1,99 €
Isabelle Fairfax ist eigentlich nur auf dem Weg zu ihrer eigenen Verlobung. Eine Verbindung, der sie nur wenig abgewinnen kann, die sie jedoch aus finanzieller Not ihrer Familie eingehen muss. Auf der langen Kutschfahrt befindet sich unter den Mitreisenden auch Edward Pembroke. Nicht nur attraktiv, sondern auch wohlhabend. Sie verstehen sich auf Anhieb. Die Situation ändert sich jedoch, als die Kutsche unerwartet auf einer Landstraße strandet und sie alle aufgrund eines Unwetters gezwungen sind, tagelang zusammen in einem abgelegenen Gasthaus zu verbringen. Zeit genug für Isabelle und Edward, sich besser kennenzulernen. Doch als dann ihr zukünftiger Verlobter auftaucht, beginnt für Isabelle eine schwierige Zeit.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 88
Veröffentlichungsjahr: 2025
Simone Lilly
Liebe in der stürmischen Nacht
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1 – Die Reise
Kapitel 2 – Das Gasthaus im Sturm
Kapitel 3 – Ein stilles Mahl
Kapitel 4 – Der Sturm in der Nacht
Impressum neobooks
Die Kutsche ruckelte sanft über den schmalen Landweg, die Räder knarrten im feuchten Erdreich, und ein feiner Nieselregen perlte auf den Fensterscheiben herab. Isabelle Fairfax saß im Inneren, die Hände ordentlich im Schoß gefaltet, und lauschte dem eintönigen Klappern der Pferdehufe. Es war eine gleichmäßige Melodie, die sie beruhigen konnte, wenn sie sich nicht allzu sehr ihrer Gedanken überließ.Die Fahrt hatte am frühen Morgen begonnen, und noch war alles ruhig. Nur die ältere Dame auf der gegenüberliegenden Bank nickte bereits leise vor sich hin, ein Spitzenschal über den Schultern, während ein anderer Herr – ein schwer gebauter Mann mit buschigem Schnurrbart – in einer Zeitung blätterte, die er wohl schon mehrmals durchgelesen hatte.Isabelle hielt den Blick eine Weile auf das beschlagene Glas gerichtet, das träge die Landschaft verschwimmen ließ. Hinter der Scheibe zogen Wiesen und Hecken vorbei, hin und wieder ein vereinzelter Bauernhof. Wie friedlich es doch aussah – als läge die Welt in einem stillen Schlaf, der von der feuchten Kühle des Herbstes bewahrt wurde.Sie wusste, dass sie diesen Anblick vermissen würde. Bald, vielleicht schon in wenigen Tagen, würde sie nicht mehr einfach so durch Felder reisen, sondern in einem prächtigen Haus in London wohnen – als zukünftige Ehefrau eines Mannes, den sie kaum kannte.Ein leises Seufzen entwich ihr, kaum hörbar. Ihr Vater hatte keine Wahl gelassen. Die Familie Fairfax gehörte zwar noch immer zu einem ehrwürdigen Namen, doch der Glanz der vergangenen Generationen war längst verblasst. Schulden lasteten schwer auf dem Gut, und ihre Heirat mit dem wohlhabenden Mr. Greville versprach Sicherheit – für alle, außer für Isabelle selbst.Sie zwang sich, die Lippen zu einem schwachen Lächeln zu krümmen, als hätte sie die Macht über ihre Gedanken zurückgewonnen. Ihre Zofe hatte ihr am Morgen gesagt, wie hübsch sie aussähe: das kastanienbraune Haar kunstvoll hochgesteckt, das Gesicht von der feinen Blässe des Herbstes umhüllt, die blauen Augen von einem leisen Glanz durchzogen. Isabelle empfand wenig Stolz darüber. Schönheit war ein Geschenk, gewiss – aber was nützte sie, wenn sie nur als Währung im Spiel der Heiratsmärkte diente?Die Kutsche schwankte, und der Zeitung lesende Herr räusperte sich vernehmlich. „Diese Straßen, man sollte sie verbieten lassen“, murrte er, ohne jemand Bestimmten anzusehen. Mrs. Harroway – so stellte sich die ältere Dame später vor – öffnete kurz die Augen, nickte in schläfriger Zustimmung und schloss sie gleich wieder. Isabelle musste sich ein kleines Lächeln verkneifen.Sie schlug die Hände fester ineinander. Es war leichter, freundlich zu lächeln, zu nicken, kleine Antworten zu geben, als über das zu sprechen, was ihr Herz tatsächlich bewegte.Und so vergingen die Stunden. Die Kutsche fuhr stetig weiter, das Wetter wurde trüber, der Regen dichter. Isabelle wusste nicht, dass der eigentliche Beginn ihrer Geschichte nicht in London warten würde, sondern bereits auf dieser Straße – inmitten des Sturms, der bald über sie hereinbrechen sollte.Der Regen hatte sich zu einem ungestümen Schauer verdichtet, der gegen die Scheiben prasselte, als die Kutsche plötzlich zum Stehen kam. Der Kutscher rief etwas Unverständliches, dann öffnete sich die Tür, und eine kräftige Böe kalter Luft drang in den warmen Innenraum.Ein Herr stieg hastig ein, den Hut tief ins Gesicht gezogen, den Mantel vom Regen durchnässt. Tropfen perlten von der Krempe, und seine Stiefel hinterließen feuchte Spuren auf dem Boden, als er sich mit einer geschmeidigen Bewegung in das Innere zwängte.