Das Berghotel 129 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 129 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Seit Lena vor vielen Jahren an Heiligabend so bitter von der Liebe enttäuscht wurde, ist sie ein richtiger Weihnachtsmuffel geworden. Jahr für Jahr reißt die Weihnachtszeit die alten Narben wieder auf und weckt traurige Erinnerungen.

Um dem Weihnachtstrubel und ihren schmerzlichen Gefühlen zu entfliehen, will sie gemeinsam mit ein paar Freunden in den Strandurlaub fliegen, doch die möchten lieber in die Berge fahren: "Weihnachten so ganz ohne Schnee wär doch schad, gell?"

Widerwillig fährt Lena schließlich mit ins Berghotel nach St. Christoph. Dort kommt es unter dem festlich geschmückten Christbaum zu einer schicksalhaften Begegnung ...

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Cover

Impressum

Der Stern der Liebe leuchtet uns

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: iStockphoto / svetikd

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-3911-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.

Der Stern der Liebe leuchtet uns

Zu Weihnachten wurde Lenas großer Wunsch wahr

Von Verena Kufsteiner

Seit Lena vor vielen Jahren an Heiligabend so bitter von der Liebe enttäuscht wurde, ist sie ein richtiger Weihnachtsmuffel geworden. Jahr für Jahr reißt die Weihnachtszeit die alten Narben wieder auf und weckt traurige Erinnerungen.

Um dem Weihnachtstrubel und ihren schmerzlichen Gefühlen zu entfliehen, will sie gemeinsam mit ein paar Freunden in den Strandurlaub fliegen, doch die möchten lieber in die Berge fahren: »Weihnachten so ganz ohne Schnee wär doch schad, gell?«

Widerwillig fährt Lena schließlich mit ins Berghotel nach St. Christoph. Dort kommt es unter dem festlich geschmückten Christbaum zu einer schicksalhaften Begegnung …

Lena stützte das Kinn in die Hände und starrte auf den Monitor ihres Computers, bis ihre Augen tränten. Mit aller Macht versuchte sie sich auf die Arbeit zu konzentrieren, doch das war leichter gesagt als getan. Alles um sie herum lenkte sie von dem Text ab, an dem sie gerade schrieb.

Eigentlich teilte sie ihr Büro in der Redaktion einer Frauenzeitschrift mit mehreren Kolleginnen, doch jetzt gerade saß sie ganz allein hier. Die Drehstühle waren leer, die Computer im Stand-by-Modus.

Über einen Monitor flimmerte ein alberner Bildschirmschoner: Ein pummeliger Weihnachtsengel tanzte unter einem Christbaum. Lena warf ihm einen vernichtenden Blick zu, bevor sie sich wieder der Kolumne zuwandte.

Alle anderen Mitarbeiter hatten sich in der Küche zu einer kleinen Adventsfeier versammelt. Der Geruch von Punsch und Plätzchen lag in der Luft. Jemand hatte die Weihnachtsmusik so laut aufgedreht, dass die Lautsprecher der kleinen Stereoanlage dröhnten.

»Da bekommt man ja Kopfweh«, murrte Lena leise vor sich hin.

Sie hasste alles an der Weihnachtszeit: den Geruch von Tee und Glühwein, die sentimentale Musik und die allgegenwärtige Vorfreude, die meist doch nur gezwungen wirkte. Sie hatte das Gefühl, zu dieser Zeit des Jahres spielte die ganze Welt verrückt. Nur bei den Keksen wurde sie manchmal schwach und gab ihren Weihnachtsmissmut für einen Augenblick auf. Wer konnte zu einem köstlichen Vanillekipferl schon Nein sagen?

Kurz erwog sie, in die Küche zu huschen, ein paar Plätzchen zu stibitzen und sich damit wieder in ihr Büro zu verkrümeln, doch den Gedanken verwarf sie gleich wieder. Wenn die Kollegen sie zu Gesicht bekämen, würden sie sie gewiss dazu nötigen, mitzufeiern.

Eine Weihnachtsfeier war nun wirklich das Letzte, worauf Lena Lust hatte. Also blieb sie lieber im Büro, duckte sich hinter ihren Bildschirm, vergrub sich in Arbeit und hoffte, unentdeckt zu bleiben. Wenn sie sich ganz still verhielt, dachte hoffentlich niemand daran, dass sie auch noch da war.

Aber das Schicksal hatte kein Einsehen mit ihr. Schon wurde die Tür aufgerissen, und Daniel kam hereingeplatzt, in einer Wolke aus Keksduft und Aftershave. Der Chefredakteur strahlte übers ganze Gesicht, die gute Laune schien ihm aus allen Poren zu dringen. Seine Schritte waren noch schwungvoller als sonst.

