Das Berghotel 140 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 140 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Voller Vorfreude bricht Victoria auf ins Berghotel. Die Hochzeit ihrer besten Freundin soll dort stattfinden, und sie als Brautjungfer darf natürlich nicht fehlen. Aber als Victoria im Berghotel ankommt, erhält ihr Glücksgefühl einen argen Dämpfer. Vor ihr steht plötzlich Raphael, der beste Freund des Bräutigams - und ihr ehemaliger Verlobter.

Das Wiedersehen ist bittersüß. Trotz der schlimmen Trennung hat Raphael noch immer die Macht, ihr Herz höherschlagen zu lassen, und er bringt sie völlig durcheinander. Ausgerechnet jetzt, wo sie einen klaren Kopf für die Hochzeitsvorbereitungen braucht!

Um ihre Gefühle erst einmal zu verdrängen, stürzt sich Victoria in die Vorbereitungen. So wird der Polterabend ein voller Erfolg, und langsam lässt ihre Nervosität nach - was soll jetzt noch schiefgehen? Nun, eine ganze Menge. Dabei ist die Tatsache, dass der Bräutigam am nächsten Morgen im Zimmer einer fremden Frau aufwacht, erst der Anfang der Katastrophen ...

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Herzdame in großer Mission

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock / Ostap Davydiak

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-4669-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.

Herzdame in großer Mission

Eine Brautjungfer und ihre heimliche Sehnsucht

Von Verena Kufsteiner

Voller Vorfreude bricht Victoria auf ins Berghotel. Die Hochzeit ihrer besten Freundin soll dort stattfinden, und sie als Brautjungfer darf natürlich nicht fehlen. Aber als Victoria im Berghotel ankommt, erhält ihr Glücksgefühl einen argen Dämpfer. Vor ihr steht plötzlich Raphael, der beste Freund des Bräutigams – und ihr ehemaliger Verlobter.

Das Wiedersehen ist bittersüß. Trotz der schlimmen Trennung hat Raphael noch immer die Macht, ihr Herz höherschlagen zu lassen, und er bringt sie völlig durcheinander. Ausgerechnet jetzt, wo sie einen klaren Kopf für die Hochzeitsvorbereitungen braucht!

Um ihre Gefühle erst einmal zu verdrängen, stürzt sich Victoria in die Vorbereitungen. So wird der Polterabend ein voller Erfolg, und langsam lässt ihre Nervosität nach – was soll jetzt noch schiefgehen? Nun, eine ganze Menge. Dabei ist die Tatsache, dass der Bräutigam am nächsten Morgen im Zimmer einer fremden Frau aufwacht, erst der Anfang der Katastrophen …

Vicky … Vicky!« Die Stimme schien aus weiter Ferne zu kommen. »Fehlt Ihnen was?«

»Wie?« Victoria Ambacher zuckte zusammen und kämpfte sich aus ihrem Tagtraum ins Hier und Jetzt zurück.

Sie stand neben der Massageliege und knetete den Rücken ihrer Patientin. Dabei richtete sie ihre Anstrengungen auf die obere Nackenpartie. Behutsam bearbeitete sie Wirbel für Wirbel.

»Entschuldigen Sie, Frau Härtl. Was haben Sie gesagt?«

»Ich habe Ihnen von meiner Enkelin erzählt. Sie hat ein Auto gewonnen. In der Fernsehlotterie. Ist das net unglaublich?«

»Ach, das ist ja großartig. Damit ist sie viel mobiler und kann jetzt öfter von der Uni zu Besuch zu Ihnen kommen.«

»Ja, das habe ich mir auch gedacht. Seitdem sie in Heidelberg studiert, seh ich sie kaum noch. Ich habe mir so gewünscht, dass sie mich wieder öfter besuchen kann, und nun wird es wahr. Manchmal geschieht so etwas also doch. Was würden Sie tun, wenn Sie einen Wunsch freihätten, Vicky?«

Da war sie wieder.

