 362 Trident Starfighter“.

ERSTES BUCH

Die Petronia

Der Aufbruch

Glänzend lag die Petronia im Orbit. Ihre Länge betrug etwa 200 Meter, der Rumpf hatte eine zylindrische Form, die am Bug in einen Turm überging, in dem sich die Brücke des Schiffes befand. Im Heck war ein Hangar mit mehreren Raumfähren untergebracht. Die Petronia selbst war nicht dazu ausgelegt, auf Planeten zu landen, sie war ein reines Kind des Weltraums.

Majestätisch schob sie sich am Tag ihrer Jungfernfahrt aus dem Schutz des Raumdocks hinaus in das kalte Vakuum des Weltraums. Schon vor Jahren hatte die Menschheit damit begonnen, das Weltall zu bereisen und Kolonien zu errichten, doch bislang war sie noch nicht über die Grenzen des eigenen Sonnensystems hinaus gekommen. Vielleicht würde sich das mit der Petronia ändern. Sie war ein Prototyp, ein wissenschaftliches Schiff, ausgerüstet, um möglichst lange und unabhängig von anderen im Weltraum operieren zu können. Und sie war das schnellste Schiff, das je von Menschen gebaut worden war.

„Welchen Kurs?“ fragte die Navigatorin.

„Nun“, Captain MacAllister lächelte, „wir wollen für den Anfang nicht übertreiben. Wie wäre es mit Jupiter?“

Die Navigatorin freute sich.

„Da war ich noch nie!“

„Da waren viele noch nie, Clausen. Vor allen Dingen nicht in der Zeit, die wir dafür brauchen werden.“ Der Captain dachte nach. „Wie lange brauchen wir überhaupt?“

„Drei Tage, Sir. Das ist neuer Rekord.“

„Es ist erst ein Rekord, wenn wir auch wirklich dort angekommen sind!“ Captain MacAllister atmete tief ein. „Gut, dann machen wir uns mal auf den Weg.“

Langsam beschleunigte die Petronia.

„Entfernung?“

Sie verließen den Orbit der Erde und nahmen dann Kurs Richtung Jupiter. Im Monitor der Heckkamera wurde das Abbild der Erde immer kleiner, während sich ihre Geschwindigkeit mehr und mehr erhöhte.

MacAllister fragte sich, warum er dieses Kommando angenommen hatte. Das schnellste Raumschiff der Menschheit zu testen, das war natürlich mit einem gewissen Prestige verbunden. Aber eigentlich hatte er das Verhalten der Raumflotte satt gehabt. Die Forschung war mehr und mehr in den Hintergrund getreten. Offiziere hatten Kommandos wegen ihrer Beziehungen und nicht wegen ihrer Fähigkeiten bekommen. Alles schien mehr und mehr in die Hand der Militärs abzugleiten. Dies hier war seine Gelegenheit, endlich wieder etwas für die Erforschung des Universums zu tun. Wenn dieses Schiff so gut war, wie es seine Konstrukteure dachten, dann würde man vielleicht schon in ein paar Jahren endlich die Grenzen des eigenen Sonnensystems hinter sich lassen und das erkunden, was außerhalb lag. Ob er das noch miterleben würde, war zweifelhaft, aber wenigstens würde er seinen Beitrag dazu leisten.

„Damit ist Brickets Rekord... hinfällig!“ lachte die Navigatorin. MacAllister sah auf die Anzeigen. So schnell wie sie war bislang nur die USS Carter unter Captain Brickett geflogen, einem von diesen Emporkömmlingen, die ihre Position nur ihren guten Beziehungen verdankten. Sie waren so schnell wie zu seinen besten Zeiten – und sie hatten noch nicht mal die Hälfte ihres Potentials ausgeschöpft. Sie beschleunigten weiter. Der Vorteil im Weltraum war, dass es keinen Widerstand gab. Wenn sie einmal ihre Reisegeschwindigkeit erreicht hatten, konnten sie die Triebwerke abschalten und sich treiben lassen, ohne abgebremst zu werden. Und wenn sie alle an Bord starben und sich kein Himmelskörper in die Flugbahn der Petronia begab, dann würden ihre Leichen vielleicht in alle Ewigkeit mit derselben Geschwindigkeit durchs All rasen. Eine interessante, aber keine erstrebenswerte Vorstellung.

Nach einiger Zeit meldete Clausen, dass sie ihre Höchstgeschwindigkeit erreicht hatten. Sie lehnte sich zurück und grinste über das ganze Gesicht. Ihre Dienste würden erst wieder beansprucht werden, wenn sie den Bremsvorgang beim Jupiter einleiten würden.

„Gut“, MacAllister nickte, „dann informieren Sie Jupiter IX doch von unserer Ankunftszeit. Ich bin sicher, die...“

„Captain?“ meldete sich der Kommunikationsoffizier zu Wort.

„Ja?“

„Ich empfange hier eine Meldung von Jupiter IX.“

Der Captain lächelte. „Fangen jetzt schon die Gratulationen an?“

„Nicht ganz, Sir.“

„Was wollen die dann?“

„Die... erteilen uns Landeverbot!“

„Bitte?“ MacAllister sah den Funker fassungslos an.

„Offenbar hat es auf der Erde politische Verwicklungen gegeben... wegen uns. Weil wir... das schnellste Schiff sind... und damit eine Bedrohung darstellen... wir haben Landeverbot für Jupiter IX... und für alle anderen irdischen Basen in diesem Sonnensystem!“

„Für alle anderen... es gibt nur irdische Basen! Was soll dieser Mist?“

„Es ist kein Scherz, Sir. Andere Basen bestätigen die Aufforderung. Sie kommt direkt von der Erde.“

„Von der Erde...“ MacAllister seufzte. „Dann haben wir also auch keinen Ort, an den wir zurückkehren können, so wie es aussieht. Tja, wer hätte gedacht, dass wir der schnellste Krisenherd in der Geschichte der Menschheit werden würden?“

Der Außenseiter

„Was machen wir jetzt?“

„Gute Frage.“ Der Captain trommelte eine Weile auf der Armlehne seines Sessels herum. „Tja“, sagte er nach einiger Zeit. Die Fähigkeit, schnelle Entscheidungen zu treffen war das Hauptmerkmal, das einen Raumschiffkapitän auszeichnete. Aber das hier war keine gewöhnliche Situation – und Zeit war das, wovon sie im Moment am meisten hatten. „Nehmen wir mal an, die beruhigen sich irgendwann wieder.“

„Aber das sind Politiker!“

„Trotzdem! Lassen wir einfach erstmal Gras über die Sache wachsen, vielleicht finden die, die uns das eingebrockt haben, dann eine vernünftige Lösung.“

„Und was machen wir in der Zwischenzeit?“

„Das, wofür wir hier draußen sind. Wir lernen unser Sonnensystem besser kennen.“ MacAllister sah seine Navigatorin an. „Wie lange brauchen wir vom Jupiter bis zum Pluto?“

„Moment.“ Clausen gab einige Daten in den Computer ein. Nach einer Weile meinte sie: „739 Stunden.“

„Dann haben wir doch schon mal ein Ziel.“

Zehn Stunden bevor sie den Pluto erreichten, leitete Clausen das Bremsmanöver ein. Bei ihrer Geschwindigkeit war es notwendig, das Schiff so behutsam wie möglich abzubremsen, damit die Besatzung keinen Schaden erlitt. Der Kapitän betrat die Brücke und nahm auf seinem Sessel Platz.

„Nun, was können Sie uns über den Planeten sagen, Doktor?“ fragte er Pierre DuValle, den Leiter der wissenschaftlichen Abteilung.

