In den Fängen eines Mordfalls - Simone Lilly - E-Book

In den Fängen eines Mordfalls E-Book

Simone Lilly

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Beschreibung

Moni und Joshua sind Nachbarn in einem großen Wohnhaus, und können sich nicht ausstehen. Sie ist strenge Büroangestellte, er liebt Yoga. Jeden Tag gibt es Streit - erst recht ebenfalls mit der alles kontrollierenden Nachbarin, die sogar die Biotonne auf der Suche nach Regelverstößen durchsucht. Doch eines Nachts ist Schluss: die Nachbarin plötzlich tot in ihrer Wohnung. Moni und Joshua, die nur wenige Stunden zuvor einen Streit mit ihr hatten, stehen nun unter Verdacht. Widerwillig müssen sie sich nun zusammentun, um den wahren Mörder zu finden. Ihre sehr naiven, unbeholfenen und total verlorenen Ermittlungsmethoden kommen nicht nur immer zufällig der Polizei in die Quere, sondern führen sie bald schon mehr zueinander. Zufällig geraten sie jedoch auf die richtige Spur. Wer könnte es auf die Nachbarin abgesehen haben? Und, hatte es überhaupt jemand auf die Nachbarin abgesehen?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 89

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Simone Lilly

In den Fängen eines Mordfalls

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1 – Die Hausgemeinschaft

Kapitel 2 – Frau Gundlach regelt die Welt

Kapitel 3 – Streit im Schein der Straßenlaterne

Kapitel 4 – Die Nacht der Geräusche

Kapitel 5 – Der Morgen danach

Impressum neobooks

Kapitel 1 – Die Hausgemeinschaft

Das Haus in der Lindenstraße 27 war alt genug, um Charme zu haben, aber jung genug, um noch keine romantische Patina zu besitzen. Die Mauern waren grau, der Putz bröckelte an einigen Stellen, und die Briefkästen im Eingangsbereich klemmten regelmäßig. Doch die Mieter schworen, dass es hier „eine ganz besondere Atmosphäre“ gäbe. Zumindest sagte das Frau Gundlach gern, die sich als inoffizielle Hausvorsteherin betrachtete.Moni Winter schwor eher auf verschlossene Türen und gute Kopfhörer, um diese „Atmosphäre“ nicht allzu intensiv spüren zu müssen. Sie wohnte seit drei Jahren in ihrer Zweizimmerwohnung im dritten Stock. Praktisch, ordentlich, solide – genau wie sie selbst.Gegenüber von ihr wohnte allerdings das absolute Gegenteil von solide: Joshua Berger. Oder, wie er sich auf dem Flyer im Hausflur nannte: Surya Anand – Yoga für Balance und Frieden.Jedes Mal, wenn Moni den Flyer sah, musste sie ein Würgen unterdrücken.An diesem Dienstagmorgen begegneten sie sich wie so oft zufällig im Treppenhaus. Moni war auf dem Weg zur Arbeit, in ihrer makellos gebügelten Bluse, einer dunkelblauen Stoffhose und mit der Aktentasche unter dem Arm. Joshua hingegen kam gerade barfuß aus seiner Wohnung, eine Yogamatte über der Schulter, die Haare zerzaust, als hätte er gerade eine intensive Sitzung mit seinem Kissen hinter sich.