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Lady Catherine Ashford hat eine ganz besondere Stellung in der höfischen Gesellschaft. Sie ist keine geachtete Adlige und dennoch mehr als nur ein Dienstmädchen. Tagtäglich mit Intrigen, Affären und Klatsch konfrontiert, macht sie sich schon bald durch ihre Schweigsamkeit und Diskretion einen Namen. Bald schon fungiert sie als Überbringerin geheimer Liebesbriefe. In dem großen Geflecht aus Affären, zwischen Königin, Ritter, König und anderer Hofdame, muss sie einen kühlen Verstand bewahren um nicht aufzufallen und vor allem: um keine Briefe zu verwechseln. Besonders heikel wird es aber, als ihr gerade das passiert und sie zudem dem Bruder des exzentrischen Königs auffällt.
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2025
Simone Lilly
A Lady in the Court
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1 – Lady Catherine Ashford
Kapitel 2 – Trompeten und Schatten
Kapitel 3 – Tinte und Schweigen
Kapitel 4 – Zwischen Pferden und Prinzen
Kapitel 5 – Briefe und falsche Flechten
Impressum neobooks
Lady Catherine Ashford hatte sich längst daran gewöhnt, dass ihr Name am Hof mehr ein Flüstern als ein Gruß war. Wenn sie durch die hohen Hallen des Schlosses schritt – jene Hallen, in denen die Wandteppiche von glorreichen Siegen erzählten und der Geruch von Bienenwachs und Parfum in der Luft hing – dann folgten ihr selten offene Blicke. Stattdessen hörte sie hinter sich das leise Rascheln von Roben, geflüsterte Halbsätze, ein unterdrücktes Kichern.„Die Tochter dieses Ashford,“ hieß es, „deren Vater… na, man weiß ja.“Catherine wusste es. Alle wussten es. Ihr Vater hatte vor Jahren in eine Verschwörung gegen die Krone verstrickt ausgesehen – ein halbseidener Handel, eine angebliche Nähe zu einem Rebellenlord. Es war nie bewiesen worden, doch im höfischen Gedächtnis zählte der bloße Verdacht mehr als jedes Urteil. Seitdem haftete an ihr, der Tochter, dieser unsichtbare Schatten.Und doch war sie da – Lady Catherine, Tochter eines Skandalträgers, geduldet, aber niemals wirklich willkommen.Ihre Aufgabe am Hof war ebenso ehrenvoll wie undankbar: Sie diente als Hofdame Ihrer Majestät, Königin Eleanor, und kümmerte sich um all das, was andere nicht bemerken sollten. Offiziell sorgte sie für die Ordnung der königlichen Garderobe, das Anrichten kleiner Festlichkeiten, das korrekte Protokoll. Inoffiziell aber war sie jene, die die Fehler anderer stillschweigend ausbügelte. Wenn ein Brief verschwinden musste, bevor die falschen Augen ihn fanden, wenn zwei sich zur Unzeit in den Gärten trafen, wenn eine Geliebte diskreter werden sollte – dann schickte man Catherine.Sie hatte das Talent, zu schweigen, wenn andere schwatzten, und zu erscheinen, wenn andere verschwinden wollten. Ein Talent, das sie bei Hofe unverzichtbar machte. Ein Talent, das sie aber auch in jene prekären Situationen brachte, die ihr den Ruf einer „grauen Maus mit gefährlichen Ohren“ eingebracht hatten.An diesem Morgen saß Catherine in einem der kleineren Salons des Palastes. Sonnenlicht fiel durch bunt verglaste Fenster und malte goldene und rubinrote Muster auf den Boden. Vor ihr lag ein Stapel Pergamente, die sie ordnete. Ein Bericht über die kommenden Turnierspiele, eine Liste der Gäste für das nächste Bankett, und ein Zettel, der mit roter Tinte beschriftet war:„Unbedingt vertraulich. Sofort der Königin vorzulegen.“Catherine seufzte, als sie das Siegel betrachtete. Sie hatte eine Ahnung, dass „unbedingt vertraulich“ nicht etwa Staatsangelegenheiten meinte, sondern vermutlich eine Herzensangelegenheit – und jene waren meist gefährlicher als alles Politische.„Du siehst schon wieder aus, als würdest du Gift trinken,“ erklang plötzlich eine Stimme hinter ihr.Catherine hob den Kopf und sah in das lachende Gesicht von Lady Margaret Woodville – Meg, ihre treueste Freundin, und zugleich das lauteste Flüstern im ganzen Palast. Meg ließ sich ohne Einladung auf den Stuhl neben ihr fallen, sodass ihre Robe fast die Pergamente vom Tisch fegte.„Wenn ich dich so sehe,“ fuhr Meg fort, „dann frage ich mich wirklich, warum du nicht schon längst ins Kloster geflohen bist. Dort wäre es still, niemand würde Intrigen spinnen, und du könntest so viel beten, wie du willst.