Das Berghotel 130 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 130 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Hannes und seine Tochter Melina erleben im Zillertal einen herrlichen Wintertag. Die Fünfjährige jauchzt vor Freude, und ihre Augen strahlen, als der Schnee unter den Kufen des Schlittens emporwirbelt. Schon lange hat der Witwer seine Tochter nicht mehr so unbeschwert gesehen, denn Melina leidet sehr unter dem Verlust ihrer Mutter, seit diese vor zwei Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen ist. Im tief verschneiten St. Christoph können sie die Schatten der Vergangenheit endlich einmal abschütteln!

Lächelnd schlendern sie am Abend zum Berghotel zurück - als Hannes plötzlich stehen bleibt.

Das kann net sein, das ist net möglich!, schießt es ihm durch den Kopf. Täuschen ihn seine Augen, oder ist da gerade tatsächlich seine tote Frau in der Kirche verschwunden?

Instinktiv fasst Hannes nach der Hand seiner Tochter und zieht sie mit sich zur Kirche. Mit angehaltenem Atem öffnet er die Tür ...

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Cover

Impressum

Zauber eines Wintertages

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock / Tatiana Bobkova

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-4096-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.

Zauber eines Wintertages

In den Bergen wurde für die kleine Melina ein Märchen wahr

Von Verena Kufsteiner

Hannes und seine Tochter Melina erleben im Zillertal einen herrlichen Wintertag. Die Fünfjährige jauchzt vor Freude, und ihre Augen strahlen, als der Schnee unter den Kufen des Schlittens emporwirbelt. Schon lange hat der Witwer seine Tochter nicht mehr so unbeschwert gesehen, denn Melina leidet sehr unter dem Verlust ihrer Mutter, seit diese vor zwei Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen ist. Im tief verschneiten St. Christoph können sie die Schatten der Vergangenheit endlich einmal abschütteln!

Lächelnd schlendern sie am Abend zum Berghotel zurück – als Hannes plötzlich stehen bleibt.

Das kann net sein, das ist net möglich!, schießt es ihm durch den Kopf. Täuschen ihn seine Augen, oder ist da gerade tatsächlich seine tote Frau in der Kirche verschwunden?

Instinktiv fasst Hannes nach der Hand seiner Tochter und zieht sie mit sich zur Kirche. Mit angehaltenem Atem öffnet er die Tür …

Mei, es war doch ein Fehler, noch einmal loszufahren, dachte Andreas Kastler und beugte sich tiefer über das Lenkrad seines Wagens. Er kniff die Augen zusammen, aber er konnte trotzdem kaum etwas von der Straße erkennen.

Der Schnee fiel so dicht, dass die Scheibenwischer der weißen Massen kaum Herr wurden. Der Wetterbericht im Radio warnte bereits, dass es gegen Abend noch schlimmer werden würde.

Die Heizung lief auf Hochtouren, deshalb war es angenehm warm im Inneren des Autos. Draußen jedoch brauste ein bitterkalter Sturm von Norden heran und rüttelte so stark an dem Fahrzeug, dass dem Hotelier ganz bang wurde.

Herrschaftszeiten … das war ja ein ausgewachsener Schneesturm!

Als er daheim in St. Christoph losgefahren war, waren nur vereinzelte Flocken gefallen. Der Niederschlag war kaum der Rede wert gewesen, aber inzwischen schneite es so heftig, dass die Straße unter dem allgegenwärtigen Weiß verschwand, und er ahnte mehr, als er sah, wo er hinfuhr. Dazu zog obendrein Nebel auf, der die Sicht zusätzlich erschwerte.

Ich hätte auf Hedi hören und die Reparatur unserer Heizung dem Monteur überlassen sollen, warf er sich vor. Stattdessen bin ich losgefahren, um das verflixte Ersatzteil zu besorgen. Ich hatte gehofft, die Reparatur selbst machen zu können, dann hätten wir net warten müssen. Allerdings ist fraglich, ob ich den Baumarkt in der Stadt bei diesem Wetter überhaupt erreiche. Und selbst wenn, ist net gesagt, dass ich anschließend wieder nach Hause komme. Möglicherweise ist die Straße in einer Stunde zugeweht. Was mache ich dann? Er seufzte.

