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Im Enziansaal des Berghotels herrscht einträchtige Ruhe. Bunte Papierbögen, Glitzerstifte sowie Weihnachtssticker liegen überall auf den Tischen verteilt. Hedi lässt ihren Blick schweifen und seufzt. Einfach zuckersüß, wie die Kleinen ganz andächtig ihre Wunschlisten an das Christkindl schreiben.
Ein Madel hat es ihr in diesem Jahr ganz besonders angetan, die kleine Resi. Mit ganz viel Eifer ist sie bei der Sache und streut wie wild Glitzer über ihren Brief. Hedi ist neugierig. Lächelnd beugt sie sich über das Madel, um zu sehen, was es sich wünscht. Da verblasst ihr Lächeln jäh, und ihr Herz zieht sich schmerzhaft zusammen. Resis Wunsch wird sich niemals erfüllen ...
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Der verzauberte Wunschzettel
Vorschau
Plätzchenrezepte
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Ermolaev Alexander / shutterstock
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-5692-2
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.
Der verzauberte Wunschzettel
Eine stimmungsvolle Weihnachtsgeschichte aus St. Christoph
Von Verena Kufsteiner
Im Enziansaal des Berghotels herrscht einträchtige Ruhe. Bunte Papierbögen, Glitzerstifte sowie Weihnachtssticker liegen überall auf den Tischen verteilt. Hedi lässt ihren Blick schweifen und seufzt. Einfach zuckersüß, wie die Kleinen ganz andächtig ihre Wunschlisten an das Christkindl schreiben.
Ein Madel hat es ihr in diesem Jahr ganz besonders angetan, die kleine Resi. Mit ganz viel Eifer ist sie bei der Sache und streut wie wild Glitzer über ihren Brief. Hedi ist neugierig. Lächelnd beugt sie sich über das Madel, um zu sehen, was es sich wünscht. Da verblasst ihr Lächeln jäh, und ihr Herz zieht sich schmerzhaft zusammen. Resis Wunsch wird sich niemals erfüllen …
Genüsslich biss Resi in ihr Semmerl. Der Mund des Kindes war bis zur Nase hoch mit fruchtigem, süßem Zwetschgenaufstrich verschmiert.
»Mama, das ist meine Lieblingsmarmelade«, nuschelte sie mit vollem Mund und strahlte über das ganze kleine Gesicht.
»Die hat die Oma gemacht. Fein, dass sie so lecker ist«, entgegnete Britta und wischte ihrer Tochter sanft die Marmelade vom Gesicht. Dann schob sie ihr die Kakaotasse zu. »Da, vergiss deine heiße Schokolade net!«
Als heiß konnte man das Getränk aber wahrlich nicht mehr bezeichnen. Resi trödelte beim Frühstück gerne herum, deswegen war der Kakao mittlerweile höchstens noch lauwarm. Eine dicke Haut hatte sich schon darauf gebildet.
Langsam rührte Resi mit dem Löffel in der Tasse herum, fischte die Milchhaut heraus und betrachtete sie fasziniert aus großen, runden Kulleraugen.
»Mama, schau, was ich gefunden hab!«
Britta unterdrückte ein Seufzen und trommelte unruhig mit den Fingernägeln über die Tischdecke. Sie warf einen Blick auf die große Küchenuhr und verzog den Mund.
»Ja, das ist sehr … interessant. Aber Spatzl, magst du dich net ein bisserl beeilen? Sonst komm ich zu spät zur Arbeit, und meinen Chef tät das gar net freuen. Und auf dich warten auch schon deine Freunde im Kindergarten.«
Sie wollte ihr kleines Madel nicht drängen, entspannte Mahlzeiten waren ihr eigentlich wichtig, aber die Zeit saß ihr im Nacken. Heute hatte Resi ganz besonders lang herumgetrödelt, sie aß wie in Zeitlupe und blickte zwischendurch immer wieder verträumt durch das Fenster, hinter dem dicke Schneeflocken langsam zur Erde tanzten. Ganz Graz versank in der weißen Pracht.
