Verlag: Bastei Entertainment Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Das Berghotel 174 - Heimatroman E-Book

Verena Kufsteiner  

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E-Book-Beschreibung Das Berghotel 174 - Heimatroman - Verena Kufsteiner

Die Wahrheit über Martha - Ein fremdes Madel gibt den Bewohnern von St. Christoph Rätsel auf An einem nebelverhangenen Tag findet sich eine junge Frau allein in den höheren Bergregionen um St. Christoph wieder: halbnackt und blutend. Verzweifelt irrt sie umher, bis Aushilfskellner Thorsten sie zufällig findet und direkt zu Dr. Burger bringt. Sie leidet unter einer Amnesie und hat alle Erinnerungen verloren. Nicht einmal ihren Namen kennt sie. Nachdem Gendarm Ludwig Sirch ihren Fall aufgenommen hat, begleitet Thorsten die Fremde ins Berghotel. Dort will sie bleiben, bis etwas Licht ins Dunkel gebracht ist. Doch Tage und Wochen vergehen, ohne dass es eine Spur gibt. Da macht Hedi Kastler eine unglaubliche Entdeckung ...

Meinungen über das E-Book Das Berghotel 174 - Heimatroman - Verena Kufsteiner

E-Book-Leseprobe Das Berghotel 174 - Heimatroman - Verena Kufsteiner

Inhalt

Cover

Impressum

Die Wahrheit über Martha

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Chiemseer Dirndl & Tracht

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-6760-7

www.bastei-entertainment.de

Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.

Die Wahrheit über Martha

Ein fremdes Madel gibt den Bewohnern von St. Christoph Rätsel auf

Von Verena Kufsteiner

An einem nebelverhangenen Tag findet sich eine junge Frau allein in den höheren Bergregionen um St. Christoph wieder: halbnackt und blutend. Verzweifelt irrt sie umher, bis Aushilfskellner Thorsten sie zufällig findet und direkt zu Dr. Burger bringt. Sie leidet unter einer Amnesie und hat alle Erinnerungen verloren. Nicht einmal ihren Namen kennt sie.

Nachdem Gendarm Ludwig Sirch ihren Fall aufgenommen hat, begleitet Thorsten die Fremde ins Berghotel. Dort will sie bleiben, bis etwas Licht ins Dunkel gebracht ist. Doch Tage und Wochen vergehen, ohne dass es eine Spur gibt. Da macht Hedi Kastler eine unglaubliche Entdeckung …

Hastig zog Thorsten Stadler die Kapuze seiner Wetterjacke über den Kopf, aber er war nicht schnell genug. Der soeben einsetzende Regenguss traf ihn mit kalter Wucht. Wasser rann ihm in die Augen und den Rücken hinunter. Der Sturm peitschte ihm dicke Tropfen entgegen, ließ seine Sicht verschwimmen und zerrte an an den Ästen der Kastanie, unter der er Schutz suchte, sodass diese bedrohlich ächzten.

Bleigraue Wolkentürme jagten einander über den Himmel und entließen einen heftigen Niederschlag, der in Blasen auf dem Asphalt der Dorfstraße zerplatzte und den einsamen Mann am Straßenrand binnen weniger Atemzüge bis auf die Haut durchnässte. Am besten würde es wohl sein, er stieg wieder in den Bus und fuhr weiter.

Thorsten wandte sich um und sah gerade noch, wie sich die roten Rücklichter des Linienbusses entfernten. Ein bestürzter Atemzug entfuhr ihm. Damit saß er hier fest! Der nächste Bus, das hatte er schon vor seiner Abfahrt herausgefunden, fuhr erst am kommenden Morgen. Er hätte sein Gefühl ignorieren und einfach weiterfahren sollen. Aber hatte er das getan? Freilich nicht.