Der Sturm wirbelte den Schnee vor ihm über die Serpentinenstraße, die in engen Kurven talwärts führte. Andreas Kastler fuhr mit dem Fuß auf der Bremse. Immer wieder sprang knirschend das ABS an und verhinderte, dass die Räder blockierten. Das Geräusch ging ihm durch und durch. Schweiß stand auf seiner Stirn, so sehr musste er sich konzentrieren.

Außer ihm war nur noch ein anderes Fahrzeug unterwegs. Die roten Rücklichter schimmerten vor ihm durch das dichte Weiß. Der andere Fahrer schien genauso im Schneckentempo zu kriechen wie er selbst. Es wäre nicht ratsam gewesen, von der Straße abzukommen, denn der Hang zu seiner Rechten war steil und schon so manchem unachtsamen Fahrer zum Verhängnis geworden.

Der Wagen vor ihm stoppte plötzlich, wendete dann und kam ihm entgegen. Der Fahrer hatte es wohl aufgegeben, zur Stadt zu gelangen. Das gab Andreas Kastler zu denken.

Die Heizung in seinem Keller leckte. Sie brauchte ein neues Ventil, und wahrscheinlich musste auch die Luft aus den Rohren gelassen werden. Doch dafür wäre auch am nächsten Tag noch Zeit.

Ich werde auch umkehren und heimfahren, entschied Andreas Kastler. Die Straßenverhältnisse sind mir net geheuer. Es wird bald dunkel, und es ist net gesagt, dass der Räumdienst bald kommt. Bei diesem Wetter haben die Fahrer sicherlich alle Hände voll zu tun. Ich will net riskieren, nimmer nach Hause zu kommen. Hedi wird mich vermutlich damit aufziehen, dass sie gleich gesagt hat, wir sollen den Monteur anrufen.

Andreas Kastler hatte gerade beschlossen, zu wenden, als sich vor ihm die Umrisse einer zierlichen Gestalt im Nebel abzeichneten. Er runzelte die Stirn und sah genauer hin. Himmel, das war ja eine Frau!

Sie hatte die Kapuze ihres Parkas über den Kopf gezogen. Dazu hatte sie Jeans und Halbschuhe an, die kaum geeignet schienen für eine Wanderung bei dieser Witterung. Der Schnee klebte bis zu den Knien an ihren Hosen, und auch ihre Schultern und der Kopf waren von dem Weiß bedeckt. Sie trug einen Rucksack auf dem Rücken, rutschte und taumelte am Rand der Straße entlang.

Was, um alles in der Welt, machte sie hier? Weit und breit gab es nur Wald und verschneite Wiesen, aber kein einziges Haus. Bis zum Dorf hinauf war es bei sonnigem Wetter ein Fußweg von anderthalb Stunden. Wie lange man bei diesem Schneesturm brauchte, konnte er nicht einmal abschätzen.

Der Hotelier stutzte und ließ die Seitenscheibe herunter. Schlagartig wirbelten Schnee und Kälte in das Innere seines Autos. Er unterdrückte einen leisen Fluch.

»Hallo?«, rief er der Fremden zu. »Brauchen Sie Hilfe?«

Die Frau schaute vorsichtig hoch. Ihr Gesicht war schmal und blass.

»Möchten Sie mitfahren?«, hakte er nach. »Wohin wollen Sie denn?«

Sie deutete die Straße hinauf und zog die Schultern hoch.

»Nach St. Christoph? Dort komme ich gerade her. Ich habe beschlossen, zurückzufahren. Wenn Sie auch dorthin wollen, steigen Sie ein!«

Die Frau schüttelte abwehrend den Kopf. Ihre Lippen waren so blau, dass sie sich deutlich vor ihrer porzellanweißen Haut abzeichneten. Sie zitterte am ganzen Leib. Grundgütiger! Sie musste halb erfroren sein!

