Chefarzt Dr. Holl 1995 - Mona Marquardt - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1995 E-Book

Mona Marquardt

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Beschreibung

Die Rockband Kalliope startet gerade groß durch. In München spielen die Musiker ein Konzert vor ausverkaufter Halle. Als Gitarrist Joshua am nächsten Morgen erwacht, hört sich die Welt an, als hätte sie jemand in Watte gepackt. Alle Geräusche klingen plötzlich so gedämpft.
Auf dem Weg zum Bäcker wird Joshua von einem Auto angefahren, weil er es nicht kommen hört. Er wird in die Berling-Klinik gebracht. Zum Glück hat er keine ernsten Verletzungen, aber immer noch ein großes Problem mit den Ohren. Er versteht die Ärzte kaum.
Schließlich werden Tests durchgeführt. Es muss doch irgendein Medikament geben, das ihm sein Gehör zurückbringt, hofft der junge Mann. Dann betritt Dr. Holl das Zimmer - mit den Untersuchungsergebnissen. Und die sind erschütternd ...

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Leben ohne Sound

Vorschau

Impressum

Leben ohne Sound

Ein junger Musiker verliert sein Gehör

Von Mona Marquardt

Die Rockband Kalliope startet gerade groß durch. In München spielen die Musiker ein Konzert vor ausverkaufter Halle. Als Gitarrist Joshua am nächsten Morgen erwacht, hört sich die Welt an, als hätte sie jemand in Watte gepackt. Alle Geräusche klingen plötzlich so gedämpft.

Auf dem Weg zum Bäcker wird Joshua von einem Auto angefahren, weil er es nicht kommen hört. Er wird in die Berling-Klinik gebracht. Zum Glück hat er keine ernsten Verletzungen, aber immer noch ein Problem mit den Ohren. Er versteht die Ärzte kaum.

Schließlich werden Tests durchgeführt. Es muss doch irgendein Medikament geben, das ihm sein Gehör zurückbringt, hofft der junge Mann. Dann betritt Dr. Holl das Zimmer – mit den Untersuchungsergebnissen. Und die sind erschütternd ...

Die Stimmung auf der Terrasse der Familie Holl war aufgeheizt. Das lag nicht nur an dem herrlichen Sonnenschein, der vom wolkenlosen Himmel fiel. Mit leuchtenden Augen redete Chris Holl auf seine Eltern ein.

»Ich muss euch unbedingt von meiner Lieblingsband erzählen.«

»Die machen wirklich super Musik«, unterstützte ihn seine Freundin Lara.

Stefan Holl ließ die Zeitung sinken, in der er gerade geschmökert hatte. Seine Frau Julia hob den Kopf von ihrem Roman. Beide lächelten.

»Oh, wirklich? Erzählt uns mehr darüber«, ermunterte Julia die beiden.

»Sie heißen ›Kalliope‹ und sind einfach der Wahnsinn.«

»Die Musik ist so mitreißend und emotional, dass man einfach nicht stillhalten kann«, schwärmte Lara.

Stefan zog eine Augenbraue hoch. »Kalliope? Davon habe ich noch nie etwas gehört. Ist die Band neu?«

»Nein, die gibt es schon seit ein paar Jahren«, gab Chris die gewünschte Auskunft. »Aber erst jetzt haben sie richtig viel Erfolg.«

»Ihr neuestes Album ist einfach der Knaller.« Laras Wangen leuchteten vor Begeisterung. »Ein toller Song nach dem anderen.«

Stefan und Julia lächelten einander an. Die jugendliche Begeisterung war ansteckend.

»Das klingt fantastisch. Spielt uns doch mal ein Lied auf dem Handy vor«, bat Julia.

Chris zog sein Smartphone aus der Jeanstasche und tippte auf dem Display herum. Innerhalb weniger Augenblicke erfüllte die Musik von »Kalliope« die Sommerluft.

Sofort wippten die Füße mit. Angelockt von dem mitreißenden Rhythmus, tauchte das Nesthäkchen der Familie an der Terrassentür auf.

