Das Berghotel 179 - Verena Kufsteiner - E-Book

Das Berghotel 179 E-Book

Verena Kufsteiner

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Glückliche Novembertage - Ein vom Schicksal schwer geprüftes Ehepaar wagt einen Neuanfang


Lotti Auhofer hat eine Mission: Sie will das Geheimnis ihres Mannes lüften. Denn dieser verschwindet jedes Jahr im November für zwei Wochen ins Zillertal - angeblich aus geschäftlichen Gründen - und kehrt daraufhin übellaunig und verschlossen nach Hause zurück. Alljährlich fragt sie sich, was in St. Christoph vor sich geht, und nun will sie der Sache endlich auf den Grund gehen. Es ist ein letzter Versuch, ihre Ehe zu retten.
So nimmt sie kurzerhand Reißaus, verlässt ihren Mann vorerst und bewirbt sich im Berghotel als Zimmermadel. Wie es das Schicksal so will, wird sie eingestellt. Und nach wenigen Wochen checkt tatsächlich ihr Mann Simon im Berghotel ein.

Lotti nutzt jede Gelegenheit, um seine Sachen zu durchsuchen oder ihm heimlich zu folgen. Zu ihrer Erleichterung findet sie keinen Hinweis auf eine Affäre. Allerdings ist das, was sie dann entdeckt, weitaus tragischer ...


Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2018

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Impressum

Glückliche Novembertage

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-7298-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Im idyllischen St. Christoph, dort, wo auch der »Bergdoktor« lebt und praktiziert, liegt das Hotel »Am Sonnenhang«. Es ist ein Haus, in dem sehr viel Wert auf Tradition und Gastlichkeit gelegt wird – und sich für die Gäste so mancher Traum erfüllt.

Glückliche Novembertage

Ein vom Schicksal schwer geprüftes Ehepaar wagt einen Neuanfang

Von Verena Kufsteiner

Lotti Auhofer hat eine Mission: Sie will das Geheimnis ihres Mannes lüften. Denn dieser verschwindet jedes Jahr im November für zwei Wochen ins Zillertal – angeblich aus geschäftlichen Gründen – und kehrt daraufhin übellaunig und verschlossen nach Hause zurück. Alljährlich fragt sie sich, was in St. Christoph vor sich geht, und nun will sie der Sache endlich auf den Grund gehen. Es ist ein letzter Versuch, ihre Ehe zu retten.

So nimmt sie kurzerhand Reißaus, verlässt ihren Mann vorerst und bewirbt sich im Berghotel als Zimmermadel. Wie es das Schicksal so will, wird sie eingestellt. Und nach wenigen Wochen checkt tatsächlich ihr Mann Simon im Berghotel ein.

Lotti nutzt jede Gelegenheit, um seine Sachen zu durchsuchen oder ihm heimlich zu folgen. Zu ihrer Erleichterung findet sie keinen Hinweis auf eine Affäre. Allerdings ist das, was sie dann entdeckt, weitaus tragischer …

Andi Kastler, der Besitzer des Tiroler Sporthotels »Am Sonnenhang«, musste sich zurückhalten, nicht erleichtert aufzuseufzen, als er den erfreuten Gesichtsausdruck seiner Frau Hedi sah. So, wie ihre Augen im Licht der tief stehenden Oktobersonne funkelten, würde das Vorstellungsgespräch mit dem neuen Zimmermadel ein schnelles Ende finden, und er konnte sich anderen, ebenso wichtigen Dingen widmen.

Schließlich musste er noch die neue Weinbestellung machen, nachdem beim Weinfest ein Großteil ihrer Bestände weggegangen war. Außerdem musste er sicherstellen, dass auf dem Gelände ums Hotel herum – im Garten, auf den Tennisplätzen, auf der Terrasse – alles winterfest gemacht wurde.

Freilich erledigten das normalerweise der Gärtner Franz Kroneder und sein Kollege Kilian Garnreiter, der einsprang, wo gerade Not am Mann war. Aber Andi behielt gerne den Überblick.

