Die unerwartete Erbin - Simone Lilly - E-Book

Die unerwartete Erbin E-Book

Simone Lilly

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Beschreibung

Margaret Armitage besitzt keine Reichtümer, als einfache Tochter eines Landpfarrers. Ihr Leben ändert sich jedoch grundlegend, als sie von ihrer durchaus mehr als wohlhabenden Tante ein herrschaftliches Anwesen und Ländereien erbt. Mehr als ungewöhnlich und doch entschließt Margaret sich dazu, fortan im Haus zu wohnen. Nun plötzlich als ein Teil von Ballsälen, Nachmittagstees und steifen Konversationen, umgeben von Adel, fühlt Margaret sich schnell überfordert. Wie gut, dass ihr direkter Nachbar Jonathan Redgrave ist. Äußerst wohlhabend, natürlich von allen Damen Londons mehr als begehrt und gutaussehend. Als er zufällig auf Margaret trifft und ihre Unbeholfenheit bemerkt, entschließt er sich ihr zu helfen. Sie üben Etikette, üben Tänze und Konversationen. Was sie jedoch nicht üben: was sie tun, wenn sie sich unerwartet ineinander verlieben. Besonders heikel wird es, als der schneidige Captain Beaumont auch noch ein Auge auf Margaret wirft.

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Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Simone Lilly

