Das Berghotel 148 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 148 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

"Verkaufen willst du mich!" Fassungslos sieht Lisa ihren Vater an.
Der Bauer hat schon alles arrangiert: Sie wird die Frau des Nachbarsohnes Tino. Dabei ist der als der größte Schürzenjäger im Dorf verrufen. Lisas Vater hat am Stammtisch im "Ochsen" mehr verloren, als er bezahlen kann. Insbesondere beim Nachbar Strasser steht er tief in der Schuld. Nun hat dieser ihm ein Angebot gemacht: Wenn das blitzsaubere Madel den Tino heiratet, ist die Schuld beglichen. Wenn nicht, übernimmt er den Hof, und Lisas Familie verliert alles.

Verzweifelt sucht Lisa Trost im Rosengarten des Berghotels. Dort trifft sie auf Alexander, der mit seinen Kindern Urlaub in St. Christoph macht. Lisa spürt, dass sie ihm vertrauen kann, und erzählt ihm von ihrem Kummer. Zwischen ihnen entsteht ein zartes Band, und bald treffen sie sich täglich im Rosengarten des Hotels ...

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Treffpunkt: Rosengarten

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-5225-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.

Treffpunkt: Rosengarten

Warum ihre Liebe ein Geheimnis bleiben sollte

Von Verena Kufsteiner

»Verkaufen willst du mich!« Fassungslos sieht Lisa ihren Vater an.

Der Bauer hat schon alles arrangiert: Sie wird die Frau des Nachbarsohnes Tino. Dabei ist der als der größte Schürzenjäger im Dorf verrufen. Lisas Vater hat am Stammtisch im »Ochsen« mehr verloren, als er bezahlen kann. Insbesondere beim Nachbar Strasser steht er tief in der Schuld. Nun hat dieser ihm ein Angebot gemacht: Wenn das blitzsaubere Madel den Tino heiratet, ist die Schuld beglichen. Wenn nicht, übernimmt er den Hof, und Lisas Familie verliert alles.

Verzweifelt sucht Lisa Trost im Rosengarten des Berghotels. Dort trifft sie auf Alexander, der mit seinen Kindern Urlaub in St. Christoph macht. Lisa spürt, dass sie ihm vertrauen kann, und erzählt ihm von ihrem Kummer. Zwischen ihnen entsteht ein zartes Band, und bald treffen sie sich täglich im Rosengarten des Hotels …

»Dieser verflixte Regen!« Kummervoll betrachtete Hedi Kastler ihre Rosen.

Der häufige Niederschlag der vergangenen Wochen war den Blumen nicht bekommen. Sie verloren nicht nur ihre Blütenblätter, nein, auf einigen Pflanzen hatte sich gar der ungeliebte Mehltau festgesetzt! Der Pilz hatte sich als weißer, mehlartiger Belag auf die Knospen, Blätter und Triebspitzen gelegt. Es war ein Elend!

Hedi zupfte die befallenen Rosenblätter ab. Es half alles nichts, sie musste auch die kranken Triebspitzen kappen. Ihr blutete das Herz, als sie ihren Rosen mit Handschuhen und Gartenschere bewaffnet an die Zweige rückte. Blatt um Blatt landete in ihrem Eimer. Jeweils begleitet von einem tiefen Seufzen.

Als Hedi das Grün entfernt hatte, das am schlimmsten befallen war, griff sie nach der Sprühflasche. In diese hatte sie eine Milch-Wasser-Mischung gefüllt, die sie nun großzügig auf die Blumen sprühte. Sie verteilte die Mixtur auf den Blättern und Blüten. Die Frischmilch enthielt Mikroorganismen, die den Pilz bekämpfen würden. Zumindest hoffte Hedi das sehr.

Sie sprühte auch die gesunden Rosen großflächig ein, um eine Ausbreitung des Pilzes zu verhindern. Noch waren nur einzelne Pflanzen betroffen – und der Befall sollte sich auf keinen Fall ausbreiten!

