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Liesel hat seit einer dramatischen Trennung keine Lust mehr auf die Liebe. Die Mannsbilder können ihr gestohlen bleiben! Als die Hochzeit ihrer Schwester Mirl im Berghotel vor der Tür steht, graut ihr insgeheim davor: Da wird sie nur wieder von der Verwandtschaft mit gut gemeinten Ratschlägen bedacht und bemitleidet.
Doch ihre Freundin Rita hat eine Idee: Ihr Bruder Viktor soll für das Hochzeitswochenende gegen Bezahlung Liesels Freund spielen. Liesel hält das zunächst für einen schlechten Scherz. Schließlich willigt sie trotzdem ein - was bleibt ihr auch anderes übrig. Aber sie ahnt nicht, welche Gefühle Viktors Anblick bei ihrer Schwester Mirl auslöst ...
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2018
Cover
Impressum
Mit dir will ich es noch einmal wagen
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: wavebreakmedia / shutterstock
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-5799-8
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.
Mit dir will ich es noch einmal wagen
Heimatroman um große Gefühle und eine mutige Entscheidung
Von Verena Kufsteiner
Liesel hat seit einer dramatischen Trennung keine Lust mehr auf die Liebe. Die Mannsbilder können ihr gestohlen bleiben! Als die Hochzeit ihrer Schwester Mirl im Berghotel vor der Tür steht, graut ihr insgeheim davor: Da wird sie nur wieder von der Verwandtschaft mit gut gemeinten Ratschlägen bedacht und bemitleidet.
Doch ihre Freundin Rita hat eine Idee: Ihr Bruder Viktor soll für das Hochzeitswochenende gegen Bezahlung Liesels Freund spielen. Liesel hält das zunächst für einen schlechten Scherz. Schließlich willigt sie trotzdem ein – was bleibt ihr auch anderes übrig. Aber sie ahnt nicht, welche Gefühle Viktors Anblick bei ihrer Schwester Mirl auslöst …
Liesel hastete durch die Stadt. Es war ein herrlicher Frühlingstag, die Vögel sangen, und die Sonne schien mild vom Himmel. Im Park spielte ein Hund mit einem Stöckchen und bellte fröhlich. Auf einer Bank vor dem Teich saßen zwei Mädchen und fütterten die Enten mit altem Brot. Ein sanfter Wind versetzte die Wasseroberfläche in kleine Kräuselwellen, auf denen sich die Sonne glitzernd spiegelte.
Doch Liesel hatte keinen Blick für die Schönheit ihrer Umgebung. Sie biss die Zähne zusammen und ignorierte das Stechen in ihrer Seite. Nachdem sie einen Blick auf ihre Armbanduhr geworfen hatte, stieß sie einen leisen Fluch aus und beschleunigte ihre Schritte.
Sie verließ den Park und eilte durch die Fußgängerzone. Mühsam verkniff sie sich ein genervtes Schnauben, als eine Gruppe von Frauen sehr gemütlich vor ihr herlief und ihr den Weg versperrte. Sobald es möglich war, schob sie sich an dem langsamen Grüppchen vorbei und lief schneller.
Als ihr Blick auf ihr eigenes Spiegelbild im Schaufensterglas fiel, sog sie erschrocken die Luft ein. Du liebe Zeit! Wie sah sie bloß aus?
Nachdem sie hoffnungslos verschlafen hatte, war alles fürchterlich stressig gewesen. Mehrmals hatte sie die Schlummerfunktion des Weckers betätigt, bis sie schockiert festgestellt hatte, dass beinahe Mittag war und sie zu spät zu ihrer Verabredung kommen würde.
Darum hatte sie ganz vergessen, ihre Haare zu bürsten. Die honigblonden Wellen, die sonst seidig über ihre Schultern fielen, erinnerten jetzt eher an ein Vogelnest. Die Bluse, die sie hastig angezogen hatte, war auch noch zerknittert.
»Zumindest habe ich diesmal zwei zusammenpassende Socken an«, murmelte sie, während sie hektisch versuchte, mit den Fingern zumindest ein wenig Ordnung in das Gestrüpp auf ihrem Kopf zu bringen.
Beim letzten Familientreffen hatten die Strümpfe, die sie morgens verschlafen aus der Kommode geangelt hatte, unterschiedliche Farben gehabt – zum Vergnügen ihrer Eltern und ihrer Schwester.
Atemlos und verschwitzt erreichte sie schließlich ihr Elternhaus. Mindestens an einem Sonntag im Monat traf sich die Familie hier zum Mittagessen. Es war eine lieb gewonnene Tradition, die die Eltern und die beiden Madeln zusammenbrachte, auch nachdem Liesel und Mirl erwachsen geworden und ausgezogen waren.
»Bin da«, trällerte sie, sobald sie durch die Tür war.