Es war ein friedlicher Anblick, doch Britta war ganz und gar nicht ruhig und friedlich zumute. Innerlich stand sie unter Strom. Noch einmal blickte sie zur Uhr und biss die Zähne zusammen. Felix Thurner, ihr Chef, reagierte immer sehr ungehalten, wenn seine Mitarbeiter zu spät zur Arbeit kamen. Sie musste sich also dringend sputen und Resi zur Eile ermahnen.
Resi ließ den Löffel mit der Milchhaut sinken, wobei sie ein paar Kakaoflecken auf dem Tischtuch hinterließ. Ihr niedliches Gesicht, das gerade noch vor Freude gestrahlt hatte, verzog sich kummervoll. Die braunen Augen begannen feucht zu schimmern.
»Ich will aber gar net in den Kindergarten«, gestand sie kläglich.
Erstaunt legte Britta den Kopf schief. Das waren ja ganz neue Töne!
»Aber seit wann das denn? Du gehst doch gern dorthin. Dort kannst du ganz viel mit deinen Freundinnen und den Kindergartentanten spielen. Das wird super. Und danach holt dich die Valerie ab, und ihr macht’s euch einen schönen, lustigen Nachmittag«, versuchte sie, ihre Tochter aufzumuntern.
Valerie war das Kindermädchen, das auf Resi aufpasste, wenn Britta lang arbeiten musste – und das war fast jeden Tag der Fall. Sie war unendlich froh und erleichtert, nach mehreren Fehlgriffen endlich ein verlässliches, sympathisches Madel gefunden zu haben, dem sie Resi guten Gewissens anvertrauen konnte, ohne sich Sorgen machen zu müssen. Valerie kümmerte sich liebevoll um das Kind, und Resi war ganz vernarrt in sie.
Doch heute schaute das kleine Madel gar nicht fröhlich drein. Vielmehr machte sie den Eindruck, als könnte sie jeden Augenblick in Tränen ausbrechen.
»Aber Mami, ich mag wirklich net in den Kindergarten«, beharrte sie mit dünner, piepsiger Stimme. »Und die Valerie soll heut auch net kommen.«
Britta strich ihr die blonden Locken aus dem Gesicht und fühlte ihre Stirn. War die Kleine etwa krank?
»Aber warum denn net? Du hast die Valerie doch gern. Was bedrückt dich denn, Schatzerl?«
Resi seufzte tief. Der kummervolle Laut wollte so gar nicht zu einem so kleinen, unbedarften Kind passen.
»Ja, ich hab die Valerie schon gern. Aber dich hab ich noch viel lieber. Mama, ich mag heut viel, viel lieber den ganzen Tag bei dir sein.« Tränen stiegen ihr in die Augen.
Britta zuckte zusammen. Die Worte ihres Töchterchens versetzten ihr einen schmerzhaften Stich mitten ins Herz. Sie verbrachte wirklich viel zu wenig Zeit mit ihrem Kind! Nur zu gerne hätte sie sich den ganzen Tag freigenommen, um bei Resi sein zu können, aber das war freilich nicht möglich.
In der Arbeit war sie so eingespannt, dass sie selten einen Urlaubstag beantragen konnte. Sogar am Wochenende hatte sie oft zu tun und brütete über ihren Unterlagen. Dass Resi dabei zu kurz kam, tat Britta in der Seele weh.
Liebevoll nahm sie Resi in den Arm, trocknete ihre Tränen und wiegte sie sanft.
»Heut komm ich ganz pünktlich heim!«, versprach sie. »Keine Überstunden diesmal. Dann können wir noch gemeinsam was spielen, bevor du ins Bett musst.«
»Versprochen?«, schniefte Resi.
»Versprochen«, entgegnete Britta mit fester Stimme.