Apropos: Er musste noch den Dachdecker bestellen, damit er die Dachrinnen auf liegengebliebenes Laub kontrollierte und den undichten Übergang zum Fallrohr an der Hinterseite des Hotels ausbesserte …

»Gell, Anderl? Das muss eine Fügung des Schicksals gewesen sein, dass die Lotti sich bei uns beworben hat.«

Erschrocken zuckte Andi zusammen, als er bemerkte, dass er in den letzten Minuten kaum zugehört hatte. Er mochte Vorstellungsgespräche nicht besonders, auch wenn sie selten vorkamen und dann meistens ziemlich nett und unkompliziert abliefen. Nur dann und wann benötigten er und seine Frau Hedi eine neue Hilfskraft, weil das Hotel ausgebucht war und die Festangestellten den Ansturm der Gäste nicht allein bewältigen konnten.

Die Mitarbeiter des Berghotels – die Köche Leo Hofbacher und Rosi Stadler, die Hausdame Gerda Stahmer und ihre Schar Zimmermadeln, die Serviermadeln, Kilian Garnreiter, Franz Kroneder, der Sportlehrer Lukas Einrieder und die Kosmetikerin Gerti Wachter – sie alle waren ein eingespieltes Team, das gut funktionierte. Fast wie eine kleine Familie waren sie füreinander. Man passte aufeinander auf, nahm sich gegenseitig Arbeit ab und trank auch einmal ein Stamperl oder ein Glaserl Wein miteinander, wenn sich eine Gelegenheit ergab.

Und das war auch der Grund, warum alle gern hier arbeiteten – er selbst, Andi, eingeschlossen. Er mochte es, mit den Gästen immer wieder neue, fremde Menschen kennenzulernen. Doch sein direktes Umfeld, seine Mitarbeiter, kannte er gern richtig gut, und darum war es ihm lieb, wenn sie lange blieben.

Umso trauriger eigentlich, dass die Anni Breitling, eines ihrer Zimmermadeln, nun vorerst einmal nicht mehr zur Arbeit kommen würde.

Nein, »traurig« war eigentlich nicht das richtige Wort, denn der Grund war ja ein glücklicher: Die Anni würde in wenigen Wochen ihr erstes Kind bekommen, und Hedi und Andi freuten sich freilich mit ihr. Aber das hieß eben, dass sie jemand Neues einstellen mussten, der die Anni ersetzte, solange sie sich um ihr Baby kümmerte.

Und dieses neue Zimmermadel, eine gewisse Lotti Ambach aus St. Pölten, saß ihm gerade gegenüber und schaute ihn erwartungsvoll an, als warte sie auf eine Antwort von ihm.

Hoppla! Andis Gedanken waren schon wieder abgeschweift.

»Verzeiht’s, Madeln. Ich hab grad so viel anderes im Kopf.«

Er kratzte sich verlegen im Nacken, doch Hedi lächelte warm.

»Die Lotti kennt das sicher noch vom Hotel ihrer Eltern, dass man als Inhaber ständig zu tun hat, gell?«

Sie wandte sich der Bewerberin zu, die ebenfalls lächelte.

»Freilich. Ich bin damit aufgewachsen. Obwohl unser Familienhotel viel kleiner war als eures. Trotzdem war immer irgendwas zu reparieren, ein Gast hatte einen Wunsch, oder das Außengelände musste gepflegt werden. Für lange Gespräche mit neuen Mitarbeitern war wenig Platz. Deshalb dank ich euch schön, dass ihr euch für mich Zeit genommen habt.«

Fast fühlte Andi sich ein bisserl ertappt, dass er eigentlich lieber woanders hatte sein wollen. Doch dann blickte er in das freundliche Gesicht der jungen Frau und entspannte sich.

Lotti war eine hübsche Person, das konnte man nicht anders sagen. Ihr Haar war so dunkel, dass es beinahe schwarz wirkte. Es fiel ihr in langen Wellen über die Schulter und verdeckte dabei nur halb die großen, goldenen Reifen ihrer Creol-Ohrringe. Auch Lottis Augen waren tiefdunkel, und trotz des hellblauen, offensichtlich niederösterreichischen Dirndls konnte sie ihre Südtiroler Herkunft nicht verleugnen.

