Das Berghotel 151 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 151 E-Book

Verena Kufsteiner

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Beschreibung

In einer stürmischen Herbstnacht klopft ein Madel an die Haustür der Kastlers, völlig durchnässt und halb erfroren. Die Fremde hat ihr Gedächtnis verloren, weiß nicht, wie sie heißt und wohin sie gehört. Solange ihre Identität nicht geklärt ist, soll Leni, wie sie nun erst einmal genannt wird, im Berghotel wohnen und dort ein bisschen aushelfen.
Doch schon ein paar Tage später wird Licht ins Dunkel gebracht, als Baron von Brauneck mit seinen Freunden im Weinstüberl zusammensitzt. Leni stellt den Männern gerade die schweren Bierkrüge auf den Tisch, da springt Wolfram Fuchs, ein wohlhabender Bauer aus dem Nachbarort, auf.
"Marianne!", stößt er schließlich hervor. "O Gott, Marianne! Ich hab dich tatsächlich wiedergefunden."

Die Starre fällt von ihm ab, er rennt um den Tisch herum auf sie zu. Die junge Frau steht dort immer noch wie angewurzelt. Fieberhaft überlegt sie, ob sie ihn kennt, doch in ihrem Gedächtnis rührt sich nichts. Da fällt Wolfram vor ihr auf die Knie.
"Marianne, ein weiteres Mal verpass ich meine Chance net: Willst du meine Frau werden?"

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Sag einfach Ja!

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-5458-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.

Sag einfach Ja!

Ein unerwarteter Heiratsantrag sorgt für Wirbel im Berghotel

Von Verena Kufsteiner

In einer stürmischen Herbstnacht klopft ein Madel an die Haustür der Kastlers, völlig durchnässt und halb erfroren. Die Fremde hat ihr Gedächtnis verloren, weiß nicht, wie sie heißt und wohin sie gehört. Solange ihre Identität nicht geklärt ist, soll Leni, wie sie nun erst einmal genannt wird, im Berghotel wohnen und dort ein bisschen aushelfen.

Doch schon ein paar Tage später wird Licht ins Dunkel gebracht, als Baron von Brauneck mit seinen Freunden im Weinstüberl zusammensitzt. Leni stellt den Männern gerade die schweren Bierkrüge auf den Tisch, da springt Wolfram Fuchs, ein wohlhabender Bauer aus dem Nachbarort, auf.

»Marianne!«, stößt er schließlich hervor. »O Gott, Marianne! Ich hab dich tatsächlich wiedergefunden.«

Die Starre fällt von ihm ab, er rennt um den Tisch herum auf sie zu. Die junge Frau steht dort immer noch wie angewurzelt. Fieberhaft überlegt sie, ob sie ihn kennt, doch in ihrem Gedächtnis rührt sich nichts. Da fällt Wolfram vor ihr auf die Knie.

»Marianne, ein weiteres Mal verpass ich meine Chance net: Willst du meine Frau werden?«

Laut prasselte der Regen auf das Dach und gegen die hölzernen Fensterläden. Der Wind heulte um das kleine Haus, als wollte er es einreißen oder einfach mit sich forttragen.

Schon am Nachmittag waren im Zillertal dunkle, unheilverkündende Wolken aufgezogen. Die Urlaubsgäste des Sporthotels »Am Sonnenhang« waren überstürzt von ihren Ausflügen und Wanderungen zurückgekehrt, um sich in ihren gemütlichen Hotelzimmern in Sicherheit zu bringen. Die Hotelangestellten hatten vorsichtshalber die Tische und Stühle auf der Panoramaterrasse abgedeckt. Bis zum Abend hatte das Wetter noch gehalten, dann jedoch hatte der Himmel alle Schleusen geöffnet. Jetzt herrschte das reinste Weltuntergangswetter.

Hedi Kastler schmiegte sich an ihren Mann Andi und blickte in das knisternde Kaminfeuer. Als der Donner grollte, zog sich eine wohlige Gänsehaut über ihre Arme. Das Hoteliers-Ehepaar hatte sich nach getaner Arbeit in ihr gemütliches Wohnhaus zurückgezogen, dass ein kleines Stückerl von dem Hotel entfernt im Grünen lag. Nun kuschelten sie sich auf dem Sofa aneinander.