Der Rosengarten war Hedis ganzer Stolz. Kurz nach ihrer Hochzeit waren ihr Mann und sie im Schloss Schönbrunn zu Besuch gewesen und hatten den üppigen Rosengarten dort bewundert. Seitdem hatte sie von einem ähnlichen Garten bei sich daheim geträumt. Es hatte sie Jahre gekostet, aber inzwischen blühte es vor ihrem Hotel so herrlich, dass man bei einem Bummel durch ihren Rosengarten alles um sich herum vergessen konnte.

Der süße Duft der Rosen war betörend. Rosenbüsche und Stämmchen reckten ihre Blüten in den Sommerhimmel, bildeten Spaliere und Spitzbögen – und das in den schönsten Farben, die man sich nur denken konnte. Eine Augenweide! Inmitten eines Rondells aus weißen Rosen plätscherte ein munterer Springbrunnen. Und hinter den üppigen tiefroten englischen Rosen verborgen stand eine Bank, auf der schon so manches Liebespaar innige Küsse und Schwüre getauscht hatte.

Hedi liebte ihren Rosengarten heiß und innig. Sie leitete das Sporthotel »Am Sonnenhang« zusammen mit ihrem Mann. So oft sie sich von der Arbeit freimachen konnte, verbrachte sie Zeit bei ihren Rosen, pflegte und hegte sie und sprach mit ihnen, weil sie davon überzeugt war, dass die Pflanzen es ihr mit noch üppigerem Wachstum dankten. Auch wenn ihr Mann sie deswegen neckte und seine »Blumenflüsterin« nannte. Vielleicht war sie das sogar? Eine Blumenflüsterin? Der Name gefiel ihr irgendwie.

»Diese Milch-Mischung wird euch den Pilz von den Blättern halten«, versprach sie liebevoll und versprühte gleich noch ein wenig mehr von ihrer Mixtur.

Das Berghotel war ein mehrstöckiges Alpenhaus mit Balkons auf jeder Etage. Es gab ein rustikales Restaurant, das im Anbau untergebracht war und in dem vorwiegend heimische Küche angeboten wurde. Tafelspitz, Germknödel und Tiroler Brotzeitplatten. Alles, was das Herz begehrte. Vor dem Restaurant lud eine Panoramaterrasse zum Verweilen ein. Und im Keller gab es ein Schwimmbad mit angeschlossenem Wellnessbereich, in dem sich ihre Gäste rundherum verwöhnen lassen konnten: Schwimmbecken, Whirlpool und Massagen, es wurde alles angeboten, was den erholungsbedürftigen Urlaubern guttat.

Vom Berghotel aus hatte man einen wunderbaren Ausblick auf die Zillertaler Berge. Früher war in der Gegend Bergbau betrieben worden. Reichlich Silber hatten die Bergleute aus den Stollen gehauen. Jetzt waren die Minen jedoch schon lange erschöpft und der Reichtum des Tals bestand aus seiner friedlichen Schönheit. Die höchsten Gipfel waren selbst jetzt im Sommer noch mit Schnee bedeckt. Auf den grünen Almen weideten Kühe und Ziegen. Und weiter unten scharten sich blitzsaubere Bauernhöfe um die Dorfkirche von St. Christoph.

Der Hotelchefin wurde das Herz weit, als sie den Blick schweifen ließ. Sie liebte ihr Heimatdorf und hätte nirgendwo anders leben wollen. Zwei Gleitschirme kreisten über dem Tal wie bunte Schmetterlinge. In Hedis Magen kribbelte es. Oh, keine zehn Murmeltiere hätten sie dazu gebracht, ihr Leben so einem Ding anzuvertrauen! Aber viele Urlauber liebten den Nervenkitzel, und Hedi mochte den Anblick der Schirme, die so scheinbar laut- und schwerelos dahinglitten.

Nach den anhaltenden Regenfällen hatte sich endlich, endlich die Sonne wieder durchgesetzt. Prompt kletterten die Temperaturen auf sommerliche Werte.

