Das Berghotel 126 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 126 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Für Pia ist es eine freudige Überraschung, als sie von den Eltern ihrer besten Freundin eingeladen wird, zusammen mit der Familie einen Urlaub im Zillertal zu verbringen.

Die beiden bildhübschen Madeln sind seit vielen Jahren eng befreundet, obwohl sie auf den ersten Blick recht unterschiedlich sind. Die blonde Ellie hat es ihm Leben immer leicht gehabt, alles ist ihr ohne viel Mühe zugefallen, und sie strotzt nur so vor Unternehmungslust und Selbstbewusstsein. Die dunkelhaarige Pia hingegen hat eine schwere Zeit hinter sich, ihre Mutter ist früh verstorben, und zu ihrem Vater hatte sie nie einen guten Kontakt. Ihre Zeit verbringt sie am liebsten mit Büchern; während sie in romantischen Schmökern versinkt, kann sie vergessen, dass sie selbst noch nie einen Freund hatte.

Im Berghotel lernen die Freundinnen den attraktiven Hanno kennen, und auf den ersten Blick verlieben sie sich in den feschen Burschen. Das allein wäre schon eine enorme Belastungsprobe für ihre Freundschaft, doch die Sache wird noch schwieriger, denn Hanno fühlt sich zu beiden Madeln hingezogen ...

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Cover

Impressum

Zwei Madeln sind eines zu viel

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: iStockphoto / Photolyrik

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-3767-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.

Zwei Madeln sind eines zu viel

… doch die Wahl zwischen den Freundinnen fiel Hanno schwer

Von Verena Kufsteiner

Für Pia ist es eine freudige Überraschung, als sie von den Eltern ihrer besten Freundin eingeladen wird, zusammen mit der Familie einen Urlaub im Zillertal zu verbringen.

Die beiden bildhübschen Madeln sind seit vielen Jahren eng befreundet, obwohl sie auf den ersten Blick recht unterschiedlich sind. Die blonde Ellie hat es ihm Leben immer leicht gehabt, alles ist ihr ohne viel Mühe zugefallen, und sie strotzt nur so vor Unternehmungslust und Selbstbewusstsein. Die dunkelhaarige Pia hingegen hat eine schwere Zeit hinter sich, ihre Mutter ist früh verstorben, und zu ihrem Vater hatte sie nie einen guten Kontakt. Ihre Zeit verbringt sie am liebsten mit Büchern; während sie in romantischen Schmökern versinkt, kann sie vergessen, dass sie selbst noch nie einen Freund hatte.

Im Berghotel lernen die Freundinnen den attraktiven Hanno kennen, und auf den ersten Blick verlieben sie sich in den feschen Burschen. Das allein wäre schon eine enorme Belastungsprobe für ihre Freundschaft, doch die Sache wird noch schwieriger, denn Hanno fühlt sich zu beiden Madeln hingezogen …

Pia kurbelte ihr Autofenster hinunter und blickte begeistert hinaus. Der Fahrtwind pfiff ihr um die Nase, zerzauste ihre brünetten Haare und trug einen herrlich frischen Duft ins Auto. Die Sonne schien strahlend, und dennoch war nicht zu übersehen, dass der Herbst hereingebrochen war.

Die Blätter der Bäume leuchteten in flammenden Farben von Rot über Orange bis hin zu beeindruckenden Goldtönen. Immer schon war der Herbst Pias liebste Jahreszeit gewesen. Sie liebte diese intensiven Farben und die gemütliche Stimmung. Ihr wurde ganz warm ums Herz, als sie den Blick schweifen ließ.

»Jessas na, du hast ja noch gar nix gelesen. Bist du etwa krank?«, scherzte Ellie. Ihre himmelblauen Augen blitzten vergnügt.

Pia musste grinsen, als sie auf das Buch auf ihrem Schoß hinabblickte. Tatsächlich nutzte sie normalerweise jede freie Minute, um in packenden Liebesromanen zu versinken. Während dieser Autofahrt hatte sie das Buch aber gar nicht aufgeschlagen. Zuerst hatte sie angeregt mit ihrer besten Freundin und deren Eltern geratscht und gescherzt, und nun, da sie sich ihrem Ziel näherten, konnte sie den Blick kaum von der Landschaft abwenden.