Juju strahlte. »Das ist ja ›Kalliope‹.«

»Du kennst die Band?«, wunderte sich ihre Mutter.

»Na klar. Die haben zurzeit einen Hit nach dem anderen. Besonders gut gefällt mir ›Sommernacht‹.«

Chris suchte in seiner Playlist nach dem Song und spielte ihn ab.

»Sehr eingängige Texte«, stellte Stefan fest.

»Das Genie ist der, der schwierige Sachen einfach erklärt«, rezitierte Chris. »Das hat mal ein berühmter Dichter gesagt.«

»Alle Achtung, du bist ja gut informiert«, lobte Julia. »Dann weißt du bestimmt auch, wer diese Kalliope war.«

»Kalliope bedeutet ›die Schönstimmige‹ und ist die ranghöchste Muse der griechischen Mythologie«, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen.

»Wir haben alles gelesen, was es im Internet über die Band zu finden gibt«, verriet Lara mit leuchtenden Augen.

Julia und Stefan saßen da und ließen sich von der kraftvollen, manchmal auch zarten Musik überzeugen. In einfach verständlichen Worten sang die Band über die Probleme junger Menschen in schwierigen Zeiten, aber auch über Liebeskummer, Freundschaften und den Spaß am Leben. Langsam begannen die Eltern, die Begeisterung ihrer Kinder zu verstehen.

Als das letzte Lied verklang, nahm Chris all seinen Mut zusammen.

»Die Band spielt nächste Woche in München. Es gibt noch ein paar Restkarten, und ich wollte fragen, ob ich mit Lara hingehen darf. Ihre Eltern haben nichts dagegen. Bitte, Mama, Papa, darf ich? Das wird bestimmt das beste Konzert aller Zeiten«, bettelte er.

»Ihr wollt auf ein Konzert gehen?«, wiederholte Julia mit gerunzelter Stirn. »Ganz alleine?«

»Wir sind doch schon fünfzehn und waren auch schon alleine im Zeltlager. Wir können wirklich auf uns aufpassen und machen keinen Blödsinn. Ihr könnt euch auf uns verlassen«, beteuerte Lara.

Julia wollte schon zustimmen, als sie aus dem Augenwinkel sah, wie Stefan etwas in sein Handy eintippte.

»Wir sollten das mal überprüfen«, murmelte er. »Soweit ich mich erinnere, gibt es bestimmte Regeln für Minderjährige bei solchen Veranstaltungen.«

Es war schon eine Weile her, dass die inzwischen erwachsenen Zwillinge der Familie Holl die Grenzen ihrer Freiheiten ausgetestet hatten. Mit gerunzelter Stirn wiegte er den Kopf.

»Hier steht, dass es gemäß Jugendschutzgesetz kein Mindestalter gibt, um ein Konzert zu besuchen.«

»Heißt das, wir dürfen hingehen?«, fragte Chris aufgeregt und sah seinem Vater zu, der weiter auf dem Handy herumtippte.

»Hier steht aber auch, dass die Konzerte von ›Kalliope‹ oft wild und laut sind.«

Lara schob ihre Hand in die ihres Freundes. Chris' Mundwinkel zogen sich nach unten.

»Was haltet ihr davon, wenn wir zusammen hingehen?« Dieser Vorschlag kam von Julia.

Einen Moment lang herrschte überraschte Stille.

»Warum eigentlich nicht?«, erwiderte Stefan schließlich. »Es ist schon Ewigkeiten her, dass wir beide auf einem Konzert waren. Das könnte richtig Spaß machen.«

Der Jubel war ohrenbetäubend. Chris und Lara umarmten sich vor Begeisterung und tanzten durch den Garten.

»Wenn es keine Altersbeschränkung gibt, will ich auch mitkommen!«

Alle drehten sich um und sahen Juju an, die mit verschränkten Armen noch immer in der Terrassentür stand.

Julia stand auf und schloss ihre Jüngste in die Arme.

