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Jonas wurde mit einem schweren Herzfehler geboren. Ob toben, klettern oder rutschen - alles, was andere Kinder lieben, ist für den Vierjährigen tabu und lebensgefährlich.
Der Junge muss immer wieder ins Krankenhaus und Operationen über sich ergehen lassen. Nun steht eine weitere bevor. Aber Jonas ist zu schwach für den Eingriff. Der lange Leidensweg lässt ihn resignieren. In der Klinik reißt er sich die Infusionen aus dem Körper und weigert sich zu essen und zu sprechen.
Den Ärzten in der Berling-Klinik läuft die Zeit davon. Wenn Jonas nicht bald OP-tauglich wird, wird er nicht überleben. Nur noch ein Wunder kann ihn retten. Dann hat Julia Holl eine zündende Idee ...
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Der kleine Held im Krankenbett
Vorschau
Impressum
Der kleine Held im Krankenbett
Tapfer kämpft Jonas gegen seine schwere Krankheit an
Von Mona Marquardt
Jonas wurde mit einem schweren Herzfehler geboren. Ob toben, klettern oder rutschen – alles, was andere Kinder lieben, ist für den Vierjährigen tabu.
Der Junge muss immer wieder ins Krankenhaus und Operationen über sich ergehen lassen. Nun steht eine weitere bevor. Aber Jonas ist zu schwach für den Eingriff. Der lange Leidensweg lässt ihn resignieren. In der Klinik reißt er sich die Infusionen aus dem Körper und weigert sich zu essen und zu sprechen.
Den Ärzten in der Berling-Klinik läuft die Zeit davon. Wenn Jonas nicht bald OP-tauglich wird, wird er nicht überleben. Nur noch ein Wunder kann ihn retten. Dann hat Julia Holl eine zündende Idee ...
»Papa, Papa, da bist du ja endlich.«
Wie ein Gummiball hopste Jonas im Flur der Wohnung seiner Tagesmutter auf und ab.
»Hallo, mein Kleiner.« Sofort bekam es Leon Däumling mit der Angst zu tun. Das hatte einen guten Grund.
Alles, was Kinder normalerweise so machten, war für Jonas tabu. Nach dem Treppensteigen bekam der Vierjährige kaum Luft und musste sich ausruhen. Deshalb war auch an Toben nicht zu denken. Ein bisschen kindlicher Übermut konnte für Jonas direkt lebensgefährlich werden.
»Immer mit der Ruhe, du Energiebündel. Und pass auf deine Magensonde auf«, mahnte Leon und hob seinen Sohn hoch, bedacht darauf, nicht am Plastikschlauch unter dem Shirt zu ziehen. Trotz seiner vier Jahre war Jonas noch immer ein Fliegengewicht. »Du weißt, wie weh das tut.«
»Ich hasse die Magensonde.« Der Kleine bettete den Kopf an Leons Schulter und spielte mit der Goldkette, an der ein goldener Ring hing.
»Deshalb bringe ich dich morgen in die Berling-Klinik. Die Ärzte dort reparieren das Loch in deinem Herzen und können dann hoffentlich den Schlauch endlich entfernen.« Den Schlauch, der den Kleinen schon begleitete, seit er einen Monat alt war.
»Ich will aber nicht schon wieder operiert werden«, jammerte Jonas weiter.
Leons Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Nur zu gerne hätte er jede Qual auf sich genommen, um seinem kleinen Sohn zu helfen. Leider war das ausgeschlossen.
»Entweder Magensonde oder Berling-Klinik«, versuchte er zu scherzen. »Du kannst es dir aussuchen.«
Jonas' Blick wanderte hinüber zu seiner Tagesmutter Nina.
»Kommst du mich besuchen?«
»Natürlich, mein Schatz«, versprach sie feierlich.
»Und bringst du Elisa und Niklas mit?«
Ninas Blick flog hinüber zu Leon. Der schüttelte bedauernd den Kopf.