»Solang ich net raus muss, lieb ich solche Wolkenbrüche«, murmelte Hedi lächelnd. »Ist’s net herrlich stimmungsvoll? Gerade richtig, um sich Geistergeschichten zu erzählen und heißen Kakao mit einem ordentlichen Schuss Rum zu trinken, gell?«

Andi schmunzelte. »Jetzt lobst du das Wetter noch. Aber ich glaub, wenn du morgen früh unsere neuen weißen Gartenmöbel siehst, bist du nimmer so begeistert.«

Erschrocken fuhr sie hoch. »Ach herrje, die schönen Gartenmöbel! Stehen die etwa mitten im Unwetter?«

Andi grinste frech. »Aber geh, Hedi, du kennst doch deinen gescheiten Mann. Freilich hab ich deine kostbaren Schätze in weiser Voraussicht ins Gartenhaus geschleppt.«

Mit einem Seufzer ließ sie sich zurück auf das Sofa sinken und piekte ihm zur Strafe ihren Finger in den Bauch.

»Du Schlawiner«, schimpfte sie lachend. »Willst du mir einen Herzinfarkt bescheren? Ich hab schon vor mir gesehen, wie der Sturm die schönen neuen Stühle durcheinanderwirbelt und bis rüber in den Wald schleudert. Ober wie ein riesiger Ast abbricht, mitten auf dem tollen, weiß lackierten Tisch landet, und die Platte zerstört.«

Er legte den Arm fest um ihre Schultern und zog sie an sich. »Was du dich wieder sorgst, mein Spatzl. Als tät ich je zulassen, dass so was geschieht.«

Kichernd schmiegte sie sich an ihn und gab ihm ein Busserl. Doch plötzlich wurde sie in seinen Armen ganz starr und steif. Mit geweiteten Augen blickte sie in Richtung Tür.

»Was ist denn?«, fragte er stirnrunzelnd.

»Pst, hörst du das net?«, flüsterte sie. »Sei doch einmal kurz leise.«

Er lauschte kurz, dann schüttelte er den Kopf. »Was meinst du denn? Da ist nix. Nur der Regen und der Wind. Oder meinst du das Knarren? Das sind die Äste der Bäume draußen, die im Sturm ächzen.«

»Nein, nein!«, wisperte sie. »Lausch doch, Anderl. Da war was, ich bin mir ganz sicher.«

In dem Moment ertönte ein leises, schwaches Klopfen an der Haustür, das kaum das Heulen des Windes übertönte. Gleichzeitig sprangen die Kastlers auf.

»Wer kommt uns denn so spät besuchen, und das noch dazu bei dem Wetter?«, fragte Hedi irritiert.

Andi war bereits auf dem Weg zur Tür. »Setz du dich ruhig wieder hin, ich mach auf.«

Doch dazu war Hedi viel zu neugierig. Sie folgte ihrem Mann und spähte über seine Schulter, als er die Türkette vorlegte und dann die Tür öffnete. Gleichzeitig schnappten sie beide nach Luft, als sie sahen, wer da draußen in Sturm und Regen stand: eine junge Frau, die den Eindruck machte, als könnte sie sich kaum auf den Beinen halten. Ihr klatschnasses Dirndl klebte an ihr, wie eine zweite Haut. Frierend hatte sie die Arme um ihren Oberkörper geschlungen und zitterte wie Espenlaub. Ihre Lippen waren bläulich verfärbt. Hedi wunderte sich einen Moment lang benommen über den großen roten Fleck in den langen blonden Haaren des Madels, bis ihr bewusst wurde, dass da eine große Kopfwunde war.

»Wo … wo bin ich hier?«, stammelte die junge Frau fast unhörbar. Ihre Zähne klapperten so stark, dass die Worte kaum verständlich waren.