Er hatte wie immer impulsiv gehandelt und sich damit nichts als Ärger eingebrockt. Oder in diesem Fall: eine durchnässte Jeans, die ihm schwer am Körper klebte. Dabei hatte ihm das Dorf mit den gepflegten Bauernhöfen und der weißen Kirche mit dem Zwiebelturm auf Anhieb gefallen. Es hieß St. Christoph, wie das Schild am Ortseingang verriet. Auf dem Kirchendach drehte sich ein goldener Wetterhahn und quietschte im Sturm.

Thorsten kniff die Lippen aufeinander. Der Regenguss war der perfekte Abschluss seines verkorksten Tages. Eigentlich hatte er sich für einen Job im Holzwerk unten in Mayrhofen bewerben wollen, aber der Firmenchef hatte die Anstellung bereits anderweitig vergeben und nur vergessen, sein Vorstellungsgespräch abzusagen. Entschuldigend hatte er Thorsten geraten, sein Glück in den Bergen zu versuchen. Kurzentschlossen war Thorsten tatsächlich in den nächsten Bus gestiegen und über enge Serpentinenstraßen höher und höher gebracht worden. Die Gegend war immer einsamer geworden. Bis er schließlich hier gelandet war.

Und wohin nun? Unschlüssig schaute sich Thorsten um. Viel gab es hier ja nicht. Eine Kirche, einen Dorfladen und eine Apotheke, wenn er es recht überblickte. Kaum eine Möglichkeit, um Arbeit zu finden. Er konnte höchstens die Höfe abklappern und nach einer Stellung als Knecht fragen. Allerdings war fraglich, dass er an diesem Abend noch etwas finden würde.

Während er überlegte, brauste ein Auto an ihm vorbei. Geradewegs durch eine Pfütze. Wasser spritzte hoch auf. Thorsten machte einen Satz rückwärts, aber die Fontäne erwischte ihn voll. Am liebsten hätte er sich geschüttelt wie ein nasser Hund.

Heute geht aber auch wirklich alles schief!, haderte er mit dem Schicksal. Wobei »heute« es nicht ganz trifft. Schon seit Monaten schlittere ich abwärts. Seit … Nein, nicht daran denken, ermahnte er sich selbst und packte den Griff seines Koffers fester. Einen Schritt vor den anderen setzen. Irgendwo musste es auch einen Platz für ihn geben.

Thorsten brauchte einen Job für den Sommer, sonst steckte er gewaltig in der Klemme. Bis vor Kurzem war sein Leben unbeschwert gewesen, aber dann hatte das Schicksal seiner Familie einen Schlag versetzt, von dem sie sich noch nicht wieder erholt hatten. Sein Inneres verkrampfte sich, als er daran dachte.

Mit grimmiger Entschlossenheit setzte sich Thorsten wieder in Bewegung und stapfte die Dorfstraße hinauf. Ein Ziel hatte er nicht, aber er konnte auch nicht länger an der Bushaltestelle stehen bleiben. Also marschierte er los und sah nach wenigen Minuten ein bezauberndes Alpenhotel vor sich.

Es stand auf einer Anhöhe und musste bei schönem Wetter einen atemberaubenden Ausblick auf die Berge bieten. Jetzt jedoch waberten tiefhängende Wolken um das Haus herum. Die Rosen, die den Eingang säumten, ließen die regenschweren Blüten hängen. Doch hinter den Fenstern leuchteten helle Lichter – so einladend, dass Thorsten das Hotel wie ein rettender Hafen erschien.

Sporthotel ›Am Sonnenhang‹, verriet ein beleuchtetes Schild über dem Eingang.

Thorstens Herz klopfte plötzlich schneller.

Ein Hotel? Warum eigentlich nicht? Hier wurden jetzt im Sommer sicherlich viele helfende Hände gebraucht. Womöglich hatte er Glück und fand hier eine Anstellung für die kommenden Monate?

Ein Versuch kann nicht schaden, sagte er sich. Alles ist besser, als heute Nacht in einem Heustadel oder auf einer hölzernen Kirchenbank zu schlafen.