„Wir empfangen schwache Anzeigen von Methan und Am...“ Der Wissenschaftler stockte und sah den Captain an. „Sie wissen, dass Pluto kein Planet ist, oder?“

„Ja, DuValle, das weiß ich. Anfang des 21. Jahrhunderts hat irgendeine bescheuerte Kommission beschlossen, dass Pluto kein Planet mehr sein soll. Was umso infamer ist, als keiner der Beteiligten jemals hier draußen war. Also nehmen wir Pluto doch seinen Status als Planet nicht weg, nur weil das irgendwelche Wichtigtuer so entschieden haben.“

„Außerdem…“

„Ja, DuValle?“

„Nun, er ist schon sehr klein.“

„Verglichen mit wem?“

„Mit… mit verschiedenen Monden… im Sonnensystem. Dem der Erde, zum Beispiel.“

„Aha.“

„Und er ist auch kleiner als die Jupitermonde Europa, Ganymed und Kallisto, der Saturnmond Titan und der Neptunmond Triton.“

„Also er ist klein, na und? Wie war das mit der Atmosphäre?“

„Methan und Ammoniak, beides wahrscheinlich in gefrorener Form. Der Durchmesser von Pluto beträgt etwa 3500 km, die Oberflächentemperatur liegt bei -230 Grad Celsius.“

„Aha.“ MacAllister betrachtete den blauen Punkt auf dem Bildschirm, der langsam immer größer wurde, während ihre Sonne sich kaum mehr von den anderen Sternen am Firmament unterscheiden ließ. „Sonst noch was?“

„Ja, Sir. Die Sensoren erfassen auch seine Satelliten.“

„Und wie heißen die, DuValle?“

„Es gibt den Mond Charon, Entfernung zum Planeten ca. 20.000 km, Umlaufzeit 6 Tage und 9,3 Stunden. Anfang des 21. Jahrhunderts hat man aber auch noch Nix und Hydra gefunden, die haben Durchmesser zwischen 60 und 200 km.“

„Anzeichen für Leben?“

„Nein.“ DuValle sah auf. „Hatten Sie welche erwartet?“

„Eigentlich nicht.“

„Wussten Sie, dass sich der Pluto in einer stark exzentrischen Ellipse um die Sonne dreht, mit einer Bahnneigung, die ihn die Bahn des Neptun schneiden lässt?“

„Weiß das nicht jeder?“

„Ähm...“

„Gute Information, DuValle. Sagen Sie Bescheid, wenn sich etwas... Unerwartetes ereignen sollte.“

„Etwas Unerwartetes? Erwarten Sie denn etwas Unerwartetes?“

„Das wäre ein bisschen ein Widerspruch in sich, oder?“

„Das... stimmt.“

„Halten Sie mich einfach auf dem Laufenden.“

„Ähm, Captain...“

„Ja, Clausen?“

Die Navigatorin deutete auf ihre Sensoren.

„Wie seltsam darf es denn sein?“

MacAllister erhob sich und trat hinter die Steuerkonsole.

„Was haben Sie denn anzubieten?“

„Also“, Clausen kniff die Augen zusammen, „als ich mit dem Bremsmanöver begonnen habe, haben die Sensoren das hier aufgezeichnet.“ Sie deutete auf den Bildschirm, auf dem Pluto zu sehen war, sein Mond Charon und neben dem Mond eine Stelle, an der ein zweites Radarsignal auftauchte.

„Was ist das?“

„Radarecho? Eine Spiegelung? Ein Klumpen Stein, der durchs All segelt? Ich habe keine Ahnung.“

„Spannend“, meinte der Captain und grinste.

„Nicht unbedingt. Vielleicht ist es auch nur ein weiterer kleiner Mond, der den Astronomen bisher entgangen ist.“

„Gut möglich.“

„Oder vielleicht ist es auch nur eine unserer Sonden.“

„Checken Sie das im Computer. Wenn hier noch irgendwelches älteres Sondenmaterial herumgeistert, sollten wir das wissen.“

„Negativ. Was auch immer wir hier herausgeschickt haben, müsste inzwischen weitergeflogen sein.“

„Sehen Sie, Dr. DuValle, wir sind noch nicht da und schon wird es interessant. Wegen so etwas sind wir hier draußen.“

„Um Wissenschaftsmüll aufzusammeln?“

„Um herauszufinden, was hier sonst noch so rumschwirrt, Clausen. Behalten Sie die Sensoren im Auge, ich würde gerne wissen, was Sie da gefunden haben.“

Während sie in einen weiten Orbit um Pluto einschwenkten, überwachte Clausen die Sensoren sehr genau. Noch zweimal erhielt sie das Radarecho. Die Größe des Objekts, wenn es denn eins war, lag scheinbar zwischen 30 und 200 Kubikmetern, was ein Echo nur umso wahrscheinlicher machte. Stefanie Clausen kam aber noch zu einem anderen Schluss.

„Ich glaube, das Objekt bewegt sich.“

„Wie kommen Sie darauf?“

„Mal ist es da, mal ist es nicht da. Außerdem... nehmen wir mal an... es kann kein natürlicher Satellit sein.“

„Warum nicht?“

„Dann hätte er immer in einer der Erde abgewandten Position sein müssen, weil man ihn sonst irgendwann gefunden hätte. Aber es ist rein rechnerisch nicht möglich, dass sich der Pluto immer zwischen ihm und der Erde befunden hat...“

„Wieso?“

„Weil wir bei unserem Anflug in Positionen waren, wo sich der Pluto zwischen uns und der Erde befunden hat und wir das Objekt nicht geortet haben.“

„Sie meinen also, es bewegt sich.“

„Wenn es existiert und nicht nur ein Echo ist, dann bewegt es sich.“

„Spannend.“ MacAllister lächelte. „Ein Raumschiff.“

„Das habe ich nicht gesagt.“

„Das brauchten Sie auch nicht, es ist die nahe liegende Schlussfolgerung.“

„Und was sollen wir jetzt tun?“

MacAllister dachte nach.

„Im Moment haben wir niemanden, den wir über diesen möglichen historischen Kontakt in Kenntnis setzen können und genau genommen hat ja auch noch gar kein Kontakt stattgefunden. Aber ich habe eine Idee. Wir werden eine unserer Raumfähren auf dem Pluto landen lassen. Vorher soll sie ihn aber umrunden. Wir umrunden den Planeten in der entgegen gesetzten Richtung und wenn es ein Schiff ist, kann es uns ja wohl nicht beiden entgehen, oder?“

Der Plan wurde umgesetzt. Mit Spannung saß der Captain auf der Brücke und verfolgte die Werte der Sensoren. Das kleine Shuttle, die Asimov, bewegte sich ruhig durch die Stille des Weltraums.

„Wie sieht’s aus?“ fragte der Captain.

„Wenn es sich um einen natürlichen Trabanten handelt, müsste er in ca. drei Minuten erscheinen.“

„Und wenn es ein Schiff ist?“

„Dann hat es nur zwei Möglichkeiten, uns zu entgehen. Es könnte in den Weltraum verschwinden oder runter auf den Pluto.“

„Verbindung mit der Fähre?“

„Die können nichts entdecken.“

„Und wir?“

„Wir auch nicht.“

„Tasten Sie den Planeten ab.“

„Nichts zu finden, Sir.“ DuValle schüttelte den Kopf. „Und es ist kein Planet.“

„Sagen Sie das nicht seiner Mutter.“

„Es...“

„Ja, Clausen?“

„Es gäbe da noch eine dritte Möglichkeit. Es könnte sich hinter Charon verstecken.“

„Nicht schlecht. Clausen, ändern Sie den Kurs. Funker, teilen Sie der Fähre mit, dass sich unser Rendez-vous mit ihr verschiebt.“

Vorsichtig umkreiste die Petronia den kleinen Mond. Als sie sich fast an dessen Rückseite befanden, erhielten sie eine Meldung von der Fähre: „Haben Schwierigkeiten. Turbolenzen unbekannter Art. ...omme dab... ...ersuche lan... ...uto.“ Dann riss die Verbindung ab.

Die Petronia beschleunigte und erreichte ihren Rendezvouspunkt mit der Asimov nach 34 Minuten. Von der Fähre keine Spur.

„Vielleicht...“

„Ja, Clausen?“

„Wenn es ein Kraftfeld war, das die Asimov aus der Bahn geworfen hat, vielleicht ist es dann das gleiche Kraftfeld, das uns das Radarecho zurückgeworfen hat. Vielleicht gibt es kein Schiff, nur dieses Kraftfeld.“

„Gut möglich.“ Der Captain wirkte ein wenig enttäuscht. „Irgendwie schade. Wäre es nicht toll gewesen, hier draußen Leben zu entdecken?“

„Captain“, meldete sich Harris, der Funker, „wir empfangen ein Signal von der Fähre.“

„Alles klar da unten?“

„Alles klar, Sir. Sind ein bisschen durchgeschüttelt worden, aber das war es auch schon.“

„Gut, das zu hören. Unsere Suche war leider erfolglos. Sieht ganz so aus, als wär es tatsächlich nur ein Radarecho gewesen. Also gibt es hier doch kein Raumschiff.“

„Das würde ich nicht mit Sicherheit sagen“, kam es ruhig aus dem Lautsprecher. „Einen Kilometer von uns entfernt liegt eine zylindrische, metallische Substanz von etwa 70 m Länge...!“

Der Fund

Der Captain sah seine Navigatorin an. Dann seinen Wissenschaftsoffizier.

„Könnten Sie das noch mal wiederholen?“

„Eine Röhre oder so etwas. Lang und aus Metall. Sieht nicht wie eine natürliche Formation aus.“

„Das ist...“ Dem Captain fehlten die Worte.

„Spannend?“ fragte DuValle.

„Im höchsten Maße!“ Der Captain wandte sich an seine Brückenoffiziere. „Landefähre 2 vorbereiten.“

„Wofür?“

„Für den Notfall. Unseren Jungs da unten steht eine gefährliche Aufgabe bevor und ich hätte gerne ein Rettungsteam in Bereitschaft. Nur für den Fall.“

DuValle hob die Schultern.