Einen Herzschlag lang waren die Kastlers starr vor Überraschung und Schreck. Hedi war die Erste, die ihre Fassung wiederfand. Sie schob sich an ihrem Mann vorbei, entfernte die Sicherheitskette und machte die Tür ganz auf. Behutsam legte sie einen Arm um die Schultern der jungen Frau und schob sie mit sanfter Gewalt ins Haus.

»Kommen Sie herein, da draußen holen Sie sich ja noch den Tod! Was, um alles in der Welt, machen Sie denn bei dem Wetter da draußen? Was ist passiert? Wer sind Sie denn?« Die Fragen brachen einfach aus Hedi heraus.

In den seegrünen Augen der Fremden schimmerten Tränen. »Ich … ich weiß es nicht«, flüsterte sie. Sie geriet ins Taumeln und wäre beinahe umgefallen, wenn Hedi den Griff um ihre Schultern nicht instinktiv verstärkt und sie festgehalten hätte.

»Sie armes Ding, setzen Sie sich«, sagte die Hotelchefin erschrocken und führte sie zum Sofa. Dann rief sie ihrem Mann über die Schulter hinweg zu: »Andi, ruf den Bergdoktor! Das arme Madel braucht Hilfe.«

Während Andi zum Telefon eilte, wickelte Hedi der frierenden Frau eine Wolldecke um die Schultern und drückte ihr eine heiße Tasse Kakao in die Hand. Besorgt sah sie sie an und seufzte bekümmert.

»Wie ist denn ihr Name?«, fragte sie noch einmal mit sanfter Stimme.

»Ich weiß es wirklich net«, schluchzte das Madel. »Oh Gott, ich hab keine Ahnung.«

Hedi warf Andi, der das Telefonat gerade beendet hatte, einen ratlosen Blick zu und zuckte mit den Schultern. Das arme Ding schien ja ganz verwirrt und durcheinander zu sein.

Es dauerte nicht lange, dann drang das Motorengeräusch eines Autos durch den Regen: Dr. Burger war angekommen. Der Arzt hatte keine Sekunde gezögert, obwohl es bereits spät am Abend war, und hatte sich sofort durch das Unwetter hierher durchgekämpft. Mit hochgeklapptem Jackenkragen lief er die paar Schritte von seinem Auto zum Haus herüber. Obwohl er nur kurz im Regen gewesen war, tropfte Wasser aus seinen vollen braunen Haaren.

»Grüß euch, Hedi und Andi.« Die vollklingende Stimme des Landarztes flößte jedem auf Anhieb Vertrauen ein, ebenso wie sein warmherziges Lächeln. »Wo ist denn die Patientin?«

»Im Wohnzimmer«, antwortete Hedi mit unterdrückter Stimme. »Sie sagt, sie weiß net einmal, wie sie heißt. Das arme Ding scheint ganz verwirrt zu sein.«

Bedachtsam untersuchte Dr. Burger die junge Frau. Abgesehen von der Kopfverletzung und ein paar Schrammen und blauen Flecken schien sie unversehrt zu sein.

»So, wie die Verletzung ausschaut, sind Sie vermutlich in den Bergen gestürzt und haben sich den Kopf gestoßen, gell? Da sind ein paar kleine Steinchen und Tannennadeln in der Wunde«, stellte der Arzt fest.

»Ich weiß net. Kann sein«, wisperte die Fremde leise. Dicke Tränen kullerten über ihre blassen Wangen. »Ich weiß es doch auch net.«

Mitfühlend seufzte Dr. Burger. »Sie können sich also wirklich an überhaupt nix erinnern?«

Verzweifelt schüttelte die junge Frau den Kopf. »Wenn ich’s doch sag! Ich weiß net, wohin ich gehör, wer ich bin, wie ich hierhergekommen bin. Ich weiß bloß, dass ich durch die Berge geirrt bin. Mir kam’s wie Tage vor, aber vielleicht waren’s nur Stunden. Ich hatte Angst und hab so fürchterlich gefroren. Und dann … dann hab ich dieses Haus hier gesehen und hab mich mit letzter Kraft hierhergeschleppt.«

Mit einem kleinen Lämpchen leuchtete der Arzt ihr in die Augen und testete die Pupillenreaktion.