Zielstrebig steuerte er das Hotel an, mit dem festen Vorsatz, sich um eine Anstellung zu bemühen.

Thorsten atmete auf, als er die Lobby betrat und Regen und Sturm hinter ihm zurückblieben. Die Eingangshalle war hell beleuchtet und mit Zirbenholz getäfelt. Neben dem Tresen lud eine Sitzgruppe vor dem Kamin zum Verweilen ein. Eine blonde Frau in einem roten Dirndl stand dahinter. Das Namensschild an ihrer weißen Bluse verriet, dass ihr Name Hedi Kastler war. Hotelleitung, stand darunter. Bei ihr war er also richtig.

Das Dumme war nur, dass sie gerade einen hageren Mann zusammenstauchte. Mit energisch geröteten Wangen erklärte sie dem Unglücklichen, dass er seine Sachen packen und das Hotel verlassen müsse. Auf der Stelle!

Der Gescholtene wagte keinen Einwand und trottete mit hängenden Schultern aus der Halle.

Hedi Kastler sandte ihm einen Blick nach, der weniger aufgebracht und mehr bekümmert war. Was auch immer der Grund für ihre Strafpredigt gewesen war, schien ihr mindestens ebenso großen Kummer zu bereiten wie ihm.

Sie blickte sich um, entdeckte Thorsten und lächelte entschuldigend. »Jessas, guten Abend erst einmal, es tut mir sehr leid, dass Sie das mit anhören mussten. Wie kann ich Ihnen denn helfen?«

Ein weniger verzweifelter Mann hätte nach solchen Schelten wohl schnurstracks woanders nach Arbeit gefragt, aber diese Option blieb ihm nicht. Immerhin schien soeben eine Stellung frei geworden zu sein. Einen Versuch musste er also wagen.

»Mein Name ist Thorsten Stadler«, stellte er sich vor. »Ich studiere in Salzburg und suche für den Sommer einen Aushilfsjob. Haben Sie da was für mich?«

»Eine Arbeit? Nun, wir könnten tatsächlich einen Kellner gebrauchen, der sich net an der Kasse vergreift.« Sie sandte einen traurigen Blick in die Richtung, in der der andere Mann verschwunden war. »Haben Sie irgendwelche Erfahrungen beim Kellnern?«

Er schüttelte bedauernd den Kopf. »Noch net, aber ich lerne wirklich schnell, und ich werde mich anstrengen, das kann ich Ihnen versprechen.«

»Haben Sie ein Empfehlungsschreiben? Oder eine andere Referenz?«

»Nein.« Er presste die Kiefer zusammen. Vermutlich würde es ihm nicht helfen, ihr zu verraten, dass er bisher in seinem Leben noch keinen Finger krumm gemacht hatte. Das war schlicht und ergreifend nicht notwendig gewesen. Vor einigen Monaten hatte sich jedoch alles verändert …

»Mei, also schön«, gab sie sich einen Ruck. »Probieren wir’s halt, gell. Wir brauchen wirklich dringend einen neuen Aushilfskellner. Haben Sie ein Quartier im Dorf, Herr Stadler?«

Er schüttelte den Kopf. »Noch net.«

»Sie können eine der Kammern unter dem Dach bewohnen, wenn Sie möchten. Diese Etage ist den Angestellten vorbehalten. Am besten richten Sie sich erst einmal ein und wärmen sich auf. Sie sind ja völlig durchnässt. Ein fürchterliches Wetter da draußen, gell?« Hedi Kastler lächelte ihn mitfühlend an. »Morgen früh zeige ich Ihnen dann alles und weise Sie in Ihre neuen Aufgaben ein. Dann machen wir auch den Arbeitsvertrag fertig. Sind Sie damit einverstanden?«