„Meine Damen, mein Herr,“ sagte er und verneigte sich knapp, während er sich den Hut vom Kopf zog. Dunkles Haar, leicht zerzaust vom Wetter, kam darunter hervor. „Verzeiht meinen Auftritt – ich wollte dem Regen nicht die Genugtuung geben, mich völlig zu ertränken, also habe ich nur die Hälfte meiner Würde geopfert.“Er schüttelte den Hut, sodass einige Tropfen auf den Boden fielen. Niemand erwiderte sein Schmunzeln. Mrs. Harroway verzog das Gesicht und rückte ein wenig von ihm ab, als hätte allein der Regen ihn anstößig gemacht. Der Zeitung lesende Herr räusperte sich missbilligend und vertiefte sich noch energischer in seine Lektüre.Isabelle jedoch spürte, wie sich unwillkürlich ein kaum merkliches Lächeln an ihre Lippen schlich. Der Tonfall des Fremden war leicht, fast übermütig, und obwohl er offensichtlich keinen Beifall erhielt, schien ihn das nicht im Geringsten zu stören.Er nahm den freien Platz direkt ihr gegenüber ein, legte den Hut neben sich und streifte sich die Handschuhe ab. Isabelle hob verstohlen den Blick, ihre Augen blieben einen Moment länger auf ihm ruhen, als es eigentlich geziemt hätte.Er war älter als sie, gewiss, doch in seinem Gesicht lag eine Lebendigkeit, die sie überraschte. Die Züge waren markant, die Nase gerade, das Kinn fest – und in den graublauen Augen blitzte ein Schalk auf, als würde er ständig auf der Suche nach dem nächsten amüsanten Gedanken sein. Der Regen hatte ihm das Haar zerzaust, und dennoch wirkte er nicht unordentlich, sondern eher, als gehöre diese kleine Spur von Wildheit zu ihm.Isabelle senkte rasch den Blick, als ihre Wangen sich verräterisch erwärmten. Es schickte sich nicht, einen Fremden so eingehend zu mustern. Sie konzentrierte sich wieder auf ihre gefalteten Hände, hörte jedoch, wie er sich behaglich zurücklehnte und tief seufzte, als hätte er sich nach einer langen Schlacht endlich niedergelassen.„Man sagt, das Wetter hier sei launisch,“ bemerkte er in die Runde, „doch ich muss gestehen, ich hatte gehofft, dass es wenigstens gute Manieren besitzt.“Wieder Schweigen. Nur das Rascheln der Zeitung. Isabelle wagte einen raschen Blick – und in dem Moment trafen sich ihre Augen. Nur einen Herzschlag lang, doch es reichte. Ein Schmunzeln huschte über seine Lippen, als hätte er ihre heimliche Heiterkeit bemerkt.Isabelle wandte hastig den Blick ab und starrte auf den grauen Regen vor dem Fenster. Doch ihr Herz schlug ein wenig schneller.Der Fremde – Isabelle hatte seinen Namen noch nicht erfahren – schien gänzlich unbeeindruckt von der frostigen Zurückhaltung der übrigen Reisenden. Gemächlich klopfte er den Tropfen von seinem Mantel, als wolle er das Unwetter eigenhändig in die Kutsche befördern. Jede Bewegung ließ winzige Spritzer auf den Boden fallen. Mrs. Harroway rümpfte hörbar die Nase, der Herr mit der Zeitung schnalzte ungeduldig mit der Zunge.Isabelle jedoch fühlte, wie sich ein unerwartetes Kichern in ihr aufstaute. Es war töricht, unpassend – und doch, ehe sie sich bremsen konnte, war der Gedanke in Worte gefasst:„Wie überaus freundlich von Ihnen, Sir,“ sagte sie, die Stimme sanft, doch deutlich vernehmbar, „dass Sie dem Regen Gesellschaft leisten und ihn nicht draußen im Alleingang frieren lassen.