Hoffentlich bleibt das Wetter nun stabil, wie die Meteorologen es versprechen, sinnierte Hedi. Heute ist der Reisebus mit den Gästen aus den Niederlanden angekommen. Unsere neuen Urlauber haben eine lange Fahrt hinter sich und wollen in den nächsten Tagen nichts als wandern gehen. Dafür brauchen sie schönes Wetter. Also heißt es Daumen drücken.

»Du bist ja noch fleißig, Schatzerl.« Ihr Mann kam aus dem Hotel geradewegs auf Hedi zu, schlang die Arme um ihre Taille und drehte sie zu sich, um ihr ein liebevolles Busserl zu geben.

Mit seiner kräftigen Gestalt und den verschmitzt blitzenden braunen Augen war Andi auch nach vielen Ehejahren noch immer ihr Traummann. Sie konnten sich nicht nur jederzeit aufeinander verlassen, sondern verstanden sich oft auch ohne Worte. Und sie arbeiteten Hand in Hand.

»Ich habe nach den Rosen gesehen. Die Nässe hat ihnen tüchtig zugesetzt«, erzählte Hedi seufzend.

»Das ist schlimm, aber lass den Kopf net hängen. In den nächsten Tagen werden sie dafür umso mehr aufblühen. Dann soll es nämlich durchweg heiß und sonnig sein.«

»Hoffentlich hast du recht.«

»Hab ich doch immer.« Er zwinkerte ihr zu. »Was hältst du davon, wenn wir für heute Schluss machen und einen Spaziergang unternehmen? Die Luft ist so herrlich mild. Ich vermiss unseren abendlichen Bummel.«

»O ja, ich auch. Es war wirklich höchste Zeit, dass der Regen aufhört. Man wurde schon ganz trübsinnig von dem Grau. Mir sind auch langsam die Anregungen für die Gäste ausgegangen, wie sie ihre Urlaubstage bei Regen gestalten können. Gib mir zwei Minuten zum Händewaschen, dann können wir los.«

»Abgemacht.«

Hedi eilte ins Hotel und schaltete den Computer an der Rezeption aus. Sämtliche für diesen Tag avisierten Gäste waren angereist und untergebracht. Außerdem war es bereits nach zwanzig Uhr. Es sprach also nichts dagegen, Feierabend zu machen. Hedi ging sich die Hände waschen, holte ihre Tasche und brach wenig später mit ihrem Mann zu einem Spaziergang auf.

Andi hielt ihre Hand fest in seiner, während sie die Dorfstraße hinunterschlenderten. Die Bauern hatte ihr Tagwerk ebenfalls bereits beendet. Es war so friedlich im Dorf, dass Hedi das Herz weit wurde.

»Wenn sich das schöne Wetter hält, können wir unseren Gästen am Wochenende einen Grillabend anbieten«, schlug ihr Mann vor. »Das ist bisher immer gut angekommen.«

»Ja! Das ist eine gute Idee!« Hedi nickte lebhaft. »Ich werd den Alois fragen, ob er Zeit hat, auf seiner Zither für Unterhaltung zu sorgen.«

»Dazu lässt er sich bestimmt breitschlagen, wenn er noch net anderweitig engagiert ist.« Ihr Mann blieb vor einem rustikalen Haus im Gebirgsstil stehen. Ein rotes Schild wies darauf hin, dass es sich hier um den Gasthof »Zum Ochsen« handelte. »Wollen wir noch ein Glaserl Wein trinken, ehe wir heimgehen, Hedi?«

»Gern. Ich bin dabei.« Hedi nickte.

Sie betraten gemeinsam die Wirtsstube und wurden von Stimmengewirr, Musik und dem Duft von deftiger Hausmannskost empfangen. Die rustikalen Holztische waren bis auf den letzten Platz besetzt. Joschi Althöfer, der Wirt, wieselte mit umgebundener Lederschürze zwischen den Tischen umher, balancierte Bierkrüge und Stamperln mit Meisterwurz, nahm Bestellungen auf und fand zwischendurch die Zeit, um Hedi und Andi zuzunicken.