“„Ich will aber gar nicht so viel beten,“ erwiderte Catherine trocken. „Und ich fürchte, dort gäbe es trotzdem Menschen wie dich, die nicht aufhören, zu reden.“Meg lachte glockenhell. „Das stimmt. Aber ich wäre ja nur deinetwegen eingetreten. Damit du dich nicht langweilst.“Catherine konnte nicht verhindern, dass sich ihre Lippen zu einem kleinen Lächeln verzogen. Meg besaß die Gabe, selbst die düstersten Gedanken mit einem einzigen Satz in etwas Leichteres zu verwandeln.„Nun,“ sagte Meg und beugte sich neugierig über die Pergamente, „was liegt da so geheimnisvoll auf deinem Tisch? Lass mich raten: ein geheimes Rezept für die königliche Pastete? Oder vielleicht… eine Einladung zum Rendezvous mit Sir William? Man munkelt ja, er sei überaus charmant.“Catherine legte schnell ihre Hand auf das Pergament mit dem roten Siegel. „Nein, Meg.“„Oh! Dann also etwas Verbotenes.“ Megs Augen blitzten vor Neugier. „Ich schwöre, ich sage niemandem ein Wort.“Catherine lachte leise. „Du würdest es in der nächsten Stunde dem halben Hof erzählen, nicht aus Bosheit, sondern weil du es vergessen würdest, dass es ein Geheimnis war.“Meg zog eine beleidigte Miene, die nicht lange hielt. „Nun, vielleicht. Aber immerhin bringe ich Schwung in dein Leben, Catherine. Sonst würdest du noch selbst zu einem Wandteppich hier verstauben.“Catherine erwiderte nichts darauf, sondern rollte das vertrauliche Pergament sorgfältig zusammen und erhob sich. Ihr Herz klopfte schneller, als sie es in die Hand nahm – denn sie ahnte, dass dies der Anfang eines Tages werden würde, der sich nicht so leise an ihr vorbeischleichen würde wie die meisten anderen.Draußen im Thronsaal erklang in diesem Moment ein Trompetenstoß. Der König ließ sich blicken. Und wenn König Edmund IV. auftrat, bedeutete das stets: Unruhe, Aufruhr – und für Catherine Arbeit.
Der Trompetenstoß hallte durch die steinernen Gänge, gefolgt von dem rhythmischen Stampfen von Stiefeln. Das bedeutete stets dasselbe: König Edmund IV. ließ sich blicken.Catherine schob das Pergament mit dem roten Siegel fester unter ihren Arm, während sie sich mit Meg in den Thronsaal begab. Der Saal war bereits gefüllt: Adelige in farbenprächtigen Gewändern, die wie ein bewegtes Mosaik aus Seide und Brokat wirkten, Hofdamen, die sich an ihre Plätze flüchteten, und Ritter, die ihre Helme in ehrfurchtsvoller Pose hielten.Dann öffneten sich die Flügeltüren.König Edmund IV. trat ein, als ginge er auf eine Bühne, die nur für ihn geschaffen war. Sein Mantel war mit so viel Hermelin besetzt, dass er fast wie ein übergroßes Kissen hinter ihm herzog. Auf dem Kopf thronte eine Krone, die in der Morgensonne funkelte – und die er mit einem kleinen Ruck zurechtrückte, als er merkte, dass sie zu schief saß.„Meine Getreuen!“ rief er mit einer Stimme, die beinahe das Gewölbe sprengte. „Heute ist ein Tag der Freude, der Planung und des Genusses! Ich habe beschlossen, ein Turnier auszurichten! Und zwar –“ er hob den Finger bedeutungsvoll in die Höhe – „mitten im Herbst! Wenn die Blätter fallen und die Lanzen noch kräftiger krachen!“Ein Raunen ging durch den Saal. Ritter nickten begeistert, Höflinge flüsterten, und Catherine konnte deutlich das verhaltene Seufzen einiger Beamten hören, die sofort die Kosten im Kopf durchrechneten.Neben Edmund schritt Königin Eleanor, hoch aufgerichtet, eine elegante Erscheinung in tiefgrünem Samt. Ihr Gang war ruhig, ihr Blick aufmerksam, und jeder in der Halle wusste: Hier war die eigentliche Vernunft im Raum. Während Edmund mit ausladenden Gesten den Turnierplan in den Himmel lobte, reichte Eleanor kaum merklich die Hand nach rechts – und schon trat Catherine vor.„Majestät,“ sagte Catherine, verneigte sich und reichte ihr das Pergament mit dem roten Siegel.Eleanor nahm es mit der Eleganz einer Frau, die seit Jahren Geheimnisse entgegennahm, ohne dass je jemand an ihrem Gesicht ablesen konnte, ob es sich um Staatsaffären oder Liebesgeflüster handelte. Ihre Augen huschten über das Siegel, dann musterte sie Catherine einen Moment lang.„Lady Ashford,“ sagte sie mit dieser kühlen, klaren Stimme, die nie überflüssige Worte verschwendete. „Sie wissen, wie man Vertraulichkeit wahrt?