„Was soll das Landeteam denn machen?“

„Das Ding untersuchen, das ist doch klar.“

„Aber...“

„Doktor, es ist das erste Mal, dass wir auf etwas gestoßen sind, das möglicherweise nicht von der Erde stammt. Dies ist unsere erste Chance darauf, Beweise für intelligentes Leben zu finden. Sie wollen doch nicht, dass unsere Crew da unten die Triebwerke anschmeißt und wieder hier rauf fliegt, ohne sich das Ding wenigstens mal angesehen zu haben, oder?“

„Es... es... nein.“

„Gut. Clausen, bringen Sie uns in eine Umlaufbahn über dem Objekt. Harris, Verbindung zur Landefähre.“

„Hier ist die Asimov, Pilot Doyle.“

„Doyle, es geht los. Nehmen Sie eine genaue Sensoranalyse des Objekts vor.“

„Haben wir schon gemacht.“

„Und?“

„Ohne Befund.“

„Könnte es sich bei dem Objekt um das 'Radarecho' handeln, das wir beim Anflug bemerkt haben?“

„Nein, Sir, es ist teilweise im Eis begraben. Wahrscheinlich liegt es hier schon länger.“

„Das stimmt, Captain“, mischte sich DuValle ein, „die Daten von der Oberfläche sind jetzt angekommen. Laut unseren Berechnungen liegt das Ding da schon seit mehr als zehn Jahren.“

„Dann war das andere vielleicht... eine Rettungsmission?“ mutmaßte Clausen.

„Da haben die aber lange gebraucht. Tja, Mr. Doyle, ich fürchte, Sie müssen da jetzt raus.“

„Haben wir uns schon gedacht, Sir. Ito und ich haben unsere Raumanzüge schon an. Wir haben alles so eingestellt, dass Sie unseren Funkverkehr mitverfolgen können.“

„Sehr gut.“ Captain MacAllister nickte befriedigt. Er hatte eine gute Crew. „Ach, Doyle, Ito?“

„Ja, Sir?“

„Viel Glück!“

Durch die Schleuse der Fähre verließen Doyle und Ito den Schutz des kleinen Raumes und traten hinaus in die eisige Welt von Pluto. Der Himmelskörper war zu klein, um eine Atmosphäre zu haben.

„Was ist denn das für Schnee, auf dem wir hier laufen?“ fragte Doyle und sah sich um.

„Gefrorenes Methan“, meinte Ito, der der wissenschaftlichen Abteilung angehörte. Für ihn ging gerade ein Traum in Erfüllung. Einmal einen Fuß auf einen fremden Planeten setzen. Und dann noch einen Beweis für fremdes Leben finden... zwei Träume, möglicherweise. Er war so froh, dass er sich für diese Mission gemeldet hatte. „Wir müssen da lang“, sagte er und deutete nach links. Langsam bewegten sich die beiden vorwärts.

„Ein Kilometer... ist das Luftlinie?“

„Luftlinie ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort – aber ich weiß, was Sie meinen. Warten Sie, gleich müsste es soweit sein.“ Als sie einen kleinen Hügel überquert hatten, konnten sie im Tal vor ihnen, keine hundert Meter entfernt, das Objekt sehen. „Mein Gott“, stieß Ito hervor, „es sieht fast so aus wie ein Raumschiff!“

„Es sieht aus wie eine lange Röhre.“

„Petronia, wir sind jetzt 50 Meter davon entfernt. Bisher keine Reaktion auf unsere Funkbotschaft.“ Ito trug ein Gerät bei sich, das automatisch eine Botschaft des Friedens in verschiedenen Codes aussendete.

„Wir empfangen Ihr Signal klar und deutlich“, sagte MacAllister. „Machen Sie weiter so.“

Als die beiden bis auf zehn Meter an das Objekt herangekommen waren, blieb Doyle plötzlich stehen und deutete Ito an, es ihm gleichzutun. „Ito, bleiben Sie hier“, sagte er. „Ich sehe mich mal um, schaue, ob ich ne Einstiegsluke oder sowas finden kann.“

„Und ich...“

„Sie halten hier die Stellung, für den Fall, dass wir hier nicht allein und die mir nicht besonders freundlich gesonnen sind.“

Doyle trat langsam näher an das Gebilde heran. Es bestand kein Zweifel mehr, es handelte sich um einen künstlichen Gegenstand, auf keinen Fall um etwas Natürliches. Das hier war geschaffen worden, von wem oder was auch immer. Mit einem Schaber versuchte er, etwas von der Außenhaut abzukratzen, aber es gelang ihm nicht. Auch eine spektroskopische Analyse blieb erfolglos.

„Jedenfalls ist es nicht von hier“, murmelte er. „Völlig fremdartige Zusammensetzung.“ Vorsichtig ging er um das Objekt herum. Nirgendwo war eine Luke zu sehen oder ein Fenster oder ein Schott. Es gab nicht mal die Spur einer Ritze in der Oberfläche. „Hier ist nichts. Ito, können Sie auf Ihrer Seite vielleicht ein Schott sehen?“ Doyle wartete und sah sich das Ding der Länge nach an. Keine Spur von einem Einschnitt. „Na, Ito, was ist?“ Wieder wartete er. Ito musste sich auf der anderen Seite des Objektes befinden. „Ito?“ Keine Antwort. Hektisch begann Doyle, um den Zylinder herumzulaufen. Seine automatische Kamera fing dabei etwas ein, das er in seiner Eile völlig übersah. „Doyle an Petronia, ich habe keine Verbindung mehr mit Ito. Doyle an Petronia, ich wiederhole, ich habe keine Verbindung mehr mit Ito.“ Er blieb stehen. „Petronia, können Sie mich hören?“ Nicht einmal Rauschen beantwortete seine Frage. Hastig setzte er seinen Weg um den Zylinder fort, doch wo er Ito verlassen hatte, fand er – niemanden! „Ito!“ brüllte er in sein Helmmikro. Keine Antwort. „Oh Gott, ich bin abgeschnitten. Ito ist verschwunden, keine Verbindung mit dem Schiff...“ Niedergeschlagen setzte er seinen Weg zu der Stelle fort, an der er Ito verlassen hatte.

Plötzlich sah er aus dem Augenwinkel eine Bewegung. Blitzschnell drehte er sich um. Im Schatten des fremden Objekts bewegte sich etwas. Etwas, das etwa so groß war wie er selbst. Doyle brach der Schweiß aus. „Ito, sind Sie das? Ito, verdammtnochmal, antworten Sie!“

„Doyle?“ Das war nicht Ito. „Doyle, waren Sie das gerade?“

„Captain?“

„Wir dachten, wir hätten Sie verloren. Plötzlich war der Kontakt mit Ihnen abgebrochen.“

Doyle sah zu der Figur, die sich aus dem Schatten des fremden Dings löste. Es war Ito.

„Ito, wo waren Sie denn?“

Keine Antwort.

„Ito, wo haben Sie gesteckt?“

Schweigen in seinem Kopfhörer.

Misstrauisch sah Doyle der Gestalt entgegen, die nun langsam auf ihn zu kam. War das wirklich Ito? Vorsichtig wich er einen Schritt zurück. Dann plötzlich...

„...ie die ganze Zeit gesucht. Doyle, können Sie mich hören? Ich habe Sie die ganze Zeit gesucht.“

„Mich gesucht?“

„Ich höre Sie. Plötzlich war die Verbindung mit Ihnen weg und nachdem auch das Schiff nichts mehr von Ihnen gehört hat, meinte der Captain, ich sollte mal nach Ihnen suchen.“

Doyle hatte eine Idee. „Das könnte... bleiben Sie mal da stehen.“

„Hier?“

„Ja, ganz genau.“ Doyle ging langsam auf den Zylinder zu, während er laut zählte: „Eins, zwei, drei, vier, fünf, se...“

Ito winkte ihm zu. Doyle blieb stehen, sagte etwas und trat dann wieder einen Schritt vor. „...icht gehört?“

„Bei 6 habe ich die Verbindung verloren.“

„Also verhindert der Zylinder die Übertragung von Funkwellen.“

„Sieht ganz so aus.“

„Die Frage ist: Warum?“

„Ich glaube nicht, dass wir das heute noch klären werden.“

„Das glaub ich auch nicht. Haben wir genügend Bilder gemacht?“

„Ich denke, das haben wir.“

Die beiden machten sich auf den Rückweg zur Fähre.

„Was meinen Sie, ist das eine Station? Oder eine Sonde?“

„Ich habe nicht die geringste Ahnung. Wenn wir Pech haben, ist es nur eine intergalaktische Mülltonne.“

„Wer würde sowas auf einem so kleinen Planeten absetzen?“

„Vielleicht wussten die nicht, dass Pluto gar kein Planet mehr ist?!“

„Ja. Nehmen wir noch ein paar Bodenproben und dann nichts wie weg hier.“

Bevor sie abflogen positionierten die beiden noch ein paar Kameras und Sensoren um den Zylinder herum. Auf die Weise konnten Sie das Ding ein wenig im Auge behalten.