»Gerade ist es ein bisserl voll«, schnaufte der Wirt. »Wenn ihr euch an die Theke setzen wollt, bin ich gleich bei euch.«

»Wollen wir uns dahin setzen?« Ihr Mann sah sie fragend an.

»Freilich. Nun sind wir einmal hier …« Hedi hatte noch nicht ganz ausgesprochen, als vom Stammtisch neben der Eingangstür ein lautes Krachen kam. Einer der Bauern hatte mit der Faust so fest auf die grob gezimmerte Tischplatte gehauen, dass das Bier bedenklich in den Gläsern schwappte. Spielkarten, Münzen und Geldscheine lagen auf dem Tisch.

Viele Geldscheine.

Genug, um der Hotelchefin Magenschmerzen zu bereiten.

Hier wird Poker gespielt, folgerte Hedi und krauste die Stirn. Spielten die Bauern wirklich um so viel Geld? Herrschaftszeiten, war das klug? Und war das überhaupt legal?

Fünf Landwirte hatten sich am Tisch versammelt, aber nur zwei hielten noch Karten in den Händen. Die anderen beiden schienen bereits ausgestiegen zu sein. Ob ihnen der Einsatz zu hoch geworden war? Ein Wunder wäre das wohl nicht.

Etliche Zuschauer hatten sich um den Stammtisch versammelt, raunten einander Mutmaßungen über die Blätter der Spieler zu oder rieben sich sorgenvoll das Kinn. Erwartung lag in der Luft wie das Knistern vor einem Gewitter.

»Vitus, Roman, hört auf. Kommt schon. Macht Schluss für heute«, mahnte Bürgermeister Toni Angerer, der seine Karten bereits auf dem Tisch abgelegt hatte.

»Net gerade jetzt«, murmelte Vitus Zangerle.

Der grauhaarige Landwirt war auffallend hager und drehte eine Münze nervös zwischen seinen Fingern, während er die Karten in seiner Hand anstarrte, als wollte er sie hypnotisieren.

Ihm gegenüber saß Roman Strasser, ein untersetzter Bauer mit roten Wangen und sich lichtenden dunklen Haaren. Seine Lederweste spannte ebenso wie sein weißes Hemd über seinem Bauch. Auch er hielt noch Karten in der Hand.

»Entscheid dich, Vitus«, verlangte er mit einer Stimme, die verriet, dass er dem Tabak nicht abgeneigt war. »Gehst du mit oder net?«

»Jetzt hör schon auf, Vitus«, warf der Bürgermeister ein. »Du hast heut eine Pechsträhne. So was passiert. Du hast schon viel zu viel verloren. Lass gut sein.«

Der Bauer blickte nicht einmal auf. »Das Blatt wird sich wenden. Ich spür das.«

»Du kannst aber nix mehr setzen.«

»Das hast du net zu bestimmen, Angerer.«

»Ich seh doch, dass du kein Geld mehr vor dir liegen hast. Vergiss net, wem du bereits alles Geld schuldest.«

»Ich kann das alles zurückgewinnen«, beharrte der Landwirt. Seine grauen Augen blickten verschleiert wie im Fieber auf die Karten in seiner Hand. »Ich brauch nur ein bisserl Kapital. Roman, leihst du mir was?«

»Wo du heute wieder nur am Verlieren bist? Das Geld würde ich im Leben net wiedersehen. Du schuldest mir schon mehr als genug von den vorigen Abenden. Und net nur mir.«

»Komm schon …«

»Daraus wird nix. Wenn du mitgehen willst, musst du schon deinen eigenen Einsatz bringen.« Sein Nachbar machte eine bedeutungsvolle Pause. Dann schlug er einen Einsatz vor, der die Anwesenden entsetzt nach Luft schnappen ließ.

