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Früher war das Leben von Rieke und ihrer Tochter Nele wunderschön und unbeschwert. Zusammen mit Neles Papa Erik hatten sie ein idyllisches Familienleben, in dem Geborgenheit, Lachen und Liebe ihren Alltag bestimmten. Doch diese Zeit ist vorbei, denn der geliebte Vater und Ehemann ist tot.
Wie soll es nun weitergehen?
Da Eriks Krankheit alle Ersparnisse aufgezehrt hat und Rieke die laufenden Kosten für ihr Haus nicht mehr aufbringen kann, muss sie ihr Zuhause schweren Herzens verkaufen und mit ihrer Tochter vorübergehend zu ihrer Schwester Wiebke ziehen. Als diese bei einem Preisausschreiben eine Reise ins Zillertal gewinnt, gibt sie den Gutschein für zwei Personen sofort an Rieke und Nele weiter.
Wiebke weiß nur zu gut, wie dringend ihre Schwester und ihre Nichte ein wenig Aufmunterung gebrauchen können. Doch nicht einmal sie ahnt, wie sehr diese Reise das Leben von Rieke und Nele verändern wird ...
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Unverhofftes Glück für zwei traurige Herzen
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: iStockphoto / Tuned_In
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-3768-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.
Unverhofftes Glück für zwei traurige Herzen
In St. Christoph blühen Rieke und ihre Tochter endlich wieder auf
Von Verena Kufsteiner
Früher war das Leben von Rieke und ihrer Tochter Nele wunderschön und unbeschwert. Zusammen mit Neles Papa Erik hatten sie ein idyllisches Familienleben, in dem Geborgenheit, Lachen und Liebe ihren Alltag bestimmten.
Doch diese Zeit ist vorbei, denn der geliebte Vater und Ehemann ist tot.
Wie soll es nun weitergehen?
Da Eriks Krankheit alle Ersparnisse aufgezehrt hat und Rieke die laufenden Kosten für ihr Haus nicht mehr aufbringen kann, muss sie ihr Zuhause schweren Herzens verkaufen und mit ihrer Tochter vorübergehend zu ihrer Schwester Wiebke ziehen. Als diese bei einem Preisausschreiben eine Reise ins Zillertal gewinnt, gibt sie den Gutschein für zwei Personen sofort an Rieke und Nele weiter.
Wiebke weiß nur zu gut, wie dringend ihre Schwester und ihre Nichte ein wenig Aufmunterung gebrauchen können. Doch nicht einmal sie ahnt, wie sehr diese Reise das Leben von Rieke und Nele verändern wird …
»Aufstehen, Spätzchen!«
Rieke Jansen zog die Vorhänge auf und beugte sich über ihre Tochter, um ihr einen Kuss auf die Nasenspitze zu geben.
Nele grummelte etwas, was nicht zu verstehen war. Dann zog sie ihre Zudecke über den Kopf und tauchte darunter ab wie ein Delphin unter die Wasseroberfläche.
»Ich mag nicht zur Schule gehen.«
»Seit wann denn das? Du lernst doch gern.«
»Nicht in der neuen Schule. Dort sagen alle, dass ich dumm bin.«
»Wer behauptet das?« Bestürzt setzte sich Rieke auf den Rand des Bettes. »Sag mir ihre Namen.«
Ihre Tochter schob die Zudecke zur Seite und blickte traurig auf.
»Die anderen Kinder glauben das alle, weil ich im Rechnen nicht mehr mitkomme. Mein alter Lehrer hat alles ganz anders erklärt. Bei ihm waren wir auch noch nicht so weit.«
Rieke schwieg. Es war hart, dass ihre Tochter mitten im Schuljahr die Schule wechseln musste, aber es hatte sich nicht vermeiden lassen. Nach ihrem Umzug wohnten sie in einem anderen Viertel von Hamburg. Aus diesem Grund musste sich Nele nun an eine neue Klasse gewöhnen.