»Sie haben wohl eine leichte Gehirnerschütterung. An sich ist das nix Bedrohliches. Sie sollten es einige Tage ruhig angehen lassen. Gedächtnislücken können durchaus vorkommen, aber dass Sie sich an so gar nichts erinnern können …« Nachdenklich tippte er sich ans kantige Kinn. »Das mag vielleicht vom Schock kommen. Wahrscheinlich kehren die Erinnerungen ganz von selbst zurück, lang sollte das nicht dauern.«

Langsam nickte die junge Frau. Dann hielt sie ganz still, während er die Wunde sorgfältig reinigte und einen Verband anlegte.

»Armes Ding«, murmelte Hedi mitleidig und tätschelte die Schulter des Madels. »Alles, was man weiß, ist also, dass sie in den Bergen gestürzt ist. Wohin soll sie denn jetzt, wenn sie gar net weiß, wo sie wohnt?«

Sie und Andi tauschten einen Blick miteinander aus und nickten dann beide entschlossen. Auf keinen Fall würden sie eine junge Frau vor die Tür setzen, die sich in einer Notlage befand.

»Sie können freilich hier übernachten«, erklärte Andi freundlich. »Das Gästezimmer wird’s für die eine Nacht sicherlich tun. Und morgen sehen wir weiter, vielleicht schaut die Welt dann schon ganz anders aus.«

***

Aus weit aufgerissenen Augen starrte die junge Frau in die Dunkelheit des Gästezimmers und lauschte dem Gewitter. Der dröhnend laute Donner ließ sie zusammenzucken. Das gleichmäßige Prasseln des Regens hätte unter anderen Bedingungen vielleicht beruhigend wirken können, aber auf sie machte es einen trostlosen Eindruck. Es führte ihr noch deutlicher vor Augen, wie einsam und allein sie war.

Einer der Fensterläden hatte sich gelöst, klapperte im Wind und wurde immer wieder polternd zugeschlagen. Sie kauerte sich noch enger zusammen und zog sich das Kissen über den Kopf, aber das Geräusch war immer noch zu hören. Immer wieder zerrissen flackernde Blitze die Finsternis.

An Schlaf war nicht zu denken. Sie setzte sich aufrecht in das Bett, lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, zog die Beine an und umschlang sie mit den Armen. Tausend Fragen wirbelten durch ihren Kopf und stürzten auf sie ein.

Wer war sie? Wohin gehörte sie? War da niemand, der nach ihr suchte? Was war mit ihr passiert?

Leise wimmerte sie. Tränen brannten in ihren Augen. In ihrem Herzen herrschte eine schmerzhafte Leere. Sie fühlte sich so hilflos und verloren, dass es wehtat.

Immer wieder ging sie in Gedanken durch, was sie noch wusste, aber es war hoffnungslos. Sie erinnerte sich nur daran, dass sie durch die Dunkelheit geirrt war, durch Regen und Sturm – eine gefühlte Ewigkeit lang. Sie hatte schreckliche Angst gehabt und entsetzlich gefroren.

Das gemütliche kleine Haus, das sich an den Waldrand schmiegte, war ihr als rettender Hafen erschienen. Und so war es auch gewesen: Dass sie hier gelandet war, war ein großes Glück. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie es ihr ergangen wäre, wenn sie das Haus und das nette Ehepaar nicht gefunden hätte. Vermutlich wäre sie weiter herumgeirrt, bis sie irgendwann erfroren wäre.

Wann immer sie versuchte, sich daran zu erinnern, was vorher geschehen war, sah sie bloß Finsternis. Der Gedächtnisverlust jagte ihr eine Heidenangst ein.

Sie erwartete nicht, in dieser Nacht Schlaf zu finden, doch irgendwann forderte die Erschöpfung ihren Tribut. Ihr Kopf sank zur Brust, ihre Augen fielen zu. Im Sitzen schlief sie schließlich ein.