Die Petronia verließen die Umlaufbahn mit Ziel Neptun.

„Captain“, Clausen deutete auf den Bildschirm, „Sie werden es nicht glauben aber...“

„Unser Radarecho ist wieder da?“

„Allerdings.“

„Und das Ding auf Pluto?“

„Liegt noch immer im Eis und rührt sich nicht.“

„Ich habe etwas viel interessanteres gefunden“, meinte DuValle in die Runde.

„Da müssen Sie sich aber wirklich anstrengen!“

Der Captain trat zu dem Wissenschaftler. Auf seinem Bildschirm sah man den Film, den Doyles automatische Kamera aufgenommen hatte. DuValle hatte den Film angehalten und einen bestimmten Ausschnitt vergrößert. Er deutete darauf und sagte fast atemlos: „Finden Sie nicht, dass dieses Symbol auf der Hülle des Zylinders wie die Freiheitsstatue aussieht...?“

Der Bringer der Ausgelassenheit

Auf dem Gesicht von Captain Frank MacAllister zeichnete sich eine Mischung aus Verwirrung, Ungläubigkeit und völligem Unverständnis ab.

„Ist das ein Scherz?“

„Nein.“

„Ein Fehler?“

„Nicht unbedingt.“

„Eine Spiegelung?“

„Möglich.“ Der Wissenschaftler hob die Hand. „Bevor Sie mich weiter fragen: Ich weiß es nicht. Ich kann Ihnen nur sagen: Es ist auf dem Band. Es sieht so aus, als wäre es auf den Zylinder gemalt. Vielleicht ist es nur ein Spiel von Licht und Schatten, das diesen Eindruck erweckt. Vielleicht ist etwas völlig anderes auf die Oberfläche gemalt, das nur durch den Blickwinkel so wirkt wie die Freiheitsstatue. Vielleicht steht auch etwas zwischen Zylinder und Kamera, das in Verbindung mit dem richtig einfallenden Licht einen Schatten dieser Art erzeugt – ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir das eingehend untersuchen werden.“

„Wie eingehend schwebt Ihnen da so vor?“

DuValle stockte. „Ich... ich würde gerne...“

„...noch mal zum Pluto zurückkehren und die Sache vor Ort genauer unter die Lupe nehmen?“ vollendete der Captain den Satz.

„Ja“, sagte DuValle und schob dann nach: „Sir.“

Der Captain seufzte. „Mist, dass wir das nicht früher gefunden haben. Gut, vielleicht können wir das mit den Daten vergleichen, die wir von den Sensoren erhalten, die wir auf Pluto zurückgelassen haben.“

„Da gibt es ein Problem, Sir“, sagte der Funker.

„Und das wäre?“

„Wir bekommen diese Daten nicht.“

„Bitte?“ MacAllister sah ihn ungläubig an.

„Ich habe das nicht bedacht, als wir die Sonden aufgestellt haben. Alle Daten werden mit einem Verschlüsselungscode gesendet, den nur wir kennen, die Erde aber nicht.“

„Ja, soweit sehe ich da noch kein Problem.“

„Das Problem liegt darin, dass die Daten automatisch zur Station 31 gesendet werden.“

„Warum das?“

„So war es immer vorgesehen und ich habe nicht daran gedacht, die Protokolle zu ändern.“

„Das bedeutet, die Daten werden da hin gesendet und gespeichert...“

„...aber niemand kann darauf zugreifen. Die Erde nicht, weil sie unsere Verschlüsselung nicht kennt und wir nicht, weil wir keinen Zugriff auf die Speicher von Station 31 haben.“

„Captain, das Radarecho wird deutlicher“, sagte Clausen.

„Auf den Schirm.“

Der Bildschirm zeigte den Pluto, seinen Mond Charon und einen kleinen Punkt, der kurz auftauchte, wieder verschwand, einen längeren Moment sichtbar blieb, dann wieder verschwand.

„Was halten Sie davon, Clausen?“

„Ich bekomm nur unwesentlich klarere Daten rein als beim ersten Mal. Zwischen 30 und 200 Kubikmeter groß. Vielleicht wirklich nur unser Echo?“ Das Objekt verschwand und tauchte nicht wieder auf. „Wenn es jetzt landet, wäre es interessant, die Daten unserer Sensoren zu erfahren.“

„Dazu müssen wir uns in den Computer von Station 31 einhacken. Und die befindet sich im Orbit um Jupiter. Aktuelle Entfernung?“

„Etwa 1.455.000 km.“

„Nehmen Sie Kurs darauf. Mr. Harris“, der Captain wandte sich an den Funker, „wie gut sind Sie darin, sich in fremde Computer einzuhacken?“

„Ich, äh, es...“ stotterte Harris. „Das ist nicht mein Spezialgebiet.“

„Was ist mit Michaels?“ schlug Clausen vor, „der ist doch unser Computeroffizier.“

„Holen Sie ihn auf die Brücke. Wie lange brauchen wir zum Jupiter?“

„592 Stunden.“

„Und das bedeutet in einer verständlichen Zeit?“

„Fast 25 Tage.“

„Na, dann haben wir ja genug Zeit, uns vorzubereiten. Harris, Sie und Michaels werden eine extrem illegale und ziemlich gefährliche Aktion durchführen müssen. Sie werden sich Zutritt in den Zentralcomputer von Station 31 verschaffen und dann alles so einrichten, dass wir alle Daten unserer Sonden problemlos abrufen können.“

Harris schluckte.

„Keine Sorge, das wird schon klappen.“

„Ich nehme mal an, dass wir dafür nicht an Bord der Station gehen“, murmelte Michaels, der gerade die Brücke betreten hatte. „Und ich nehme auch nicht an, dass die auf der Station merken sollen, dass wir tun, was wir tun und auch nicht, dass wir getan haben, was wir tun werden.“

„Niemand soll wissen, dass wir die Daten abrufen können, ja“, fasste der Captain zusammen.

„Knifflig“, meinte Michaels. „Wieviel Zeit haben wir zur Verfügung?“

„Wenn wir dort sind, etwa eine Stunde.“

„Knifflig“, wiederholte der Computerexperte. „Aber nicht völlig unmöglich. Ich kenn den Typen, der für den Zentralcomputer verantwortlich ist.“

„Guter Mann?“

„Verdankt seinen Job guten Beziehungen.“

MacAllister nickte. Es war das erste Mal, dass ihnen dieser Umstand von Nutzen sein konnte.

Als sie sich dem Jupiter näherten, befahl der Captain, Verbindung mit Station 31 aufzunehmen.

„Senden Sie einen freundlichen Gruß“, sagte er, doch die Antwort fiel etwas weniger freundlich aus.

„Raumschiff Petronia, hier spricht Commodore Murray. Sie haben Befehl, unverzüglich Ihr Schiff zu übergeben und zur Erde zurückzukehren.“

„In der Reihenfolge?“

„Sie stellen eine Gefahr für den Frieden der Menschheit dar.“

„Ich persönlich? Oder auch meine Crew?“

„Falls Sie diesem Befehl nicht Folge leisten, betrachten Sie sich als gejagt.“

„Ähm...“

„Commodore Murray Ende.“

Der Captain seufzte. „Klingt nicht gerade nach einem freundlichen Empfang. Aber vielleicht gibt uns das die Möglichkeit zur Rehabilitation?“

„Sie meinen, Sie wollen das Schiff übergeben?“

„Nicht ohne zu wissen, was dann mit der Crew passiert. Verbindung zur Station aufnehmen.“

„Verbindung steht.“

„Commodore Murray, hier ist Captain MacAllister. Wenn wir das Schiff übergeben... was sind dann die weiteren Pläne?“

„Sie stehen alle unter Arrest.“

„Die ganze Besatzung?“

„Jeder an Bord Ihres Schiffes stellt eine potentielle Gefahr dar...“

„Das ist doch Blödsinn!“

„Captain Bricket von der USS Carter wird Ihnen einen angemessenen Empfang bereiten. Er wird den Jupiter in sieben Stunden erreichen. Stellen Sie sich freiwillig oder wir werden Sie kriegen!“

„Schalten Sie ab“, meinte MacAllister zu seinem Funker. Dann wandte er sich der Brückenbesatzung zu. „Also wir sollen alle hinter Gitter gehen für etwas, das wir nicht getan haben... oder für etwas, das so absurd ist...“ Er schüttelte den Kopf. „Gut, sagen Sie der Besatzung, wer sich freiwillig den Autoritäten stellen will, ich werde ihm keine Steine in den Weg legen. Eine Raumfähre wird die betreffenden Leute zur Raumstation 31 bringen.“

Nach einer halben Stunde hatten sich alle Besatzungsmitglieder der Petronia entschieden. Keiner wollte das Schiff verlassen. Captain MacAllister lächelte.