Es überraschte Lena nicht, dass die Farbe seines schmalgeschnittenen, teuren Hemdes genau auf seine Augen abgestimmt war. Doch obwohl ihm nichts wichtiger war als sein perfekt gepflegter Stil, hatte er heute etwas Ungewöhnliches gewagt: Seine Seidenkrawatte war mit bunten Christbaumkugeln bedruckt.

»Lena, meine Liebe. Du hast wohl gedacht, du kannst dich hier verstecken.« Er setzte sich auf die Kante ihres Schreibtisches. Sein Grinsen erreichte fast die Ohren. »Ich bin hier, um dich vor der Arbeit zu retten und dich zu deinem Glück zu zwingen.«

Mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu betrachtete sie die knallbunte Krawatte. Das Christbaumkugelmuster schien vor ihren Augen zu flimmern.

»Danke, ich bin eigentlich sehr glücklich hier.«

Er verdrehte die Augen.

»Niemand ist glücklich, wenn er an einem Abend kurz vor Weihnachten im stickigen Büro hockt, statt mit den reizenden Kollegen zu feiern. Jetzt sei halt net so. Du musst dir auch einmal eine Pause und ein bisserl Spaß gönnen.«

Sie widerstand dem Impuls, eine Grimasse zu ziehen.

»Keine Zeit, ich muss die Kolumne fertig machen«, presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Und etwas bissig fügte sie in Gedanken hinzu: ›Zumindest einer muss ja in diesem Weihnachts-Irrenhaus arbeiten.‹

Er seufzte, dann zwinkerte er ihr jovial zu.

»Na schön, wenn du drauf bestehst. Aber dann bring ich dir zumindest ein Glaserl Punsch, dann geht dir die Arbeit gleich leichter von der Hand.«

Punsch war neben Glühwein das weihnachtlichste Getränk, das Lena sich vorstellen konnte – und somit so ziemlich das Allerletzte, was sie freiwillig trinken wollte. Abwehrend hob sie beide Hände.

»Alkohol bei der Arbeit? Dann kann ich bestimmt keinen einzigen vernünftigen Satz mehr schreiben«, sagte sie.

Warum fiel es den Leuten in der Vorweihnachtszeit bloß immer so schwer, sie in Ruhe zu lassen? Sie wollte doch bloß in Frieden hier sitzen und schreiben.

Daniel verdrehte wieder die Augen.

»Du weißt aber schon, dass du eine Spaßbremse bist, gell?« Er stieß sich von ihrer Schreibtischkante ab und schüttelte seufzend den Kopf, als ärgerte er sich über ein störrisches Kind. »Fast die komplette Abteilung geht nach der Arbeit auf den Christkindlmarkt. Es hat wohl keinen Sinn, dich zu fragen, ob du mitkommen willst, gell?«

Um ihn nicht vollends vor den Kopf zu stoßen, versuchte sie, sich ein Lächeln abzuringen, das jedoch ziemlich verkrampft ausfiel.

»Ich werde lieber verzichten.«

Er zuckte bedauernd mit den Schultern, strich die Christbaumkugel-Krawatte glatt und verließ den Raum. Erst als er die Tür hinter sich geschlossen hatte und sie sicher sein konnte, dass er sie nicht hörte, murmelte sie: »Ein Christkindlmarkt-Besuch? Lieber würde ich nackt zu einer Gletscherwanderung aufbrechen.«

Sie war erleichtert, dass er endlich gegangen war. Um die weihnachtliche Musik auszublenden, kramte sie Ohrstöpsel aus ihrer Schreibtischschublade und steckte sie sich in die Ohren.

Doch obwohl sie die Melodien nun nicht mehr hörte, konnte sie sich nicht auf ihren Text konzentrieren. Daniels Worte hatten sie mehr getroffen, als sie sich eingestehen wollte.

Das Problem war, dass er nicht unrecht hatte, wenn er sie als Spaßbremse bezeichnete. Eigentlich konnte sie sich zu dieser Jahreszeit selbst nicht leiden. Sobald es auf Weihnachten zuging, war sie kratzbürstig, eigenbrötlerisch und gereizt.

Doch sie konnte nun einmal nicht aus ihrer Haut. Sie ertrug die Weihnachtsstimmung einfach nicht, und am liebsten würde sie den ganzen Dezember mit zugezogenen Vorhängen in ihrer Wohnung verbringen, um all dem Wirbel zu entgehen.

Zu ihrem Leidwesen war das aber nicht möglich. Man konnte dem Kitsch, den Düften und der Musik nicht entgehen, sondern wurde an jeder Ecke damit konfrontiert.

