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Irmi kann nicht fassen, dass sie ihren egozentrischen und fordernden Chef, den berühmten Schauspieler Piet Deringer, als seine persönliche Assistentin auch noch in dessen Urlaub begleiten muss. Dabei hatte sich die alleinerziehende Mutter so darauf gefreut, endlich einmal ein paar Tage Zeit für ihren Sohn Max zu haben. Zumindest darf sie diesen aber mit ins Zillertal nehmen, während Piet von seiner Tochter Poppy begleitet wird, für die er seit seiner Scheidung allein verantwortlich ist.
In St. Christoph werden die vier von Hedi Kastler, der Inhaberin des Berghotels, freundlich begrüßt. Die Hotelchefin erkennt schnell, dass der attraktive Schauspieler und seine hübsche Assistentin auch im Urlaub viel arbeiten müssen und wenig Zeit für die Kinder haben. Spontan bietet sie an, sich bei Bedarf um die beiden Kleinen zu kümmern.
Als sich Max in die lebhafte Poppy verliebt, bahnt sich großer Liebeskummer an, denn Max ist nicht der einzige Verehrer des süßen Madels. Hedi bemüht sich, den sensiblen Jungen aufzuheitern, doch dabei lässt sie für einige Minuten Poppy aus den Augen, die auf einmal verschwunden ist ...
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Seitenzahl: 127
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Schon früh kann Liebe weh tun
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: iStockphoto / 4FR
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-3570-5
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.
Schon früh kann Liebe wehtun
Wie Hedi Kastler den kleinen Max tröstete
Von Verena Kufsteiner
Irmi kann nicht fassen, dass sie ihren egozentrischen und fordernden Chef, den berühmten Schauspieler Piet Deringer, als seine persönliche Assistentin auch noch in dessen Urlaub begleiten muss. Dabei hatte sich die alleinerziehende Mutter so darauf gefreut, endlich einmal ein paar Tage Zeit für ihren Sohn Max zu haben. Zumindest darf sie diesen aber mit ins Zillertal nehmen, während Piet von seiner Tochter Poppy begleitet wird, für die er seit seiner Scheidung allein verantwortlich ist.
In St. Christoph werden die vier von Hedi Kastler, der Inhaberin des Berghotels, freundlich begrüßt. Die Hotelchefin erkennt schnell, dass der attraktive Schauspieler und seine hübsche Assistentin auch im Urlaub viel arbeiten müssen und wenig Zeit für die Kinder haben. Spontan bietet sie an, sich bei Bedarf um die beiden Kleinen zu kümmern.
Als sich Max in die lebhafte Poppy verliebt, bahnt sich großer Liebeskummer an, denn Max ist nicht der einzige Verehrer des süßen Madels. Hedi bemüht sich, den sensiblen Jungen aufzuheitern, doch dabei lässt sie für einige Minuten Poppy aus den Augen, die auf einmal verschwunden ist …
Piet Deringers Blick flammte vor Leidenschaft, als er seine Angebetete ansah. Mit wenigen großen Schritten war er bei ihr, zog sie in seine starken Arme und vergrub das Gesicht in ihrem Haar. Die schöne Blondine seufzte sehnsüchtig und schmiegte sich an ihn. Dann jedoch ging ein Ruck durch ihren Körper, und sie stemmte die Hände gegen seine breite Brust.
»Glaub net, ich hätt vergessen, dass du mich betrogen hast«, fauchte sie und funkelte ihn wütend an. »Das werd ich dir niemals verzeihen!«
Sein Blick verdunkelte sich, seine Augenbrauen zogen sich finster zusammen.
»Ich habe dich nie betrogen«, grollte er. »Aber wenn du mir so etwas zutraust, hat unsere Beziehung keinen Sinn mehr.«
Irmi, die die Szene mit ansah, lächelte. Piet war wirklich ein glänzender Schauspieler, das musste man ihm lassen. Mit seinem Co-Star, der reizenden Marly Clark, drehte er gerade eine neue Folge der Seifenoper, mit der er bekannt geworden war. Marly war eine bildschöne Frau; mit den blonden Locken und langen Beinen zog sie normalerweise alle Blicke auf sich, doch was die schauspielerische Leistung betraf, konnte sie es nicht mit Piet aufnehmen. Er spielte mit einer Intensität, die einen völlig gefangen nahm.