“„Jawohl, Majestät,“ erwiderte Catherine leise.Die Königin nickte kaum merklich, dann schob sie den Brief unter den Ärmel ihres Gewandes. „Gut. Dann behalten Sie dieses Talent bei. Es wird Ihnen nützlich sein.“Catherine verbeugte sich erneut und trat zurück. Doch sie spürte den Blick der Königin noch, als sie längst wieder neben Meg stand. Eleanor hatte etwas Anziehendes, Furchteinflößendes – als könne sie in einem Menschen lesen wie in einem offenen Buch, ohne dass man ein Wort gesagt hätte.„Na?“ flüsterte Meg aufgeregt. „War es das, was ich denke?“„Du denkst immer zu viel,“ murmelte Catherine zurück.„Und du sagst immer zu wenig,“ kicherte Meg, bevor sie sich wieder aufrichtete, um den nächsten Ausruf des Königs nicht zu verpassen.Denn Edmund IV. war inzwischen dabei, eine noch waghalsigere Idee zu verkünden: Er wolle höchstpersönlich an den Turnierspielen teilnehmen – selbstverständlich in der Rüstung, die er seit Jahren nicht mehr getragen hatte.Das laute Klatschen, das durch den Saal hallte, war höflicher Applaus. Aber Catherine hörte, wie ein alter Graf in der hintersten Reihe halblaut murmelte: „Gott bewahre uns vor gebrochenen Knochen und einem König auf Krücken.“Catherine unterdrückte ein Lächeln. Der Hof war ein Theater, und sie wusste genau: Je bunter die Aufführung, desto stiller mussten diejenigen sein, die zwischen den Vorhängen standen.Und heute hatte sie das Gefühl, dass der Vorhang gerade erst zu steigen begann.
Der Palast hatte zu jeder Stunde seine eigene Klangfarbe. Am Vormittag war es das Scharren von Schreibfedern, das Knistern der Feuerstellen und das gedämpfte Tuscheln der Bediensteten, die durch die Gänge eilten. Für Catherine war dieser Teil des Tages der wichtigste, denn er gehörte fast allein der Königin.Königin Eleanor hielt sich in ihrem privaten Schreibzimmer auf, einem Raum, der kleiner und schlichter war, als man von einer Königin hätte erwarten können. Die Wände waren mit hohen Bücherregalen gesäumt, die Fenster ließen schmale Streifen Licht auf den schweren Schreibtisch fallen, auf dem sich Pergamentrollen stapelten. Es war ein Raum, in dem Politik und Geheimnisse gleichermaßen Platz fanden.Catherine trat ein, leise, so wie sie es gewohnt war. Sie trug ein Tablett mit frisch geschärften Federn, Tintenfässern und einem Stapel unbeschriebenem Pergament. „Majestät,“ sagte sie und neigte den Kopf.„Lady Ashford,“ erwiderte Eleanor, ohne vom Brief aufzublicken, den sie gerade entfaltete – jenen mit dem roten Siegel. Einen Augenblick lang herrschte absolute Stille. Nur das leise Knacken des Feuers war zu hören, während die Augen der Königin über die Zeilen glitten.Catherine nutzte die Gelegenheit, um die Pergamente ordentlich neben dem Schreibtisch zu stapeln, die Tintenfässer zu sortieren und das Glasfenster zu schließen, das vom Morgenwind offen stand. Sie tat all dies unauffällig, wie immer. Sie war eine Hofdame, ja – aber in solchen Momenten kam sie sich mehr wie eine Schattenfigur vor.„Lesen Sie eigentlich viel, Lady Ashford?“ fragte Eleanor plötzlich, noch immer ohne den Kopf zu heben.Catherine blinzelte überrascht. „So viel, wie es mir die Zeit erlaubt, Majestät.“„Hm.“ Ein knappes Summen, das nicht erkennen ließ, ob es Zustimmung oder bloß Gedanken waren. Dann, nach einem weiteren Moment, faltete die Königin den Brief sorgfältig zusammen und griff nach einer Feder. „Nehmen Sie bitte ein weiteres Blatt zur Hand. Ich werde antworten.“Catherine tat, wie ihr befohlen, und reichte der Königin ein frisches Pergament. Eleanor begann zu schreiben, ihre Handschrift war streng und präzise, jeder Buchstabe ein Befehl. Catherine hielt währenddessen das Tintenfass ein Stück näher, damit die Feder nicht stockte.Sie wagte keinen Blick auf den Inhalt des Briefes. Aber die Stille zwischen ihnen sprach Bände.Eleanor bemerkte ihr Zögern. Sie legte die Feder kurz beiseite und sah Catherine an – ein Blick, der messerscharf und zugleich prüfend war. „Sie lesen nicht, was ich schreibe?“„Nein, Majestät,“ antwortete Catherine rasch.Die Königin nickte leicht, als habe sie genau das erwartet. „Gut. Manchmal ist Nichtwissen wertvoller als jedes Wissen. Sie verstehen das, nicht wahr?“Catherine spürte, wie ihr Herz schneller schlug. „Ja, Majestät.“