Die offen dreinblickenden Augen funkelten in einem fröhlichen Gesicht, das bei ihren dreißig Jahren nichts Kindliches, aber noch genug jugendliche Frische hatte, um sie attraktiv zu machen. Man konnte sehen, dass sie gern neue Menschen traf. Das war im Umgang mit den Gästen natürlich Gold wert. Aber Andi hatte darüber hinaus das Gefühl, dass sie sich ganz gut in ihre kleine Berghotel-Familie einfügen würde.

»Haben Sie irgendwelche Hobbys oder Interessen?«, stellte er die einzige Standardfrage für ein Vorstellungsgespräch, die ihm gerade einfallen wollte. Sie entstammte dem Handbuch für Mitarbeiterführung, das Hedi und er vor Jahren einmal angeschafft hatten.

Überrascht blickte Hedi ihn an. »Das hat die Lotti aber doch eben erzählt? Und außerdem waren wir schon beim Du. Mei, Anderl, wo bist denn die ganze Zeit mit deinen Gedanken gewesen?«

Verlegen zuckte Andi mit den Schultern.

Lotti lächelte. »Ich les gern Kriminalromane. Das ist meine Leidenschaft. Ich geh nirgends hin, ohne einen Krimi dabei zu haben. Bei der Arbeit les ich freilich net, aber in meiner Freizeit mach ich fast nix anderes.«

»Ach, wirklich?« Andi mochte ganz gern einmal einen Krimi im Fernsehen schauen und kannte sich deshalb ein bisserl aus. »Eher nordisch-düster oder eher Miss Marple?«

»Eher Miss Marple. Ich mag’s net zu blutig, aber ich rätsel halt gern mit, wer der Täter ist. Inzwischen bin ich schon ganz gut darin, die Hinweise richtig zu deuten.«

»Oh, das ist freilich praktisch, so ein Gendarm im Haus. Wenn also einmal was passiert, dann rufen wir einfach dich.«

Darauf musste sie lachen. Sie tippte sich spielerisch an die Stirn.

»Kommissar Lotti stets zu Diensten!«

»Na, dann ist ja alles klar«, fasste Hedi zusammen und legte mit zufriedener Miene die Hände aneinander. »Wann kannst du anfangen, Lotti?«

»So bald wie möglich, wenn’s euch recht ist. Ich hab mir schon ein Kammerl bei einem der Bauern in St. Christoph organisiert.«

»Prima. Von uns aus kann’s direkt losgehen. Je eher wir die Anni in den Mutterschutz schicken, desto besser«, befand Hedi.

»Sie hat sich ein bisserl geziert«, fügte Andi hinzu. »Meinte, eine Schwangerschaft sei doch keine Krankheit. Aber in letzter Zeit muss auch sie zugeben, dass ihr der Bauch ziemlich im Weg ist.«

»… und just in dem Moment kommt deine Bewerbung rein. Als wir grade eine Anzeige in der Tiroler Presse aufgeben wollten. Was für ein Zufall!«

Hedi stand auf, was offensichtlich das Ende des zugegebenermaßen kurzen und lockeren Vorstellungsgesprächs bedeutete.

Erleichtert erhob auch Andi sich.

»Wir freuen uns sehr. Du hast uns eine Menge lästiger Bewerbungsgespräche erspart.« Er grinste, als Hedi ihm einen Stubs versetzte.

»Sei net so unhöflich, Anderl. Wir freuen uns freilich noch viel mehr, dass du jetzt für uns arbeitest.«

Lotti war ebenfalls aufgestanden und ergriff Andis ausgestreckte Hand. Ihre Augen funkelten lustig.

»Ich freu mich auch, dass ich mich net woanders vorstellen muss.«

Hedi lachte. »Und es macht dir wirklich nix aus, dass die Stelle befristet ist, bis die Anni aus der Babypause zurückkommt?«

Lotti schüttelte den Kopf. »Ganz und gar net. Das ist mir ganz recht so.«

Bevor Andi den Grund dafür erfragen konnte, flog die Bürotür auf und Kilian Garnreiter stürmte herein. Atemlos berichtete er, dass die undichte Stelle am Fallrohr sich als schadhafte Schweißnaht entpuppt und jetzt vollends abgelöst habe.