„Geben Sie mir noch mal Murray“, sagte er.

„Übergeben Sie Ihr Schiff?“

„Nein.“ MacAllister schüttelte den Kopf. „Das ist uns ehrlich gesagt zu dumm!“

„Dann werden wir Sie vernichten, um den Frieden zu sichern!“

„Was den Begriff 'zu dumm' um eine weitere Bedeutung bereichert. Ihnen ist schon klar, dass wir keine Bordwaffen haben? Aber Sie wissen ja...“ MacAllister schaltete ab, da er nicht wusste, was der andere wissen könnte. Viel war es wahrscheinlich nicht. „Okay, Miss Clausen, dann berechnen Sie unseren Anflug doch mal so, dass die uns nicht bemerken. Und versuchen Sie herauszufinden, wo sich die Carter zurzeit befindet. Ich traue diesem Knaben nämlich nicht.“

„Wann rechnet er mit uns?“

„In 10 Stunden. Wir sind aber schon in 5 im Orbit. Harris, Michaels, wie sieht’s aus?“

„Wir sind fertig, Sir“, sagte der Computerexperte. „Wir müssen nur dicht genug an die Station heran, damit ich alle Sicherheitssperren umgehen kann.“

„Sie schaffen das in einer Stunde?“

„Ja, Sir.“

„Na dann wollen wir mal hoffen, dass wir vor der Ankunft der Carter wieder weg sind. Clausen, haben Sie sie schon gefunden?“

„Nein, sie wird durch den Jupiter verdeckt. Vielleicht sind sie ja auch schon da und verstecken sich nur vor uns...“

„...um uns die Überraschung zu bereiten, die wir für sie vorgesehen haben. Wo war die Carter, als wir die Erde verlassen haben?“

„Im Erdorbit, zur Inspektion.“

„Sie kann die Strecke zum Jupiter in knapp 9 Tagen schaffen. Dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie erst jetzt hier auftaucht.“ Er wandte sich an den Computerexperten. „Michaels, können Sie Ihr Programm auch von einer Fähre aus senden?“

„Ja, Sir.“

„Gut. Vielleicht kriegen wir Sie doch unbemerkt in die Nähe der Station. Wenn die uns sehen, werden sie auf die Fähre wahrscheinlich gar nicht achten.“

„Captain“, Clausen wirkte missmutig, „wir sind der Carter völlig schutzlos ausgeliefert.“

„Ja, ich weiß.“ Er dachte einen Moment nach. „Sagen Sie dem Chefingenieur, er soll die Nutzlast bei drei unserer Sonden durch Sprengkapseln ersetzen. Das ist im Moment alles, was wir tun können.“

Fünf Stunden vor ihrem angekündigten Erscheinen schwenkte die Petronia in einen Orbit um Jupiter ein. Der Orbit war so berechnet, dass sie in die Nähe des Mondes Europa kamen, in dessen Schutz die Raumfähre das Schiff verlassen konnte. Dann entfernte sich die Petronia wieder, gut sichtbar für die Sensoren der Station.

„Captain, die Station meldet sich.“

„Wie erwartet.“

„Captain MacAllister, hier spricht Commodore...“

„Ich weiß, was wollen Sie?“

„Wir haben Sie im Ziel. Wenn Sie nicht beidrehen und Ihr Schiff übergeben, werden wir Sie vernichten!“

„Auf die Entfernung?“

„Wir sind mit den neusten Betastrahlern ausgerüstet.“

MacAllister warf Dr. DuValle einen fragenden Blick zu, doch der schüttelte nur beschwichtigend den Kopf.

„Mein lieber Murray, Ihnen ist der Begriff Laserprojektor doch sicher ein Begriff. Wir haben zwei Stück davon an Bord und wir hatten genügend Zeit, die inzwischen zu installieren.“ Warum hatten sie es nur nicht getan? „Sollte es also zu Kampfhandlungen kommen, dann ziehen Sie den Kürzeren.“ Er kappte die Verbindung. „Beidrehen und auf Rendezvouskurs mit der Fähre gehen. Die sollten langsam mit ihrer Übertragung fertig sein.“

„Treffen mit der Fähre in... 23 Minuten.“

„Gut.“

„Da nähern sich mehrere Raumfahrzeuge von 38 Grad.“

„Nicht so gut. Identifizierung?“

„Die USS Carter, die USV Brodski, die USS Lincoln und die STM Pisa. Die haben wohl alle auf uns gewartet.“

„Freundlicher Empfang. Die schnellsten Schiffe des Sonnensystems. Wir sollten Rennen veranstalten.“

„Dazu wird es kommen.“

„Ja, das fürchte ich auch. Verbindung mit der Fähre.“

„Hier ist Harris, Sir.“

„Wie weit sind Sie?“

„Wir sind fertig, Sir.“

„Sehr gut.“

„Aber wir haben zwei Schiffe auf dem Radarschirm. Die USS Denham und USV Belgrad.“

„Weniger gut. Geben Sie vollen Schub und verschwinden Sie vom Planeten.“

„Verstanden, Sir.“

„Es wird knapp werden. Treffen mit der Fähre?“

„Elf Minuten.“

„Zeit für das Eindocken?“

„Drei Minuten.“

„Wann sind die Schiffe in Schussweite?“

„Zwölf Minuten.“

„Sehr eng.“ Der Captain hatte eine Idee. „Harris, fragen Sie Michaels, ob er in der Station einen… Feueralarm auslösen kann.“

„Welchen Sinn hat das?“ fragte DuValle.

„Nun, ein Feuer ist mit das gefährlichste, was auf einer Raumstation passieren kann. Und wenn ein Alarm ausgelöst wird…“

„…dann werden sofort alle Schiffe in der Umgebung aufgefordert, die Station zu evakuieren.“ DuValle nickte anerkennend.

„Harris?“

„Wir versuchen es, Sir.“

„Vier Minuten dreißig Sekunden bis Schussweite.“

MacAllister klopfte auf seiner Konsole herum. Er war nervös.

„Fähre bereit zum Eindocken.“

„Rein damit.“

„Station ruft Schiffe zurück. Drei der Schiffe drehen ab. USS Denham und USV Belgrad ändern ebenfalls den Kurs.“

„Hätte mich auch gewundert, wenn Bricket sich durch sowas irritieren lassen würde.“

„USS Carter eröffnet Feuer, Sir.“

„Treffer?“

„Sie befindet sich noch außerhalb der Schussweite.“

„Sehr gut. DuValle, schießen Sie die vorbereiteten Sonden ab. Vielleicht irritiert ihn das ja ein bisschen.“

„Fähre gedockt, Sir.“

„Volle Kraft voraus.“

„Wohin?“

„Zum Mars.“

„Kurs ist berechnet. USS Carter hat unsere Sonden mit ihren Lasern zerstört... und setzt die Verfolgung fort.“

„Soll sie. Verbinden Sie mich mit dem Kapitän.“

„MacAllister!“ Auf dem Bildschirm erschien ein gerötetes Gesicht. „Geben Sie auf, Sie haben keine Chance!“

Der Captain lächelte und sagte ruhig: „Das wollte ich auch gerade sagen.“ Dann schaltete er ab.

DuValle winkte ihn zu sich herüber. „Captain, sehen Sie sich das mal an. Wir bekommen jetzt die Daten vom Pluto.“

Der Captain seufzte. „Sie werden mir doch nicht sagen wollen, dass die da jetzt eine Freiheitsstatue gebaut haben?“

„Nein. Sie haben uns lediglich die Möglichkeit genommen, etwas mehr über sie herauszufinden.“ Er deutete auf den Bildschirm. Der Zylinder, das einzige Artefakt einer fremden Zivilisation das die Menschheit jemals zu Gesicht bekommen hatte, war verschwunden!

Der Gott des Krieges

Mars, der rote Planet mit seinen ausgetrockneten Flussbetten, die man vor vielen Jahren für Kanäle, für Anzeichen einer alten Zivilisation gehalten hatte, mit seiner Bergformation, die aus der Luft betrachtet wie ein Gesicht aussah, mit all seinen Eigenschaften, die schon oft den Stoff für Zukunftsgeschichten geliefert hatten. Nun nahm dieser Planet, der äußere Nachbar der Erde, auf dem Bildschirm mehr und mehr Gestalt an.