»Du weißt doch, dass das zumindest in den ersten Tagen nicht möglich sein wird«, erinnerte er seinen Sohn an das, was sie schon gefühlt hundert Mal besprochen hatten. »Aber ich habe gute Nachrichten für dich.«
Jonas' Kopf schoss hoch. »Fahren wir auf dem Heimweg bei der Eisdiele vorbei?« Seine Augen funkelten vor Freude.
»Das auch«, lachte Leon. »Außerdem habe ich mit meinem Chef gesprochen. In den nächsten Wochen kann ich meine Schichten tauschen und nachts arbeiten. Die Tage verbringe ich bei dir in der Klinik.«
Nina zog eine Augenbraue hoch. »Ist das nicht zu anstrengend?«
Was für eine Frage!
»Für meinen kleinen Helden ist mir keine Mühe zu viel«, meinte Leon und stellte seinen Sohn auf den Boden. »Und jetzt zieh dich an. Wir müssen noch einkaufen gehen. Unser Kühlschrank ist so leer, dass die Mäuse weinen.«
Kichernd zog Jonas die Schuhe an und nahm den kleinen Rucksack, den Nina ihm reichte. Zum Abschied drückte sie ihm einen besonders langen Kuss aufs blonde Engelshaar.
»Alles Gute, mein kleiner Schatz. Morgen um diese Uhrzeit bist du ein gesunder kleiner Junge.«
»Dann kann ich endlich mit Elisa um die Wette rennen.«
Lächelnd stupste Nina ihm auf die Nasenspitze. Anschließend verabschiedete sie sich von seinem Vater.
»Pass bitte gut auf ihn auf«, raunte sie Leon zu und sah einen Moment so aus, als wollte sie ihm um den Hals fallen.
Trotz aller Sorgen musste er lachen. »Solche Worte aus deinem Mund? Dabei mahnst du mich doch sonst, den kleinen Racker nicht ständig zu behüten.«
»Stimmt auch wieder«, gab Nina schmunzelnd zu. »Dann kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen.«
***
Wenn es doch so einfach gewesen wäre! Vater und Sohn schlenderten zum Wagen. Nach dem Einkauf und dem versprochenen Eis war Jonas erschöpft. Er musste sich dringend ausruhen. Leon nutzte die Gunst der Stunde, um die Waschmaschine einzuschalten und ein paar Rechnungen zu bezahlen.
Wie jedes Mal, wenn er am Computer saß, konnte er sich auch diesmal nicht beherrschen. Er öffnete den Foto-Ordner und scrollte durch die Bilder.
Meistens beschränkte er sich auf die Erinnerungen aus glücklichen Tagen. Die erste Urlaubsreise mit Jana im kleinen Fiat Panda. Am Lagerfeuer mit Freunden an der Isar. Das Hochzeitsfoto am Starnberger See. Die strahlende Jana, schwanger mit ihrem ersten Wunschkind.
An dieser Stelle schloss Leon das Album meistens. Diesmal blätterte er fast zwanghaft weiter bis zu dem Tag, an dem das Unglück über seine kleine Familie, sein Leben hereingebrochen war.
Vor dem Arztbesuch hatte er damals noch eine Aufnahme von seiner Frau mit dem Handy gemacht. Wie glücklich sie in die Kamera strahlte. Nur Minuten später hatte sie ihr Lachen verloren.
»Ihr Sohn hat einen komplexen, schweren Herzfehler.«
Nie würde Leon die Worte des Arztes vergessen.
Es folgten zahllose Untersuchungen und Besuche bei Spezialisten. Doch auch sie hatten nicht verhindern können, dass der kleine Jonas nach Monaten der Angst todkrank zur Welt gekommen war, per Kaiserschnitt und vier Wochen zu früh.
Mit Tränen in den Augen betrachtete Leon das Foto des winzigen Babys, das zwischen Maschinen, Kabeln und Schläuchen kaum zu erkennen war. Damals hatte er die Krankheiten seines Sohnes kaum aussprechen können. Inzwischen ratterte er medizinische Fachwörter wie Linksherzhypoplasie oder Ventrikelseptumdefekt ohne Stolpern und Zögern herunter.