»So ein Schmarrn. – Tut mir leid, Lotti, das kann leider net warten«, entschuldigte sich Andi.

Sie nickte verständnisvoll. »Arbeit geht vor.«

»Wenn der Andi jetzt eh los muss«, sagte Hedi aufgeräumt, »dann stell ich dir mal unsere Hausdame, die Gerda Stahmer, vor. Sie kümmert sich um unsere Zimmermadeln und wird dir sicher alles zeigen.«

»Schau dir das Hotel in Ruhe an. Und wenn du einmal eine Frage hast, sind die Hedi und ich jederzeit für dich da«, ergänzte Andi.

Dann eilte er hinter Kilian her, um sich den Schaden anzusehen. Ein schadhaftes Fallrohr konnte im Herbst äußerst unangenehm werden, wenn der nächste Regenguss kam.

***

Schon eine Woche später feierten sie im »Kücheneckerl« Anni Breitlings Verabschiedung.

Das »Kücheneckerl« bestand aus einem Tisch, einem Bankerl und einigen rustikalen Stühlen, die – wie der Name schon verriet – in einer Ecke der geräumigen Hotelküche standen und eigentlich dem geschäftigen Küchenpersonal als Platzerl für kleine Verschnaufpausen dienten. Doch auch die anderen Mitarbeiter des Berghotels waren hier gern zu Gast, weil Rosi Stadler ihnen stets eine Kleinigkeit zurechtmachte.

Am heutigen Nachmittag nutzten sie die ruhigere Zeit zwischen Mittagessen und Abendbrot, um sich auf einen leckeren Zwetschgenkuchen zu treffen und Anni bis auf Weiteres Adieu zu sagen. Alle Mitarbeiter des Hotels hatten sich in dem kleinen Eckerl eingefunden und saßen und standen um den Tisch herum, an dem Anni die Geschenke der Kollegen auspackte.

»Mei, das ist ja ein herziger Strampler!«, rief Anni aus, nachdem schon ein Teddybär und eine kleine Kuscheldecke zum Vorschein gekommen waren. »Ihr seid’s alle so lieb!«

Tränen schlichen sich in die strahlenden Augen der werdenden Mutter, während sie zärtlich über ihren enormen Bauch streichelte.

Auch Lotti hatte eine Kleinigkeit dabei und legte sie vor Anni auf den Tisch. Überrascht sah das Madel zu ihr auf.

»Ich weiß, wir kennen uns kaum«, gestand Lotti verlegen, »aber du hast mir alles so lieb gezeigt, da wollt ich dir gern auch was schenken.«

Es stimmte: Lotti war mit offenen Armen im Sporthotel »Am Sonnenhang« aufgenommen worden, und das war nicht zuletzt Annis Verdienst. Sie hatte ihr nicht nur gezeigt, wo alles lag, wo die Wäschekammer war, wie die Zimmer zurechtgemacht werden mussten, sondern sie auch jedem einzelnen ihrer Kollegen vorgestellt, und das hatte sehr dabei geholfen, sich vom ersten Tag an heimisch zu fühlen.

Das Merkwürdige war, dass Lotti erst eine Woche hier arbeitete und sich dennoch daheim und willkommen fühlte. Dieses Gefühl war ganz neu und irgendwie … beflügelnd für sie. Sie spürte selbst, dass sie regelrecht aufblühte, was wirklich seltsam war, denn sie hatte auch daheim in St. Pölten nicht unbedingt zurückgezogen gelebt. Na ja, ihr Privatleben war halt ein bisserl einsam gewesen …

»Ein Krimi?«, fragte Anni verblüfft, und alle um sie herum brachen in Lachen aus.

»Mei, Lotti, du glaubst auch, man könnt nur von Luft und Kriminalgeschichten leben«, neckte Rosi Stadler, die sich freilich schon Lottis Lieblingskrimi ausgeborgt hatte.

Lotti spürte, wie sie errötete, doch dann lachte auch sie.

»Ihr versteht’s mich ganz falsch. Ich hab mir da was bei gedacht.«

»So? Willst du dir den Krimi gar später von mir leihen?«, stichelte auch Anni, zwinkerte aber lustig dabei.