***
Hektisch tippte Britta auf der Tastatur herum, stellte Berechnungen an, verschob Tabellen und schrieb geschäftliche E-Mails. Zwischen Ohr und Schulter hatte sie den Telefonhörer eingeklemmt, weil sie gleichzeitig mit einem wichtigen Kunden sprach. Ihre Augen schmerzten schon, weil sie seit vielen Stunden auf den Bildschirm starrte.
Im Großraumbüro herrschte hektische Betriebsamkeit, niemand gönnte sich eine Pause. Durch eine Glaswand hindurch konnte man ins Büro des Chefs sehen, der gerade telefonierend und gestikulierend hin und her tigerte.
Er wirkte grimmig und angespannt, immer wieder fuhr er sich hektisch mit der Hand durch das dunkle, glänzende Haar. Hätte er herübergeschaut und jemanden beim Faulenzen ertappt, hätte das für denjenigen mit Sicherheit unangenehme Folgen gehabt. Das wollte freilich niemand riskieren.
Britta beendete das Telefonat, seufzte und dehnte kurz ihre schmerzenden Schultern, bevor sie wieder nach der Computermaus griff. Sie fühlte sich wie gerädert. Zum Glück dauerte es nicht mehr lange, bis sie nach Hause zu Resi konnte. Als sie daran dachte, dass sie ihre geliebte Tochter in weniger als einer Stunde wiedersehen würde, trat ein Lächeln auf ihr Gesicht.
Doch dieses Lächeln verschwand, als sie sah, dass Sekretärin Inge Kleinoscheg mit einem riesigen Stapel Unterlagen auf sie zukam. Waren diese Papiere etwa für sie gedacht? Sie hatte weiß Gott genug zu tun!
Schwungvoll beförderte Inge den Papierstapel auf Brittas Schreibtisch.
»So, für dich, mit freundlichem Gruß von unserem lieben Felix.«
Felix Thurner bestand darauf, dass seine Angestellten nicht nur einander, sondern auch ihn duzten und mit dem Vornamen ansprachen. Das sollte dem Betriebsklima förderlich sein, meinte er. Insgeheim fand Britta jedoch, dass diese Maßnahme ihre Wirkung verfehlte. Die ganze Firma erzitterte vor Felix, ob man ihn nun duzte oder siezte. Jedermann hatte einen gehörigen Respekt vor dem anspruchsvollen, strengen Chef. Er stellte hohe Ansprüche – nicht nur an sich selbst, sondern auch an jeden, der für ihn arbeitete.
Britta zog eine Grimasse. »Das meint der Chef net ernst, gell? Das ist doch ein Scherz.«
»Träum weiter«, meinte Inge lachend. »Der ist doch so grimmig – ich glaub, der weiß überhaupt net, wie man scherzt.«
Schicksalsergeben seufzte Britta und zog die Unterlagen näher an sich heran.
»Na schön, ich werd’s mir morgen anschauen. Bleibt mir ja nix anderes übrig. Dabei erstick ich eh schon in Arbeit.«
Bedauernd schüttelte Inge den Kopf.
»Ich fürcht, das wird nix. Er hat ausdrücklich gesagt, das soll heut noch erledigt werden.«
Britta warf einen Blick auf die Uhr.
»Was? Aber das geht net!«, protestierte sie. »Ich wollt gleich heimgehen. Es ist ja schon spät.«
»Aber er hat gesagt …«, begann Inge.
Energisch verschränkte Britta die Arme vor der Brust.
»Ist mir egal, was er gesagt hat. Feierabend ist Feierabend. Ich hab meiner Tochter versprochen, heut pünktlich heimzukommen.«
»Ich weiß net, ob er darüber erfreut sein wird«, erwiderte Inge zögerlich und warf einen unsicheren Blick zum Chefbüro, wo Felix immer noch telefonierte und dabei einen grantigen Eindruck machte. Britta wollte nicht in der Haut seines Gesprächspartners stecken. Felix konnte wirklich furchteinflößend sein.