Aber noch immer brach es Leon fast das Herz, seinen kleinen Sohn auf der Intensivstation liegen zu sehen. Die Eltern konnten ihren Neugeborenen noch nicht einmal in den Arm nehmen und mit ihm kuscheln. Dazu war er viel zu schwach gewesen und die ersten Lebenstage eine wahre Zitterpartie. Zum Glück war es den Ärzten in der Klinik gelungen, Jonas zu stabilisieren.
Leon nippte am Kaffee und scrollte hinunter zu den nächsten Fotos. Sie waren stumme Zeugen vom Kampf des tapferen Jungen und seiner Eltern gegen seine schwere Krankheit.
Von seinen ersten vierundzwanzig Lebensmonaten hatte Jonas vierzehn in der Klinik verbracht, immer begleitet von seiner Mutter. Leon war dazugekommen, wenn es seine Arbeit als Altenpfleger zuließ. Hätte er das Unglück verhindern können, wenn er öfter dagewesen wäre? Wenn er ausgerechnet an diesem Abend keine Überstunden gemacht hätte?
Diese Fragen quälten ihn seit zwei Jahren. Wie so oft verschwammen auch an diesem späten Nachmittag die Fotos vor seinen Augen. Er lehnte sich zurück und ließ den Tränen freien Lauf. Stumme Schluchzer schüttelten seinen Körper auch dann noch, als er nicht mehr weinen konnte.
Erschöpft schloss Leon die Augen und überließ sich der tröstenden Dunkelheit. Wäre Jonas nicht gewesen, hätte er sich gewünscht, nie mehr wieder zurückzukehren. Aber wenn sein Sohn so tapfer war, musste er es auch sein.
***
Was für ein herrlicher Morgen! Die Sonne stand schon am blitzblauen Himmel. Bienen und Schwebfliegen summten im Blumenbeet.
»Chris! Juju!« Julia Holls Stimme hallte durch das Haus. Sie stand im Erdgeschoss an der Treppe und sah nach oben. »Kommt ihr zum Frühstück?«
»Jetzt schon? Heute ist doch der letzte Ferientag«, erwiderte eine wenig amüsierte Jungenstimme von oben.
»Genau deshalb.« Julia stellte Marmeladengläser, Butterdose und Brotkorb auf den Tisch. Durch die geöffneten Terrassentüren strömten warme Luft und der Duft nach Sommer ins Haus. »Ihr hattet mir vor Tagen versprochen, den Rasen zu mähen. Wenn ihr erst wieder zur Schule müsst, bleibt wieder keine Zeit dazu«, mahnte sie ihre Kinder.
Trotz der beiden Haushälterinnen, der fünfundsechzigjährigen Cäcilie und ihrer jungen Helferin Theres, wurde Mithilfe im Haushalt im Hause Holl großgeschrieben. Schließlich wollten Julia und Stefan keine kleinen Paschas heranziehen.
»Deshalb müsst ihr heute in den sauren Apfel beißen, bevor ihr wieder Besseres zu tun habt.«
Stefan Holl tauchte im Esszimmer auf und drückte seiner Frau einen Kuss auf den Mund.
»Du bist ja schon ganz schön streng heute Morgen.« Er schmunzelte. »Hoffentlich lässt du bei mir Gnade vor Recht ergehen.«
Julias Augen blitzten auf. »Du wirst ausnahmsweise verschont, weil du mir versprochen hast, mich nächste Woche auf meine Fortbildung in dieses schicke Hotel im Chiemgau zu begleiten.«
Obwohl Julia Holl nicht mehr in ihrem Beruf als Kinderärztin arbeitete, seit sie Mutter war, hatte sie den Anschluss nicht verloren. Durch regelmäßige Besuche in der Pädiatrie der Berling-Klinik hielt sie sich genauso auf dem Laufenden wie durch das Studium von Fachliteratur. Auf diese Weise würde es einfacher sein, wenn sie in zwei Jahren – dann war Juju dreizehn Jahre alt – wieder in ihren Beruf zurückkehren würde. Mit dem Besuch der Fortbildung »Psychische Probleme bei kranken Kindern« kam sie ihrem Ziel wieder ein Stück näher.