»Tut mir leid, mein Schatz. Aber das ist mir tatsächlich ein bisschen zu gefährlich. Für ein lautes, wildes Rockkonzert inmitten einer tobenden Menschenmenge bist du wirklich noch zu jung.«

»Aber ich will auch was mit euch unternehmen.« Tränen glitzerten in Jujus Augen.

»Ich habe einen Vorschlag. Was hältst du davon, wenn wir zwei Hübschen einen Mädels-Tag in der Stadt machen? Wir fahren früh an einem Samstagmorgen los, gehen zusammen frühstücken und machen dann die Geschäfte unsicher. Nur du und ich. Na, wie klingt das?«

Juju kämpfte mit sich.

»Also schön«, seufzte sie schließlich. »Aber ihr müsst mir unbedingt erzählen, wie es auf dem Konzert war. Ich will alles wissen.«

»Na klar«, versprach Chris hoch und heilig. »Ich werde ganz viele Videos mit dem Handy machen. Versprochen.«

»Und als Andenken bringen wir dir ein T-Shirt von der Band mit. Dann ist es fast so, als wärst du selbst dabei gewesen«, fügte Lara an.

***

Wie jedes Mal vor einem Auftritt spürte Joshua Werding eine Mischung aus Nervosität und Aufregung. Der Klang der Gitarren und Schlagzeugrhythmen der Vorband drangen durch die verschlossenen Türen der Garderobe. Zwei seiner Bandkollegen scherzten miteinander, ihr Lachen klingelte in seinen Ohren. Die anderen beiden – auch seine Freundin, die Bassistin Kessi – warteten stumm und angespannt auf ihren Auftritt.

Endlich ertönte Applaus und das Johlen der Menge. Die Vorband verließ die Bühne und machte Platz für den Hauptact.

Dies war Joshuas liebster Moment. Umgeben von Scheinwerfern und den Rufen der Fans, überkam ihn ein Gefühl der Euphorie. Schlagartig war das Lampenfieder vorbei. Mit einem Blick stimmte er sich mit seinen Bandmitgliedern ab. Die ersten Töne seiner Gitarre hallten durch die Lautsprecher.

Wie eine Welle schwappte die Begeisterung, die Energie des Publikums zu ihm zurück. Jeder Schlag auf die Trommeln des Schlagzeugs, jeder Akkord, den Joshua anschlug, fühlte sich an wie ein Schritt in eine andere Dimension, in der Zeit und Raum keine Bedeutung hatten. Er brauchte keine Drogen, keinen Alkohol, um dieses Gefühl bis in die Haarspitzen zu spüren.

»München, ihr seid großartig!«, rief er am Ende eines Songs.

Der Jubel der Menge riss ihn fast mit sich. Joshua sagte ein paar warme Worte, die ohnehin niemand verstand, und stimmte das nächste Lied an. Mit jedem Akkord tauchte er tiefer ein in die Melodien und Texte, die er mit so viel Herzblut geschrieben hatte. Die Schweinwerfer brannten auf seiner Haut, Adrenalin pulsierte durch seine Adern. Nie fühlte sich Joshua so lebendig wie auf der Bühne.

Seinem Publikum schien es ähnlich zu ergehen. Jeder Applaus, jeder Jubel, das Mitsingen der Texte war der beste Beweis für die Verbindung zwischen ihm und den Menschen dort draußen.

Anfangs hatte Joshua gefürchtet, sich nach den Konzerten einsam und ausgelaugt zu fühlen, so getrennt von seinen Fans. Doch das Wissen darum, die Euphorie bei jedem Auftritt wieder zu genießen, erfüllte ihn mit Befriedigung. Das Konzert mochte vorbei sein, doch die Erinnerungen und Emotionen, die jeder einzelne Auftritt in ihm weckte, lebten für immer in ihm weiter.

Darüber dachte Joshua nach, als er am nächsten Morgen in seinem Pensionszimmer erwachte, das er für die Dauer der Konzertreihe in München gebucht hatte. Noch drei Konzerte warteten auf ihn, ehe die Reise weitergehen würde.

