Das Berghotel 144 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 144 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

Bloß weg von diesem Presserummel! Sina Bermoser hält es nicht länger in München aus. Seitdem ihre Beziehung mit dem Sänger Frederik Holl ans Licht gekommen ist, hat sie keine ruhige Minute mehr: Nach und nach bringt die Presse pikante Details ihrer Affäre ans Licht, und niemand glaubt ihr, dass sie nichts von seiner Ehefrau wusste. Doch die hat der Sänger ihr wohlweislich verschwiegen.
Und als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, erreicht Sina ein verzweifelter Hilferuf aus dem Zillertal. Ihre Schwester Caroline macht dort im Berghotel Urlaub. Doch dieser entwickelt sich zu einem Drama: Ihr Verlobter ist mit einem Wohnmobil verunglückt - noch dazu mit einer fremden Frau! Und der Unfall war kein Zufall: Clemens und seine Begleiterin wurden vergiftet! Und alle Indizien führen zu Caroline ...

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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Schwesterherzen sind nie allein

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-5077-7

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.

Schwesterherzen sind nie allein

Doch das größte Glück blieb ihnen versagt

Von Verena Kufsteiner

Bloß weg von diesem Presserummel! Sina Bermoser hält es nicht länger in München aus. Seitdem ihre Beziehung mit dem Sänger Frederik Holl ans Licht gekommen ist, hat sie keine ruhige Minute mehr: Nach und nach bringt die Presse pikante Details ihrer Affäre ans Licht, und niemand glaubt ihr, dass sie nichts von seiner Ehefrau wusste. Doch die hat der Sänger ihr wohlweislich verschwiegen.

Und als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, erreicht Sina ein verzweifelter Hilferuf aus dem Zillertal. Ihre Schwester Caroline macht dort im Berghotel Urlaub. Doch dieser entwickelt sich zu einem Drama: Ihr Verlobter ist mit einem Wohnmobil verunglückt – noch dazu mit einer fremden Frau! Und der Unfall war kein Zufall: Clemens und seine Begleiterin wurden vergiftet! Und alle Indizien führen zu Caroline …

»Frau Bermoser, was sagen Sie zu den Vorwürfen, eine Ehe zerstört zu haben? Fühlen Sie sich schuldig? Wie geht es zwischen Herrn Holl und Ihnen weiter? Treffen Sie sich noch?«

Die Fragen prasselten auf Sina herein wie Hagelkörner. Mit langen Schritten eilte sie auf das moderne Bürogebäude im Zentrum von München zu und schob sich hastig durch die Drehtür. Ihr war klar, dass die Journalistin ihr folgen würde, aber sobald sie den Concierge passiert hatte, war es geschafft.

Der Empfangschef nickte ihr mit kühler Distanz zu, wie er es seit anderthalb Jahren an jedem Morgen tat. Anders als sonst betrat Sina den Fahrstuhl jedoch nicht beschwingt und voller Tatendrang, sondern so, als wäre sie auf der Flucht. Was, wenn man es genau nahm, auch zutraf.

Wie hatten die Journalisten nur herausgefunden, dass sie eine Affäre mit dem bekannten Schlagersänger Frederik Holl hatte? Ihr war ja nicht einmal selbst bekannt gewesen, dass daheim eine Ehefrau auf ihn wartete. Diese Tatsache hatte Frederik ihr wohlweislich verschwiegen. Genauso wie den Fakt, dass seine Frau im achten Monat schwanger war.

Sinas Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen. Ihr Freund konnte mit seiner zärtlichen, ein wenig rauchigen Stimme alle Frauenherzen schmelzen lassen. Sina war ihm in einer Autowerkstatt begegnet, wo sie beide warten mussten. Sie waren ins Gespräch gekommen, und Sina, die sich nichts aus Schlagern machte, hatte den berühmten Sänger gar nicht erkannt.

Das hatte er erfrischend gefunden, und sie hatte ihm wohl auch gefallen, sodass er sie zum Essen einlud. Einem Rendezvous war das nächste gefolgt, und irgendwann waren sie ein Paar gewesen. Der romantisch veranlagte Sänger hatte Sinas Herz erobert, jedoch mit keiner Silbe erwähnt, dass er nicht allein war. Im Gegenteil: Er hatte ihr weisgemacht, wie einsam ihn sein Erfolg machte. Seine Fans sahen nur den Künstler in ihm, nicht aber den Mann, der sich nach Liebe sehnte.

Und ich bin darauf reingefallen, warf sie sich nun vor und rieb sich die Schläfen, während der Fahrstuhl nach oben fuhr. Ich war so naiv, hab seine Worte nie hinterfragt. Dabei hätte ich es besser wissen müssen. Was zu schön ist, um wahr zu sein, hat meistens einen Haken …

Seitdem ihre Affäre mit dem Sänger ans Licht gekommen war, hatte Sina keine ruhige Minute mehr. Ein Fotograf hatte das Paar heimlich während eines intimen Abendessens aufgenommen und die Bilder an eine Illustrierte verkauft.