»Dein Wunsch ist mir Befehl, mein Schatz.« Stefan biss in sein Marmeladenbrot.
Julia betrachtete ihren Mann mit gerunzelter Stirn. In letzter Zeit machte sie sich zunehmend Sorgen um ihn. Stefan arbeitete zu viel und wirkte oft abgespannt.
»Abgesehen davon tut dir ein bisschen Ruhe auch mal gut.«
Das Trappeln auf der Treppe verriet, dass die Kinder im Anmarsch waren.
»Kannst du nicht mal einen Apparat erfinden, der den Rasen von selbst mäht?«, fragte Juju ihren Bruder, während sie auf ihren Stuhl am Esstisch schlüpfte.
»Mähroboter gibt es doch schon lange.« Chris schenkte sich Tee ein und fischte eine Scheibe Brot aus dem Korb.
Jujus Augen leuchteten auf. »Warum kaufen wir dann keinen?«, wandte sie sich an ihre Eltern.
»Weil diese Geräte für Igel und andere Wildtiere eine tödliche Gefahr sind«, klärte Stefan seine elfjährige Tochter auf. »So ein Roboter nimmt nur große Hindernisse wahr und überfährt kleinere Dinge einfach. So kann es zu erheblichen Verletzungen bei Igeln, aber auch Blindschleichen, Kröten und Insekten kommen, die oftmals sogar tödlich enden.«
»O nein!« Entsetzt schlug Juju die Hand vor den Mund.
Chris dagegen witterte seine Chance.
»Statt für einen langweiligen Rasen ist es sowieso viel besser, sich für eine bunte Blumenwiese zu entscheiden, die nur selten gemäht werden muss.«
Seine Schwester durchschaute seinen Plan sofort. Sie sah hinüber zu ihrer Mama und versuchte sich an dem Augenaufschlag, den sie seit einer Weile heimlich vor dem Badezimmerspiegel probte.
»Dann muss Papa dir keine Blumen mehr kaufen, weil du einfach nur aus dem Fenster sehen musst, um dich zu freuen.« Julia konnte nur den Kopf schütteln über den Erfindungsreichtum ihrer Sprösslinge.
Stefan dagegen lachte.
»Wir haben ziemlich kluge Kinder, findest du nicht?«, wandte er sich an seine Frau.
»Ich sehe schon. Gegen so viel Übermacht habe ich keine Chance.« Schmunzelnd gab sich Julia geschlagen. »Da ihr aber jetzt schon einmal aufgestanden seid, könnt ihr Cäcilie und Theres zur Hand gehen und Altpapier und Plastik zum Container bringen.« Ihre Stimme verriet, dass es diesmal keine Diskussionen geben würde.
»Wenn ihr euch beeilt, nehme ich euch mit dem Auto mit zur Wertstoffinsel«, bot Stefan großzügig an. »Dann müsst ihr nur einen Weg zu Fuß laufen und habt mehr vom letzten Ferientag.«
Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmung. In Windeseile beendeten Juju und Chris ihr Frühstück und polterten ausgelassen die Treppe nach oben, um sich fertig zu machen.
***
»Herr Seitz war mal wieder unterwegs heute Nacht. Zum Glück habe ich ihn rechtzeitig erwischt, bevor etwas passiert ist.« Leon Däumling ging zum nächsten Punkt der Liste über, die er im Laufe der Nacht angefertigt hatte. »Herr Apfel und Frau Osterloh klagten über Schlaflosigkeit. Ihnen habe ich ein leichtes Schlafmittel gegeben. Ansonsten war es heute Nacht ruhig«, schloss er die Übergabe des Nachtdienstes an die Tagschicht ab.
Seine Kollegin Miriam musterte ihn aufmerksam.