Die Frage, die Victoria vor wenigen Minuten dermaßen aus der Fassung gebracht hatte, dass ihre Gedanken abgedriftet waren wie ein Boot auf einem nebelverhangenen See. Sie hatte nämlich nur einen heimlichen Wunsch. Einen einzigen.

Raphael.

Doch das konnte niemals wahr werden. Es war vorbei. Schon lange, lange vorbei.

»Wünschen Sie sich eine eigene Praxis?«, hakte ihre Patientin nach, als sie schwieg.

»Äh … eigentlich net.«

»Aber Sie hätten das Talent dafür. Nach Ihrer Behandlung sind meine Rückenschmerzen stundenlang wie weggeblasen. Inzwischen habe ich sogar wieder Gefühl in der rechten Hand. Darauf hatte ich nimmer zu hoffen gewagt. Nach meinem Bandscheibenvorfall waren drei Finger taub. Die Besserung verdanke ich nur Ihnen.«

»Sie können die Behandlung unterstützen, indem Sie daheim mit der Faszienrolle üben, wie ich es Ihnen gezeigt habe, Frau Härtl.«

»Das mache ich ja, aber die Rolle ist hart und schrecklich unbequem.«

»Aber sie hilft. Glauben Sie mir.«

»Ich zwinge mich auch jeden Tag ran, aber Ihre Behandlung ist mir wesentlich lieber. Sehen wir uns am kommenden Freitag wieder?«

»Diesen Termin wird ausnahmsweise mein Chef übernehmen. Ich habe ab morgen nämlich erstmal Urlaub.«

»Ach so. Möchten Sie verreisen?«

»Ja, ich fahre ins Zillertal. Meine beste Freundin wird heiraten, und ich bin ihre Brautjungfer.«

»Eine Hochzeit in den Bergen? Das ist ja herrlich. Das Brautpaar muss überglücklich sein.«

»Das sind sie auch. Hannah und Tobias hatten es net leicht. Hannah war vor zwei Jahren sehr krank. Die Ärzte waren net sicher, ob sie ihr helfen können. Tobias gehört eine Apotheke, und Hannah hat jede Woche bei ihm Medikamente abgeholt. Er hat sich auf Anhieb in sie verliebt. Sie dachte, er würde sie nur aus Mitleid einladen, deshalb hat sie immer wieder Nein gesagt. Schließlich stand er eines Abends mit einem Arm voller Rosen vor ihrer Tür und erklärte ihr, dass sie die Frau wäre, mit der er seine Zukunft verbringen möchte. Sie hat ihn für verrückt erklärt, aber ein Jahr später waren sie verlobt. Inzwischen ist Hannah wieder gesund, und ich glaube, das Glück hat ihr dabei geholfen.«

»Was für eine romantische Geschichte. Vielleicht lernen Sie ja auch den Mann Ihres Herzens auf dem Fest kennen, Vicky. Hochzeiten sind wunderbare Gelegenheiten, um sich zu verlieben.«

Victoria biss sich auf die Unterlippe. Vor einigen Jahren war sie kurz davor gewesen, zu heiraten. Sogar ein Brautkleid hatte sie schon gehabt, aber dann war ihr Glück zerbrochen und ihr waren nichts als Scherben geblieben.

Seitdem war sie allein. Was nicht hieß, dass sie den Glauben an die große Liebe verloren hatte. Nein. Sie war nach wie vor davon überzeugt, dass zwei Menschen ein Leben lang glücklich miteinander sein konnten. Allerdings war sie sich nicht mehr sicher, ob dieses Glück auch für sie vorgesehen war.

»Heutzutage braucht eine junge Frau es net eilig zu haben mit dem Heiraten. Sie könnten sich auch einen Hund anschaffen, Vicky. Er ist treu und gibt keine Widerworte. Zwei unschätzbare Vorteile, glauben Sie mir. Obendrein wärmt er einem die Füße in kalten Winternächten.«

»Und er murrt net, wenn man mit ihm spazieren gehen möchte«, ergänzte Victoria.