Obwohl Irmi seit Jahren für ihn arbeitete und ihn häufig vor der Kamera erlebt hatte, war sie von seinen Darbietungen immer wieder von Neuem überwältigt. Doch so gut er auch als Schauspieler war: Als Chef konnte er ganz schön anstrengend sein. Auf ihre anfängliche Begeisterung, als sie die Stelle als seine persönliche Assistentin ergattert hatte, war bald Ernüchterung gefolgt. Für ihn zu arbeiten, raubte ihr manchmal den letzten Nerv.
Ihr Magen knurrte geräuschvoll, und sehnsüchtig dachte sie an den Schokoriegel-Automaten im Eingangsbereich des Gebäudes. Am liebsten wäre sie losgeflitzt und hätte sich eine kleine Jause geholt, aber sie konnte nicht weg. Piet war zwar gerade beschäftigt, aber als seine Assistentin musste sie immer parat stehen.
Sie wusste nie, wann er sie brauchte – und wehe, sie war einmal nicht verfügbar, wenn er nach ihr rief. Das hatte sie in der Vergangenheit einmal gewagt, und es hatte ein gehöriges Donnerwetter nach sich gezogen.
Also blieb sie genau da, wo sie war: In einem Winkel des Fernsehstudios, wo sie niemandem im Weg war, versteckt hinter Kameras und allerlei anderer Technik, mit direktem Blick auf Piet, sodass sie auf jeden seiner etwaigen Wünsche sofort reagieren konnte.
Als hätte er ihre Gedanken über seine Kollegin gehört, veränderte sich Piets Mimik plötzlich ganz schlagartig. Die Leidenschaft verschwand aus seinem Blick und machte einem kühlen, überheblichen Ausdruck Platz; seine Mundwinkel sanken unwillig hinab. Er schob seine hübsche Schauspielpartnerin, die ihn gerade leidenschaftlich umarmt hatte, unwirsch von sich weg.
»Marly, das kann net dein Ernst sein. Was soll das?«, knurrte er. »Du bringst überhaupt keine Emotionen rüber. Wenn du weiter so hölzern spielst, kann man mir ebenso gut einen Besenstiel als weibliche Hauptdarstellerin vor die Nase setzen.«
»Cut!«, rief der Regisseur. »Was ist denn los? Warum haben Sie die Szene unterbrochen?«
»Ich kann unter diesen Bedingungen einfach net arbeiten«, schnaubte Piet.
Die arme Marly war offensichtlich den Tränen nahe.
»Ich brauch eine Pause«, presste sie hervor, ließ sich auf einen Stuhl fallen und verschränkte die Arme vor der Brust.
Der Regisseur schüttelte leicht den Kopf, verkniff sich aber einen Kommentar über Piets Verhalten. Er wusste nur zu gut, wie schwierig der erfolgreiche Schauspieler sein konnte, doch weil Piet der unangefochtene Star der Serie war, wollte er ihn bei Laune halten.
»In Ordnung, wie machen eine kurze Pause«, sagte er. »Zehn Minuten, dann geht’s weiter.«
»Irmgard!«, rief Piet herrisch und winkte sie ungeduldig herbei. »Ich hab Durst.«
Irmi seufzte resigniert. Ihre wäre es lieber gewesen, er würde sie bei ihrem Spitznamen nennen, so, wie es auch alle anderen Leute taten. »Irmgard« war sie sonst nur von ihrer strengen Großtante gerufen worden, und auch das nur, wenn sie etwas angestellt hatte und die Großtante ein Hühnchen mit ihr rupfen wollte. Sie hatte Piet mehrmals darauf aufmerksam gemacht, aber er vergaß es von Mal zu Mal wieder.