Die unerwartete Erbin

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Impressum neobooks

Kapitel 1

Der Morgen im Pfarrhaus der Familie Armitage unterschied sich in nichts von all den anderen, die ihm vorausgegangen waren. Ein fahles Licht drang durch die kleinen, bleiverglasten Scheiben des Speisezimmers, die den Blick auf den noch von Nebel umhüllten Garten freigaben. Der Duft von frischem Brot, das die Köchin bereits seit Sonnenaufgang zubereitet hatte, hing in der Luft, doch selbst dieser konnte die gedrückte Stimmung am Tisch kaum erhellen.Miss Margaret Armitage, die älteste Tochter des Hauses, saß schweigend an ihrem Platz und brach sich ein Stück Brot ab, ohne es sogleich zum Mund zu führen. Ihr schlichtes Kleid aus graublauem Wollstoff wies bereits Spuren des häufigen Tragens auf, und das weiße Leinenband, mit dem sie ihr braunes Haar zurückgebunden hatte, war an einigen Stellen ausgefranst. Margaret war kein Fräulein, das die Aufmerksamkeit einer Gesellschaft durch auffallende Schönheit oder kostbare Gewänder auf sich zog. Ihre Züge waren ruhig, beinahe unscheinbar, und doch lag in der Klarheit ihrer grauen Augen ein Ausdruck von Sanftmut und wacher Intelligenz, der denjenigen, der sich die Mühe gab, genauer hinzusehen, unweigerlich fesseln musste.Am Kopfende des Tisches saß Mr. Samuel Armitage, der Hausherr, Pfarrer der kleinen Gemeinde. Er hatte die Gewohnheit, seine Predigtgedanken schon während des Frühstücks in Notizen zu verwandeln, und so war sein Teller nur halb geleert, während die Feder unruhig über das Papier kratzte. Seine Frau, Mrs. Eleanor Armitage, hingegen war weit weniger in Gedanken versunken. Sie schenkte den dampfenden Tee nach und warf besorgte Blicke auf Margaret, als suche sie in deren Gesicht eine Antwort auf Fragen, die sie nicht laut auszusprechen wagte.„Meine Liebe,“ begann Mrs. Armitage schließlich, die Stimme in der verhaltenen Stille etwas lauter als beabsichtigt, „man kann nicht übersehen, dass unsere Lage sich in den letzten Jahren nicht gerade verbessert hat.“Mr. Armitage blickte von seinem Papier auf, runzelte die Stirn und schien für einen Augenblick unschlüssig, ob er diesen Einwurf mit einem Seufzer oder einem theologischen Argument beantworten solle. Schließlich entschied er sich für Schweigen.„Es wäre ein wahrer Segen,“ fuhr seine Frau fort, „wenn Margaret eine… angemessene Verbindung eingehen könnte. Nichts Übertriebenes, versteht sich, doch jemand, der zumindest ein klein wenig… Sicherheit böte.“Margaret senkte den Blick auf ihren Teller. Sie war an diese Worte gewöhnt; sie waren ihr in unzähligen Varianten seit ihrem achtzehnten Geburtstag vorgetragen worden. Gleichwohl versetzten sie ihr jedes Mal einen kleinen Stich.„Mama,“ entgegnete sie sanft, „ich habe mich noch keinem Gentleman als künftige Frau empfehlen können. Und sollte ich auch je eine solche Verbindung eingehen, so darf ich hoffen, dass Zuneigung dabei nicht gänzlich unberücksichtigt bleibt.“„Zuneigung!“ Mrs. Armitage faltete die Hände, als sei dies ein kindischer Einfall. „Zuneigung kann man sich nicht leisten, wenn die Mäntel der Kinder schon im Frühling durchlöchert sind.“Sophia, die achtjährige Schwester, kicherte über diese Bemerkung und zupfte an dem Ärmel ihres eigenen, tatsächlich schon zu kurzen Kleides, während James, der jüngere Bruder, mit einem Stück Brot Krümelburgen baute und den Ernst der Unterhaltung gänzlich übersah.Mr. Armitage räusperte sich und legte schließlich die Feder nieder. „Eleanor,“ sagte er mit bedächtiger Stimme, „der Herr wird sorgen. Wir wollen nicht vergessen, dass eine tugendhafte Tochter ihren Wert nicht allein an der Höhe einer Mitgift bemisst.“„Schöne Worte, Samuel,“ entgegnete seine Frau, „aber Brot und Kohle lassen sich damit nicht kaufen.“Margaret schwieg und nahm einen Schluck Tee, der inzwischen bereits abgekühlt war. Sie dachte an ihre Zukunft, die ihr in diesem Augenblick so unbeweglich erschien wie der Nebel draußen vor den Fenstern. Dass sich ihr Leben schon bald auf eine Weise verändern würde, die keine von ihnen auch nur zu ahnen wagte, hätte sie nicht im Entferntesten geglaubt.Der Nachmittag brachte milderes Wetter mit sich, und Margaret beschloss, einen kurzen Spaziergang in Richtung des Dorfes zu unternehmen. An ihrer Seite befand sich ihre langjährige Freundin, Miss Beatrice Harcourt, die Tochter eines wohlhabenden Landbesitzers. Schon seit ihrer Kindheit verband die beiden ein Band, das weniger durch Zuneigung als durch beständige Nähe geknüpft worden war. Beatrice war in vieler Hinsicht das Gegenstück zu Margaret: immer tadellos gekleidet, von glänzendem Selbstvertrauen erfüllt und nie verlegen, ihre Ansichten deutlich auszusprechen.„Ich hörte,“ begann Beatrice, während sie mit geschmeidiger Bewegung ihr helles Kleid über den feuchten Boden hob, „dass die Familie Cavendish in einigen Wochen einen Ball ausrichten wird. Es wird die Gelegenheit des Frühlings sein. Fast alle jungen Damen aus der Grafschaft werden erscheinen.“Margaret lächelte höflich. „Dann wird es wohl recht lebhaft werden.“„Lebhaft, ja, und vor allem bedeutsam,“ fuhr Beatrice mit glänzenden Augen fort. „Man sagt, Captain Beaumont werde anwesend sein. Du erinnerst dich, ich erzählte dir von ihm – so stattlich, so von Natur aus gewinnend! Und auch Mr. Redgrave wird kaum fernbleiben. Ein Ball, bei dem solche Herren erscheinen, kann kaum ohne Folgen bleiben.“Margaret nickte, doch noch ehe sie etwas erwidern konnte, warf Beatrice ihr einen prüfenden Blick zu, der zwischen Spott und Mitleid schwankte. „Liebste Margaret,“ begann sie süßlich, „verzeih meine Offenheit, doch ich sorge mich manchmal um dich. Wenn du dich weiterhin so schlicht kleidest, wird es schwer sein, die Aufmerksamkeit eines wirklich achtbaren Herrn auf dich zu lenken. Männer sind schließlich nicht blind.“Margaret verspürte ein leichtes Brennen auf ihren Wangen, doch sie ließ sich nicht beirren. „Mode mag ein Auge erfreuen, Beatrice,“ erwiderte sie ruhig, „doch ein Herz gewinnt man nicht durch die Farbe eines Bands oder den Schnitt eines Kleides. Ich setze mein Vertrauen auf Gott; Er allein weiß, wem ich einst anvertraut werde, und ich bete, dass es ein Mann von Güte und Liebe sein möge.“Beatrice lachte hell auf, wenn auch ohne jede Wärme. „Oh Margaret, wie kindlich du doch denkst! Ein Mann voller Güte und Liebe mag eine hübsche Vorstellung für ein Märchen sein, doch in unserer Welt gilt Ansehen und Vermögen weit mehr. Ohne diese Eigenschaften wird keine Ehe bestehen, ganz gleich, wie viel Zuneigung du hineinlegen magst.“„Und dennoch,“ entgegnete Margaret leise, „würde ich ein Leben in Schlichtheit und Liebe jedem Reichtum vorziehen, wenn er von Kälte begleitet wäre.“Beatrice schüttelte den Kopf, als könne sie diesen Gedanken nicht ernst nehmen. „Du wirst sehen, Liebste, wie töricht du sprichst, sobald dir der erste Gentleman den Rücken kehrt, weil dein Kleid nicht nach Londoner Mode geschneidert ist. Ich aber,“ fügte sie mit einem stolzen Lächeln hinzu, „habe vor, nichts Geringeres als eine glänzende Partie zu machen.“Margaret erwiderte nichts mehr. Sie ließ Beatrices Worte unkommentiert in der milden Luft verhallen, während sie den Blick auf den Horizont richtete. Die Sonne brach durch die Wolken und tauchte die Felder in goldenes Licht – ein Trost, der in seiner stillen Schönheit weit mehr zu ihrem Herzen sprach als all die ehrgeizigen Pläne ihrer Freundin.