»Ich sehe, Sie haben das Prinzip verstanden.« Ihre Patientin lachte leise und drehte sich auf Victorias Geheiß um.

Victoria war Physiotherapeutin in einer Praxis am Rand von München. Ihre blonden Haare hatte sie von ihrer Mutter geerbt. Die großen blauen Augen von ihrem Vater. Sie hielt sich mit Gymnastik fit und ging jeden Morgen joggen. Das war auch nötig, denn ihr Beruf erforderte Kraft und Ausdauer.

Als die Behandlungszeit herum war, richtete sie sich auf.

»Wir sind fertig für heute, Frau Härtl.«

»Vielen Dank, Vicky. Wir sehen uns also in zwei Wochen wieder? Bis dahin wünsche ich Ihnen einen schönen Urlaub.«

»Danke. Alles Gute bis dahin!« Victoria reichte Frau Härtl die Hand. Dann schlüpfte sie durch den Vorhang, damit sich ihre Patientin in Ruhe anziehen konnte.

Am Empfang war inzwischen ein Paket von einem Hochzeitsausstatter für sie angekommen. Sie schnitt das Klebeband auf und betrachtete die schneeweißen Säckchen aus zartem Tüll, die mit roten Stoffrosen besetzt waren. Sie waren für die Hochzeit ihrer besten Freundin bestimmt und sollten später mit Mandeln gefüllt werden. Jeder Gast würde ein solches Säckchen als Gastgeschenk und Glücksbringer bekommen.

»Tüll und Stoffrosen?« Ihr Chef kam aus einem Behandlungsraum und verzog das Gesicht, als hätte er sich soeben den großen Zeh angestoßen. »Schaff das hier weg. Was sollen die Leute denken, wenn sie das bei mir sehen?«

»Hast du Angst, es könnte bekannt werden, dass du ein Herz so hart wie ein Gummibär hast?«

»Mach dich ruhig lustig, aber ich habe einen Ruf zu verlieren«, grollte er, aber in seinen Augen blitzte ein Lachen.

Dabei sah Leopold Hofberger tatsächlich zum Fürchten aus: Seine Schultern waren so breit, dass man eine Schulklasse dahinter verstecken könnte. Unter seinem weißen Poloshirt mit dem Praxisaufdruck blitzten mehrere Tattoos hervor. Draußen parkte sein Motorrad, mit dem er in jeder freien Minute eine Tour unternahm.

Doch sein grimmiges Äußeres täuschte. Leopold hatte ein Herz aus Gold. Für seine Patienten tat er alles. Übernahm die Krankenkasse nur eine Handvoll Massagen, die Beschwerden bestanden jedoch weiterhin, behandelte er häufig noch eine Weile ohne Bezahlung weiter.

Leopold hatte Victoria schon öfter zum Essen eingeladen, aber sie hatte jedes Mal abgelehnt. Nicht nur, weil er ihr Chef war und eine Beziehung ihr Arbeitsverhältnis schwieriger machen würde, sondern auch, weil er für sie nur ein Freund war. Sie würde jederzeit mit ihm losgehen und Pferde stehlen, aber mehr, nein, mehr empfand sie nicht für ihn. Nicht wie für …

Bloß net daran denken, verbot sie sich selbst.

In diesem Augenblick klingelte das Telefon.

»Praxis Hofberger. Victoria am Apparat.« Sie hatte die Worte kaum über die Lippen gebracht, als am anderen Ende ein unterdrücktes Stöhnen zu vernehmen war.