»Vielen Dank noch einmal dafür, dass ihr mich mitnehmt«, sagte sie aus tiefstem Herzen. »Ihr wisst ja gar net, wie sehr ich mich darüber freue.«

Ellies Mutter Matilda lächelte sie im Rückspiegel an.

»Ach Pia, das machen wir doch gern. Du gehörst ja praktisch zur Familie, gell? Für uns ist’s fast, als hätten wir zwei Madeln und net nur eines.«

Vor Rührung musste sich Pia eine Träne aus dem Augenwinkel wischen. Es bedeutete ihr viel, von Ellies Familie so herzlich aufgenommen zu werden. Ihre eigene Mutter war gestorben, als sie noch ganz klein gewesen war; sie konnte sich kaum an sie erinnern. Sie lebte bei ihrem Vater, doch nahegestanden hatten sie einander noch nie. Vielmehr hatte sie immer schon das Gefühl gehabt, ihm bloß zur Last zu fallen.

Doch in Ellie und deren Eltern hatte sie eine zweite Familie gefunden, die ihr Halt und Geborgenheit schenkte. Sie hielt sich beinahe mehr bei ihrer besten Freundin auf als bei sich zu Hause. Dass diese lieben Leute sie nun auch noch in den Familienurlaub mitgenommen hatten, war typisch für sie, und Pia wusste gar nicht, wie sie ihnen ihre Herzensgüte je vergelten sollte.

»Alle Mann aufgepasst!«, rief Ellies Vater Adrian in seiner besten Reiseführer-Stimme, »zu unserer Rechten erstrecken sich die Zillertaler Alpen.«

Aufgeregt spähte Pia auf Ellies Seite aus dem Fenster und kletterte dabei fast über ihre Freundin, um einen besseren Ausblick zu haben.

»Wunderschön«, stieß sie staunend hervor, als sie die hohen, schroffen Berge sah. Die Landschaft war atemberaubend. Obwohl es bis zum Winter noch eine Weile dauerte, lag auf einigen Gipfeln Schnee, und Pia erinnerte sich daran, gelesen zu haben, dass das sogar im Sommer der Fall war.

Die schneebedeckten weißen Berggipfel bildeten eine wunderschöne Kulisse für die prachtvollen Wälder, die in herbstlichen Farben erstrahlten.

Ellie lachte. »Du schaust ja drein, als wärst du noch nie in den Bergen gewesen. Wir sind doch nur in Tirol, net etwa im Himalaya.«

Pia schluckte.

»Ich war aber wirklich noch nie in den Bergen. Mein Papa hat ja nie Urlaub mit mir gemacht. Einmal, als ich klein war, hat er mich in den Sommerferien zu meinen Großeltern nach Wien geschickt. Aber denen war’s zu viel Arbeit und Mühe, sich um ein kleines Madel zu kümmern. Also ist’s bei dem einen Urlaub geblieben. Ansonsten bin ich nie weggefahren, die schulfreie Zeit hab ich immer daheim in Graz verbracht.«

Matilda drehte sich zu ihr um, soweit der Sicherheitsgurt es zuließ. Die blauen Augen der gebürtigen Schwedin blickten mitfühlend drein.

»Armes Madel«, sagte sie. »Da wird’s einem ganz anders zumute, wenn man mitkriegt, wie andere Kinder aufwachsen.«

Pia lächelte. »Halb so wild. Freilich war’s net immer leicht, aber ich hab ja die Ellie als Freundin und war immer viel bei euch zu Besuch. Und sogar den lang ersehnten Urlaub kann ich jetzt erleben.«

Sie lehnte sich im Sitz zurück und betrachtete weiterhin die Umgebung. Je näher sie ihrem Ziel kamen, desto schöner wurde die Landschaft. Jetzt schon war sie sich sicher, nie an einem schöneren Ort gewesen zu sein. Entspannt wippte sie mit dem Fuß im Takt der fröhlichen Musik, die aus dem Autoradio drang.