Hedi tauschte einen bestürzten Blick mit ihrem Mann. War das wirklich sein Ernst? Das durfte nicht geschehen.

»Mei, Vitus, jetzt hör doch auf«, beschwor sie den Landwirt. »Darauf darfst du dich net einlassen. Dieser Einsatz ist kein Spiel mehr. Lass es gut sein.«

»Keine Sorge, Hedi. Das Blatt hat sich gewendet. Es kann gar nichts schiefgehen.« Vitus spähte auf seine Karten und lächelte in sich hinein. »Also gut. Ich nehme den Einsatz an«, erklärte er.

Und damit nahm das Schicksal seinen Lauf.

***

Der Zangerle-Hof stand im Osten von St. Christoph. Er befand sich seit mehreren Generationen im Familienbesitz und war immer wieder erweitert, umgebaut und renoviert worden. Das sah man dem Bauernhaus auch an. Ein Anbau hier, eine Scheune da.

Am Waldrand stand ein Austragshäusel, efeubewachsen und dem Verfall der Zeit preisgegeben, weil niemand darin wohnte. Von dem Gehöft aus hatte man einen weiten Blick in das Tal hinein. Es hatte schon vieles kommen und gehen gesehen und zahlreichen Unwettern getrotzt. Eine junge Frau kniete im Garten und arbeitete emsig. Sie ahnte noch nicht, welche Veränderungen sich über ihrem Zuhause zusammenbrauten.

Lisa Zangerle nutzte den milden Sommerabend, um dem Gartenzaun einen frischen Anstrich zu geben. Grau und unansehnlich war das Holz im Lauf der Zeit geworden. Flink schwang Lisa den Pinsel und strich die Latten in einem warmen Kastanienbraun an.

In ihren Shorts, dem weißen T-Shirt und den Flipflops an den Füßen wirkte die junge Bäuerin jünger als siebenundzwanzig. Ihre blonden Haare hatte sie zu einem Zopf geflochten. Lisa war seit dem frühen Morgen auf den Beinen. Sie arbeitete auf dem Hof ihres Vaters mit, seit sie denken konnte. Die Sorge um das Vieh und den Hof gehörte zu ihrem Leben, und sie wollte es auch gar nicht anders haben.

»Griaß dich, Lisa!« Eine rothaarige Frau tauchte hinter dem Gartenzaun auf und winkte fröhlich.

Nannei und Lisa waren zusammen zur Schule gegangen und seitdem befreundet. Man sah Nannei selten ohne ein Buch in der Hand. An diesem Abend trug sie jedoch einen Karton mit sich herum.

Als Lisa hineinspähte, saßen zwei Igeljunge darin. Sie hatten die Augen bereits geöffnet, wirkten aber noch unsicher und hilflos.

»Mei, was bringst du mir denn da, Nannei?«

»Ich habe die beiden in einer Hecke entdeckt. Sie haben gefiept vor Hunger. Vermutlich wurde ihre Mutter überfahren. Sie lag in der Nähe. Ihr konnte ich leider nimmer helfen.«

»Arme Kerlchen.« Lisa legte ihren Pinsel im Wassereimer ab und deutete zur Scheune. »Bringen wir die beiden hinein. Dann schau ich sie mir gleich an.«

»Das ist gut.« Nannei folgte ihr in die Scheune.

Vor einigen Jahren hatte Lisa kurz vor dem Winter einen halb verhungerten Igel in ihrem Garten gefunden und gesund gepflegt. Das war im Dorf nicht verborgen geblieben. Seitdem brachten hin und wieder Nachbarn Igel in Not zu ihr. Lisas Igelstation nannten die Leute ihre Scheune liebevoll. Tatsächlich hatte die junge Bäuerin im Lauf der Zeit einiges an Wissen und Ausrüstung zusammengetragen, um ihre Schützlinge zu versorgen: Käfige, Wärmelampen und spezielles Futter zum Beispiel.