Seine Freundin schlief noch tief und fest neben ihm. Ihr Mund war leicht geöffnet. Joshua war sich sicher, dass sie wie immer leise schnarchte. Aber warum konnte er sie nicht hören?

Er schwang die Beine über den Bettrand und stand auf, schlurfte hinüber zur kleinen Küchenzeile. Dank seiner Weitsicht war der Kühlschrank gut gefüllt. Anders, als sein Beruf es vermuten ließ, war er ein naturverbundener Mensch und legte größten Wert auf eine gesunde Ernährung.

Joshua schnitt Erdbeeren, Äpfel und Aprikosen klein und füllte zwei Schüsseln mit dem Obst. Aus einer Tüte schüttete er Müsli darüber und goss Hafermilch dazu. Beide Schalen brachte er an den kleinen Tisch am Fenster, dazu servierte er Kaffee.

Kessi schlief noch immer. Joshua trat an die Balkontür und öffnete die Flügel. Warme Luft schlug ihm entgegen, aber der Himmel war bewölkt. Vor dem Haus drängten sich die Autos auf der Straße. Seltsam, dass das Dröhnen der Motoren nicht lauter war! Und was war mit dem Fahrradfahrer, der wild gestikulierte und offenbar lautstark schimpfte?

Joshua drückte mit den Zeigefingern auf die Ohren. Doch das Gefühl, dass irgendein Fremdkörper seine Gehörgänge verstopfte, wollte einfach nicht weichen. Seufzend wandte er sich ab und schaltete auf seinem Handy das Radio ein, stellte den Ton lauter.

Kessi schoss im Bett hoch.

»Bist du total übergeschnappt?«, fauchte sie. »Mach das sofort leiser!«

Erschrocken drehte Joshua den Ton herunter.

»Tut mir leid.« Er machte ein paar Bewegungen mit dem Mund, schob den Kiefer hin und her, doch das taube Gefühl blieb.

»Das sollte es auch.« Kessi ließ sich zurück in die Kissen fallen.

»Komm frühstücken. In zwei Stunden treffen wir uns mit den anderen. Vorher wollten wir noch ein paar Einkäufe erledigen.«

»Warum schreist du denn so?«

Joshua erahnte Kessis Worte nur.

»Damit du wach wirst.« Er deutete auf den gedeckten Tisch. »Was ist jetzt mit dem Frühstück?«

»Keinen Hunger. Ich schlafe lieber noch eine Runde.« Kessi zog die Decke bis übers Kinn und drehte ihm den nackten Rücken zu.

Vor ein paar Monaten hatte er dieser Einladung nicht widerstehen können. Doch die heiße Liebe war schneller abgekühlt als erhofft.

»Gut, dann gehe ich eben alleine einkaufen«, beschloss er und ging hinüber ins Bad.

Inzwischen war auch ihm der Appetit gründlich vergangen.

***

Anders als in Joshuas stiller gewordenen Welt ging es am Frühstückstisch der Familie Holl am Morgen nach dem Konzert hoch her. Trotz seiner Müdigkeit – Chris war erst um kurz vor Mitternacht ins Bett gekommen – sprudelte er nur so vor Begeisterung.

»Das nächste Mal musst du unbedingt mitkommen.« Mit leuchtenden Augen führte er Juju die Videos vor, die er während des Konzerts immer wieder gedreht hatte. »Es war so cool. Diese Musik, die Lightshow – das war echt der Wahnsinn. Und wie die Leute mitgesungen haben. Das waren richtige Gänsehautmomente.«

»Die Band war wirklich fantastisch«, lobte auch Julia. »Obwohl ich kaum ein Lied kannte, hat mich die Musik mitgerissen.«

Zwischen Marmeladenbrot und Kakao ließ Juju die Filme auf dem Handy ihres Bruders ablaufen.