„Ah, Moni.“ Seine Stimme war so weich, dass sie fast ölig klang. „Du wirkst heute wieder besonders angespannt. Hast du mal darüber nachgedacht, meine Morgenmeditation auszuprobieren? Sie könnte deinen Energiefluss befreien.“Moni blieb auf der Treppe abrupt stehen. „Mein Energiefluss funktioniert hervorragend, danke. Der einzige Stau darin entsteht, wenn ich dich im Flur treffe.“Er lächelte breit, als hätte sie ihm ein Kompliment gemacht. „Sarkasmus ist nur eine Blockade deines Kehlchakras. Aber das ist nichts, was wir nicht lösen könnten. Ich biete auch Einzelstunden an.“„Wunderbar. Und ich biete dir an, Schuhe zu tragen wie ein normaler Mensch.“ Sie deutete mit einem Nicken auf seine nackten Füße, die lässig auf den kühlen Steinfliesen standen.Joshua zuckte mit den Schultern. „Schuhe engen nur ein. Barfuß spürt man die Verbindung zur Erde.“„Oder man spürt den Fußpilz. Aber jedem das Seine.“ Sie wandte sich zum Gehen, doch er rief ihr nach:„Übrigens, ich habe gestern wieder Geräusche aus deiner Wohnung gehört. Du hast doch nicht etwa… gepuzzelt?“Sie blieb kurz stehen, drehte sich langsam um und fixierte ihn mit einem Blick, der einem Menschen mit gesundem Selbsterhaltungstrieb Angst eingejagt hätte. „Das. War. Der. Fernseher.“Joshua grinste noch breiter. „Klar. Netflix hat jetzt ein Puzzle-Abo?“Bevor Moni eine angemessene Antwort finden konnte, öffnete sich über ihnen eine Tür. Frau Gundlach, in einem grellgrünen Kaftan, erschien auf dem Treppenabsatz. In der einen Hand hielt sie ein Klemmbrett, in der anderen einen leeren Joghurtbecher.„Entschuldigen Sie bitte, aber wer hat das hier in die falsche Tonne geworfen?“ rief sie, als hätte sie gerade einen Staatsstreich verhindert. „Das ist Plastik, und es lag bei Papier!“Moni stöhnte leise. Joshua hob nur die Hand und rief: „Das Universum sortiert alles irgendwann selbst.“„Das Universum sortiert gar nichts!“ schnauzte Frau Gundlach zurück. „Hier gilt die Hausordnung!“Moni rollte mit den Augen, griff fester nach ihrer Tasche und rauschte an beiden vorbei. Sie wusste genau, dass der Tag in ihrem Büro wahrscheinlich kaum erträglicher werden würde als der, den sie gerade schon im Treppenhaus erlebt hatte.Doch sie ahnte nicht, dass die kleine Hausgemeinschaft schon bald noch ganz andere Sorgen haben würde – Sorgen, bei denen selbst Yogamatten, Puzzleabende und Klemmbretter nichts mehr halfen.