»Ja, das klingt großartig.«

Er konnte es kaum fassen. Er hatte wirklich einen Job? Noch dazu in diesem reizenden Hotel? Das war ein Glück, mit dem er nicht gerechnet hatte. Doch seine Freude schrumpfte, als er das winzige Zimmer betrat, das Hedi Kastler ihm zeigte. Alles war vorhanden: Bett und Schrank waren aus Zirbenholz gefertigt, es gab ein kleines Badezimmer und einen Fernseher. Sogar ein winziger Kühlschrank fand sich. Mit den schrägen Wänden war die Kammer jedoch nicht einmal halb so groß wie sein früherer Ankleideschrank. Es war, als wäre er von einem Fußballstadion in eine Besenkammer umgezogen.

Und wenn schon, schluckte er den Frosch in seiner Kehle energisch hinunter. Die Kammer blitzt vor Sauberkeit, das Bett ist frisch bezogen und vermutlich habe ich morgen früh vom Fenster aus eine wunderbare Aussicht. Ich hätte es wirklich schlechter treffen können.

Thorsten rückte den Lavendeltopf vor dem Fenster ein Stück zur Seite, um hinauszusehen. Alles dunkel und grau, aber das würde sich sicherlich bald ändern.

Das hier könnte ein Neuanfang sein, ermahnte er sich. Ich darf mir diese Chance nicht vermasseln.

Unvermittelt riss eine Sturmbö das Fenster auf und wehte einen Schwall Regen ins Zimmer. Das Bett stand genau darunter. Im Handumdrehen war das Kopfkissen dunkel vor Nässe. Hastig drückte Thorsten das Fenster wieder zu und seufzte. Sein Pech schien ihn hierher verfolgt zu haben.

Wenn es jemanden gab, der es vom Regen geradewegs in ein Unwetter schaffte, dann war das Thorsten Stadler!

***

David und Marie werden heiraten! Erfreut blickte Hedi Kastler auf das goldgerahmte Büttenpapier hinunter. Sie laden Andi und mich zu ihrem großen Tag ein. Oh, ich freue mich so für die beiden. Sie hatten es wirklich nicht leicht, zueinanderzufinden.

Die Hotelchefin erinnerte sich noch gut an die Verwicklungen, die dem Glück des jungen Paares vorausgegangen waren. Doch nun hatte sich alles zum Guten gefügt. Gott sei Dank!

Während Hedi noch darüber nachdachte, welches Dirndl sie zur Hochzeit tragen würde, drang von der Terrasse des Berghotels unvermittelt das Scheppern von zerbrechendem Geschirr. Hedi machte Andi, der hinter ihr im Büro saß, ein kurzes Zeichen und verließ ihren Posten am Empfang, um draußen nach dem Rechten zu sehen.

Sturm und Regen waren über Nacht weitergezogen und hatten einem strahlend schönen Sommertag Platz gemacht. Bei dem sonnigen Wetter waren die Türen des Hotelrestaurants weit geöffnet, und es wurde an den Tischen im Freien serviert. Jetzt, um die Mittagszeit, waren sämtliche Tische mit Gästen besetzt, die soeben ganz erschrocken zu dem jungen Kellner blickten, der vor einem Durcheinander aus zerbrochenen Tellern und Speisen stand. Es war ihr neuer Aushilfskellner, der offenbar ein Tablett hatte fallen lassen und nun ganz verzweifelt dreinschaute.

»Können Sie nicht aufpassen?« Ein Gast war aufgesprungen und starrte finster zwischen seinen Hosenbeinen und Thorsten hin und her. Seine Wanderhose war mit rötlichen Flecken gesprenkelt.

»Das tut mir wirklich leid«, stammelte Thorsten.

»Davon werden meine Wanderhosen auch nicht sauber!«

»Ich … also … Verzeihen Sie bitte vielmals.«

Der Gast grollte etwas, das nicht zu verstehen war.

Thorsten lief dunkelrot an und wirkte völlig überfordert.

Hedi fand es an der Zeit, um einzuschreiten.