In Sina stieg Übelkeit auf. Sie wusste nicht, was schlimmer war: das Wissen, ausgenutzt und betrogen worden zu sein, oder die Tatsache, dass sie die andere Frau war, die mit dem Mann einer anderen geschlafen hatte. Dass sie ahnungslos gewesen war, machte es in ihren Augen nicht besser.

Mit einem leisen Klingelton glitten die Lifttüren vor ihr auseinander. Die Kanzlei Eckstein, Bertram & Partner befand sich in der oberen Etage des Gebäudes. Die Aussicht von den hohen Glasfronten auf die Stadt war spektakulär – und Sina nahm an, dass der Mietpreis es ebenfalls war. Doch um Geld mussten sich die Anwälte keine Sorgen machen. Zu ihren Mandanten zählten einflussreiche Unternehmer, Schönheitschirurgen und Künstler, die sich ihren Rechtsbeistand etwas kosten ließen.

Ein weicher Teppichboden dämpfte das Klackern von Sinas hohen Absätzen, als sie zu ihrem Büro ging. Sina Bermoser, Anwältin für Wirtschaftsrecht, stand an der Rauchglastür.

Sie hatte es tatsächlich geschafft. Manchmal erschien es ihr wie ein schöner Traum, dass sie ihr Jurastudium und die ersten Jahre als Anwältin im Schnellschritt hinter sich gebracht hatte. Das Augenmerk von Josef Eckstein, dem Seniorchef, war während einer Verhandlung auf sie gefallen, die sie noch als rechte Hand des Staatsanwalts geführt hatte. Herr Eckstein hatte sie vom Fleck weg engagiert und sie mit einer guten Position und der Aussicht auf eine vielversprechende Karriere abgeworben.

Sina besaß einen messerscharfen Verstand und eine spitze Zunge. Beides setzte sie zum Wohl ihrer Mandanten ein. Ihr Jahresgehalt übertraf alles, was sie sich je erträumt hatte. Trotzdem wirtschaftete sie vorsichtig und legte einen großen Teil ihrer Einkünfte zur Seite.

Irgendwann wollte sie ein eigenes Haus haben, einen Ort, an dem sie geborgen war, und dafür sparte sie eisern.

Sina schaltete ihren Computer ein und nahm schwungvoll die Mappe mit den Unterlagen zu ihrem aktuellen Fall zur Hand. Dabei klirrten die beiden silbernen Armreifen an ihrem Handgelenk sacht.

Beruflich war sie erfolgreich, doch in der Liebe war ihr kein Glück beschieden. Dabei war sie sicher gewesen, dass Frederik und sie eine gemeinsame Zukunft hatten …

Net daran denken, verbot sie sich selbst in Gedanken und konzentrierte sich auf die Unterlagen. Weit kam sie mit der Arbeit jedoch nicht, denn jemand klopfte an ihrer Tür und wartete nicht erst auf einen Ruf, sondern trat sofort ein.

»Frau Bermoser?« Es war Felix, der Anwaltsgehilfe, der ihr jeden Mittag die Post brachte und hin und wieder Tipps für seine Arbeit bei ihr einholte. »Der Chef will Sie sehen. Sofort!«

Nanu? Sina stutzte. Seit wann waren sie wieder per Sie? Felix und sie waren bei der letzten Weihnachtsfeier übereingekommen, sich, wie es unter Kollegen üblich war, zu duzen. Weshalb verhielt er sich auf einmal wieder so steif wie am Anfang ihrer Bekanntschaft?

Ein flaues Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus.

»Ist gut.« Sie stand von ihrem Schreibtisch auf. »Danke, Felix.«

Der Gehilfe nickte nur, während seine Ohrspitzen rot anliefen. Er murmelte etwas, das sich wie »Viel Glück!«, anhörte – und weg war er.

Das ungute Gefühl in ihrem Inneren verstärkte sich.

Sina zog ihre dunkelblaue Kostümjacke glatt und atmete noch einmal tief durch. Dann durchquerte sie den Flur und ging zu dem Büro ganz am Ende des Korridors. Auf ihr Klopfen rief der Seniorchef sie herein.

Josef Eckstein war ein stattlicher Mann Mitte fünfzig, mit grauen Augen, denen kein Detail entging. Seine Miene verriet nie, was er dachte. Er hielt sich immer gerade und bewegte sich genauso zielstrebig, wie er alles in seinem Leben anpackte. Schwäche war in seinen Augen ein Charakterfehler. Etwas, das er sich nicht erlaubte. Niemals.