Rasch griff sie nach dem kleinen Silbertablett, das sie auf einem Schränkchen abgestellt hatte. Darauf befand sich Zitronenwasser mit Eiswürfeln – das Getränk, das Piet momentan am liebsten zu sich nahm. Darum achtete sie darauf, stets welches griffbereit zu haben, für den Fall, dass er Durst bekam. Piet wartete nicht gern, und wenn sie seine Wünsche nicht schnell genug erfüllte, reagierte er meist ungeduldig. Also brachte sie das Zitronenwasser nun eilfertig zu ihm.
»Hat sich mein Agent schon gemeldet?«, fragte er sie zwischen zwei Schlucken. Es gab einige Dinge, die er mit seinem Agenten besprechen wollte, weswegen er Irmi aufgetragen hatte, einen Termin zu machen.
»Ja, freilich, und ich habe auch direkt einen Gesprächstermin vereinbart.« Sie nickte. »Der Herr Gmoser hat zuerst gesagt, er hätt erst nächste Woche Zeit, aber ich habe darauf bestanden, dass du auf keinen Fall so lang warten willst. Wir können also heute um siebzehn Uhr bei ihm vorbeifahren. Ich hab’s in deinem Kalender vermerkt.« Sie war immer bestens organisiert und sehr tüchtig, deswegen hatte sie die Stelle als Assistentin bekommen.
»Das kollidiert hoffentlich net mit meinem Arzttermin?«, fragte er stirnrunzelnd.
»Aber nein«, versicherte sie eilig. »Der Termin bei Dr. Brunner ist um sechzehn Uhr, das müsste problemlos hinhauen. Es ist gar net weit von der Arztpraxis bis zu Herrn Gmosers Villa, ich habe alles genau geplant.«
»Gut, gut«, sagte er geistesabwesend. Sie hätte schwören können, dass er innerlich schon wieder bei der Szene war und dass er in Gedanken seinen Text durchging. Er bedankte sich nicht; weder für das Zitronenwasser noch dafür, wie gut sie seine Termine koordinierte. Doch sie hatte auch keinen Dank erwartet.
Solange er ihr Gehalt pünktlich überwies und sie halbwegs zeitig in ihren Feierabend schickte, war sie zufrieden.
Er stellte das halb leere Glas zurück auf das Tablett und gab ihr einen Wink, woraufhin sie sich zurückzog. Die Dreharbeiten wurden wieder aufgenommen, Piet und Marly nahmen ihre Positionen ein, die Kameras richteten sich auf sie.
»Action!«, rief der Regisseur, und die abgebrochene Szene wurde fortgesetzt.
Irmi konnte sich ein Kopfschütteln nicht verkneifen, als sie zusah. Er spielte so gut und gefühlvoll, dass man ihm jede Emotion abnahm. Zärtlich nahm er Marlys Gesicht in beide Hände und küsste sie mit einer solchen Hingabe, dass ein Seufzen durch das Fernsehstudio ging.
Obwohl jeder hier wusste, dass der Kuss bloß für die Kameras stattfand, konnte einem die dargestellte Szene eine Gänsehaut auf die Unterarme zaubern.
Es war gar kein Wunder, dass Piet so viele weibliche Fans hatte und dass so viele Frauen in ihn verliebt waren, dachte Irmi bei sich. Für so viele Damen, die ihn gar nicht persönlich kannten, war er der Traummann schlechthin.
Zum einen sah er unglaublich gut aus, das musste man zugeben. Das markante Kinn und die kühn geschwungenen dunklen Augenbrauen verliehen ihm etwas Verwegenes; die Haare waren dunkelbraun, beinahe schwarz, und fielen ihm in einem eigenwilligen Wirbel in die Stirn. Seine Augen waren von einem intensiven Grün, das man sonst höchstens auf Bildern sah, fast nie jedoch im realen Leben.
Sein Lächeln konnte Frauenherzen zum Schmelzen bringen, und seine wohlklingende, samtige Stimme ließ jeden Satz wie eine Verheißung klingen.