»Ich werde Ihnen nichts tun«, begütigte er. »Meine Frau und ich leiten das Berghotel. Ich bin der Andreas Kastler.«

Die Fremde schwieg noch immer. Konnte sie nicht sprechen? Oder wollte sie nicht? Er wusste es nicht, aber ihr Blick verriet ihm, dass sie nicht wusste, ob sie ihm vertrauen durfte.

»Sie müssen sich net fürchten«, sagte er deshalb freundlich. »Lassen Sie mich Sie mitnehmen. Hier draußen ist es verflixt ungemütlich, und es soll sogar noch kälter werden.«

Die Fremde trug ein Bündel im Arm, das sie schützend an sich presste. Hatte sie womöglich ein Neugeborenes dabei?

Als er genauer hinschaute, traute er seinen Augen kaum. Da lugte der Kopf einer Eule aus dem Bündel heraus.

»Nanu? Wen haben Sie denn da?«

»Ich habe sie weiter unten am Waldrand gefunden«, erklärte die fremde junge Frau. Ihre Stimme war sanft und klang ein wenig heiser. »Sie hat sich am Bein verletzt.«

»Im Dorf gibt es einen Tierarzt. Sein Name ist Doktor Steiger. Ich kann Sie zu ihm bringen, wenn Sie wollen.«

»Wirklich?«

»Freilich. Steigen Sie ein, ehe wir uns alle eine Lungenentzündung holen.« Andreas Kastler ließ die Seitenscheibe hoch und öffnete einladend die Beifahrertür.

Die Frau nahm ihren Rucksack ab und stieg ein. Das Bündel mit der Eule sacht an sich gedrückt, schaute sie ihn unsicher an.

»Wie heißen Sie denn?«, erkundigte er sich vorsichtig.

Darauf gab sie ihm keine Antwort. Schweigend schnallte sie sich an. Dabei huschte ihr Blick die Straße hinunter, als würde sie Ausschau halten. Aber wonach?

Ihr Alter lag irgendwo zwischen fünfundzwanzig und dreißig Jahren, schätzte er. Sie hatte dichte dunkle Wimpern, die ihre leuchtend blauen Augen beschatteten. Unter ihrer Kapuze schauten blonde Haarspitzen hervor. Sie war so schmal, als hätte sie längere Zeit nicht ausreichend zu essen bekommen.

Wo, um alles in der Welt, kam sie nur her?

Andreas Kastler wendete sein Auto und fuhr die Straße zurück zu seinem Heimatdorf. Der Schnee hatte seine Fahrspur längst zugeweht, aber er kannte die Strecke im Schlaf. Das tat auch dringend not, denn der Nebel wurde, ebenso wie der Schneefall, immer dichter. Seine Beifahrerin sagte kein Wort. Sie drückte nur das Tuch mit der Eule an sich.

»Sie wollen mir Ihren Namen wohl net sagen? Das müssen Sie auch net. Aber Sie haben hoffentlich nichts ausgefressen, oder? Sind Sie etwa aus dem Gefängnis ausgebrochen?«

»Gibt es hier eines?« Erschrocken sah sie ihn an.

»Schmarrn. Das war nur ein Scherz. Wohin soll ich Sie bringen? Haben Sie ein Zimmer im Dorf gebucht? Oder möchten Sie jemanden besuchen?«

»Ich … nein. Ich kenne niemanden in St. Christoph.« Sie senkte den Kopf. »Ich weiß noch net, wo ich unterkommen kann.«

»Wir haben noch ein freies Zimmer im Hotel. Das können Sie gerne haben, wenn Sie möchten.«

»Im Hotel? Nein, das geht net. Auf keinen Fall.« Ihre Stimme überschlug sich.