»Frau Bermoser, bitte nehmen Sie Platz.«

Noch eine Anrede, auf die sie nicht vorbereitet war. Ihr Chef siezte sie, nannte sie normalerweise jedoch beim Vornamen. Etwas stimmte hier nicht.

Er deutete knapp auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch.

Sina nahm auf der Kante Platz und sah ihren Chef abwartend an. Er mochte es nicht, wenn er unterbrochen wurde – und noch viel weniger, wenn jemand seine Zeit verschwendete. Aus diesem Grund vermied sie Spekulationen und wartete ruhig ab, was er ihr zu sagen hatte.

Lange musste sie sich nicht gedulden.

»Frau Bermoser, mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie eine Affäre haben.«

Sina gelang es, nicht zusammenzuzucken. Doch ihre Stimme klang belegt, als sie zurückgab: »Mir war net bekannt, dass Herr Holl verheiratet ist. Ich habe die Beziehung sofort beendet, als ich es herausfand.«

»Trotzdem haben Sie sich mit dieser unvernünftigen Beziehung geschadet. Und net nur sich selbst, sondern auch der Kanzlei. Ist Ihnen das eigentlich bewusst?«

»Der Kanzlei?« Überrascht sah Sina ihren Chef an, und eine dumpfe Vorahnung überfiel sie.

»Aber natürlich. Sie sind Anwältin in einer der größten Kanzleien von Bayern. Unsere Mandanten erwarten net nur erstklassige Arbeit, sondern auch Diskretion und einen einwandfreien Lebenswandel. Skandale wie diesen …« Ihr Chef tippte entrüstet auf eine Illustrierte, die vor ihm auf dem Schreibtisch lag und in der das verhängnisvolle Foto von Frederik und Sina abgedruckt war, »Skandale wie diesen können wir uns net erlauben!«

»Aber … ich wusste nichts von Frederiks Familie.«

»Das ist net von Belang. Sie hätten sich vergewissern müssen, ehe Sie sich auf eine Affäre mit ihm eingelassen haben. Das haben Sie versäumt, und nun müssen Sie die Konsequenzen tragen. Als Anwältin sind Sie für meine Kanzlei untragbar geworden. Mehrere Mandanten haben mich bereits kontaktiert. Sie sind entsetzt über diesen Skandal. Und sie waren kurz davor, uns das Mandat zu entziehen!«

Sina sah ihren Chef bestürzt an.

»Wir vertreten Menschen in wichtigen Positionen. Wir können uns net den Hauch eines Skandals leisten, Frau Bermoser. So leid es mir auch tut, aber aus diesem Grund muss ich Sie bitten, Ihren Schreibtisch zu räumen. Sie haben noch drei Wochen Jahresurlaub, den werden Sie sofort antreten. Sie erhalten Ihr Gehalt bis zum Ende der Kündigungsfrist, aber ich will Sie nimmer in der Kanzlei sehen.«

»Ich habe mehrere Fälle zu bearbeiten«, begehrte sie auf.

»Das kann Felix übernehmen. Von diesem Tage an sind Sie nimmer für uns tätig, Frau Bermoser.«

»Aber …« Zahlreiche Argumente, die für sie sprachen und sie entlasteten, lagen ihr auf der Zunge, aber sie ahnte, dass ihr Chef diese nicht hören wollte. Josef Eckstein hatte seine Entscheidung getroffen, und dazu stand er.

Sina wusste, dass jedes weitere Wort vergeblich gewesen wäre. Ihr Rauswurf stand fest. Aus. Vorbei.

Sie taumelte wie in Trance zurück in ihr Büro. Alles in ihr war taub. Es fühlte sich so an, als befände sich ihr Kopf unter Wasser. Sie hörte die Stimmen in der Kanzlei wie aus weiter Ferne. Sie gehörte nicht mehr dazu. Ein einziger Fehler hatte sie die Karriere gekostet.

Sie blickte durch eine Glastür in ein anderes Büro und sah zwei Kollegen, die sich gerade über einen Stapel Akten beugten und berieten. Sina fühlte sich wie ein Kind, das von außen durch ein Schaufenster in einen Spielzeugladen schaute und nicht hineingehen durfte. Drinnen nahm niemand sie wahr.

Ein ersticktes Schluchzen entfuhr ihr.

Impulsiv fuhr ihre Hand an das Telefon. Sie wollte ihre Schwester anrufen. Caroline und sie erzählten einander alles. Vielleicht würde sie klarer sehen, wenn sie ihr Herz erleichtert hatte. Aber dann fiel ihr ein, dass ihre Schwester gerade im Zillertal Urlaub machte. Den wollte sie ihr nicht verderben. Sicherlich war Caroline gerade in den Bergen unterwegs …

***

»Was hast du dir nur dabei gedacht, Caroline?«

Vorwurfsvoll tippte Clemens Pratt auf die weiße Schürze, als wäre sie gestohlen. Eine tiefe Furche grub sich zwischen seinen Augenbrauen ein und ließ ihn älter als neunundzwanzig wirken.