Kapitel 2

Als Margaret am frühen Abend das Pfarrhaus wieder betrat, lag ein Schatten auf ihrem sonst so offenen Gesicht. Beatrices Worte hallten noch in ihr nach, und obwohl sie sich mühte, deren Spott beiseite zu schieben, lastete er wie ein unsichtbares Gewicht auf ihrem Herzen.Sie war kaum eingetreten, als sie bemerkte, dass ungewöhnliche Unruhe im Hause herrschte. Ihre Mutter eilte ihr entgegen, die Augen leuchtend, die Wangen gerötet, und sogar Sophia und James hüpften aufgeregt umher, als hätten sie ein seltenes Fest zu verkünden.„Margaret!“ rief Mrs. Armitage aus. „Da bist du endlich! Dein Vater wartet im Salon auf dich.“Margaret legte Hut und Handschuhe ab, noch immer ahnungslos, und trat in den kleinen Salon, wo Mr. Armitage an seinem Schreibpult saß. Vor ihm lag ein geöffneter Brief, dessen Siegel bereits gebrochen war. Er erhob sich, als er seine Tochter erblickte, und schien ungewöhnlich bewegt.„Meine liebe Margaret,“ begann er, „soeben erreichte uns ein Schreiben aus Bath. Es betrifft deine Tante und deinen Onkel—die Herrschaften Whitmore.“Margarets Herz zog sich zusammen. „Sind sie…?“„Ja,“ bestätigte Mr. Armitage ernst, „sie sind beide, in kurzem Abstand, verschieden. Möge der Herr ihnen gnädig sein.“Margaret senkte den Blick und sprach ein stilles Gebet für jene Verwandten, die sie nur selten gesehen, doch stets mit Respekt bedacht hatte. „Das ist ein trauriges Schicksal,“ flüsterte sie.Mrs. Armitage trat nun hinzu und konnte kaum die Ungeduld verbergen, die ihre Stimme zittern ließ. „Es ist traurig, ja – und doch, mein Kind, hat ihr Entschluss für dich eine ganz besondere Bedeutung.“Mr. Armitage hob das Blatt und las mit gedämpfter Stimme: „Da die Ehe der Herrschaften ohne Nachkommen blieb, haben sie in ihrem Testament verfügt, dass das gesamte Vermögen, nebst dem Landgut in Derbyshire, auf ihre älteste Nichte, Miss Margaret Armitage, übergehen soll.“Margaret wich einen Schritt zurück, als habe sie sich verhört. „Auf… mich?“„Ganz recht, meine Liebe!“ rief Mrs. Armitage freudig. „Stell dir nur vor! Ein eigenes Landgut, eine stattliche Summe, und all das dein! Dein Leben wird sich von Grund auf verändern.“Doch Margaret, noch immer erbleicht, vermochte diesen Gedanken nicht zu fassen. „Ich? Aber… ich weiß doch nichts von Haushaltungen in solcher Größe, nichts von Gesellschaften oder Bällen. Was werden die Leute sagen? Was soll ich… tun?“„Du wirst tun, was jede anständige junge Dame tun muss,“ entgegnete ihre Mutter lebhaft. „Du wirst dich den neuen Pflichten stellen, und vor allem wirst du endlich die Aussicht auf eine vorteilhafte Verbindung haben! Oh Margaret, welch ein Segen ist uns widerfahren.“Margaret setzte sich auf einen Stuhl, unfähig, die Nachricht sofort zu begreifen. Ein Gefühl der Schwere mischte sich in ihr mit einer leisen, kaum fassbaren Ahnung von Freiheit. Alles, was sie bisher gekannt hatte – die Enge des Pfarrhauses, die ständigen Sorgen der Eltern, die spöttischen Worte ihrer Freundin – war mit einem Mal ins Wanken geraten.Sie sah zu ihrem Vater, der ernst und fast feierlich sprach: „Gedenke stets, meine Tochter: ein Erbe ist nicht allein ein Geschenk, sondern eine Prüfung. Möge dein Herz stark bleiben und dein Handeln gerecht.“Und so begann, ohne dass Margaret es fassen konnte, ein neues Kapitel ihres Lebens.