„Nun, Doktor“, wandte MacAllister sich an DuValle, „was können sie uns über den Mars erzählen?“

„Außer, dass er die Autoren immer wieder zu Geschichten inspiriert hat?“

„Ja, das wissen wir schon.“

„Seine Atmosphäre besteht zu 95% aus Kohlendioxid, 3% Stickstoff, 1.5% Argon, 0.3% Sauerstoff sowie Spuren von Wasserdampf, Krypton und Xenon.“

„Aha.“

„Im Äquatorialbereich liegen die Temperaturen zwischen +16 und +24 Grad Celsius, an den Polkappen zwischen -120 und -130 Grad. Die Oberfläche setzt sich zusammen aus 12-16% Eisen, 13-15% Silicium, 3-8% Calcium, 2-7% Aluminium und 0.5-2% Titan. Es gibt Vulkane, ausgetrocknete Flussbetten und ein Sonnentag dauert dort 24 Stunden 39 Minuten und 35 Sekunden. Die beiden Monde heißen Phobos, das ist der längliche, der von West nach Ost rotiert, und Deimos, der rundlichere.“

„Vielen Dank.“

„Das ist noch nicht alles“, fuhr der Wissenschaftler fort. „Es gibt zwei Raumstationen, eine militärische und eine wissenschaftliche. Auf der Oberfläche befinden sich die Stützpunkte Mars 1 und Mars 3.“

„Was ist mit Mars 2?“

„Der wurde durch einen Meteoriteneinschlag zerstört. Commander Coster und seine ganze Besatzung kamen dabei ums Leben.“

„Wann sind wir da?“

„In gut dreieinhalb Stunden.“

„Gut, dann nutz ich die Zeit, um mal etwas über unseren außerirdischen Fund in Erfahrung zu bringen.“

„Bitte nennen Sie es nicht so“, murmelte DuValle.

„Warum nicht?“

„Es... wir haben es nicht, also ist es kein Fund. Und da wir es nicht haben, werden wir vielleicht nie herausfinden, ob es wirklich außerirdisch war.“

MacAllister blieb stehen. „Sie meinen, jemand hat sich die Mühe gemacht, vor zehn Jahren einen Prototyp zu starten, damit zum Pluto zu fliegen, ohne dass irgendwer was davon mitbekommen hat und dann hat er es zufällig erst zu dem Zeitpunkt geschafft, als es Zeugen gab, den Prototyp zu bergen?“

„Ist das so undenkbar? Ich meine, dass man es geheim halten wollte? Immerhin ist dieses Schiff auch ein Prototyp und das erste was passiert ist, war, eine Krise auszulösen. Vielleicht wollte man genau so etwas vermeiden.“

„Guter Punkt. Schauen wir, was uns die Historiker sagen.“

Die Historiker waren nur einer und der hieß Calloway, war Professor und Humor war nicht unbedingt seine starke Seite. Als der Captain in sein Labor trat, sah er mäßig interessiert auf.

„Soll das ein Witz sein?“

„Das war auch meine erste Frage.“

„Was war die Antwort, die Sie bekommen haben?“

„Wenn es einer war, dann keiner von uns.“

„Das Band ist also echt.“

„Das Band ja. Was ist mit der Abbildung?“

„Könnten unglückliche Lichtverhältnisse sein.“

„Lässt sich das feststellen?“

„Nein.“ Der Professor schüttelte den Kopf. „Ob es wirklich da drauf ist oder nicht lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.“

„Was ist mit den Sonden?“

„Die zeigen auch nicht viel.“

„Wieviel ist nicht viel?“

„Nicht viel.“

„Im Sinne von sehr wenig.“

„Sogar noch weniger.“ Der Captain war kurz davor, die Geduld zu verlieren, doch Calloway fügte hinzu: „Sehen Sie selbst.“ Der Historiker schaltete auf Wiedergabe und auf dem Bildschirm erschien das Bild des Zylinders. Nach einiger Zeit, in der sich nicht das Geringste ereignet hatte, gab es eine kurze Bildstörung und dann war das Bild der Landschaft so klar wie vorher – nur, dass der Zylinder verschwunden war.

„Das ist alles?“

„Alles, was wir haben. Wenn man den Timecode vergleicht, dann sieht man, dass die Aufnahme gestört wurde. Aber nicht für lange.“

„Das heißt also, dass das Rätsel des Plutos ein solches bleiben wird. Schade. Was haben Sie über die Freiheitsstatue herausbekommen?“

„Sie war ein Geschenk der Franzosen an die...“

„In unserem aktuellen Fall?“

„Da kann ich nur spekulieren.“

„Na dann strengen Sie sich mal an.“

„Falls es wirklich Außerirdische waren und falls die wirklich die Freiheitsstatue auf ihr Ding da gepinselt haben, dann kann das einiges bedeuten. Vielleicht hat ihnen die Form gefallen? Vielleicht kannte man die menschliche Geschichte und das Objekt war gleichermaßen als ein Geschenk der Freundschaft gedacht – was allerdings die Frage aufwirft, warum man es wieder mitgenommen hat? Vielleicht bemalen sie ihre Schiffe auch gerne mit Dingen, die sie erobern oder vernichten wollen? Vielleicht war es aber auch einfach nur reiner Zufall!“

„Das sind ganz schön viele Vielleichts!“

Der Historiker hob die Schultern.

„Mehr als Theorien kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht anbieten. Vielleicht stammt das Objekt auch von der Erde, von einer Firma, die die Freiheitsstatue als ihr Logo verwendet. Ich habe das mal durch den Computer laufen lassen, habe aber nichts gefunden.“

„Das ist alles ein bisschen viel Aufwand für einen Scherz“, seufzte der Captain. „Und beweisen lässt sich davon auch nichts.“

„Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht einmal mit Sicherheit beweisen, dass es überhaupt da war. Oder dass es nicht mehr da ist!“ Der Wissenschaftler hob die Schultern. „Wir sitzen ziemlich auf dem Trockenen.“

„Tja, so oder so werden wir wohl noch mal zum Pluto zurückkehren müssen.“

Aber das würde noch ein wenig warten müssen. Zunächst mal mussten sie sich mit dem Mars auseinandersetzen. Denn von dort wurden sie gerufen.

„Es ist Doktor Wilbeck, von der Hawking.“

„Ist das die wissenschaftliche oder die militärische...“

„Die wissenschaftliche natürlich.“

„Wie heißt die andere?“

„Patton, Sir.“

„Ja, da ist alles klar. Stellen Sie durch.“

Der Captain sah auf den Bildschirm, auf dem nun das Gesicht eines jungen Mannes erschien.

„Guten Tag, Captain MacAllister“, sagte der. „Mein Name ist Wilbeck.“

„Kommt mir irgendwie vertraut vor.“

„Ich habe an der Petronia mitgearbeitet.“

„Ah. Gutes Schiff.“

„Vielen Dank.“

„Sie wollen mir sicher sagen, dass wir uns ergeben sollen und dass Sie uns abschießen, wenn wir...“

„Nein, Captain.“

„Nein?“ MacAllister wirkte erstaunt.

„Wir sind Wissenschaftler, Captain. Wir... wir sind die Art Menschen, für die die Petronia gebaut wurde. Dass die Militärs sie jetzt für ihre Ziele missbrauchen wollen, sehen wir sehr kritisch. Und mit Missfallen. Deswegen möchten wir Ihnen anbieten, bei uns anzudocken.“

„Wird das die Patton nicht sehr ärgern?“

„Es gibt hier nur vier Shuttles, und zwei davon gehören uns. Die können also nicht viel unternehmen.“

„Tja, ich würde sagen, wir nehmen Ihr Angebot dankend an.“

Der Captain lehnte sich in seinem Sessel zurück. Endlich mal ein Silberstreif am Horizont.

Die Raumstation Hawking war etwa 500 Meter lang und uferte in mehreren Ausbauten aus. Es gab Andockstellen, Solarkraftwerke, Wohntrakte, Treibstofftanks und Manövriertriebwerke. Die Labors für gefährliche Experimente hatte man in einem abgelegenen Arm der Station untergebracht. Die Hawking war rein wissenschaftlich und sie war neutral.

Weit unter ihnen auf dem Mars konnte man einen dunklen Fleck erkennen, der in den letzten drei Jahren um mehr als die Hälfte gewachsen war. Es war kein Krebsgeschwür, das sich in den Planeten hineinfraß, es war etwas vom Menschen geschaffenes: die Marsstadt! Im Gegensatz zur Raumstation war sie jedoch nicht unabhängig.

Als die Petronia an der Station angedockt hatte, trafen sich der Captain und sein Chefingenieur an der Luke mit Dr. Wilbeck. Der lächelte, als er die beiden sah.

„Na, wie gefällt Ihnen das Schiff?“

„Ich bin sehr zufrieden“, sagte der Captain.

„Bestens.“ Meinte der Ingenieur. „Hier und da noch ein paar Kleinigkeiten, aber sonst ist alles in Ordnung.“

„Das mit den Kleinigkeiten hat er mir gegenüber nie zugegeben“, murmelte der Captain.