Dazu kam, dass er in Filmen und Serien häufig romantische, geheimnisvolle und aufregende Charaktere spielte; faszinierende Männer, die man anschmachten konnte und von denen man nachts träumte. Männer, die auf den ersten Blick vielleicht rau wirkten, zur Frau ihres Herzens jedoch zärtlich und sanft waren und für sie die Sterne vom Himmel holten.
Leise schnaubte Irmi. Wenn seine Fans wüssten, wie Piet im echten Leben war! Im Gegensatz zu den von ihm verkörperten Film- und Seriencharakteren war er kein bisschen sanft. Nein, er war unwirsch, griesgrämig und ausgesprochen fordernd. Sein ganzes Umfeld litt unter seinen wechselnden Launen – und ganz besonders litt Irmi unter ihnen.
***
Mit raschen, großen Schritten eilte Piet über den Gang der noblen Arztpraxis, ohne sich darum zu kümmern, dass seine Assistentin kaum mit ihm Schritt halten konnte. Er hasste es, zu Ärzten zu gehen; ganz besonders, wenn er keinen triftigen Grund dafür sah. So schnell würde er schon nicht abtreten; auch wenn ihm manche Leute vermutlich die Pest an den Hals wünschten, dachte er spöttisch.
Er sah es als eine Zeitverschwendung an, und da er ohnehin im Dauerstress war und einen Termin nach dem anderen hatte, fiel es ihm schwer, auch noch einen Arztbesuch zwischen Dreharbeiten, Besprechungen und Interviews zu quetschen. Sein Agent hatte jedoch darauf bestanden, dass er sich wegen des Herzrasens, das ihn neuerdings immer wieder plagte, untersuchen ließ. Wäre Harald Gmoser nicht so hartnäckig gewesen, wäre Piet nun ganz gewiss nicht in der Praxis von Dr. Brunner gewesen.
Er murmelte eine Begrüßung und marschierte dann einfach an der Sprechstundenhilfe am Empfang vorbei, ohne ihre Antwort abzuwarten.
»In Ordnung, Herr Deringer«, rief die junge Frau ihm verdattert hinterher. »Sie können direkt durch zur Frau Doktor! Sie wartet schon im Sprechzimmer auf Sie.«
Er merkte, dass Irmi hinter ihm eine hastige Entschuldigung murmelte. Vermutlich warf sie der Sprechstundenhilfe gerade einen verlegenen Blick zu. Sollte sie ruhig, wenn sie sich dann besser fühlte; ihm jedoch war es egal, was andere Leute über ihn dachten.
Die Ärztin ließ sich durch seinen Auftritt und seine finstere Miene nicht aus dem Konzept bringen. Ruhig lächelnd blickte sie ihm entgegen und reichte ihm die Hand. Sie nahm sich viel Zeit, um ihn eingehend zu untersuchen.
»Körperlich ist mit Ihnen eigentlich alles in Ordnung«, sagte sie schließlich. »Das Herzrasen, das sie gelegentlich verspüren, liegt vermutlich an dem vielen Stress, den Sie haben. Daran sollten Sie dringend etwas ändern.«
Unwillig runzelte er die Stirn.
»Ach, hören’s mir auf. Heutzutag hat halt jeder Stress, das lässt sich gar net vermeiden. Daran geht man ja net gleich kaputt.«
Ihr Lächeln blieb freundlich, ihre klugen grauen Augen sahen ihn milde an.
»Sie sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen, Herr Deringer. Sie haben vorhin auch Schlafprobleme erwähnt.«
Er zuckte mit den Schultern.
»Ich kann abends meist ewig lang net einschlafen. Meist lieg ich bis zum Morgengrauen wach. Aber was soll’s? Gegen die Müdigkeit hat man Kaffee erfunden.«
Sie seufzte und schüttelte leicht den Kopf.
»Sie glauben nicht, wie viele Patienten ich habe, die auch so denken wie Sie. Jeder denkt, ewig so weitermachen zu können. Aber früher oder später holt ein ungesunder Lebenswandel fast jeden ein.«
»In meinem Beruf kann ich net kürzertreten«, erklärte er ungeduldig.
Sie verzog keine Miene.