Sie stöhnte. »Ist mir wurscht, ob er erfreut ist. Hast du eine Ahnung, wie viele Überstunden ich diesen Monat schon gemacht hab? Viel zu viele. Das ist rechtlich überhaupt net zulässig! Und die Urlaubstage, die mir zustehen, kann ich mir auch net nehmen. Die vom letzten Jahr sind fast alle verfallen.«
»So geht’s uns doch allen«, seufzte Inge. »Aber willst du’s wirklich riskieren, ihn zu verärgern? Ich mein – ich will dir nix reinreden, das ist deine Sache.« Sie senkte ihre Stimme. »Aber ich hab vorhin erst mitgekriegt, dass der Tobias gefeuert worden ist, weil der Chef net zufrieden mit seiner Arbeit war.«
Britta riss die Augen auf.
»Ist das dein Ernst?«, fragte sie bestürzt. »Nein, das kann ich net glauben. Der ist doch so engagiert.«
Unauffällig deutete Inge mit dem Kopf auf Tobias, der gerade mit einer Gewittermiene durchs Großraumbüro auf die Aufzüge zu stapfte. In den Händen trug er einen kleinen Karton mit seinen privaten Habseligkeiten: Fotos und ein paar Zimmerpflanzen.
»Du meine Güte«, murmelte Britta erschrocken. »Schaut echt so aus, als wär er gefeuert worden.«
Sie wusste nicht, was sie täte, wenn es ihr so erginge. Sie brauchte diese Anstellung! Über Felix konnte man ja vieles sagen, aber zumindest zahlte er gut. Als alleinerziehende Mutter war es manchmal nicht leicht, über die Runden zu kommen. Von ihrem Gehalt konnte sie nicht nur gut leben, sondern auch jeden Monat etwas zurücklegen, was später Resi zugutekommen sollte.
»Aber trotzdem kann ich heut nimmer ewig hierbleiben und arbeiten«, sagte sie entschlossen. »Meine Tochter braucht mich, sie wartet auf mich. Ich verbring viel zu wenig Zeit mit ihr. Der Felix wird mich ja wohl net gleich feuern, nur weil ich einmal pünktlich Feierabend mach.«
Inge räusperte sich und zwinkerte hektisch. Ihre ganze Körperhaltung wurde steif. Es dauerte einen Moment, bis Britta realisierte, was das bedeutete. Langsam drehte sie sich um und erblickte ihren Chef, der direkt auf sie zusteuerte.
Erschrocken sog sie die Luft ein, rote Flecken erschienen auf ihren Wangen. Hatte er mitgehört, was sie gerade gesagt hatte? Doch er schien keine Ahnung zu haben.
»Ich sehe, Inge hat dir die Unterlagen schon gegeben.« Seine angenehm dunkle Stimme klang sanfter, als man es vermutet hätte. Wenn jemand ihn anhand seiner Stimme einschätzen hätte müssen, hätte er wohl nicht vermutet, wie unbarmherzig Felix sein konnte. Er legte noch einige Zettel oben auf den Stapel. »So, das hier fehlte noch. Du kriegst das doch heute noch hin, oder?«
Sie wand sich unter dem kritischen Blick aus seinen unergründlichen, grauen Augen, die immer etwas missbilligend dreinzuschauen schienen. Gerade noch was sie so fest entschlossen gewesen, pünktlich heimzufahren. Doch als Felix ihr nun gegenüberstand, wurden ihre Handflächen kalt und feucht. Das Atmen fiel ihr in seiner Gegenwart schwer. Sie fühlte sich wie ein Kaninchen, das von einer Schlange fixiert wurde.
»Ich …«, begann sie unsicher.