»Warum denn net? Über den Preis werden wir uns schon einig.«

»Ich kann net im Hotel wohnen.« Sie schüttelte so energisch den Kopf, dass der Schnee von ihrer Kapuze stob.

Etwas an dieser Vorstellung schien sie zu entsetzen. Aber was? Wollte sie womöglich nicht gefunden werden?

»Schon gut. Sie müssen net bei uns wohnen, wenn Sie net möchten«, beruhigte er die junge Frau und überlegte, wo ein Quartier frei war. »Die Hütte vom Sonnleithner-Ferdl steht leer. Früher hat er sie an Feriengäste vermietet, aber das macht ihm inzwischen zu viel Arbeit. Er wäre bestimmt bereit, eine Ausnahme für Sie zu machen. Viel Komfort bietet sie net, aber sie ist beheizbar und sicher.«

»Glauben Sie wirklich, ich könnte dort wohnen?«

»Freilich. Der Bauer wird nichts dagegen haben.«

»Ach, das wäre wunderbar.«

Sie sah ihn so dankbar an, dass er ins Grübeln kam. Sie mochte ihm ihren Namen nicht sagen und rutschte nervös auf ihrem Platz hin und her. Dabei warf sie immer wieder verstohlene Blicke in den Rückspiegel.

Was mochte es damit auf sich haben? War sie auf der Flucht? Hatte sie womöglich Angst? Aber wovor?

Oder sollte er sich besser fragen: vor wem?

***

Während das Zillertal allmählich im Schnee versank, hielten sich die Temperaturen in München knapp über dem Gefrierpunkt. Der Niederschlag fiel als Schneeregen vom Himmel und verwandelte die Straßen in matschige Rutschbahnen. Trübes Grau hüllte die Stadt ein, und die Luft war so feucht und schwer, als könnte man sie schneiden.

Hannes Seibl beugte sich über seinen Zeichentisch und ergänzte die kunterbunte Spielplatzszene auf seinem Papier um einen Welpen, der mit wehenden Schlappohren auf ein sommersprossiges Kind zustürmte. Die Zeichnung war für ein Kinderbuch gedacht, das er im Auftrag eines großen Verlages illustrieren sollte.

Zahlreiche Pinsel, Buntstifte und Farbtöpfchen reihten sich ordentlich auf seinem Schreibtisch aneinander. Hannes hatte das Zeichentalent seiner Mutter geerbt und es zu seinem Beruf gemacht.

Vor dem Fenster seines Ateliers rauschte soeben ein Rettungswagen mit eingeschaltetem Martinshorn vorbei. Schon wieder! Die Straßen mussten glatt und gefährlich sein, denn in der vergangenen Stunde waren mindestens vier Fahrzeuge mit Sirene an seinem Haus vorbeigefahren. Tagsüber hatte es getaut, und jetzt, am Abend, gefror alles wieder. Gefährlich war das!

Hannes sehnte sich danach, dem trüben Wetter zu entkommen. Irgendwohin, wo die Sonne schien und er die Hektik der Stadt hinter sich lassen konnte, aber so einfach war das nicht. Er konnte nicht einfach verreisen, denn er hatte ein Kind zu versorgen.

Außerdem klingelte soeben sein Telefon. Auf dem Display wurde die Nummer seines Redakteurs angezeigt. Wartete vielleicht ein neuer Auftrag auf ihn?

Er drückte das Telefon an sein Ohr und meldete sich.

»Seibl.«

»Grüß dich, Hannes. Stefan hier. Es gibt wieder etwas für dich zu tun.«

»Prima. Schieß los. Worum geht’s diesmal?«

»Es geht wieder um ein Kinderbuch, das du illustrieren sollst. Altersgruppe fünf bis neun Jahre. In der Geschichte verirrt sich ein Landkind allein in der Großstadt und erlebt dabei allerlei Abenteuer.« Der Redakteur erklärte ihm die Geschichte.

Hannes wirbelten augenblicklich einige Ideen durch den Kopf, wie er das Thema zeichnerisch umsetzen konnte.