»Sie haben doch eine kleine Tochter, nicht wahr? Hat das Mädchen es nicht verdient, so lange wie möglich einen gesunden Vater zu haben? Sie sollten wirklich mehr auf sich achten, nicht nur für sich selbst, sondern auch Ihrer Tochter zuliebe.«
Er presste die Lippen zusammen. Die Ärztin hatte einen empfindlichen Punkt getroffen. Sein kleines Mädchen war das Wichtigste in seinem Leben, er wollte so gut wie möglich für sie sorgen. Wenn das bedeutete, dass er besser auf seine eigene Gesundheit achten musste, dann sollte es eben so sein.
»Was empfehlen Sie mir?«, fragte er schicksalsergeben. »Irgendwelche Vitaminpillen? Yoga? Weniger arbeiten kann ich net, selbst wenn ich’s wollte. Die Filme und Serien drehen sich net von allein.«
»Yoga kann nicht schaden«, sagte sie ruhig. »Aber ich dachte noch an etwas anderes. Herr Deringer, wann haben Sie eigentlich zum letzten Mal Urlaub gemacht?«
Mit der Frage hatte sie ihn überrumpelt. Er verzog unwillig den Mund und musste erst einmal darüber nachdenken.
»Vor zwei Jahren habe ich einen Film in Italien gedreht. Blaues Meer, weißer Sandstrand. Ist das genug Urlaub?«
Ein Schmunzeln umspielte ihre Mundwinkel.
»Also wirklich. Wenn Sie dort waren, um einen Film zu drehen, dann war das Arbeit und kein Urlaub, selbst wenn Sie am Meer waren. Wie ich Sie einschätze, haben Sie sich vermutlich auch nach Drehschluss kaum Freizeit gegönnt, gell?«
Er konnte ihr nicht widersprechen. Während das restliche Filmteam nachmittags oft noch losgezogen war, um durch die lauschigen Straßen zu flanieren, sich in hübschen Cafés ein Tiramisu zu gönnen oder sich im Meer abzukühlen, hatte er meist in seinem Zimmer über Drehbüchern gebrütet, Texte geübt und versucht, sich besser in seine Rollen einzufühlen.
Er war momentan in der Filmbranche sehr gefragt und drehte ausgesprochen viele Filme, da blieb wenig Freizeit.
Dass er nicht antwortete, hatte der Ärztin wohl alles gesagt, was sie wissen musste. Sie nickte energisch.
»Herr Deringer, ich empfehle Ihnen dringend, sich freizunehmen und mit Ihrer Tochter Urlaub zu machen. Sie brauchen keine Medikamente, sondern eine Auszeit vom Berufsstress. Suchen Sie sich eine ruhige Gegend – warum fahren Sie nicht in die Berge? In Tirol beispielsweise gibt es ganz zauberhafte Ecken.«
»Na schön, ich werde versuchen, mir ein paar Tage freizuschaufeln«, grummelte er.
»Mindestens zwei Wochen«, sagte sie mit gleichbleibend freundlichem Lächeln. »Besser wären drei oder gar vier Wochen. Sie müssen richtig abschalten.«
Er widerstand nur mühsam dem Impuls, eine Grimasse zu ziehen. Allmählich gewann er den Eindruck, die Ärztin hatte Spaß daran, ihn zu triezen.
»Wenn’s sein muss«, entgegnete er etwas säuerlich und reichte ihr zum Abschied die Hand. »Zwei Wochen oder sogar noch mehr«, murmelte er leise vor sich hin, während er das Sprechzimmer verließ. Er war gar nicht erpicht auf eine so lange Auszeit.
Er gestand es sich nicht gerne ein, aber ohne die viele Arbeit fühlte er sich rastlos und seltsam leer. Am liebsten hätte er das Versprechen, das er Dr. Brunner gegeben hatte, sofort wieder vergessen. Aber sie war eine gute Ärztin, und wenn sie meinte, er bräuchte eine Auszeit, dann hatte sie damit vermutlich recht.
Er würde also Urlaub machen, seiner Tochter zuliebe. Zumindest Poppy würde Spaß haben, wenn er mit ihr in die Berge fuhr.