***

Am nächsten Morgen war von dem vergangenen Unwetter nichts mehr zu erahnen. Die Sonne brannte so heiß vom Himmel, dass man ganz vergessen konnte, dass beinahe Herbst war. Es war sommerlich warm. Doch ein Blick auf das goldene und rote Laub verriet freilich, dass der Sommer bereits vorüber war.

Die Kastlers hatten ihren Überraschungsgast kurzerhand zum Hotel mitgenommen. Auf der Terrasse wurde ihr ein großes Stückerl Cremeschnitte serviert. Vor allem Hedi war sehr besorgt um sie und fand, sie müsste nach der anstrengenden Nacht wieder zu Kräften kommen.

»Ich hab die Gendarmerie verständigt«, erklärte Andi mit gewichtiger Miene. »Der Sirch-Ludwig wird jeden Moment hier sein. Der weiß sicherlich, was zu tun ist.«

Dankbar nickte die blonde Frau und schob sich eine große Gabel von der Mehlspeis in den Mund. Sie fühlte sich so ausgehungert, als hätte sie tagelang nichts gegessen. Heute Morgen, bei Sonnenschein und mit süßer Cremeschnitte im Bauch, sah die Welt tatsächlich nicht mehr ganz so trüb aus. Sie klammerte sich an Dr. Burgers Worte: Bestimmt würde die Erinnerung ganz von selbst zurückkehren. Und dann würde alles wieder gut werden, dachte sie hoffnungsvoll.

Mitleidig betrachtete Hedi die junge Blondine. Wie schlimm musste es sein, das Gedächtnis zu verlieren, und nicht zu wissen, wer man war und wohin man gehörte! Sie wünschte, sie könnte mehr tun, um ihr zu helfen. Der traurige Blick aus den großen, seegrünen Augen schnitt der Hotelchefin tief ins Herz.

Das Madel hatte die Mehlspeise noch gar nicht fertig gegessen, da erreichte auch schon der Gendarm das Hotel. Lächelnd lief Hedi ihm entgegen und schüttelte ihm die Hand. »Grüß Gott! Wie gut, dass Sie da sind. Wir hoffen von Herzen, dass sie das Rätsel lösen können.«

Ludwig Sirch schmunzelte. »Das hoff ich auch. Sicherlich gibt’s eine einfache, logische Erklärung.«

Der Gendarm konnte durchaus streng sein, doch als er die blasse, unglückliche Frau sah, zeigte er sich von seiner milden Seite. Auch ihm stand das Mitgefühl ins Gesicht geschrieben, als er die Fremde befragte.

»Und Sie sind sicher, dass Sie gestern kein Geldbörserl dabei hatten?«, hakte er nach. »Wenn da drin ein Ausweis wär, könnten wir ja ganz schnell herausfinden, wer Sie sind.«

Betrübt schüttelte die Ärmste den Kopf. »Ich hatte gar nix bei mir!«, rief sie verzweifelt aus. »Nur die Kleidung, die ich am Leib getragen hab.«

»Das macht die Sache freilich kompliziert.« Gedankenverloren rieb er sich über den runden Bauch, während er nachdachte. »Es liegt nämlich auch keine Vermisstenmeldung vor.«

»Niemand sucht nach mir?« Ihre Stimme klang dünn, sie schien mit den Tränen zu kämpfen.

Tröstend legte Hedi eine Hand auf ihre Schulter. »Dafür gibt’s ganz sicher eine gute Erklärung«, sagte sie beruhigend.

Doch auch sie konnte sich das nicht erklären. Die hübsche Blondine musste doch aus der Region stammen, oder etwa nicht? Schließlich hätte sie wohl kaum zu Fuß von weit her gekommen sein. Andererseits war es ebenso gut möglich, dass sie als Urlauberin oder aus sonstigen Gründen angereist war und ihre Familie ganz woanders lebte, überlegte die Hotelchefin dann. Ein österreichischer Dialekt war hörbar, aber weiter eingrenzen konnte man nicht, woher das Madel stammte.