Der Duft von faschierten Laibchen mit Soße und Kartoffelpüree stieg ihr in die Nase. Das Radio lief, und aus der Küche drang fröhliches Gelächter.
»Fein, dass du hier bist!«
Ihre Schwester Mirl kam aus der Küche, wo sich die Familie versammelt hatte, und lief ihr entgegen, um sie herzlich zu umarmen.
Mirl verlor kein Wort darüber, dass Liesel sich wieder einmal verspätet hatte, obwohl ihr selbst so etwas nie passierte. Resigniert dachte Liesel, dass es immer schon so gewesen war, schon seit ihrer Kindheit: Mirl war die Perfekte von ihnen beiden, die Fleißige und Pünktliche.
In ihrem Leben schien immer alles glattzulaufen, und das ganz von selbst, ohne dass es ihr große Mühe bereitete. In der Schule hatte sie gute Noten geschrieben und nebenbei Musikkurse besucht, danach erfolgreich Pädagogik studiert, wo sie ihren Studienkollegen Hans kennengelernt und sich Hals über Kopf in ihn verliebt hatte. Seither waren die beiden ein echtes Traumpaar und führten eine skandalfreie Beziehung.
Liesel hingegen hatte immer zu kämpfen gehabt, seit sie denken konnte. In der Schule hatte sie sich in manchen Fächern schwergetan, auch mit den Lehrern war sie nicht immer gut ausgekommen. Danach hatte sie nicht genau gewusst, was sie mit ihrem Leben anfangen wollte. Sie hatte eine Ausbildung begonnen und abgebrochen, danach ein paar Semester studiert, und war schließlich als Quereinsteigerin in einer kleinen Zeitungsredaktion gelandet, wo sie mal mehr, mal weniger zufrieden war.
Vor zwei Jahren hatte sie geglaubt, zumindest ihr Liebesleben nähme eine wunderbare Wendung, doch der Traum war rasch ausgeträumt gewesen.
Sie schüttelte leicht den Kopf und kniff für eine Sekunde die Augen zusammen, um die schmerzhaften Erinnerungen abzuwehren, die auf sie einzustürzen drohten. Darüber wollte sie nun wirklich nicht nachdenken, es hätte ihr den ganzen Tag verdorben.
Als sie sich aus Mirls stürmischer Umarmung befreit hatte, sah sie Hans, der auch gerade aus der Küche kam und seiner Freundin folgte. Wo Mirl war, war auch Hans meist nicht weit. Die beiden waren einfach unzertrennlich.
Jetzt begrüßte er Liesel mit einem Busserl auf die Wange, bevor er Mirl den Arm um die Taille legte. Mirl lächelte selig und lehnte den Kopf an seine Schulter.
Die beiden waren ein harmonisches Paar, das musste Liesel zugeben. Sie hatten viele gemeinsame Interessen und Vorstellungen vom Leben. Sogar äußerlich passten sie gut zueinander: die hübsche, zierliche Mirl mit den munteren dunklen Augen und den glänzenden brünetten Locken und der breitschultrige, strohblonde Hans mit dem freundlichen Lächeln und den gutmütigen, haselnussbraunen Augen.
Liesel begrüßte ihre Eltern, die so lieb gewesen waren, mit dem Essen auf sie zu warten. Gemeinsam setzten sie sich um den großen Esstisch im lichtdurchfluteten Wintergarten und ließen sich die Schwammerlcremesuppe und die faschierten Laibchen schmecken.
»Und, was tut sich so in deinem Leben? Was gibt’s Neues?«, fragte Liesels Mutter Helga neugierig, während sie Liesel noch etwas vom Püree auf den Teller lud.
Liesel stocherte im Essen herum. Sie wusste, worauf diese Frage abzielte, stellte sich aber mit Absicht ahnungslos.
»Ich soll demnächst eine Reportage über einen Skispringer schreiben«, erzählte sie. »Einen Tag lang darf ich ihn beim Training begleiten und ihn interviewen.«
Aber so einfach ließ sich Helga nicht abschütteln.
»Fein, das klingt ja aufregend. Und sonst? Im Privatleben?«, hakte sie weiter nach.
Liesels Vater Paul sprach schmunzelnd aus, was ohnehin deutlich in Helgas Worten mitschwang.
»Deine Mutter will wissen, ob du wieder einmal männliche Begleitung mitbringen willst.«
Liesel unterdrückte ein Seufzen. Seit zwei Jahren war sie Single, und daran wollte sie nicht das Geringste ändern. Und ebenso lange wurde sie schon von ihrem Umfeld skeptisch beäugt. Jedermann schien nur darauf zu warten, dass sie endlich wieder einen Partner fand, und keiner verstand so recht, dass sie das überhaupt nicht wollte. Auf Liebesangelegenheiten hatte sie keine Lust, die Mannsbilder konnten ihr allesamt gestohlen bleiben!