„Es gibt einige Neuigkeiten“, meinte Wilbeck, während er die beiden durch die Station führte. „Die Marsstadt trägt sich schon seit langem mit der Entscheidung, sich von der Erde loszusagen und unabhängig zu werden. Die Petronia-Krise hat diese Entscheidung ein wenig in die Zukunft verschoben, da dies eine sehr ungünstige Situation für einen solchen Schritt wäre.“

„Das ist verständlich.“

„Es gibt aber noch mehr.“ Wilbeck führte sie in einen kleinen Besprechungsraum. „Vor ein paar Jahren wurde auf einem der Saturnmonde eine kleine Station eingerichtet.“

„Ich glaube, ich habe davon gehört“, nickte der Captain. „Das war auf Dione, richtig?“

„Richtig. Dort arbeiten 45 Menschen.“

„Woran?“

„Das ist das Problem“, sagte Wilbeck ruhig und gab etwas in den Computer ein. „Laut unseren Informationen arbeiten sie an einer Waffe, die möglichst einen ganzen Planeten zerstören soll.“

„Woher wissen Sie das?“

Der Doktor zeigte ihnen eine schematische Darstellung des Saturn. „Sie haben sie getestet. Wie es aussieht, wird Dione in weniger als einem Monat auf den Planeten stürzen.“ Er sah die beiden an. „Die Folgen davon können Sie sich ja wohl ausmalen...!“

Der Bringer alter Zeit

Auf dem Bildschirm sahen die drei die aktuelle Umlaufbahn von Dione. Danach würde der Mond in kurzer Zeit auf dem Saturn aufschlagen.

„Wie kann es zu sowas kommen?“ fragte Captain MacAllister.

„Eine starke Explosion. Sie haben ihr... 'Experiment' getestet. Dabei hat es große Teile des Mondes zerstört und er wurde aus seiner Umlaufbahn geworfen.“

MacAllister lehnte sich auf den Schreibtisch.

„Woher wissen Sie das alles? Ich nehme mal an, diese Informationen sind streng geheim. Besonders das Experiment.“

„Das stimmt.“

„Also warum wissen Sie davon?“

„Eigentlich... Ihretwegen.“

„Bitte?“

Wilbeck lächelte. „Der Computer der Saturn-Station hat, als Sie sich in der Nähe des Planeten befanden, für kurze Zeit verrückt gespielt. Dabei hat er die verschiedensten Daten gesendet. Zufällig waren dabei auch die Informationen über das Dione-Projekt.“

„Wie weit sind die mit dem Experiment?“

„Ziemlich weit fortgeschritten, offensichtlich. Was wir aus den Berichten geschlossen haben, ist, dass sie zwei Versuchsbomben hatten. Eine haben sie gezündet und das hat den Mond aus seiner Bahn geworfen.“

„Und die andere ist noch da!“

„Davon gehen wir aus. Seit der Explosion hat kein Schiff Dione angeflogen. Und wenn der Mond mit dieser Bombe auf dem Saturn aufschlägt...“

„Ich nehme an, Sie haben einen Plan.“

Wilbeck nickte. „Hinfliegen und die Besatzung evakuieren.“

„Und die Waffe?“

„Entschärfen oder zerstören. Der Saturn besteht zu einem Großteil aus Helium und Wasserstoff. Seine Dichte ist so gering, dass sie im Durchschnitt leichter ist als die von Wasser. Wenn er zerstört wird, was würde dann mit seinen Monden geschehen? Oder mit der Umlaufbahn der anderen Planeten.“

MacAllister dachte nach. „Warum kann nicht zum Beispiel die Carter diese Mission durchführen?“

Wilbeck betrachtete die schematische Darstellung von Dione. Der Mond näherte sich mehr und mehr dem Saturn, dann schlug er auf ihm auf. Es folgte eine Explosion, die den ganzen Planeten auseinander riss. „Möchten Sie eine derart gefährliche Waffe in den Händen von Captain Bricket wissen?“

„Gutes Argument. Wann brechen wir auf?“

„Wir?“

„Sie wissen am meisten über dieses Problem, also wäre es sinnvoll, wenn Sie uns begleiten.“

Wilbeck dachte einen Moment darüber nach.

„In Ordnung. Machen Sie Ihr Schiff startbereit, ich bin in einer Stunde bei Ihnen an Bord.“

Einen Tag später löste sich die Petronia wieder von der Station. Die USS Carter befand sich noch immer auf dem Weg zum Mars. In etwa 138 Stunden würden sie den Saturn erreichen. Bis dahin brauchten sie einen Plan, wie sie mit der Besatzung der dortigen Station umgehen sollten. Es war eine Gruppe aus Wissenschaftlern und Militärs. Aus Leuten, die einen Weg suchten, einen ganzen Planeten zu vernichten. Nicht unbedingt die beste Klientel. Es könnte schwierig werden, solchen Leuten ins Gewissen zu reden. Wahrscheinlich lief alles auf Drohungen hinaus – und die gab es auch für die Petronia. Die USS Carter versuchte, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Der Captain nahm den Anruf entgegen.

„MacAllister! Sie sind...“

„Ich weiß. Was wollen Sie, Bricket?“

Die schroffe Unterbrechung schien den anderen zu verunsichern. „Wir werden Ihnen den Weg abschneiden, wenn Sie versuchen, den Mars zu verlassen“, kam es nach einiger Zeit. MacAllister hob überrascht eine Braue. Dann verstand er. Die Botschaft erreichte sie über die Relais der Hawking. Bricket nahm also an, dass sie sich noch immer im Orbit des Mars befanden.

„Ähm, Bricket, das finde ich sehr fair von Ihnen. Warum treffen wir uns nicht einfach auf der Patton und trinken einen miteinander?“

„Was?“

„Ich habe jetzt keine Zeit, mich weiter mit Ihnen zu unterhalten. In diesem Sonnensystem gibt es auch Leute, die arbeiten müssen, wissen Sie? Also viel Spaß auf dem Mars.“

„MacAllister, Sie können nicht so einfach...“

„Harris, bitte stellen Sie in nächster Zeit keine Anrufe mehr durch.“

Der Captain grinste. Dann erinnerte er sich wieder an die Aufgabe, die vor ihnen lag und seine Freude verschwand.

Als sie sich dem Saturn näherten, versuchten sie, Verbindung mit der Forschungsstation aufzunehmen. Die Antwort war relativ schroff.

„Petronia, hier spricht Admiral Dockerton. Sie sind ein Verräter und Ihre Behauptung, Dione hätte seine Bahn verändert, ist aus der Luft gegriffen. Falls Sie sich erhofft haben, durch diese durchsichtige Lüge etwas über unsere Forschung zu erfahren, haben Sie sich geirrt.“

„Ein Admiral?“ seufzte MacAllister. „Ich hatte mit einem Captain gerechnet, eventuell mit einem Colonel. Aber ein so hohes Tier. Das ist kein gutes Zeichen.“

„Und was machen wir jetzt?“ fragte Clausen.

„Wir schicken ihm die Daten, die wir über Dione gesammelt haben – und die Daten, die wir von seinem 'Experiment' haben. Damit er sieht, dass wir mehr wissen, als uns lieb sein kann.“

„Wird er dann nicht denken, wir wollten sein Experiment stehlen?“

„Da haben Sie recht“, stimmte der Captain zu. „Schicken Sie ihm nur die Daten über Dione. Und er soll mit der Erde Verbindung aufnehmen, um ein unabhängiges Gutachten einzuholen.“

„Dann wissen die da aber, dass wir hier sind.“

„Das werden die sowieso früh genug erfahren. Und um die mach ich mir ehrlich gesagt keine Sorgen!“

„MacAllister, ich habe den Bericht von der Erde“, schlug ihm acht Stunden, bevor sie Dione erreichten, die kalte, befehlsgewohnte Stimme des Admirals entgegen. „Der Mond hat tatsächlich seine Bahn verändert. Daran müssen Anarchisten wie Sie Schuld sein.“

„Eher Faschisten wie Sie“, murmelte der Captain leise.

„Wie war das?“

„Es ist wahrscheinlicher, dass Ihre Experimente daran schuld waren“, sagte MacAllister laut.

„Und woher wollen Sie das wissen? Niemand weiß, womit wir uns hier befassen!“

„In den offiziellen Berichten steht 'Minensuche'. Das scheint mir eine frappierend treffende Umschreibung dafür zu sein. Es scheint tatsächlich niemand was darüber zu wissen. Außer in den ganz hohen Kreisen der Regierung und des Militärs, nehme ich an.“

„Nicht einmal die!“ Der Admiral lachte kalt. Dann beendete er die Verbindung.

„Ich werde immer optimistischer“, murmelte der Captain. „Admiral William F. Dockerton...“

„Kennen Sie den Mann?“ fragte Wilbeck.