»Das sieht schon toll aus. Aber du hattest recht, Mama. Zwischen all den Leuten hätte ich voll Angst gehabt.«

»Dann bist du nicht traurig, dass du nicht dabei sein konntest?« Julia strich ihrer Jüngsten eine blonde Strähne aus der Stirn.

Juju grinste breit in Richtung ihres Bruders. »Für dich ist das Konzert schon vorbei«, neckte sie ihn. »Aber ich hab den Ausflug mit Mama noch vor mir.«

»Und Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude«, sagte Stefan. Er faltete die Serviette zusammen und legte sie neben den Teller. Ein letzter Schluck Kaffee, dann erhob er sich vom Frühstückstisch. »Das gilt bestimmt auch für die Vorfreude auf die Schule.«

»Du bist wirklich witzig heute.« Chris lachte und verabschiedete sich von seinem Vater.

Julia brachte ihren Mann zur Tür, Juju hüpfte nebenher.

»Ich freue mich wirklich schon auf die Schule. In Bio schauen wir heute einen Film über Wirbeltiere und Wirbellose an. Und du, Papa? Freust du dich auf die Arbeit?«

Über die Antwort auf diese Frage musste Stefan nicht lange nachdenken. Er war Arzt aus Leidenschaft und hatte seine Berufung sprichwörtlich zum Beruf gemacht. So war ihm die Entscheidung auch nicht schwergefallen, vor Jahren die Klinik seines Schwiegervaters Walter Berling zu übernehmen. Das lag auch daran, dass er sich – anders als einige seiner Mitarbeiter – voll und ganz auf die Unterstützung seiner Familie verlassen konnte. Trotz Überstunden, überraschenden Wochenendbesuchen in der Klinik und Notfällen standen Julia und die Kinder selbst nach so langer Zeit noch fest an seiner Seite.

Gemeinsame Unternehmungen wie der Konzertbesuch vom vergangenen Abend wirkten wie ein Kurzurlaub und gaben ihm die nötige Kraft, die er für seinen fordernden Beruf brauchte. Dabei blendete er nur zu gerne aus, dass ihm in letzter Zeit immer wieder für wenige Sekunden, manchmal auch Minuten, ein scharfer Schmerz in die Brust schoss. Einige Male hatte er sich bereits vorgenommen, sich von seinem Freund und Stellvertreter Dr. Daniel Falk untersuchen zu lassen. Doch bis jetzt hatte sich kein Termin gefunden, oder es war etwas dazwischengekommen.

An diesem Morgen war von den Beschwerden nichts zu spüren. Mit federnden Schritten und einem Lächeln auf den Lippen betrat Dr. Stefan Holl die Klinik. Auf halbem Weg in sein Büro lief ihm Daniel Falk über den Weg.

»Nanu, du siehst ja heute so dynamisch aus.« Er wirkte fast ein wenig neidisch. »Hattet ihr ein ruhiges Wochenende?«

»Ganz im Gegenteil.« Lachend berichtete Stefan von seinem Erlebnis am vergangenen Abend, als ein Alarm die Luft zerriss.

Dr. Falk zog das Handy aus der Tasche. Das Telefonat dauerte nicht lange.

»Leider musst du deinen Erlebnisbericht auf später verschieben. Das wird ein arbeitsreicher Vormittag. Unfall zwischen einem Schulbus und einer Straßenbahn.« Er seufzte. »Das klingt ganz danach, als ob du deine Energie heute noch brauchen wirst.«

»Deshalb bin ich hier.« Dr. Holl zwinkerte seinem Freund zu. »Ich sehe kurz im Büro nach dem Rechten und stoße dann zu euch, falls ihr mich dann noch braucht.«

»Wenn du Kaffee mitbringst, bist du immer willkommen«, scherzte Daniel Falk und eilte mit wehendem Kittel davon.

***

Ursprünglich stammte Joshua Werding aus Berlin, hatte aber immer wieder Zeit in München verbracht. Er kannte sich also aus. Trotzdem war er an diesem Montagmorgen nervös, als er mit den Händen in den Hosentaschen durch die Straßen der bayerischen Landeshauptstadt wanderte.