»Wir werden den neuen Schulstoff in den Herbstferien üben. Dann hast du bald alles aufgeholt.«
»Ich würde lieber wieder in meine alte Schule gehen.«
»Das geht leider nicht. Es wäre jeden Tag ein Weg von anderthalb Stunden. Hin und zurück.«
»Das macht mir nichts aus. Ehrlich nicht.«
»Mir aber. Diese Zeit würde dir für die Hausaufgaben und beim Spielen fehlen. Das geht wirklich nicht.«
»Aber ich kenne in der neuen Klasse niemanden. Die anderen Kinder haben alle schon Freunde. Bloß ich nicht.« Nele ließ unglücklich den Kopf hängen. »Ich vermisse Lissy so sehr.«
Rieke wurde das Herz schwer. Die beste Freundin ihrer Tochter hatte an der alten Schule zurückbleiben müssen.
»Du wirst bald neue Freunde finden. Da bin ich mir ganz sicher.«
Nele krauste zweifelnd die Nase. Dabei ähnelte sie ihrem Vater so sehr, dass Rieke die Tränen in die Augen schossen. Ihr Mann hatte denselben Gesichtsausdruck gehabt, wenn er von einer Sache nicht überzeugt gewesen war. Oh, Himmel, wie er ihr fehlte!
Anderthalb Jahre waren nicht genug, um den Schmerz in ihrem Herzen zu lindern. Nicht einmal annähernd. Es hieß, die Zeit würde alle Wunden heilen, aber das stimmte nicht. Der Verlust ihres Mannes tat noch genauso weh wie am Tag seines Todes. Sie hatte nur gelernt, die Trauer tief in ihrem Inneren einzuschließen und damit zu leben.
Der Alltag mit einem Kind machte es erforderlich, dass sie funktionierte. Und das tat sie. Doch glücklich? Nein. Das war sie seit sechzehn Monaten und acht Tagen nicht mehr gewesen. Nicht einmal eine Sekunde lang.
Ihr Mann war lange krank gewesen. Trotzdem hatte nichts sie auf den Schlag vorbereitet, den sie gefühlt hatte, als er den Kampf gegen den Krebs endgültig verloren hatte. Nur für Nele war sie stark geblieben und hatte sich durch die Tage gekämpft. Die Vorstellung einer ganzen Zukunft ohne ihn war unerträglich, deshalb hatte sie es sich angewöhnt, von Tag zu Tag zu leben.
Nele vermisste ihren Vater ebenfalls. In der ersten Zeit hatte sie nachts wieder eingenässt. Das hatte sich inzwischen gegeben, aber es verging kein Tag, an dem Nele nicht von ihm sprach.
Sie malte ihm Bilder, die sie mitnahmen, wenn sie ihn auf dem Kirchhof besuchten. Und manchmal kam Rieke hinzu, wenn sich ihre Tochter mit ihrem Vater unterhielt, als wäre er noch bei ihnen. Der Anblick ihres Kindes, das mit einem leeren Raum sprach, brach ihr regelmäßig das Herz.
Eriks Krankheit hatte zudem ein tiefes Loch in ihre Ersparnisse gerissen. Seitdem er nicht mehr da war, war es sogar noch schlimmer geworden. Sein Lohn fehlte ihnen. Schließlich war das Haus nicht nur zu groß, sondern auch zu teuer für sie geworden. Die Bank hatte es sich geholt – und Rieke war vorerst mit Nele zu ihrer Schwester gezogen. Nur vorübergehend, das hatte sie sich geschworen.
Wiebke war Anwältin für Steuerrecht und lebte in einer großzügig geschnittenen Maisonette-Wohnung am Alsterufer. Der Blick auf den Fluss war spektakulär. Die Räume waren ganz in Weiß eingerichtet – von den Wänden über die Ledersessel bis hin zu den Regalen und Teppichen.