Auch Ellie schien die Musik zu gefallen, sie summte leise mit. Ihre glänzenden blonden Haare wippten, als sie leicht mit dem Kopf nickte. Sie wirkte glücklich und ganz gelassen – und doch fragte sich Pia seit Wochen, wie es wirklich im Herzen ihrer besten Freundin aussah.

»Du, Ellie?«, fragte sie leise. »Ist alles okay mit dir?«

Verwundert erwiderte Ellie ihren Blick.

»Ja, aber freilich. Was soll denn sein?«

Pia seufzte. »Na, was schon. Ellie, es ist erst wenige Wochen her, dass der Jakob mit dir Schluss gemacht hat. Ich freu mich ja aufrichtig, dass du so gut mit der Trennung klarkommst – ich frag mich bloß, ob es dir wirklich so gut geht oder ob du mir was vormachst. Nimm’s mir net übel, Ellie. Ich kann mir einfach nur net vorstellen, dass du das Beziehungsende so einfach wegsteckst.«

Ellie verdrehte die Augen.

»Was willst du denn jetzt von mir hören?«, fragte sie.

Pia runzelte bekümmert die Stirn.

»Ich will nur, dass du offen und ehrlich mit mir sprichst. Wir sind doch beste Freundinnen – du kannst mir alles sagen! Wenn du Kummer hast, dann musst du das net vor mir verbergen.«

Sie hatte gedacht, Ellies Eltern hätten das leise Gespräch nicht gehört, da die Musik so laut war. Doch Adrian räusperte sich.

»Ellie, Liebes, darüber wollten deine Mutter und ich auch noch mit dir reden. Wir machen uns Sorgen um dich.«

»Wir fragen uns, ob’s dir wirklich so blendend geht, wie’s den Anschein macht«, schaltete sich auch Matilde ein. »Madel, du kannst jederzeit mit uns reden.«

Ellie stöhnte genervt.

»Was wird denn das jetzt für ein Kreuzverhör? Freilich geht’s mir gut. Der Jakob ist ein Depp, also werd ich ihm sicherlich net hinterherweinen. Keine einzige Träne. Können wir das Thema jetzt auf sich beruhen lassen? Den Urlaubsbeginn mag ich sicherlich net damit verbringen, über meinen Exfreund zu reden.«

Pia verstummte, sie hakte nicht weiter nach. Doch immer noch sorgte sie sich um Ellie. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass diese die Trennung von ihrem Exfreund so einfach verarbeitet hatte. Ellie war doch so verliebt gewesen in Jakob – dass er plötzlich mit einem anderen Madel angebandelt hatte, konnte ihr doch nicht gleichgültig sein.

Als hätte Ellie ihre Gedanken gelesen, lächelte sie ihr nun beruhigend zu.

»Nun glaub mir doch, Pia. Mir geht’s gut, ganz ehrlich. Die Burschen sind mir egal, und allen voran der depperte Jakob.«

Pia nickte. Daran wollte sie gerne glauben. Ellie hatte recht, dieser Hallodri Jakob hatte es wirklich nicht verdient, dass man sich seinetwegen grämte.

***

Ellie breitete die Arme weit aus und drehte sich im Kreis. Dann ließ sie sich schwungvoll in das weiche Bett fallen.

»Das Hotelzimmer ist großartig«, jauchzte sie.

»Oh ja, ist es net einfach zauberhaft?«, entgegnete Pia begeistert.

Sobald sie angekommen waren, hatte das Sporthotel »Am Sonnenhang« sie beide in seinen Bann gezogen. Bereits von außen sah es reizend aus: Ein gepflegtes großes Haus in idyllischer Lage, ganz im alpinen Stil gehalten. Die Hotelchefin Hedi Kastler hatte sie höchstpersönlich an der Rezeption in Empfang genommen und ihnen ein paar Tipps zu Ausflugszielen in der Umgebung gegeben.