“Einen Augenblick lang herrschte völliges Schweigen. Mrs. Harroway riss die Augen weit auf, als hätte Isabelle eben den größten Fauxpas ihrer jungen Jahre begangen. Der Zeitung lesende Herr blinzelte irritiert über den Rand seiner Lektüre hinweg.Isabelle spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Sie hätte nie geglaubt, dass sie zu einer derart vorwitzigen Bemerkung fähig war – noch dazu in Gegenwart von Fremden. Eilig senkte sie den Blick und tat, als sei sie wieder ganz in die Betrachtung ihrer gefalteten Hände versunken.Doch dann, fast wider ihren Willen, hob sie den Blick für einen Augenblick – und traf auf ein Paar funkelnder Augen. Der Fremde sah sie unverwandt an, und ein breites, aufrichtiges Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Es war kein höfliches, kein gesittetes Lächeln, sondern eines, das unverkennbar verriet, wie sehr er ihre Bemerkung genossen hatte.Isabelle spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Hastig wandte sie den Blick ab, doch das Echo seines Grinsens blieb bei ihr, wie ein geheimes Band, das sich unsichtbar zwischen ihnen gespannt hatte.Der Regen hatte sich in ein wahres Trommelfeuer verwandelt. Tropfen peitschten gegen die Scheiben, Wind pfiff durch jede Ritze, und die Kutsche ächzte, als müsste sie den Sturm allein bezwingen. Die Stimmung im Inneren wurde entsprechend gedrückter: Mr. Smythe – der Herr mit der Zeitung – knurrte etwas über „unerträgliche Straßen“ und „verantwortungslose Kutscher“, während Mrs. Harroway sich ein Spitzentuch fester um die Schultern zog und von Zeit zu Zeit missbilligend in Richtung des nassen Neuankömmlings blickte.Isabelle saß still, den Blick auf die Fensterscheibe gerichtet, wo das Wasser in dünnen Strömen hinabrann. Sie spürte jedoch die Gegenwart des Fremden, jedes Mal, wenn die Kutsche sich neigte und er ein wenig das Gleichgewicht verlagerte. Er hatte seit ihrer Bemerkung nichts gesagt, und doch lag ein unausgesprochener Ton von Heiterkeit in der Luft, als schwebte ihr kurzer Austausch noch immer zwischen ihnen.Plötzlich ruckte die Kutsche heftig zur Seite. Die Pferde schnaubten, und die Räder polterten über einen tiefen Hohlweg. Isabelle verlor den Halt; ein erschrockenes Keuchen entfuhr ihr, als sie nach vorn stolperte. Bevor sie ganz das Gleichgewicht verlor, war eine Hand zur Stelle – kräftig, warm, höflich ausgestreckt.Sie fing sich jedoch im letzten Augenblick selbst, klammerte sich an der Polsterlehne fest und richtete sich hastig wieder auf. „Verzeihen Sie bitte,“ brachte sie hervor, die Wangen erhitzt, „dieser kleine Zwischenfall sollte Sie nicht beunruhigen. Ich habe mich nur… einen Augenblick ungeschickt angestellt.“Der Fremde neigte leicht den Kopf, noch immer mit der Andeutung eines Lächelns. „Wenn dies Ihre Vorstellung von Unbeholfenheit ist, Miss, dann möchte ich nicht wissen, wie vollendet Ihre Anmut in gewöhnlichen Stunden sein muss.“Isabelle fühlte, wie ihre Wangen noch wärmer wurden. Sie senkte den Blick, doch innerlich kämpfte sie gegen ein Lächeln an. Schließlich räusperte sie sich und sprach leise, aber bestimmt: „Isabelle Fairfax. Es ist wohl an der Zeit, mich Ihnen vorzustellen, Sir.“Er verneigte sich leicht auf seinem Sitz, eine Geste, die trotz der Enge der Kutsche überraschend elegant wirkte. „Edward Pembroke. Ganz zu Ihren Diensten, Miss Fairfax.“Ein Moment der Stille folgte, in dem das Dröhnen des Regens lauter erschien als zuvor. Draußen blitzte es in der Ferne, und Isabelle wusste, dass das Unwetter bald ein Maß erreichen würde, das jede Weiterfahrt unmöglich machte. Doch während sie wieder die Hände in ihrem Schoß faltete, spürte sie deutlich, dass die Reise für sie längst eine andere Wendung genommen hatte.Ein Donnerschlag zerriss die Luft so plötzlich, dass die Kutsche erbebte. Isabelle zuckte unwillkürlich zusammen, ihre Finger schlossen sich fester ineinander, und sie versuchte, die Fassung zu bewahren. Doch als der nächste Blitz den Himmel gleißend erhellte, konnte sie den Ausdruck auf ihrem Gesicht nicht länger verbergen.Edward Pembroke, der ihr gegenüber saß, ließ seinen Blick unauffällig über die kleine Gesellschaft schweifen, bis er bei ihr verweilte. Seine Augen schienen den sorgenvollen Zug sofort zu erkennen. Einen Moment lang schwieg er, dann sprach er leiser, nur an sie gerichtet:
