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Elena fühlt sich so elend wie nie zuvor. Sie hat alles verloren, was ihr wichtig gewesen ist: Studienplatz, vermeintlich beste Freundin und Beziehung - und all das innerhalb weniger Stunden. Zu allem Überfluss hat sie sich auch noch zu einem langweiligen Familienurlaub in St. Christoph überreden lassen. Himmel, wie soll sie den bloß überstehen?
Als Elenas tränenverschleierter Blick auf den Schreibtisch fällt, kommt ihr plötzlich eine Idee. Intuitiv greift Sie nach einem Kugelschreiber und schnappt sich ihren Notizblock.
Dinge, die ich tun will, notiert sie in großen Buchstaben.
Dann schreibt sie langsam die erste Sache auf, die ihr in den Sinn kommt, und mit einem Mal fallen ihr immer mehr Dinge ein, die sie insgeheim schon immer machen wollte. Schließlich setzt sie einen letzten Punkt auf ihre Liste: 7. Die wahre Liebe finden.
Irgendwie fühlt sich Elena plötzlich zuversichtlicher. Sie will alle sieben Wünsche im Zillertal-Urlaub in die Tat umsetzen, das nimmt sie sich ganz fest vor ...
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Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Sieben Wünsche für einen Sommer
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-5078-4
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.
Sieben Wünsche für einen Sommer
Was ein Madel anstellte, um das Glück zu finden
Von Verena Kufsteiner
Elena fühlt sich so elend wie nie zuvor. Sie hat alles verloren, was ihr wichtig gewesen ist: Studienplatz, vermeintlich beste Freundin und Beziehung – und all das innerhalb weniger Stunden. Zu allem Überfluss hat sie sich auch noch zu einem langweiligen Familienurlaub in St. Christoph überreden lassen. Himmel, wie soll sie den bloß überstehen?
Als Elenas tränenverschleierter Blick auf den Schreibtisch fällt, kommt ihr plötzlich eine Idee. Intuitiv greift sie nach einem Kugelschreiber und schnappt sich ihren Notizblock.
Dinge, die ich tun will, notiert sie in großen Buchstaben.
Dann schreibt sie langsam die erste Sache auf, die ihr in den Sinn kommt, und mit einem Mal fallen ihr immer mehr Dinge ein, die sie insgeheim schon immer machen wollte. Schließlich setzt sie einen letzten Punkt auf ihre Liste:7. Die wahre Liebe finden.
Irgendwie fühlt sich Elena plötzlich zuversichtlicher. Sie will alle sieben Wünsche im Zillertal-Urlaub in die Tat umsetzen, das nimmt sie sich ganz fest vor …
Mit großen, raschen Schritten eilte Elena durch das Großstadtgetümmel von Wien. Wie so oft ließ sie sich von der allgegenwärtigen Hektik anstecken: Sobald sie ihre kleine WG-Wohnung verließ, spürte sie, dass ihr Puls stieg und sich ihre Schritte unwillkürlich beschleunigten.
All diese Menschen um sie herum schienen es schrecklich eilig zu haben. Mit grimmigen Gesichtern und hochgezogenen Schultern hasteten die meisten durch die Straßen, ohne nach links oder rechts zu sehen.
Als sich Elena auf die Rolltreppe stellte, die hinunter zur U-Bahn-Station führte, wurde sie von einem Mann in einem Nadelstreifen-Anzug angerempelt, der mit einem Aktenkoffer in der Hand vorbeihastete und offensichtlich unterwegs zu einem beruflichen Termin war. Statt sich zu entschuldigen, warf er ihr nur einen grimmigen Blick zu, so, als hätte sie sich ihm absichtlich in den Weg gestellt. Er wäre gut aussehend gewesen, wenn sein Gesichtsausdruck nicht so sauertöpfisch gewesen wäre.
Seufzend dachte sie daran, wie langsam und gemütlich die Zeit in ihrem kleinen Heimatdorf in Kärnten, in dem ihre Eltern nach wie vor lebten, zu vergehen schien. Solange sie dort gewohnt hatte, hatte sie sich über das allzu beschauliche Landleben beschwert und es als fad bezeichnet. Nun ertappte sie sich insgeheim bei dem Gedanken, dass das entspannte Leben im ruhigen Dörfchen auch seinen ganz eigenen Reiz hatte.
Offen zugegeben hätte sie das freilich nicht, vor allem nicht in Gegenwart ihrer Eltern. Diese hatten von Anfang an nicht viel von Elenas Plan gehalten, in die Großstadt zu ziehen. Nachsichtig lächelnd hatten sie ihre Idee als Hirngespinst abgetan und wohl damit gerechnet, dass sie bald heimkehren würde.
Doch diese Blöße wollte sich Elena nicht geben. Sie war fest entschlossen, in Wien zu bleiben und das Medizinstudium durchzuziehen, das sie begonnen hatte.
»Das Stadtleben hat ja auch viel mehr Vor- als Nachteile«, murmelte sie vor sich hin. »Hier ist immer was los, fad wird’s einem nie. Das bisserl Stress und Lärm nehm ich da gern in Kauf.«
Eine ältere Frau, die sich an eine große Plastiktüte klammerte wie an einen Schatz, warf ihr einen scharfen Blick zu, so, als fragte sie sich, ob die murmelnde junge Frau den Verstand verloren hatte. Errötend verstummte Elena und warf einen hektischen Blick auf die große Uhr, die über dem Bahnsteig hing.
Als die U-Bahn endlich mit lautem Getöse ankam, brach wie immer Hektik aus. Die ein- und aussteigenden Leute eilten aneinander vorbei, als käme es auf jede Sekunde an. Mit gesenktem Kopf quetschte sich Elena hinein, wo sie wie ein Korken zwischen anderen Menschen steckte und sich kaum rühren konnte.
Während ihr ein Mann seinen heißen Atem in den Nacken pustete und ihr ein Teenager-Mädchen aus Versehen den spitzen Ellenbogen in die Rippen bohrte, ging sie in Gedanken den Lernstoff für die Prüfung durch, die sie gleich schreiben würde. Doch als sie feststellte, dass sie sich an noch weniger davon erinnern konnte, als erwartet, sank ihr der Mut.
Als sie ihre Haltestelle erreicht hatte und mit der Rolltreppe hochfuhr, klingelte ihr Handy. Beinahe wäre es ihr aus der Hand gefallen, so hektisch kramte sie in der Tasche danach. Hoffentlich war es nicht Hanne, die ihr sagen wollte, dass sie wieder einmal zu spät zur Uni kam! Diesmal durften sie sich keine Verspätung erlauben, die Prüfung war extrem wichtig.
Erleichtert atmete sie auf, als sie sah, dass der Anruf von ihrer Mutter kam.
»Hallo Mama! Was gibt’s?«, fragte sie, während sie ins Freie stolperte und in das grelle Sonnenlicht blinzelte.
»Grüß dich, Schatzerl. Na, wie geht’s?«
Ihre Mutter klang fröhlich und tiefenentspannt. Im Hintergrund hörte Elena leises Vogelgezwitscher. Sie konnte sich bildlich vorstellen, wie ihre Mutter daheim in Kärnten gerade im Garten vor sich hin werkelte, dabei das Handy zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt hatte und den Blick auf die Berge genoss – die Petzen und den Sagerberg, die praktisch vor der Haustür lagen.
Elena hingegen hatte gerade nur einen weniger idyllischen Ausblick auf schmutzig-graue Hochhausfassaden. Aber das war in Ordnung, sagte sie sich energisch. Genau das hatte sie schließlich gewollt: ein Leben in der Großstadt mit allem, was dazugehörte.
Die Idee, nach Wien zu ziehen, war von Hanne gekommen, und wie so oft war Elena auf Anhieb Feuer und Flamme gewesen. In der Stadt wollten die Madeln etwas erleben, viel Spaß haben und etwas Tolles studieren, um spannende Karrieren einschlagen zu können.
»Läuft ganz gut«, antwortete Elena und wich einem Radfahrer aus, der mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit durch die Fußgängerzone bretterte.
»Ist wirklich alles in Ordnung, mein Schatz?«, hakte ihre Mutter sofort besorgt nach. »Du klingst so gehetzt.«
Elena unterdrückte ein Seufzen. »Ja, wirklich. Ich bin bloß gerade unterwegs zu einer wichtigen Prüfung. Du weißt schon, ich muss doch den schriftlichen Teil des Physikums wiederholen.«
Ihre Mutter schnappte hörbar nach Luft. »Das Physikum – der Wiederholungstermin ist heute? Oh Elena, das hast du mir ja gar nicht gesagt!«
Elena biss die Zähne fest zusammen. Schon bereute sie ihre Worte. Dass sie ihren Eltern bisher nichts von dem Termin erzählt hatte, hatte einen guten Grund: Sie wusste genau, wie aufgeregt die beiden deswegen wären. Das würde die schwere Last, die auf Elenas Schultern ruhte, noch verschlimmern.
Das Physikum war der erste Abschnitt der ärztlichen Prüfung und ließ die Medizinstudenten erzittern. Den schriftlichen Teil dieser wichtigen Prüfung hatte Elena bereits zweimal nicht bestanden. Wenn sie nun ein drittes Mal durchflog, hätte das schlimme Konsequenzen: Sie könnte ihr Studium nicht fortsetzen.
»Viel Glück, Liebling.« Die Stimme ihrer Mutter klang nun eindeutig beunruhigt. »Bitte denk dran, wie wichtig es ist, dass du diesmal bestehst. Wenn du’s noch einmal versemmelst, war’s das für dein Medizinstudium.«
Elena seufzte unglücklich. Das wusste sie selbst nur zu gut! Ihre Mutter musste sie nicht daran erinnern, wie ernst die Lage war.
»Ich bin gut vorbereitet«, behauptete sie, und versuchte, alle Überzeugungskraft in ihre Stimme zu legen.
Die Wahrheit war, dass sie der Klausur überhaupt nicht optimistisch entgegenblickte. Sie hatte sich wirklich größte Mühe gegeben, den Lernstoff irgendwie in ihren Kopf zu pressen, doch es war aussichtslos.
Im Grunde genommen interessierte sie sich einfach nicht sonderlich für das Medizinstudium, musste sie sich selbst widerstrebend eingestehen. Darum fiel es ihr auch so schwer, sich die unzähligen Informationen zu merken.
Noch dazu kündigten sich gerade schlimme Kopfschmerzen an. Hinter ihrer Stirn hämmerte und stach es so heftig, dass sie sich kaum konzentrieren konnte.
Um die Prüfung zu bestehen, war wohl mehr als Glück nötig, darüber machte sie sich keine Illusionen. Sie brauchte ein kleines Wunder. Ihr Magen rumorte vor Nervosität. Sie fühlte sich wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wurde. Ihr war nur allzu bewusst, was auf dem Spiel stand.
»Warum hast du eigentlich angerufen? Was gibt’s denn?«, fragte sie, um vom Thema abzulenken.
Während sie telefonierte, war sie weiter durch die Straßen auf die Uni zugeeilt. Als sie das Gebäude nun erreichte, sah sie Hanne, die bereits auf die wartete. Lässig lehnte sie an der Mauer und winkte Elena mit der Zigarette zu, die sie in der Hand hielt.
Hannes Rock war so kurz, dass er kaum mehr als ein Gürtel war. Ihre schlanken Beine wirkten darin endlos lang. Die hüftlangen dunkelblonden Haare waren etwas zerzaust und hingen ihr halb ins verrucht geschminkte Gesicht. Sie trug die gelangweilte Miene zur Schau, die sie – wie sie Elena einmal anvertraut hatte – besonders cool fand.
Einmal mehr fragte sich Elena erstaunt, wann sich ihre beste Freundin eigentlich so stark verändert hatte. Sie kannten sich seit ihrer frühesten Kindheit und waren gemeinsam aufgewachsen. Sie hatten zusammen mit Puppen gespielt, in den Kärntner Seen geplanscht und im Garten getobt.
Aus dem reizenden schlaksigen Madel, das den Kopf voller Flausen hatte, war nun eine Schönheit geworden, die rauchte wie ein Schlot und den Burschen an der Uni schöne Augen machte. Sie war kaum wiederzuerkennen.
Unwillkürlich fragte sich Elena, ob sie selbst sich auch so sehr verändert hatte. Irgendwie hatte sie nicht das Gefühl, auch eine solche Transformation durchgemacht zu haben. Im Grunde genommen war sie doch immer noch das Madel vom Land, auch, wenn sie nun in Wien wohnte und ihrem großen Vorbild Hanne nacheiferte.
»Stimmt, das hätt ich jetzt beinah vergessen«, sagte ihre Mutter und riss Elena damit aus ihren Gedanken. »Ich wollt dich fragen, ob du heuer wieder in den Familienurlaub mitkommst, so wie jedes Jahr. Diesmal geht’s ins Zillertal! Es wird sicher großartig.«
»Ein Familienurlaub im Zillertal?«, echote Elena.
Hanne, die ihr gerade zur Begrüßung ein Busserl auf die Wange gehaucht hatte – ganz vorsichtig freilich, um ihren Lippenstift nicht zu verschmieren – prustete los und verdrehte die Augen.
Elena legte die gewölbte Hand über das Handy, damit ihre Mutter Hannes Gelächter nicht hörte.
»Tut mir leid, Mama, aber dafür bin ich mittlerweile echt zu erwachsen«, erwiderte sie. »Ich wohn ja jetzt seit Jahren nimmer zu Hause und bin kein Kind mehr.«
Hanne deutete mit den Händen Wellen an. Dabei rieselte Asche von ihrer Zigarette zu Boden.
Elena nickte: Sie verstand, was ihre Freundin ihr sagen wollte. »Meine Freunde von der Uni wollen gemeinsam ans Meer, nach Mallorca. Hanne ist auch dabei.«
Ihr Bauch kribbelte, als sie daran dachte, wer noch mit von der Partie sein würde: ihr Freund Tim, den sie in einer Vorlesung kennengelernt hatte und für den ihr Herz schlug. Ihren Eltern hatte sie noch nichts von ihm erzählt, doch das war nur eine Frage der Zeit. Sie konnte es kaum erwarten, mit Tim, Hanne und anderen Freunden einen lustigen Party- und Strandurlaub zu verbringen.
»Das ist aber schade.« Ihre Mutter klang enttäuscht. »Vielleicht willst du es dir ja noch einmal überlegen. Die Krügers fahren auch mit! Sogar der Julian kommt mit. Der ist doch in deinem Alter und ist sich trotzdem nicht zu erwachsen für einen Familienurlaub.«
Elena schnaubte. »Also Mama, du weißt doch, dass ich den Julian noch nie leiden konnte. Dieser eingebildete Hallodri ist ein weiterer Grund, net in den Urlaub mitzukommen. Tut mir leid, aber mein Entschluss steht fest!«
***
»Hab ich das richtig verstanden?«, fragte Hanne lachend, nachdem Elena aufgelegt hatte. »Du sollst mit deiner Familie in den Urlaub fahren? Und der Julian kommt auch mit, dieser Unsympath? Ein faderes Reiseziel als Tirol ist ihnen wohl net eingefallen.«
Elena verdrehte die Augen. »Ja, kannst du dir das vorstellen? Meine Eltern sind seit jeher gut mit den Krügers befreundet, deswegen sind wir auch früher manchmal mit denen weggefahren. Das Ehepaar ist ja wirklich nett, da kann man nix sagen, aber den Julian hab ich noch nie ausstehen können.«
»Fesch ist er ja, aber schrecklich eingebildet«, fand Hanne und warf sich die dunkelblonde Mähne über die Schulter nach hinten. »Und überhaupt, was für ein Bursche fährt in dem Alter noch mit den Eltern in den Urlaub?«
Aber Elena war nicht danach, weiter über Julian zu sprechen. Die bevorstehende Prüfung beschäftigte sie viel mehr.
»Sag mal, bist du denn gut vorbereitet?«, fragte sie nervös und blickte auf ihre Armbanduhr.
Ein paar Minuten konnten sie noch hier draußen bleiben und plaudern, aber dann mussten sie sich auf den Weg zum Hörsaal machen, in dem die schwierige Klausur stattfinden würde.
Hanne zuckte nur mit den Schultern und lachte unbeschwert.
»Überhaupt net. Ich hab mir die Unterlagen nur einmal durchgelesen, ich hatte Besseres zu tun. Aber ehrlich gesagt ist’s mir auch wurscht. Aufs Medizinstudium hab ich eh keine Lust mehr.«
Schockiert riss Elena die Augen auf.
»Wie – was – seit wann?«, stieß sie erschrocken hervor. »Hanne! Wir hatten uns doch fest vorgenommen, gemeinsam Medizin zu studieren und Ärztinnen zu werden.«
Erneut zuckte ihre Freundin mit den Schultern.
»Ja, aber das ist Schnee von gestern. Heut ist mir mehr nach Kunstgeschichte.«
»Kunstgeschichte«, wiederholte Elena schwach.
Ihr schwirrte der Kopf. Hanne war für impulsive Entscheidungen bekannt. Daran war Elena eigentlich gewohnt, doch dieser Meinungsumschwung kam selbst für sie überraschend. Sie hatten doch vorgehabt, gemeinsam zu studieren! Und nun hatte Hanne es sich anders überlegt, ohne ihr Bescheid zu sagen?
Eine ganz ähnliche Situation hatte es schon einmal gegeben: Nach dem Umzug nach Wien hatten sie beide zuerst Germanistik studiert, dann war der Wechsel zur Medizin erfolgt – und nun sollte Kunstgeschichte an die Reihe kommen?
So, wie es aussah, würde Elena in Zukunft allein in den Medizinvorlesungen sitzen – aber freilich nur, wenn sie es überhaupt durch das Physikum schaffte.
»Versuch du es doch auch mit Kunstgeschichte«, schlug Hanne unbeschwert vor. »Ich hab mich letztens mit einem Burschen unterhalten, der von dem Studiengang ganz begeistert ist.«
Elena schüttelte leicht den Kopf. »Lass uns nachher darüber reden«, bat sie. »Jetzt müssen wir dringend rein, die Prüfung geht gleich los.«
Sie schluckte und atmete tief durch, als sie das Gebäude betrat. Die Nervosität wütete in ihrem Bauch und ließ sie zittern. Jetzt gleich ging es um alles!
***
Angestrengt starrte Elena den Prüfungsbogen an, doch die Buchstaben verschwammen vor ihrem Blick, sodass sie die Fragen kaum lesen konnte. Sie hatte vier Stunden Zeit, um die Multiple-Choice-Fragen zu beantworten, doch schon nach wenigen Minuten war sie mit ihrem Latein am Ende.
Mit einem Mal konnte sie keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sogar an Dinge, die ihr beim Lernen sonnenklar erschienen waren, erinnerte sie sich nicht mehr. Ihr Kopf war plötzlich wie leergefegt.
Das Atmen fiel ihr schwer, ihre Brust und Kehle fühlten sich verengt an. Ihre Hände klammerten sich krampfhaft an die Tischplatte.
Einen so schlimmen Aussetzer hatte sie noch nie gehabt. Ihr gesamtes Studium hing von dieser Prüfung ab, und möglicherweise ihre ganze berufliche Zukunft. Sie musste sich zusammenreißen und diese Fragen endlich beantworten! Doch sie schaffte es einfach nicht.