Der Anblick des Zimmers, das die Madeln sich teilten, machte den einladenden, gemütlichen Eindruck perfekt: Die Einrichtung war sorgfältig und geschmackvoll ausgewählt. Die Bauernmöbel waren aus heimischem Zirbelholz gefertigt, wie eine kleine Informationsbroschüre verriet, und verströmten einen wunderbar warmen Duft.

Frische Trauben und Nüsse lagen in der Obstschale auf dem Tischchen, ebenso wie kleine Schokoladentafeln als süßer Gruß. Das Bett war so kuschelig, dass man es sich am liebsten auf der Stelle darin bequem machen wollte.

»Komm schon, jetzt ist net die rechte Zeit zum Faulenzen«, rief Pia ausgelassen. Das Madel wirbelte durch das Zimmer, sah sich alles an, öffnete die Fenster ganz weit und begann dann eifrig den Koffer auszupacken.

Schmunzelnd sah Ellie ihrer besten Freundin zu. Eigentlich war Pia die Ruhigere von ihnen, meist hielt sie sich scheu im Hintergrund. Nun jedoch war sie ganz aus dem Häuschen und glühte förmlich vor Glück. Ellie war sehr froh, dass sie Pia in den Urlaub mitgenommen und ihr damit eine solche Freude gemacht hatten. Sie so glücklich zu sehen, munterte auch Ellie ein wenig auf.

Nur mühsam konnte sie ein trauriges Seufzen unterdrücken. Freilich hatte Pia recht – die Trennung von Jakob nagte an ihr. Dass er sie für ein anderes Madel verlassen hatte, war wie eine schmerzhafte Ohrfeige gewesen, die sie immer noch spürte. Ein paar Wochen reichten nicht aus, um die Wunde in ihrem Herzen zu heilen.

Doch das wollte sie sich auf keinen Fall anmerken lassen. Die Traurigkeit verbarg sie tief in ihrem Herzen; niemand sollte etwas davon mitbekommen. So gut wie möglich verdrängte sie die Gedanken an ihren Exfreund und konzentrierte sich stattdessen auf das Hier und Jetzt.

»Ach herrje, hast du eine halbe Buchhandlung leer gekauft?«, rief sie lachend aus, als sie die vielen Bücher sah, die Pia aus ihrem Koffer holte und auf den Tisch stellte. »Wann willst du die denn alle lesen? Selbst wenn du den ganzen Urlaub lesend im Hotelzimmer verbringst, wirst du damit net fertig.«

Pia schmunzelte. »Aber geh. Der Lesestoff reicht mir normalerweise höchstens für ein paar Tage.«

Ellie schüttelte den Kopf.

»Du bist halt eine waschechte Leseratte.«

Pia griff nach einem der Bücher und drückte es an ihre Brust.

»Diese romantischen Romane machen mich einfach glücklich«, erklärte sie verträumt. »Weißt du … Im echten Leben hatte ich ja noch nie einen Freund, aber durch Bücher kann ich dennoch Liebesgeschichten erleben.« Ihr Tonfall wurde trauriger. »Wer weiß, ob ich den Richtigen in der Wirklichkeit je kennenlerne. Dann bleibt mir zumindest die Fantasie.«

Ellie sprang auf. Mit wenigen schnellen Schritten war sie bei ihrer besten Freundin.

»Sag doch so was net«, forderte sie energisch. Freilich wird der Traumprinz eines Tages auftauchen – und zwar ganz real.«

Was sie nicht dazusagte, war, dass sie das gar nicht so erstrebenswert fand. Sie hatte Jakob für den Richtigen gehalten, und was hatte es ihr eingebracht? Bloß ein gebrochenes Herz. Doch sie wollte Pias Träume nicht zerstören, indem sie ihre vernichtende Meinung über die Liebe zum Besten gab.

»Ich weiß net so recht«, sagte Pia zögerlich. »Manchmal denk ich mir, warum sollt sich denn ein Bursche in mich verlieben, wenn’s doch auch so schöne Madeln wie dich gibt? Ich bin so unscheinbar. Ich wette, die meisten Burschen bemerken mich gar net.«

Entschlossen umfasste Ellie Pias Schultern und führte sie zum Spiegel.