Caroline sah ihren Verlobten fragend an. Sie hatte sich bei ihrem Ausflug nach Mayrhofen ein Dirndl gekauft. Der blaue Stoff war mit weißen Streublümchen besetzt, deshalb hatte es ihr auf Anhieb gefallen. Ihr Verlobter wirkte jedoch alles andere als erfreut. Warum eigentlich?

»Gefällt’s dir net?«

»Darum geht’s net. Ich weiß nur, was so ein Dirndlgewand kostet. Das können wir uns momentan net leisten. Es ist ja auch net so, als hättest du nix anzuziehen im Kleiderschrank.«

»Aber das Kleid ist hübsch. So etwas bekommt man nur hier in den Bergen. Die Kleider daheim sind Massenware. Sie haben net so hübsche, mit Stoff besetzte Knöpfe am Mieder und auch keine Stickereien. Außerdem kann ich bei einem Dirndl, das ich daheim kaufe, net sagen, dass ich es mir aus dem Zillertal mitgebracht habe.«

»Na und? Als ob so etwas an dem Stoff dranstehen würde. Die monatliche Rate für den Hauskredit steht nächste Woche wieder an, und es ist fraglich, ob für den Rest des Monats viel Geld zum Leben übrig bleibt. Oder überhaupt noch etwas. Im Grunde war dieser Urlaub keine gute Idee.«

»Das ist net wahr. Wir brauchten beide eine Auszeit vom Alltag. Das hier war dringend nötig.«

Caroline machte eine Geste, die alles einbezog: ihr gemütlich eingerichtetes Hotelzimmer und den Ausblick von ihrem Balkon auf die Berge, die ihre grau-weißen Gipfel in den Sommerhimmel reckten. Seitdem sich ihr Verlobter mit seiner Werbefirma selbstständig gemacht hatte, sahen sie einander seltener als früher.

Clemens saß von früh bis spät im Büro. Oft auch am Wochenende. Wenn sie ihn darauf ansprach, meinte er nur, dass er als Selbstständiger eben ständig arbeiten müsse, aber sogar er sah ein, dass sie einen Urlaub brauchten. Seit Wochen schlief er schlecht, geisterte nachts durchs Haus und war morgens bleich wie ein Gespenst.

Als Pressesprecherin eines großen Pharmakonzerns hatte Caroline nicht so viel Stress wie ihr Verlobter, aber auch sie hatte den Urlaub im Zillertal herbeigesehnt. Romantische Tage und Nächte sollten es werden – im Berghotel von St. Christoph. Leider gestalteten sich die Tage und Nächte alles andere als das. Clemens und sie stritten sich häufig. Auch schon vor ihrer Abreise. Meistens ging es um Geld.

Ein eigenes Haus war immer ihr Traum gewesen, den sie im vergangenen Jahr endlich wahr gemacht hatten. Allerdings lastete der Kredit schwer auf ihnen. Caroline liebte es, ihr Zuhause schön einzurichten: mit neuen Vorhängen, Pflanzen und Bildern.

Clemens warf ihr oft vor, zu viel Geld auszugeben. Dabei bezahlte sie die meisten Einkäufe selbst und butterte häufig etwas von ihren Ersparnissen in die Haushaltskasse dazu, wenn am Ende des Monats die Motten darin nisteten.

Allerdings neigten sich auch ihre Reserven dem Ende zu.

»Ich habe das Dirndl selbst bezahlt«, erklärte sie nun. »Net aus der Haushaltskasse.«

»Weg ist weg«, brummte ihr Verlobter. »Wir hätten das Geld gut gebrauchen können.«

»Darf ich mir net einmal im Urlaub etwas Schönes leisten?«

Caroline blickte das Kleid an, das ihr eben noch so viel Freude gemacht hatte und das sie nun am liebsten zurückgebracht hätte. Ihr Verlobter antwortete nichts. Stattdessen verschwand er im Bad. Kurz darauf rauschte die Dusche.

Caroline konnte es ihm nicht verdenken, dass er bereits am Nachmittag eine Abkühlung suchte. Der Tag war drückend heiß. Die Luft flirrte beinahe, und im Dorf regte sich nichts. Die meisten Urlauber waren in den höheren Regionen unterwegs, wo es kühler war. Die Bauern würden erst in den frühen Abendstunden wieder an die Arbeit gehen.

St. Christoph war ein idyllisches Dorf, zu dem man über eine Zufahrtsstraße von Mayrhofen gelangte. Caroline war vor einigen Jahren zum Skifahren hier gewesen und hatte sich gewünscht, einmal zum Wandern herzukommen. Clemens war gern einverstanden gewesen, die Großstadt für eine Woche hinter sich zu lassen und in die Berge zu fahren.