Beim ersten Besuch hatte sich Rieke gefragt, wo hier wohl der Röntgenraum untergebracht war. Inzwischen hatte sie sich an die kühle Sterilität gewöhnt. Ihre eigenen Möbel waren ein buntes Sammelsurium aus Altem und Neuem. Rieke hatte die Einrichtung liebevoll zusammengestellt, doch jetzt waren die Sachen eingelagert, bis sie eine neue Wohnung für Nele und sich gefunden hatte.
Das erwies sich allerdings als schwierig, weil die Mietpreise in Hamburg explodierten und Rieke mit ihrem Halbtagsjob als Übersetzerin keine Reichtümer verdiente. Sie hatte sich schon überlegt, zusätzlich einen Nebenjob anzunehmen, aber dann hätte sie kaum noch Zeit für ihr Kind, und das wollte sie nicht. Nele brauchte sie. Jetzt dringender denn je.
»Zieh dich an, Spätzchen«, ermunterte sie ihre Tochter. »Damit wir noch in Ruhe frühstücken können.«
»Ist gut.« Widerstrebend schwang Nele die Beine aus dem Bett und tappte barfuß ins Badezimmer.
Rieke eilte die Treppe hinunter in die Küche. Sie hatte den Frühstückstisch bereits fertig gedeckt, Orangensaft ausgepresst und Müsli, Toastbrot und Konfitüre bereitgestellt.
Ihre Schwester stand mit einer Tasse Kaffee in der Hand an der Anrichte und tippte auf ihrem I-Pad herum.
»Guten Morgen!« Rieke stellte einen Topf mit Milch auf den Herd, um Kakao zu kochen. »Frühstückst du mit uns?«
»Heute nicht. Ich habe einen Termin bei Gericht und muss gleich los.«
»Soll ich dir ein paar Brote für unterwegs mitgeben?«
»Lass nur. Wenn ich Hunger bekomme, dann hole ich mir etwas bei Starbucks.« Wiebke trank ihren Kaffee aus und stellte die Tasse in die Spülmaschine. Ihr weißes Kostüm saß perfekt, als wäre es ihr auf den Leib geschneidert. Ihre blonden Haare waren stufig geschnitten und mit platinfarbenen Strähnchen versehen. Sie sah aus, als würde sie für eine Modezeitschrift modeln.
Dagegen fühlte sich Rieke mit ihrem verwaschenen Pullover und der Jeans plötzlich unwohl. Ihre Haare hatten von Natur aus ein leuchtendes Hellblond, und das war ein Glück, denn sie hatten schon länger keinen Friseur mehr gesehen. Ein leises Seufzen entfuhr ihr.
»Alles in Ordnung?« Ihre Schwester sah sie besorgt an.
»Ja, natürlich. Ich bin dir wirklich dankbar, dass du uns hier wohnen lässt.«
»Das ist doch klar. Ich freue mich, euch hier zu haben. Ihr könnt so lange bleiben, wie ihr wollt. Die Wohnung ist sonst immer so still, als wäre sie unbewohnt. Mit euch wirkt sie viel lebendiger. Das gefällt mir.«
Wiebkes Lächeln war offen und herzlich. Ein Privatleben kannte sie nicht. Dafür hatte sie es mit ihren dreiunddreißig Jahren bereits zur Teilhaberin einer großen Hamburger Kanzlei geschafft.
»Ich habe übrigens eine Überraschung für euch.«
»Oje.« Rieke verzog das Gesicht, als hätte sie sich auf die Zunge gebissen.