Zu allem Überfluss konnte kaum jemand verstehen, dass es ihr so ging. Alle fieberten begeistert auf Heiligabend hin und versuchten sie mit ihrer guten Laune anzustecken. Hin und wieder musste sie einfach energisch werden, wenn sie ihre Ruhe haben wollte. Die Leute begriffen es sonst nicht.

Sie seufzte tief und warf einen sehnsüchtigen Blick auf den Kalender. Noch ein paar Wochen, dann hatte sie es überstanden. Sie freute sich jetzt schon auf Neujahr, denn das bedeutete, dass die vermaledeite Weihnachtszeit überstanden war.

***

Nach der Arbeit war Lena mit ihren Freunden in einer Pizzeria verabredet. Der Weg durch die Innenstadt kam einem Spießrutenlauf gleich: Überall waren Stände, an denen Glühwein und süße, nach Zimt riechende Leckereien verkauft wurden. Von dem Geruch wurde Lena übel.

Mit gesenktem Kopf schlängelte sie sich durch die Menschenmenge, wich einem verkleideten Weihnachtsmann mit Rauschebart aus und hielt sich die Ohren zu, als ein Chor im Engelskostüm »Jingle Bells« anstimmte.

Als sie die Pizzeria betrat und die Tür hinter sich zuwarf, atmete sie auf. Das Restaurant erschien ihr wie ein sicherer Hafen. Hier drang kein »Jingle Bells« aus den Lautsprechern, sondern italienische Schlager. Statt nach Lebkuchengewürz duftete es nach Pizza und Pasta.

Ihre Freunde waren bereits da. Die ganze Gruppe hatte sich um einen gemütlichen Ecktisch versammelt und war in eine angeregte Plauderei vertieft. Nicole, Lenas beste Freundin, lachte gerade herzlich und strich sich dabei die blonden Locken aus dem Gesicht. Ihr Freund Tom, mit dem sie seit ein paar Monaten zusammen war, konnte dabei den Blick kaum von ihr abwenden.

Lenas Blick huschte über die Runde, während sie den Tisch ansteuerte. Alle waren schon da, und sogar ein unbekanntes Gesicht konnte sie entdecken. Irritiert runzelte sie die Stirn, als ihr Blick an dem Fremden hängen blieb. Selten hatte sie so faszinierende Augen gesehen: ein helles, warmes Braun, das ein wenig an Bernstein erinnerte. Auch er erwiderte ihren Blick interessiert.

»Grüß dich, Lena! Da bist du ja.« Nicole sprang auf, umarmte Lena und bugsierte sie auf den einzigen freien Stuhl. »Wir haben schon sehnsüchtig auf dich gewartet. Das ist übrigens der Marco.« Dabei deutete sie auf den fremden jungen Mann, der Lena freundlich zunickte. »Ich hab ihn bei der Arbeit kennengelernt und kurzerhand beschlossen, ihn hierher mitzuschleppen. Oh, übrigens – ich hab dir schon einen Almdudler bestellt. Den trinkst du ja gern, gell?«

Wie üblich redete Nicole wie ein Wasserfall. Obwohl sie den ganzen Tag schlechte Laune gehabt hatte, musste Lena grinsen. Sobald sie zu Wort kam, begrüßte sie ihre Freunde.

»Tut mir leid, dass ich zu spät komme«, sagte sie zerknirscht. »Auf der Arbeit hat es heut wieder ein bisserl länger gedauert.«

Tom schmunzelte. »Nicole, du hattest recht. Die Lena ist ein richtiger Workaholic.«

Nicole wuschelte zärtlich mit der Hand durch seinen kupferroten Haarschopf.

»Red net so über sie«, tadelte sie mit gespielter Strenge. Dann wandte sie sich an Lena: »Aber er hat recht. Du arbeitest viel zu viel. Gerade vor Weihnachten lassen es doch viele eher ruhig angehen. Dich hingegen kriegt man kaum zu Gesicht, weil du immer bis spät abends in der Redaktion bist.«

Lena seufzte. »Ich kann den ganzen Weihnachtstrubel halt net leiden, das weißt du genau«, raunte sie ihrer Freundin mit gesenkter Stimme zu, damit es nicht jeder hörte.

Nicole schnipste mit dem Finger gegen Lenas Nase.

»Weiß ich doch. Ich spreche ja auch net davon, dass du jeden Abend über den Christkindlmarkt flanieren sollst. Ich mein nur, du solltest auch in der Adventszeit hin und wieder mit uns ausgehen, damit du net ganz vereinsamst. Und jetzt …« Sie klatschte energisch in die Hände. »Wollen wir uns den wirklich wichtigen Themen zuwenden?«

»Oh ja!«, rief Mia, eine hübsche Brünette. »Unser Urlaub!«

Bei dem Gedanken an die Urlaubspläne schlug Lenas Herz höher. Sie und ihre Freunde wollten gemeinsam über Weihnachten wegfahren. Sie legten ebenfalls keinen großen Wert auf ein klassisches Weihnachtsfest und hatten nicht vor, zu Hause zu feiern. Darum hatten sie kurzerhand beschlossen, über die Feiertage zusammen in den Urlaub zu fahren.