Kapitel 2 – Frau Gundlach regelt die Welt

Frau Heike Gundlach war keine Frau, die man leicht übersah. Selbst wenn sie stumm in der Ecke gestanden hätte – was sie nie tat – hätte ihre Erscheinung genügt, um aufzufallen. Meist schwebte sie in wallenden Kaftanen durch das Treppenhaus, die aussahen, als hätte sie den Inhalt eines Regenbogens über sich ausgegossen. Heute war es ein Orange mit türkisfarbenen Spiralen, dazu große goldene Ohrringe, die bei jeder Kopfbewegung gefährlich klirrten.Seit ihrem Einzug vor fünf Jahren hatte Frau Gundlach das Haus in der Lindenstraße 27 zu ihrer persönlichen Mission erklärt. Sie war die Wächterin des Wohlverhaltens, die Hüterin des Recyclings, die Stimme der Moral. Niemand konnte den Müll hinunterbringen, ohne dass sie ihn dabei verdächtig musterte. Niemand konnte duschen, ohne dass sie später beiläufig erwähnte, wie lange da das Wasser wohl gelaufen sei.„Wissen Sie eigentlich, dass eine einzige Dusche von zwanzig Minuten bis zu 200 Liter Wasser verbraucht?“ hatte sie Moni einmal mit erhobenem Zeigefinger gesagt. Moni hatte darauf nur trocken geantwortet: „Und wissen Sie, dass ich nach einem Tag mit Excel-Tabellen auch 200 Liter brauche, um die schlechte Laune abzuwaschen?“Joshua wiederum war für Frau Gundlach ein ewiges Mysterium – und ein kleines persönliches Projekt.Einerseits regte sie sich regelmäßig darüber auf, dass er im Flur Räucherstäbchen anzündete („Das ist eine Brandgefahr!“). Andererseits sprach sie ihn bei jeder Gelegenheit auf seine „spirituelle Aura“ an und stand mehr als einmal mit einem dampfenden Kännchen „Chakra-Tee“ vor seiner Tür.„Ach, Joshua“, säuselte sie oft, „ich merke, wie Ihre Energie den ganzen Hausflur erfüllt. Ganz warm… ganz vibrierend…“Joshua antwortete dann mit einem höflichen Lächeln und schloss die Tür so sanft, wie es nur ging – aber stets ein winziges bisschen schneller, als es die Höflichkeit gebot.Für Moni war Frau Gundlach eine ständige Quelle stiller Verzweiflung. Nicht nur wegen der Müllkontrolle, sondern auch wegen der kleinen Zettel, die regelmäßig im Treppenhaus auftauchten.Bitte beim Wäschewaschen die Maschinen nicht überladen!Der Aufzug ist kein Lastenaufzug. Einkäufe sind kein Lastgut!Achten Sie bitte darauf, dass beim Staubsaugen keine Geräusche nach 20 Uhr entstehen.Die Zettel waren immer in makelloser, schnörkeliger Handschrift verfasst und meist mit einem freundlichen Smiley versehen, der die Botschaft jedoch nicht im Geringsten freundlicher machte.Trotz all dieser Eigenschaften wäre Frau Gundlach schwer zu hassen gewesen – zumindest für Außenstehende. Sie war nicht böse, nur… anstrengend. Und vielleicht ein wenig zu überzeugt davon, dass ihr persönlicher Lebensstil der Maßstab für alle sein sollte.„Manchmal“, murmelte Moni, während sie sich an einem Mittwochmorgen im Treppenhaus an Frau Gundlach vorbeiquetschte, die gerade ihre Wasseruhrstände notierte, „wünsche ich mir einfach, dass sie mal einen Tag schweigt.“„Ach, das wäre doch langweilig!“ sagte Joshua, der gerade mit seiner Yogamatte auftauchte. „Stell dir vor, das Universum würde einfach stillstehen. Keine Hinweise, keine Korrekturen, kein erhobener Zeigefinger.“ Er grinste breit. „Das wäre doch wie Urlaub.“Moni verdrehte die Augen. „Wenn das Universum je stillsteht, ist Frau Gundlach garantiert schuld, weil sie die kosmische Mülltrennung falsch gemacht hat.“Sie wusste nicht, wie unheimlich nah sie mit diesem Scherz an der Wahrheit lag.