»Da muss ich euch enttäuschen, es ist weit und breit niemand in Sicht, der dafür infrage kommt. Kein vielversprechender Kandidat«, antwortete sie etwas spitzer als nötig.
»Kennst du noch meine Freundin Barbara? Ihre Tochter hat jetzt auch jemanden kennengelernt, und zwar übers Internet«, erzählte Helga.
Mirl seufzte und starrte düster ihr Kartoffelpüree an. Wenn ihre Mutter wüsste, wie es beim Onlinedating zuging! Es war ja nicht so, als hätte sie es nicht versucht.
Als sie sich einmal besonders einsam gefühlt hatte, hatte sie sich auf einer Plattform angemeldet. Die Profile der meisten Männer waren eher abschreckend als verlockend gewesen. Schlussendlich hatte sie sich doch ein Herz gefasst und sich mit einen von ihnen verabredet, doch es war einer der schlimmsten Abende ihres Lebens gewesen.
Der Bursche hatte stundenlang nur von sich und seinen Errungenschaften erzählt, und schließlich wie selbstverständlich erwartet, dass sie mit ihm ins Bett ging. Als sie ablehnte, hatte er sie auch noch als prüde Zimtzicke beschimpft. Erbost war sie nach Hause gestapft und hatte noch am selben Abend ihr Profil in der Partnerbörse gelöscht.
»Hans und ich haben uns an der Uni kennengelernt, das kann ich jedem nur empfehlen«, steuerte Mirl bei, obwohl das freilich jeder am Tisch genau wusste, und schaute ihrem Freund tief in die Augen.
»Ich studiere aber nicht mehr«, grummelte Liesel und stach mit der Gabel so heftig ins faschierte Laibchen, als wollte sie es erdolchen. »Soll ich mich etwa noch einmal einschreiben, nur, um irgendeinen Hallodri kennenzulernen, damit ihr zufrieden seid’s?«
»Aber geh, so ist das ja net gemeint«, meinte Helga begütigend und verschwand wieder in der Küche, um die Nachspeise zu holen.
Damit hatte sich das Thema erledigt, Paul und Hans begannen sich über den Wintersport zu unterhalten, und Mirl versuchte, die beiden davon zu überzeugen, dass der Kaiserschmarrn auf der Berghütte das Beste am ganzen Skifahren sei.
Liesel entging nicht, dass Mirl und Hans nur Augen füreinander hatten. Auch wenn sie sich gerade mit anderen Leuten unterhielten, schauten sie sich immer wieder an und schenkten einander tiefe Blicke, hielten Händchen oder berührten sich wie zufällig.
Hans las seiner Mirl jeden Wunsch von den Augen ab, reichte ihr Salz oder Zucker, noch bevor sie danach fragen konnte, und rückte ihr den Stuhl zurecht, als sie zwischendurch kurz aufstand. Mirl bedankte sich für jede seiner Aufmerksamkeiten mit einem strahlenden, liebevollen Lächeln.
Liesel verdrehte die Augen. Die beiden waren ein so süßes Vorzeigepärchen, dass man beim bloßen Anblick Karies bekommen konnte. Freilich wünschte sie ihrer Schwester, dass deren Glück Bestand haben würde, doch sie selbst glaubte schon lange nicht mehr an die Liebe.
»Es gibt noch etwas, was wir euch sagen wollten.« Mirl ergriff Hans’ Hand, ihre Wangen röteten sich. Die beiden tauschten einen Blick aus, dann sagten sie wie aus einem Mund: »Wir werden heiraten!«
Jauchzend fiel Helga erst ihrer Tochter, dann dem Schwiegersohn in spe um den Hals. Vor Begeisterung fand sie kaum Worte. Auch Paul sprang enthusiastisch auf und gratulierte den Frischverlobten ganz herzlich.
Nur Liesels Lächeln fiel etwas verkrampft aus. Auch sie gratulierte, aber die riesige Freude ihrer Eltern konnte sie nicht nachempfinden. Was, wenn Mirl mit dieser Verlobung ebenso auf die Nase fiel, wie Liesel damals? Sie wollte sich ja freuen, doch es fiel ihr schwer, optimistisch zu sein.
»Wann ist denn der große Tag?«, fragte Paul.
»Schon in einem Monat«, antwortete Mirl freudenstrahlend.
»So bald schon!«, rief Helga aus.
»Wir wollen einfach nicht mehr so lange warten«, erklärte Hans lächelnd, während er Mirls Hand zärtlich drückte. »Am allerliebsten würden wir uns schon heute das Jawort geben, aber freilich geht das net ganz so kurzfristig.«
»Aber ein Monat ist net viel, reicht das denn für die Planung aus?«, erkundigte sich Helga besorgt.