Lena konnte es kaum erwarten. Heute wollten sie gemeinsam entscheiden, wohin es gehen sollte, aber der genaue Urlaubsort war ihr beinahe egal – Hauptsache, es ging ans Meer.

Als sie sich nun gut gelaunt in der stimmungsvoll eingerichteten Pizzeria umschaute, hoffte sie ein wenig, die Wahl würde auf die Kanaren fallen. Doch wichtig war ihr eigentlich nur, dass nichts an das verhasste Fest erinnerte. Sandstrand und Sonnenschein waren ihr allemal lieber als Schnee und Christbäume.

»Lena, bevor du angekommen bist, haben wir schon eifrig Pläne geschmiedet«, sagte Nicole freudenstrahlend.

»Genau.« Mia nickte eifrig. »Wir finden alle, dass es ja doch recht trostlos wäre, Weihnachten so ganz ohne Schnee zu verbringen. Wir wollen net ans Meer, sondern in die Berge. Ist das net großartig?«

Lena erstarrte. Ihre Mundwinkel sanken hinab. Meinten ihre Freunde das etwa ernst? Sie hatte sich schon so sehr aufs Meer gefreut.

Doch Nicole merkte nicht, dass Lena alles andere als angetan war.

Fröhlich sprach sie weiter: »Der Marco hat sogar schon ein gutes Hotel vorgeschlagen. Er hat letzten Winter dort Urlaub gemacht und war ganz begeistert. Marco, zeig noch mal die Fotos, die du auf deinem Handy gespeichert hast.«

Sie nahm ihm das Handy einfach aus der Hand und hielt es Lena vor die Nase.

»Es heißt Berghotel ›Am Sonnenhang‹ und ist sehr gemütlich«, erzählte Marco.

Seine Stimme klang angenehm tief und dunkel, doch Lena hörte gar nicht zu. Sie war wie vor den Kopf gestoßen. Fassungslos starrte sie die Fotos an. Sie hörte das Blut so laut in den Ohren rauschen, dass sie Nicoles schwärmerische Schilderungen kaum mehr verstehen konnte.

»Das will ich auf keinen Fall«, krächzte sie, als sie ihre Sprache wiedergefunden hatte. Sie schüttelte den Kopf so heftig, dass ihr die kastanienbraunen Haare ins Gesicht fielen.

»Wir wollten doch ans Meer, habt ihr das schon vergessen? Aber das hier, das … das …« Anklagend deutete sie auf die Fotos am Handy-Display. »Das ist ja das reinste Winterzauberland!«

Das Hotel, von dem die anderen so begeistert waren, befand sich in den Zillertaler Alpen. Die verschneite Berglandschaft sah so reizend aus, dass jedes einzelne Foto eine perfekte Postkarte abgegeben hätte. Wenn es ein ideales Paradies gab, um Weihnachten mit allen dazugehörigen Klischees zu feiern, dann war es gewiss dieser Ort. Aber Lena wollte doch nichts lieber, als möglichst weit weg von Schnee und Weihnachtszauber!

»Jetzt hör dir halt erst einmal an, was man dort alles unternehmen kann«, bat Nicole. »Der Marco hat gesagt …«

Lenas Frust richtete sich auf den Fremden.

»Wer ist das denn überhaupt?«, schnappte sie. »Wir haben doch zusammen ganz wunderbare Pläne geschmiedet, und dann taucht dieser Marco aus dem Nichts auf. Nicht genug, dass er einfach mitfahren will, obwohl ich ihn gar net kenn – nein, er will auch noch entscheiden, wohin es geht!«

Die groben Worte taten ihr bereits in der Sekunde leid, als sie sie ausgesprochen hatte. Doch die Enttäuschung war so groß, dass ihr ganz schwindelig wurde. Sie brauchte einen Sündenbock, und wer bot sich dafür besser an als Marco? Bevor er aufgetaucht war, hatte es schließlich ganz so ausgesehen, als würden sie ans Meer fahren.

»Aber nein, so war das net«, sagte Nicole sanft. »Marco hat uns zu gar nix überredet. Wir alle sind einstimmig zu dem Schluss gekommen, dass wir die Feiertage doch lieber net am Strand verbringen wollen. Dann erst hat der Marco das Berghotel vorgeschlagen.«

»Ein Hotel, das der Schauplatz für einen kitschigen Weihnachtsfilm sein könnte«, brachte Lena kläglich hervor.

Nicole legte die Hand auf Lenas Schulter.