»Dann sieh mal zu, dass du auf direktem Weg ins Bett kommst. Du schaust ganz schön fertig aus.«
»Geht leider nicht.« Leon sah durch das Fenster hinaus in den kleinen Garten, der die Seniorenresidenz einrahmte. Langsam kletterte die Sonne über die Hausdächer. Ihre schrägen Strahlen ließen das frische Grün und die bunten Blüten leuchten. Jana und Jonas hätten diesen Anblick geliebt. Aber Jana hatte ihn verlassen, und Jonas kämpfte in der Berling-Klinik um sein kleines Leben. »Ich habe Jonas versprochen, gleich heute früh vorbeizuschauen.«
»Aber du brauchst ein paar Stunden Schlaf«, mahnte Miriam. »Der Kleine hat nichts von einem Vater, der an seinem Bett zusammenklappt.«
»Zwischendurch kann ich mich bestimmt ein bisschen hinlegen.« Leon rang sich ein Lächeln ab, hob die Hand zum Gruß und verließ das Zimmer.
Um kurz nach halb acht war die Luft noch frisch. Vor der Tür der Seniorenresidenz blieb er kurz stehen und füllte seine Lunge mit dem sommerlichen Duft, der ihn an Frühstück auf dem Balkon erinnerte. Schnell schob er diesen Gedanken weg. Jetzt war keine Zeit für Nostalgie und schon gar nicht für Trauer. Jonas hatte auch so schon Probleme genug.
Mit einem Blick auf die Uhr machte sich Leon auf den Weg zur Haltestelle. Den letzten Bus hatte er um ein paar Minuten verpasst. Nun musste er zwanzig Minuten auf den nächsten warten. Nein, das Glück war im Augenblick wirklich nicht auf seiner Seite!
Diesen Gedanken hatte er kaum zu Ende gedacht, als ein Wagen neben ihm anhielt. Stefan Holl ließ das Fenster herunter.
»Herr Däumling?« In den vergangenen Tagen waren sich die beiden Männer ein paar Mal während der Visite oder auf dem Klinikflur begegnet. Obwohl sie nicht viele Worte gewechselt hatten, erkannte Dr. Holl den Vater sofort. Die magere Gestalt, die hängenden Schultern waren kaum zu übersehen. »Sind Sie auf dem Weg zu Ihrem Sohn? Steigen Sie ein, ich nehme Sie mit.«
Das ließ sich Leon nicht zwei Mal sagen.
»Sie schickt der Himmel.« Mit einem Seufzer sank er auf den Beifahrersitz. »Ich habe den Bus um ein paar Minuten verpasst.«
»Das Schicksal scheint es ausnahmsweise einmal gut mit Ihnen zu meinen.« Mit einem Blick in den Rückspiegel setzte Stefan Holl den Blinker und reihte sich wieder in den Verkehr ein. »Normalerweise fahre ich einen anderen Weg in die Arbeit.« Er berichtete von seinen beiden Kindern und der Aufgabe, die Julia ihnen an diesem Morgen aufgetragen hatte.
Die Müdigkeit in Leons Gesicht wich einer tiefen Wehmut.
»Selbst wenn Jonas gesund werden sollte, wird ihn seine Mutter nie zu einer Wertstoffinsel schicken.«
Erst jetzt wurde Stefan Holl klar, dass er Jonas' Mutter bislang nicht zu Gesicht bekommen hatte.
»Was ist mit Ihrer Frau?«
Leons Blick wurde dunkel.
»Jana hatte vor zwei Jahren einen Autounfall«, gestand er heiser. »Eines Abends bat sie mich, ein Spielzeug für Jonas zu kaufen, das er sich so sehr wünschte. Zu dieser Zeit lag er wieder einmal in der Klinik, und wir taten alles, um ihm die schweren Monate wenigstens ein bisschen zu erleichtern.« Er räusperte sich. »Leider fiel ausgerechnet an diesem Abend eine Kollegin aus. Ich musste sie vertreten und konnte die Seniorenresidenz erst später verlassen. Da hat sich Jana kurzerhand selbst auf den Weg gemacht.«
Er betrachtete die Hände in seinem Schoß und sah sie doch nicht.