»Nun schau dich doch einmal an«, forderte sie. »Siehst du denn gar net, wie hübsch du bist?«

Pia seufzte. »Meinst du? Ich hätt viel lieber so blonde Haare und blaue Augen wie du.«

»Papperlapapp.«

Ellie schüttelte den Kopf.

»Ob ein Mann dunkle oder helle Haare lieber mag, ist doch bloß Geschmackssache. Den einen gefällt eine rassige Brünette, den anderen eine zarte Blondine, wieder andere haben eine Vorliebe für Rothaarige. Aber weißt du was? Diese Äußerlichkeiten zählen ja höchstens im ersten Moment. Im Endeffekt kommt’s doch nur auf das Herz und auf den Charakter an. Davon hängt’s ab, ob zwei Leute dauerhaft miteinander glücklich sein können.«

Nebeneinander waren ihre Gesichter im Spiegel zu sehen. Auf den ersten Blick war Ellie vielleicht wirklich ein wenig auffälliger mit ihren himmelblauen Augen, der schlanken Statur und den blonden Haaren, die im Sonnenlicht glänzten wie gesponnenes Gold.

Doch Pia war nicht weniger hübsch. Der Blick aus ihren braunen Rehaugen war sanft, die Wangen frisch und rosig. Ihr scheues Lächeln ließ sie wie eine geheimnisvolle Madonna wirken. Um die dichten brünetten Haare hatte Ellie ihre Freundin sogar manchmal insgeheim beneidet.

»Na schön, wahrscheinlich hast du recht«, meinte Pia. Schon konnte sie wieder lächeln. »Außerdem will ich jetzt eh net Trübsal blasen. Es ist unser erster Urlaubstag! Komm, wir ziehen uns fürs Abendessen was Hübsches an. Wer weiß, vielleicht läuft uns ja im Speisesaal die Liebe unseres Lebens über den Weg.« Sie zwinkerte Ellie zu und warf noch einen verträumten Blick auf ihr Buch, auf dessen Umschlag ein fescher blonder Mann abgebildet war, bevor sie es behutsam zurück auf den Stapel legte.

Ellies Lächeln fiel etwas gezwungen aus. Das Letzte, was sie gebrauchen konnte, waren irgendwelche Burschen, die ihnen im Speisesaal oder sonst wo im Urlaub über den Weg liefen und Verwirrung stifteten. Die Männer waren doch alle gleich – erst umgarnten sie einen mit schönen Worten, dann ließen sie einen fallen wie eine heiße Kartoffel.

Um sich selbst zu schützen, wollte sie sich von Schürzenjägern fernhalten, das nahm sie sich fest vor. Sie konnte nur hoffen, Pia würde es ähnlich halten und ihr Herz nicht verschenken, denn Urlaubsliebeleien gingen doch meist nicht gut aus.

***

»Bist du sicher, dass du net mitkommen willst?«, fragte Pia am nächsten Tag zum wohl hundertsten Mal. »Ich mein – wie oft hat man denn die Gelegenheit, eine Erlebnis-Sennerei zu besuchen? Das wird sicherlich eine Gaudi!«

Beim Frühstück hatten Ellies Eltern alle möglichen Flyer und Broschüren auf dem Tisch ausgebreitet. Es gab zahlreiche Dinge, die man hier in der Gegend unternehmen konnte, und so war die Wahl schwergefallen. Schließlich hatten sich Matilda, Adrian und Pia einstimmig für die Sennerei entschieden. Nur Ellie wollte im Hotel bleiben.

In dem Moment klopfte es an der Tür, und die Eltern waren da, um Pia abzuholen.

»Willst du denn wirklich net mitkommen?«, fragte Ellies Mutter besorgt. »Du verpasst was, mein Schatzerl.«

Ellie seufzte und rieb sich die Stirn.

»Ehrlich, ich will lieber hierbleiben. Mir ist net nach einem Ausflug, das ist alles.«

»Bist du krank? Wenn du dich net gut fühlst, bleib ich bei dir«, sagte Matilda und legte ihrer Tochter prüfend die Hand auf die Stirn, um festzustellen, ob sie Fieber hatte.