»Diese Hochzeit wird mich noch umbringen, Vicky!«

»Hannah, bist du das?«

»Ich glaube schon, obwohl ich kaum noch weiß, wo mir der Kopf steht.«

Victoria wechselte den Hörer von einer Hand in die andere. Je näher der große Tag rückte, um so nervöser wurde ihre Freundin. Inzwischen rief sie dreimal am Tag an – und stand jedes Mal kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

»Was ist denn passiert?«

»Mein Brautkleid ist eine Katastrophe. Was habe ich mir nur dabei gedacht, es zu kaufen?«

»Das Kleid ist wunderschön. Dir gehen nur gerade die Nerven durch. Nimm ein Bad und entspann dich.«

»Aber ich sehe in dem Fetzen aus wie eine Vogelscheuche. Weiß steht mir überhaupt net. Es macht mich furchtbar blass. Außerdem ist die Spitze viel zu feminin.«

»Zu feminin gibt es bei einem Hochzeitskleid net. Außerdem steht dir das Kleid, als wäre es extra für dich geschneidert worden. Du siehst bildhübsch darin aus. Tobias werden die Augen übergehen, wenn er dich darin sieht.«

»Und wenn er mich am Altar stehen lässt?«

»Dann brennst du eben mit dem Trauzeugen durch.«

»Das ist net witzig, Vicky!« Hannah stöhnte auf. »Der Trauzeuge ist sein Großvater!«

»Ich gebe zu, das könnte einen Skandal geben …« Victoria unterbrach sich, als sie ihre Freundin leise lachen hörte. Gut. Die Krise schien vorerst abgewendet zu sein. »Es wird alles gut gehen, du wirst es sehen.«

»Glaubst du, Tobias und ich tun das Richtige?«

»Absolut. Ihr beide seid füreinander bestimmt. Ihr werdet ein glückliches Leben führen und viele Kinder haben.«

»Das wünsche ich mir so sehr. Aber ich habe fürchterliches Herzflattern, je näher der große Tag rückt. Kurz nachdem Tobias mich gefragt hat, ob ich ihn heiraten möchte, wäre ich am liebsten auf der Stelle mit ihm zum Standesamt marschiert, doch jetzt würde ich die Trauung gern noch ein paar Wochen aufschieben, um mich an den Gedanken zu gewöhnen. Was, wenn wir einen riesengroßen Fehler machen?«

»Warum sollte es ein Fehler sein? Ihr liebt euch und seid gut füreinander.« Victoria fing einen tadelnden Blick ihres Chefs auf und sagte rasch: »Ich muss wieder an die Arbeit gehen. Wir sehen uns morgen im Zillertal, ja?« Sie verabredete mit ihrer Freundin, dass sie sich nach ihrer Ankunft zu einem Kaffee treffen würden, danach legte sie auf.

Ihr Chef zog fragend eine Augenbraue hoch.

»Die beiden wollen diese Hochzeit also wirklich durchziehen?«

»Freilich. Hannah ist allerdings furchtbar aufgeregt.«

»Du solltest ihr sagen, dass das hier unser Arbeitstelefon ist und net die Seelsorge.«

»Tut mir leid. Ab morgen habe ich ja Urlaub und sehe Hannah im Zillertal. Vielen Dank übrigens, dass du meinen Papagei fütterst, solange ich weg bin.«

»Kein Problem.« Er sah sie so unschuldig an, dass sie sich nicht ganz sicher war, ob er schon wieder irgendwelche Hintergedanken hatte. Vermutlich ein Abendessen mit ihr als Gegenleistung.

»Leo, Leo …« Sie schüttelte den Kopf und musste aber dabei lachen.

»Übermittle dem Brautpaar, dass ich ihnen Glück wünsche, ja? Sie werden es brauchen.«

»Warum sagst du das? Die beiden lieben sich und wollen heiraten. Was soll da schon schiefgehen?«

»Fragst du mich das im Ernst? Das ist eine Hochzeit, Vicky, da können tausend Dinge schiefgehen.«

»Beruf es net«, bat sie und klopfte vorsichtshalber mit dem Finger dreimal auf den Schreibtisch.

»Das funktioniert nur bei echtem Holz. Net auf Spanplatten.« Er winkte ab. »Wie gesagt, tausend Dinge …«

***

Das Wetter schien auf der Seite des Brautpaares zu sein. Es zeigte sich von seiner besten Seite: Ein strahlend blauer Frühlingshimmel spannte sich über den Bergen auf, als Victoria von München in Richtung Süden fuhr.