„Nicht persönlich. Aber ich habe von ihm gehört.“

„Und?“

„Immer optimistischer! Er ist jemand, der dem Begriff 'Fanatiker' eine völlig neue Bedeutung verleiht. Und man hat ihm einen kleinen Außenposten gegeben, auf dem er sich seine eigene kleine Himmelfahrtsbombe bauen darf. Die Raumflotte ist noch viel korrupter, als ich immer gedacht habe.“

„Und was machen wir jetzt?“

„Wir machen es publik. Schicken Sie alle Daten, die wir über sein Projekt haben, unverschlüsselt an alle, Regierungen, Raumstationen, Presse. Jeder soll davon erfahren.“

„Wird ihn das stoppen?“

„Nein, aber wenigstens wird jeder wissen, was hier passiert ist.“

„Captain?“ DuValle sah aus, als hätte er eine schlechte Nachricht. „Ich habe mir die Liste der Vorräte angesehen, die der Admiral in den letzten Monaten angefordert hat.“

„Und?“

„Darunter befinden sich einige Behälter mit Carodin B.“

„Das klingt irgendwie vertraut.“

„Es ist ein sehr starkes Gift... das gerne von Sektenführern eingesetzt wurde.“

MacAllister seufzte. „Und ich werde immer optimistischer!“

Der tote Mond

Noch während die Petronia in eine Umlaufbahn um den Saturn einschwenkte, ließ Captain MacAllister eine Raumfähre startklar machen. Seit ihrem letzten Funkkontakt mit der Station auf dem Saturnmond Dione hatten sie keine Nachricht mehr empfangen. Es herrschte absolute Funkstille. MacAllisters Optimismus hielt sich trotzdem in Grenzen.

„Wenigstens haben sie den Mond nicht gesprengt“, meinte er nüchtern.

„Wie gehen wir jetzt vor?“ wollte Clausen wissen.

„Sie halten die Petronia auf einer Position, von der Sie den Saturn so schnell wie möglich verlassen können, wenn es nötig werden sollte.“

„Und Sie?“

„Ich werde zusammen mit Dr. Wilbeck und Dr. Newman die Fähre nehmen.“

„Dr. Newman?“

„Könnte sein, dass wir da unten einen Arzt brauchen. Oder einen Psychologen. Wahrscheinlich beides!“

„Wollen Sie den Admiral Dienstuntauglich schreiben lassen.“

„Wenn das irgendetwas helfen würde, sofort.“

„Sollten Sie nicht lieber einen bewaffneten Trupp mitnehmen?“

MacAllister schüttelte den Kopf.

„Ich fürchte, an bewaffneten Trupps mangelt es da unten nun wirklich nicht!“

Langsam öffneten sich vor ihnen die Schleusentore, die das Landedeck vor dem Vakuum des Weltraums schützten. Statt des samtenen Schwarz, das nur von den Lichtern der Sterne durchbrochen wurde, füllte der Saturn ihr Blickfeld aus.

„Wie lang bis zu Dione, Doyle?“ fragte der Captain.

„Zehn Minuten.“

„Sagen Sie der Petronia, sie soll den Abstand noch vergrößern.“

„Und was, wenn Sie Hilfe brauchen?“ kam die Stimme Clausens aus dem Lautsprecher.

„Dann sind Sie eh zu weit entfernt. Ich will nicht, dass dem Schiff irgendwas passiert... ganz egal, was uns passiert.“

„Captain?“

„Ja?“

Doyle deutete aus dem Fenster auf den Himmelskörper vor ihnen. „Dione.“

Der Captain genoss den Anblick. Viel zu selten nahm man sich die Zeit, die Schönheit des Weltalls in Ruhe zu genießen. Und auch diesmal hatten sie sie nicht.

„Informationen?“

„Entfernung zum Saturn: 377.500 km, Durchmesser 1120 km.“

„ETA?“

„Drei Minuten.“

MacAllister betrachtete die Sensoren.

„Tja, das hatte ich befürchtet.“

„Was, Captain?“ fragte Wilbeck, der hinter ihnen in der Fähre saß.

„Keine Lebenszeichen von der Station. Kein Funksignal, keine Lichter, keine Positionsleuchten. Sieht so aus, als wäre nur die automatische Lebenserhaltung eingeschaltet.“ Der Captain seufzte. „Infrarotabtastung zeigt keine weiteren Wärmequellen.“ Er drehte sich um und sah die beiden Doktoren an. „Kein Lebenszeichen!“

„Dann werden wir meine Hilfe wohl nicht mehr benötigen“, meinte der Arzt müde.

„Beginne mit dem Landeanflug“, sagte Doyle. „Landetore öffnen sich.“

Als sie gelandet waren, erhob sich der Captain. „Doyle, Sie bleiben bei der Fähre und halten Verbindung mit dem Schiff. Wir... werden uns hier ein bisschen umsehen.“

Langsam verließen sie die Fähre. Die Luft war stickig, abgestanden.

„Wonach riecht das?“ fragte Dr. Newman. „Sind das...“

„Leichen, ja“, bestätigte MacAllister. „Und Schießpulver.“

„Bitte?“ Der Arzt sah ihn fragend an.

„Hier wurde geschossen.“

Dr. Newman wurde mulmig zumute. „Vielleicht hätten wir uns doch bewaffnen sollen.“

„Einem fanatischen Admiral bewaffnet gegenübertreten – guter Plan.“ MacAllister sah sich um. „Wilbeck, was schlagen Sie vor?“

„Nach links geht es zum Hauptreaktor, rechts geht es erst in den Wohnbereich, dann in den Kommandostand und danach in die Labors.“ Er sah auf sein Messgerät. „Im Reaktor scheint noch eine Energiequelle aktiviert zu sein.“

„Hoffen wir, dass es das Notstromaggregat ist. Also los!“

Sie setzten sich in Bewegung. Hinter der ersten Biegung eröffnete sich ihnen der Blick auf die Türen zur Wohneinheit – und auf ein Schlachtfeld. 22 Menschen hatten in diesem Gang den Tod gefunden. Die Hälfte davon trug Uniform.

„Waren wohl nicht alle Wissenschaftler mit dem Beschluss des Admirals einverstanden“, murmelte Newman. „Die wollten wohl keinen Selbstmord begehen.“

„Der Admiral hat seine Truppen geschickt, um alle umbringen zu lassen.“

„Aber sie haben sich gewehrt.“

Sie schauten in die einzelnen Kabinen hinein. Auch dort fanden sich Tote in den Kojen. Insgesamt fanden sie auf diesem kleinen Abschnitt der Station 38 Tote. Alle trugen Namensschilder, das erleichterte die Identifizierung.

Auch die Kommandozentrale erfüllte nunmehr die Funktion einer Leichenhalle. Fünf weitere Körper saßen tot in ihren Sesseln.

MacAllister und Wilbeck sahen sich an.

„Zwei fehlen.“

„Der Chefwissenschaftler...“

„...und der Admiral. Wohl das gefährlichste Duo im ganzen Sonnensystem.“

Wilbeck überprüfte den Computer. Alle Daten über das Projekt Dione waren gelöscht worden.

„Wir hätten Michaels mitnehmen sollen, vielleicht hätte der die Daten wiederherstellen können“, dachte MacAllister laut. „Ich sage der Petronia Bescheid, die soll eine Raumfähre startklar machen...“

„Vielleicht sollte das noch warten“, unterbrach ihn Wilbeck. Er hatte auf einem Bildschirm eine schematische Darstellung der Station aufgerufen. „Da ist etwas...“ Er deutete auf den Schirm. „Es ist nicht der Notstromgenerator. Irgendwas wird mit Strom versorgt, irgendetwas... Externes. Der Chefwissenschaftler war Sprengstoffexperte...“

„...und er ist nicht hier. Und der Admiral wäre verrückt genug, alle, wirklich alle Hinweise auf ihre Erfindung zu vernichten.“

„Was meinen Sie?“ Newman sah von einem zum anderen. „Wovon reden Sie?“

„Die Bombe haben wir nicht gefunden. Aber der Generator versorgt irgendeine Einheit mit Energie. Und ohne Energie kann so eine Bombe nicht hochgehen...“

Das Ticken der Bombe

„MacAllister an Petronia. Wir haben hier sehr wahrscheinlich eine Bombe. Verlassen Sie sofort den Orbit. Doyle, machen Sie die Fähre startklar.“

„Wollen Sie den Mond verlassen?“ fragte der Arzt fassungslos.

„Nein, aber Sie sollten das tun. Doyle wird Sie zur Petronia bringen. Wilbeck und ich werden uns anschauen, ob wir die Bombe irgendwie entschärfen können.“

Sie liefen durch die Gänge der Station, während der Captain weiterhin Befehle in seinen Kommunikator hinein schrie. „Clausen, berechnen Sie einen Kurs, der Sie weit genug vom Saturn mit der Fähre zusammentreffen lässt.“

„Ich weiß nicht...“

„Das ist ein Befehl!“