Eifrig nickte Mirl. »Aber ja, das klappt schon. Wir brauchen ja nix Großes, keine übertrieben glamouröse Feier. Ich hab ein zauberhaftes Hotel im Zillertal entdeckt, wo man ganz toll feiern kann. Das Personal ist sehr lieb und hilfsbereit. Die Hotelchefin meint, es ist gar kein Problem, die Feier in so kurzer Zeit zu planen. Und für meinen Wunschtermin ist der Festsaal auch noch frei.«
»Und freilich haben wir schon vorsichtig ausgelotet, ob alle wichtigen Leute, die wir einladen wollen, an dem Tag auch wirklich noch nix vorhaben«, meinte Hans schmunzelnd.
Paul lachte. »Ach, deshalb habt’s ihr letztens nach unseren Plänen gefragt.«
Fröhlich plauderten alle durcheinander und tauschten sich über die Hochzeit aus, nur Liesel war schweigsam. Ihre Laune sank immer tiefer, als ihr bewusst wurde, was das für sie bedeutete: Natürlich würde sie auf die Hochzeit gehen müssen. Davor graute ihr jetzt schon. Auf solchen Feierlichkeiten wurde man als Single kritisch beäugt, mit gut gemeinten Ratschlägen zur Partnersuche bedacht und ausgiebig bemitleidet.
Schaudernd erinnerte sie sich an die letzte Hochzeit, zu der sie eingeladen gewesen war. Ihre Freundinnen hatten damals beharrlich versucht, sie mit dem Trauzeugen zu verkuppeln. Sie hatte kaum eine ruhige Minute gehabt, bis sie sich sogar auf der Toilette versteckt und eingesperrt hatte, um nicht weiter bedrängt zu werden.
So etwas wollte sie eigentlich nicht noch einmal erleben, aber was sollte sie tun? Freilich konnte sie der Hochzeit ihrer eigenen Schwester nicht fernbleiben. Seufzend fand sie sich mit ihrem Schicksal ab und stellte sich geistig darauf ein, auf der Feier wie ein Alien betrachtet zu werden, nur weil sie keinen Partner hatte, und auch gar keinen haben wollte.
***
»Du glaubst net, wohin ich gehen muss«, stöhnte Liesel am Abend leidend und nahm einen großen Schluck von ihrem Cocktail.
Sie hatte sich mit ihrer guten Freundin Rita in einer Bar verabredet. Das war jetzt genau das, was sie nach einem Nachmittag voller Hochzeitsgeplauder brauchte: die düstere, rauchige Atmosphäre der Bar, ein starker Drink, und jemand zum Ausheulen, der sie verstand.
»Deiner Miene nach zu urteilen: auf ein Begräbnis? Oder gar in einen Folterkeller?«, vermutete Rita.
Missmutig schüttelte Liesel den Kopf.
»Schlimmer. Auf eine Hochzeit.«
Rita prostete ihr zu.
»Das ist in der Tat net viel besser. Mein Beileid.«
Rita war nie eine ausgesprochene Romantikerin gewesen. Darum war sie jetzt auch genau die richtige Ansprechpartnerin für Liesel. Keine von ihnen hatte viel für Hochzeiten übrig, auch wenn Liesel früher sogar ein ausgesprochener Fan solcher Festivitäten gewesen war.
»Ich kann mir jetzt schon genau vorstellen, wie’s mir ergehen wird. Schon vor der Trauung werden die Tanten und Onkel fragen, warum ich allein gekommen bin, und ob ich noch immer keinen Mann gefunden hab – so, als sei das das Einzige, worauf’s im Leben ankommt. Beim Essen werden die Leute genauestens drauf achten, mich zwischen zwei alleinstehende Männer zu setzen, damit ich ein bisserl eine Auswahl hab. Und danach, beim Tanzen, bin ich als alleinstehendes Madel doch Freiwild. Und das alles begleitet von mitleidigen und befremdeten Blicken.«
»Du wirst es überleben, immerhin ist’s nur ein Abend«, meinte Rita ungerührt.
»Schön wär’s«, gab Liesel zurück. »Die engste Verwandtschaft und ein paar liebe Freunde sollen schon mehrere Tage vor der Hochzeit anreisen und eine schöne Zeit im Zillertal verbringen. Das gibt der lieben Familie noch mehr Gelegenheit, mich zu piesacken.«
»Sie meinen’s doch nur gut«, tröstete Rita ihre Freundin und winkte den Kellner heran, um noch ein Getränk zu bestellen. »Aber ich weiß, das nervt. Ob Familie, oder Freunde: Jeder meint, seinen Senf dazugeben zu müssen. Die Leute verhalten sich so, als würd mit einem irgendwas net stimmen, bis man sich irgendwann selbst fragt, ob man net ganz richtig ist.«