»Warum denn oje? Du weißt doch noch gar nicht, worum es geht.«
»Ich mag keine Überraschungen. Sie halten meistens nichts Gutes bereit.«
»Diese hier wirst du mögen.« Mit einem geheimnisvollen Zwinkern schob Wiebke ihr ein Schreiben hin. »Lies selbst!«
»Herzlichen Glückwunsch! Sie haben bei unserem Preisausschreiben gewonnen: eine Reise für zwei ins romantische Zillertal.« Rieke blickte hoch. »Ist das ein Scherz? Du machst doch nie bei Preisausschreiben mit!«
»Bei diesem hier schon. Es war in einer Illustrierten. Als ich bei meiner Frauenärztin warten musste, habe ich es im Wartezimmer gelöst und mich aus Spaß beteiligt.«
»Und gewonnen. Vermutlich ist es nur eine Kaffeefahrt, bei der man teure Wohndecken oder Massagegeräte aufgeschwatzt bekommt.«
»Keineswegs. Das Ziel ist ein wunderschönes Hotel in den Bergen. Sämtliche Mahlzeiten sowie einige Wellnessanwendungen sind inklusive – und auch die Busfahrt von Hamburg nach St. Christoph.«
»Ehrlich? Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein.«
»Glaub es ruhig. Diese Reise ist echt. Und ich möchte, dass du sie zusammen mit Nele machst.«
»Was?! Aber das können wir unmöglich annehmen.«
»Freilich könnt ihr das. Ich habe viel zu viel Arbeit, um zu verreisen. Außerdem könnt ihr beide etwas Abstand und Erholung sehr gut gebrauchen.«
»Aber ich habe tausend andere Dinge im Kopf. Ich muss eine neue Wohnung finden und mir Gedanken über einen Nebenjob machen.«
»Das kannst du alles noch tun, wenn ihr wieder da seid. Es wird dir guttun, einmal zehn Tage auszuspannen. Sieh mal, das hier wird euer Hotel sein. Es heißt ›Am Sonnenhang‹, und es scheint seinem Namen alle Ehre zu machen.« Wiebke deutete auf den Prospekt, der dem Schreiben beigefügt war. Darauf war ein idyllisches Hotel im Alpenstil abgebildet. Es war umgeben von grünen Wäldern und schroffen Bergen.
»Wunderschön«, flüsterte Rieke, und eine leise Sehnsucht breitete sich in ihrem Inneren aus.
»Sag ich doch.« Ihre Schwester nickte. »Fahrt ihr also?«
Rieke zögerte. »Warum eigentlich nicht?«, gab sie ihrem Herzen einen Stoß. »Nele hat bald Herbstferien. Und ich habe noch ein paar Tage Resturlaub. Wir hätten also Zeit …«
»Zeit? Wofür?« Nele war unbemerkt hereingekommen. Sie hatte die letzten Worte aufgeschnappt und blickte fragend auf. Sie hatte braune Cordhosen und einen Pullover angezogen. Ihre blonden Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden, der bei jeder Bewegung fröhlich wippte.
»Was hältst du davon, wenn wir zusammen ins Zillertal fahren, Nele?«
»Gibt es da Tiere?«
»Und ob. In den Bergen leben Kühe, Steinböcke und vermutlich noch allerhand andere Zwei- und Vierbeiner.«
»Das würde mir gefallen.« Die Augen der Achtjährigen begannen zu leuchten. Sie liebte Tiere und träumte davon, eines Tages Tierärztin zu werden.
»Dann ist es abgemacht. Wir fahren in die Berge«, sagte Rieke lächelnd. Dabei ahnte sie noch nicht, welche Aufregungen auf sie warteten …
***
Dichter Nebel breitete sich im Zillertal aus, als wäre er ein lebendiges Wesen. Er waberte über die Wiesen, hüllte den Wald und die Berge ein und machte es unmöglich, weiter als zwanzig Meter zu sehen. Alle Geräusche wurden gedämpft. Fast schien es, als würde die Natur in einen tiefen Schlaf fallen.
Hedi Kastler beugte sich tiefer über das Lenkrad. Sie hatte ihr Tempo beinahe auf Schrittgeschwindigkeit gedrosselt, weil die Sicht so schlecht war. Jede Kurve tauchte erst im allerletzten Moment auf, deshalb wollte Hedi nichts riskieren. Die Scheinwerfer konnten das neblige Grau kaum durchdringen.