»Kannst du den Auftrag übernehmen?«

»Freilich. Gern.«

»Ausgezeichnet. Dann sende ich dir nachher das Manuskript per E-Mail zu. Lies dich ein. Alles klar?«

»Alles klar. Ich werde ein paar Skizzen anfertigen und sende sie dir sobald wie möglich zu. Dann telefonieren wir wieder und besprechen die Details.«

»Wunderbar. So lässt sich’s arbeiten.« Sein Redakteur klang zufrieden. »Lass es dir net zu Kopf steigen, aber der Chef ist äußerst zufrieden mit deinen Illustrationen.«

»Ach ja? Dann sollte ich vielleicht meine Preise erhöhen.«

»Wie? Was? Entschuldige, aber auf dem Ohr hört der Verleger ganz schlecht.«

»Ja, ja.« Schmunzelnd verabschiedete sich Hannes und stellte das Telefon zurück in die Ladestation.

Bevor er weiter an seiner Zeichnung arbeitete, wollte er rasch die Wäsche aus der Maschine nehmen und in den Trockner stecken. Im Sommer hängte er die Sachen gern zum Trocknen im Garten auf, weil sie dann herrlich frisch rochen, aber daran war um diese Jahreszeit nicht einmal zu denken.

Hannes verließ sein Arbeitszimmer, eilte durch den Flur zum Bad und stoppte auf der Schwelle, als er mit den Füßen plötzlich im Wasser stand.

»Ja, Herrschaftszeiten! Das darf doch net wahr sein!« Entgeistert starrte er auf die Wasserlache, die sich in seinem Badezimmer ausgebreitet hatte.

Der verflixte Schlauch hatte sich von der Waschmaschine gelöst. Nicht schon wieder!

Rasch machte er den Schlauch wieder fest. Anschließend griff er nach dem Putzlappen und machte sich daran, die Bescherung aufzuwischen, ehe die Überschwemmung noch mehr Schaden anrichten konnte.

Solche Pannen gehörten zu den Herausforderungen, die er seit zwei Jahren allein meistern musste. Damals war seine Frau bei einem Autounfall ums Leben gekommen und hatte ihn mit seiner kleinen Tochter allein zurückgelassen. Er war froh, dass sein Beruf es ihm erlaubte, daheim zu arbeiten und sich seine Arbeitszeiten selbst einzuteilen, sodass ihm genug Zeit für Melina blieb. Sie kam für ihn an erster Stelle.

Hannes hatte das Bad gerade trocken gewischt, als aus dem Kinderzimmer erstickte Laute drangen. Oh nein! Etwas in seinem Inneren schien zu gefrieren. Melina hatte sich einen Trickfilm angeschaut, als er zuletzt nach ihr gesehen hatte. Nun jedoch schien sie wieder einen Anfall zu haben!

Er verließ das Bad und eilte mit langen Schritten durch den Flur zu ihrem Zimmer. Melina kauerte auf ihrem Bett und japste mit hochrotem Gesicht nach Luft. Ihr Atem kam schwer und pfeifend. Sie konnte einatmen, aber nicht wieder aus! Das hatte ihm sein Hausarzt erklärt, und Hannes mochte sich kaum vorstellen, wie beängstigend das für sein Kind sein musste.

Melina litt unter Asthma. Der Auslöser für ihre Anfälle von Atemnot war nach wie vor ein Rätsel. Allergien kamen infrage, aber auch Stress, verschiedene Umweltgifte, Infektionen und Veranlagung. Melinas entzündete Bronchien reagierten besonders empfindlich auf bestimmte Reize wie Allergene oder kalte Luft, die dann ihre Anfälle auslösten.

Zittrig hielt sie den Inhalator an ihre Lippen, den der Arzt ihr verschrieben hatte. Nach zwei Sprühstößen beruhigte sich ihr Atem, und das Pfeifen ließ nach. Melina sank matt in ihre Kissen. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn, und sie war so blass, dass es ihm ins Herz schnitt.