»Schmarrn! Den hab ich schon längst durch.«

Wieder lachten alle, denn nun wussten sie, dass das Buch bereits gelesen war.

»Ach, ihr seid’s blöd. Ich hab’s halt nimmer so schnell in die Stadt geschafft.«

Anni legte ihr eine Hand auf den Arm.

»Ist schon recht, Lotti. Hast ja nix weggeschaut. Und du weißt, dass ich auch gern einmal ein spannendes Buch les. Ich find’s halt nur ein überraschendes Geschenk zur Geburt, weißt?«

»Ja, freilich. Aber ich hab gehört, dass die Madeln, wenn sie stillen, manches Mal ewig lang sitzen und ihrem Kind beim Trinken zuschauen. Oder sie sitzen am Bettchen und warten, dass das Baby einschläft. Und da dacht ich: Bevor dir langweilig wird …«

Anni lachte, doch Lotti erkannte, dass sie es gut fand, wenn jemand mitdachte.

»Außerdem schenken alle immer nur dem Kind was, und das ist halt einmal was für die Mutter«, fügte sie leicht trotzig hinzu, musste dann aber doch schmunzeln, als Hedi den Titel vorlas.

»Die Schwangere, die plötzlich verschwand?« Hedi gluckste.

»Mei, ja, der ist fei echt gut! Ist sogar verfilmt worden, läuft grad im Kino.«

Sie wusste, dass vermutlich niemand solch ein begeisterter Krimi-Fan war wie sie, und die anderen hatten schnell gemerkt, dass sie in ihren Pausen immer auf der Terrasse, im Kücheneckerl oder sonst irgendwo saß und schmökerte. Aber weil hier im Berghotel eine solch warme und herzliche Atmosphäre herrschte, machte es ihr nix aus, dass sie deshalb aufgezogen wurde.

Im Gegenteil: Es war ein bisserl, als wären diese Neckereien das Zeichen dafür, dass sie angenommen war. Hedi und Andi zogen sich schließlich auch gern einmal gegenseitig auf, und Kilian Garnreiter, der sich neben seinen anderen Aufgaben auch als Chauffeur betätigte und deshalb häufig in der Tiefgarage unterwegs war, wurde von seinen Kollegen gern »Herr der Unterwelt« genannt. Ab und an einen Spaß miteinander zu treiben, machte aus reinen Kollegen richtige Freunde.

Ein bisserl wie eine echte Familie, schoss es Lotti durch den Kopf, und sie streichelte sich gedankenverloren über den Bauch, wie auch Anni es gerne bei ihrer runden Kugel tat, während sie sich in der Runde umblickte.

»Ich werd euch vermissen«, gestand Anni jetzt.

»Schmarrn! Glaub mir, du wirst gar keine Zeit haben, an uns zu denken. So ein Säugling macht eine Menge Arbeit!«, entgegnete Franz Kroneder, dessen eigener Sohn Tobias inzwischen neun Jahre alt war.

»Außerdem kommst ja wohl wieder, gell?«, fügte Hedi hinzu.

»Freilich. Wenn die Lotti mich net zu gut ersetzt. Dass sie anpacken kann, hat man in der ersten Woche ja schon gesehen.« Wieder zwinkerte Anni lustig.

»Da mach dir mal keine Sorgen. Ich nehm dir deinen Job net weg. Wenn du wiederkommst, mach ich mich aus dem Staub.«

Lotti lächelte ihre Vorgängerin an.

»Schreckt dich das eigentlich gar net ab?«, fragte Gerda Stahmer, und Lotti sah, wie sich alle Augen ihr zuwandten. »Ich mein, ich bin sehr froh, dass wir dich haben, du machst deine Sache wirklich gut. Aber eine fleißige junge Frau wie du, die möcht doch sicher was Festes haben und net nur eine befristete Stelle?«

Für einen Moment wusste Lotti nicht, wie sie antworten sollte. Eine langjährige, dauerhafte Stellung war gerade sowieso nicht in ihrem Sinne, aber sie wollte nicht, dass ihre Kollegen und speziell Gerda Stahmer wussten, warum. Oder zumindest noch nicht.