Hedi wohnte schon ihr Leben lang in den Bergen und kannte die Gegend wie die Schürzentasche ihres Lieblingsdirndls, aber jetzt wirkte die Umgebung fremd und unheimlich auf sie. Sie erschauerte unwillkürlich und wünschte sich, sie wäre schon wieder daheim.
Nur noch ein paar Minuten, dann müsste das Dorf vor mir auftauchen, sagte sie sich. Dann ist es geschafft …
In diesem Augenblick ging unvermittelt der Motor aus! Die roten Kontrollleuchten neben dem Tacho leuchteten auf. Der Wagen rollte langsamer und langsamer …
»Oh nein! Nicht gerade jetzt!« Erschrocken steuerte Hedi ihr Auto an den Straßenrand und ließ es ausrollen. Dann versuchte sie, zu starten. Es gab ein heiseres Geräusch, der Anlasser versuchte sein Bestes, aber der Motor sprang nicht an. Hedi probierte es noch zweimal. Nichts. »Auch das noch!«
Seufzend löste sie die Verriegelung der Motorhaube, stieg aus und hob die Haube an. Dann spähte sie in den Motorraum. Der warme Geruch des Motors wehte ihr entgegen. Es roch nach Benzin, warmem Gummi und Öl. Hedi schob sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht und zupfte an einem Kabel.
Motoren waren für sie ein Buch mit sieben Siegeln. Der Fehler hätte schon mit einem Schild beschriftet sein müssen, damit sie ihn fand. Aber so? Ausgeschlossen, dass sie sich selbst half. Dafür wusste sie nicht genug über Motoren.
Was mache ich denn jetzt? Fröstelnd zog Hedi die Schultern hoch, denn die Luft war kalt und feucht geworden. Sie war auf dem Weg zurück zu dem Hotel, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Andreas leitete.
Sie hatte in der Druckerei neue Prospekte abgeholt, die als Werbemittel für ihr Hotel gedacht waren. Die Kiste war hinten im Kofferraum verstaut. Hedi hatte sie nur noch abliefern und dann Schluss für heute machen wollen. Es ging bereits auf den Abend zu. Sie fror, außerdem war sie müde und hungrig. Und nun saß sie hier im Nirgendwo fest …
Hedi hob den Kopf und schaute sich um. Vielleicht kam jemand vorbei, der ihr helfen konnte? Sonst würde ihr nichts anderes übrig bleiben, als nach Hilfe zu telefonieren.
Rings um sie war alles grau und trübe. Vom Dorf war noch keine Spur zu sehen. Doch da bemerkte Hedi eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Auf der nahen Wiese stand ein Tier. Es bewegte sich nicht, und im Nebel konnte sie es nur schemenhaft erkennen. Die Umrisse … sie waren merkwürdig.
Das Tier war größer als sie und schien zwei Höcker auf dem Rücken zu haben. Es war … Nein, das konnte nicht sein. Und doch … Die Silhouette war eindeutig … Dort drüben stand ein Kamel!
Das ist unmöglich, schoss es Hedi durch den Kopf. Hier bei uns gibt es doch keine Kamele!
Sie kniff die Augen zusammen und riss sie wieder auf.
Das Tier war verschwunden!
Die Wiese lag leer und verlassen da.
Hatten ihre Sinne sie genarrt? Hedi schüttelte verblüfft den Kopf. Brauchte sie womöglich doch eine Brille?
Ehe sie diesen Fragen auf den Grund gehen konnte, tauchten vor ihr zwei Lichtkegel im Nebel auf. Das Brummen eines Motors wurde lauter. Ein Auto näherte sich und stoppte unmittelbar hinter Hedis Wagen. Ein groß gewachsener Mann stieg aus und kam heran.