Kapitel 3 – Streit im Schein der Straßenlaterne

Der Müllplatz hinter dem Haus war nicht unbedingt der Ort, an dem man gern Zeit verbrachte. Es roch nach einer Mischung aus altem Pizzakarton, schalem Bier und einer undefinierbaren Note, die Moni jedes Mal aufs Neue den Magen zusammenzog. Sie hatte sich vorgenommen, ihre Müllbeutel immer so schnell wie möglich abzustellen, ohne groß durchzuatmen.An diesem Donnerstagabend jedoch war Schnelligkeit keine Option.Denn Frau Gundlach stand bereits dort – bewaffnet mit ihrem Klemmbrett, einer Taschenlampe und einem Blick, der selbst einen ausgewachsenen Dobermann eingeschüchtert hätte.„Moni!“ rief sie in ihrem typischen Tonfall, halb freundlich, halb Anklage. „Das da ist Restmüll! Und wo haben Sie ihn hingestellt?“Die Taschenlampe leuchtete direkt auf Monis Beutel, der gefährlich nahe an der Papiertonne stand.„Er steht noch nicht drin“, erwiderte Moni spitz. „Er steht. Ich wollte gerade…“„Absicht zählt auch schon“, schnitt Frau Gundlach ihr das Wort ab. „Man muss achtsam sein. Mülltrennung ist keine Kleinigkeit. Es geht um den Planeten!“Moni ballte die Faust um den Müllbeutelgriff. „Wissen Sie, was auch keine Kleinigkeit ist? Dass Sie jedes Mal hier unten auf der Lauer liegen wie ein schlecht gelaunter Müllschaffner.“Noch bevor Frau Gundlach eine Antwort geben konnte, schlenderte Joshua barfuß (natürlich barfuß) über den Hof. Unter dem Arm trug er eine große Papiertüte. Er wirkte entspannt wie immer – bis Frau Gundlach die Taschenlampe auf ihn richtete.„Und Sie, Herr Berger,“ sagte sie mit einer Stimme, die wie eine schlecht geölte Schere klang, „haben mal wieder Ihre Biomülltüte mit Papier vermischt. Ich habe es gesehen! Zitronenschalen gehören nicht ins Altpapier!“Joshua blinzelte ins grelle Licht, dann zog er die Stirn kraus. „Sie beobachten meinen Müll?“„Ich beobachte alles! Das nennt man Verantwortungsbewusstsein.“„Ich nenne das Stalking.“„Sie nennen es, wie Sie wollen!“ Frau Gundlach stampfte mit ihrem Kaftan-bewehrten Fuß auf. „Aber wenn alle so schlampig wären wie Sie, dann…“„Dann wäre die Erde wahrscheinlich viel entspannter“, unterbrach Joshua und lächelte sein bekanntes, provokantes Lächeln. „Weniger Verbissenheit, mehr Gelassenheit. Schon mal über Achtsamkeit nachgedacht?“Moni konnte nicht anders, sie musste auflachen – ein kurzes, gehässiges Kichern. „Achtsamkeit! Die eine Hälfte der Welt sortiert Müll, die andere atmet gegen Fußpilz an.“„Immerhin atme ich“, konterte Joshua und sah sie herausfordernd an.Innerhalb weniger Minuten war aus einer schlichten Müllentsorgung ein hitziger Schlagabtausch geworden. Frau Gundlach zeterte, Moni schoss sarkastische Pfeile, Joshua provozierte mit seinem ewigen Lächeln. Stimmen wurden lauter, Gesten wilder, und irgendwann warf Moni ihren Müllsack so energisch in die Restmülltonne, dass der Deckel scheppernd zufiel.Und so kam es, dass ein paar Nachbarn, die auf der anderen Straßenseite gerade ihre Hunde ausführten, das Schauspiel mit großem Interesse verfolgten: drei Personen im grellen Kegel einer Straßenlaterne, mitten in einem lautstarken Streit, der zwischen Mülltonnen eskalierte.Es war ein Bild, das sich einprägen sollte.Denn schon am nächsten Morgen war Frau Gundlach tot.

Kapitel 4 – Die Nacht der Geräusche

Es war kurz nach zwei, als Moni von einem dumpfen Poltern aus dem Schlaf gerissen wurde.Sie schrak hoch, das Herz raste. Zuerst dachte sie, jemand habe bei ihr selbst gegen die Wand geschlagen, doch die Geräusche kamen eindeutig von oben. Direkt über ihr: Frau Gundlach.Ein schweres, unregelmäßiges Stampfen, dann ein Scheppern. Als würde jemand einen Stuhl umwerfen.Moni setzte sich aufrecht ins Bett, lauschte angestrengt – und hörte dann… nichts. Nur Stille.„Typisch“, murmelte sie grimmig. „Natürlich muss sie um zwei Uhr nachts Möbel rücken.“Sie schlüpfte in ihre Hausschuhe, band sich den Bademantel um und öffnete die Wohnungstür.Zu ihrer Überraschung ging genau in diesem Moment auch die Tür gegenüber auf.Joshua stand da, barfuß wie immer, mit wirrem Haar, halb geschlossenem Auge und – zu Monis nicht geringer Genervtheit – einem lose um die Hüften geschlungenen Yogakimono, als hätte er gerade noch mitten in einer Meditation gesteckt.„Hast du das auch gehört?“ flüsterte er.