»Geben Sie die Hose bitte zum Waschen einem unserer Zimmermädchen, Herr Körner«, sagte sie begütigend. »Sie bekommen sie im Handumdrehen sauber zurück. Außerdem würden wir uns freuen, Sie und Ihre Frau heute Abend zum Essen einzuladen. Wählen Sie von der Speisekarte, was Ihnen gefällt. Ich würde Ihnen die Grillplatte empfehlen, und zum Nachtisch einen leckeren Apfelstrudel. Einverstanden?«

»Hm, na gut.« Der Gast rieb sich das Kinn. »So was kann schon mal passieren. Ja, also, vielen Dank.«

Hedi nickte dem Gast versöhnlich zu.

Thorsten hatte sich derweil gebückt und das zerbrochene Geschirr ebenso wie die Essensreste auf sein Tablett gestapelt. Er schien kaum zu wissen, wo er vor Verlegenheit hinschauen sollte. Als er hastig ins Restaurant zurückstürmte, stieß er an die Palme, die neben dem Eingang stand, sodass diese leicht kippte und ihre Wedel geradewegs in das Mittagessen einer Urlauberin getunkt wurden. Diese riss verblüfft die Augen auf.

Dann lächelte sie. »Sie haben ganz recht, junger Mann. Man soll mehr Grünes essen. Das sagt mein Hausarzt auch immer.«

Thorsten stammelte etwas Undeutliches und verschwand mit seinem Tablett in der Küche.

Hedi blickte ihm nach und seufzte. An Übung mangelte es ihm tatsächlich, da hatte er nicht übertrieben. War es wirklich eine gute Idee gewesen, ihn einzustellen? Sie hatte ihn am Morgen in seine neuen Pflichten eingewiesen, und er hatte aufmerksam zugehört, aber seitdem jagte eine Panne die nächste.

Er verschüttete Kaffee, vergaß, die Speisen am Salatbüfett aufzufüllen, oder warf Blumenvasen um, sodass die Tische neu eingedeckt werden mussten. Je mehr er sich bemühte, umso schlimmer wurde es. Wenn das so weiterging, würden sie bald kein heiles Geschirr mehr haben, dafür aber jede Menge Beschwerden von aufgebrachten Gästen.

Sie wollte gerade zum Empfang zurückkehren, als Thorsten aus der Küche kam. Im selben Augenblick rannte ein Bub durch das Restaurant, stolperte neben der Hotelbar und fiel hin. Der kleine Mann konnte nicht älter als drei oder vier Jahre sein. Dicke Tränen kullerten ihm über die Wangen, und er brüllte ganz erschrocken los. Thorsten war sofort bei ihm, stellte das Kind wieder auf die Beine und hockte sich vor den Bub, um ihn prüfend anzusehen. Er sagte etwas, und was immer es war, es veranlasste das Kind zu einem hellen Auflachen. Die Tränen versiegten – und wenig später flitzte das Kind zurück zu seinen Eltern, die auf der Terrasse saßen, in die Eiskarte vertieft waren und den Schrecken nicht einmal bemerkt hatten.

Hedi lächelte bedächtig und winkte ihren jungen Aushilfskellner zu sich heran.

»Herr Stadler, kommen Sie doch mal bitte. Wir trinken jetzt erst einmal ein Haferl Kaffee zusammen.«

Er folgte ihr in die Lobby und wartete schweigend, bis sie mit zwei Haferl aus der Küche zurückgekehrt war. Dann schlang er verkrampft die Finger darum und fragte halblaut: »Bin ich jetzt entlassen?«

»Warum glauben Sie das?«

»Weil ich ein furchtbarer Kellner bin. Nix bekomme ich auf die Reihe. Ich vergesse Bestellungen, werfe Sachen um und schütte den Gästen das Essen öfter über die Garderobe, als dass ich es ihnen serviere. Schlimmer geht es wohl kaum.«