Kapitel 3

Der Tag der Abreise kam schneller, als Margaret es erwartet hatte. Noch ehe sie recht begreifen konnte, wie sehr sich ihr Leben gewandelt hatte, saß sie in einer schaukelnden Kutsche, die von vier kräftigen Pferden gezogen wurde, und ließ das kleine Pfarrhaus hinter sich. Ihre Mutter stand mit Sophia und James am Gartentor, die Augen feucht, während ihr Vater, die Hand erhoben, ein Segenswort sprach. Margaret winkte, bis die vertrauten Gestalten in der Ferne verschwammen.Sie war allein.Allein mit ihren Gedanken, ihren Zweifeln und den ungezählten Erwartungen, die nun auf ihren Schultern ruhten. Beatrice hatte ihr vollmundig versichert, in einigen Wochen nachzukommen, sobald der Ball der Familie Cavendish vorüber sei – ein Ereignis, das sie auf keinen Fall versäumen wollte. So musste Margaret ihre erste Reise in ein unbekanntes Leben ohne Begleitung antreten.Die Landschaft glitt an den Fenstern vorüber: sanfte Hügel, von Hecken gesäumte Felder, kleine Dörfer mit strohgedeckten Dächern. Je weiter die Reise fortschritt, desto eindrucksvoller wurden die Anwesen, die man am Wege erblickte. Schließlich öffnete sich der Blick auf ein Gut von solcher Größe und Schönheit, dass Margaret unwillkürlich den Atem anhielt.Weitläufige Wiesen dehnten sich bis zum Horizont, durchzogen von alten Baumalleen, und auf einer sanften Anhöhe erhob sich ein Herrenhaus von würdevoller Architektur – helles Steinwerk, hohe Fenster, ein Dach, das in der Sonne glitzerte. Alles an diesem Besitz strahlte eine stille Macht aus.„Redgrave Hall,“ erklärte der Kutscher, der Margarets Staunen bemerkte. „Dem Herrn Jonathan Redgrave gehörig. Manche nennen es das Juwel der Grafschaft.“Margaret senkte verlegen den Blick, als hätte man ihr unwillkürlich einen geheimen Wunsch entlockt. Von Mr. Redgrave hatte sie gehört – von seiner Wohlanständigkeit, seiner Beliebtheit, seinem Vermögen. Nun sah sie mit eigenen Augen, wie stattlich sein Besitz war, und es schien ihr schier unmöglich, dass sie selbst jemals in einer Welt bestehen könnte, die Herrenhäuser wie dieses hervorbrachte.Die Kutsche rollte weiter, und bald darauf hielt sie vor einem Tor, das zu ihrem eigenen Gut führte. Margaret stieg aus, das Herz klopfend. Vor ihr erhob sich ein großes Haus aus hellem Sandstein, mit breiter Freitreppe und hohen Fenstern. Ein gepflegter Garten erstreckte sich davor, wenn auch an manchen Stellen der Ordnungssinn fehlte, den nur eine wachsame Herrin hätte geben können.