Sie wollte standhaft bleiben und sagen, dass sie die Aufgabe erst morgen erledigen konnte, weil sie jetzt Feierabend machte. Doch sie wagte es einfach nicht. Es lag nicht nur daran, dass sie Angst um ihren Job hatte. Vielmehr war es so, dass Felix eine Autorität ausstrahlte, die sie einschüchterte. Wenn er sie so ansah, fühlte sie sich wie ein gescholtenes Schulmadel, das die Hausaufgaben nicht erledigt hatte.
»Ja?« Er zog eine seiner dunklen Augenbrauen hoch.
Diese Mimik verlieh seinem scharfgeschnittenen Gesicht einen spöttischen Ausdruck.
»Ich schaffe das, freilich«, hörte sie sich sagen und fühlte sich dabei wie die schrecklichste Rabenmutter der Welt.
»Gut, nix anderes hab ich erwartet«, antwortete er, bevor er sich abwandte und in sein Büro zurückging.
Inge schenkte ihr einen mitfühlenden Blick, bevor sie sich ebenfalls an ihren eigenen Schreibtisch zurückzog, um sich weiter der Arbeit zu widmen.
Seufzend blieb Britta zurück. Sie hatte Resi doch versprochen, früh nach Hause zu kommen! Doch das konnte sie sich abschminken, wenn sie diese Unterlagen heute noch abarbeitete. Das Madel würde sicherlich sehr enttäuscht sein.
Doch Britta durfte nicht riskieren, ihren Job zu verlieren. Resi war zu jung, um das zu verstehen, aber eines Tages würde sie begreifen, dass Britta das alles zu ihrem Besten getan hatte.
Mit diesem Gedanken tröstete sie sich, als sie erneut nach dem Telefonhörer griff.
»Valerie? Ja, ich bin’s. Du, das ist mir schrecklich unangenehm, aber könntest du heut länger als vereinbart auf die Resi aufpassen?«, fragte sie zerknirscht. »Ich weiß, das kommt viel zu oft vor, aber ich komm hier einfach net früher weg. Bring sie dann zur gewohnten Zeit ins Bett, ja? Die Kleine braucht ihren Schlaf.«
Schuldgefühle schnürten ihr die Kehle zu, als sie sich der Aufgabe widmete, die Felix ihr aufgehalst hatte. Es tat weh, sich Resis enttäuschtes Gesichtchen vorzustellen.
Nach und nach leerte sich das Büro, alle Kollegen verschwanden in den wohlverdienten Feierabend. Fieberhaft beeilte sich Britta, doch sie hatte einiges zu tun. Schließlich waren sie und Felix die Einzigen, die noch hier waren und arbeiteten.
Durch die Glaswand sah sie, wie er über seinem Schreibtisch brütete. Eines musste man ihm lassen: Er schonte sich nicht. Zu sich selbst war er noch gnadenloser als zu seinen Angestellten. Unwillkürlich schüttelte sie den Kopf über ihn.
Als hätte er ihren Blick gespürt, schaute er hoch. Errötend wandte sie den Blick ab und senkte den Kopf wieder über ihre Unterlagen. Der Wunsch, endlich zu ihrer Tochter nach Hause zu können, beflügelte sie. So schnell wie möglich erledigte sie ihre Aufgabe.
***
Schnaufend hetzte Britta die Treppe hoch. Um etwas Schönes zu spielen, wie sie es versprochen hatte, war es mittlerweile freilich zu spät, doch sie wollte Resi zumindest noch sehen, bevor diese schlief. Sie schaffte es gerade noch rechtzeitig ins Kinderzimmer, als das Kindermädchen das Licht ausschalten wollte.
»Danke, Valerie«, keuchte sie atemlos, »ich kann jetzt übernehmen.«
Nachdem Valerie hinausgegangen war, setzte sich Britta an die Bettkante.
»Tut mir leid, Liebling«, sagte sie leise. »Ich habe es nicht rechtzeitig nach Hause geschafft.«
Resi stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, doch tapfer nickte sie.
»Kann man nix machen, Mami.«