Ihre Reise führte sie an Kiefersfelden und Kufstein vorbei und durch einen Tunnel, der sie ins Zillertal brachte. In Mayrhofen bog sie auf eine einsame Straße ab, die in zahlreichen Kurven bergauf führte.

Hoffentlich ist das Wetter am Hochzeitstag auch so schön, sann die Physiotherapeutin, dann kann der Stehempfang nach der Trauung im Freien abhalten werden. Das wäre großartig.

Der Wind spielte mit Victorias langen Haaren. Sie hatte das Verdeck ihres Käfers geöffnet und genoss die warmen Sonnenstrahlen auf ihrer Haut. Das Gefühl von Freiheit und Urlaub zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht.

Ihr Auto brummte gemächlich bergauf. Es war ein Geschenk ihrer Eltern gewesen, nachdem sie ihren Abschluss mit Auszeichnung bestanden hatte. Der Wagen brachte sie zu ihren Hausbesuchen.

Im vergangenen Jahr war sie damit sogar schon in England gewesen, wo sie eine Reihe berühmter Parks und Gärten besucht hatte. Sie liebte Grünanlagen und war in ihrem letzten Sommerurlaub stundenlang darin umhergestreift und hatte zahlreiche Fotos gemacht.

Ihr zitronengelber Schal flatterte fröhlich im Fahrtwind. Bis nach St. Christoph konnte es nicht mehr weit sein. Sie würde auspacken und anschließend einen Spaziergang unternehmen, um sich mit dem Dorf vertraut zu machen, und dann …

Plötzlich vernahm sie ein merkwürdiges Geräusch und stutzte.

Plopp! Plopp! Plopp!

Ihr Wagen ruckelte mit einem Mal wie ein bockiges Pferd. O nein! Was war denn nun los? Victoria lenkte ihr Auto in eine Bucht am Straßenrand, stieg aus und bemerkte, dass das linke Vorderrad auffallend flach war. Sie hatte einen Platten!

O nein! Nicht gerade jetzt, wo sie weder wusste, ob es in der Nähe eine Werkstatt gab, noch, ob ihr Wagen überhaupt ein Reserverad besaß. Ganz zu schweigen von ihrem weißen Frühlingskleid, das bestimmt nicht dafür gemacht war, darin einen Reifen zu wechseln!

Victoria starrte den Reifen an, als könnte sie ihn allein mit ihren Blicken wieder mit Luft befüllen. Doch da ließ sich nichts machen: Sie musste in den sauren Apfel beißen und …

»Brauchst du Hilfe?« Die Männerstimme war dunkel und warm wie Honig – und so vertraut, dass ihr Herz unwillkürlich einen Satz machte.

Eine dunkelblaue Limousine hatte hinter ihr am Straßenrand gestoppt, und ein hochgewachsener Mann war ausgestiegen. Seine blonden Haare schienen von der Sonne gebleicht zu sein, und in seinem gebräunten Gesicht blitzten blaue Augen, die Victoria freundlich und eine Spur forschend musterten.

Die Narbe an seinem Kinn tat seinem attraktiven Äußeren keinen Abbruch. Im Gegenteil. Sie machte ihn nur noch interessanter. Beunruhigend war die Tatsache, dass er durchaus kein Unbekannter war …

»Was machst du denn hier?«, rutschte es Victoria heraus.

»Ich freue mich auch, dich wiederzusehen«, gab er trocken zurück.

Sie schnappte nach Luft. Auf dieses Wiedersehen hätte sie vorbereitet sein sollen, war es jedoch nicht. Ihr Herz pochte wild, und ihre Gedanken wirbelten durch ihren Kopf, dass sie keinen Anfang und kein Ende fand. Raphael!

So schnell hatte sie nicht damit gerechnet, ihn zu sehen.